Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Tamsweg, Blick von der Empore in das Kircheninnere.jpg|thumb|Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Tamsweg, Blick von der Empore in das Kircheninnere]] | [[Datei:Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Tamsweg, Blick von der Empore in das Kircheninnere.jpg|thumb|Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Tamsweg, Blick von der Empore in das Kircheninnere]] | ||
Die '''Wallfahrtskirche Sankt Leonhard | Die '''Wallfahrtskirche Sankt Leonhard ob Tamsweg'''<ref>die richtige Bezeichnung lt. Internet-Recherchen u. a. mit Quelle [http://www.tamsweg.info/de/wallfahrtskirche-st-leonhard-tamsweg-lungau.html www.tamsweg.info]</ref> ist eine Wallfahrtskirche in der Marktgemeinde [[Tamsweg]] im [[Lungau]]. | ||
== | == Allgemeines == | ||
[[ | Das Patroziniumsfest wird am [[6. November]], dem [[Leonharditag]], begangen, an dem an den hl. [[Leonhard von Limoges]] erinnert wird und der [[Tamsweger Leonhardiritt]] stattfindet. | ||
Die in mehreren Bauetappen von 2007 bis 2012 aufwändig renovierte Kirche wird von der Mesnerin [[Marianne Resch]] betreut. | |||
== Geschichte == | |||
=== Legende und Wallfahrt === | |||
[[1421]] setzte mit dem Verschwinden und einer wundersamen Wiederfindung einer Leonhardsfigur am Fuße des [[Schwarzenberg (Tamsweg)|Schwarzenberg]]es bei [[Tamsweg]] eine Wallfahrtsbewegung ein. Diese Figur war drei Mal aus der [[Pfarrkirche Tamsweg]] auf den Schwarzenberg an dieselbe Stelle ''am Bühel'' ‚zurückgekehrt‘, wo sie ''auf einem [[Wacholderstrauch]] zwischen zwei [[Lärche]]n gefunden wurde, womit der „heilige Ort“ angezeigt'' war<ref>Assmann, Dieter: ''Wallfahrten in der Erzdiözese Salzburg – ein volkskundlicher Überblick'', in: ''Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch'', hg. von [[Johannes Neuhardt]], Salzburg 1986, S. 23.</ref> Sie führte Anfangs zum Bau der Kapelle. Die Einnahmen aus dem Zustrom an Wallfahrern ermöglichte später den Bau eines gotischen Bauwerks, das am [[20. September]] [[1433]] von [[Bischöfe von Chiemsee|Bischof Johann Ebser von Chiemsee]] geweiht wurde. | |||
=== Baugeschichte === | |||
Sie wurde ab [[1430]] von Baumeister [[Peter Harperger]] aus der [[Altstadt|Stadt Salzburg]] erbaut und ist eine der wenigen rein [[Gotik|gotischen]] Sakralbauten im [[Bundesland Salzburg|Land Salzburg]]. Aus Angst vor den beginnenden Türkeneinfällen in der zweiten Hälfte des [[15. Jahrhundert]]s erhielt die Kirche zudem eine Befestigungsmauer. | |||
In 17 von 19 Fenstern sind gotische Glasmalereien zu sehen,<ref>Beate Rukschcio: ''Die Glasgemälde der St. Leonhardskirche ob Tamsweg'', in: ''550 Jahre St. Leonhard 1433–1983 - Tamsweg'', hg. von Georg Neureiter, (2. Auflage Tamsweg 1987), S. 87.</ref> die aus verschiedenen Teilen Österreichs stammen. Das so genannte „Goldene Fenster“, ursprünglich mittig im Chorabschluss, seit 1912 seitlich im Chor eingebaut<ref>''Restauration der Filialkirche St. Leonhard 1909–1913''; AES: ''Kasten 9, Fach 56'', Faszikel 12.</ref>, hatte um 1440 [[Erzbischof]] [[Johann II. von Reisberg]] gestiftet, in einer der Glasscheiben ist sein Porträt zu erkennen<ref>Johannes Neuhardt: ''Wallfahrten im Erzbistum Salzburg'', München und Zürich 1982, S. 113.</ref>. | |||
Im Lungau waren die Lehren Martin Luthers früh verbreitet gewesen, erste Hinweise datieren aus dem Jahre [[1534]]. In späterer Folge übernahm daher [[1633]] der [[Kapuzinerorden]] die Seelsorge im Lungau, um die Bevölkerung dauerhaft zu rekatholisieren<ref>[[Valentin Hatheyer|Hatheyer, Valentin]]: ''Festschrift 1433 – 1933'', 500 Jahre Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, Tamsweg 1933, S. 29</ref>. Die Kapuziner wollten offenbar einer wesentlichen Forderung des [[Südtirol#Trient|Trient]]er Konzils, nämlich die einer sinnfälligen Anbetung des Herrn im Sakrament, nachkommen. Dabei sollte die ''siegreiche Wahrheit einen solchen Triumph über Lüge und Häresie feiern, daß ihre Gegner, in dem Anblick eines so großen Glanzes und in eine so große Freude der gesamten Kirche versetzt, entweder entkräftet und gebrochen dahinschwinden oder von Scham erfüllt und verwirrt irgendwann einmal wieder zur Einsicht kommen''<ref>Konzil von Trient: ''Dekret über das Sakrament der Eucharistie''. Zitat nach: Denzinger, Heinrich: ''Kompendium der Glaubensbekenntnisse in kirchlichen Lehrentscheidungen'', Nr. 1644, verbessert hg. von Peter Hünermann, 1991 (37. Auflage), S. 531. Zitat nach: [[Rupert Klieber|Klieber, Rupert]]: ''Bruderschaften und Liebesbünde nach Trient''. Ihr Totendienst, Zuspruch und Stellenwert im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben am Beispiel Salzburg (1600 – 1950), Wien 1997, S. 82</ref>. Vermutlich in diesem Sinne kam es in der Folgezeit zu einer Umgestaltung des Inneren der Kirche, und damit einhergehend auch zu einer Änderung in der musikalischen Praxis in St. Leonhard: [[1676]] sorgten die dafür zuständigen Mitglieder des Kapuzinerordens dafür, dass die Orgel auf die Westempore übertragen wurde. ''Sie verlor dadurch ihren hervorgehobenen Standplatz am Triumphbogen, wo heute der nördliche Seitenaltar steht''<ref>[[Roman Matthias Schmeißner|Schmeißner, Roman Matthias]]: ''Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der [[Erzdiözese Salzburg]]'', Dissertation [[Universität Mozarteum]] Salzburg 2012, S. 344</ref>. Schon [[1659]] hatte der Tischler und Mesner Ulrich Seitlinger, der [[1626]] an der Vergrößerung der Orgel mitgewirkt hatte<ref>Hatheyer, Valentin: ''Festschrift 1433 – 1933''. 500 Jahre Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, Tamsweg 1933, S. 29</ref> mit der Errichtung eines neuen Hochaltares begonnen<ref>ebenda, S. 9</ref>, dessen Entwurf von dem Salzburger Bildhauer [[Jakob Gerold]] stammt. Im Weiteren wurden [[1676]] am sogenannten Triumphbogen zwei Altäre aufgestellt<ref> AES: ''Kasten 9, Fach 57'', Faszikel 7 (Teil 2), betreffend Tamsweg/St. Leonhard (Moosham, 14. Jänner 1676)</ref>, deren Entwürfe von [[Georg Haim]] stammen und die von [[Jakob Seitlinger]] getischlert wurden.<ref>Hatheyer, Valentin: ''Festschrift 1433 – 1933''. 500 Jahre Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, Tamsweg 1933, S. 10</ref>. | |||
== Orgel == | |||
Die Orgel wurde [[1838]] von [[Johann Dummel]] aufgestellt. [[1840]] ließ der [[Bezirksgericht Tamsweg|Pfleger]] von Tamsweg, Karl von Kürsinger, die Orgel von ''zweÿ'' Schullehrern, nämlich Jakob ''Elmauthaler'' von [[St. Michael im Lungau|St. Michael]] und Franz ''Wimmer'' aus [[Zederhaus]], ''aufs genauste untersuchen'' | Die Orgel wurde [[1838]] von [[Johann Dummel]] aufgestellt. [[1840]] ließ der [[Bezirksgericht Tamsweg|Pfleger]] von Tamsweg, [[Karl von Kürsinger]], die Orgel von ''zweÿ'' Schullehrern, nämlich Jakob ''Elmauthaler'' von [[St. Michael im Lungau|St. Michael]] und Franz ''Wimmer'' aus [[Zederhaus]], ''aufs genauste untersuchen''<ref>[[Salzburger Landesarchiv|SLA]], Kreisamt, Karton 577, Faszikel 637/II, betreffend Tamsweg/St. Leonhard, Nr. 111. IV 3. XX, zitiert nach: Schmeißner,, Roman Matthias: ''Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg'', Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 292f</ref>. In ihrer Beurteilung des Instruments vom [[6. Dezember]] 1840, die ungünstig ausfiel, gaben sie die Disposition wie folgt wieder<ref>''Das Gebläse ist sehr schwer aufzuziehen;'' […] ''Das Manual geht sehr tief und stark, so daß fast unmöglich schnell eine Tonleiter ordentlich zu spielen ist. Was die Stimmung betrifft, so stimmen die Register weder einzeln noch zusammen rein, und die Orgel stimmt auch um einen viertel Ton tiefer als Grenzton''. […] ''Die Orgel hat mit vollen Registern einen hauchenden, rauhen Ton u. der Zahl der Register gemäß, wenig Stärke. Die ganze Orgel ist sehr nachlässig ausgeputzt, während der Untersuchung mußte 2 Mal eine Leiter genommen werden, um aus den Ventillen die Scharten und Fasern zu räumen, wodurch das Fortpfeifen verursacht wurde. Auch das Pedal blieb bei der Untersuchung stecken'' […] In: Pfarrarchiv Tamsweg, ''St. Leonhard'', Orgel, zitiert nach: Schmeißner, Roman Matthias: ''Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg'', Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012, S. 311f.</ref>. | ||
=== Disposition === | === Disposition === | ||
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2005–2007 wurde sie von Orgelbau Walter Vonbank restauriert.<ref>[http://www.vonbank-orgelbau.at/seiten/orgeln_restaurierung.html Fotos und Disposition] auf der Website von Walter Vonbank Orgelbau, abgerufen am 23. März 2014.</ref> | 2005–2007 wurde sie von Orgelbau Walter Vonbank restauriert.<ref>[http://www.vonbank-orgelbau.at/seiten/orgeln_restaurierung.html Fotos und Disposition] auf der Website von Walter Vonbank Orgelbau, abgerufen am 23. März 2014.</ref> | ||
== | == Bruderschaft == | ||
Seit [[1434]] ist die [[Bruderschaft]] [[Corporis-Christi-Bruderschaft|Corporis-Christi]] an der Wallfahrtskirche nachgewiesen, die [[1989]] eine Wiederbelebung erfuhr. Es entwickelte sich noch eine zweite Bruderschaft, die [[St.-Leonhards-Bruderschaft]], der bis zum Ende des 15. Jahrhunderts knapp 4 800 Mitglieder angehörten. | |||
==Erreichbarkeit== | ==Erreichbarkeit== | ||
Von der Umfahrungsstraße von Tamsweg zweigt in der Nähe des [[Bahnhof Tamsweg|Bahnhofes]] eine kleine, schmale und steile Straße ab zur Wallfahrtskirche. Nicht geeignet für Busse. Zu Fuß geht man etwa 30 Minuten. | Von der Umfahrungsstraße von Tamsweg zweigt in der Nähe des [[Bahnhof Tamsweg|Bahnhofes]] eine kleine, schmale und steile Straße ab zur Wallfahrtskirche. Nicht geeignet für Busse. Zu Fuß geht man etwa 30 Minuten. | ||
== Siehe auch == | |||
* [[Leonhardsweg]] | |||
==Bildergalerie== | ==Bildergalerie== | ||
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Datei:Tamsweg mit Sankt Leonhard.JPG|Tamsweg mit der Wallfahrtskirche St. Leonhard aus | Datei:Tamsweg mit Sankt Leonhard.JPG|Tamsweg mit der Wallfahrtskirche St. Leonhard aus | ||
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== Literatur == | |||
* ''Dehio Salzburg'' Wien 1986 | |||
* Beitl, Klaus: ''Der Kult des hl. Leonhard zu Tamsweg und seine Ausstrahlung'', in: ''550 Jahre St. Leonhard 1433–1983 – Tamsweg'', hg. von [[Georg Neureiter]], Tamsweg 1987 (2. Auflage), S. 69–73 | |||
* [[Heinz Dopsch|Dopsch, Heinz]]: ''Salzburg im 15. Jahrhundert'', in: ''Geschichte Salzburgs''. Stadt und Land, hg. von Heinz Dopsch, Salzburg 1983 (2. verbesserte Auflage), Bd. I, 1. Teil | |||
* Gugitz, Gustav: ''Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch''. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden, Band 5, Wien 1958 | |||
* [[Valentin Hatheyer|Hatheyer, Valentin]]: ''Das 500jährige Jubiläum der Kirche St. Leonhard ob Tamsweg'', in: ''Festschrift 1433–1933''. 500 Jahre Wallfahrtskirche St. Leonhard ob Tamsweg, 15.–16.–17. September, Tamsweg 1933, S. 2–41 | |||
* Hatheyer, Valentin: ''Die protestantische Bewegung im Lungau und das Kapuzinerkloster in Tamsweg'', in: ''Jahresbericht des f.e. Gymnasiums am Collegium Borromäum'', hg. vom f.e. Kollegium Borromäum, 53. Jg. (1902) | |||
* Kretzenbacher, Leopold: ''Die Verehrung des hl. Leonhard in Europa'', in: ''550 Jahre St. Leonhard 1433 – 1983 – Tamsweg'', hg. von Georg Neureiter, Tamsweg 1987 (2. Auflage), S. 45–68 | |||
* ''Österreichische Kunsttopographie 22'': Die Denkmale des politischen Bezirkes Tamsweg in Salzburg (ÖKT 22), Wien 1929 | |||
* Rukschcio, Beate: ''Die Glasgemälde der St. Leonhardskirche ob Tamsweg/Lungau, Salzburg.'' in: ''Das Münster.'' 27, 1974, S. 411–413 | |||
* Schmeißner, Roman Matthias: ''Studien zum Orgelbau in Wallfahrtskirchen der Erzdiözese Salzburg'', Dissertation Universität Mozarteum Salzburg 2012 | |||
* Zaisberger, Friederike: ''Das Bruderschaftsbuch von St. Leonhard ob Tamsweg 1446 – 1482'', in: ''Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch'', hg. von Johannes Neuhardt, Salzburg 1986, S. 75–80 | |||
==Quellen== | ==Quellen== | ||
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* [http://www.leonhardsweg.at/ Baugeschichte und Renovierung von St. Leonhard bei Tamsweg] | * [http://www.leonhardsweg.at/ Baugeschichte und Renovierung von St. Leonhard bei Tamsweg] | ||
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== Einzelnachweise und Anmerkungen == | == Einzelnachweise und Anmerkungen == | ||
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