Kobler-Spängler-Briefe von 1870: Unterschied zwischen den Versionen

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==== Brief vom 16. September 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 16. September 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
''Salzburg den 16/9 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Du bist recht sehr bang, das du so aufmerksamm warst nun sogleich eine Coresscondenzkarte [!] zu schücken damit ich doch wußte daß du glücklich wider nach Modling gekommen bist. Es war mir recht langweilig wie ich nach hauße kamm, in den Bewußtsein, du bist nicht mehr hier, ich bethe halt recht fleißig für dich, damit ich immer gute Nachrichten von dir erhalten kann, der liebe gott sey, und bleibe mit dir, bethe ja auch du öfter für mich. Ich danke dir recht herzlich für deinen lieben Brief welchen ich heute erhalten habe, und beantworte denselben auch sogleich. Daß du Frenzl und Guttenberg getroffen, wird dir ganz angenehm geweßen sein? hast du bey guttenberg / gespeißt? Der kleine Otto war gerade heute bey mir als ich deinen lieben Brief erhielt, da habe ich ihm herauß gelesen daß du ihm [!] herzlich grüßen laßest, da sagte er ja – ja Onkl Franz nicht in Salzburg sondern in Mödling. Onkl Franz schön grüßen Onkl Franz bald wider kommen sagte er. Die Kinder sind mehr herunten als ich Oben weil Tapezirt wurde und alles auß geputzt so hatten sie viel Arbeit. Die Witterung ist auch hier gerade so kalt und schlecht, so das sich wenig machen läßt. Einmal war ich mit Alois Spángler''  [&nbsp;[[Aloys Spängler]], Anm.] ''und Angermayer in Dureggerhof geladen. Einmal war ich inn Kreutzbrüggl dies was mein ganzes außgehen. das du wider viele Arbeit hast glaube ich gerne es wird sich schon wider machen bey deinen schnellen arbeiten ist mir nicht bange. /  
''Salzburg den 16/9 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Du bist recht sehr bang, das du so aufmerksamm warst nun sogleich eine Coresscondenzkarte [!] zu schücken damit ich doch wußte daß du glücklich wider nach Modling gekommen bist. Es war mir recht langweilig wie ich nach hauße kamm, in den Bewußtsein, du bist nicht mehr hier, ich bethe halt recht fleißig für dich, damit ich immer gute Nachrichten von dir erhalten kann, der liebe gott sey, und bleibe mit dir, bethe ja auch du öfter für mich. Ich danke dir recht herzlich für deinen lieben Brief welchen ich heute erhalten habe, und beantworte denselben auch sogleich. Daß du Fenzl und Guttenberg getroffen, wird dir ganz angenehm geweßen sein? hast du bey guttenberg / gespeißt? Der kleine Otto war gerade heute bey mir als ich deinen lieben Brief erhielt, da habe ich ihm herauß gelesen daß du ihm [!] herzlich grüßen laßest, da sagte er ja – ja Onkl Franz nicht in Salzburg sondern in Mödling. Onkl Franz schön grüßen Onkl Franz bald wider kommen sagte er. Die Kinder sind mehr herunten als ich Oben weil Tapezirt wurde und alles auß geputzt so hatten sie viel Arbeit. Die Witterung ist auch hier gerade so kalt und schlecht, so das sich wenig machen läßt. Einmal war ich mit Alois Spángler''  [&nbsp;[[Aloys Spängler]], Anm.] ''und Angermayer in Dureggerhof geladen. Einmal war ich inn Kreutzbrüggl dies was mein ganzes außgehen. das du wider viele Arbeit hast glaube ich gerne es wird sich schon wider machen bey deinen schnellen arbeiten ist mir nicht bange. /  


''Kauffe dir ja bald genug einen guten warmen Oberrock. sonst möchtest du dich einmal recht verkühlen, ziehe ja warme hosen an. Ich glaube Fenzls sind schon hier durch wie ich hörte sollen sie gar nicht in die Stadt herein gekommen sein, wegen den Wilhelm, sondern in Hotel Nelbuck [?] über nacht geblieben sein, und dan[n] wider fort, Gott gebe das ihm in'' [darüber geschrieben] ''Meran, gut thun, es ist aber ein banges gefühl so einen kranken jungen Mann in der Fremde allein zu wissen. Du hast dich gewiß bey den Feuer recht beteiligt mit helfen, gieb ja in jeden Achtung auf deine gesundheit obacht. es wird dich gefreut haben die Koch gesprochen zu haben, ich denke sie werden heute oder Morgen / gewiß kommen. gestern ist die Elise von München zu Duregger gekommen, und wird ein paar Wochen hier bleiben. die Leopoldine ist auch noch nicht zurük wie ich höre so sollen sie erst am Montag kommen, bey Otto kommen sie Morgen, ich freue mich schon recht sehr auf sie. August Spángler und die Tini<ref>August Spängler (* 1827; † 1895); er führt mit dem Onkel Josef I. Johann Spängler die "Franz Spangler'sche Tuch- und Seidenhandlung" am Marktplatz weiter, bis die Firma 1893 an [[Max Gehmacher senior]] verkauft wird. "Tini" bisher nicht identifiziert; dem Stammbaum [2022] nach war August Spängler nicht verheiratet.</ref> sind fort, mir scheint aber nicht über Wien. Eine menge von Bekanten lassen dich recht herzlich grüßen. Wegen den geld werde ich Otto so gleich fragen. gestern wollte ich den Brief nicht mehr schließen weil ich dachte ich kann dir heute noch die Ankunft Ottos berichten, eben sind sie angekommen Otto hat zwar vergeßen mit der Therese darüber zu sprechen er sagte aber wir sollen nun noch deinen Wunsch darüber anfügen, und am 28 t[en] September möchtest du einen Schuldbrief darüber dem Otto in Wien übergeben. Sie sind gottlob glücklich hier angekommen sehen sehr gut auß. Lebe recht wohl 1000 Küße von deiner treuen Mutter Spängler.
''Kauffe dir ja bald genug einen guten warmen Oberrock. sonst möchtest du dich einmal recht verkühlen, ziehe ja warme hosen an. Ich glaube Fenzls sind schon hier durch wie ich hörte sollen sie gar nicht in die Stadt herein gekommen sein, wegen den Wilhelm, sondern in Hotel Nelbuck [?] über nacht geblieben sein, und dan[n] wider fort, Gott gebe das ihm in'' [darüber geschrieben] ''Meran, gut thun, es ist aber ein banges gefühl so einen kranken jungen Mann in der Fremde allein zu wissen. Du hast dich gewiß bey den Feuer recht beteiligt mit helfen, gieb ja in jeden Achtung auf deine gesundheit obacht. es wird dich gefreut haben die Koch gesprochen zu haben, ich denke sie werden heute oder Morgen / gewiß kommen. gestern ist die Elise von München zu Duregger gekommen, und wird ein paar Wochen hier bleiben. die Leopoldine ist auch noch nicht zurük wie ich höre so sollen sie erst am Montag kommen, bey Otto kommen sie Morgen, ich freue mich schon recht sehr auf sie. August Spángler und die Tini<ref>August Spängler (* 1827; † 1895); er führt mit dem Onkel Josef I. Johann Spängler die "Franz Spangler'sche Tuch- und Seidenhandlung" am Marktplatz weiter, bis die Firma 1893 an [[Max Gehmacher senior]] verkauft wird. "Tini" bisher nicht identifiziert; dem Stammbaum [2022] nach war August Spängler nicht verheiratet.</ref> sind fort, mir scheint aber nicht über Wien. Eine menge von Bekanten lassen dich recht herzlich grüßen. Wegen den geld werde ich Otto so gleich fragen. gestern wollte ich den Brief nicht mehr schließen weil ich dachte ich kann dir heute noch die Ankunft Ottos berichten, eben sind sie angekommen Otto hat zwar vergeßen mit der Therese darüber zu sprechen er sagte aber wir sollen nun noch deinen Wunsch darüber anfügen, und am 28 t[en] September möchtest du einen Schuldbrief darüber dem Otto in Wien übergeben. Sie sind gottlob glücklich hier angekommen sehen sehr gut auß. Lebe recht wohl 1000 Küße von deiner treuen Mutter Spängler.