Kobler-Spängler-Briefe von 1870: Unterschied zwischen den Versionen
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==== Brief vom 16. Mai 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler in Mödling ==== | ==== Brief vom 16. Mai 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler in Mödling ==== | ||
Ein Bogen, kräftige Tinte; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden, bes. d und h, ebenso P, K und R; mehrere (für mich) unleserliche Wörter XX und fragliche [?] Stellen:<br /> | Ein Bogen, kräftige Tinte; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden, bes. d und h, ebenso P, K und R; mehrere (für mich) unleserliche Wörter XX und fragliche [?] Stellen:<br /> | ||
''Salzburg den 16/5 [18]70. Mein liebster theuerster Franz! Endlich erhielt [ich] Vorgestern einen Brief von dir, welcher mich inig freute, Ich habe immer eine große Freude wen ich von dir etwas höre. Wie wirst du gestern gestaunt haben als du das Telegram bekommen hast, das Franz am Dinstag nach Wien reist o könnte ich als ein Vögerl mitfliegen. Ich sende dir die dunkle Hose mit und einige Krägen und ein paar Hemten damit du wieder etwas hast. Den Rock welchen er noch nie [?] geholt hatte schückte ich gestern hin und sagte ihm, er müßte die nächste Woche fertig werden. Die decke wäre freulich gut wen sie Otto mit packen könte kann es sein so thue ich es statt etwas / andern. Soll ich die starken Stiefel mit der Kiste schücken? gestern kamm eine von ich [?] sehr im grauen Kasten einen zusammen gelegten, schwarzen Rock. Wen es so ist soll ich den selben schücken auch eine schlechtere schwarze Hose noch ganz gut habe ich auch gesehen vieleicht kanst du dieselben XlichX doch tragen. Freilichen [?] werde ich schon auch mitsenden, schreibe nur was du brauchst, einen Hosenstoff habe ich ein 1/4 gekauft er ist so viel als möglich gleich neus ist der Grund mehr schwarz als blau aber bey Spängler sagten sie Rückwerts in der Hose einzu stücklen thut es sich ganz gut. Daneben habe ich die Hose ganz gut besetzt, ich hoffe du solst selbe eine Zeit tragen könen. Die Bücher und Papiren sind alle weg gekommen von dem Vorzimmerl, wir werden nun wen / alles in Ordnung ist, und außgewü[scht] ist dan laße ich den grauen Kleiderkasten herauf tragen und seinen grauen Kasten hinunter an diese Stelle wo unsere ist. Dieser Tage begegnete mir die Frau Präsidentin Weiß, und fragte mich wie es dir gehe, und sagte ich soll recht viel schönes von ihr entrichten PoschX Lanser alle Spängler Freulein Rosalie Reißigl Pepi Zellerischen Plachetga'' [Plachetka] ''die Höllbrauer Fany'' ([[Franziska Kobler]]) ''und eine menge andere. Recht sehr freute es mich daß du in Wien so freundliche Aufnahme gefunden hast und auch bey Babisch in Wienerneustatt. bist du dort lange außgewesen wie du in Wiener-Wald gewesen bist? ich bin immer froh wen ich höre das es dir etwas einträgt. damit du dich leichter thust – – / Otto kan die Decke nicht mitnehmen so schücke ich dir einstweilen den Blünd [?] und ein Leintuch ich meinte du solst selber aufnähen, und einstweilen als Decke benützen. Auch sende ich dir die Nadeln und einen Zwirn zum aufnähen auch Seide folgt. Recht viele Leute lassen dich herzlich grüßen Hofrichters Mädchen S Rosalie, die Spänglerischen Schnerlzing [?], die Kathi läßt dir die Hände küßen. Lieber Franz warte frei nicht gar zu lange bis du wieder schreibst, den es freut mich imer sehr wen ich etwas von dir höre. Die Frau von Schaffner<ref>Theresia [[Späth]], verheiratet Schaffner († 15. Mai 1870), genannt „Theresa Schaffner die Ältere“; siehe zu: [[Schaffner-Haus]]; siehe auch folgenden Brief vom 29. Mai</ref> ist am Sontag Abends gestorben Heute war Gottesdienst, der alte graf Esterhaß<ref>Kasimir Graf [[Esterházy von Galántha]] (* 1805; † 13. Mai 1870)</ref> ist auch gestorben wurde am Samstag Abend begraben nun ist Herr von Robert gestorben wird glaube ich heute begraben der Plank'' [Planck]<ref>nicht Karl Franz (Carl) Planck von Planckburg (* 1833; † 1880 in Linz), Gründer der Oberbank Salzburg; siehe zu: [[Otto Spängler]] und 'Geneanet oholzapfel' (https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org); vgl. folgenden Brief vom 29. Mai</ref> ''ist auch zum sterben er hat sich in einen garten verkühlt Lebe recht wohl gottes Segen begleite dich überal es küßt dich inig deine treue Mutter Spängler'' | ''Salzburg den 16/5 [18]70. Mein liebster theuerster Franz! Endlich erhielt [ich] Vorgestern einen Brief von dir, welcher mich inig freute, Ich habe immer eine große Freude wen ich von dir etwas höre. Wie wirst du gestern gestaunt haben als du das Telegram bekommen hast, das Franz am Dinstag nach Wien reist o könnte ich als ein Vögerl mitfliegen. Ich sende dir die dunkle Hose mit und einige Krägen und ein paar Hemten damit du wieder etwas hast. Den Rock welchen er noch nie [?] geholt hatte schückte ich gestern hin und sagte ihm, er müßte die nächste Woche fertig werden. Die decke wäre freulich gut wen sie Otto mit packen könte kann es sein so thue ich es statt etwas / andern. Soll ich die starken Stiefel mit der Kiste schücken? gestern kamm eine von ich [?] sehr im grauen Kasten einen zusammen gelegten, schwarzen Rock. Wen es so ist soll ich den selben schücken auch eine schlechtere schwarze Hose noch ganz gut habe ich auch gesehen vieleicht kanst du dieselben XlichX doch tragen. Freilichen [?] werde ich schon auch mitsenden, schreibe nur was du brauchst, einen Hosenstoff habe ich ein 1/4 gekauft er ist so viel als möglich gleich neus ist der Grund mehr schwarz als blau aber bey Spängler sagten sie Rückwerts in der Hose einzu stücklen thut es sich ganz gut. Daneben habe ich die Hose ganz gut besetzt, ich hoffe du solst selbe eine Zeit tragen könen. Die Bücher und Papiren sind alle weg gekommen von dem Vorzimmerl, wir werden nun wen / alles in Ordnung ist, und außgewü[scht] ist dan laße ich den grauen Kleiderkasten herauf tragen und seinen grauen Kasten hinunter an diese Stelle wo unsere ist. Dieser Tage begegnete mir die Frau Präsidentin Weiß, und fragte mich wie es dir gehe, und sagte ich soll recht viel schönes von ihr entrichten PoschX Lanser alle Spängler Freulein Rosalie Reißigl Pepi Zellerischen Plachetga'' [Plachetka] ''die Höllbrauer Fany'' ([[Franziska Kobler]]) ''und eine menge andere. Recht sehr freute es mich daß du in Wien so freundliche Aufnahme gefunden hast und auch bey Babisch in Wienerneustatt. bist du dort lange außgewesen wie du in Wiener-Wald gewesen bist? ich bin immer froh wen ich höre das es dir etwas einträgt. damit du dich leichter thust – – / | ||
''Otto kan die Decke nicht mitnehmen so schücke ich dir einstweilen den Blünd [?] und ein Leintuch ich meinte du solst selber aufnähen, und einstweilen als Decke benützen. Auch sende ich dir die Nadeln und einen Zwirn zum aufnähen auch Seide folgt. Recht viele Leute lassen dich herzlich grüßen Hofrichters Mädchen S Rosalie, die Spänglerischen Schnerlzing [?], die Kathi läßt dir die Hände küßen. Lieber Franz warte frei nicht gar zu lange bis du wieder schreibst, den es freut mich imer sehr wen ich etwas von dir höre. Die Frau von Schaffner<ref>Theresia [[Späth]], verheiratet Schaffner († 15. Mai 1870), genannt „Theresa Schaffner die Ältere“; siehe zu: [[Schaffner-Haus]]; siehe auch folgenden Brief vom 29. Mai</ref> ist am Sontag Abends gestorben Heute war Gottesdienst, der alte graf Esterhaß<ref>Kasimir Graf [[Esterházy von Galántha]] (* 1805; † 13. Mai 1870)</ref> ist auch gestorben wurde am Samstag Abend begraben nun ist Herr von Robert gestorben wird glaube ich heute begraben der Plank'' [Planck]<ref>nicht Karl Franz (Carl) Planck von Planckburg (* 1833; † 1880 in Linz), Gründer der Oberbank Salzburg; siehe zu: [[Otto Spängler]] und 'Geneanet oholzapfel' (https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org); vgl. folgenden Brief vom 29. Mai</ref> ''ist auch zum sterben er hat sich in einen garten verkühlt Lebe recht wohl gottes Segen begleite dich überal es küßt dich inig deine treue Mutter Spängler'' | |||
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