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| | ''"Der wohledl und wohlfürnehme Herr"'' Johann Lorenz (I.) Hagenauer hatte [[1738]] die Tochter einer ebenfalls vermögenden Handelsfamilie aus Thalheim bei Wels geheiratet. Mit ihr hatte er 16 Kinder, wobei zwei der Kinder bereits bei der Geburt gestorben waren. Jedoch nur ein einziges Enkelkind von Johann Lorenz, Josef Paul der Sohn von Ignaz Joachim (Ignaz II.), sollte später in Triest diese Linie der Hagenauer fortsetzen. Johann Lorenz baute die internationalen Geschäfte des geerbten Handelshauses weiter aus und wurde mit dem Spezereiwarenhandel (Gewürzhandel) einer der reichsten Handelsherren in Salzburg. Er wurde als Hausherr, Förderer und Freund der Familie [[Wolfgang Amadeus Mozart|Mozart]] bekannt, wobei in seinem Haus neben dem Klerus, dem Adel und dem Großbürgertum (Großkaufleute und Handelsherren) auch viele Künstler verkehrten. Johann Lorenz besaß neben einer Sammlung von Reliquien auch eine (teilweise geerbte sowie von ihm erweiterte) Kunstsammlung von Stichen, Ölgemälden und Skulpturen. In dieser Sammlung befanden sich viele Heiligendarstellungen, aber auch Veduten und Portraitmalereien. Von diesen sind ein zeitgenössisches Portrait von [[Paracelsus]], Portraits der Familie Mozart und Johann Michael Haydns erwähnenswert. Seine Bibliothek von wissenschaftlichen und (auf Grund seiner Religiosität) vielen theologischen Büchern, sollte später hauptsächlich in den Besitz seines Sohnes Cajetanus Rupertus (Taufname) übergehen. | | ''"Der wohledl und wohlfürnehme Herr"'' Johann Lorenz (I.) Hagenauer hatte [[1738]] die Tochter einer ebenfalls vermögenden Handelsfamilie aus Thalheim bei Wels geheiratet. Mit ihr hatte er 16 Kinder, wobei zwei der Kinder bereits bei der Geburt gestorben waren. Jedoch nur ein einziges Enkelkind von Johann Lorenz, Josef Paul der Sohn von Ignaz Joachim (Ignaz II.), sollte später in Triest diese Linie der Hagenauer fortsetzen. Johann Lorenz baute die internationalen Geschäfte des geerbten Handelshauses weiter aus und wurde mit dem Spezereiwarenhandel (Gewürzhandel) einer der reichsten Handelsherren in Salzburg. Er wurde als Hausherr, Förderer und Freund der Familie [[Wolfgang Amadeus Mozart|Mozart]] bekannt, wobei in seinem Haus neben dem Klerus, dem Adel und dem Großbürgertum (Großkaufleute und Handelsherren) auch viele Künstler verkehrten. Johann Lorenz besaß neben einer Sammlung von Reliquien auch eine (teilweise geerbte sowie von ihm erweiterte) Kunstsammlung von Stichen, Ölgemälden und Skulpturen. In dieser Sammlung befanden sich viele Heiligendarstellungen, aber auch Veduten und Portraitmalereien. Von diesen sind ein zeitgenössisches Portrait von [[Paracelsus]], Portraits der Familie Mozart und Johann Michael Haydns erwähnenswert. Seine Bibliothek von wissenschaftlichen und (auf Grund seiner Religiosität) vielen theologischen Büchern, sollte später hauptsächlich in den Besitz seines Sohnes Cajetanus Rupertus (Taufname) übergehen. |
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| − | Cajetanus Rupertus, für den Wolfgang Amadeus Mozart und [[Johann Michael Haydn]] Messen komponiert hatten, wurde als Abt [[Dominikus Hagenauer|Dominikus]] des Erzstiftes St. Peter bekannt. Ein anderer Sohn von Johann Lorenz, [[Ignaz Joachim Hagenauer|Ignatius Joachim]], erfuhr seine Ausbildung als Handelsherr unter anderem in Venedig und gründete [[1775]] mit Hilfe seines Vaters ein Handelshaus in Triest. Ignaz Joachim vermählte sich [[1785]] mit Elisabeth von Thys (Tochter des Jean de Thys und der Therese de Willcras) und wurde der Stifter des heute noch blühenden Triester Zweiges der Hagenauer (siehe unten). | + | Cajetanus Rupertus, für den Wolfgang Amadeus Mozart und [[Johann Michael Haydn]] Messen komponiert hatten, wurde als Abt [[Dominikus Hagenauer|Dominikus]] des Erzstiftes St. Peter bekannt. Ein anderer Sohn von Johann Lorenz, [[Ignaz Joachim Hagenauer|Ignatius Joachim]], erfuhr seine Ausbildung als Handelsherr unter anderem in Venedig und gründete [[1775]] mit Hilfe seines Vaters ein Handelshaus in Triest. Ignaz Joachim vermählte sich [[1785]] mit Elisabeth von Thys (Tochter des Jean de Thys und der Therese de Willcras) und wurde der Stifter des heute noch blühenden Triester Zweiges der Hagenauer (siehe Triester Zweig). |
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| | == Die Baumeister und Bildhauer in der Familie == | | == Die Baumeister und Bildhauer in der Familie == |
| − | Die drei Cousins des Ignaz Joachims, die Brüder [[Wolfgang Hagenauer|Wolfgang]], [[Johann Baptist Hagenauer|Johann Baptist]] und [[Johann Georg von Hagenauer]], von denen die zwei jüngeren in den erblichen Adelsstand erhoben wurden (bzw. dieser bestätigt wurde), prägten mit ihren Bauwerken und Skulpturen das Stadtbild des spätbarocken und klassizistischen Salzburgs. Die frühen Bauwerke (z.B. das Sigmundstor oder die Mariensäule auf dem Domplatz) entstanden dabei als Gemeinschaftsprojekte der Brüder. Der Älteste, Wolfgang, studierte nach seiner Zimmermanns-Ausbildung in Salzburg Architektur an der Wiener Akademie. [[1759]] gründete er mit seinem Bruder Johann Baptist eine private Zeichenschule in Salzburg und errichtete als Hof-Architekt des Fürstbischofs viele Kirch- und Profanbauten im Salzburger Erzbistum. Sein jüngerer Bruder, Johann Baptist, erlangte seine erste Ausbildung beim Tittmoninger Bildhauer und Schnitzer [[Johann Georg Itzlfeldner]]. Ab [[1754]] war Johann Baptist in der Bildhauerklasse bei Jakob Christoph Schletterer an der Akademie in Wien, wobei er bereits im ersten Jahr Auszeichnungen erhielt. Nach seinem dortigen Abschluss 1759 wurde er im Jänner 1760 zum Galerie-Inspector ernannt, erhielt aber weiterhin ein Stipendium zur Forbildung in Italien. Johann Baptist verbrachte bis 1764 seine von Fürsterzbischof [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach|Schrattenbach]] finanzierten Fortbildungsjahre, die er in Bologna (mit Ehrenbürgerschaft) an der Accademia di Bologna (mit Ehrenmitgliedschaft), danach in Florenz und schließlich in Rom verbrachte. Nach seiner Rückkehr an den Salzburger Fürstenhof [[1764]] wurde Johann Baptist zum Hof-Statuarius und zum [[Ritterstand|Hoftruchsess]] erhoben. Es folgten für ihn unter Fürsterzbischof Schrattenbach fruchtbare und erfolgreiche Jahre als Bildhauer in Salzburg (1764-67 Sigmundstor, 1776-1771 Mariensäule etc.), Innsbruck (1765 Triumphpforte) und München (1766 Figuren für Nymphenburg). Im Jahr [[1771]] kam es jedoch zum Bruch mit dem neuen Fürsterzbischof Colloredo, worauf Johann Baptist Salzburg verließ um nach Wien zu gehen. In Wien erhielt er vorerst Aufträge vom Hof für das Schloss Schönbrunn. Schließlich sollte er durch die Vermittlung des Staatskanzlers Reichsfürst von Kaunitz (einem Logenbruder ?) [[1774]] zum Direktor der Bildhauerklasse der Wiener Akademie bestellt werden, [[1779]] übernahm er zudem noch die dortige Erzverschneiderklasse. Er gründete eine Firma in der er Skulpturen aus Gips mit marmorierter, bronzierter oder bleiähnlicher Oberfläche anfertigen ließ. Johann Baptist von Hagenauer starb 1811 in Wien, wo er von seiner zweiten, fast vierzig Jahre jüngeren, Frau begraben wurde. Ein Teil seines Nachlasses, ca. 370 Zeichnungen, befindet sich heute in der Akademie der bildenten Künste in Wien. | + | Die drei Cousins des Ignaz Joachims, die Brüder [[Wolfgang Hagenauer|Wolfgang]], [[Johann Baptist Hagenauer|Johann Baptist]] und [[Johann Georg von Hagenauer]], von denen die zwei jüngeren in den erblichen Adelsstand erhoben wurden (bzw. dieser bestätigt wurde), prägten mit ihren Bauwerken und Skulpturen das Stadtbild des spätbarocken und klassizistischen Salzburgs. Die frühen Bauwerke (z.B. das Sigmundstor oder die Mariensäule auf dem Domplatz) entstanden dabei als Gemeinschaftsprojekte der Brüder. Der Älteste, Wolfgang, studierte nach seiner Zimmermanns-Ausbildung in Salzburg Architektur an der Wiener Akademie. [[1759]] gründete er mit seinem Bruder Johann Baptist eine private Zeichenschule in Salzburg und errichtete als Hof-Architekt des Fürstbischofs viele Kirch- und Profanbauten im Salzburger Erzbistum. |
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| | + | Sein jüngerer Bruder, Johann Baptist, erlangte seine erste Ausbildung beim Tittmoninger Bildhauer und Schnitzer [[Johann Georg Itzlfeldner]]. Ab [[1754]] war Johann Baptist in der Bildhauerklasse bei Jakob Christoph Schletterer an der Akademie in Wien, wobei er bereits im ersten Jahr Auszeichnungen erhielt. Nach seinem dortigen Abschluss 1759 wurde er im Jänner 1760 zum Galerie-Inspector ernannt, erhielt aber weiterhin ein Stipendium zur Forbildung in Italien. Johann Baptist verbrachte bis 1764 seine von Fürsterzbischof [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach|Schrattenbach]] finanzierten Fortbildungsjahre, die er in Bologna (mit Ehrenbürgerschaft) an der Accademia di Bologna (mit Ehrenmitgliedschaft), danach in Florenz und schließlich in Rom verbrachte. Nach seiner Rückkehr an den Salzburger Fürstenhof [[1764]] wurde Johann Baptist zum Hof-Statuarius und zum [[Ritterstand|Hoftruchsess]] erhoben. Es folgten für ihn unter Fürsterzbischof Schrattenbach fruchtbare und erfolgreiche Jahre als Bildhauer in Salzburg (1764-67 Sigmundstor, 1776-1771 Mariensäule etc.), Innsbruck (1765 Triumphpforte) und München (1766 Figuren für Nymphenburg). Im Jahr [[1771]] kam es jedoch zum Bruch mit dem neuen Fürsterzbischof Colloredo, worauf Johann Baptist Salzburg verließ um nach Wien zu gehen. In Wien erhielt er vorerst Aufträge vom Hof für das Schloss Schönbrunn. Schließlich sollte er durch die Vermittlung des Staatskanzlers Reichsfürst von Kaunitz (einem Logenbruder ?) [[1774]] zum Direktor der Bildhauerklasse der Wiener Akademie bestellt werden, [[1779]] übernahm er zudem noch die dortige Erzverschneiderklasse. Er gründete eine Firma in der er Skulpturen aus Gips mit marmorierter, bronzierter oder bleiähnlicher Oberfläche anfertigen ließ. Johann Baptist von Hagenauer starb 1811 in Wien, wo er von seiner zweiten, fast vierzig Jahre jüngeren, Frau begraben wurde. Ein Teil seines Nachlasses, ca. 370 Zeichnungen, befindet sich heute in der Akademie der bildenten Künste in Wien. |
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| | + | Der Jüngste der künstlerisch so begabten Brüder, Johann Georg, verlor 1750 bereits mit zwei Jahren seinen Vater und wurde unter die Fittiche seiner älteren Brüder genommen. Seine erste künstlerische Ausbildung erhielt er an der privaten Zeichenschule seines 22 Jahre älteren Bruders Wolfgang in Salzburg. Fürsterzbischof Schrattenbach sandte ihn auf Grund seines Talents an die Akademie nach Wien. An der Wiener Akademie, wo sein um sechzehn Jahre älterer Bruder Johann Baptist bereits Direktor der Bildhauerklasse geworden war, studierte Johann Georg Architektur. Nach der Ernennung 1775/76 zum k.k. Architekten kehrte Johann Georg an den Fürstenhof nach Salzburg zurück. Doch bereits [[1777]] verließ er Salzburg wieder, um vorerst in Kärnten und später in Passau eine große Anzahl von Schlössern und Repräsentationsbauten für den Hochadel und die Kirche zu bauen. Ab 1803 war Johann Georg von Hagenauer als Architekt erneut in Salzburg tätig (siehe unten). Die eben beschriebenen drei Künstler-Brüder aus der Sippe der Hagenauer sind insofern interessant und ungewöhnlich, da weder davor noch danach je ein Familienmitglied beruflich auf dem Gebiet der bildenden Kunst tätig gewesen war bzw. tätig werden sollte. Die namensgleichen Künstler der ursprünglich aus der Stadt Hagenau im Elsass (von der sich ihr Namen ableitet) stammenden Bildhauerdynastie Hagenauer (erwähnt zwischen 1445 und 1546), mit Niklas von Hagenau, Veit und Paul Hagenauer, sowie dem Augsburger Medailleur Friedrich Hagenauer, waren nicht verwandt. Ebenso wenig waren auch die Mitglieder der Wiener Künstler-Dynastie mit dem Gründer der WHW ("Werkstätte Hagenauer Wien" 1898) Carl Hagenauer und seine Söhnen Franz und Karl verwandt, sowie der in Bayern lebende expressionistische Maler Hanns Hagenauer (1896-1945). |
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| − | Der Jüngste der künstlerisch so begabten Brüder, Johann Georg, verlor 1750 bereits mit zwei Jahren seinen Vater und wurde unter die Fittiche seiner älteren Brüder genommen. Seine erste künstlerische Ausbildung erhielt er an der privaten Zeichenschule seines 22 Jahre älteren Bruders Wolfgang in Salzburg. Fürsterzbischof Schrattenbach sandte ihn auf Grund seines Talents an die Akademie nach Wien. An der Wiener Akademie, wo sein um sechzehn Jahre älterer Bruder Johann Baptist bereits Direktor der Bildhauerklasse geworden war, studierte Johann Georg Architektur. Nach der Ernennung 1775/76 zum k.k. Architekten kehrte Johann Georg an den Fürstenhof nach Salzburg zurück. Doch bereits [[1777]] verließ er Salzburg wieder, um vorerst in Kärnten und später in Passau eine große Anzahl von Schlössern und Repräsentationsbauten für den Hochadel und die Kirche zu bauen. Ab 1803 war Johann Georg von Hagenauer als Architekt erneut in Salzburg tätig. Die eben beschriebenen drei Künstler-Brüder aus der Sippe der Hagenauer sind insofern interessant und ungewöhnlich, da weder davor noch danach je ein Familienmitglied beruflich auf dem Gebiet der bildenden Kunst tätig gewesen war bzw. tätig werden sollte. Die namensgleichen Künstler der ursprünglich aus der Stadt Hagenau im Elsass (von der sich ihr Namen ableitet) stammenden Bildhauerdynastie Hagenauer (erwähnt zwischen 1445 und 1546), mit Niklas von Hagenau, Veit und Paul Hagenauer, sowie dem Augsburger Medailleur Friedrich Hagenauer, waren nicht verwandt. Ebenso wenig waren auch die Mitglieder der Wiener Künstler-Dynastie mit dem Gründer der WHW ("Werkstätte Hagenauer Wien" 1898) Carl Hagenauer und seine Söhnen Franz und Karl verwandt, sowie der in Bayern lebende expressionistische Maler Hanns Hagenauer (1896-1945).
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| − | 1771 war der Bildhauer Johann Baptist von Hagenauer von Salzburg nach Wien ausgewandert, während sich sein Bruder, der Architekt Johann Georg, 1777 im Bistum Gurk (Kärnten) und später im Bistum Passau niederließ. Ihr Cousin, der Handelsmann Ignaz Joachim von Hagenauer, hatte hingegen 1775 in Triest (damals Österreich heute Italien) ein Handelshaus eröffnet. Alle drei kehrten öfters nach Salzburg zurück, aber nur der Architekt Johann Georg von Hagenauer sollte sich im Jahr 1803 auch wieder in seiner alten Heimat niederlassen. Einer der letzten in Salzburg lebenden männlichen Hagenauer war der oben beschriebene um [[1801]] verstorbene erzbischöfliche Hofbauverwalter, hochfürstliche Kammerdiener und Hof-Architekt [[Wolfgang Hagenauer|Wolfgang (V.) Hagenauer]], dessen Sohn Johann Wolfgang 1816 nach Linz ziehen sollte. Wolfgangs Cousin, Abt [[Dominikus Hagenauer]], der das Schicksal des Stiftes St. Peter durch die Zeit der napoleonischen Krise mit Bravour gelenkt hatte, starb im Jahr [[1811]]. Er wurde als letzter Abt des Stiftes St. Peter in einem offen Sarg durch Salzburg getragen und fand in der Äbtegruft der Stiftskirche St. Peter unter dem Hochaltar seine letzte Ruhestätte. Der Handelsherr [[Leopold Hagenauer]] (Leopold Judas Thaddäus) war Besitzer des Pauernfeindschen Handelshauses auf dem [[Kranzlmarkt]] (Hasenhaus) und mit Anna Popp verheiratet. Ihr Vater [[Josef Virgil Popp]] war der Besitzer von Salzburgs größter Bier-Brauerei, dem [[Steinbräu]]. Zum Besitz des Steinbräus gehörten der Gasthof "Zur goldenen Sonne" in der Kaigasse 31 und später noch der "Sauwinkel" in der Steingasse 12. Als Leopold Hagenauer im Jahr [[1828]] starb, wurde sein Sohn [[Josef Leopold Hagenauer|Josef Leopold]] Besitzer des Steinbräus sowie des [[Schloss Mönchstein|"Hagenauer-Schlösschens"]] am Mönchsberg. Josef Leopold war der vorläufig letzte in Salzburg lebende Hagenauer und starb im Jahr [[1850]] ohne Nachkommen. Um [[1870]] wurde das Steinbräu von seinen Erben stillgelegt und im Jahr [[1887]] das Schloss Mönchstein veräußert.
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| | == Der einzige Hagenauer, der Salzburg verlassen hatte und zurückkehrte == | | == Der einzige Hagenauer, der Salzburg verlassen hatte und zurückkehrte == |
| − | Der einzige Hagenauer, der Salzburg verlassen hatte und in der Zeit von Salzburgs Krisenjahren auch wieder dorthin zurückkehren sollte, war der oben bereits erwähnte hochfürstliche Architekt Johann Georg (III.) von Hagenauer. Johann Georg war nach seiner Ausbildung bei seinem Bruder Wolfgang in Salzburg an die Wiener Akademie gegangen, und studierte dort Architektur. Während seinem Studium in Wien realisierte er bereits sein erster Bau [[1773]] für seinen Freund und späteren Mäzen, den Gurker Bischof Joseph Franz Anton Graf von Auersperg. Nach Beendigung seines Studiums erhielt Hagenauer unter Fürsterzbischof Graf Schrattenbach in Salzburg als Zeichner und Architekt eine Anstellung. [[1777]] verließ Johann Georg nach einer Auseinandersetzung mit dem neuen Fürsterzbischof Colloredo Salzburg. Danach war er für Bischof Auersperg als Baudirektor im "Eigenbistum" [[Gurk]] und ab [[1783]] im Fürstbistum [[Passau]] tätig. Im Jahr [[1786]] wurde dem Hochwohlgeborenen Johann Georg III., wirklicher Hofkammerrath, hochfürstlichen Baudirektor und Architekt, sein Adelsstand von Fürstbischof Kardinal Joseph Franz Anton von Auersperg in Passau bestätigt. Im selben Jahr hatte Johann Georg (III.) Karoline Freiin de La Marre (Tochter des k.k. Hauptmanns Anton Freiherrn von La Marre und der Karoline Barbara von Altmannshofen) im Passauer Dom geheiratet. [[1803]], nachdem das Hochstift Passau aufgelöst wurde, kehrte Johann Georg III. mit seinem erst 14jährigen inzwischen mutterlosen Sohn Franz de Paula II. nach Salzburg zurück, wo der Architekt nun als kaiserlicher Rat und Baudirektor tätig war. Laut einer zeitgenössischen Beschreibung residierte der sehr vermögende Bau-Director mit seiner Dienerschaft in einem "palastartigen Gebäude". Dies war der bereits im Jahr [[1787]] erworbene [[Gurkerhof]], den Johann Georg nach seiner Rückkehr nach Salzburg umgebaut hatte und bewohnte. Das Erdgeschoss des Gurkerhofes hatte er von 1810 bis 1816 an den Regierungsdirektor des Salzachkreises, Ritter [[Arnold von Mieg]], vermietet (salzb. Adressbuch von 1813). Johann Georg III. verbrachte die Jahre nach seiner Pensionierung [[1819]] mit kleineren architektonischen Aufträgen (wie dem Umbau des [[Schloss Mirabell|Schlosses Mirabell]] nach dem Brand), vor allem aber mit Zeichnen und Malerei. Er starb 87-jährig in Salzburg im Jahr [[1835]] und wurde von seinem inzwischen in Linz lebenden Sohn Franz de Paula (II.) in der Salzburger Familiengruft (Nr. LII.) begraben.
| + | 1771 war der Bildhauer Johann Baptist von Hagenauer von Salzburg nach Wien ausgewandert, während sich sein Bruder, der Architekt Johann Georg, 1777 im Bistum Gurk (Kärnten) und später im Bistum Passau niederließ. Ihr Cousin, der Handelsmann Ignaz Joachim von Hagenauer, hatte hingegen 1775 in Triest (damals Österreich heute Italien) ein Handelshaus eröffnet. Alle drei kehrten öfters nach Salzburg zurück, aber nur der Architekt Johann Georg von Hagenauer sollte sich im Jahr 1803 auch wieder in seiner alten Heimat niederlassen. |
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| | + | Somit war der einzige Hagenauer, der Salzburg verlassen hatte und in der Zeit von Salzburgs Krisenjahren auch wieder dorthin zurückkehren sollte, der bereits erwähnte hochfürstliche Architekt Johann Georg (III.) von Hagenauer. Johann Georg war nach seiner Ausbildung bei seinem Bruder Wolfgang in Salzburg an die Wiener Akademie gegangen, und studierte dort Architektur. Während seinem Studium in Wien realisierte er bereits sein erster Bau [[1773]] für seinen Freund und späteren Mäzen, den Gurker Bischof Joseph Franz Anton Graf von Auersperg. Nach Beendigung seines Studiums erhielt Hagenauer unter Fürsterzbischof Graf Schrattenbach in Salzburg als Zeichner und Architekt eine Anstellung. |
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| | + | [[1777]] verließ Johann Georg nach einer Auseinandersetzung mit dem neuen Fürsterzbischof Colloredo Salzburg. Danach war er für Bischof Auersperg als Baudirektor im "Eigenbistum" [[Gurk]] und ab [[1783]] im Fürstbistum [[Passau]] tätig. Im Jahr [[1786]] wurde dem Hochwohlgeborenen Johann Georg III., wirklicher Hofkammerrath, hochfürstlichen Baudirektor und Architekt, sein Adelsstand von Fürstbischof Kardinal Joseph Franz Anton von Auersperg in Passau bestätigt. Im selben Jahr hatte Johann Georg (III.) Karoline Freiin de La Marre (Tochter des k.k. Hauptmanns Anton Freiherrn von La Marre und der Karoline Barbara von Altmannshofen) im Passauer Dom geheiratet. |
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| | + | [[1803]], nachdem das Hochstift Passau aufgelöst wurde, kehrte Johann Georg III. mit seinem erst 14jährigen inzwischen mutterlosen Sohn Franz de Paula II. nach Salzburg zurück, wo der Architekt nun als kaiserlicher Rat und Baudirektor tätig war. Laut einer zeitgenössischen Beschreibung residierte der sehr vermögende Bau-Director mit seiner Dienerschaft in einem "palastartigen Gebäude". Dies war der bereits im Jahr [[1787]] erworbene [[Gurkerhof]], den Johann Georg nach seiner Rückkehr nach Salzburg umgebaut hatte und bewohnte. Das Erdgeschoss des Gurkerhofes hatte er von 1810 bis 1816 an den Regierungsdirektor des Salzachkreises, Ritter [[Arnold von Mieg]], vermietet (salzb. Adressbuch von 1813). Johann Georg III. verbrachte die Jahre nach seiner Pensionierung [[1819]] mit kleineren architektonischen Aufträgen (wie dem Umbau des [[Schloss Mirabell|Schlosses Mirabell]] nach dem Brand), vor allem aber mit Zeichnen und Malerei. Er starb 87-jährig in Salzburg im Jahr [[1835]] und wurde von seinem inzwischen in Linz lebenden Sohn Franz de Paula (II.) in der Salzburger Familiengruft (Nr. LII.) begraben. |
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| | + | == Die letzten in Salzburg lebenden Hagenauer == |
| | + | Einer der letzten in Salzburg lebenden männlichen Hagenauer war der oben beschriebene um [[1801]] verstorbene erzbischöfliche Hofbauverwalter, hochfürstliche Kammerdiener und Hof-Architekt [[Wolfgang Hagenauer|Wolfgang (V.) Hagenauer]], dessen Sohn Johann Wolfgang 1816 nach Linz ziehen sollte. Wolfgangs Cousin, Abt [[Dominikus Hagenauer]], der das Schicksal des Stiftes St. Peter durch die Zeit der napoleonischen Krise mit Bravour gelenkt hatte, starb im Jahr [[1811]]. Er wurde als letzter Abt des Stiftes St. Peter in einem offen Sarg durch Salzburg getragen und fand in der Äbtegruft der Stiftskirche St. Peter unter dem Hochaltar seine letzte Ruhestätte. |
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| | + | [[1823]] hatte sich Franz de Paula (II.) von Hagenauer (Sohn des Architekten Johann Georg III.) in der [[Wallfahrtsbasilika Maria Plain]] bei Salzburg mit der Salzburgerin Barbara Edle [[Schloßgängl von Edlenbach]] (Tochter des hochfürstlichen Hofrats Josef Edler Schloßgängl von Edlenbach und der Antonie Edle von Leon) vermählt. Sie lebten vorerst im fünfhundert Jahre alten Gurkerhof seines Vaters Johann Georg III. in Salzburg, wo [[1824]] noch der älteste Sohn Franz de Paula III. geboren wurde. Nachdem das Erzbistum Salzburg 1816 Teil des "Landes Österreich ob der Enns" geworden war und in den folgenden Jahren die Stadt Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" war, übersiedelte [[1825]] Franz (II.) von Hagenauer mit seiner Familie in die neue Hauptstadt [[Linz]]. |
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| | + | Jedoch scheint Franz von Hagenauer zu Salzburg eine starke Bindung gehabt zu haben. Er hatte 1824 anläßlich seiner Hochzeit die Hälfte eines grossen Barockhauses in der Rotenturmstrasse (damals Haarmarkt) im ersten Bezirk in Wien übertragen bekommen. Dieses Haus von seinem Großvater Anton Freiherr von la Marre wurde verkauft und mit einem Teil des Erlöses hatte Franz II. die Güter Seichterberg (Sechtelberggut) und Strobl (Strobelgut) mit der [[Burg Radeck]] erworben. Aus diesem Jahr (1825) stammte der Lehenbrief von Kaiser [[Franz II./I.|Franz I.]] an Franz (II.) Hagenauer über die Belehnung der Kirche Maria Plain für diese Güter. |
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| | + | In einer Salzburger Urkunde aus dem Jahr 1617 wurden die Güter Seichtenberg (Seichterberg bei Radeck) zu Ritterlehen ernannt, wodurch Franz von Hagenauer mit dem Lehen auch das Recht erwarb, sich "Herr von Radeck" zu nennen. Mit den Gütern Seichterberg, Radeck und Strobl waren zuvor Margit Hochenfelderin und Hektor von Treubach, Maximilian [[Keutzl|Keuzl]] mit "2/3 Teile von Gut und Schloss Radekk" (1546), Paul Rottinger (1547), Stefan Schmerbl (1600) belehnt worden. Anna Eleonora Gräfin [[Fugger]]in (geb. Gräfin [[Königsegg]]) verkaufte am 7. August 1713 an Maria Plain das ritterlehenbare Gut und Schloss Radeck und die Güter Seichtenberg und Strobl samt dem Gut Reit. 1753 besaß Schloss Radeck J. Jos Crysog [[Paurnfeind]], danach Franz Anton (1772) und schließlich der Salzburger Prof. [[Philipp Gäng]] ab 1795, der es 1813 an die [[Universität Salzburg]] verkaufte. Es ist anzunehmen, dass die Hagenauer die seit den napoleonischen Kriegen in Mitleidenschaft gezogene Burg Radeck (Schloss Radekk) vorwiegend als sommerlichen Landsitz und zur Jagd genutzt hatten. Im Jahr [[1837]] wurde über diese Güter ein neuer Lehenbrief von Kaiser Ferdinand I. an Abt [[Albert IV. Nagnzaun]] ausgestellt, seither verfiel die Burg Radeck zunehmend. Die erste urkundliche Erwähnung Franz II. von Hagenauer in Linz war in der Geburtsurkunde seines zweitgeborenen Sohnes Eugen (1825). In einem Linzer Register aus dem Jahr 1828 tauchte Franz Hagenauer als k.k. Regierungs-Konzipist auf. Sein noch in Salzburg geborener Sohn Franz de Paula (III.), der später in den erblichen Freiherrenstand erhoben wurde, sollte der Stifter des Wiener Zweiges der Hagenauer werden. |
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| − | [[1823]] hatte sich Franz de Paula (II.) von Hagenauer in der [[Wallfahrtsbasilika Maria Plain]] bei Salzburg mit der Salzburgerin Barbara Edle [[Schloßgängl von Edlenbach]] (Tochter des hochfürstlichen Hofrats Josef Edler Schloßgängl von Edlenbach und der Antonie Edle von Leon) vermählt. Sie lebten vorerst im fünfhundert Jahre alten Gurkerhof in Salzburg, wo [[1824]] noch der älteste Sohn Franz de Paula III. geboren wurde. Nachdem das Erzbistum Salzburg 1816 Teil des "Landes Österreich ob der Enns" geworden war und in den folgenden Jahren die Stadt Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" war, übersiedelte [[1825]] Franz (II.) von Hagenauer mit seiner Familie in die neue Hauptstadt [[Linz]]. Jedoch scheint Franz von Hagenauer zu Salzburg eine starke Bindung gehabt zu haben. Er hatte 1824 anläßlich seiner Hochzeit die Hälfte eines grossen Barockhauses in der Rotenturmstrasse (damals Haarmarkt) im ersten Bezirk in Wien übertragen bekommen. Dieses Haus von seinem Großvater Anton Freiherr von la Marre wurde verkauft und mit einem Teil des Erlöses hatte Franz II. die Güter Seichterberg (Sechtelberggut) und Strobl (Strobelgut) mit der [[Burg Radeck]] erworben. Aus diesem Jahr (1825) stammte der Lehenbrief von Kaiser [[Franz II./I.|Franz I.]] an Franz (II.) Hagenauer über die Belehnung der Kirche Maria Plain für diese Güter. In einer Salzburger Urkunde aus dem Jahr 1617 wurden die Güter Seichtenberg (Seichterberg bei Radeck) zu Ritterlehen ernannt, wodurch Franz von Hagenauer mit dem Lehen auch das Recht erwarb, sich "Herr von Radeck" zu nennen. Mit den Gütern Seichterberg, Radeck und Strobl waren zuvor Margit Hochenfelderin und Hektor von Treubach, Maximilian [[Keutzl|Keuzl]] mit "2/3 Teile von Gut und Schloss Radekk" (1546), Paul Rottinger (1547), Stefan Schmerbl (1600) belehnt worden. Anna Eleonora Gräfin [[Fugger]]in (geb. Gräfin [[Königsegg]]) verkaufte am 7. August 1713 an Maria Plain das ritterlehenbare Gut und Schloss Radeck und die Güter Seichtenberg und Strobl samt dem Gut Reit. 1753 besaß Schloss Radeck J. Jos Crysog [[Paurnfeind]], danach Franz Anton (1772) und schließlich der Salzburger Prof. [[Philipp Gäng]] ab 1795, der es 1813 an die [[Universität Salzburg]] verkaufte. Es ist anzunehmen, dass die Hagenauer die seit den napoleonischen Kriegen in Mitleidenschaft gezogene Burg Radeck (Schloss Radekk) vorwiegend als sommerlichen Landsitz und zur Jagd genutzt hatten. Im Jahr [[1837]] wurde über diese Güter ein neuer Lehenbrief von Kaiser Ferdinand I. an Abt [[Albert IV. Nagnzaun]] ausgestellt, seither verfiel die Burg Radeck zunehmend. Die erste urkundliche Erwähnung Franz II. von Hagenauer in Linz war in der Geburtsurkunde seines zweitgeborenen Sohnes Eugen (1825). In einem Linzer Register aus dem Jahr 1828 tauchte Franz Hagenauer als k.k. Regierungs-Konzipist auf. Sein noch in Salzburg geborener Sohn Franz de Paula (III.), der später in den erblichen Freiherrenstand erhoben wurde, sollte der Stifter des Wiener Zweiges der Hagenauer werden. | + | Der Salzburger Handelsherr [[Leopold Hagenauer]] (Leopold Judas Thaddäus) war Besitzer des Pauernfeindschen Handelshauses auf dem [[Kranzlmarkt]] (Hasenhaus) und mit Anna Popp verheiratet. Ihr Vater [[Josef Virgil Popp]] war der Besitzer von Salzburgs größter Bier-Brauerei, dem [[Steinbräu]]. Zum Besitz des Steinbräus gehörten der Gasthof "Zur goldenen Sonne" in der Kaigasse 31 und später noch der "Sauwinkel" in der Steingasse 12. Als Leopold Hagenauer im Jahr [[1828]] starb, wurde sein Sohn [[Josef Leopold Hagenauer|Josef Leopold]] Besitzer des Steinbräus sowie des [[Schloss Mönchstein|"Hagenauer-Schlösschens"]] am Mönchsberg. Josef Leopold war der vorläufig letzte in Salzburg lebende Hagenauer und starb im Jahr [[1850]] ohne Nachkommen. Um [[1870]] wurde das Steinbräu von seinen Erben stillgelegt und im Jahr [[1887]] das Schloss Mönchstein veräußert. |
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