Trentino: Unterschied zwischen den Versionen
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{{Salzburgbezug}}Das '''Trentino''', amtlich ''Autonome Provinz Trient'', ist eine autonome Provinz der [[Italien|Italienischen Republik]]. | {{Salzburgbezug}}Das '''Trentino''', amtlich ''Autonome Provinz Trient'', ist eine autonome Provinz der [[Italien|Italienischen Republik]]. | ||
==Politische Verfassung== | == Politische Verfassung == | ||
Die autonome Provinz Trient bildet zusammen mit [[Südtirol]], einer zweiten autonomen Provinz, die autonome Region Trentino-Südtirol.<ref>Eine italienische Region, aber auch eine autonome Provinz ist mit einem österreichischen Bundesland vergleichbar.</ref> Hauptstadt der Autonomen Provinz Trient und der autonomen Region ist Trient (italienisch ''Trento''). | Die autonome Provinz Trient bildet zusammen mit [[Südtirol]], einer zweiten autonomen Provinz, die autonome Region Trentino-Südtirol.<ref>Eine italienische Region, aber auch eine autonome Provinz ist mit einem österreichischen Bundesland vergleichbar.</ref> Hauptstadt der Autonomen Provinz Trient und der autonomen Region ist Trient (italienisch ''Trento''). | ||
==Historische Territorialverhältnisse== | == Historische Territorialverhältnisse == | ||
Der Großteil des heutigen Trentino bildete vom [[Mittelalter]] bis zur [[Säkularisierung]] ([[1803]]) das Territorium des [[Erzbistum Trient|Fürstbistums (Hochstiftes) Trient]]. Andere Gebiete gehörten als „''Welsche Confinen''“ (darunter Rovereto, [[Welsperg|Primör]] [Primiero], Grafschaft [[Arco]]) zu [[Tirol]]. Auch die ehemalige Grafschaft [[Lodron]] lag im heutigen Trentino. Von [[1815]] bis [[1918]] gehörte das Gebiet des Trentino zu [[Tirol]] und wurde damals Welschtirol genannt. | Der Großteil des heutigen Trentino bildete vom [[Mittelalter]] bis zur [[Säkularisierung]] ([[1803]]) das Territorium des [[Erzbistum Trient|Fürstbistums (Hochstiftes) Trient]]. Andere Gebiete gehörten als „''Welsche Confinen''“ (darunter Rovereto, [[Welsperg|Primör]] [Primiero], Grafschaft [[Arco]]) zu [[Tirol]]. Auch die ehemalige Grafschaft [[Lodron]] lag im heutigen Trentino. Von [[1815]] bis [[1918]] gehörte das Gebiet des Trentino zu [[Tirol]] und wurde damals Welschtirol genannt. | ||
==Geschichtliche Verbindungen zu Salzburg== | == Geschichtliche Verbindungen zu Salzburg == | ||
* 1. Begegnungen und Einflüsse im [[Mittelalter]] und zu Beginn der [[Neuzeit]] | * 1. Begegnungen und Einflüsse im [[Mittelalter]] und zu Beginn der [[Neuzeit]] | ||
* 2. Kulturelle Einflüsse während der [[Barock]]zeit, vom Ende des [[16. Jahrhundert|16.]] bis zum Ende des [[18. Jahrhundert]]s | * 2. Kulturelle Einflüsse während der [[Barock]]zeit, vom Ende des [[16. Jahrhundert|16.]] bis zum Ende des [[18. Jahrhundert]]s | ||
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* 6. Beziehungen während der Zugehörigkeit des Fürstbistums Trient zur [[Salzburger Kirchenprovinz]] von [[1826]] bis [[1920]] | * 6. Beziehungen während der Zugehörigkeit des Fürstbistums Trient zur [[Salzburger Kirchenprovinz]] von [[1826]] bis [[1920]] | ||
===1. Begegnungen und Einflüsse im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit=== | === 1. Begegnungen und Einflüsse im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit === | ||
Das [[Salzburger Domkapitel]] schickte nach jeder Wahl eines (Fürst-)[[Erzbischof]]s eine Abordnung mit dem Wahldekret zur Kurie nach Rom. Die Reise führte stets über Trient. Von Erzbischof [[Konrad II. von Babenberg]] ist bekannt, dass er am Romzug von Kaiser Heinrich IV. über Trient im Sommer [[1110]] teilgenommen hatte. Auch [[Eberhard II. von Regensberg]] soll [[1245]] seinen Weg über Trient nach Verona zu Kaiser Friedrich II. genommen haben. | Das [[Salzburger Domkapitel]] schickte nach jeder Wahl eines (Fürst-)[[Erzbischof]]s eine Abordnung mit dem Wahldekret zur Kurie nach Rom. Die Reise führte stets über Trient. Von Erzbischof [[Konrad II. von Babenberg]] ist bekannt, dass er am Romzug von Kaiser Heinrich IV. über Trient im Sommer [[1110]] teilgenommen hatte. Auch [[Eberhard II. von Regensberg]] soll [[1245]] seinen Weg über Trient nach Verona zu Kaiser Friedrich II. genommen haben. | ||
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Die Reisezeit im [[18. Jahrhundert]] zwischen Salzburg und Brixen betrug vier Tage, zwischen Salzburg und Trient sechs Tage. | Die Reisezeit im [[18. Jahrhundert]] zwischen Salzburg und Brixen betrug vier Tage, zwischen Salzburg und Trient sechs Tage. | ||
===2. Kulturelle Einflüsse während der Barockzeit, vom Ende des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts=== | === 2. Kulturelle Einflüsse während der Barockzeit, vom Ende des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts === | ||
Das Trienter Domkapitel war stets weltpriesterlich, in Salzburg standen die 24 Domkapitulare von [[1122]] bis [[1514]] unter der Ordensregel der Augustiner-Chorherren. Erst dann wurden auch sie weltpriesterlich. | Das Trienter Domkapitel war stets weltpriesterlich, in Salzburg standen die 24 Domkapitulare von [[1122]] bis [[1514]] unter der Ordensregel der Augustiner-Chorherren. Erst dann wurden auch sie weltpriesterlich. | ||
===3. aus dem Gebiet stammten zahlreiche Salzburger Fürsterzbischöfe und Domherren=== | === 3. aus dem Gebiet stammten zahlreiche Salzburger Fürsterzbischöfe und Domherren === | ||
Stammten die Salzburger Erzbischöfe des [[Mittelalter]]s bis in die erste Hälfte des [[16. Jahrhundert]]s aus verschiedenen [[Herzogtum Bayern|baierischen]], schwäbischen und babenbergisch-[[Habsburger|habsburgischen]] Adelsfamilien, nur zwei aus dem salzburgischen Landadel, keiner aus Tirol, so kamen ab Mitte des [[16. Jahrhundert]]s vermehrt Erzbischöfe aus südlicheren Ländern. | Stammten die Salzburger Erzbischöfe des [[Mittelalter]]s bis in die erste Hälfte des [[16. Jahrhundert]]s aus verschiedenen [[Herzogtum Bayern|baierischen]], schwäbischen und babenbergisch-[[Habsburger|habsburgischen]] Adelsfamilien, nur zwei aus dem salzburgischen Landadel, keiner aus Tirol, so kamen ab Mitte des [[16. Jahrhundert]]s vermehrt Erzbischöfe aus südlicheren Ländern. | ||
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=== 4. Studenten aus dem Fürstbistum Trient studierten an der Salzburger Alma mater paridiana === | === 4. Studenten aus dem Fürstbistum Trient studierten an der Salzburger Alma mater paridiana === | ||
Studenten aus Welschtirol fanden hauptsächlich in den beiden Kollegien [[Collegium Marianum|''Marianum'']] und [[Collegium Rupertinum|''Rupertinum'']] oder in der fürsterzbischöflichen Pagerie Aufnahmen. Auch Domherren und Salzburger Familien nahmen Studenten privat auf. | Studenten aus Welschtirol fanden hauptsächlich in den beiden Kollegien [[Collegium Marianum|''Marianum'']] und [[Collegium Rupertinum|''Rupertinum'']] oder in der fürsterzbischöflichen Pagerie Aufnahmen. Auch Domherren und Salzburger Familien nahmen Studenten privat auf. | ||
===5. Welschtiroler Künstler waren in den Bereichen bildende Kunst, Theater und Musik in Salzburg tätig=== | === 5. Welschtiroler Künstler waren in den Bereichen bildende Kunst, Theater und Musik in Salzburg tätig === | ||
[[Jacobo Zanusi]] (* [[1679]]; † [[1742]]), wahrscheinlich aus dem Fassa-Tal, war Hofmaler unter Fürsterzbischof [[Franz Anton Fürst Harrach]] und anschließend unter dessen Nachfolger [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]]. | [[Jacobo Zanusi]] (* [[1679]]; † [[1742]]), wahrscheinlich aus dem Fassa-Tal, war Hofmaler unter Fürsterzbischof [[Franz Anton Fürst Harrach]] und anschließend unter dessen Nachfolger [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]]. | ||
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[[Giuseppe Tomaselli]] (* [[1758]] in Rovereto; † [[1836]] in Würzburg, Bayern), Sänger und Begründer der Kaffeehaus-Dynastie [[Tomaselli]], war gebürtiger Trentiner. Er wanderte nach Salzburg aus, wo er auch begraben liegt ([[Friedhof von St. Peter]]). | [[Giuseppe Tomaselli]] (* [[1758]] in Rovereto; † [[1836]] in Würzburg, Bayern), Sänger und Begründer der Kaffeehaus-Dynastie [[Tomaselli]], war gebürtiger Trentiner. Er wanderte nach Salzburg aus, wo er auch begraben liegt ([[Friedhof von St. Peter]]). | ||
===6. Beziehungen während der Zugehörigkeit des Fürstbistums Trient zur Salzburger Kirchenprovinz von 1826 bis 1920=== | === 6. Beziehungen während der Zugehörigkeit des Fürstbistums Trient zur Salzburger Kirchenprovinz von 1826 bis 1920 === | ||
====1915 bis 1918==== | ==== 1915 bis 1918 ==== | ||
Das [[Salzburger Hausregiment Erzherzog Rainer Nr. 59]] wurde im Frühjahr [[1916]] von seinem bisherigen Einsatzort in [[Galizien]] (Ostfront) an die Südfront in das Trentino verlegt. Nach der Mai-Offensive wurde der ''Monte Cimone'' nördlich Arsiero der ''Berg der Rainer''. Von diesem heiß umkämpften und am [[23. September]] 1916 gesprengten Berggipfel sah man bei klarem Wetter bis Vicenza im [[Venetien|Veneto]]. In den Monaten des Stellungskriegs bauten die ''Rainer'' und ihr [[oberösterreich]]isches Nachbarregiment Nr. 14 (die "Hessen") den bisherigen Almweg ''Folga − Passo de la Vena'' zur "Hessen-Rainer-Straße" aus. Die Straße ist noch heute in Betrieb. | Das [[Salzburger Hausregiment Erzherzog Rainer Nr. 59]] wurde im Frühjahr [[1916]] von seinem bisherigen Einsatzort in [[Galizien]] (Ostfront) an die Südfront in das Trentino verlegt. Nach der Mai-Offensive wurde der ''Monte Cimone'' nördlich Arsiero der ''Berg der Rainer''. Von diesem heiß umkämpften und am [[23. September]] 1916 gesprengten Berggipfel sah man bei klarem Wetter bis Vicenza im [[Venetien|Veneto]]. In den Monaten des Stellungskriegs bauten die ''Rainer'' und ihr [[oberösterreich]]isches Nachbarregiment Nr. 14 (die "Hessen") den bisherigen Almweg ''Folga − Passo de la Vena'' zur "Hessen-Rainer-Straße" aus. Die Straße ist noch heute in Betrieb. | ||
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In Folgaria gibt es einen Kriegerfriedhof des Salzburger Hausregiments Erzherzog Rainer Nr. 59 mit 1 760 namentlich bekannten und 640 unbekannten Österreichern. Nach einer Restaurierung des Friedhofs waren bei der Neueinweihung am [[12. September]] [[1971]] Salzburgs [[Landeshauptmann]] DDr. [[Hans Lechner]], [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]]-Stellvertreter Dr. [[Franz Kläring]] und natürlich eine Abordnung der "Rainer" dabei. | In Folgaria gibt es einen Kriegerfriedhof des Salzburger Hausregiments Erzherzog Rainer Nr. 59 mit 1 760 namentlich bekannten und 640 unbekannten Österreichern. Nach einer Restaurierung des Friedhofs waren bei der Neueinweihung am [[12. September]] [[1971]] Salzburgs [[Landeshauptmann]] DDr. [[Hans Lechner]], [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]]-Stellvertreter Dr. [[Franz Kläring]] und natürlich eine Abordnung der "Rainer" dabei. | ||
===Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Salzburg und Trient=== | === Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Salzburg und Trient === | ||
Die autonome Provinz Trient und das [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Land Salzburg]] haben am [[2. Oktober]] [[1981]] ein Partnerschaftsabkommen zu ''gedeihlicher und freundschaftlicher Zusammenarbeit'' geschlossen. Dieses Abkommen wurde von [[Landeshauptmann]] Dr. [[Wilfried Haslauer senior|Wilfried Haslauer]] und dem Präsidenten der autonomen Provinz Trient, Dr. Flavio Mengoni, unterzeichnet. | Die autonome Provinz Trient und das [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Land Salzburg]] haben am [[2. Oktober]] [[1981]] ein Partnerschaftsabkommen zu ''gedeihlicher und freundschaftlicher Zusammenarbeit'' geschlossen. Dieses Abkommen wurde von [[Landeshauptmann]] Dr. [[Wilfried Haslauer senior|Wilfried Haslauer]] und dem Präsidenten der autonomen Provinz Trient, Dr. Flavio Mengoni, unterzeichnet. | ||
==Trentino und Salzburg im Vergleich== | == Trentino und Salzburg im Vergleich == | ||
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== Weblinks == | |||
==Weblinks== | |||
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Trentino Wikipedia Trentino] | * [http://de.wikipedia.org/wiki/Trentino Wikipedia Trentino] | ||
* [http://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Trient#Hochstift_Trient Wikipedia Erzbistum Trient] | * [http://de.wikipedia.org/wiki/Erzbistum_Trient#Hochstift_Trient Wikipedia Erzbistum Trient] | ||
== Quelle == | |||
====Einzelnachweise==== | * [[Georg Stadler]]: ''[[Salzburg und Trentino]]'', erschienen in der [[Schriftenreihe des Landespressebüros]] unter "[[Salzburg Dokumentationen]] Nr. 93", 1987, ISBN 3-85015-056-9 | ||
==== Einzelnachweise ==== | |||
<references/> | <references/> | ||
[[Kategorie:Geschichte (Erzbistum)]] | [[Kategorie:Geschichte (Erzbistum)]] | ||
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