Kobler-Spängler-Briefe von 1845 bis 1848: Unterschied zwischen den Versionen
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Briefe, gebündelt: zwei Bögen und ein Blatt; Prägedruck "Bath mit Krone und Kranz"; / = Seitenwechsel; XX und [?] = nicht und schwer lesbare Stellen; [!] = so steht es tatsächlich dort. Klein "d" und groß "D" sind kaum zu unterscheiden, aber sonst ist die nicht immer nachvollziehbare Groß- und Kleinschreibung der Vorlage übernommen worden. | Briefe, gebündelt: zwei Bögen und ein Blatt; Prägedruck "Bath mit Krone und Kranz"; / = Seitenwechsel; XX und [?] = nicht und schwer lesbare Stellen; [!] = so steht es tatsächlich dort. Klein "d" und groß "D" sind kaum zu unterscheiden, aber sonst ist die nicht immer nachvollziehbare Groß- und Kleinschreibung der Vorlage übernommen worden. | ||
''Salzburg, am 23. Jänner 1847. Meine theuere innig geliebte Betti! Für Deinen lieben Brief vom 21. Dez 1846 danke ich Dir herzlich, so wie für Dein Kletzenbrod [!] Dir und Deiner Mutter wir vielmals danken. Ich war so froh daß Du mir noch geschrieben hast, und ich wollte Dir gleich antworten aber leider konnte ich nicht. Wie es mich drängt an Dich zu schreiben ist nicht zu sagen. Aber da wollte ich immer den Ball den die Beamten beim S. H. Carl<ref>offenbar das Hotel Erzherzog Karl, [[Waagplatz 1]]; vgl. mehrfach in diesem Brief</ref> geben abwarten, und jetzt ließ es das Schicksal nicht zu, da ich krank wurde und seit 15. Jänner heute das Erstemal länger außer Bett bin und nun aber überfällt mich so die Sehnsucht daß ich alle meine Kraft verwende um mit Dir zu plaudern. Ich hatte einen so heftigen Cathar und Husten daß ich seit 16. ganz der Stimme beraubt war, ich habe bis gestern 22 Abend ganz stille sprechen müssen, und war recht krank dabei. / Ich bekam eine Visikatar [?] über den Hals, da kannst Du Dir den Schmerz denken, besonders wenn ich husten mußte; nun aber über was anderes. ich habe so viel zu schreiben!! Zum Christkind bekam mein Mann von der Mutter'' [ [[Fanny Kobler]], Anm.] ''einen wunderschönen Schreibtisch, womit auch ich überrascht wurde da ich davon nichts ahnte. Ich bekam von der Mutter einen'' [XX ein Wort gestrichen] ''wunderschönen Muff sehr groß von geht und XX Fuhs mit hochrothen Futter wie Deines. Von meinen Man bekam ich ein sehr schönes weißes tamburirtes Ballkleid wie beiliegendes Musterl. und die Mutter bekam von mir einen Uhrbehälter wie der von Richard, und ist er mit Perlen Arasbesken [!] gestickt. Vor einigen Wochen waren wir immer so lustig! zur Neuigkeit fährt mein Mann jetzt sogar nach Hellbrunn daß auch er sich anderswo nicht unterhält.<ref>Es ist ohne entspr. Orts- und Lokalgeschichtskenntnis mehr als gewagt, Vermutungen anzustellen, aber mich [ | ''Salzburg, am 23. Jänner 1847. Meine theuere innig geliebte Betti! Für Deinen lieben Brief vom 21. Dez 1846 danke ich Dir herzlich, so wie für Dein Kletzenbrod [!] Dir und Deiner Mutter wir vielmals danken. Ich war so froh daß Du mir noch geschrieben hast, und ich wollte Dir gleich antworten aber leider konnte ich nicht. Wie es mich drängt an Dich zu schreiben ist nicht zu sagen. Aber da wollte ich immer den Ball den die Beamten beim S. H. Carl<ref>offenbar das Hotel Erzherzog Karl, [[Waagplatz 1]]; vgl. mehrfach in diesem Brief</ref> geben abwarten, und jetzt ließ es das Schicksal nicht zu, da ich krank wurde und seit 15. Jänner heute das Erstemal länger außer Bett bin und nun aber überfällt mich so die Sehnsucht daß ich alle meine Kraft verwende um mit Dir zu plaudern. Ich hatte einen so heftigen Cathar und Husten daß ich seit 16. ganz der Stimme beraubt war, ich habe bis gestern 22 Abend ganz stille sprechen müssen, und war recht krank dabei. / Ich bekam eine Visikatar [?] über den Hals, da kannst Du Dir den Schmerz denken, besonders wenn ich husten mußte; nun aber über was anderes. ich habe so viel zu schreiben!! Zum Christkind bekam mein Mann von der Mutter'' [ [[Fanny Kobler]], Anm.] ''einen wunderschönen Schreibtisch, womit auch ich überrascht wurde da ich davon nichts ahnte. Ich bekam von der Mutter einen'' [XX ein Wort gestrichen] ''wunderschönen Muff sehr groß von geht und XX Fuhs mit hochrothen Futter wie Deines. Von meinen Man bekam ich ein sehr schönes weißes tamburirtes Ballkleid wie beiliegendes Musterl. und die Mutter bekam von mir einen Uhrbehälter wie der von Richard, und ist er mit Perlen Arasbesken [!] gestickt. Vor einigen Wochen waren wir immer so lustig! zur Neuigkeit fährt mein Mann jetzt sogar nach Hellbrunn daß auch er sich anderswo nicht unterhält.<ref>Es ist ohne entspr. Orts- und Lokalgeschichtskenntnis mehr als gewagt, Vermutungen anzustellen, aber mich, [[Otto Holzapfel]], erinnert diese Stelle, "… sich nicht anderswo unterhält" an einen für mich ebenso "dunklen" Hinweis im Brief vom 27. August 1846, in dem es u. a. heißt: "… wenn ich Dir sage, daß ich mich jetzt sehr glücklich und zufrieden fühle! und immer mehr lustig bin! Stelle Dir nur vor schon mit 9. August wo ich auf der Primiz war, war mein geliebtes Männchen nicht auf dem [[Kapuzinerberg]]!!! Wenn er auch jetzt wieder einmal hingeht so macht es mir keinen Schmerz." Die Gegenbriefe der Betti, die hier vielleicht hilfreich wären, sind noch nicht übertragen worden. Ist es die Jagd, die Richard liebt? Vgl. weiter in diesem Brief.</ref> Die Gesellschaft hat sich so zusammengefunden die Lanser, Bauernfeind'' [ [[Paurnfeind]], Anm.] '', [[Triendl]], Schaffner, dann einige Herrn vom Kreisamt, und wir, daß was dem Andern abgeht. Da wird dann Schlitten gefahren / auf Bockschlitten, sogar ich bin einmal allein [unterstrichen] gefahren und Alle unterhalten sich köstlich. Wir waren am hl. drei Königs Tage 30 Personen Wir fahren immer dort herab, wo man auf die Halleiner Straße hinaus fahrt von Hellbrun weg. Den andern Tag als den 7 Jänner machten wir eine Partie nach [[Glanegg]]; da fuhren aber der Lanser Carl, und Kreiscomissär Sonnleithner so froh herab daß sie fast nicht mehr sXX Richard fährt sehr gut, wie auch die Bauernfeind Julie. Ich bin mit meinem Mann so hoch heraus gefahren, eigentlich mehr steil, daß mir der Athem ausging. Auch vom [[Plain]] Berg bin ich herabgefahren, da habe ich mich aber dem Hausknecht anvertraut der mich zur Schlußscene in den Graben hineinlegte, es zuz [?] aber fürchterlich. Denke Dir Ich!! | ||
''Nun aber ist meine Lust gebüßt und auch der Carneval bis vielleicht Weniges eingebracht. Beim Erz. Herz. Carl hatte ich ein rosa Mousslin Kleid an, ein Spitzenberth mit rosa Band und meine rosa Coiffure u den Brautschmuck. / das Kleid habe ich selbst gemacht es paßt recht gut, hat nur einen glatten Leib. auch das weiße mache ich selbst. das wird gelb gefüttert, wird sehr hübsch; es ist schon zugeschnitten da wurde ich krank. Beim Erz. H Carl war es schrecklich voll von Tänzerinnen und sehr wenig Tänzer; ich habe für mich genug getanzt aber die Unterhaltung war so so. Die Kuedorfer Theres war mit uns, sie war so wie bei meiner Hochzeit blau. Auch die Kussinger Ida war auf dem Ball. Bald nachdem Du mir von ihr geschrieben sah ich sie beim Buchbinder, und schon öfter. Man macht nicht viel aus ihr. Wäre ich doch auf den Ball in Masque gewesen sie wird nicht ahnen daß Jemand hier ihre Herzensgeheimnisse weiß! Auf dem Ball überfiel mich meine unendliche Sehnsucht nach Dir mein Schatz; da hätte ich mich Gewiß gut befunden. Thschan'' [? in deutscher Schrift] ''ist Kreiswundarzt in Trient'' [in deutscher Schrift, aber gestrichen] ''Triendt [!] geworden, er ist hier durchgereist hat uns aber nicht besucht. Die Reschreiter Claire hat mir durch Triendl'' [wie oben deutsch geschrieben] ''einen Ring [!] mit ihren Herman [?] geschickt, es geht ihm recht gut.'' / | ''Nun aber ist meine Lust gebüßt und auch der Carneval bis vielleicht Weniges eingebracht. Beim Erz. Herz. Carl hatte ich ein rosa Mousslin Kleid an, ein Spitzenberth mit rosa Band und meine rosa Coiffure u den Brautschmuck. / das Kleid habe ich selbst gemacht es paßt recht gut, hat nur einen glatten Leib. auch das weiße mache ich selbst. das wird gelb gefüttert, wird sehr hübsch; es ist schon zugeschnitten da wurde ich krank. Beim Erz. H Carl war es schrecklich voll von Tänzerinnen und sehr wenig Tänzer; ich habe für mich genug getanzt aber die Unterhaltung war so so. Die Kuedorfer Theres war mit uns, sie war so wie bei meiner Hochzeit blau. Auch die Kussinger Ida war auf dem Ball. Bald nachdem Du mir von ihr geschrieben sah ich sie beim Buchbinder, und schon öfter. Man macht nicht viel aus ihr. Wäre ich doch auf den Ball in Masque gewesen sie wird nicht ahnen daß Jemand hier ihre Herzensgeheimnisse weiß! Auf dem Ball überfiel mich meine unendliche Sehnsucht nach Dir mein Schatz; da hätte ich mich Gewiß gut befunden. Thschan'' [? in deutscher Schrift] ''ist Kreiswundarzt in Trient'' [in deutscher Schrift, aber gestrichen] ''Triendt [!] geworden, er ist hier durchgereist hat uns aber nicht besucht. Die Reschreiter Claire hat mir durch Triendl'' [wie oben deutsch geschrieben] ''einen Ring [!] mit ihren Herman [?] geschickt, es geht ihm recht gut.'' / | ||