Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße: Unterschied zwischen den Versionen
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Er erkannte, dass in der damaligen Wirtschaftsrezession die Ankurbelung des [[Fremdenverkehr]]s (wie schon [[1922]] mit den ersten [[Salzburger Festspiele]]n) ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor wäre. Und man kann seinen Intentionen auch entnehmen, dass er ursprünglich [[Kärnten]] auch gar nicht an der Nutzung der Großglockner Hochalpenstraße partizipieren hätte lassen wollen. | Er erkannte, dass in der damaligen Wirtschaftsrezession die Ankurbelung des [[Fremdenverkehr]]s (wie schon [[1922]] mit den ersten [[Salzburger Festspiele]]n) ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor wäre. Und man kann seinen Intentionen auch entnehmen, dass er ursprünglich [[Kärnten]] auch gar nicht an der Nutzung der Großglockner Hochalpenstraße partizipieren hätte lassen wollen. | ||
| − | Auf die Nutzung der Wasserkraft zurück greifend ließ er [[1928]] ein gigantisches Projekt vorbereiten, für dessen Ausführung der Salzburger Landtag schließlich AEG Berlin gewinnen konnte: die Tauernkraftwerke sollten mit jährlich 3,3 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Gebiet der [[Zentralalpen]] im Bereich der [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]] aus [[Kärnten]], [[Osttirol]] und Salzburg 6,6 Milliarden kWh produzieren; 1.250 km Hangkanäle, 80 km Sammelkanäle, 120 km Sammelstollen in rund 2 | + | Auf die Nutzung der Wasserkraft zurück greifend ließ er [[1928]] ein gigantisches Projekt vorbereiten, für dessen Ausführung der Salzburger Landtag schließlich AEG Berlin gewinnen konnte: die Tauernkraftwerke sollten mit jährlich 3,3 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Gebiet der [[Zentralalpen]] im Bereich der [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]] aus [[Kärnten]], [[Osttirol]] und Salzburg 6,6 Milliarden kWh produzieren; 1.250 km Hangkanäle, 80 km Sammelkanäle, 120 km Sammelstollen in rund 2 100 [[m ü. A.]] sollten das Wasser aus einem Einzugsgebiet von etwa 2 000 km² in drei Mega-Staubecken sammeln und ins [[Kapruner Tal]] leiten. Dort sollten zwei [[Wasserkraftwerke]] gespeist werden und durch gigantische Stollen - wie zweigleisige Bahntunnels - weiter nach [[St. Johann im Pongau]] fließen, wo ein drittes Kraftwerk errichtet werden sollte. |
Dieses Projekt war mit 6,6 Milliarden Schilling (1928) veranschlagt gewesen und hätte im Endausbau 6,6 Milliarden kWh Strom erzeugen sollen - zum Vergleich: etwa das 2,75fache an der 1928 bestehenden österreichischen Gesamtstromproduktion! | Dieses Projekt war mit 6,6 Milliarden Schilling (1928) veranschlagt gewesen und hätte im Endausbau 6,6 Milliarden kWh Strom erzeugen sollen - zum Vergleich: etwa das 2,75fache an der 1928 bestehenden österreichischen Gesamtstromproduktion! | ||
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* [https://grossglocknerpanoramastrasse.wordpress.com/2015/07/31/was-geschah-1933/ 1933: Details über das Ende des Variantenstreits] | * [https://grossglocknerpanoramastrasse.wordpress.com/2015/07/31/was-geschah-1933/ 1933: Details über das Ende des Variantenstreits] | ||
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==Quellen== | ==Quellen== | ||
* Buch [[Großglockner Saumpfad Römerweg Hochalpenstraße]] | * Buch [[Großglockner Saumpfad Römerweg Hochalpenstraße]] | ||
* [[Franz Wallack|Wallack, Franz]]: ''Die Großglockner Hochalpenstraße - die Geschichte ihres Baues'', zweite Ausgabe, anlässlich der 25-Jahr-Feier der Großglockner Hochalpenstraße, 1960, Springer Verlag, Wien | * [[Franz Wallack|Wallack, Franz]]: ''Die Großglockner Hochalpenstraße - die Geschichte ihres Baues'', zweite Ausgabe, anlässlich der 25-Jahr-Feier der Großglockner Hochalpenstraße, 1960, Springer Verlag, Wien | ||
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Version vom 13. August 2017, 13:48 Uhr
Der Variantenstreit der Großglockner Hochalpenstraße war ein drei Jahre dauernder Streit um die Trassenführung der Scheitelstrecke der Großglockner Hochalpenstraße zwischen dem Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl und dem Chefingenieur der Straßenerbauung, Franz Wallack.
Übersicht
In den Jahren [1930]] bis 1933 waren die Pfandlscharten der Knackpunkt in der Baugeschichte der Großglockner Hochalpenstraße. In dem gut drei Jahre dauernden Variantenstreit wollte der damalige Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl die Straße auf Salzburger Seite von der Hexenküche oberhalb des Ferleitentals zunächst durch den Klobengrat-Tunnel (562 m), dann durch den 2 253 m langen Pfandlscharten-Tunnel zwischen den beiden Pfandlscharten darunter führen. Franz Wallack war aber aus folgenden Gründen dagegen: sehr späte Schneeschmelze erst im Juli oder August, Lawinengefahr und kaum Landschaft.
Die Hintergründe
Einer der Gründe, weshalb Rehrl in den 1920er und 1930er Jahren sich so vehement für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt hatte, war die Vision der Errichtung eines Skizentrums in der Glocknergruppe. Dieses sollte mit der neuen Straße erschlossen werden. Eine weitere Idee von Dr. Rehrl war, dass diese Straße zur Errichtung einer riesigen Tauernkraftwerkgruppe von jenen Betreibern gebaut und bezahlt werden sollte; dann hätte sie später vom Land Salzburg ohne Kosten übernommen werden sollen und neben der Ausflugsstraßenfunktion auch für das Skigebiet als Zubringer dienen.
Er erkannte, dass in der damaligen Wirtschaftsrezession die Ankurbelung des Fremdenverkehrs (wie schon 1922 mit den ersten Salzburger Festspielen) ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor wäre. Und man kann seinen Intentionen auch entnehmen, dass er ursprünglich Kärnten auch gar nicht an der Nutzung der Großglockner Hochalpenstraße partizipieren hätte lassen wollen.
Auf die Nutzung der Wasserkraft zurück greifend ließ er 1928 ein gigantisches Projekt vorbereiten, für dessen Ausführung der Salzburger Landtag schließlich AEG Berlin gewinnen konnte: die Tauernkraftwerke sollten mit jährlich 3,3 Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Gebiet der Zentralalpen im Bereich der Hohen Tauern aus Kärnten, Osttirol und Salzburg 6,6 Milliarden kWh produzieren; 1.250 km Hangkanäle, 80 km Sammelkanäle, 120 km Sammelstollen in rund 2 100 m ü. A. sollten das Wasser aus einem Einzugsgebiet von etwa 2 000 km² in drei Mega-Staubecken sammeln und ins Kapruner Tal leiten. Dort sollten zwei Wasserkraftwerke gespeist werden und durch gigantische Stollen - wie zweigleisige Bahntunnels - weiter nach St. Johann im Pongau fließen, wo ein drittes Kraftwerk errichtet werden sollte.
Dieses Projekt war mit 6,6 Milliarden Schilling (1928) veranschlagt gewesen und hätte im Endausbau 6,6 Milliarden kWh Strom erzeugen sollen - zum Vergleich: etwa das 2,75fache an der 1928 bestehenden österreichischen Gesamtstromproduktion!
Kernbestandteil dieses Megaprojekts[1] war aber ein über mehrere Kilometer lange geplanter Stollen durch die Tauern, die die Wassermenge von Kärntner Gebiet nach Salzburg leiten sollten. Demnach auch ein wesentlicher Kostenbestandteil. Würde sich also ein solcher Wassertunnel in Kombination mit einem Straßentunnel in die Projektierung einfügen, wäre dies ein großer Vorteil für Salzburg - und Dr. Rehrl gewesen.
Streitbeginn
Kaum war Wallack im Frühjahr 1930 nach Salzburg übersiedelt, bat Rehrl Wallack zu einer Unterredung. Bei dieser legte Rehrl seine eigene Trassenvariante vor: gegenüber Wallacks Trassenvorschlag von 34,5 km langen Strecke sollte Rehrls Variante nur 20,5 km lang sein, durch Lawinengalerien führen und schließlich durch einen drei Kilometer langen Tunnel (für das Wasser...) unter der Pfandlscharte unmittelbar zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe führen. Allerdings betrügen die Baukosten seiner Variante II. um 6,5 Mio. Schilling mehr als jene der Variante I. von Wallack.
Trotz der Darlegungen Wallacks über die Nachteile dieser Variante, kamen die beiden zu keiner Einigung.
Die Argumente der beiden im Wesentlichen:
Dr. Rehrl: der Tunnel könnte zum Haupttunnel des gigantischen Kraftwerkprojektes ausgebaut werden, weshalb die Kosten der Errichtung von AEG zu tragen gewesen wären; Rehrl wollte auch die Kärntner vom touristischen Erfolg abschneiden und plante die kürzest mögliche Trasse von Zell am See zur Pasterze; er spekulierte darauf, dass eine kürzere Fahrzeit mehr Tagesausflüglerl anlocken würde; außerdem war er überzeugt, so eine "winterfeste" Zufahrt für sein Projekt Großglockner Skigebiet zu haben.
Wallack: stützte sich auf die Grundvorgabe, möglichst viele landschaftliche Sehenswürdigkeiten und Ausflugspunkte mit in den Verlauf der Panoramastraße einzubinden. Außerdem verliefe die Variante I von Rehrl an nordseitigen Schattenhängen, was eine spätere Schneeräumung und somit spätere Nutzung bedeuten würde;
In Folge wurden von Dr. Rehrl immer und immer wieder anerkannte Fachleute zu Expertisen eingeladen. Diese verschlangen viel Geld. Und alle gaben der Trassenführung von Wallack den Vorzug, sofern sie überhaupt eine Bevorzugung aus diplomatischen Gründen anführten. Erst am 9. August 1933 konnten sich Dr. Rehrl und der Verwaltungsrat, dessen Vorsitzender er war, zur Variante von Wallack durchringen!
Weblinks
Quellen
- Buch Großglockner Saumpfad Römerweg Hochalpenstraße
- Wallack, Franz: Die Großglockner Hochalpenstraße - die Geschichte ihres Baues, zweite Ausgabe, anlässlich der 25-Jahr-Feier der Großglockner Hochalpenstraße, 1960, Springer Verlag, Wien
Fußnote
- ↑ Aber wie oft bei solchen Mammutprojekten, es fehlte schließlich am Geld und eine deutliche magere Version wurde schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg in Form der Tauernkraftwerke Kaprun realisiert