Kobler-Spängler-Briefe von 1870: Unterschied zwischen den Versionen

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==== Brief vom 26. Juli 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 26. Juli 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler in Mödling ====
Ein Bogen, „englischer“ Prägestempel Löwe, Wappen und Einhorn; / = Seitenwechsel:<br />
Ein Bogen, „englischer“ Prägestempel Löwe, Wappen und Einhorn; / = Seitenwechsel:<br />
''Salzburg den 26/7 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Endlich erhalte ich einmal wieder ein Briefchen von dir, welches mich recht sehr freute, ich hörte wohl immer das du mit Otto in Coresspondenz warst – alleine weiter hörte ich nichts, den es waren geld angelegenheiten, ich bath wohl den Otto einmal er soll dir schreiben du möchtest nichts kauffen aber Otto nahm sich nicht Zeit es zu schreiben, ich habe öfter gebethet, der liebe Gott möge dir den Sinn eingeben, nichts zu kauffen, den bey diesen wechselvollen Zeiten ist es gewiß sehr gewagt, so etwas zu thun. Der liebe Gott hat mein gebeth erhört, den es ist für dich gewiß so beßer. / ich denke auch du wirst die Obligationen gewiß wider mitbringen wen du vieleicht mit dem Vergnügungszug kömmst, auch das Leintuch denke ich wirst du mitbringen. Der nächste Zug ist auch der Letzte wie ich höre O wie freue ich mich darauf, Gott gebe das die Kriegsver-Hältniße<ref>Am 19. Juli 1870 ist der Deutsch-Französische Krieg ausgebrochen. Auch in den folgenden Briefen ist von diesem Krieg die Rede</ref> nichts darein machen. Der kleine Otto sagte gestern wie er auf seinen Wiegenpferd geritten ich reitte zum Onkel Franz nach Mödling, alles spricht er jetzt, es steht ihm sehr lieb an, du wirst gewiß eine große Freude daran haben. Auch die Paula ist sehr lieb. Kathi und ich sind oft und viel oben, oder die Kinder bey mir. Ich muß es schon gestehen es ist für beyde Theile angenehm / das wir ins Duregger Hauß<ref>[[Antretterhaus]], [[Mozartplatz]] Nr. 4</ref> gezogen sind. Dir wie uns vergeht die Zeit so schnell das man es kaum glauben soll so ist wider ein Monnath vorüber, in diesen Monnath hatte ich fürchterlich viele Außgaben als ein großes Klafter Holz – nebst Menschenlohn – 7 1/2 M'' [durchstrichenes M] ''Kasse'' [kostete] ''weil es theurer wird den Zucker auch etwas Mehl Millikreuzer damit man doch etwas herzunehmen hat, weil die Bahnen für die Frachten, wie auch sogar für den Personen verkehr gespert werden. Gott gebe nur das Östreich [!] nicht verwüstet wird. Denke dir, in Reichenhall sind neulich in 2 Tagen 700 Personen fort es mußte von hier Wägen hinüber um die Leute auf die Bahn zu befördern, so gings zu eben so war es in Ischl alles was Außländer waren, ging fort. / Ich bin sehr froh daß du so viel außen herum zu thun hast so tragt es dir auch etwas'' [ein] ''und du kömmst doch leichter zum abzahlen, was gewiß sehr nothwendig ist. Das du mit die Sattler eine Partie gemacht freute mich weil ihr Euch gewiß alle recht gut unterhalten habt. Wegen der Hamerau'' (Hammerau; [[Stahlwerk Annahütte]] in [[Ainring]]) ''ist es so das Schloß Hohenaschau ist in unter Handlung mit einen Prinzen oder Herzog, und kommt dieser Kauf zu Stande, so kommen so viele Außbeiter'' [Ausbeute, Dividende auf Wertpapiere] ''als nach Zahlung von denen Jahren wo wir nichts bekammen. Das der Weinwurm<ref>Stanislaus Weinwurm, Fabrikbesitzer in Wien; vgl. Brief vom 18. April 1870</ref> neulich die Kinder fort nahm, und sie unten in sein Fabrick gab wo seine Mutter ist und Schwester, und sie Prozes führt weiß[t] du vieleicht schon wissen auch das Warum'' [unterstrichen] ''Lebe recht wohl es grüßen dich eine menge Leute recht herzlich, mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler''
''Salzburg den 26/7 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Endlich erhalte ich einmal wieder ein Briefchen von dir, welches mich recht sehr freute, ich hörte wohl immer das du mit Otto in Coresspondenz warst – alleine weiter hörte ich nichts, den es waren geld angelegenheiten, ich bath wohl den Otto einmal er soll dir schreiben du möchtest nichts kauffen aber Otto nahm sich nicht Zeit es zu schreiben, ich habe öfter gebethet, der liebe Gott möge dir den Sinn eingeben, nichts zu kauffen, den bey diesen wechselvollen Zeiten ist es gewiß sehr gewagt, so etwas zu thun. Der liebe Gott hat mein gebeth erhört, den es ist für dich gewiß so beßer. / ich denke auch du wirst die Obligationen gewiß wider mitbringen wen du vieleicht mit dem Vergnügungszug kömmst, auch das Leintuch denke ich wirst du mitbringen. Der nächste Zug ist auch der Letzte wie ich höre O wie freue ich mich darauf, Gott gebe das die Kriegsver-Hältniße<ref>Am 19. Juli 1870 ist der Deutsch-Französische Krieg ausgebrochen. Auch in den folgenden Briefen ist von diesem Krieg die Rede</ref> nichts darein machen. Der kleine Otto sagte gestern wie er auf seinen Wiegenpferd geritten ich reitte zum Onkel Franz nach Mödling, alles spricht er jetzt, es steht ihm sehr lieb an, du wirst gewiß eine große Freude daran haben. Auch die Paula ist sehr lieb. Kathi und ich sind oft und viel oben, oder die Kinder bey mir. Ich muß es schon gestehen es ist für beyde Theile angenehm / das wir ins Duregger Hauß<ref>[[Antretterhaus]], [[Mozartplatz]] Nr. 4</ref> gezogen sind. Dir wie uns vergeht die Zeit so schnell das man es kaum glauben soll so ist wider ein Monnath vorüber, in diesen Monnath hatte ich fürchterlich viele Außgaben als ein großes Klafter Holz – nebst Menschenlohn – 7 1/2 M'' [durchstrichenes M] ''Kasse'' [kostete] ''weil es theurer wird den Zucker auch etwas Mehl Millikreuzer damit man doch etwas herzunehmen hat, weil die Bahnen für die Frachten, wie auch sogar für den Personen verkehr gespert werden. Gott gebe nur das Östreich [!] nicht verwüstet wird. Denke dir, in Reichenhall sind neulich in 2 Tagen 700 Personen fort es mußte von hier Wägen hinüber um die Leute auf die Bahn zu befördern, so gings zu eben so war es in Ischl alles was Außländer waren, ging fort. /  
 
''Ich bin sehr froh daß du so viel außen herum zu thun hast so tragt es dir auch etwas'' [ein] ''und du kömmst doch leichter zum abzahlen, was gewiß sehr nothwendig ist. Das du mit die Sattler eine Partie gemacht freute mich weil ihr Euch gewiß alle recht gut unterhalten habt. Wegen der Hamerau'' (Hammerau; [[Stahlwerk Annahütte]] in [[Ainring]]) ''ist es so das Schloß Hohenaschau ist in unter Handlung mit einen Prinzen oder Herzog, und kommt dieser Kauf zu Stande, so kommen so viele Außbeiter'' [Ausbeute, Dividende auf Wertpapiere] ''als nach Zahlung von denen Jahren wo wir nichts bekammen. Das der Weinwurm<ref>Stanislaus Weinwurm, Fabrikbesitzer in Wien; vgl. Brief vom 18. April 1870</ref> neulich die Kinder fort nahm, und sie unten in sein Fabrick gab wo seine Mutter ist und Schwester, und sie Prozes führt weiß[t] du vieleicht schon wissen auch das Warum'' [unterstrichen] ''Lebe recht wohl es grüßen dich eine menge Leute recht herzlich, mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler''


Beigelegt ein Blatt vom Bruder [[Otto Spängler]]: ''Lieber Franz! Ich füge mir noch einige Zeilen bei; ich habe in dieser ganzen Baisse noch um keinen Kreuzer gekauft<ref>Wertpapiere</ref> und glaube, d[a]ß die Situation noch zu wenig geklärt ist, um mit Sicherheit schon kaufen zu können. Creditfirmen wären [?] das passendste. Rehms Wechselstube ging ebenfalls an die Salzburg Oberöstereicher Bank über, die Industriebann-Generalagentur hier hat M. Geschnizer'' ([[Mathias Gschnitzer]]) ''übernommen. Wegen der 7 Jahres Ausbeute<ref>Dividenden</ref> aus Hohenaschau hat die Mutter geschrieben, doch schwebt der Kauf noch in der Ferne. / Gestern hat Kemff [?] gezalt 4 fl für 2 malige Promessen, die 3 Bücher sind da; ich habe sie nur übersehen, mitzusenden. Mit den nächsten Vergnügungszuge hofft dich zu sehen Dein treuer Bruder Otto Spängl[er] 27/7 70''
Beigelegt ein Blatt vom Bruder [[Otto Spängler]]: ''Lieber Franz! Ich füge mir noch einige Zeilen bei; ich habe in dieser ganzen Baisse noch um keinen Kreuzer gekauft<ref>Wertpapiere</ref> und glaube, d[a]ß die Situation noch zu wenig geklärt ist, um mit Sicherheit schon kaufen zu können. Creditfirmen wären [?] das passendste. Rehms Wechselstube ging ebenfalls an die Salzburg Oberöstereicher Bank über, die Industriebann-Generalagentur hier hat M. Geschnizer'' ([[Mathias Gschnitzer]]) ''übernommen. Wegen der 7 Jahres Ausbeute<ref>Dividenden</ref> aus Hohenaschau hat die Mutter geschrieben, doch schwebt der Kauf noch in der Ferne. / Gestern hat Kemff [?] gezalt 4 fl für 2 malige Promessen, die 3 Bücher sind da; ich habe sie nur übersehen, mitzusenden. Mit den nächsten Vergnügungszuge hofft dich zu sehen Dein treuer Bruder Otto Spängl[er] 27/7 70''