Kobler-Spängler-Briefe von 1870: Unterschied zwischen den Versionen
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==== Brief vom 28. und 29. Juni 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ==== Brief vom 28. und 29. Juni 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ||
Ein Bogen, "englischer" | Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br /> | ||
''Salzburg den 28/6 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Endlich kommen wir dazu dir die Sachen zu schüken, ich packte doch die 2 Hosen dazu fürs Erste sind sie gut und können dir doch gut taugen, und fürs 2te ist so viel Platz, das wir froh sind die Kiste etwas voller zu machen. Wie geht es dir lieber Franz? ich freue mich schon wider auf einen Brief, von dir. Der Louise geht es zimlich gut, nur hat sie dieß mal mehr Anstände mit der Brust, aber bis Morgen hoffe ich zu gott, wird es schon beßer werden. sonst geht es allen gut, der kleine Max<ref>Maximilian Spängler (* 23. Juni 1870; † 26. Januar 1871); vgl. Brief vom 30. Januar 1871</ref> ist recht lieb. Otto spricht schon alles, auch vieles zusammen-hängend. Herzig steht ihm wen [er] au[c]h zur ersten gottlihen Person sagt / statt gott Vater / gott Papa. / Die Paula lauft nun schon brav und ist imer sehr zu gethan, sie ist ein sehr zärtliches Kind. Otto hat dich noch nicht vergeßen er sagt sehr oft von dir. Leopold ist noch hier geht aber am donnerstag fort. Heute den 29 t[en] schreibe ich weiter, der Louise geht es gottlob beßer noch nicht ganz gut. Leopold welcher eben bey mir war läßt dich recht herzlich grüßen. Noch habe ich dir nicht geschrieben das die Bücher schon ein paar Monathe alle weg sind ich habe nun den schmutzigen Theil geweißt und nun kömmt unsere grauer Kleider kasten an die Rükwärtige Wand, das Fenster bietet und eine sehr schone Außicht und eine herliche Luft. Nur schade daß du keinen genuß mehr davon hattest. Denke dir, heuer soll, / Wen sie'' [gestrichen] ''Hohen Aschau verkauft wird, eine 7 Jahr Außbeite werden in der Hamerau'' [Hammerau] '', als ersatz für die früheren Jahre<ref>Vgl. zum Brief vom 27. Juli 1870</ref> Dieß wäre wohl sehr zu wünschen. Die Direktor Kottinger<ref> offenbar die Ehefrau von Mathamatik-Professor Hermenegild Kottinger, siehe Brief vom 29. Dezember 1847</ref> ist gestern begraben worden, sie erlag der Pflage [?], und starb an einer Herzbeutelentzündung. Angermeyer ist hier. Die Kusine Schattenfach [?] ist auch sehr krank an einer gebährmutterentzündung. Die Schüßtl'' [!] [Louise Schiestl?]<ref>vgl. Brief vom 20. Juli 1876</ref> ''hat den kleinen Max zur Taufe gehalten im nahmen des Papa. Eine menge Bekannte grüßen dich recht herzlich die Höllbrauer Fani'' [ [[Franziska Kobler]], Anm.] ''und die Junge dan die Zeller bey welchen ich erst wen du die Zeller Marie bey geschnitz[er] Wall, Stibitz, Sattler, Toda [?], Malli, Louise Schißtl. / Lebe recht wohl es küßt dich inig im geiste deine treue Mutter Spängler.'' | ''Salzburg den 28/6 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Endlich kommen wir dazu dir die Sachen zu schüken, ich packte doch die 2 Hosen dazu fürs Erste sind sie gut und können dir doch gut taugen, und fürs 2te ist so viel Platz, das wir froh sind die Kiste etwas voller zu machen. Wie geht es dir lieber Franz? ich freue mich schon wider auf einen Brief, von dir. Der Louise geht es zimlich gut, nur hat sie dieß mal mehr Anstände mit der Brust, aber bis Morgen hoffe ich zu gott, wird es schon beßer werden. sonst geht es allen gut, der kleine Max<ref>Maximilian Spängler (* 23. Juni 1870; † 26. Januar 1871); vgl. Brief vom 30. Januar 1871</ref> ist recht lieb. Otto spricht schon alles, auch vieles zusammen-hängend. Herzig steht ihm wen [er] au[c]h zur ersten gottlihen Person sagt / statt gott Vater / gott Papa. / Die Paula lauft nun schon brav und ist imer sehr zu gethan, sie ist ein sehr zärtliches Kind. Otto hat dich noch nicht vergeßen er sagt sehr oft von dir. Leopold ist noch hier geht aber am donnerstag fort. Heute den 29 t[en] schreibe ich weiter, der Louise geht es gottlob beßer noch nicht ganz gut. Leopold welcher eben bey mir war läßt dich recht herzlich grüßen. Noch habe ich dir nicht geschrieben das die Bücher schon ein paar Monathe alle weg sind ich habe nun den schmutzigen Theil geweißt und nun kömmt unsere grauer Kleider kasten an die Rükwärtige Wand, das Fenster bietet und eine sehr schone Außicht und eine herliche Luft. Nur schade daß du keinen genuß mehr davon hattest. Denke dir, heuer soll, / Wen sie'' [gestrichen] ''Hohen Aschau verkauft wird, eine 7 Jahr Außbeite werden in der Hamerau'' [Hammerau] '', als ersatz für die früheren Jahre<ref>Vgl. zum Brief vom 27. Juli 1870</ref> Dieß wäre wohl sehr zu wünschen. Die Direktor Kottinger<ref> offenbar die Ehefrau von Mathamatik-Professor Hermenegild Kottinger, siehe Brief vom 29. Dezember 1847</ref> ist gestern begraben worden, sie erlag der Pflage [?], und starb an einer Herzbeutelentzündung. Angermeyer ist hier. Die Kusine Schattenfach [?] ist auch sehr krank an einer gebährmutterentzündung. Die Schüßtl'' [!] [Louise Schiestl?]<ref>vgl. Brief vom 20. Juli 1876</ref> ''hat den kleinen Max zur Taufe gehalten im nahmen des Papa. Eine menge Bekannte grüßen dich recht herzlich die Höllbrauer Fani'' [ [[Franziska Kobler]], Anm.] ''und die Junge dan die Zeller bey welchen ich erst wen du die Zeller Marie bey geschnitz[er] Wall, Stibitz, Sattler, Toda [?], Malli, Louise Schißtl. / Lebe recht wohl es küßt dich inig im geiste deine treue Mutter Spängler.'' | ||
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==== Brief vom 4. Juli 1870 von der Mutter Antonia Lürzer von Zechenthal (* 1803; † 1882), verheiratet Spängler, an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ==== Brief vom 4. Juli 1870 von der Mutter Antonia Lürzer von Zechenthal (* 1803; † 1882), verheiratet Spängler, an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ||
Brief von [[Antonia Lürzer von Zechenthal]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Blatt, "englischer" | Brief von [[Antonia Lürzer von Zechenthal]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Blatt, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden; (für mich) nicht lesbare XX und fragliche [?] Stellen:<br /> | ||
''Salzburg den 4/7 [18]70. Liebster theuerster Franz! Soeben erhielt ich deinen lieben Brief. Ich denke du wirst heute die Kiste erhalten, ich schükte dir doch die Hosen, sie sind alle ganz, und ich denke zu die Commissionen kannst du vieleicht doch hir und da eine brauchen, und hier könten vieleicht Schaben hinein kommen. Ein Brief liegt bey. Wie würde es mich freuen, dich bey uns zu sehen, mir ist es jederzeit angenehm, wen du kommst, was den Otto betrieft, mag er dir selbst schreiben, wann es ihm gelegener ist. Heute oder Morgen wirst du Leopold und Cuno in Wien treffen, oder vieleicht bequehm für dich in Mödling. Neues weiß ich nichts von hier zu schreiben, die Schattenfach [?] war sehr krank an einer gebährmutterentzündung, es geht wieder beßer / sie sieht aber sehr übel auß sie liegt noch im Bett, heute habe ich sie besucht. die Schmelzing fragte die Schattenfrach [?] sey auch nie recht wohl. Vieleicht besuche ich sie Heute. Die Louise ist gottlob wohl sieht aber etwas schmal auß. Sie darf sich schon erhollen, sonst kann es ihr zuviel werden. Die Spängler in Braunau hat ein Mädchen bekommen<ref>Anton Spängler (* 1831; † 1913), verheiratet mit Karoline Leeb (*1843; † 1918), eine Tochter Carolina, * 19. Juni 1870 in Braunau am Inn (weitere Daten unbekannt); sie fehlt in den älteren Spängler-Stammbäumen und folglich auch bei G. Stierle 2022. Vgl. 'Geneanet oholzapfel' (https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org</ref>, es geht jetzt gut, sie ist aus aller gefahr. das sie bei Schaffner im Hauß<ref>vgl. die Briefe vom 16. und 29. Mai 1870</ref> so sehr steigen'' [offenbar die Mieten] ''wirst du vieleicht schon gehört haben fast überall noch so viel, die meisten Parteien ziehen auß, höre ich. Lebe recht wohl mein lieber Franz es küßt und Segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler'' [darunter:] ''eine menge Bekannte grüßen dich recht herzlich Otto hat mir 10 fl'' [Gulden] ''un[d] dann 20 fl abgezahlt.'' | ''Salzburg den 4/7 [18]70. Liebster theuerster Franz! Soeben erhielt ich deinen lieben Brief. Ich denke du wirst heute die Kiste erhalten, ich schükte dir doch die Hosen, sie sind alle ganz, und ich denke zu die Commissionen kannst du vieleicht doch hir und da eine brauchen, und hier könten vieleicht Schaben hinein kommen. Ein Brief liegt bey. Wie würde es mich freuen, dich bey uns zu sehen, mir ist es jederzeit angenehm, wen du kommst, was den Otto betrieft, mag er dir selbst schreiben, wann es ihm gelegener ist. Heute oder Morgen wirst du Leopold und Cuno in Wien treffen, oder vieleicht bequehm für dich in Mödling. Neues weiß ich nichts von hier zu schreiben, die Schattenfach [?] war sehr krank an einer gebährmutterentzündung, es geht wieder beßer / sie sieht aber sehr übel auß sie liegt noch im Bett, heute habe ich sie besucht. die Schmelzing fragte die Schattenfrach [?] sey auch nie recht wohl. Vieleicht besuche ich sie Heute. Die Louise ist gottlob wohl sieht aber etwas schmal auß. Sie darf sich schon erhollen, sonst kann es ihr zuviel werden. Die Spängler in Braunau hat ein Mädchen bekommen<ref>Anton Spängler (* 1831; † 1913), verheiratet mit Karoline Leeb (*1843; † 1918), eine Tochter Carolina, * 19. Juni 1870 in Braunau am Inn (weitere Daten unbekannt); sie fehlt in den älteren Spängler-Stammbäumen und folglich auch bei G. Stierle 2022. Vgl. 'Geneanet oholzapfel' (https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org</ref>, es geht jetzt gut, sie ist aus aller gefahr. das sie bei Schaffner im Hauß<ref>vgl. die Briefe vom 16. und 29. Mai 1870</ref> so sehr steigen'' [offenbar die Mieten] ''wirst du vieleicht schon gehört haben fast überall noch so viel, die meisten Parteien ziehen auß, höre ich. Lebe recht wohl mein lieber Franz es küßt und Segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler'' [darunter:] ''eine menge Bekannte grüßen dich recht herzlich Otto hat mir 10 fl'' [Gulden] ''un[d] dann 20 fl abgezahlt.'' | ||
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==== Brief vom 26. Juli 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ==== Brief vom 26. Juli 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ||
Ein Bogen, "englischer" | Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel:<br /> | ||
''Salzburg den 26/7 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Endlich erhalte ich einmal wieder ein Briefchen von dir, welches mich recht sehr freute, ich hörte wohl immer das du mit Otto in Coresspondenz warst – alleine weiter hörte ich nichts, den es waren geld angelegenheiten, ich bath wohl den Otto einmal er soll dir schreiben du möchtest nichts kauffen aber Otto nahm sich nicht Zeit es zu schreiben, ich habe öfter gebethet, der liebe Gott möge dir den Sinn eingeben, nichts zu kauffen, den bey diesen wechselvollen Zeiten ist es gewiß sehr gewagt, so etwas zu thun. Der liebe Gott hat mein gebeth erhört, den es ist für dich gewiß so beßer. / ich denke auch du wirst die Obligationen gewiß wider mitbringen wen du vieleicht mit dem Vergnügungszug kömmst, auch das Leintuch denke ich wirst du mitbringen. Der nächste Zug ist auch der Letzte wie ich höre O wie freue ich mich darauf, Gott gebe das die Kriegsver-Hältniße<ref>Am 19. Juli 1870 ist der Deutsch-Französische Krieg ausgebrochen. Auch in den folgenden Briefen ist von diesem Krieg die Rede</ref> nichts darein machen. Der kleine Otto sagte gestern wie er auf seinen Wiegenpferd geritten ich reitte zum Onkel Franz nach Mödling, alles spricht er jetzt, es steht ihm sehr lieb an, du wirst gewiß eine große Freude daran haben. Auch die Paula ist sehr lieb. Kathi und ich sind oft und viel oben, oder die Kinder bey mir. Ich muß es schon gestehen es ist für beyde Theile angenehm / das wir ins Duregger Hauß<ref>[[Antretterhaus]], [[Mozartplatz]] Nr. 4</ref> gezogen sind. Dir wie uns vergeht die Zeit so schnell das man es kaum glauben soll so ist wider ein Monnath vorüber, in diesen Monnath hatte ich fürchterlich viele Außgaben als ein großes Klafter Holz – nebst Menschenlohn – 7 1/2 M'' [durchstrichenes M] ''Kasse'' [kostete] ''weil es theurer wird den Zucker auch etwas Mehl Millikreuzer damit man doch etwas herzunehmen hat, weil die Bahnen für die Frachten, wie auch sogar für den Personen verkehr gespert werden. Gott gebe nur das Östreich [!] nicht verwüstet wird. Denke dir, in Reichenhall sind neulich in 2 Tagen 700 Personen fort es mußte von hier Wägen hinüber um die Leute auf die Bahn zu befördern, so gings zu eben so war es in Ischl alles was Außländer waren, ging fort. / | ''Salzburg den 26/7 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Endlich erhalte ich einmal wieder ein Briefchen von dir, welches mich recht sehr freute, ich hörte wohl immer das du mit Otto in Coresspondenz warst – alleine weiter hörte ich nichts, den es waren geld angelegenheiten, ich bath wohl den Otto einmal er soll dir schreiben du möchtest nichts kauffen aber Otto nahm sich nicht Zeit es zu schreiben, ich habe öfter gebethet, der liebe Gott möge dir den Sinn eingeben, nichts zu kauffen, den bey diesen wechselvollen Zeiten ist es gewiß sehr gewagt, so etwas zu thun. Der liebe Gott hat mein gebeth erhört, den es ist für dich gewiß so beßer. / ich denke auch du wirst die Obligationen gewiß wider mitbringen wen du vieleicht mit dem Vergnügungszug kömmst, auch das Leintuch denke ich wirst du mitbringen. Der nächste Zug ist auch der Letzte wie ich höre O wie freue ich mich darauf, Gott gebe das die Kriegsver-Hältniße<ref>Am 19. Juli 1870 ist der Deutsch-Französische Krieg ausgebrochen. Auch in den folgenden Briefen ist von diesem Krieg die Rede</ref> nichts darein machen. Der kleine Otto sagte gestern wie er auf seinen Wiegenpferd geritten ich reitte zum Onkel Franz nach Mödling, alles spricht er jetzt, es steht ihm sehr lieb an, du wirst gewiß eine große Freude daran haben. Auch die Paula ist sehr lieb. Kathi und ich sind oft und viel oben, oder die Kinder bey mir. Ich muß es schon gestehen es ist für beyde Theile angenehm / das wir ins Duregger Hauß<ref>[[Antretterhaus]], [[Mozartplatz]] Nr. 4</ref> gezogen sind. Dir wie uns vergeht die Zeit so schnell das man es kaum glauben soll so ist wider ein Monnath vorüber, in diesen Monnath hatte ich fürchterlich viele Außgaben als ein großes Klafter Holz – nebst Menschenlohn – 7 1/2 M'' [durchstrichenes M] ''Kasse'' [kostete] ''weil es theurer wird den Zucker auch etwas Mehl Millikreuzer damit man doch etwas herzunehmen hat, weil die Bahnen für die Frachten, wie auch sogar für den Personen verkehr gespert werden. Gott gebe nur das Östreich [!] nicht verwüstet wird. Denke dir, in Reichenhall sind neulich in 2 Tagen 700 Personen fort es mußte von hier Wägen hinüber um die Leute auf die Bahn zu befördern, so gings zu eben so war es in Ischl alles was Außländer waren, ging fort. / | ||
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==== Brief vom 7. August 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ==== Brief vom 7. August 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ||
Ein Bogen, "englischer" | Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br /> | ||
''Salzburg den 7/8 [18]70. Mein Liebster bester theuerster Franz! Ich danke dir recht herzlich für den lieben Brief welchen ich dieser Tage erhalten habe, ich ging eben mit denen Spängler in den Kaserenhof als Otto mir i[h]n gab. Wir sind gottlob alle gesund Leopoldin geht am Monntag auf 14 Tag mit 4 Kindern und Bonne'' [Kindermädchen] ''nach [[Unken]]. Ich weiß noch nicht recht was ich thue, ich möchte mir auch gerne etwas zu guten kommen lassen, ob ich vieleicht ins Moos oder nach Unken gehe, erst muß ich aber wissen ob du mit den Vergnügungszug kömmst auf die 2 Feyertage. Vieleicht gehe ich hernach irgendwohin / wenn uns der Krieg nichts dazwischen macht. Ich bitte dich lieber Franz wen es ein wenig für Ostreich gefährlich außsieht, deine Noth-Papiere'' [unterstrichen] ''herauf zu schücken'' [zwei Wörter unterstrichen] ''den ich halte selbe hier'' [unterstrichen] ''für sicherer'' [unterstrichen] ''als unten'' [unterstrichen, d.h. in Mödling]. ''Gott gebe das kein Krieg mit Ostreich wird oder vielmehr wir nicht hinein gezogen werden. Es giebt schon eine menge ängstliche Leute hier. Wir sind halt nahe an der Gränze. Die Frau von Lanser ist gekommen soll ganz gut außsehen aber die Betti schlechter, sie sollen beyde sehr froh seyn, das sie wider hier sind. Sattler Hubert ist auch hier ich habe aber denselben noch nicht gesehen. Anton kömmt erst am Montag, machen aber keine große Reise weil Fany nicht fort getraut auf länger, wegen den Krieg, also werden sie doch länger bey der Mama verweilen können / Hubert soll hübsch mager sein. | ''Salzburg den 7/8 [18]70. Mein Liebster bester theuerster Franz! Ich danke dir recht herzlich für den lieben Brief welchen ich dieser Tage erhalten habe, ich ging eben mit denen Spängler in den Kaserenhof als Otto mir i[h]n gab. Wir sind gottlob alle gesund Leopoldin geht am Monntag auf 14 Tag mit 4 Kindern und Bonne'' [Kindermädchen] ''nach [[Unken]]. Ich weiß noch nicht recht was ich thue, ich möchte mir auch gerne etwas zu guten kommen lassen, ob ich vieleicht ins Moos oder nach Unken gehe, erst muß ich aber wissen ob du mit den Vergnügungszug kömmst auf die 2 Feyertage. Vieleicht gehe ich hernach irgendwohin / wenn uns der Krieg nichts dazwischen macht. Ich bitte dich lieber Franz wen es ein wenig für Ostreich gefährlich außsieht, deine Noth-Papiere'' [unterstrichen] ''herauf zu schücken'' [zwei Wörter unterstrichen] ''den ich halte selbe hier'' [unterstrichen] ''für sicherer'' [unterstrichen] ''als unten'' [unterstrichen, d.h. in Mödling]. ''Gott gebe das kein Krieg mit Ostreich wird oder vielmehr wir nicht hinein gezogen werden. Es giebt schon eine menge ängstliche Leute hier. Wir sind halt nahe an der Gränze. Die Frau von Lanser ist gekommen soll ganz gut außsehen aber die Betti schlechter, sie sollen beyde sehr froh seyn, das sie wider hier sind. Sattler Hubert ist auch hier ich habe aber denselben noch nicht gesehen. Anton kömmt erst am Montag, machen aber keine große Reise weil Fany nicht fort getraut auf länger, wegen den Krieg, also werden sie doch länger bey der Mama verweilen können / Hubert soll hübsch mager sein. | ||
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==== Brief vom 20. August 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ==== Brief vom 20. August 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ||
Ein Bogen, "englischer" | Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] Stellen:<br /> | ||
''Salzburg den 20/8 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Leider kontest du wider nicht kommen und ich habe mich schon gefreut auf dich, denke dir, als ich hörte das ein Vergnügungszug kömmt, so habe ich den Fräulein Rosalie Hempf welche ich für den Sontag geladen hatte, abgesagt und sie dafür am Donerstag zuvor geladen damit wir ja ganz für uns sind, und wider freute ich mich umsonst. Ich meine jetzt soltest du schon warten, bis du einen ordntlichen Urlaub bekommen kannst sonst hast du eine gewaltige Hetze. Ich glaube schon es wäre beßer zu kommen wen die Leute wider in der Stadt sind weil man da weniger Zeit verliert mit gehen'' [Besuche machen] ''. / Die Frau von Lanser hat es sehr gefreut das sie diesen Nachmittag mit dir zubringen konnte, sie fand dich sehr gut außsehen, und auch recht heiter was für mich ein wahrer Trost ist. Die Leopoldin ist dermalen in Unken und wird noch 10 Tag dort bleiben mit den 4 jungen Kindern und die Bonne. Leider ist es großtentheil schlecht Wetter. Der Schmelzing ist aus Unken zurück nun ist die Frau und die Limfavt [?] nach Reichenberg. Was sagst du zu den Krieg<ref>Deutsch-Französischer Krieg; vgl. Brief vom 26. Juli 1870</ref> nun wird wohl ein Ende herauß gehen, da die Franzosen so ganz geschlagen sind. gott gebe das wir keine Folgen zu tragen haben, man sagt es seyen vieleich[t] 100 0000<ref>von anderer Hand (Otto Spängler?) eingeklammert, mit Fragezeichen versehen und unten am Rand: "dürfte wohl eine 0 zu viel sein. Anmerkung des Absenders"</ref>Mann zu grunde gegangen sind von beyden Seiten zusammen. / Wen nur in Frankreich kein Refolution auf[s]bricht<ref>"f" auf "s" korrigiert</ref> , weil sich solche Sachen immer genau weiter verbreiten, gottlob das Ostreich sich nicht betheiligte. Ich bin zu dato noch nirgens hin es ist mir dermalen noch die Wittrung zu unbeständig, und mit den Krig weis man au[c]h noch nicht wie es auß geht. Ich gehe wie die Witt[r]ung schön ist, dort und dahin, auch auf über Mittag damit ich die fre[i]e [?] Luft genüße. Bey Louise bin ich auch öfter besonders bey schlechter Wittrung, bald ist es schon nach Massen [?]. Der Winter wird bald wider da sein man darf sich schon wider ferrichten dazu. recht viele Bekan[ten] grüßen dich recht herzlich alles freut sich recht herzlich auf dich. / Die Kinder bey Otto gedeien alle recht gut gottlob, die Paula wird jetzt allerliebst, Otto spricht alles, und ist unendlich gut und lieb auch der kleine Max lacht schon recht wen man ihm etwas vormacht, ich habe sie alle sehr gern, und die Kinder mich. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich inig deine treue Mutter Spängler. Die Kathi küßt die Hände. Von allen Bekanten viele herzliche grüße.'' | ''Salzburg den 20/8 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Leider kontest du wider nicht kommen und ich habe mich schon gefreut auf dich, denke dir, als ich hörte das ein Vergnügungszug kömmt, so habe ich den Fräulein Rosalie Hempf welche ich für den Sontag geladen hatte, abgesagt und sie dafür am Donerstag zuvor geladen damit wir ja ganz für uns sind, und wider freute ich mich umsonst. Ich meine jetzt soltest du schon warten, bis du einen ordntlichen Urlaub bekommen kannst sonst hast du eine gewaltige Hetze. Ich glaube schon es wäre beßer zu kommen wen die Leute wider in der Stadt sind weil man da weniger Zeit verliert mit gehen'' [Besuche machen] ''. / Die Frau von Lanser hat es sehr gefreut das sie diesen Nachmittag mit dir zubringen konnte, sie fand dich sehr gut außsehen, und auch recht heiter was für mich ein wahrer Trost ist. Die Leopoldin ist dermalen in Unken und wird noch 10 Tag dort bleiben mit den 4 jungen Kindern und die Bonne. Leider ist es großtentheil schlecht Wetter. Der Schmelzing ist aus Unken zurück nun ist die Frau und die Limfavt [?] nach Reichenberg. Was sagst du zu den Krieg<ref>Deutsch-Französischer Krieg; vgl. Brief vom 26. Juli 1870</ref> nun wird wohl ein Ende herauß gehen, da die Franzosen so ganz geschlagen sind. gott gebe das wir keine Folgen zu tragen haben, man sagt es seyen vieleich[t] 100 0000<ref>von anderer Hand (Otto Spängler?) eingeklammert, mit Fragezeichen versehen und unten am Rand: "dürfte wohl eine 0 zu viel sein. Anmerkung des Absenders"</ref>Mann zu grunde gegangen sind von beyden Seiten zusammen. / Wen nur in Frankreich kein Refolution auf[s]bricht<ref>"f" auf "s" korrigiert</ref> , weil sich solche Sachen immer genau weiter verbreiten, gottlob das Ostreich sich nicht betheiligte. Ich bin zu dato noch nirgens hin es ist mir dermalen noch die Wittrung zu unbeständig, und mit den Krig weis man au[c]h noch nicht wie es auß geht. Ich gehe wie die Witt[r]ung schön ist, dort und dahin, auch auf über Mittag damit ich die fre[i]e [?] Luft genüße. Bey Louise bin ich auch öfter besonders bey schlechter Wittrung, bald ist es schon nach Massen [?]. Der Winter wird bald wider da sein man darf sich schon wider ferrichten dazu. recht viele Bekan[ten] grüßen dich recht herzlich alles freut sich recht herzlich auf dich. / Die Kinder bey Otto gedeien alle recht gut gottlob, die Paula wird jetzt allerliebst, Otto spricht alles, und ist unendlich gut und lieb auch der kleine Max lacht schon recht wen man ihm etwas vormacht, ich habe sie alle sehr gern, und die Kinder mich. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich inig deine treue Mutter Spängler. Die Kathi küßt die Hände. Von allen Bekanten viele herzliche grüße.'' | ||
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==== Brief vom 16. September 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ==== Brief vom 16. September 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ==== | ||
Ein Bogen, "englischer" | Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br /> | ||
''Salzburg den 16/9 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Du bist recht sehr bang, das du so aufmerksamm warst nun sogleich eine Coresscondenzkarte [!] zu schücken damit ich doch wußte daß du glücklich wider nach Modling gekommen bist. Es war mir recht langweilig wie ich nach hauße kamm, in den Bewußtsein, du bist nicht mehr hier, ich bethe halt recht fleißig für dich, damit ich immer gute Nachrichten von dir erhalten kann, der liebe gott sey, und bleibe mit dir, bethe ja auch du öfter für mich. Ich danke dir recht herzlich für deinen lieben Brief welchen ich heute erhalten habe, und beantworte denselben auch sogleich. Daß du Frenzl und Guttenberg getroffen, wird dir ganz angenehm geweßen sein? hast du bey guttenberg / gespeißt? Der kleine Otto war gerade heute bey mir als ich deinen lieben Brief erhielt, da habe ich ihm herauß gelesen daß du ihm [!] herzlich grüßen laßest, da sagte er ja – ja Onkl Franz nicht in Salzburg sondern in Mödling. Onkl Franz schön grüßen Onkl Franz bald wider kommen sagte er. Die Kinder sind mehr herunten als ich Oben weil Tapezirt wurde und alles auß geputzt so hatten sie viel Arbeit. Die Witterung ist auch hier gerade so kalt und schlecht, so das sich wenig machen läßt. Einmal war ich mit Alois Spángler'' [ [[Aloys Spängler]], Anm.] ''und Angermayer in Dureggerhof geladen. Einmal war ich inn Kreutzbrüggl dies was mein ganzes außgehen. das du wider viele Arbeit hast glaube ich gerne es wird sich schon wider machen bey deinen schnellen arbeiten ist mir nicht bange. / | ''Salzburg den 16/9 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Du bist recht sehr bang, das du so aufmerksamm warst nun sogleich eine Coresscondenzkarte [!] zu schücken damit ich doch wußte daß du glücklich wider nach Modling gekommen bist. Es war mir recht langweilig wie ich nach hauße kamm, in den Bewußtsein, du bist nicht mehr hier, ich bethe halt recht fleißig für dich, damit ich immer gute Nachrichten von dir erhalten kann, der liebe gott sey, und bleibe mit dir, bethe ja auch du öfter für mich. Ich danke dir recht herzlich für deinen lieben Brief welchen ich heute erhalten habe, und beantworte denselben auch sogleich. Daß du Frenzl und Guttenberg getroffen, wird dir ganz angenehm geweßen sein? hast du bey guttenberg / gespeißt? Der kleine Otto war gerade heute bey mir als ich deinen lieben Brief erhielt, da habe ich ihm herauß gelesen daß du ihm [!] herzlich grüßen laßest, da sagte er ja – ja Onkl Franz nicht in Salzburg sondern in Mödling. Onkl Franz schön grüßen Onkl Franz bald wider kommen sagte er. Die Kinder sind mehr herunten als ich Oben weil Tapezirt wurde und alles auß geputzt so hatten sie viel Arbeit. Die Witterung ist auch hier gerade so kalt und schlecht, so das sich wenig machen läßt. Einmal war ich mit Alois Spángler'' [ [[Aloys Spängler]], Anm.] ''und Angermayer in Dureggerhof geladen. Einmal war ich inn Kreutzbrüggl dies was mein ganzes außgehen. das du wider viele Arbeit hast glaube ich gerne es wird sich schon wider machen bey deinen schnellen arbeiten ist mir nicht bange. / | ||
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==== Brief vom Oktober 1870 ==== | ==== Brief vom Oktober 1870 ==== | ||
Ein Blatt, | Ein Blatt, Prägedruck "X[?] S", ohne Datum, erschlossen Oktober 1870:<br /> | ||
''P. T. Fenzl mitzutheilen! / Auszug aus dem Testamente dr Frau Josefa Schaupp. Alleinige und Universalerbin: Frl Pepi Reisigl. Legate:'' ([verschiedene Namen und Summen, u. a.:] "den Verwandten des Herrn Schaupp [der offenbar bereits gestorben ist] 4200 fl [Gulden], Gabriele Spängler<ref>* 1840; † 1910; 1868 verheiratet mit Franz Egghofer (* 1836; † 1872), eine Tochter von Hofrichter Franz Anton [[Spängler]] (* 1790; † 1862)</ref> 200 fl, Köchin Marie 200 fl" … "Die Mutter bekommt dn großen goldenen Spiegel, ein Madonnenbild, den Spieltisch (mit grünem Tuch, und das Himmelbett. Der die selige Schaupp dabei leitende Gedanke war: Die Lürzerischen bekommen ohnehin alles nach der Pepi Tod.")<ref>Vergleiche Brief der Antonia Spängler an den Sohn [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] vom 12. Oktober 1870: "Über Reisigls Angelegenheiten nächstens." Die Verbindung zur Familie [[Lürzer von Zechenthal]] geht über Franz Lürzer von Zehendthal (* [[1796]] in [[Hallein]]; † [[1870]] in der Stadt Salzburg), verheiratet mit Marie Reisigl (* 1807; † 1850) und in zweiter Ehe ohne Nachkommen verheiratet mit Marie Spängler (* [[1820]] in der Stadt Salzburg; † [[1880]] ebenda); aus erster Ehe eine Tochter Josepha Lürzer von Zehendthal (* [[1834]] in Agordo, [[Venetien]]; † 1904 in Salzburg), sie ist Stiftsdame in Hall in Tirol. Franz Lürzer von Zehendthal (so schreibt er sich) ist ein Sohn von [[Franz Lürzer von Zechenthal]] (* [[1768]] in der Stadt Salzburg; † 1830 in Hall in Tirol); Marie Spängler ist eine Tochter von Josef Ignatius Johann Thadäus Zacharias Spängler (* [[1786]] in der Stadt Salzburg; † [[1861]] ebenda) und Elisabeth Auer (* [[1802]]; † [[1870]]). Vgl. 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org], nach Anmeldung offen einsehbar.</ref> | ''P. T. Fenzl mitzutheilen! / Auszug aus dem Testamente dr Frau Josefa Schaupp. Alleinige und Universalerbin: Frl Pepi Reisigl. Legate:'' ([verschiedene Namen und Summen, u. a.:] "den Verwandten des Herrn Schaupp [der offenbar bereits gestorben ist] 4200 fl [Gulden], Gabriele Spängler<ref>* 1840; † 1910; 1868 verheiratet mit Franz Egghofer (* 1836; † 1872), eine Tochter von Hofrichter Franz Anton [[Spängler]] (* 1790; † 1862)</ref> 200 fl, Köchin Marie 200 fl" … "Die Mutter bekommt dn großen goldenen Spiegel, ein Madonnenbild, den Spieltisch (mit grünem Tuch, und das Himmelbett. Der die selige Schaupp dabei leitende Gedanke war: Die Lürzerischen bekommen ohnehin alles nach der Pepi Tod.")<ref>Vergleiche Brief der Antonia Spängler an den Sohn [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] vom 12. Oktober 1870: "Über Reisigls Angelegenheiten nächstens." Die Verbindung zur Familie [[Lürzer von Zechenthal]] geht über Franz Lürzer von Zehendthal (* [[1796]] in [[Hallein]]; † [[1870]] in der Stadt Salzburg), verheiratet mit Marie Reisigl (* 1807; † 1850) und in zweiter Ehe ohne Nachkommen verheiratet mit Marie Spängler (* [[1820]] in der Stadt Salzburg; † [[1880]] ebenda); aus erster Ehe eine Tochter Josepha Lürzer von Zehendthal (* [[1834]] in Agordo, [[Venetien]]; † 1904 in Salzburg), sie ist Stiftsdame in Hall in Tirol. Franz Lürzer von Zehendthal (so schreibt er sich) ist ein Sohn von [[Franz Lürzer von Zechenthal]] (* [[1768]] in der Stadt Salzburg; † 1830 in Hall in Tirol); Marie Spängler ist eine Tochter von Josef Ignatius Johann Thadäus Zacharias Spängler (* [[1786]] in der Stadt Salzburg; † [[1861]] ebenda) und Elisabeth Auer (* [[1802]]; † [[1870]]). Vgl. 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org], nach Anmeldung offen einsehbar.</ref> | ||
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Ein Bogen, "englischer" | Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] Stellen:<br /> | ||
''1/2 12 Mittags Salzburg den 26/10 [18]70. Mein inigstgeliebter theuerster Franz! Es sind schon wieder einige Tage verfloßen seit ich deinen letzten Brief erhalten habe, wofür ich dir recht herzlich dank[e]. Es ist lächerlich wen ich sage ich finde wenig Zeit zum schreiben, und doch ist es wahr, Täglich komme ich einmal zu Lürzer den die arme Marie<ref>bisher nicht näher identifiziert</ref> ist so trostlos, das ich es für die heiligste Pflicht halte, sie doch ein wenig zu zerstreuen, eben komme ich von ihr herauß, ich fand sie in Thränen als ich hinein kamm und verließ sie in denselben obwohl ich nahe 2 Stund dort war, wie ich schon unten auf der Stiege war fiel mir ein, ich solle / sie vieleicht zu mir herauß einladen, ich ging zurück sie nahm es auf und so kommen sie heute, die Marie hat einen sehr starken Catahre was noch ihr gemüth erschwären mag. Lieber Franz ich bin gottlob gesund, bin viel bey Otto oder die Kindlein bey mir die Zeit vergeht wie immer zu schnell. Die Fräulein Rosalie kömmt auch fleißig. Die Lürzer läßt dich recht herzlich grüßen, und die von Henzen danken, für deinen lieben Brief, aber sie ist es noch nicht im stande dir zu schreiben da sie so sehr angegriefen ist. Sie hat nun um die Pension für sich eingegeben, um 472 fl'' [Gulden] ''Der liebe Gott wolle sie ihr zukommen lassen. Hat die Marie die Pension dan, wollen sie um eine gnadengabe für die Pepi anhalten, und dann auch später wegen der Prepende<ref>Präbende, kirchliche Pründe </ref> wider bitten, die arme bedarf wohl einer / gnadengabe, da die arme so wenig sieht. Solte es einmal nöthig sein das man irgend in Wien schücken macht'' [Eingabe]'', so hoffe ich wirst du gewiß so gütig sein und selbe übernehmen bezüglich der Pepi. Die Marie ist noch immer untröstlich. Denke dir ich konnte gestern schon wider nicht weiter schreiben, weil ich zum Otto mußte und dan kammen die Lürzer, und nach Tisch Abends ging ich zu duregger, und bis diesen Augenblück war der kleine Otto da nun ists halb 4 Uhr, so schwindet die Zeit, und ich komme zu keiner rechten Arbeit und hätte viel zu thun. Die Pomonasche [?] Esenz ist schon seit einen Monath bey Sattler Anton, wen du einmal in die Stadt kömmst so kannst du sie hollen. Denke dir 8 Tag nach den Franz starb der Wohlfartstätter<ref>Vgl. zu [[Franz Xaver Späth]]: [offenbar aus der Familie von…] "in zweiter Ehe heiratete er 1816 Maria, die Tochter des Klagenfurter k.k. Appellationsrates Johann Wohlfahrtstätter (* 1749; † 1820) und seiner Frau Josefa, geborene Lürzer."</ref> gott habe ihm sellig. Die Zeller Lanser Sattler Toda alle lassen dich recht herzlich grüßen. Die Lanser zieht glaube ich am Samstag herein. / Lieber Franz der kleine Otto spricht so Oft von dir, und wen ich sage was du ihm bringen solst von Wien, so sagt er immer was guts, ich freue mich schon recht sehr wen du zu Weihnachten kömmst, weil es dort doch längert dauert, daß du hier bist so freue ich mich dopelt. Soll ich dir schon noch ein paar Schafwoll Socken strücken, so schreibe mir darüber die starken Stiefl bringt Otto mit. ziehe frei [?] wen es kalt wird die Baumwol Socken an, sie sind ganz gut zu sammen gerichtet. Ist es wahr daß du nach Wien kömmst ich bin schon öfter darum gefragt worden die Luft würde dir aber vieleicht in Mödling beßer thuen. Lieber Franz lebe recht wohl es küßt und segnet dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spángler'' | ''1/2 12 Mittags Salzburg den 26/10 [18]70. Mein inigstgeliebter theuerster Franz! Es sind schon wieder einige Tage verfloßen seit ich deinen letzten Brief erhalten habe, wofür ich dir recht herzlich dank[e]. Es ist lächerlich wen ich sage ich finde wenig Zeit zum schreiben, und doch ist es wahr, Täglich komme ich einmal zu Lürzer den die arme Marie<ref>bisher nicht näher identifiziert</ref> ist so trostlos, das ich es für die heiligste Pflicht halte, sie doch ein wenig zu zerstreuen, eben komme ich von ihr herauß, ich fand sie in Thränen als ich hinein kamm und verließ sie in denselben obwohl ich nahe 2 Stund dort war, wie ich schon unten auf der Stiege war fiel mir ein, ich solle / sie vieleicht zu mir herauß einladen, ich ging zurück sie nahm es auf und so kommen sie heute, die Marie hat einen sehr starken Catahre was noch ihr gemüth erschwären mag. Lieber Franz ich bin gottlob gesund, bin viel bey Otto oder die Kindlein bey mir die Zeit vergeht wie immer zu schnell. Die Fräulein Rosalie kömmt auch fleißig. Die Lürzer läßt dich recht herzlich grüßen, und die von Henzen danken, für deinen lieben Brief, aber sie ist es noch nicht im stande dir zu schreiben da sie so sehr angegriefen ist. Sie hat nun um die Pension für sich eingegeben, um 472 fl'' [Gulden] ''Der liebe Gott wolle sie ihr zukommen lassen. Hat die Marie die Pension dan, wollen sie um eine gnadengabe für die Pepi anhalten, und dann auch später wegen der Prepende<ref>Präbende, kirchliche Pründe </ref> wider bitten, die arme bedarf wohl einer / gnadengabe, da die arme so wenig sieht. Solte es einmal nöthig sein das man irgend in Wien schücken macht'' [Eingabe]'', so hoffe ich wirst du gewiß so gütig sein und selbe übernehmen bezüglich der Pepi. Die Marie ist noch immer untröstlich. Denke dir ich konnte gestern schon wider nicht weiter schreiben, weil ich zum Otto mußte und dan kammen die Lürzer, und nach Tisch Abends ging ich zu duregger, und bis diesen Augenblück war der kleine Otto da nun ists halb 4 Uhr, so schwindet die Zeit, und ich komme zu keiner rechten Arbeit und hätte viel zu thun. Die Pomonasche [?] Esenz ist schon seit einen Monath bey Sattler Anton, wen du einmal in die Stadt kömmst so kannst du sie hollen. Denke dir 8 Tag nach den Franz starb der Wohlfartstätter<ref>Vgl. zu [[Franz Xaver Späth]]: [offenbar aus der Familie von…] "in zweiter Ehe heiratete er 1816 Maria, die Tochter des Klagenfurter k.k. Appellationsrates Johann Wohlfahrtstätter (* 1749; † 1820) und seiner Frau Josefa, geborene Lürzer."</ref> gott habe ihm sellig. Die Zeller Lanser Sattler Toda alle lassen dich recht herzlich grüßen. Die Lanser zieht glaube ich am Samstag herein. / Lieber Franz der kleine Otto spricht so Oft von dir, und wen ich sage was du ihm bringen solst von Wien, so sagt er immer was guts, ich freue mich schon recht sehr wen du zu Weihnachten kömmst, weil es dort doch längert dauert, daß du hier bist so freue ich mich dopelt. Soll ich dir schon noch ein paar Schafwoll Socken strücken, so schreibe mir darüber die starken Stiefl bringt Otto mit. ziehe frei [?] wen es kalt wird die Baumwol Socken an, sie sind ganz gut zu sammen gerichtet. Ist es wahr daß du nach Wien kömmst ich bin schon öfter darum gefragt worden die Luft würde dir aber vieleicht in Mödling beßer thuen. Lieber Franz lebe recht wohl es küßt und segnet dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spángler'' | ||