Kriegsgefangenenlager Markt Pongau: Unterschied zwischen den Versionen
Kriegsgefangenenlager "Markt Pongau" |
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Anfangs durften die russischen Kriegsgefangenen das Stalag nicht verlassen. Erst ab dem Jahr [[1943]] wurden auch sie Arbeitseinsätzen zugeteilt. Sie durften aber nur in geschlossenen Kommandos eingesetzt und in geschlossenen Lagern unter scharfer Bewachung untergebracht werden. Ihre magere Lagerkost bestand aus Kraut und Erdäpfeln und ihre gezielte Unter- und Mangelernährung war auch für jeden Laien unverkennbar. Erst ab August 1944, als auch ihre Arbeitskraft benötigt wurde, erhielten die russischen Kriegsgefangenen im Stalag Markt Pongau dieselben Rationen wie die Angehörigen anderer Nationalitäten. | Anfangs durften die russischen Kriegsgefangenen das Stalag nicht verlassen. Erst ab dem Jahr [[1943]] wurden auch sie Arbeitseinsätzen zugeteilt. Sie durften aber nur in geschlossenen Kommandos eingesetzt und in geschlossenen Lagern unter scharfer Bewachung untergebracht werden. Ihre magere Lagerkost bestand aus Kraut und Erdäpfeln und ihre gezielte Unter- und Mangelernährung war auch für jeden Laien unverkennbar. Erst ab August 1944, als auch ihre Arbeitskraft benötigt wurde, erhielten die russischen Kriegsgefangenen im Stalag Markt Pongau dieselben Rationen wie die Angehörigen anderer Nationalitäten. | ||
Die russischen Kriegsgefangenen standen wie überall im Bereich der NS-Herrschaft an unterster Stelle. Erlässe aus dem Jahr [[1944]], in denen im Stalag Markt Pongau die Behandlung der russischen Kriegsgefangenen noch extra geregelt wurde, forderten rücksichtsloses Durchgreifen aus geringstem Anlass, was den Waffengebrauch gegenüber den Russen praktisch aus jeder Situation heraus rechtfertigte. Zumindest ein Teil der Soldaten, die als Wachmannschaften eingeteilt waren, setzte das auch in die Praxis um. Neben den ca. 40 Russen, die täglich an Unterernährung und an Krankheiten verstarben, wurden tagtäglich auch russische Kriegsgefangene praktisch vor den Augen der St. Johanner Bevölkerung erschossen. | Die russischen Kriegsgefangenen standen wie überall im Bereich der NS-Herrschaft an unterster Stelle. Erlässe aus dem Jahr [[1944]], in denen im Stalag Markt Pongau die Behandlung der russischen Kriegsgefangenen noch extra geregelt wurde, forderten rücksichtsloses Durchgreifen aus geringstem Anlass, was den Waffengebrauch gegenüber den Russen praktisch aus jeder Situation heraus rechtfertigte. Zumindest ein Teil der Soldaten, die als Wachmannschaften eingeteilt waren, setzte das auch in die Praxis um. Neben den ca. 40 Russen, die täglich an Unterernährung und an Krankheiten verstarben, wurden tagtäglich auch russische Kriegsgefangene praktisch vor den Augen der St. Johanner Bevölkerung erschossen. | ||
Wie aus Protokollen der Gemeindevertretung hervorgeht, traten im Lager auch unterschiedliche Infektionskrankheiten auf. Aus Angst vor der Seuchengefahr wurde der Bevölkerung das Betreten des Lagers untersagt. Von der Wachmannschaft Ermordete und an Krankheiten und Hunger Verstorbene wurden anfangs in einem Massengrab auf dem St. Johanner Friedhof verscharrt. Nachdem dieses Grab aufgrund der Anzahl der Toten nicht mehr ausreichte, bekam das Stalag von der Gemeinde St. Johann den sog. Fischbacher-Grund. Das dort wahrscheinlich schon im Jahr [[1942]] angelegte Massengrab wird seither als „Russenfriedhof“ bezeichnet und steht heute dort auch die nach dem Krieg errichtete Gedenkstätte, die an den Tod von 3542 Gefangenen erinnert. Ein anderes Denkmal, das an den Tod von 167 Gefangenen erinnert, befindet sich auf dem Ortsfriedhof. Am Weg zum Schwimmbad steht ebenfalls ein Gedenkstein. Im Oktober | Wie aus Protokollen der Gemeindevertretung hervorgeht, traten im Lager auch unterschiedliche Infektionskrankheiten auf. Aus Angst vor der Seuchengefahr wurde der Bevölkerung das Betreten des Lagers untersagt. Von der Wachmannschaft Ermordete und an Krankheiten und Hunger Verstorbene wurden anfangs in einem Massengrab auf dem St. Johanner Friedhof verscharrt. Nachdem dieses Grab aufgrund der Anzahl der Toten nicht mehr ausreichte, bekam das Stalag von der Gemeinde St. Johann den sog. Fischbacher-Grund. Das dort wahrscheinlich schon im Jahr [[1942]] angelegte Massengrab wird seither als „Russenfriedhof“ bezeichnet und steht heute dort auch die nach dem Krieg errichtete Gedenkstätte, die an den Tod von 3542 Gefangenen erinnert. Ein anderes Denkmal, das an den Tod von 167 Gefangenen erinnert, befindet sich auf dem Ortsfriedhof. Am Weg zum Schwimmbad steht ebenfalls ein Gedenkstein. Im Oktober 1944 musste neben dem Russenfriedhof auch für die Toten anderer Nationalitäten auf den Einödgründen ein weiterer Friedhof errichtet werden, da auch für sie auf dem Ortsfriedhof kein Platz mehr war. | ||
==Das Lager und die Kontakte mit der Bevölkerung== | ==Das Lager und die Kontakte mit der Bevölkerung== | ||