Pilgrim II. von Puchheim: Unterschied zwischen den Versionen

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Unter dem streitbaren [[Fürsterzbischof]] '''Pilgrim II. von Puchheim''' erreichte das [[Erzbistum (Überblick)#Seine größte Ausdehnung unter Pilgrim II.|Erzbistum]] seine flächenmäßig größte Ausbreitung.
[[Datei:Wappen Salzburger Erzbischöfe 23 PilgrimII.jpg|thumb|Wappen des Pilgrim]]Unter dem streitbaren [[Erzbischof]] '''Pilgrim II. von Puchheim''' († [[5. April]] [[1396]]) erreichte das [[Fürsterzbistum Salzburg#Seine größte Ausdehnung unter Pilgrim II.|Erzbistum]] seine flächenmäßig größte Ausbreitung. Er war von [[1365]] bis 1396 [[Erzbischof von Salzburg]] und der wahrscheinlich der erste Salzburger Landesfürst (Fürsterzbischof) des ausklingenden [[Mittelalter]]s.


==Leben==
==Leben==
Er war von [[1365]] bis [[1396]] Fürsterzbischof von Salzburg und ein Salzburger Landesfürst des ausklingenden [[Mittelalter]]s.  
Bei seiner Wahl zum Erzbischof am [[11. September]] 1365 war Pilgrim vermutlich gar nicht anwesend, da er in Avignon in Süd[[frankreich]] studierte. Papst Urban V. hatte die Wahl zwar am [[7. Jänner]] [[1366]] kassiert – Salzburg war ja der Kurie reserviert –, aber Pilgrim gleichzeitig zum Erzbischof providiert. Dafür musste Pilgrim 12.600 [[Gulden]] an den Papst bezahlen und auch noch die Schulden seines Vorgängers Ortlieb in der Höhe von 4.000 Gulden bezahlen.  Nach der Ablegung des Eides, der Bischofsweihe und dem Empfang des [[Pallium]]s reiste Pilgrim nach [[Wien]]. Dort empfing er am [[8. Mai]] von Kaiser Karl IV. in Gegenwart der jungen österreichischen Herzöge Albrecht III. und Leopold III. die [[Regalien]]. Nach Salzburg kam er dann erst am [[19. Mai]].


Im Oktober 1366 schloss er mit dem [[Herzogtum Bayern]] einen Waffenstillstand, den er zwei Mal verlängerte. In den Kämpfen [[1368]]zwischen Österreich und dem Herzogtum Bayern um den Besitz von Tirol blieb er neutral. Er weigerte sich auch, die [[Alpenübergänge]] nach Venedig im Krieg der [[Habsburger]] gegen die [[Venedig|Serenissima]] zu sperren, da diese für den Salzburger [[Handel (historisch)|Handel]] von großer Bedeutung waren.


Die durch das Salzburger Stadtrecht von 1368/71 dokumentierte, relativ weit gediehene städtische Autonomie erfuhr in der Zeit der autoritären Regierung Pilgrims II. von Puchheim (1366–1396) massive Einschränkungen. Der Erzbischof beschnitt als starker Stadtherr die Rechte der Bürger gegenüber dem aufgezeichneten Stadtrecht in vielen Punkten.
[[1368]] ließ Pilgrim das [[Salzburger Stadtrecht]] neu fassen und engte darin als autokratischer Fürst die Stadtrechte stark ein. Dies war später der Anlass, das sich [[1403]] Adel und Stadtbürger, ein Schutzbündnis gegen die jeweiligen erzbischöflichen Landesherrn schlossen, den "[[Igelbund]]".  


Da der Puchheimer und sein Nachfolger Gregor Schenk von Osterwitz nicht bereit waren, den bürgerlichen Anliegen und auch den Forderungen des Adels zu entsprechen, schlossen 1403, nach dem Tod Erzbischof Gregors, 56 Vertreter des Salzburger Adels und die fünf landesherrlichen Städte Salzburg, Laufen, Tittmoning, Hallein und Radstadt ein Schutzbündnis zur Wahrung ihrer Interessen gegenüber dem erzbischöflichen Landesherrn.  
Zu einem Friedensabkommen mit den Bayern kam Pilgrim am [[19. Juli]] [[1370]] in [[Raitenhaslach]]. Dabei musste er aber die Forderung der Bayern nach Zerstörung der Burgen [[Burgruine Lichtentann|Lichtentann]] und [[Burgruine Obertettelham|Tettelham]] gegen eine Zahlung von 12.000 Gulden ablösen.


[[1368]] ließ Pilgrim das [[Stadtrecht]] neu fassen und engte darin als autokratischer Fürst die Stadtrechte stark ein. Dies war später der Anlass, das sich 1403 Adel und Stadtbürger, ein Schutzbündnis gegen die jeweiligen  erzbischöflichen Landesherrn schlossen, den "Igelbund".  
Eine entscheidende Wendung in der Geschichte Salzburgs erreichte Pilgrim mit dem [[Laufen an der Salzach|Laufener]] Bündnis mit Bayern am [[6. März]] [[1371]]. Im Verteidigungsbündnis war der Papst, nicht aber Kaiser und [[Reich#Heiliges Römisches Reich|Reich]] ausgenommen. Der Grund für das Verlassen des Bündnisses mit Österreich, das es für das Erzstift seit [[1297]] gab, dürfte vor allem die Erkenntnis von Pilgrim gewesen sein, dass von Österreich nicht mehr zu erwarten war. Und Pilgrim hoffte mit diesem Bündnis, die anhaltenden [[Salz]]streitigkeiten mit Bayern und möglicherweise auch die Frage der [[Propstei Berchtesgaden]] günstiger regeln zu können.


In den Kämpfen zwischen Österreich und [[Bayern]] um den Besitz von [[Tirol]] blieb er neutral. Er weigerte sich auch, die [[Alpenübergänge]] nach Venedig im Krieg der [[Habsburger]] gegen die Serenissima zu sperren, da diese für den Salzburger [[Handel (historisch)|Handel]] von großer Bedeutung waren.  
[[1371]] besetzte er in einer militärischen Aktion [[Berchtesgaden]], geriet aber selbst durch einen Hinterhalt am [[27. November]] [[1387]] in [[Raitenhaslach]] in die Gefangenschaft der bayerischen Herzöge. Er wurde durch eine gemeinsame Aktion des [[Domkapitel]]s und der [[Hohe Salzburger Landschaft|Hohen Salzburger Landschaft]] um 30.000 [[Gulden]] und den Verzicht auf die Burgen [[Schloss Itter|Pilgrim]] und [[Burgruine Kropfsberg|Kropfsberg]] im [[Inn]]tal (beide im heutigen [[Nordtirol]]) freigekauft.


[[1371]] besetzte er in einer militärischen Aktion [[Berchtesgaden]], geriet aber selbst durch einen Hinterhalt am [[27. November]] [[1387]] in [[Raitenhaslach]] in die Gefangenschaft der bayerischen Herzöge. Er wurde durch eine gemeinsame Aktion des [[Domkapitel]]s und der [[Salzburger Landstände]] um 30.000 [[Gulden]] und den Verzicht auf die Burgen [[Schloss Itter|Pilgrim ]] und [[Burgruine Kropfsberg|Kropfsberg]] im [[Inntal]] (beide im heutigen [[Nordtirol]]) freigekauft.
Im Frühjahr 1371 beteiligte sich dann der Erzbischof mit 200 Reitern an einem Feldzug der Bayern gegen Österreich. Das führte zu einer Klage von Karl IV. beim Papst, in der er Pilgrim als Reichsfeind verklagte. Pilgrim hatte überdies das [[Bistum Seckau]] besetzt, das er seinem Neffen Johann von Neuberg zukommen lassen wollte. Die Lage wurde für Pilgrim bedenklich und letztlich musste er sich im März [[1373]] dem Kaiser unterwerfen und das Bündnis mit den [[Wittelsbacher]]n wieder lösen. Es folgte ein neuerliches Bündnis mit den Habsburgern. Die Seckauer Kandidatur seines Neffens musste er auch fallenlassen.  


[[1377]] ging das [[Brixental]] durch Verpfändung an [[Friedrich (Chiemsee)|Friedrich]], [[Bischof von Chiemsee]]. Dieser verkaufte den ihm verpfändeten Besitz für 18.000 ungarische [[Gulden]] [[1380]] vorbehaltlich eines Rückkaufes an Pilgrim und [[1385]] gegen eine Summe von weiteren 8.000 ungarischen Gulden für immer an den Erzbischof von Salzburg.
Es folgte eine ruhige Zeit mit zahlreichen Erwerbungen, was auf eine steigende Finanzkraft des Erzstifts hinweist. Zeitweise wurde der einträgliche Fernhandel mit Venedig gestört.


[[1382]] ist er in die [[Berchtesgadener Expedition]] involviert.
[[1377]] ging das [[Brixental]] durch Verpfändung an [[Friedrich (Chiemsee)|Friedrich]], [[Bischof von Chiemsee]]. Dieser verkaufte den ihm verpfändeten Besitz für 18.000 ungarische Gulden [[1380]] vorbehaltlich eines Rückkaufes an Pilgrim und [[1385]] gegen eine Summe von weiteren 8.000 ungarischen Gulden für immer an den [[Erzbischof von Salzburg]].


Am [[16. Juni]] [[1393]] wurde durch Papst Bonifaz IX. die [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] der erzbischöflichen Mensa zur Versorgung der Hofhaltung einverleibt, was allerdings nur bis [[1407]] aufrecht blieb. Im selben Jahr gründete er mit der [[Salzburger Cantorey]] ein Ensemble, das mit der Pflege der mehrstimmigen Kirchenmusik betraut war und aus dem der heute existente [[Salzburger Domchor]] hervorging.
[[1382]] war er in die [[Berchtesgadener Expedition]] involviert.
 
Am [[16. Juni]] [[1393]] wurde durch Papst Bonifaz IX. die [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] der erzbischöflichen Mensa zur Versorgung der Hofhaltung einverleibt, was allerdings nur bis [[1407]] aufrecht blieb.  
 
Pilgrim war der erste Fürsterzbischof, der in Salzburg einen glänzenden [[Salzburger Fürstenhof|Hofstaat]] gründete und Salzburg mitteleuropaweit zu einem Mittelpunkt höfischer Kunst und Kultur machte. 1393 gründete er mit der [[Salzburger Hofmusik|Salzburger Cantorey]] ein Ensemble, das mit der Pflege der mehrstimmigen Kirchenmusik betraut war und aus dem der heute existente [[Salzburger Domchor]] hervorging. Er holte auch den größte Lyriker seiner Zeit, den [[Mönch von Salzburg]] an seinen Hof nach Salzburg. In früheren Jahren war vermutet worden, dass er der sagenumwobene Mönch von Salzburg gewesen sein könnte, was aber kaum glaubhaft ist. Ein Kunstwerk von besonderem Rang ist sein Thronsiegel, dessen Ausstattung bisher einzigartig war und das später Vorbild für zahlreiche Siegel nachfolgender Fürsterzbischöfe wurde.  


Pilgrim II. war es auch, der gleichsam die ersten Schritte zur ''Verstaatlichung'' des [[Silbererzbergbau|Silber-]], [[Goldbergbau|Gold-]], [[Salzbergbau]]s und der [[Salzachschifffahrt]] einleitete. Er ließ den ersten [[Gulden|Goldgulden]] Salzburgs in der [[Salzburger Münze]] prägen.
Pilgrim II. war es auch, der gleichsam die ersten Schritte zur ''Verstaatlichung'' des [[Silbererzbergbau|Silber-]], [[Goldbergbau|Gold-]], [[Salzbergbau]]s und der [[Salzachschifffahrt]] einleitete. Er ließ den ersten [[Gulden|Goldgulden]] Salzburgs in der [[Salzburger Münze]] prägen.


In früheren Jahren war vermutet worden, dass er der sagenumwobene [[Mönch von Salzburg]] gewesen sein könnte, was aber kaum glaubhaft ist.
==Quellen ==
 
* [[Friederike Zaisberger|Zaisberger, Friederike]]: "Geschichte Salzburgs." München, Wien 1998, S. 38.
==Quellen und Literatur==
* [[Heinz Dopsch|Dopsch, Heinz]]; [[Robert Hoffmann (Historiker)|Hoffmann, Robert]]: "[[Salzburg, die Geschichte einer Stadt]]". 2. Aufl. Salzburg-Wien-München 2008, S. 178f.,181f.,183f, 185ff.,191, 245.
* [[Friederike Zaisberger|Zaisberger, Friederike]]: ''Geschichte Salzburgs.''  München, Wien 1998, S. 38.
* Dopsch, Heinz; [[Hans Spatzenegger|Spatzenegger, Hans]] (Hrsg.): "[[Geschichte Salzburgs, Stadt und Land]]", [[Verlag Anton Pustet]], Salzburg 1988; ISBN 3-7025-0243-2, Seite 479ff
* [[Heinz Dopsch|Dopsch, Heinz]]/ [[Robert Hoffmann (Historiker)|Hoffmann, Robert]]: ''Salzburg, die Geschichte einer Stadt''. 2. Aufl. Salzburg-Wien-München 2008, S. 178f.,181f.,183f, 185ff.,191, 245.
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