Kobler-Spängler-Briefe von 1850 bis 1859: Unterschied zwischen den Versionen

 
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Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  
Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  


Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref>
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wurde [[1821]] geboren und heiratete [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], starb aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratete [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, [[Otto Holzapfel]], zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref>


== 1850/1851 ==
== 1850 ==
1850/1851 Briefe [grün verschnürt, doch nicht alles übertragen] von Nr. 38 [[Richard Franz Schlegel]] (* 1811; † 1881), verheiratet seit 1846 mit [Nr. 39]] Amalia Kobler-Castelli ([[Zäzilia Amalia Kobler]], * 1821; † 1848 gestorben kurz nach der Geburt der Tochter [Nr. 19] Fanni Schlegel, [[Franziska Schlegel]]), an [Nr. 79] Fanny Kobler ([[Franziska Kobler]], * 1796; † 1886).
1850/1851 Briefe [nicht alles übertragen] von Nr. 38 [[Richard Franz Schlegel]] (* 1811; † 1881), verheiratet seit 1846 mit [Nr. 39]] Amalia Kobler-Castelli ([[Zäzilia Amalia Kobler]], * 1821; † 1848 gestorben kurz nach der Geburt der Tochter [Nr. 19] Fanni Schlegel, [[Franziska Schlegel]]), an [Nr. 79] Fanny Kobler ([[Franziska Kobler]], * 1796; † 1886).
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==== Brief vom 19. März 1850 von Richard Schlegel an Fanny Kobler: ====
==== Brief vom 19. März 1850 von Richard Schlegel an Fanny Kobler: ====
Brief von [[Richard Franz Schlegel]] aus Wien an [[Franziska Kobler]]:<br />
Brief von [[Richard Franz Schlegel]] aus Wien an [[Franziska Kobler]]:<br />
''Wien am 19t März [1]850. Liebe theure Schwiegermutter! Nicht nur um meinem Anspruch nachzukommen, sondern weil es mir wirklich wohl thut, mich wenigstens im Geiste zu Dir<ref>Die Groß- oder Kleinschreibung von "d" ist nicht immer klar erkennbar.</ref> und zu meinem Kinde zu versetzen<ref>Von diesem "Kind" ist praktisch in jedem Brief die Rede. Es ist die 1848 geborene Fanni, [[Franziska Schlegel]], die bei der Großmutter aufwächst, weil ihre Mutter Amalia ([[Zäzilia Amalia Kobler]]; ihrer Herkunft nach auch "Amalia Kobler-Castelli" genannt) kurz nach der Geburt des Kindes stirbt. Ein hübsches Portrait zeigt die 1850 zweijährige Fanni; vgl. Foto oben</ref>, schreibe ich Dir heute schon, wo ich gleichzeitig Dir wenigstens Einiges schreiben kann, was Dich interessieren wird. Ich denke mir, daß Du und unser liebes einziges Kleinod vollkommen gesund seyd, sonst würde ich gradezu davon laufen. Ich bin seit Montag hier, und schon hätte ich das liebe Wien mit allen seinen Schönheiten und Zuständen bis zum Uiberdruß<ref>In diesen Briefen wird durchgehend "Ui" für "Ü" geschrieben.</ref> satt. So sehr mich das Spital [Krankenhaus der Universität Wien] freut, so viel Gelegenheiten es darbiethet an meiner weiteren Ausbildung arbeiten zu können, so viele interessante Fälle ich in den wenigen Tagen Gelegenheit hatte zu sehen, und so sehr ich endlich die Nothwendigkeit meines Unternehmens wünsche; grade so sehr habe ich schon gewünscht, wenn ich die ganze Geschichte hätte stehen lassen, freilich bloß aus dem Grunde, weil ich nicht bey Euch seyn kann […]'' (die Reise ist gut verlaufen, jetzt schlechtes Wetter, er hat eine Menge Salzburger getroffen; beim Erzherzog Karl [Hotel] im 3. Stock ein Zimmer für täglich "1 f 20 Kr Cor. Mz" [f/fl/fr = Florin = [[Gulden]], Kr = Kreuzer "Kurantgeld", gängige Münze]; er findet am zweiten Tag "ein nettes Zimmer, rein und bequem im 2. Stock" mit Aussicht auf das Spital [Krankenhaus] für monatlich "10 fl CMz" [Kurantgeld, gängige Münze] … "besuchte ich meinen Freund Lorinser, er hat eine recht liebe Frau, 20 Jahre alt, und recht hübsch, sie haben ein Mädchen, das jetzt 9 Monate alt ist" [Minna Lorinser, Tochter von Dr. Friedrich Lorinser, ist später eine Freundin aus der Schulzeit in Salzburg von Nr. 19 Fanni Schlegel] … Gruß von Dr. Zillners Schwiegermutter [in den Briefen oft genannt: Dr. Zillner, Eduard Zillner und Anna] … "Ich küsse Dir die Hand und bleibe Dein aufrichtiger und dankbarer Sohn Richard". Adresse: "Hr. Richard Schlegel, k.k. Kreiswundarzt in Wien, Alservorstadt, Bethhofengasse [!] No 330 im 2t Stock, Thür No 20."<ref>Die Beethovengasse liegt zwischen der Votivkirche und der heutigen Medizinischen Universität Wien.</ref> (Brief auf 3 Seiten beschrieben, der halbe Brief ist mit dem dünnen Federstrich schwer lesbar; Foto oben der ersten Seite, obere Hälfte).
''Wien am 19t März [1]850. Liebe theure Schwiegermutter! Nicht nur um meinem Anspruch nachzukommen, sondern weil es mir wirklich wohl thut, mich wenigstens im Geiste zu Dir<ref>Die Groß- oder Kleinschreibung von "d" ist nicht immer klar erkennbar.</ref> und zu meinem Kinde zu versetzen<ref>Von diesem "Kind" ist praktisch in jedem Brief die Rede. Es ist die 1848 geborene Fanni, [[Franziska Schlegel]], die bei der Großmutter aufwächst, weil ihre Mutter Amalia ([[Zäzilia Amalia Kobler]]; ihrer Herkunft nach auch "Amalia Kobler-Castelli" genannt) kurz nach der Geburt des Kindes stirbt. Ein hübsches Portrait zeigt die 1850 zweijährige Fanni; vgl. Foto oben</ref>, schreibe ich Dir heute schon, wo ich gleichzeitig Dir wenigstens Einiges schreiben kann, was Dich interessieren wird. Ich denke mir, daß Du und unser liebes einziges Kleinod vollkommen gesund seyd, sonst würde ich gradezu davon laufen. Ich bin seit Montag hier, und schon hätte ich das liebe Wien mit allen seinen Schönheiten und Zuständen bis zum Uiberdruß<ref>In diesen Briefen wird durchgehend "Ui" für "Ü" geschrieben.</ref> satt. So sehr mich das Spital [Krankenhaus der Universität Wien] freut, so viel Gelegenheiten es darbiethet an meiner weiteren Ausbildung arbeiten zu können, so viele interessante Fälle ich in den wenigen Tagen Gelegenheit hatte zu sehen, und so sehr ich endlich die Nothwendigkeit meines Unternehmens wünsche; grade so sehr habe ich schon gewünscht, wenn ich die ganze Geschichte hätte stehen lassen, freilich bloß aus dem Grunde, weil ich nicht bey Euch seyn kann'' […] (Die Reise ist gut verlaufen, jetzt schlechtes Wetter, er hat eine Menge Salzburger getroffen; beim Hotel Erzherzog Karl in Wien im 3. Stock kostet ein Zimmer für täglich "1 f 20 Kr Cor. Mz" [f/fl/fr = Florin = [[Gulden]], Kr = Kreuzer "Kurantgeld", gängige Münze]; er findet am zweiten Tag "ein nettes Zimmer, rein und bequem im 2. Stock" mit Aussicht auf das Spital [Krankenhaus] für monatlich "10 fl CMz" [Kurantgeld, gängige Münze] … "besuchte ich meinen Freund Lorinser, er hat eine recht liebe Frau, 20 Jahre alt, und recht hübsch, sie haben ein Mädchen, das jetzt 9 Monate alt ist" [Minna Lorinser, Tochter von Dr. Friedrich Lorinser, ist später eine Freundin aus der Schulzeit in Salzburg von Nr. 19 Fanni Schlegel] … Gruß von Dr. Zillners Schwiegermutter [in den Briefen oft genannt: Dr. Zillner, Eduard Zillner und Anna] … "Ich küsse Dir die Hand und bleibe Dein aufrichtiger und dankbarer Sohn Richard". Adresse: "Hr. Richard Schlegel, k.k. Kreiswundarzt in Wien, Alservorstadt, Bethhofengasse [!] No 330 im 2t Stock, Thür No 20."<ref>Die Beethovengasse liegt zwischen der Votivkirche und der heutigen Medizinischen Universität Wien.</ref> (Brief auf 3 Seiten beschrieben, der halbe Brief ist mit dem dünnen Federstrich schwer lesbar; Foto oben der ersten Seite, obere Hälfte).
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==== Brief ohne Datum von Richard Schlegel an Fanny Kobler ====
== 1851 ==
==== Brief ohne Datum [1851] von Richard Schlegel an Fanny Kobler ====
Brief von [[Richard Franz Schlegel]] aus Wien an [[Franziska Kobler]]; Brief "Sonntag" [ohne Datum, "weil ich keinen Kalender habe"; im Frühjahr 1851 wieder in Wien]:<br />
Brief von [[Richard Franz Schlegel]] aus Wien an [[Franziska Kobler]]; Brief "Sonntag" [ohne Datum, "weil ich keinen Kalender habe"; im Frühjahr 1851 wieder in Wien]:<br />
''Liebe theuere Schwiegermutter! So lange ich nicht wieder bei Dir und meinem lieben Engel bin, so lange heißt mein Leben kein Leben […] Es ist Sonntag, der zweyte schöne Tag, so lange ich hier bin […] Um meine Angelegenheiten hier ganz in Ordnung zu bringen und ohne Sorgen nach einigen Wochen zu Euch zurückkehren zu können, muß ich Dich nochmals plagen. Ich brauche nehmlich ein [unterstrichen:] Mittellosigkeitszeugniß, worin mit wenigen Worten vom'' [unterstrichen:] ''Domherr Wolf bestätigt wird, daß ich kein Vermögen besitze, und nur von meinem […] kleinen Gehalt [als Arzt] lebe. […] Ich erspare mir darauf 30 fr CMz, die ich als Schulgeld zahlen müßte." … Er läuft mit einem alten Hut herum, "es gibt keinen einzigen solchen Hut mehr in Wien, aber ich denke mir, daß mich hier Niemand kennt, und so geht es an." … Außer für ein Paar Stiefel hat er kein Geld für neue Kleider; das Doktorat kostet ihm so viel, dass vom Ersparten nichts übrig bleibt. … "In 4 Wochen hoffe ich doch bey Euch zu seyn. […] Die Theres u alle Bekannte grüße ich herzlich. Lebe wohl […] ich küsse Dir die Hand und bleibe Dein dankbarer Sohn Richard''  
''Liebe theuere Schwiegermutter! So lange ich nicht wieder bei Dir und meinem lieben Engel bin, so lange heißt mein Leben kein Leben'' […] ''Es ist Sonntag, der zweyte schöne Tag, so lange ich hier bin'' […] ''Um meine Angelegenheiten hier ganz in Ordnung zu bringen und ohne Sorgen nach einigen Wochen zu Euch zurückkehren zu können, muß ich Dich nochmals plagen. Ich brauche nehmlich ein'' [unterstrichen:] ''Mittellosigkeitszeugniß, worin mit wenigen Worten vom'' [unterstrichen:] ''Domherr Wolf bestätigt wird, daß ich kein Vermögen besitze, und nur von meinem'' […] ''kleinen Gehalt'' [als Arzt; Anm.] ''lebe.'' […] ''Ich erspare mir darauf 30 fr CMz, die ich als Schulgeld zahlen müßte.'' […] Er läuft mit einem alten Hut herum, ''es gibt keinen einzigen solchen Hut mehr in Wien, aber ich denke mir, daß mich hier Niemand kennt, und so geht es an.'' […] Außer für ein Paar Stiefel hat er kein Geld für neue Kleider; das Doktorat kostet ihm so viel, dass vom Ersparten nichts übrigbleibt. […] ''In 4 Wochen hoffe ich doch bey Euch zu seyn.'' […] ''Die Theres u alle Bekannte grüße ich herzlich. Lebe wohl'' […] ''ich küsse Dir die Hand und bleibe Dein dankbarer Sohn Richard''  


Einem NB nach wohnt er wieder in der Beethovengasse Nr. 330; siehe oben.  
Einem NB nach wohnt er wieder in der Beethovengasse Nr. 330; siehe oben.  
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<br />''Der junge Dr Spengler [!] kommt nach Salzburg zu Besuch, und wird Dir die Sache erzählen können. […] Was meine Geschwister anbelangt, so ist die Arfi noch als Gouvernante auf ihrem alten Platz, die Klara aber wieder beim Vinzenz [Vinzenz Schlegel, * 1807], der froh ist, daß er sie wieder hat. Gott befohlen, geht mich nichts an. - . […] Gott erhalte Euch nun gesund, küsse meine kleine Maus für mich, und nimm meinen herzlichen Dank für alle Deine Güte. Vielleicht klärt sich mein Himmel früher auf, als ich glaubte. Lebe wohl, grüsse die Theres und alle Bekannten Dein aufrichtiger Sohn Richard''
<br />''Der junge Dr Spengler [!] kommt nach Salzburg zu Besuch, und wird Dir die Sache erzählen können. […] Was meine Geschwister anbelangt, so ist die Arfi noch als Gouvernante auf ihrem alten Platz, die Klara aber wieder beim Vinzenz [Vinzenz Schlegel, * 1807], der froh ist, daß er sie wieder hat. Gott befohlen, geht mich nichts an. - . […] Gott erhalte Euch nun gesund, küsse meine kleine Maus für mich, und nimm meinen herzlichen Dank für alle Deine Güte. Vielleicht klärt sich mein Himmel früher auf, als ich glaubte. Lebe wohl, grüsse die Theres und alle Bekannten Dein aufrichtiger Sohn Richard''
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Alle folgenden Briefe von 1851 sind auf kleineren Briefbögen mit "englischem" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn" [siehe Foto von einem Brief bei [[Richard Franz Schlegel]].
Alle folgenden Briefe von 1851 sind auf kleineren Briefbögen mit "englischem" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; siehe Foto von einem Brief bei [[Richard Franz Schlegel]].
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==== Brief vom 20. Juli 1851 aus Wien: ====
==== Brief vom 20. Juli 1851 von Richard Schlegel an Fanny Kobler ====
''Liebe Schwiegermutter! Mit Dank bestätige ich Dir den Empfang von 200 fr C[M]z. Unsere Briefe laufen jetzt langsamer, denn ich erhielt erst gestern Abends Deinen Brief, obschon derselbe am 14 ten von Salzburg abging […]'' … er macht sich Sorgen um das Gehör von Betty; er würde sie gerne untersuchen … nach dem 2. Rigorosum Ende des Monats kommt die "Promotion [unterstrichen], die wird nur an Samstägen abgehalten [siehe jedoch folgende Briefe], weil immer Mehrere zugleich promoviert werden" … Lorinser und er sind und bleiben in Kalksburg, gehen dann nach Wien für die nötigen Vorbereitungen zum Rigorosum … er will Stoff für ein Kleidchen für das Kind mitbringen, ''wenn ich auch jetzt ein ganz armer Teufel geworden bin. Ich werde sparen und thätig seyn, und Alles wieder einbringen'' … Familie Lorinser lässt grüßen … ''Lebe wohl und bleibt gesund, meine kleine Maus küsse herzlich […] Einen Gruß an die Theres u. die Bekannten. Euer aufrichtiger Richard''
Brief von [[Richard Franz Schlegel]] aus Wien an [[Franziska Kobler]]:<br />
''Liebe Schwiegermutter! Mit Dank bestätige ich Dir den Empfang von 200 fr C[M]z. Unsere Briefe laufen jetzt langsamer, denn ich erhielt erst gestern Abends Deinen Brief, obschon derselbe am 14 ten von Salzburg abging […]'' … er macht sich Sorgen um das Gehör von Betty; er würde sie gerne untersuchen … nach dem 2. Rigorosum Ende des Monats kommt die Promotion [unterstrichen], ''die wird nur an Samstägen abgehalten'' [siehe jedoch folgende Briefe, Anm.] '', weil immer Mehrere zugleich promoviert werden'' … Lorinser und er sind und bleiben in Kalksburg, gehen dann nach Wien für die nötigen Vorbereitungen zum Rigorosum … er will Stoff für ein Kleidchen für das Kind mitbringen, ''wenn ich auch jetzt ein ganz armer Teufel geworden bin. Ich werde sparen und thätig seyn, und Alles wieder einbringen'' … Familie Lorinser lässt grüßen … ''Lebe wohl und bleibt gesund, meine kleine Maus küsse herzlich […] Einen Gruß an die Theres u. die Bekannten. Euer aufrichtiger Richard''
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==== Brief vom 23. Juli 1851 aus Wien: ====
==== Brief vom 23. Juli 1851 von Richard Schlegel an Fanny Kobler ====
Brief von [[Richard Franz Schlegel]] aus Wien an [[Franziska Kobler]]:<br />
''Liebe Schwiegermutter! So eben schlug es 12 Uhr Nachts, ich komme gerade vom Nachtmal [!], (das ist doch ein eigentliches Nachtmal) nachdem ich früher mit Lorinser bis 10 Uhr studiert habe. [...] Ich habe jetzt die ganze Geschichte schon bis über den Kopf satt […] Also Montag Rigorosum […] Donnerstag die Promotion, und, Juchheh!!! am anderen Tag […] schon am Dampfschiff […] und dieser Brief soll auf für alle'' [unterstrichen:] ''Zukunft der letzte seyn. […] Also gute Nacht, meinem Dirndl herzliche Küsse u.s.w. u.s.w. Dein dankschuldiger Richard''
''Liebe Schwiegermutter! So eben schlug es 12 Uhr Nachts, ich komme gerade vom Nachtmal [!], (das ist doch ein eigentliches Nachtmal) nachdem ich früher mit Lorinser bis 10 Uhr studiert habe. [...] Ich habe jetzt die ganze Geschichte schon bis über den Kopf satt […] Also Montag Rigorosum […] Donnerstag die Promotion, und, Juchheh!!! am anderen Tag […] schon am Dampfschiff […] und dieser Brief soll auf für alle'' [unterstrichen:] ''Zukunft der letzte seyn. […] Also gute Nacht, meinem Dirndl herzliche Küsse u.s.w. u.s.w. Dein dankschuldiger Richard''
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==== Brief vom 28. Juli 1851 aus Wien: ====
==== Brief vom 28. Juli 1851 von Richard Schlegel an Fanny Kobler ====
Brief von [[Richard Franz Schlegel]] aus Wien an [[Franziska Kobler]]:<br />
''den 28 t[en] Juli [1851]. 3/4 10 Uhr früh. Liebe Schwiegermutter! Vivat, der letzte Brief!!! Mit meinem 2t[en] Rigorosum grade fertig, was sehr gut'' [doppelt unterstrichen] ''ausgefallen ist, eile ich zu Hause, um in aller Eile Dir zu schreiben, und find als den schönsten Lohn aller meiner Mühe Deinen Herzlichen Brief auf meinen Schreibtisch. Ich danke Dir für Deine Anerkennung. Du hast die Stunden schon berechnet, bis wann ich in Salzburg seyn kann, ich nur die Tage. Also Donnerstag'' [unterstrichen] ''früh hab ich die Promotion, und Freytag'' [dreifach unterstrichen] ''hoffe ich schon am Dampfschiff zu seyn. Ich habe noch sehr viel Besorg[ung]en. Lebe wohl küsse mein Kind, u. grüsse die Betti, Theres, etc. etc. Ich habe keine Zeit mehr Richard'' (Foto dieses Briefes bei [[Richard Franz Schlegel]])
''den 28 t[en] Juli [1851]. 3/4 10 Uhr früh. Liebe Schwiegermutter! Vivat, der letzte Brief!!! Mit meinem 2t[en] Rigorosum grade fertig, was sehr gut'' [doppelt unterstrichen] ''ausgefallen ist, eile ich zu Hause, um in aller Eile Dir zu schreiben, und find als den schönsten Lohn aller meiner Mühe Deinen Herzlichen Brief auf meinen Schreibtisch. Ich danke Dir für Deine Anerkennung. Du hast die Stunden schon berechnet, bis wann ich in Salzburg seyn kann, ich nur die Tage. Also Donnerstag'' [unterstrichen] ''früh hab ich die Promotion, und Freytag'' [dreifach unterstrichen] ''hoffe ich schon am Dampfschiff zu seyn. Ich habe noch sehr viel Besorg[ung]en. Lebe wohl küsse mein Kind, u. grüsse die Betti, Theres, etc. etc. Ich habe keine Zeit mehr Richard'' (Foto dieses Briefes bei [[Richard Franz Schlegel]])


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==== Entwurf [?] ohne Datum: ====
==== Entwurf [?] ohne Datum: ====
Blatt zerschnitten, von einem Gesuch von Fanni Kobler ([[Franziska Kobler]]) an "Euer Gnaden" um Unterstützung für den "Bruder vom Schlegel"<ref>Vgl. oben Brief vom Sonntag ohne Datum wegen eines Mittellosigkeitszeugnisses, aber offenbar bzw. vielleicht handelt es sich um ein anderes Gesuch. Vom welchem Bruder die Rede ist, geht aus dem Schreiben nicht hervor. [[Richard Franz Schlegel]] hat zwar einen älteren Bruder Vincenz Schlegel, * 1807, von dem wir aber nur wissen, dass er 1846 "Feldwebel im löbl. kk Mineur Corps, Wien, Haupt Genie Amt" ist, also wahrscheinlich 1850 nicht in Salzburg lebt und kaum gemeint sein kann (?). Vincenz Schlegel ist 1872 kathol. Pfarrer in Leipzig; vgl. Brief ohne Datum 1872. Es gibt noch einen älteren Bruder Fritz / Friedrich (oder Josef), von dem ich [O. H.] aber keine Daten habe.</ref>:<br /> ''Hochverehrter Herr! Im Vertrauen auf Ihre Güte, die Euer Gnaden'' ["Wohlgeboren" gestrichen] ''stets gegen mich bewahrten wage ich es, Sie mit einer Bitte zu belästigen. Es betrifft nehmlich die Unterstützung eines Gesuches vom Schlegel seinem Bruder. Ich kenne ihn persönlich, und wenn ich nicht die vollste Uiberzeugung hätte, daß derselbe sowohl hinsichtlich seiner Kenntnisse als auch seines gediegenen Charakters jeder Empfehlung'' [XX ein Wort gestrichen] ''würdig ist, so würde ich es nicht wagen, Euer Gnaden mit dieser Bitte zu belästigen, wo ich nun noch die Bemerkung beyfüge, daß Herr Präsident wirklich ein gutes Werk thun wenn Sie sich diesen verdienstvollen aber armen Menschen annehmen. Wie schmerzlich mich die Nachricht berührte, daß die gnädige Frau bedenklich krank sey, glaube ich nicht erst vorführen zu müssen, da es Euer Gnaden sicher [?] bekannt ist, mit welcher aufrichtigen Hochachtung ich die gnädige Frau verehre, und'' [XX ein Wort gestrichen] ''ich bitte recht sehr, einen Handkuß von mir'' ["aus" gestrichen] ''gütigst auszurichten. Da ich weiß, daß vielleicht ein Wort von Euer Gnaden hinreichend ist, für den armen Schlegel eine bessere Zukunft zu gründen, so wage ich es, meine Bitte um Ihre gütige Verwendung zu wiederhohlen [!], und indem ich mich bestens empfehle zeichne ich mich mit vieler [?] Hochachtung. Eurer Gnaden ergebenste Dienerin Fanni Kobler''
Blatt zerschnitten, von einem Gesuch von Fanni Kobler ([[Franziska Kobler]]) an "Euer Gnaden" um Unterstützung für den "Bruder vom Schlegel"<ref>Vgl. oben Brief vom Sonntag ohne Datum wegen eines Mittellosigkeitszeugnisses, aber offenbar bzw. vielleicht handelt es sich um ein anderes Gesuch. Von welchem Bruder die Rede ist, geht aus dem Schreiben nicht hervor. [[Richard Franz Schlegel]] hat zwar einen älteren Bruder Vincenz Schlegel, * 1807, von dem wir aber nur wissen, dass er 1846 "Feldwebel im löbl. kk Mineur Corps, Wien, Haupt Genie Amt" ist, also wahrscheinlich 1850 nicht in Salzburg lebt und kaum gemeint sein kann (?). Vincenz Schlegel ist 1872 kathol. Pfarrer in Leipzig; vgl. Brief ohne Datum 1872. Es gibt noch zwei Brüder Friedrich (Fritz) Schlegel (* nach 1811; † 22. August 1850 in Olmütz) und Josef († nach 1851), deren Daten [November 2025] unzureichend sind.</ref>:<br /> ''Hochverehrter Herr! Im Vertrauen auf Ihre Güte, die Euer Gnaden'' ["Wohlgeboren" gestrichen] ''stets gegen mich bewahrten wage ich es, Sie mit einer Bitte zu belästigen. Es betrifft nehmlich die Unterstützung eines Gesuches vom Schlegel seinem Bruder. Ich kenne ihn persönlich, und wenn ich nicht die vollste Uiberzeugung hätte, daß derselbe sowohl hinsichtlich seiner Kenntnisse als auch seines gediegenen Charakters jeder Empfehlung'' [XX ein Wort gestrichen] ''würdig ist, so würde ich es nicht wagen, Euer Gnaden mit dieser Bitte zu belästigen, wo ich nun noch die Bemerkung beyfüge, daß Herr Präsident wirklich ein gutes Werk thun wenn Sie sich diesen verdienstvollen aber armen Menschen annehmen. Wie schmerzlich mich die Nachricht berührte, daß die gnädige Frau bedenklich krank sey, glaube ich nicht erst vorführen zu müssen, da es Euer Gnaden sicher [?] bekannt ist, mit welcher aufrichtigen Hochachtung ich die gnädige Frau verehre, und'' [XX ein Wort gestrichen] ''ich bitte recht sehr, einen Handkuß von mir'' ["aus" gestrichen] ''gütigst auszurichten. Da ich weiß, daß vielleicht ein Wort von Euer Gnaden hinreichend ist, für den armen Schlegel eine bessere Zukunft zu gründen, so wage ich es, meine Bitte um Ihre gütige Verwendung zu wiederhohlen [!], und indem ich mich bestens empfehle zeichne ich mich mit vieler [?] Hochachtung. Eurer Gnaden ergebenste Dienerin Fanni Kobler''


== 1853 ==
== 1853 ==
==== Brief vom 7., 8. und 10. August 1853 von Franz Spängler an die Mutter in Salzburg ====
==== Brief vom 7., 8. und 10. August 1853 von Franz Spängler an die Mutter in Salzburg ====
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| [[Datei:Brief vom 7. bis 10. August 1853, Umschlag-Rückseite.JPG|thumb|Briefumschlag 10. August 1853, Rückseite mit Siegel.]]|| [[Datei:Brief vom 7. bis 10. August 1853, Umschlag.JPG|thumb|Briefumschlag 10. August 1853.]]
| [[Datei:Brief vom 7. bis 10. August 1853, Umschlag-Rückseite.JPG|thumb|Briefumschlag 10. August 1853, Rückseite mit Siegel.]]|| [[Datei:Brief vom 7. bis 10. August 1853, Umschlag.JPG|thumb|Briefumschlag 10. August 1853.]]
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Brief vom vierzehnjährigen [!] [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] aus Münsing (bei Wolfratshausen, Nähe Starnberger See), auf einer Reise zusammen mit dem fünfunddreißigjährigen Pater Albert Eder, [[Franz de Paula Albert Eder]], dem späteren Salzburger Erzbischof, an seine Mutter [[Antonia Spängler]] in Salzburg; Brief mit Umschlag und gebrochenem roten Siegel<ref>Es ist vielleicht das Siegel von P. [Paul?] Eder, dem Bruder, der als Geistlicher in Münsing lebt (vgl. den Brief vom 8. Jänner 1854). Erkennbar sind unter einem Schildhalter ein Anker und im Wappen die verschlungenen "P P E"; siehe auch Abbildung.</ref>. Die Adresse in Salzburg lautet u.a. an "Antonia Spängler, geb. v. Lürzer, Spediteurs Wittwe… Abgabe: Collegienplatz Haus No 228. IV. Stock".<ref>Diese Adresse in Salzburg konnte zuerst nicht verifiziert werden. Die Nr. 228 stammt offenbar aus der Zeit der Durchnummerierung der Häuser in Salzburg (durchlaufende Conscriptions-Nummer) und bezieht sich auf das Rückgebäude zur Getreidegasse Nr. 15, dem Azwangerhaus [auch: Atzwanger-]. Die Häuser dort gehen auf den Universitätsplatz, der auch nach 1810 gelegentlich Kollegienplatz genannt wird, entsprechend der [[Kollegienkirche]], z. B. 1857 bei der Verlegung des Wochenmarkts, [[Salzburger Märkte]], und 1873, vgl. Hinweis bei [[Ludwig Doppler (Alpinist)]]. Die Adresse wird bestätigt durch ein Aktenstück für Franz Spängler, [[Kobler-Spängler-Briefe]], vom 31. Juli 1862 (siehe dort), das folgende Adresse trägt: "zu Händen seiner Mutter, der Frau Antonia Spängler in Salzburg Getreidegasse, Atzwangerhaus No 244, 4. Stock." Vgl. Foto in SALZBURGWIKI: "Durchhaus Azwanger-Passage" von der Getreidegasse 15 zum Universitätsplatz 11. Auch ein Aktenstück vom 8. Oktober 1858 (siehe dort) hat den Hinweis "Haus No 244".</ref> Gestempelt ist am 10. August in Wolfratshausen und links oben "XX94" (hier ist eine Klebemarke / Briefmarke [?] abgerissen<ref>Unter den Kobler-Spängler-Briefen ist der Brief vom 13. April 1859 der erste, der eine Briefmarke trug.</ref>) und handschriftlich ergänzt ist "frei". Rückseitig ist ein schwacher Stempel "Salzburg 12. Aug." erkennbar. - Ein Bogen im größeren Format (Seite: 28 x 24 cm), dünnes durchscheinendes Papier (daher Schrift stellenweise schwer lesbar); beigelegt ein kleineres Blatt an den Bruder Otto; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [?] = unsichere Lesung; XX = unlesbar<ref>An einigen Stellen sind Wörter durchgestrichen und andere darübergeschrieben; das ist hier nicht markiert.</ref>:<br />
Brief vom vierzehnjährigen [!] [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] aus Münsing (bei Wolfratshausen, Nähe Starnberger See), auf einer Reise zusammen mit dem fünfunddreißigjährigen Pater Albert Eder, [[Franz de Paula Albert Eder]], dem späteren Salzburger Erzbischof, an seine Mutter [[Antonia Spängler]] in Salzburg; Brief mit Umschlag und gebrochenem roten Siegel<ref>Es ist vielleicht das Siegel von P. [Paul?] Eder, dem Bruder, der als Geistlicher in Münsing lebt (vgl. den Brief vom 8. Jänner 1854). Erkennbar sind unter einem Schildhalter ein Anker und im Wappen die verschlungenen "P P E"; siehe auch Abbildung.</ref>. Die Adresse in Salzburg lautet u.a. an "Antonia Spängler, geb. v. Lürzer, Spediteurs Wittwe… Abgabe: Collegienplatz Haus No 228. IV. Stock".<ref>Diese Adresse in Salzburg konnte zuerst nicht verifiziert werden. Die Nr. 228 stammt offenbar aus der Zeit der Durchnummerierung der Häuser in Salzburg (durchlaufende Conscriptions-Nummer) und bezieht sich auf das Rückgebäude zur Getreidegasse Nr. 15, dem Azwangerhaus [auch: Atzwanger-]. Die Häuser dort gehen auf den [[Universitätsplatz]], der auch nach 1810 gelegentlich Kollegienplatz genannt wird, entsprechend der [[Kollegienkirche]], z. B. 1857 bei der Verlegung des Wochenmarkts, [[Salzburger Märkte]], und 1873, vgl. Hinweis bei [[Ludwig Doppler (Alpinist)]]. Die Adresse wird bestätigt durch ein Aktenstück für Franz Spängler, [[Kobler-Spängler-Briefe]], vom 31. Juli 1862 (siehe dort), das folgende Adresse trägt: "zu Händen seiner Mutter, der Frau Antonia Spängler in Salzburg Getreidegasse, Atzwangerhaus No 244, 4. Stock." Vgl. Foto in SALZBURGWIKI: "Durchhaus Azwanger-Passage" von der Getreidegasse 15 zum Universitätsplatz 11. Auch ein Aktenstück vom 8. Oktober 1858 (siehe dort) hat den Hinweis "Haus No 244".</ref> Gestempelt ist am 10. August in Wolfratshausen und links oben "XX94" (hier ist eine Klebemarke / Briefmarke [?] abgerissen<ref>Unter den Kobler-Spängler-Briefen ist der Brief vom 13. April 1859 der erste, der eine Briefmarke trug.</ref>) und handschriftlich ergänzt ist "frei". Rückseitig ist ein schwacher Stempel "Salzburg 12. Aug." erkennbar. - Ein Bogen im größeren Format (Seite: 28 x 24 cm), dünnes durchscheinendes Papier (daher Schrift stellenweise schwer lesbar); beigelegt ein kleineres Blatt an den Bruder Otto; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [?] = unsichere Lesung; XX = unlesbar<ref>An einigen Stellen sind Wörter durchgestrichen und andere darübergeschrieben; das ist hier nicht markiert.</ref>:<br />
''Münsing, den 7., 8. u 10 t[en] August 1853 // Theuerste Mutter!<ref>Der Vater ist 1852 gestorben.</ref> // Gesund u. munter erwachten wir heute in Münsing nach kurzem Schlaf etwas nach 4 Uhr. Wir kamen gestern um 1/2 12 Uhr an, und wurden sehr freundlich aufgenommen. Zuerst unser Erlebnis in München! Um 6 Uhr Abends stiegen wie beim "Nregl [?] im Thal"<ref>Tal, Straße in der Münchner Altstadt</ref> ab, nachdem wir den ganzen Tag tüchtig geschüttelt worden waren u. trotz des Regens auch Stellen weise hatten gehen müßen. Nachdem wir etwas geruht hatten, besahen wir die Frauenkirche, die Residenz, das Theater, den Odeonsplatz u. den Bazar (Allerdings nur von Außen) u. auch die herrliche Ludwigsstraße hätten wir angesehen, wenn nicht H. Prof. Albert wieder stärkere Zahnschmerzen bekommen hätte, die ihn die ganze Reise her nur zeitweise ganz verließen; jetzt aber haben sie ganz aufgehört. Kaum hatten wir uns zur Abendmahlzeit niedergesetzt, kam der Herr Bruder d. P. Albert herein, der auch im selben Gasthauß übernachtete. Am nächstfolgenden Tage gingen wir Morgens 1/2 6 Uhr fort, u kamen erst nach 10 Uhr wieder nach Hause ohne etwas Warmes außer Morgens Kaffee bei den Franziskanern, genoßen zu haben. Der Herr Professor u. sein Bruder lasen Messe in der St. Anna Kirche (bei den Franziskanern). Von da gingen wir zur Residenz, welche, da sie einfach gebaut ist, Ottos Erwartungen nicht ganz befriedigen würden. Die prachtvollen neuen Theile werden wir das 2tmal besuchen. /
''Münsing, den 7., 8. u 10 t[en] August 1853 // Theuerste Mutter!<ref>Der Vater ist 1852 gestorben.</ref> // Gesund u. munter erwachten wir heute in Münsing nach kurzem Schlaf etwas nach 4 Uhr. Wir kamen gestern um 1/2 12 Uhr an, und wurden sehr freundlich aufgenommen. Zuerst unser Erlebnis in München! Um 6 Uhr Abends stiegen wie beim "Nregl [?] im Thal"<ref>Tal, Straße in der Münchner Altstadt</ref> ab, nachdem wir den ganzen Tag tüchtig geschüttelt worden waren u. trotz des Regens auch Stellen weise hatten gehen müßen. Nachdem wir etwas geruht hatten, besahen wir die Frauenkirche, die Residenz, das Theater, den Odeonsplatz u. den Bazar (Allerdings nur von Außen) u. auch die herrliche Ludwigsstraße hätten wir angesehen, wenn nicht H. Prof. Albert wieder stärkere Zahnschmerzen bekommen hätte, die ihn die ganze Reise her nur zeitweise ganz verließen; jetzt aber haben sie ganz aufgehört. Kaum hatten wir uns zur Abendmahlzeit niedergesetzt, kam der Herr Bruder d. P. Albert herein, der auch im selben Gasthauß übernachtete. Am nächstfolgenden Tage gingen wir Morgens 1/2 6 Uhr fort, u kamen erst nach 10 Uhr wieder nach Hause ohne etwas Warmes außer Morgens Kaffee bei den Franziskanern, genoßen zu haben. Der Herr Professor u. sein Bruder lasen Messe in der St. Anna Kirche (bei den Franziskanern). Von da gingen wir zur Residenz, welche, da sie einfach gebaut ist, Ottos Erwartungen nicht ganz befriedigen würden. Die prachtvollen neuen Theile werden wir das 2tmal besuchen. /


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''Mittwoch Vormittags Am Montag u Dienstag machten wir trotz des ziemlich schlechten Wetters eine Parthie nach dem Walfahrtsorte'' [unterstrichen:] ''Andechs. Die stärksten Regengüße warteten wir unter dichten Bäumen ab, wobei unsere kalte Küche, welche in2gebratenen / Kalbsbraten u Schinken bestand tüchtig in Anspruch nahmen. In einem Dorfe machte der Herr Bruder d. H. P Albert aus den Ueberbleibseln der Hühner eine Suppe, welche, obwohl nicht gar kräftig uns sehr gut schmeckte. Erst Abends kamen wir nach Andechs, wo wir die hübsche Kirche u. die kostbaren Reliquien besahen; es sind dort 3 von H. Päbsten konsekrierte H. Hostien, in denen einer der Namen Jesu, in der 2ten ein Kreuz, in der 3ten eine Figur erschien, dann 2 Stücke von der Dornenkrone, u. verschiedene andere Gegenstände von Christus, der H. Maria u. anderen Hl. aufbewahrt, welche mehr als 100 Jahre dort vergraben waren, u. nur mit Mühe der Plünderung bei der Aufhebung des Klosters entgingen.'' [darüber:] ''Außerdem sind mehr als 100 Zt. Wachskerzen (mehr als 2. Faust dicke) als Opfer aufbewahrt. Im Klosterbräuhause fanden wir sehr gutes Bier, u. in einem anderen Wirthhause gute Bedienung. Am Dienstag fuhren wir bei furchtbaren Regen nach Starnberg, u. von da mit dem Dampfschiffe nach Hause. Heute od. morgen Nachmittags werden wir nach München gehen, wo ich den Brief dann aufgeben werde. Seien Sie daher ohne Sorgen wenn Sie auch den Brief erst Samstags erhalten. //
''Mittwoch Vormittags Am Montag u Dienstag machten wir trotz des ziemlich schlechten Wetters eine Parthie nach dem Walfahrtsorte'' [unterstrichen:] ''Andechs. Die stärksten Regengüße warteten wir unter dichten Bäumen ab, wobei unsere kalte Küche, welche in2gebratenen / Kalbsbraten u Schinken bestand tüchtig in Anspruch nahmen. In einem Dorfe machte der Herr Bruder d. H. P Albert aus den Ueberbleibseln der Hühner eine Suppe, welche, obwohl nicht gar kräftig uns sehr gut schmeckte. Erst Abends kamen wir nach Andechs, wo wir die hübsche Kirche u. die kostbaren Reliquien besahen; es sind dort 3 von H. Päbsten konsekrierte H. Hostien, in denen einer der Namen Jesu, in der 2ten ein Kreuz, in der 3ten eine Figur erschien, dann 2 Stücke von der Dornenkrone, u. verschiedene andere Gegenstände von Christus, der H. Maria u. anderen Hl. aufbewahrt, welche mehr als 100 Jahre dort vergraben waren, u. nur mit Mühe der Plünderung bei der Aufhebung des Klosters entgingen.'' [darüber:] ''Außerdem sind mehr als 100 Zt. Wachskerzen (mehr als 2. Faust dicke) als Opfer aufbewahrt. Im Klosterbräuhause fanden wir sehr gutes Bier, u. in einem anderen Wirthhause gute Bedienung. Am Dienstag fuhren wir bei furchtbaren Regen nach Starnberg, u. von da mit dem Dampfschiffe nach Hause. Heute od. morgen Nachmittags werden wir nach München gehen, wo ich den Brief dann aufgeben werde. Seien Sie daher ohne Sorgen wenn Sie auch den Brief erst Samstags erhalten. //


''Wir befinden'' [uns] ''alle ganz wohl, bei sehr guter Kost u. köstlichem Bier, von dem täglich wenigstens 3 od. 4 Halbe Hinunter rinnen.'' [darüber:] ''von 3 XX den Otto ist XX wünsche. Ich hoffe auch Ihnen u dem Otto wird es sehr gut gehen; haben Sie doch nie Langeweile bei dem schlechten Wetter? Haben Sie noch keine Nachrichten von dem Befinden der Großmama? Der Brief von Rosenheim, in dem ich Ihnen schrieb, Sie möchten mir das Zeugniß schicken, werden Sie wohl erhalten haben.<ref>vgl. Brief der Mutter vom 21. August 1853</ref> Haben Sie ihn nicht bekommen od. das Zeugniß noch nicht abgeschickt, so bitte ich, es zu laßen, indem wir von Sonntag dem 14te. an eilends vorwärts gehen. - Wir denken täglich im Gebete u. oft im Gespräche an Sie, mit der Bitte, auch in der Feier [?] unser mit Liebe zu gedenken. u. dem herzlichen Wunsche, daß Sie gesund u fröhlich seien verbleibe ich in Hochachtung // Ihr // dankbarster Sohn // FXSpaengler. // An alle Bekannten u Verwandten, namentlich an Therese, Wörnhart<ref>vielleicht [[Josef Wörnhart]]</ref>, Sauter Ludwig Eduard ect. herzlichen Gruß u. Handküße an die Onkels u Tanten Domherr Harl [?] Frau v. Shaupp. [quer dazu:] Eine Empfehlung an Sie von H. Bruder des H. Professors u. einen Gruß von ihm an H. Wörnhart u Heherwarter [?] // Wie steht es mit dem Loose? Ist schon Alles in Richtigkeit?''
''Wir befinden'' [uns] ''alle ganz wohl, bei sehr guter Kost u. köstlichem Bier, von dem täglich wenigstens 3 od. 4 Halbe Hinunter rinnen.'' [darüber:] ''von 3 XX den Otto ist XX wünsche. Ich hoffe auch Ihnen u dem Otto wird es sehr gut gehen; haben Sie doch nie Langeweile bei dem schlechten Wetter? Haben Sie noch keine Nachrichten von dem Befinden der Großmama? Der Brief von Rosenheim, in dem ich Ihnen schrieb, Sie möchten mir das Zeugniß schicken, werden Sie wohl erhalten haben.<ref>vgl. Brief der Mutter vom 21. August 1853</ref> Haben Sie ihn nicht bekommen od. das Zeugniß noch nicht abgeschickt, so bitte ich, es zu laßen, indem wir von Sonntag dem 14te. an eilends vorwärts gehen. - Wir denken täglich im Gebete u. oft im Gespräche an Sie, mit der Bitte, auch in der Feier [?] unser mit Liebe zu gedenken. u. dem herzlichen Wunsche, daß Sie gesund u fröhlich seien verbleibe ich in Hochachtung // Ihr // dankbarster Sohn // FXSpaengler. // An alle Bekannten u Verwandten, namentlich an Therese, [[Josef Wörnhart|Wörnhart]]<ref>erschließbar: Therese geb. Rußegger und deren Ehemann [[Josef Wörnhart]]</ref>, [[Ludwig Sauter (Jurist)|Sauter]] Ludwig Eduard ect. herzlichen Gruß u. Handküße an die Onkels u Tanten [[Domherr]] [[Karl Harl|Harl]] [?] Frau v. Shaupp. [quer dazu:] Eine Empfehlung an Sie von H. Bruder des H. Professors u. einen Gruß von ihm an H. Wörnhart u [[Joseph Hehenwarter|Heherwarter]][?] // Wie steht es mit dem Loose? Ist schon Alles in Richtigkeit?''


[[Datei:Brief vom 7. bis 10. August 1853, Beilage an Otto, Rückseite.JPG|thumb|Brief vom 7. August 1853, Beilage an Otto, Rückseite.]]
[[Datei:Brief vom 7. bis 10. August 1853, Beilage an Otto, Rückseite.JPG|thumb|Brief vom 7. August 1853, Beilage an Otto, Rückseite.]]
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[blasse Schrift:] ''Einsiedeln am 20. August 1853. Um 10 Uhr Vormittags fuhren wir dann auf dem'' [unterstrichen:] ''Rhein den Fluß Rhein hinunter nach Schaffhausen, wo wir Mittag machten. Um 4 Uhr gingen wir zum Rhei[n]fall. Unterwegs sahen wir auch Joh. Müllers<ref>Johannes von Müller, * 1752 in Schaffhausen; † 1809; Grabmal, 1852 gestiftet vom bayerischen König</ref> Denkmal an. Der Rheinfall ist beiweitem nicht so hübsch, als er beschrieben wird. Er ist zwar sehr breit, u. hat viel Wasser, aber seine Höhe ist gar nicht bedeutend. Kurz mir gefällt der Gollinger Wasserfall im Ganzen viel besser. / Wir wollten den selben Tag noch über Rheinau nach Eglisau gehen. Aber schon ziemlich ermattet wegen der großen Hitze kam uns die Einladung eines dortigen Benediktiners, der uns begegnete, bei ihnen zu übernachten, sehr gelegen. Wir blieben auch den folgenden Tag dort u gingen erst den nächsten Morgen fort, nicht nach Eglisau sondern nach Winterthur. Wir unterhielten uns dort sehr gut, sahen die ziemlich reiche Schatzkammer, die Wappen u. Gemäldesammlung, das Naturalienkabinet u. die Bibliothek an, in welcher viele wertvolle Handschriften dasind. Auch ist in Rheinau eine hübsche Kapelle, in der die 3 Altäre ganz aus wertvollen Steinen (Smaragd u Chrystallen) u. Muscheln zusammengesetzt sind. Nur schade daß alles dieses wahrscheinlich den Protestanten in die Hände fallen wird, indem die Aufnahme neuer Geistlicher schon seit 20 Jahren von der Cantons-Regierung verboten ist; die Anzahl der Geistlichen ist jetzt schon auf 14 herabgeschmolzen, welche alle schon über 40 Jahre, ja die Hälfte schon über 60 Jahre sind.''
[blasse Schrift:] ''Einsiedeln am 20. August 1853. Um 10 Uhr Vormittags fuhren wir dann auf dem'' [unterstrichen:] ''Rhein den Fluß Rhein hinunter nach Schaffhausen, wo wir Mittag machten. Um 4 Uhr gingen wir zum Rhei[n]fall. Unterwegs sahen wir auch Joh. Müllers<ref>Johannes von Müller, * 1752 in Schaffhausen; † 1809; Grabmal, 1852 gestiftet vom bayerischen König</ref> Denkmal an. Der Rheinfall ist beiweitem nicht so hübsch, als er beschrieben wird. Er ist zwar sehr breit, u. hat viel Wasser, aber seine Höhe ist gar nicht bedeutend. Kurz mir gefällt der Gollinger Wasserfall im Ganzen viel besser. / Wir wollten den selben Tag noch über Rheinau nach Eglisau gehen. Aber schon ziemlich ermattet wegen der großen Hitze kam uns die Einladung eines dortigen Benediktiners, der uns begegnete, bei ihnen zu übernachten, sehr gelegen. Wir blieben auch den folgenden Tag dort u gingen erst den nächsten Morgen fort, nicht nach Eglisau sondern nach Winterthur. Wir unterhielten uns dort sehr gut, sahen die ziemlich reiche Schatzkammer, die Wappen u. Gemäldesammlung, das Naturalienkabinet u. die Bibliothek an, in welcher viele wertvolle Handschriften dasind. Auch ist in Rheinau eine hübsche Kapelle, in der die 3 Altäre ganz aus wertvollen Steinen (Smaragd u Chrystallen) u. Muscheln zusammengesetzt sind. Nur schade daß alles dieses wahrscheinlich den Protestanten in die Hände fallen wird, indem die Aufnahme neuer Geistlicher schon seit 20 Jahren von der Cantons-Regierung verboten ist; die Anzahl der Geistlichen ist jetzt schon auf 14 herabgeschmolzen, welche alle schon über 40 Jahre, ja die Hälfte schon über 60 Jahre sind.''


''Am 18 te[n] Morgens brachen wir dann auf nach Winterthur. Der [die] Gegend ist wirklich sehr hübsch, bald Wald, bald Feld, dann im Hintergrund sind alle Hügel mit Weinstöcken besetzt u mitten drinnen stehen dann nette Landhäuser von Winterthur, welches ziemlich klein aber sehr freundlich ist, fuhren wir nach Zürich mit dem Stellwagen, aber nicht in sondern'' [unterstrichen:] ''auf demselben. Diese vierspännigen Wägen haben nämlich oben auf dem Dache Sitze für 6 Personen; auf diese Weise transportirt ein solcher Wagen 21 Personen.<ref>Vgl. [[Stellwagen]]. Unter den vielen Abbildungen zum Thema "Postkutsche" scheint mir [O. H.] jene passend, die der dänische Maler J. Th. Lundbye (aus meiner Familie mütterlicherseits) skizzierte, als er 1845 bei Lausanne auf den Weg nach Italien war. Vgl. Abbildung. Dank an "Den Hirschsprungske Samling" in Kopenhagen für die Abdruckerlaubnis.</ref>  
''Am 18 te[n] Morgens brachen wir dann auf nach Winterthur. Der [die] Gegend ist wirklich sehr hübsch, bald Wald, bald Feld, dann im Hintergrund sind alle Hügel mit Weinstöcken besetzt u mitten drinnen stehen dann nette Landhäuser von Winterthur, welches ziemlich klein aber sehr freundlich ist, fuhren wir nach Zürich mit dem Stellwagen, aber nicht in sondern'' [unterstrichen:] ''auf demselben. Diese vierspännigen Wägen haben nämlich oben auf dem Dache Sitze für 6 Personen; auf diese Weise transportirt ein solcher Wagen 21 Personen.<ref>Vgl. [[Stellwagen]]. Unter den vielen Abbildungen zum Thema "Postkutsche" scheint mir, [[Otto Holzapfel]], jene passend, die der dänische Maler J. Th. Lundbye (aus meiner Familie mütterlicherseits) skizzierte, als er 1845 bei Lausanne auf den Weg nach Italien war. Vgl. Abbildung. Dank an "Den Hirschsprungske Samling" in Kopenhagen für die Abdruckerlaubnis.</ref>  


[[Datei:J. Th. Lundbye, 1845.jpg|thumb|J. Th. Lundbye, 1845; für Kobler-Spängler-Brief vom 17. bis 21. August 1845.]]
[[Datei:J. Th. Lundbye, 1845.jpg|thumb|J. Th. Lundbye, 1845; für Kobler-Spängler-Brief vom 17. bis 21. August 1845.]]
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Dem Brief liegt eine Skizze bei auf einem Blatt, 14 x 15 cm, das (wohl aus Versehen) zertrennt wurde. Mit Tinte ist ein Oval mit den Himmelsrichtungen gezeichnet und in dem Oval, das von "Bergen" umgeben ist, steht: ''Rundschau der Hauptgebirge, die den 1933 P.T.''<ref>Pegel Triest, [heute:] "Meter über Adria"</ref> ''über das Meer erhobene venez. Marktflecken Agordo, mit seinem Kupfer, Vitriol- u. Schwefelwerk im Imperinathale umgeben.'' Mit Bleistift ist rundherum notiert, oben beginnend nach rechts [Ortsangaben mit Richtungspfeilen]: ''Allghe // M. Pelsa 7378 P.T. '' [Monte Alto di Pelsa, 2.417 m] '' // Zoldo'' [Forno di Zoldo, Val di Zoldo] '' // M. Framont'' [Mont Alt di Framont, Monte Framont, 2.294 m] '' // Zoldo // M. Duran 4800 P.T.'' [vgl. Passo Duran] '' // M. Celo 6386 P.T. // Belluno // M. Pegolezza // Pegdera //'' [unter "Süd" auf dem Kopf] ''Kupf Schw u. Vitr. Werk. Imperina // Canal del Mis. // M. Poi // Premiero // M. Agner 8800 P.T. '' [Monte Agnèr, 2.872 m] '' // S. Lugano // M. Ambrosogn // Cencenighe'' [Cencenighe Agordino] Vgl. Abbildung; Angaben in eckigen Klammern, soweit ich [O. H.] Ortsangaben genauer identifizieren kann. Auf der Rückseite sind Notizen mit Bleistift, die auch im Kontrastmodus für mich [O. H.] nicht zu entziffern sind.
Dem Brief liegt eine Skizze bei auf einem Blatt, 14 x 15 cm, das (wohl aus Versehen) zertrennt wurde. Mit Tinte ist ein Oval mit den Himmelsrichtungen gezeichnet und in dem Oval, das von "Bergen" umgeben ist, steht: ''Rundschau der Hauptgebirge, die den 1933 P.T.''<ref>Pegel Triest, [heute:] "Meter über Adria"</ref> ''über das Meer erhobene venez. Marktflecken Agordo, mit seinem Kupfer, Vitriol- u. Schwefelwerk im Imperinathale umgeben.'' Mit Bleistift ist rundherum notiert, oben beginnend nach rechts [Ortsangaben mit Richtungspfeilen]: ''Allghe // M. Pelsa 7378 P.T. '' [Monte Alto di Pelsa, 2.417 m] '' // Zoldo'' [Forno di Zoldo, Val di Zoldo] '' // M. Framont'' [Mont Alt di Framont, Monte Framont, 2.294 m] '' // Zoldo // M. Duran 4800 P.T.'' [vgl. Passo Duran] '' // M. Celo 6386 P.T. // Belluno // M. Pegolezza // Pegdera //'' [unter "Süd" auf dem Kopf] ''Kupf Schw u. Vitr. Werk. Imperina // Canal del Mis. // M. Poi // Premiero // M. Agner 8800 P.T. '' [Monte Agnèr, 2.872 m] '' // S. Lugano // M. Ambrosogn // Cencenighe'' [Cencenighe Agordino] Vgl. Abbildung; Angaben in eckigen Klammern, soweit ich, [[Otto Holzapfel]], Ortsangaben genauer identifizieren kann. Auf der Rückseite sind Notizen mit Bleistift, die auch im Kontrastmodus für mich, [[Otto Holzapfel]], nicht zu entziffern sind.
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== 1858 ==
== 1858 ==
Briefe "1858 bis 1862 und 1870"<ref>Wie auch an anderen Stellen sind die einzelnen Sammlungen der Briefe nicht streng chronologisch geordnet. Sie wurden generell in der Reihenfolge belassen, wie sie bereits vorher gebündelt vorlagen. Das gilt besonders für undatierte Briefe; der undatierte Brief nach dem 8. Mai 1858 wurde allerdings hier neu zugeordnet. Auch der Brief von 1858, der dieser Teilsammlung die Bezeichnung gegeben hat, wurde an die erste Stelle gerückt (ebenso andere, die ihm folgen). Manche Briefe konnten jetzt nur flüchtig durchgesehen werden; hoffentlich ist nichts Wesentliches für "Salzburg" übersehen worden.</ref> (grün verschnürt, doch nicht alles übertragen; die wichtigsten Inhalte werden referiert; Papierbogen mehrfach mit Prägedruck "superfin papier Bath" mit Krone) von Nr. 18 [[Franz Xaver Gregor Spängler]] (* 1839 in Salzburg; † 1912 in Krems an der Donau) an die Mutter und an den Bruder [[Otto Spängler]] (* 1841 in Salzburg; † 1919 in Salzburg) aus Graz (wo er Jura studiert) nach Salzburg<ref>Aus den folgenden Briefen geht u. a. hervor, wie sich "Franz", der 1858 die Schule in Salzburg mit der Matura abschließt, sich um seinen etwas über zwei Jahre jüngeren Bruder "Otto" (so schreiben sie sich selbst) kümmert (der Vater ist 1852 gestorben).  
Briefe "1858 bis 1862 und 1870"<ref>Wie auch an anderen Stellen sind die einzelnen Sammlungen der Briefe nicht streng chronologisch geordnet. Sie wurden generell in der Reihenfolge belassen, wie sie bereits vorher gebündelt vorlagen. Das gilt besonders für undatierte Briefe; der undatierte Brief nach dem 8. Mai 1858 wurde allerdings hier neu zugeordnet. Auch der Brief von 1858, der dieser Teilsammlung die Bezeichnung gegeben hat, wurde an die erste Stelle gerückt (ebenso andere, die ihm folgen). Manche Briefe konnten jetzt nur flüchtig durchgesehen werden; hoffentlich ist nichts Wesentliches für "Salzburg" übersehen worden.</ref> (nicht alles übertragen; die wichtigsten Inhalte werden referiert; Papierbogen mehrfach mit Prägedruck "superfin papier Bath" mit Krone) von Nr. 18 [[Franz Xaver Gregor Spängler]] (* 1839 in Salzburg; † 1912 in Krems an der Donau) an die Mutter und an den Bruder [[Otto Spängler]] (* 1841 in Salzburg; † 1919 in Salzburg) aus Graz (wo er Jura studiert) nach Salzburg.<ref>Aus den folgenden Briefen geht u. a. hervor, wie sich "Franz", der 1858 die Schule in Salzburg mit der Matura abschließt, sich um seinen etwas über zwei Jahre jüngeren Bruder "Otto" (so schreiben sie sich selbst) kümmert (der Vater ist 1852 gestorben).  


Otto steht in den ersten Briefen noch vor der Matura; Gegenbriefe von ihm aus diesen Jahren sind leider nicht erhalten. Bemerkenswert ist m. E. das breite, allgemeine Bildungsinteresse, das den jungen Jura-Studenten Franz auszeichnet. Berührend, aber wohl zeittypisch, sind die Wünsche für Gesundheit, die Zeichen inniger Verbundenheit in Anrede und Grußformeln und die "Flut" der Grußwünsche an Verwandte und Bekannte. Gleiches gilt für die immer wieder auftauchende "Angst", von den Freunden in Salzburg "vergessen" zu werden, und der Wunsch, wenigstens brieflich am gesellschaftlichen Leben in Salzburg Anteil nehmen zu können (Graz scheint da weniger geboten zu haben). Auffallend ist die unterschiedliche Schreibung von "Spängler", "Spaengler", "Spangler" und "Spengler".  
Otto steht in den ersten Briefen noch vor der Matura; Gegenbriefe von ihm aus diesen Jahren sind leider nicht erhalten. Bemerkenswert ist m. E. das breite, allgemeine Bildungsinteresse, das den jungen Jura-Studenten Franz auszeichnet. Berührend, aber wohl zeittypisch, sind die Wünsche für Gesundheit, die Zeichen inniger Verbundenheit in Anrede und Grußformeln und die "Flut" der Grußwünsche an Verwandte und Bekannte. Gleiches gilt für die immer wieder auftauchende "Angst", von den Freunden in Salzburg "vergessen" zu werden, und der Wunsch, wenigstens brieflich am gesellschaftlichen Leben in Salzburg Anteil nehmen zu können (Graz scheint da weniger geboten zu haben). Auffallend ist die unterschiedliche Schreibung von "Spängler", "Spaengler", "Spangler" und "Spengler".  
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Die französischen Texte (an sich schon bemerkenswert) sind in der Schreibung von Franz so belassen worden; an einzelnen Stellen wurde Auffälliges mit [!] markiert, aber durchaus nicht konsequent. Eine Beobachtung betrifft die Sparsamkeit von Franz, obwohl ein Vermögen vorhanden ist (vgl. z. B. Brief vom 5. April 1860); auch spätere Briefe sind voller Abrechnungen mit der Mutter und über Vermögensverhältnisse, die dann schon der Bruder Otto (Direktor der [[Salzburger Sparkasse]]) administriert.</ref>
Die französischen Texte (an sich schon bemerkenswert) sind in der Schreibung von Franz so belassen worden; an einzelnen Stellen wurde Auffälliges mit [!] markiert, aber durchaus nicht konsequent. Eine Beobachtung betrifft die Sparsamkeit von Franz, obwohl ein Vermögen vorhanden ist (vgl. z. B. Brief vom 5. April 1860); auch spätere Briefe sind voller Abrechnungen mit der Mutter und über Vermögensverhältnisse, die dann schon der Bruder Otto (Direktor der [[Salzburger Sparkasse]]) administriert.</ref>
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==== Brief vom August 1858 von Franz II. Xaver Gregor Spängler an Antonia Spängler ====
==== Brief vom August 1858 von Franz Spängler an Antonia Spängler ====
Franz Spängler [Nr. 18<ref>"Nr. 18" bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel'.</ref>] an Antonia Spängler, geb. Lürzer von Zehendthal [Nr. 37]:<br />
Brief vom August 1858 von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Antonia Spängler]]; Franz Spängler [Nr. 18<ref>"Nr. 18" bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel'.</ref>] an Antonia Spängler, geb. Lürzer von Zehendthal [Nr. 37]:<br />
[München, ca. August 1858] ''Liebste Mutter! Sie werden verzeihen, dß [daß] ich kein Briefpapier nehme, um Ihnen zu schreiben, doch jetzt um 1/2 11 Abends, am 15. August, wo wir soeben von Starnberg mit dem letzten Bahnzug heimgekehrt sind, habe ich kein anderes bei der Hand, u. morgen möchte ich am Ende nicht mehr dazukommen / Wir befinden uns sehr wohl, sind fleißig auf den Füßen, sehen aber auch ziemlich viel. - Am Mittwoch, wo wir mit Duscher u. [den] Scheigersten uns herumtrieben, gingen wir in die Glyptothek, die Gewerbeausstellung, die Bavaria u. den Friedhof, am Donnerstag die Burg, u. Nachmittags fuhren wir nach Großhesellohe, u. Abends gingen wir ins Theater. - Am Freitag besuchten wir die Schatzkammer, die alte Pinakothek, die Aukirche, dann badeten wir, und gingen Abends in eine Vorstellung von Akrobaten, am Samstag Vormittags gingen Hubert u. Louis in die neue Pinakothek u. ich in die naturhistorischen Sammlungen/ das Münzkabinet u. die Bibliothek, Nachmittags alle mitsammen in die deutsche Kunst-Ausstellung, heute waren wir noch in mehreren Kirchen, u. Nachmittags am Starnbergersee. Morgen wollen wir noch einiges ansehen, wozu wir jetzt noch nicht gekommen sind; Nachmittags fahren wir nach Augsburg, u. am Dienstag nach Kaufbaiern [!] vielleicht noch bis Füssen. Photographirt sind wir schon, ich glaube dß ich gut getroffen bin, den als ich die Bilder abholte, gab mir die Frau des Photographen, die mich früher noch nicht gesehen hatte, dieselben mit den Worten: "da sind Ihre Portraits; die vom andern Herrn (denn ich war allein) müßen Sie sich selbst suchen." - Tarenczy [?] u. Warnersberger trafen wir ebenfalls hier in München; der leztere wohnt in einem Privathause. Auch die Obermüller Greiz [?] trafen [wir] gleich am ersten Abend beim Stachus, er logierte aber mit seinem Vater im Bamberger Hof, daher sah ich den Landgerichtsrat nicht mehr, weil er schon an anderen Morgen fortging. - Auch die Gschnizer'' [Gschnitzer] ''Marie als Frau von Harrer ist hier samt ihrem Gemal, Louis wollte sie besuchen, traf sie aber nicht. Der Abschied nach der Hochzeit soll besonders den Eltern sehr schwer gefallen sein besonders da die Harrerischen über Achental nach Tyrol, u. von da nach Zell gehen, ohne nach Salzburg zurückzukehren. - Hat man wegen der Entbind[un]g der Kaiserin schon geschloßen [be-?], wir haben noch nichts davon gehört, u. Zeitungen lesen wir weniger. - Wegen der Standeswahl'' [Berufs-] ''bin ich noch nicht im Reinen. Ampfer [?] u. Häferle [?] meinen ich sollte jedenfalls nach Wien gehen, denn Stipendium bekäme ich, wie auch Julius'' [Spängler] ''sagte, im ersten Jahre doch nicht, u. 1 od 2 Jahre Philosophie würden mir auch nicht schaden, wenn ich Geistlicher würde. Es hat das manches für sich, doch richten werde ich mich gerade noch nicht darauf.''
[München, ca. August 1858] ''Liebste Mutter! Sie werden verzeihen, dß [daß] ich kein Briefpapier nehme, um Ihnen zu schreiben, doch jetzt um 1/2 11 Abends, am 15. August, wo wir soeben von Starnberg mit dem letzten Bahnzug heimgekehrt sind, habe ich kein anderes bei der Hand, u. morgen möchte ich am Ende nicht mehr dazukommen / Wir befinden uns sehr wohl, sind fleißig auf den Füßen, sehen aber auch ziemlich viel. - Am Mittwoch, wo wir mit Duscher u. [den] Scheigersten uns herumtrieben, gingen wir in die Glyptothek, die Gewerbeausstellung, die Bavaria u. den Friedhof, am Donnerstag die Burg, u. Nachmittags fuhren wir nach Großhesellohe, u. Abends gingen wir ins Theater. - Am Freitag besuchten wir die Schatzkammer, die alte Pinakothek, die Aukirche, dann badeten wir, und gingen Abends in eine Vorstellung von Akrobaten, am Samstag Vormittags gingen Hubert u. Louis in die neue Pinakothek u. ich in die naturhistorischen Sammlungen/ das Münzkabinet u. die Bibliothek, Nachmittags alle mitsammen in die deutsche Kunst-Ausstellung, heute waren wir noch in mehreren Kirchen, u. Nachmittags am Starnbergersee. Morgen wollen wir noch einiges ansehen, wozu wir jetzt noch nicht gekommen sind; Nachmittags fahren wir nach Augsburg, u. am Dienstag nach Kaufbaiern [!] vielleicht noch bis Füssen. Photographirt sind wir schon, ich glaube dß ich gut getroffen bin, den als ich die Bilder abholte, gab mir die Frau des Photographen, die mich früher noch nicht gesehen hatte, dieselben mit den Worten: "da sind Ihre Portraits; die vom andern Herrn (denn ich war allein) müßen Sie sich selbst suchen." - Tarenczy [?] u. Warnersberger trafen wir ebenfalls hier in München; der leztere wohnt in einem Privathause. Auch die Obermüller Greiz [?] trafen [wir] gleich am ersten Abend beim Stachus, er logierte aber mit seinem Vater im Bamberger Hof, daher sah ich den Landgerichtsrat nicht mehr, weil er schon an anderen Morgen fortging. - Auch die Gschnizer'' [Gschnitzer] ''Marie als Frau von Harrer ist hier samt ihrem Gemal, Louis wollte sie besuchen, traf sie aber nicht. Der Abschied nach der Hochzeit soll besonders den Eltern sehr schwer gefallen sein besonders da die Harrerischen über Achental nach Tyrol, u. von da nach Zell gehen, ohne nach Salzburg zurückzukehren. - Hat man wegen der Entbind[un]g der Kaiserin schon geschloßen [be-?], wir haben noch nichts davon gehört, u. Zeitungen lesen wir weniger. - Wegen der Standeswahl'' [Berufs-] ''bin ich noch nicht im Reinen. Ampfer [?] u. Häferle [?] meinen ich sollte jedenfalls nach Wien gehen, denn Stipendium bekäme ich, wie auch Julius'' [Spängler] ''sagte, im ersten Jahre doch nicht, u. 1 od 2 Jahre Philosophie würden mir auch nicht schaden, wenn ich Geistlicher würde. Es hat das manches für sich, doch richten werde ich mich gerade noch nicht darauf.''
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Zweites Blatt:<br />''Als ich neulich in den naturhistorischen Sammlungen auch die Todtenschädel ansah, und darunter auch einen von einem 19 jährigen Mädchen fand, da dachte mir wohl: "Alles ist eitel u. das Leben ist so schnell vorbei" etc. aber Nachmittags sah ich in der Gemälde-Ausstellung im Bild "Ein Mönch einer Trauung zuschauend", das auch nicht ohne Eindruck auf mich blieb. - So ist denn diese Frage noch nicht erledigt. Beten Sie fleißig für mich, dß es gut ausfallen möge. Wenn Sie Tante Therese sehen/ so grüßen Sie mir selbe schönstens. Vielleicht hält sie sich doch so lange auf, dß ich sie noch sehen kann. Ich denke halt bis Dienstag od. Mittwoch über 8 Tag (24. oder 25.) nach Salzburg zu kommen. - Indem ich Ihnen recht gute Unterhaltung wünsche, u. um Ihre fernere Liebe bitte, verbleibe ich mit Hochachtung Sie gesund u. glüklich wieder zu sehen Ihr dankbarer Sohn F X Spängler - Herzliche Grüße an Otto, Therese u. alle Bekannte, die Sie sehen, od. denen Sie schreiben. Wie steht es mit den Lürzerischen? Kommen sie? od[er] sind sie schon da? Grüßen Sie mir dieselben tausendmal.''
Zweites Blatt:<br />''Als ich neulich in den naturhistorischen Sammlungen auch die Todtenschädel ansah, und darunter auch einen von einem 19 jährigen Mädchen fand, da dachte mir wohl: "Alles ist eitel u. das Leben ist so schnell vorbei" etc. aber Nachmittags sah ich in der Gemälde-Ausstellung im Bild "Ein Mönch einer Trauung zuschauend", das auch nicht ohne Eindruck auf mich blieb. - So ist denn diese Frage noch nicht erledigt. Beten Sie fleißig für mich, dß es gut ausfallen möge. Wenn Sie Tante Therese sehen/ so grüßen Sie mir selbe schönstens. Vielleicht hält sie sich doch so lange auf, dß ich sie noch sehen kann. Ich denke halt bis Dienstag od. Mittwoch über 8 Tag (24. oder 25.) nach Salzburg zu kommen. - Indem ich Ihnen recht gute Unterhaltung wünsche, u. um Ihre fernere Liebe bitte, verbleibe ich mit Hochachtung Sie gesund u. glüklich wieder zu sehen Ihr dankbarer Sohn F X Spängler - Herzliche Grüße an Otto, Therese u. alle Bekannte, die Sie sehen, od. denen Sie schreiben. Wie steht es mit den Lürzerischen? Kommen sie? od[er] sind sie schon da? Grüßen Sie mir dieselben tausendmal.''


"Duscher" siehe folgender Brief (aus Wien); "Großhesellohe": Stadtteil Großhesselohe im Süden von München (Isartal); "Gschnizer Marie"= Gschnitzer [mehrfach in den Briefen]: vgl. der Vater Franz Spängler [Nr. 36], geb. 1793 in Salzburg, gest. dort 1854, fängt als Spediteur in Salzburg bei Matthias Gschnitzer an. - Auch die Familie "Harrer" gehört zu den ‘großen’ Familien in Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 492, 641; [[Ignaz Harrer]] als [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] der Stadt von 1872-1875). Franz Xaver Spängler, Sohn [Nr. 18], geb. 1839, besucht die Schule in Salzburg und studiert dann in Graz (daher die ungefähre Datierung des Briefes etwa mit der Matura 1857/58, aber offenbar noch vor dem Beginn des Jura-Studiums im Oktober 1858). Eine "Gschnizer Clara" taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1861 auf. - "Entbindung der Kaiserin": Erzherzog [[Rudolf von Österreich-Ungarn|Rudolf von Habsburg]] wird am 21. Aug. 1858 geboren; das ist ein weiterer Hinweis auf die Datierung des Briefes von ca. August 1858. - "Julius", ein Cousin. "Otto" Spängler, Bruder, geb. 1841, verh. Duregger (aus der Bank-Linie in Salzburg); die "Lürzerischen": Familie der Mutter Lürzer von Zehendthal (Hall in Tirol). - Aus dem Besitz von Franz II. Xaver Gregor Spängler stammt eine "Vita S. Francisci Xaverii" von 1797, mit einem Prachteinband der Erzabtei St. Peter in Salzburg von 1806, die der Schüler erhielt: "In der I. Vorbereitungsklasse zu St. Peter. Aus der Rechtschreibung. Preis. Nob. Franz Xav. Spangler."  Ein zweibändiges Wörterbuch Griechisch-Deutsch von 1854 (Val. Rost) enthält als Widmung einen Zettel für "Spängler Franc. 1. August 1855. Dr. Kottinger G. Director."
"Duscher" siehe folgender Brief (aus Wien); "Großhesellohe": Stadtteil Großhesselohe im Süden von München (Isartal); "Gschnizer Marie"= Gschnitzer [mehrfach in den Briefen]: vgl. der Vater Franz Spängler [Nr. 36], geb. 1793 in Salzburg, gest. dort 1854, fängt als Spediteur in Salzburg bei Matthias Gschnitzer an. - Auch die Familie "Harrer" gehört zu den ‘großen’ Familien in Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 492, 641; [[Ignaz Harrer]] als [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]] der Stadt von 1872-1875). Franz Xaver Spängler, Sohn [Nr. 18], geb. 1839, besucht die Schule in Salzburg und studiert dann in Graz (daher die ungefähre Datierung des Briefes etwa mit der Matura 1857/58, aber offenbar noch vor dem Beginn des Jura-Studiums im Oktober 1858). Eine "Gschnizer Clara" taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1861 auf. - "Entbindung der Kaiserin": Erzherzog [[Rudolf von Österreich-Ungarn|Rudolf von Habsburg]] wird am 21. Aug. 1858 geboren; das ist ein weiterer Hinweis auf die Datierung des Briefes von ca. August 1858. - "Julius", ein Cousin. "Otto" Spängler, Bruder, geb. 1841, verh. Duregger (aus der Bank-Linie in Salzburg); die "Lürzerischen": Familie der Mutter Lürzer von Zehendthal (Hall in Tirol). - Aus dem Besitz von Franz II. Xaver Gregor Spängler stammt eine "Vita S. Francisci Xaverii" von 1797, mit einem Prachteinband der Erzabtei St. Peter in Salzburg von 1806, die der Schüler erhielt: "In der I. Vorbereitungsklasse zu St. Peter. Aus der Rechtschreibung. Preis. Nob. Franz Xav. Spangler."   
 
[[Datei:Preis der Schule 1855 für Franz Spängler.JPG|thumb|Zweibändiges griech. Lexikon, Preis der Schule 1855 für Franz Spängler.]]
 
Ein zweibändiges Wörterbuch Griechisch-Deutsch von 1854 (Val. Rost) enthält als Widmung einen Zettel für "Spängler Franc. 1. August 1855. Dr. [[Kottinger]] G. Director."
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== 1859 ==
== 1859 ==
==== Brief vom 13. April 1859: ====
==== Brief vom 13. April 1859 von Franz Spängler an die Mutter ====
Ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Antonia Spängler]]; ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />
''Graz 13. April 1859. Theuerste Mutter! Ich habe zwar von Ihnen noch keine Antwort auf mein leztes Schreiben erhalten, aber dennoch kann ich nicht umhin, an Sie wieder einen Brief zu schreiben, es fordert mich hierzu die Kindespflicht auf, denn es gilt ja zu Ihrem Geburtsfeste [16. April 1803] meine herzlichsten Glükwünsche dazubringen. Der liebe Gott möge Ihnen seinen reichsten Segen schenken, Ihnen stete Gesundheit, Glük u. Zufriedenheit verleihen, kurz alle Ihre Wünsche in vollstem Maße erfüllen. Sie d[ur]ch Eifer u. gute Aufführung zu erfreuen, u. so meinen innigsten Dank für alles mir erwiesene Gute werkthätig zu zeigen, soll mein stetes Bemühen sein.'' […] (Gott gebe die Gnade, weiterhin die mütterliche Liebe zu erfahren; er erzählt von einem Theaterstück, das er sich mehrmals ansehen wird; Grüße werden ausgerichtet. Er geht zum Frühstück und erwartet einen Brief.) ''Nachmittags 4 Uhr.'' (Leider kam kein Brief; es ist schönster Frühling. "Was machen alle Bekannten? Ist Alles wohl? Ich bitte meine herzlichsten Grüße allenthalben zu entrichten." Er plant für Ostern und für die "Charwoche", vielleicht in die "Kaiserstadt" [Wien], vielleicht dort bei "Tante Gutenberg", denn Duschers haben kaum Platz. Grüße an verschiedene Personen …) ''Nun leben Sie recht wohl! Ich lasse Otto herzlichst grüßen; ich werde ihm das nächste Mal wieder schreiben. Es küßt Ihnen unter Wiederhohlung der herzlichsten Glükwünsche die Hand Ihr dankbarer Sohn Franz'' / "Dem XXschen lasse ich zum Namenstag gratuliren."
''Graz 13. April 1859. Theuerste Mutter! Ich habe zwar von Ihnen noch keine Antwort auf mein leztes Schreiben erhalten, aber dennoch kann ich nicht umhin, an Sie wieder einen Brief zu schreiben, es fordert mich hierzu die Kindespflicht auf, denn es gilt ja zu Ihrem Geburtsfeste [16. April 1803] meine herzlichsten Glükwünsche dazubringen. Der liebe Gott möge Ihnen seinen reichsten Segen schenken, Ihnen stete Gesundheit, Glük u. Zufriedenheit verleihen, kurz alle Ihre Wünsche in vollstem Maße erfüllen. Sie d[ur]ch Eifer u. gute Aufführung zu erfreuen, u. so meinen innigsten Dank für alles mir erwiesene Gute werkthätig zu zeigen, soll mein stetes Bemühen sein.'' […] (Gott gebe die Gnade, weiterhin die mütterliche Liebe zu erfahren; er erzählt von einem Theaterstück, das er sich mehrmals ansehen wird; Grüße werden ausgerichtet. Er geht zum Frühstück und erwartet einen Brief.) ''Nachmittags 4 Uhr.'' (Leider kam kein Brief; es ist schönster Frühling. "Was machen alle Bekannten? Ist Alles wohl? Ich bitte meine herzlichsten Grüße allenthalben zu entrichten." Er plant für Ostern und für die "Charwoche", vielleicht in die "Kaiserstadt" [Wien], vielleicht dort bei "Tante Gutenberg"<ref>vgl. [[von Guttenberg]]</ref>, denn Duschers haben kaum Platz. Grüße an verschiedene Personen …) ''Nun leben Sie recht wohl! Ich lasse Otto herzlichst grüßen; ich werde ihm das nächste Mal wieder schreiben. Es küßt Ihnen unter Wiederhohlung der herzlichsten Glükwünsche die Hand Ihr dankbarer Sohn Franz'' / "Dem XXschen lasse ich zum Namenstag gratuliren."
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[[Datei:Kobler-Spängler-Briefe von 1845 bis 1859.5.jpg|thumb|Briefumschlag vom 29. April 1859.]]
[[Datei:Kobler-Spängler-Briefe von 1845 bis 1859.5.jpg|thumb|Briefumschlag vom 29. April 1859.]]
Ein Bogen, gefaltet mit gebrochenem Lacksiegel, Siegelbild nicht erkennbar, Adresse, Stempel: "W[ien]" unleserlich und "Salz[burg] 30 / 4", mit kleinem Rest von einer Briefmarke links unten; siehe Foto:
Ein Bogen, gefaltet mit gebrochenem Lacksiegel, Siegelbild nicht erkennbar, Adresse, Stempel: "W[ien]" unleserlich und "Salz[burg] 30 / 4", mit kleinem Rest von einer Briefmarke links unten; siehe Foto:


==== Brief vom 29. April 1859: ====
==== Brief vom 29. April 1859 von Franz Spängler an die Mutter ====
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Antonia Spängler]]:<br />
''An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb v. Lürzer zu Salzburg / Wien am 29. April 1859 / Liebste Mutter! Verzeihen Sie, d[a]ß ich Sie so lange auf einen Brief warten ließ, doch es war mir, ich darf es sagen, unmöglich. Doch werden Sie schon d[ur]ch Duscher Karl erfahren haben, d[a]ß ich mich ganz wohl befinde u. glüklich hier angekommen u. untergebracht bin. Als ich am Dienstag in der Charwoche Ihren Brief erhielt, war ich schon im sechsten Stadium der Langeweile, ich war daher ganz entzükt, als Ihre Erlaubniß darinnen enthalten war, d[a]ß ich nach Wien gehen durfte; 32 Stunden später war ich in Wien. Nebenbei bemerke ich, d[a]ß die Semmering-Bahn [1854 eröffnet] ein wahres Wunder der Baukunst ist, u d[a]ß ich am selben Tage binnen 12 Stunden nicht weniger als 8 Militär-Extra Züge mit Soldaten, Kanonen, Kugeln, Mörsern Gepäks- u Munitions- u. Kranken-Wägen [sah]. Schon längst werden auch die Gepäks-Wägen als Militär-Transportwägen benüzt. Am Südbahnhof erwartete mich schon Leithe Wilhelm; Dr. Fritz Leithe war bis Mittwoch in dieser Woche in Klosterneuburg, bei seinen Eltern. Nun von den Bekannten hier. Bei Duscher war ich sogleich am Gründonnerstag, u. war seitdem bis auf einen Tag täglich dort; sie befinden sich alle wohl bis auf die gnädige Frau, die etwas an Migräne leidet. Ihr Quartier ist sehr beschränkt, doch die Aussicht nicht übel. Friz ist in Geibing bei Passau [Geibing, Münzkirchen?] u. kommt heute Abends zurük.'' […]  
''An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb v. Lürzer zu Salzburg / Wien am 29. April 1859 / Liebste Mutter! Verzeihen Sie, d[a]ß ich Sie so lange auf einen Brief warten ließ, doch es war mir, ich darf es sagen, unmöglich. Doch werden Sie schon d[ur]ch Duscher Karl erfahren haben, d[a]ß ich mich ganz wohl befinde u. glüklich hier angekommen u. untergebracht bin. Als ich am Dienstag in der Charwoche Ihren Brief erhielt, war ich schon im sechsten Stadium der Langeweile, ich war daher ganz entzükt, als Ihre Erlaubniß darinnen enthalten war, d[a]ß ich nach Wien gehen durfte; 32 Stunden später war ich in Wien. Nebenbei bemerke ich, d[a]ß die Semmering-Bahn [1854 eröffnet] ein wahres Wunder der Baukunst ist, u d[a]ß ich am selben Tage binnen 12 Stunden nicht weniger als 8 Militär-Extra Züge mit Soldaten, Kanonen, Kugeln, Mörsern Gepäks- u Munitions- u. Kranken-Wägen [sah]. Schon längst werden auch die Gepäks-Wägen als Militär-Transportwägen benüzt. Am Südbahnhof erwartete mich schon Leithe Wilhelm; Dr. Fritz Leithe war bis Mittwoch in dieser Woche in Klosterneuburg, bei seinen Eltern. Nun von den Bekannten hier. Bei Duscher war ich sogleich am Gründonnerstag, u. war seitdem bis auf einen Tag täglich dort; sie befinden sich alle wohl bis auf die gnädige Frau, die etwas an Migräne leidet. Ihr Quartier ist sehr beschränkt, doch die Aussicht nicht übel. Friz ist in Geibing bei Passau [Geibing, Münzkirchen?] u. kommt heute Abends zurük.'' […]  


Er fühlt sich freundlich aufgenommen und "heimisch", wie "einst in Salzburg"; er hat mehrmals die Familie Gutenberg besucht, von ihren Söhnen sind drei beim Militär: Karl in Mailand, Franz "(od[er]. Anton, wie er eigentl. heißt)" in Brescia, und Ludwig in Ankona. Wiktor, in Salzburg geboren, ist ins Theresianum gekommen. Emil kommt "in wenigen Tagen zum Regimente nach Krakow [!]"; Maria ist "ein sehr sauberes Mädchen geworden." … Er hat Sauter zweimal besucht, war einmal mit ihnen bei Gutenberg zusammen; gleichfalls war er bei Alberti, hat Anton Alberti getroffen; er war bei Prof. Genzl [?] … "die Österreicher sind in Piemont eingerükt.<ref>Vgl. die Vorgeschichte zur Schlacht von Solferino am [[24. Juni]] [[1859]]: Einmarsch der Österreicher am [[29. April]] 1859 in das Piemont gegen die Interessen von Napoleon III. Dadurch kommt es zum Krieg gegen Frankreich.</ref> Aller Orten ist hier ein kaiserl. Plakat angeschlagen, worin dieß bekannt gemacht u. die Völker zur Treue u. Ausdauer aufgefordert werden. Wird in Salzburg auch geschehen. Nun wieder zu meinem Wiener Aufenthalt." … Er war mit "Leithe Friz" in Klosterneuburg, wo sich alle Angehörigen getroffen haben; sie lassen sich "vielmals empfehlen". "Alle Bekannten von A bis Z lassen sich Ihnen empfehlen, Sie grüßen, Ihnen die Hand küssen etc. Salzburger habe ich in Unzahl getroffen: Fr. v [[Schider]] v. Fraing [?], Kaufm[ann]. Gschnizer, [[Steinhauser]], Suppland [?] … ''Ich lasse Otto u. alle Bekannten herzlich grüßen. Um ihm zu schreiben, fehlt mir Zeit Raum u Ruhe. Leben Sie wohl! und vergeßen Sie auch jetzt über dem Waffengeklirr u. Kriegslärm nicht Ihren dankbaren Sohn Franz X. Spaengler / Die Duscherischen lassen sich Ihnen namentl. empfehlen u. Otto grüßen. Hr v Schmelzing v. Linz ist hier mit einer Deputation''
Er fühlt sich freundlich aufgenommen und "heimisch", wie "einst in Salzburg"; er hat mehrmals die Familie Gutenberg besucht, von ihren Söhnen sind drei beim Militär: Karl in Mailand, Franz "(od[er]. Anton, wie er eigentl. heißt)" in Brescia, und Ludwig in Ankona. Wiktor, in Salzburg geboren, ist ins Theresianum gekommen. Emil kommt "in wenigen Tagen zum Regimente nach Krakow [!]"; Maria ist "ein sehr sauberes Mädchen geworden." … Er hat Sauter zweimal besucht, war einmal mit ihnen bei Gutenberg zusammen; gleichfalls war er bei Alberti, hat Anton Alberti getroffen; er war bei Prof. Genzl [?] … "die Österreicher sind in Piemont eingerükt.<ref>Vgl. die Vorgeschichte zur Schlacht von Solferino am [[24. Juni]] [[1859]]: Einmarsch der Österreicher am [[29. April]] 1859 in das Piemont gegen die Interessen von Napoleon III. Dadurch kommt es zum Krieg gegen Frankreich.</ref> Aller Orten ist hier ein kaiserl. Plakat angeschlagen, worin dieß bekannt gemacht u. die Völker zur Treue u. Ausdauer aufgefordert werden. Wird in Salzburg auch geschehen. Nun wieder zu meinem Wiener Aufenthalt." … Er war mit "Leithe Friz" in Klosterneuburg, wo sich alle Angehörigen getroffen haben; sie lassen sich "vielmals empfehlen". "Alle Bekannten von A bis Z lassen sich Ihnen empfehlen, Sie grüßen, Ihnen die Hand küssen etc. Salzburger habe ich in Unzahl getroffen: Fr. v [[Schider]] v. Fraing [?], Kaufm[ann]. Gschnizer, [[Steinhauser]], Suppland [?] … ''Ich lasse Otto u. alle Bekannten herzlich grüßen. Um ihm zu schreiben, fehlt mir Zeit Raum u Ruhe. Leben Sie wohl! und vergeßen Sie auch jetzt über dem Waffengeklirr u. Kriegslärm nicht Ihren dankbaren Sohn Franz X. Spaengler / Die Duscherischen lassen sich Ihnen namentl. empfehlen u. Otto grüßen. Hr v Schmelzing v. Linz ist hier mit einer Deputation''
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==== Brief vom 8. Mai 1859: ====
 
Ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />
==== Brief vom 8. Mai 1859 von Franz Spängler an die Mutter ====
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Antonia Spängler]]; ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />
''Graz 8 Mai 1859. Liebste Mutter! Erst vorgestern [gestrichen] am lezten Donnerstag Abends, am selben Tage, wo ich in der Frühe von Wien angekommen war, erhielt ich Ihren u. die andern Briefe, die daher schon den Stempel des Alters an sich trugen, od[er] mit andern Worten nichts Neues enthielten, und die darin geschriebenen Salzburger Neuigkeiten hatte ich grosentheils schon bei Duscher erfahren; ich freue mich daher, von Ihnen Briefe neuern Datums zu erhalten.''  
''Graz 8 Mai 1859. Liebste Mutter! Erst vorgestern [gestrichen] am lezten Donnerstag Abends, am selben Tage, wo ich in der Frühe von Wien angekommen war, erhielt ich Ihren u. die andern Briefe, die daher schon den Stempel des Alters an sich trugen, od[er] mit andern Worten nichts Neues enthielten, und die darin geschriebenen Salzburger Neuigkeiten hatte ich grosentheils schon bei Duscher erfahren; ich freue mich daher, von Ihnen Briefe neuern Datums zu erhalten.''  


Er schreibt "Nachtragsberichte aus Wien", u. a. von der Familie Duscher, vom Besuch im Prater und in Schönbrunn, eine Einladung zum "Thee"; "nun zu den Gutenbergischen" … bei Prof. Fenzl, bei Alberti, Blachetka [Plachetka] und Leithe, "im Caffehaus" mit Julius, in einer Ausstellung der Akademie der bildenden Künste, im Burgtheater. Schluss fehlt; vielleicht zusammen mit dem folgenden Brief vom gleichen Datum.
Er schreibt "Nachtragsberichte aus Wien", u. a. von der Familie Duscher, vom Besuch im Prater und in Schönbrunn, eine Einladung zum "Thee"; "nun zu den Gutenbergischen" … bei Prof. Fenzl, bei Alberti, Blachetka [Plachetka] und Leithe, "im Caffehaus" mit Julius, in einer Ausstellung der Akademie der bildenden Künste, im Burgtheater. Schluss fehlt; vielleicht zusammen mit dem folgenden Brief vom gleichen Datum.
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Ein Blatt:<br />''Graz 8 Mai 1859. Liebster Otto / Nach Ried dir zu schreiben, war mir nicht möglich, denn ich kam nur mit grader Noth dazu der Mutter zu schreiben, u. auch den Brief an sie habe ich bei Leithe in der Rossau [Wien] angefangen, bei Duscher in der Alservorstadt vollendet u. am Weg ins Belvedere in den Wieden aufgegeben. Wie lustig es in Wien war, wie göttlich ich mich unterhielt […]''  
Beigelegt ein Blatt von Franz Spängler an den Bruder:<br />''Graz 8 Mai 1859. Liebster Otto / Nach Ried dir zu schreiben, war mir nicht möglich, denn ich kam nur mit grader Noth dazu der Mutter zu schreiben, u. auch den Brief an sie habe ich bei Leithe in der Rossau [Wien] angefangen, bei Duscher in der Alservorstadt vollendet u. am Weg ins Belvedere in den Wieden aufgegeben. Wie lustig es in Wien war, wie göttlich ich mich unterhielt […]''  


Er war täglich bei Duscher; "Wir sprechen sehr viel von Salzburg, u. auch von Dir, von ihrem Abschiede von Salzburg etc." Er trifft im Burgtheater in einer Loge "eine Scheigerische [Amélie Scheiger] bei der Erzherzogin Sophia Kammerfräulein" und besucht diese "am Montag nach dem weißen Sonntag (2 Mai)"; er trifft sie wieder in der "Burg" [Theater] und am Abend auf einem Hausball. Wieder in der "Burg" trinkt er bei ihr "Kaffee mit Hofrahm (wie ihn der Kaiser etc hat, köstlich, aber nicht übertrieben di[c]k)" … am letzten Tag ist er noch bei Duscher, und die begleiten ihn zum "Stephansplaz [!], wo ich mit schwerem Herzen in den Omnibus stieg, um 3/4 später von Wien zu scheiden. Und hiermit scheide ich auch von Dir u. bleibe übrigens dein Dich aufrichtig liebender Bruder Franz." [ein Blatt, Vor- und Rückseite; am Rand:] "Was ist es denn mit der stenographischen Zeitung vom Dezember?"
Er war täglich bei Duscher; "Wir sprechen sehr viel von Salzburg, u. auch von Dir, von ihrem Abschiede von Salzburg etc." Er trifft im Burgtheater in einer Loge "eine Scheigerische [Amélie Scheiger] bei der Erzherzogin Sophia Kammerfräulein" und besucht diese "am Montag nach dem weißen Sonntag (2 Mai)"; er trifft sie wieder in der "Burg" [Theater] und am Abend auf einem Hausball. Wieder in der "Burg" trinkt er bei ihr "Kaffee mit Hofrahm (wie ihn der Kaiser etc hat, köstlich, aber nicht übertrieben di[c]k)" … am letzten Tag ist er noch bei Duscher, und die begleiten ihn zum "Stephansplaz [!], wo ich mit schwerem Herzen in den Omnibus stieg, um 3/4 später von Wien zu scheiden. Und hiermit scheide ich auch von Dir u. bleibe übrigens dein Dich aufrichtig liebender Bruder Franz." [ein Blatt, Vor- und Rückseite; am Rand:] "Was ist es denn mit der stenographischen Zeitung vom Dezember?"
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==== Brief vom Mai 1859: ====
==== Brief vom Mai 1859 von Franz Spängler an die Mutter ====
Ein Blatt mit Prägedruck "Bath" und Siegellackrest, ohne Datum<ref>dem Inhalt nach hinter dem Brief vom 8. Mai 1859 eingeordnet</ref>; an die Mutter, ohne Anfang] Franz schreibt von Erlebnissen in Wien. Auf der Rückseite ist eine Abrechnung:<br />
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Antonia Spängler]]; ein Blatt mit Prägedruck "Bath" und Siegellackrest, ohne Datum<ref>dem Inhalt nach hinter dem Brief vom 8. Mai 1859 eingeordnet</ref>; an die Mutter, ohne Anfang] Franz schreibt von Erlebnissen in Wien. Auf der Rückseite ist eine Abrechnung:<br />
''Die Rechnung umfaßt den ganzen April u. die ersten 9 Tage des Mai. Einnahmen: Monatsgeld f. April u Mai: 42 fl [Gulden] – Kr. / Instruktionsgeld f. März'' [Einnahmen aus Unterricht] ''10 [oder 16] [fl] 55 [Kr.] / dito f April 7 [fl] 35 [Kr.] /'' [am Rand:] ''das andere noch nicht erhalten / Von Ihnen extra 6 [fl] 30 [Kr.] / Eine alte Hose u. Gilet verk[au]ft – 95 [Kr.] / Von Herrn Präfekten 2 [fl] 10 [Kr.] / Gewonnen bei Tarok in Wien – 19 [Kr.] / [Summe:] 82 [fl] 94 [Kr.]<ref>Die Rechnung geht m. E. nicht auf; ob oben "10" oder "16" (schwer leserlich) eingesetzt wird, fehlen auf jeden Fall 7 fl. 50 Kr. (?)</ref> / / Ausgaben. Zimmergeld f. April u Mai 6 [fl] 30 / Rahm Kaffe etc – 80 [Kr.] / Schuster u. Schneider 1 [fl] 44 / Porto Stempel Masch [?] 1 [fl] 89 / 2 Paar Handschuhe 1 [fl] 72 / Wiener Reise 21 [fl] 66 / Theater – 96 [Kr.] / Ein Spazierstok 1 [fl] 5 / Einige Reparaturen etc – 82 [Kr.] / Sonstige Verpflegung 8 [fl] 84 [Kr.] / [Summe:] 45 [fl] 48 [Kr.] / Einnahmen 82 [fl] 94 [Kr.] / Ausgaben 45 [fl] 48 [Kr.] / [Summe:] 37 [fl] 46 [Kr.] öht. W. [?] / Noch etwas. Wenn Sie nicht bedeutende Vorräthe an Reis, Kaffe, Zuker etc. haben, so würden Sie gut thun selbst jetzt noch welchen zu kaufen, denn wenn Triest od[er] gar alle österr. Häfen von den Franzosen blokirt werden, dürften alle Colonialwaren sehr theuer werden. Wir kaufen uns übrigens keinen Kaffe vor; denn wenn wir alle 5 Wochen 1 Lb'' [Pfundzeichen] ''brauchen, ist die Sache nicht der Rede werth. Nun aber leben Sie wohl u. vergeßen Sie nicht Ihres Sie herzlichst liebenden Franz''  
''Die Rechnung umfaßt den ganzen April u. die ersten 9 Tage des Mai. Einnahmen: Monatsgeld f. April u Mai: 42 fl [Gulden] – Kr. / Instruktionsgeld f. März'' [Einnahmen aus Unterricht] ''10 [oder 16] [fl] 55 [Kr.] / dito f April 7 [fl] 35 [Kr.] /'' [am Rand:] ''das andere noch nicht erhalten / Von Ihnen extra 6 [fl] 30 [Kr.] / Eine alte Hose u. Gilet verk[au]ft – 95 [Kr.] / Von Herrn Präfekten 2 [fl] 10 [Kr.] / Gewonnen bei Tarok in Wien – 19 [Kr.] / [Summe:] 82 [fl] 94 [Kr.]<ref>Die Rechnung geht m. E. nicht auf; ob oben "10" oder "16" (schwer leserlich) eingesetzt wird, fehlen auf jeden Fall 7 fl. 50 Kr. (?)</ref> / / Ausgaben. Zimmergeld f. April u Mai 6 [fl] 30 / Rahm Kaffe etc – 80 [Kr.] / Schuster u. Schneider 1 [fl] 44 / Porto Stempel Masch [?] 1 [fl] 89 / 2 Paar Handschuhe 1 [fl] 72 / Wiener Reise 21 [fl] 66 / Theater – 96 [Kr.] / Ein Spazierstok 1 [fl] 5 / Einige Reparaturen etc – 82 [Kr.] / Sonstige Verpflegung 8 [fl] 84 [Kr.] / [Summe:] 45 [fl] 48 [Kr.] / Einnahmen 82 [fl] 94 [Kr.] / Ausgaben 45 [fl] 48 [Kr.] / [Summe:] 37 [fl] 46 [Kr.] öht. W. [?] / Noch etwas. Wenn Sie nicht bedeutende Vorräthe an Reis, Kaffe, Zuker etc. haben, so würden Sie gut thun selbst jetzt noch welchen zu kaufen, denn wenn Triest od[er] gar alle österr. Häfen von den Franzosen blokirt werden, dürften alle Colonialwaren sehr theuer werden. Wir kaufen uns übrigens keinen Kaffe vor; denn wenn wir alle 5 Wochen 1 ℔'' [Pfundzeichen] ''brauchen, ist die Sache nicht der Rede werth. Nun aber leben Sie wohl u. vergeßen Sie nicht Ihres Sie herzlichst liebenden Franz''  


Am Rand: ''Von allen Wierner u. Grazer Bekannten Grüße u. Empfehlungen. Ebenso von mir in Salzburg. Auch Herrn von Schmelzing v. Linz läßt sich empfehlen, ich traf ihn gleichfalls in Wien.'' – Abgerissenes Schnipsel beigelegt "Agordo den 2. Februar 1851" mit (leider nur) dem winzigen Rest einer Zeichnung.<ref>Vgl. die Reise nach Venedig mit [[Franz de Paula Albert Eder]] 1853, bei der sie auch in Agordo bei [[Franz Lürzer von Zechenthal]] waren.</ref>
Am Rand: ''Von allen Wierner u. Grazer Bekannten Grüße u. Empfehlungen. Ebenso von mir in Salzburg. Auch Herrn von Schmelzing v. Linz läßt sich empfehlen, ich traf ihn gleichfalls in Wien.'' – Abgerissenes Schnipsel beigelegt "Agordo den 2. Februar 1851" mit (leider nur) dem winzigen Rest einer Zeichnung.<ref>Vgl. die Reise nach Venedig mit [[Franz de Paula Albert Eder]] 1853, bei der sie auch in Agordo bei [[Franz Lürzer von Zechenthal]] waren.</ref>
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==== Brief vom 8. Mai 1859: ====
==== Brief vom 8. Mai 1859 an Antonia Spängler: ====
Unbekannte Schreiberinnen an Antonia Spängler [Nr. 37]:<br />
Nicht näher identifizierte Schreiberinnen an [[Antonia Spängler]] [Nr. 37]:<br />
''Wien den 8ten Mai 1859. Theuerste Freundin! Ungemein freute mich Ihr liebes Schreiben, welches ich gestern den 7ten Mai erhielt, Karl schrieb mir daß der Brief beim Fellerer war, ich kann gar nicht begreifen indem ich noch nie der Fellerer geschrieben habe, wir überhaupt in gar keinen Briefwechsel mit Ihnen stehen, wie sie den Brief nicht dem Karl gleich hinschickte, daß ist schon das zweite Mahl, daß ich wegen ihr einen Brief so lange nicht bekome; bitte also wenn Sie mir wieder die Freude machen zu schreiben ja den Brief gleich dem Karl zu geben, was hätte Franz vor [für] eine Freude gehabt, wenn der Brief während seiner Anwesenheit gekomen wäre. Franz sieht prächtig aus, und es hat ihm Wien so gut gefallen, daß ihm der Abschied, recht schwer angekomen ist [/] wir sind recht viel mitsamen herumgegangen. Auch wir vermissen alle Ihre liebe Gesellschaft, sehr [,] ich kann mich nicht ganz der Hoffnung erwehren, Sie theure Freundin wenn einmahl beide Söhne in Wien sind, vielleicht doch auch herunter zu ziehen, wir fänden auch hier Spaziergänge die wohl mit Salzburg keinen Vergleich aushalten, im ganzen aber auch recht hübsch sind. Vergangenen Sontag waren wir alle mit Franz und meinem Bruder der mit der Deputation der Stände beim Kaiser war in Schönbrunn, und früher einmhl [einmal] im Prater haben uns recht gut unterhalten; Bis dato gefällt es mir ganz gut hier [/] wir haben eine sehr kleine Wohnung aber eine wunderschöne Aussicht, die wir wohl leider wieder verlieren denn wir haben von Micheli'' [Michaeli?: 29.9.] ''an eine Wohnung in der Stadt gemiethtet im 3ten Stok mit der Aussicht in einen Hof, um 600 f [Florin: Gulden] C.M.'' [Kurantgeld, gängige Münze] ''sie ist ganz in der Nähe der Universität sehr licht nd freundlich, und wir können 2 Zimer vermiethen, sie ist im MXXngeti schon Richtungsfeste.
''Wien den 8ten Mai 1859. Theuerste Freundin! Ungemein freute mich Ihr liebes Schreiben, welches ich gestern den 7ten Mai erhielt, Karl schrieb mir daß der Brief beim Fellerer war, ich kann gar nicht begreifen indem ich noch nie der Fellerer geschrieben habe, wir überhaupt in gar keinen Briefwechsel mit Ihnen stehen, wie sie den Brief nicht dem Karl gleich hinschickte, daß ist schon das zweite Mahl, daß ich wegen ihr einen Brief so lange nicht bekome; bitte also wenn Sie mir wieder die Freude machen zu schreiben ja den Brief gleich dem Karl zu geben, was hätte Franz vor [für] eine Freude gehabt, wenn der Brief während seiner Anwesenheit gekomen wäre. Franz sieht prächtig aus, und es hat ihm Wien so gut gefallen, daß ihm der Abschied, recht schwer angekomen ist [/] wir sind recht viel mitsamen herumgegangen. Auch wir vermissen alle Ihre liebe Gesellschaft, sehr [,] ich kann mich nicht ganz der Hoffnung erwehren, Sie theure Freundin wenn einmahl beide Söhne in Wien sind, vielleicht doch auch herunter zu ziehen, wir fänden auch hier Spaziergänge die wohl mit Salzburg keinen Vergleich aushalten, im ganzen aber auch recht hübsch sind. Vergangenen Sontag waren wir alle mit Franz und meinem Bruder der mit der Deputation der Stände beim Kaiser war in Schönbrunn, und früher einmhl [einmal] im Prater haben uns recht gut unterhalten; Bis dato gefällt es mir ganz gut hier [/] wir haben eine sehr kleine Wohnung aber eine wunderschöne Aussicht, die wir wohl leider wieder verlieren denn wir haben von Micheli'' [Michaeli?: 29.9.] ''an eine Wohnung in der Stadt gemiethtet im 3ten Stok mit der Aussicht in einen Hof, um 600 f [Florin: Gulden] C.M.'' [Kurantgeld, gängige Münze] ''sie ist ganz in der Nähe der Universität sehr licht nd freundlich, und wir können 2 Zimer vermiethen, sie ist im MXXngeti schon Richtungsfeste.


''Bei Lubitsch sind alle ganz wohlauf, sind aber seit Georgi'' [23.4.] ''ziemlich weit von uns weg[g]ezogen. Die Lebensmittel sind wohl theurer als in Salzburg aber nicht gar so bedeutend, nur sehr mühsam [/] man muß alles selbst kaufen, den die Leut gäben sich die Mühe nicht, die Toni und ich haben jeder einen braunen Marktkorb, wo wir alles zusamenschlagen. Das Pfund Rindschmalz 60 x [Kreuzer] bis 63 x Neugeld Schweinschmalz von der fast alles kocht auch wir 36 x Butter 60 bis 70 x Eyer 25 um 40 x Neugeld. Grünspeisen billiger als in Salzburg. Semel besser und im Geld gleich [/] Hausbrod theurer und schlechter Fleisch 26 x Neukreutzer nicht gut. Kertzen und Seifen billiger. Schuster billiger. Männer Schneider nicht viel theurer. Milch 1 Seitel 5 Neukreutzer 1 Seitel Obers 10 x sauer Ram 10 x letzterer sehr gut. 1 Klafter Eschenlenner [?] Mischling [?] ei[n]mahl zum Abschneiden 8 f 30 x C.M. und da brennen wir nebst dem Steinkohlen kostet der Centner 1 f 26 x Neugeld. Nun muß ich schließen denn der Raum fehlt. Mein Mann empfielt sich vielmahls und dankt vor [für] den Glükwunsch zu seinem Namenstag,'' [mit kleinerer Schrift und anderer Tinte, doch gleiche Handschrift:] ''er ist derjenige der Salzburg am meisten zu vermissen scheint. An Otto viele Grüsse von allen so wie an die Theres, und alle die sich unser erinnern auch wenn ich bitten darf an die Davidlin [?] sie soll gut auf das Preiserl [?] schauen mir ist noch immer leid um sie. Erfreuen Sie mich wieder mit ein paar Zeilen ich küsse Sie im Geiste und bin Ihre inigliebende Freundin Antonia Duscher'' [?] [sehr klein:] ''An die beiden FXXel'' [Franzel?] ''alles Schöne.''
''Bei Lubitsch sind alle ganz wohlauf, sind aber seit Georgi'' [23.4.] ''ziemlich weit von uns weg[g]ezogen. Die Lebensmittel sind wohl theurer als in Salzburg aber nicht gar so bedeutend, nur sehr mühsam [/] man muß alles selbst kaufen, den die Leut gäben sich die Mühe nicht, die Toni und ich haben jeder einen braunen Marktkorb, wo wir alles zusamenschlagen. Das Pfund Rindschmalz 60 x [Kreuzer] bis 63 x Neugeld Schweinschmalz von der fast alles kocht auch wir 36 x Butter 60 bis 70 x Eyer 25 um 40 x Neugeld. Grünspeisen billiger als in Salzburg. Semel besser und im Geld gleich [/] Hausbrod theurer und schlechter Fleisch 26 x Neukreutzer nicht gut. Kertzen und Seifen billiger. Schuster billiger. Männer Schneider nicht viel theurer. Milch 1 Seitel 5 Neukreutzer 1 Seitel Obers 10 x sauer Ram 10 x letzterer sehr gut. 1 Klafter Eschenlenner [?] Mischling [?] ei[n]mahl zum Abschneiden 8 f 30 x C.M. und da brennen wir nebst dem Steinkohlen kostet der Centner 1 f 26 x Neugeld. Nun muß ich schließen denn der Raum fehlt. Mein Mann empfielt sich vielmahls und dankt vor [für] den Glükwunsch zu seinem Namenstag,'' [mit kleinerer Schrift und anderer Tinte, doch gleiche Handschrift:] ''er ist derjenige der Salzburg am meisten zu vermissen scheint. An Otto viele Grüsse von allen so wie an die Theres, und alle die sich unser erinnern auch wenn ich bitten darf an die Davidlin [?] sie soll gut auf das Preiserl [?] schauen mir ist noch immer leid um sie. Erfreuen Sie mich wieder mit ein paar Zeilen ich küsse Sie im Geiste und bin Ihre inigliebende Freundin Antonia Duscher'' [?] [sehr klein:] ''An die beiden FXXel'' [Franzel?] ''alles Schöne.''
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Andere Schrift?:<br />''Verehrteste, gnädige Frau. Auch ich bin so frei, an Sie gnädige Frau einige Zeilen zu richten. Ich befinde mich hier recht wol und habe mich schon angewöhnt, obwohl ich sehr oft an Salzburg und seine lieben Bewohner denke! - Hr Franz ist auch wieder nach Graz zurück, er hat sich hier, wie es scheint sehr gut unterhalten, wir waren auch einmal zusammen in Schönbrunn. Er sieht sehr gut aus. Heute Sonntag wollten wir eine Parthie nach Don[n]er[s]bach [?] unternehmen, die jedoch des Regens wegen unterbleiben wird müssen. Die Aussicht unserer Zimmer ist herrlich, jedoch die Einsicht ist nicht großartig. Sehr freue ich mich in die Wohnung in die Stadt hinein. Gnädige Frau besuchen gewiß wieder fleißig die Mainandacht, ich bitte, gedenken Sie dabey auch öfters meyner. Hier ist Alles Krieg, Freiwillige sieht man auf allen Strassen sich im Rausche herumtummeln, man darf sich garnicht getrauen solchen in die Nähe zu kommen, denn sie haben sogar vorgestern einigen Frauen die Hüte vom Kopfe gerissen. Es ist gut, dß [daß] sie fortkommen. Im Prater waren wir schon 2 mal, er gefällt mir sehr gut. Ich hätte mich gerne noch länger mit Ihnen gnädige Frau unterhalten, allein der Raum fehlt. Indem ich Sie auch bitte mich nicht ganz zu vergessen, küsse ich Ihnen, gnädige Frau die Hände, und verbleibe Ihre dankbarste [!] Antonia Duscher'' [! Antonin ?].  
Andere Schrift?:<br />''Verehrteste, gnädige Frau. Auch ich bin so frei, an Sie gnädige Frau einige Zeilen zu richten. Ich befinde mich hier recht wol und habe mich schon angewöhnt, obwohl ich sehr oft an Salzburg und seine lieben Bewohner denke! - Hr Franz ist auch wieder nach Graz zurück, er hat sich hier, wie es scheint sehr gut unterhalten, wir waren auch einmal zusammen in Schönbrunn. Er sieht sehr gut aus. Heute Sonntag wollten wir eine Parthie nach Don[n]er[s]bach [?] unternehmen, die jedoch des Regens wegen unterbleiben wird müssen. Die Aussicht unserer Zimmer ist herrlich, jedoch die Einsicht ist nicht großartig. Sehr freue ich mich in die Wohnung in die Stadt hinein. Gnädige Frau besuchen gewiß wieder fleißig die Mainandacht, ich bitte, gedenken Sie dabey auch öfters meyner. Hier ist Alles Krieg, Freiwillige sieht man auf allen Strassen sich im Rausche herumtummeln, man darf sich garnicht getrauen solchen in die Nähe zu kommen, denn sie haben sogar vorgestern einigen Frauen die Hüte vom Kopfe gerissen. Es ist gut, dß [daß] sie fortkommen. Im Prater waren wir schon 2 mal, er gefällt mir sehr gut. Ich hätte mich gerne noch länger mit Ihnen gnädige Frau unterhalten, allein der Raum fehlt. Indem ich Sie auch bitte mich nicht ganz zu vergessen, küsse ich Ihnen, gnädige Frau die Hände, und verbleibe Ihre dankbarste [!] Antonia Duscher''.  


Daneben: ''An Hr Otto, so auch an die beiden Franzl bitte ich mich ergebenst zu empfehlen; Theres grüsse ich 1000 mal!'' - [/]: zur Verdeutlichung hier Satztrennung eingefügt (auch andere Zusätze bei der Übertragung ebenfalls in eckigen Klammern). [?]: Bedeutung oder Lesung (hier bes. bei Familienamen) unsicher. Kürzelzeichen, z.B. Verdoppelung durch Strich über m und n, sind aufgelöst; aber z.B. "bekome" und "Zimer" trotzdem mit einem "m". - Vorpostalischer Brief, unbekannte Absenderin (doppelt mit Antonia Duscher unterschrieben?) an: "Der Wolgeborenen Frau Antonie Spängler in Salzburg. Durch Güte." Brief eng gefaltet, kleine Reste von rotem Siegellack. An: Maria Antonia (Antonia) Spängler [Nr. 37], geb. Lürzer, geb. 1803 (siehe unten, nächste Briefschreiberin); der im Brief genannte "Franz" ist der Sohn [Nr. 18] Franz II. Xaver Gregor Spängler, geb. 1839 (vgl. "...beide Söhne"), zur Zeit des Briefes also 20 Jahre alt. Er studiert in "Graz" und ist bzw. war offenbar zu Besuch in Wien bei der Briefschreiberin. Eine "Duscher Toni" taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1860 auf. - "Neugeld": seit 1857 sind in Österreich 100 Kreuzer: 1 Gulden; Der Gulden [fl.] war zwischen 1857 und 1892 in Österreich die Silberwährung (1 Gulden = 100 Kreuzer). - "Krieg" im Frühjahr 1859 gegen Frankreich unter Napoleon III.
Daneben: ''An Hr Otto, so auch an die beiden Franzl bitte ich mich ergebenst zu empfehlen; Theres grüsse ich 1000 mal!'' - [/]: zur Verdeutlichung hier Satztrennung eingefügt (auch andere Zusätze bei der Übertragung ebenfalls in eckigen Klammern). [?]: Bedeutung oder Lesung (hier bes. bei Familienamen) unsicher. Kürzelzeichen, z.B. Verdoppelung durch Strich über m und n, sind aufgelöst; aber z.B. "bekome" und "Zimer" trotzdem mit einem "m". - Vorpostalischer Brief, unbekannte Absenderin (doppelt mit Antonia Duscher unterschrieben?) an: "Der Wolgeborenen Frau Antonie Spängler in Salzburg. Durch Güte." Brief eng gefaltet, kleine Reste von rotem Siegellack. An: Maria Antonia (Antonia) Spängler [Nr. 37], geb. Lürzer, geb. 1803 (siehe unten, nächste Briefschreiberin); der im Brief genannte "Franz" ist der Sohn [Nr. 18] Franz II. Xaver Gregor Spängler, geb. 1839 (vgl. "...beide Söhne"), zur Zeit des Briefes also 20 Jahre alt. Er studiert in "Graz" und ist bzw. war offenbar zu Besuch in Wien bei der Briefschreiberin. Eine "Duscher Toni" taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1860 auf, eine "Antonia Duscher" 1858 auf einem Stammbuch- / Poesiealbumsblatt für Franz Spängler. - "Neugeld": seit 1857 sind in Österreich 100 Kreuzer: 1 Gulden; Der Gulden [fl.] war zwischen 1857 und 1892 in Österreich die Silberwährung (1 Gulden = 100 Kreuzer). - "Krieg" im Frühjahr 1859 gegen Frankreich unter Napoleon III.
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==== Brief vom 22. Mai 1859: ====
==== Brief vom 22. Mai 1859 von Franz Spängler an den Bruder ====
Ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Otto Spängler]]; ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />
''Graz le 22 Mai 1859. Mon très cher frère! Quoque nous ayons la guerre contre les Français je ne fais m’empécher de vous écrire en langue française. Avant tout j’ai encore à ajouter bien des choses de mon séjour à Vienne. Notre cousine Anne Sauter vous salue mille fois, et vous dit par moi, qu’elle se souvient encore très bien de votre galanterie; elle m’a demandé, si vous êtes encore si galant, ce que j’ai affirmé, et où j’ai ajouté encore, que vous [… ]''  
''Graz le 22 Mai 1859. Mon très cher frère! Quoque nous ayons la guerre contre les Français je ne fais m’empécher de vous écrire en langue française. Avant tout j’ai encore à ajouter bien des choses de mon séjour à Vienne. Notre cousine Anne Sauter vous salue mille fois, et vous dit par moi, qu’elle se souvient encore très bien de votre galanterie; elle m’a demandé, si vous êtes encore si galant, ce que j’ai affirmé, et où j’ai ajouté encore, que vous [… ]''  


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==== Brief vom 28. Juni 1859: ====
==== Brief vom 28. Juni 1859 von Franz Spängler an den Bruder ====
Ein Blatt:<br />''A mon très cher frère Otto Spaengler à Salzbourg.'' [wie die obigen Briefe und viele andere in diesem Bündel ein Bogen bzw. hier ein Blatt, 23 x 15 cm, doppelt gefaltet auf 15 x 6 cm, mit Resten von Siegellack am Rand] ''Graz le 28 Juni 1859. Mon très cher frère!'' (Er dankt für einen Brief, gratuliert zum Geburtstag [([[Otto Spängler]], geb. 4. Juli 1841 in Salzburg)], möchte ihm etwas zum Geburtstag schenken, sucht aber nach einer Gelegenheit bzw. hat nicht genug Geld.) [fortgesetzt nach Absatz:] ''le 29. Juin / Nous avons à présent ici une très grande quantité de soldats mais seulement de soldats italiens; il loge à Grace [in späteren französischen Briefen "Gracè" bzw. "Graz"] et dans les environs de la ville un bataillon ou en regiment Archiduc Sigismond, un bataillon du regiment Prince Michel et un bataillon du regiment Acroldi. Tous ces regiments devaient quitter l’Italie'' [nach der verlorenen Schlacht von Solferino], ''par ceque une grande partie en n’avait pas êté fidèle. On dit, qu’on en a fusilé plusieurs soldats à Nabresina'' [bei Triest], ''à Adelsberg'' [Postojna, Slowenien] ''et à Laibach'' [Ljubljana]; ''à Grace aussi deux ou trois en ont été fusilés.'' [ohne Absatz oder Abstand weiter:] ''L’éxamen de maturité a comencé ici samedi passé et sera demain fini. Pour la composition allemande ils avaient ce thème: «Quelles langues étrangères ont eu une influence singulière pour la langue et la littérature allemande?» Deux étudiants de la huitième classe du gymnase'' […] ("La St. Jean" ist [in Graz] kein Feiertag, sondern normaler Wochentag, "dans l’octave du St. Sacrement" ist keine Prozession, keine an "Fête-Dieu".) ''Si les soldats italiens ont la garde ils n’ont pas fusils excepté ceux, qui sont sentinelle. Par ceque nous avons à présent des soldats ici, la garde civique à cessé à être de garde. C’est ce quest'' [que est] ''très agréable aux citoyens. Si vous voyez peut être votre ancien compagnon Lechner, dites lui, que je le plainds, qu’il a été blessé, et que le salut qu’il m’a fait dire à son voyage à Grace, m’a été dit.'' (Grüße an Kalhofer, an "Charles Duscher" und an die anderen Schüler der 7. und 8. Klasse, die er kennt; gleichfalls an die jungen "Sattlers" und "Fenzls"; wie geht es "Ernestine Spaengler", Grüße an sie.) ''En ésperant que vous vous portez bien, et que vous m’écrirez bientôt / votre / toujours fidèle frère François.'' (mit Bleistift verziert: "M Spangler [!]")
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Otto Spängler]]; ein Blatt:<br />
''A mon très cher frère Otto Spaengler à Salzbourg.'' [wie die obigen Briefe und viele andere in diesem Bündel ein Bogen bzw. hier ein Blatt, 23 x 15 cm, doppelt gefaltet auf 15 x 6 cm, mit Resten von Siegellack am Rand] ''Graz le 28 Juni 1859. Mon très cher frère!'' (Er dankt für einen Brief, gratuliert zum Geburtstag [([[Otto Spängler]], geb. 4. Juli 1841 in Salzburg)], möchte ihm etwas zum Geburtstag schenken, sucht aber nach einer Gelegenheit bzw. hat nicht genug Geld.) [fortgesetzt nach Absatz:] ''le 29. Juin / Nous avons à présent ici une très grande quantité de soldats mais seulement de soldats italiens; il loge à Grace [in späteren französischen Briefen "Gracè" bzw. "Graz"] et dans les environs de la ville un bataillon ou en regiment Archiduc Sigismond, un bataillon du regiment Prince Michel et un bataillon du regiment Acroldi. Tous ces regiments devaient quitter l’Italie'' [nach der verlorenen Schlacht von Solferino], ''par ceque une grande partie en n’avait pas êté fidèle. On dit, qu’on en a fusilé plusieurs soldats à Nabresina'' [bei Triest], ''à Adelsberg'' [Postojna, Slowenien] ''et à Laibach'' [Ljubljana]; ''à Grace aussi deux ou trois en ont été fusilés.'' [ohne Absatz oder Abstand weiter:] ''L’éxamen de maturité a comencé ici samedi passé et sera demain fini. Pour la composition allemande ils avaient ce thème: «Quelles langues étrangères ont eu une influence singulière pour la langue et la littérature allemande?» Deux étudiants de la huitième classe du gymnase'' […] ("La St. Jean" ist [in Graz] kein Feiertag, sondern normaler Wochentag, "dans l’octave du St. Sacrement" ist keine Prozession, keine an "Fête-Dieu".) ''Si les soldats italiens ont la garde ils n’ont pas fusils excepté ceux, qui sont sentinelle. Par ceque nous avons à présent des soldats ici, la garde civique à cessé à être de garde. C’est ce quest'' [que est] ''très agréable aux citoyens. Si vous voyez peut être votre ancien compagnon Lechner, dites lui, que je le plainds, qu’il a été blessé, et que le salut qu’il m’a fait dire à son voyage à Grace, m’a été dit.'' (Grüße an Kalhofer, an "Charles Duscher" und an die anderen Schüler der 7. und 8. Klasse, die er kennt; gleichfalls an die jungen "Sattlers" und "Fenzls"; wie geht es "Ernestine Spaengler", Grüße an sie.) ''En ésperant que vous vous portez bien, et que vous m’écrirez bientôt / votre / toujours fidèle frère François.'' (mit Bleistift verziert: "M Spangler [!]")
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==== Brief vom 27. Oktober 1859: ====
==== Brief vom 27. Oktober 1859 von Franz Spängler an den Bruder ====
Ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Otto Spängler]]; ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br />
''Graz 27/10 [18]59 / Liebster Otto! Leider haben mein letzter Brief u. der der Mutter sich umgangen, u. ich warte'' […] (…auf den nächsten Brief, und er schickt dann die "Quittung vom Stipendium" … "Nun erst einige Neuigkeiten." … Theodor Spängler<ref>Theodor I. Eduard Maria Spängler (* 1824; † 1916), am 13. Februar 1860 verheiratet mit Theresia Zunzer (* 1838; † 1917).</ref> in Friesach ist "verliebt", Otto soll aber bei Spängler nichts sagen, es ist ungewiss, ob aus "der ganzen Geschichte etwas Ernstes wird"; bei anderen herrscht "Eifersucht" [unterstrichen]; ein Brief von "Duscher Karl", der schreibt, dass Kießling jetzt statt Philologie Medizin studiert. [Fortsetzung nächste Seite:] ''30/10 59.'' (…für die geplante Schillerfeier in Graz war vorgesehen, die «Gloke» melodramatisch aufzuführen, aber es fand sich kein Klavierauszug, sie haben das Ganze aufgegeben; er fragt nach der Salzburger Schillerfeier, "bei der Prof. Weiss eine Rede halten wird." [Fortsetzung nächste Seite:] ''31/10 59.'' (Er erinnert den Bruder an die stenographische Zeitung. "Angerer war fast 8 Tage hier, u. hat seine Prüf[un]g<ref>Auch in späteren Briefe verwendet [[Franz Xaver Gregor Spängler]] häufig Abkürzungen: u[nd]. / d[ur]ch usw.</ref>, wenn auch nicht mit besonderm Erfolge bestanden. Troll, der ebenfalls vor Angerer hier war u. sie mit Angerer machte, ist gefallen." … "An Euren Lesungen möchte ich sehr gerne Antheil nehmen. Grüße mir alle Mitglieder herzlich; sie sollen manchmal dabei auch meiner gedenken; wenn ihnen wieder einmal eine Räthsel-Auflös[un]gs commission zusammen tritt, schreib‘ es mir; dann werde ich auch etwas einschiken." ... Er fragt nach Vinzenz und ob sie mit ihm spazieren gehen. [Es folgenden zwei Zeilen in Steno] … "Sind in Salzburg auch Vertrauensmänner zur Berath[un]g über das Gemeindegesez [!] gewählt worden? Wer ist denn bei dieser Commission dabei?" … "Alle Bekannten laße ich herzlichst grüßen resp. ihnen die Hand küßen etc." … ''kannst [d]u am Schluße des Jahres auch meine Physikschriften verkaufen; sonst schenke ich sie dem Hubert. Nun lebe wohl, grüße mir die Therese u schreibe bald Deinem ewig treuen Bruder FXSpgr.'') [folgt eine Zeile in Steno]
''Graz 27/10 [18]59 / Liebster Otto! Leider haben mein letzter Brief u. der der Mutter sich umgangen, u. ich warte'' […] (…auf den nächsten Brief, und er schickt dann die "Quittung vom Stipendium" … "Nun erst einige Neuigkeiten." … Theodor Spängler<ref>Theodor I. Eduard Maria Spängler (* 1824; † 1916), am 13. Februar 1860 verheiratet mit Theresia Zunzer (* 1838; † 1917).</ref> in Friesach ist "verliebt", Otto soll aber bei Spängler nichts sagen, es ist ungewiss, ob aus "der ganzen Geschichte etwas Ernstes wird"; bei anderen herrscht "Eifersucht" [unterstrichen]; ein Brief von "Duscher Karl", der schreibt, dass Kießling jetzt statt Philologie Medizin studiert. [Fortsetzung nächste Seite:] ''30/10 59.'' (…für die geplante Schillerfeier in Graz war vorgesehen, die «Gloke» melodramatisch aufzuführen, aber es fand sich kein Klavierauszug, sie haben das Ganze aufgegeben; er fragt nach der Salzburger Schillerfeier, "bei der Prof. Weiss eine Rede halten wird." [Fortsetzung nächste Seite:] ''31/10 59.'' (Er erinnert den Bruder an die stenographische Zeitung. "Angerer war fast 8 Tage hier, u. hat seine Prüf[un]g<ref>Auch in späteren Briefen verwendet [[Franz Xaver Gregor Spängler]] häufig Abkürzungen: u[nd]. / d[ur]ch usw.</ref>, wenn auch nicht mit besonderm Erfolge bestanden. Troll, der ebenfalls vor Angerer hier war u. sie mit Angerer machte, ist gefallen." … "An Euren Lesungen möchte ich sehr gerne Antheil nehmen. Grüße mir alle Mitglieder herzlich; sie sollen manchmal dabei auch meiner gedenken; wenn ihnen wieder einmal eine Räthsel-Auflös[un]gs commission zusammen tritt, schreib‘ es mir; dann werde ich auch etwas einschiken." ... Er fragt nach Vinzenz und ob sie mit ihm spazieren gehen. [Es folgenden zwei Zeilen in Steno] … "Sind in Salzburg auch Vertrauensmänner zur Berath[un]g über das Gemeindegesez [!] gewählt worden? Wer ist denn bei dieser Commission dabei?" … "Alle Bekannten laße ich herzlichst grüßen resp. ihnen die Hand küßen etc." … ''kannst [d]u am Schluße des Jahres auch meine Physikschriften verkaufen; sonst schenke ich sie dem Hubert. Nun lebe wohl, grüße mir die Therese u schreibe bald Deinem ewig treuen Bruder FXSpgr.'') [folgt eine Zeile in Steno]
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==== Brief vom 4. Dezember 1859: ====
==== Brief vom 4. Dezember 1859 von Franz Spängler an den Bruder ====
Dito wie vorstehender Brief:<br />
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Otto Spängler]]:<br />
''A mon chér [!] frère Otto Spengler [!] à Salzbourg'' [Lackrest mit Siegellteil "S"] ''Graz le 4 Dez. 1859 / Mon cher frère! Hier je reçus votre lettre, dont je vous remercie de tout mon coeur'' […] (Er ist Souffleur in einem kleinen Theater mit einem komischen Stück. Zu seinem Fest [Namenstag "Franz Xaver", 3. Dezember] bekommt er u. a. ein besticktes "portefeuille"; er selbst schenkt sich für "3 florins et cinquante Kreuzers" zwölf Bände der gesammelten Werke von Lord Byron. Theodor [Spängler; vgl. Brief vom 27. 10.] wird heiraten, aber Otto hätte es nicht gleich den "Spenglers" [!] erzählen sollen. [Fortsetzung:] ''Le 5 Dèz. [! déc.] Vous écrivités dans votre lettre'' […] (Er empfiehlt die Lektüre von Stifters «Studien», besonders das Gedicht «Die Feldblumen». Am 15. Januar wird ein Ball sein.) … ''Portez vous bien, repondez bientôt, et soyez persuadé, que je resterai toujours votre fidèle frère François''
''A mon chér [!] frère Otto Spengler [!] à Salzbourg'' [Lackrest mit Siegellteil "S"] ''Graz le 4 Dez. 1859 / Mon cher frère! Hier je reçus votre lettre, dont je vous remercie de tout mon coeur'' […] (Er ist Souffleur in einem kleinen Theater mit einem komischen Stück. Zu seinem Fest [Namenstag "Franz Xaver", 3. Dezember] bekommt er u. a. ein besticktes "portefeuille"; er selbst schenkt sich für "3 florins et cinquante Kreuzers" zwölf Bände der gesammelten Werke von Lord Byron. Theodor [Spängler; vgl. Brief vom 27. 10.] wird heiraten, aber Otto hätte es nicht gleich den "Spenglers" [!] erzählen sollen. [Fortsetzung:] ''Le 5 Dèz. [! déc.] Vous écrivités dans votre lettre'' […] (Er empfiehlt die Lektüre von Stifters «Studien», besonders das Gedicht «Die Feldblumen». Am 15. Januar wird ein Ball sein.) … ''Portez vous bien, repondez bientôt, et soyez persuadé, que je resterai toujours votre fidèle frère François''


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[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
[[Kategorie:Korrespondenz]]
[[Kategorie:Spängler]]
[[Kategorie:Spängler]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Kobler]]
[[Kategorie:historisches Dokument]]