Kobler-Spängler-Briefe von 1882: Unterschied zwischen den Versionen

 
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Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  
Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  


Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref>
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, [[Otto Holzapfel]], zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref>


== 1882 ==
== 1882 ==
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17. März [1882] Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler:<br /> ''½ 3 Uhr Nachm. – Innigstgeliebte Fanni! Soeben haben Otto und ich mit blutendem Herzen u. thränendem Auge Abschied genommen von unserer geliebten Mutter, und hernach gedankt für alle ihre Liebe u Güte, ihr auch gedankt in deinem u. der Kinder Namen, u. den lezten Kuß auf ihre Stirne u. ihre Hand gedrükt; in etwas mehr als einer Stunde werden wir sie hinabsenken in die Gruft an die Stelle, wo auch ihr unvergeßlicher "Xaver" unser guter Vater ruht. Sei ihnen beiden die Erde leicht, uns wird ihr Andenken unser Leben lang theuer und unvergeßlich sein, ihr Beispiel u. ihre Lehren sollen auch für uns der Leitstern sein. Am Sarge der Mutter haben Otto u. ich uns die Versicherung unwandelbarer brüderlicher Liebe erneuert, u. treues Zusammenhalten uns gelobt. – Der Segen der Mutter den sie so oft vom Himmel auf uns und unsere Familien herabgefleht wird hoffentlich über uns bleiben, wenn sie auch leider in den lezten Stunden ihn auch nicht mehr geben konnte. Und dich liebste Fanni bitte ich in dieser ernsten Stunde, bleibe mir was du mir bisher warst, meine treue innigstgeliebte Lebensgefährtin, meine beste Freundin, und die liebende sorgsame Mutter meiner Kinder; in dieser Stunde bitte ich auch dich, wie ich die Mutter noch für alles womit ich sie je gekränkt um Verziehung gebeten habe, daß du mir alles verzeihen wollest, was ich dir gegenüber je durch Unfreundlichkeit und Heftigkeit gefehlt habe. – Ich habe jezt vor allem den Wunsch u. die Bitte zum Himmel, dß er dich u. die Kinder mir gesund und wol erhalte, u. dß die Kinder brav werden.''
17. März [1882] Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler:<br /> ''½ 3 Uhr Nachm. – Innigstgeliebte Fanni! Soeben haben Otto und ich mit blutendem Herzen u. thränendem Auge Abschied genommen von unserer geliebten Mutter, und hernach gedankt für alle ihre Liebe u Güte, ihr auch gedankt in deinem u. der Kinder Namen, u. den lezten Kuß auf ihre Stirne u. ihre Hand gedrükt; in etwas mehr als einer Stunde werden wir sie hinabsenken in die Gruft an die Stelle, wo auch ihr unvergeßlicher "Xaver" unser guter Vater ruht. Sei ihnen beiden die Erde leicht, uns wird ihr Andenken unser Leben lang theuer und unvergeßlich sein, ihr Beispiel u. ihre Lehren sollen auch für uns der Leitstern sein. Am Sarge der Mutter haben Otto u. ich uns die Versicherung unwandelbarer brüderlicher Liebe erneuert, u. treues Zusammenhalten uns gelobt. – Der Segen der Mutter den sie so oft vom Himmel auf uns und unsere Familien herabgefleht wird hoffentlich über uns bleiben, wenn sie auch leider in den lezten Stunden ihn auch nicht mehr geben konnte. Und dich liebste Fanni bitte ich in dieser ernsten Stunde, bleibe mir was du mir bisher warst, meine treue innigstgeliebte Lebensgefährtin, meine beste Freundin, und die liebende sorgsame Mutter meiner Kinder; in dieser Stunde bitte ich auch dich, wie ich die Mutter noch für alles womit ich sie je gekränkt um Verziehung gebeten habe, daß du mir alles verzeihen wollest, was ich dir gegenüber je durch Unfreundlichkeit und Heftigkeit gefehlt habe. – Ich habe jezt vor allem den Wunsch u. die Bitte zum Himmel, dß er dich u. die Kinder mir gesund und wol erhalte, u. dß die Kinder brav werden.''


'' – Abds ½ 6 Uhr – Vor kurzem sind wir von dem schweren Gange zurückgekommen, den wir hinter dem Sarge der guten Mutter gemacht. Du wirst in dieser Stunde unserer u. ihrer gedacht u. gewiß manche Thränen vergoßen haben. – Unmittelbar vor dem Begräbniße, als schon bei Carl Sp.[Spängler] im großen Zimmer die Trauergäste sich versammelten erhielt ich deinen lieben Brief, für den ich dir bestens danke. Auch bitte ich dich den Herrn Dechant einstweilen meinen Dank auszusprechen, bis ich es in der nächsten Woche selbst thun kann. – Die Comissionen werde ich schon besorgen, beziehungsweise durch die Schwestern besorgen lassen, u. die Sachen mitbringen. – Die Betheiligung an dem Begräbniße war eine sehr zahlreiche, auch Kränze waren der Mutter von allen Seiten gewidmet worden; überhaupt wurde u. wird uns von allen Seiten die herzlichste Theilname; sogar einer der Prinzen des Großherzogs war gestern in der Sparkasse, um Otto das Beileid auszusprechen. – Aber all die Beweise von Liebe u Verehrung für die gute Mutter geben uns dieselbe nicht wieder! Bei dem Begräbniße war ich gefaßter als ich nach dem lezten Abschied am Sarge mir zugetraut hatte. Ich werde womöglich heute noch ihr Grab besuchen. Auch wegen eines Grabsteines wird sofort Anstalt getroffen, u. zwar kommt an die Wand neben der Familiengruft an der auch, wenn du dich erinnerst die Gedenktafel für Paul Hofheimer ist; selbstverständlich wird die Gedenktafel für beide Eltern errichtet'' [so ist es heute noch, Anm.] ''. Lebe nun recht wohl, u. bleibe gesund; am Montag hoffe ich Euch alle wieder zu sehen. Es grüßt u küßt dich herzlichst dein treuer Franz – Otto u Louise grüßen Euch, u. danken für deine Theilname; sie sind beide von der größten Freundlichkeit u. Liebenswürdigkeit. – Bald hätte ich vergeßen, dir zu schreiben, dß in der Nacht von gestern auf heute Louise plözlich die sog. Rötheln bekommen hat so dß sie im Bette liegen muß, u. daher auch an dem Leichenbegräbniße nicht theilnemen konnte; übrigens ist [sie] von dem Ausschlage abgesehen ganz wohl; die Mädchen lassen die Franzi u. Toni bestens grüßen u haben mir auch Bilder für sie gegeben – Also nochmals Lebewohl dein Franz''
'' – Abds ½ 6 Uhr – Vor kurzem sind wir von dem schweren Gange zurückgekommen, den wir hinter dem Sarge der guten Mutter gemacht. Du wirst in dieser Stunde unserer u. ihrer gedacht u. gewiß manche Thränen vergoßen haben. – Unmittelbar vor dem Begräbniße, als schon bei Carl Sp.'' [Spängler, Anm.] ''im großen Zimmer die Trauergäste sich versammelten erhielt ich deinen lieben Brief, für den ich dir bestens danke. Auch bitte ich dich den Herrn Dechant einstweilen meinen Dank auszusprechen, bis ich es in der nächsten Woche selbst thun kann. – Die Comissionen werde ich schon besorgen, beziehungsweise durch die Schwestern besorgen lassen, u. die Sachen mitbringen. – Die Betheiligung an dem Begräbniße war eine sehr zahlreiche, auch Kränze waren der Mutter von allen Seiten gewidmet worden; überhaupt wurde u. wird uns von allen Seiten die herzlichste Theilname; sogar einer der Prinzen des Großherzogs war gestern in der Sparkasse, um Otto das Beileid auszusprechen. – Aber all die Beweise von Liebe u Verehrung für die gute Mutter geben uns dieselbe nicht wieder! Bei dem Begräbniße war ich gefaßter als ich nach dem lezten Abschied am Sarge mir zugetraut hatte. Ich werde womöglich heute noch ihr Grab besuchen. Auch wegen eines Grabsteines wird sofort Anstalt getroffen, u. zwar kommt an die Wand neben der Familiengruft an der auch, wenn du dich erinnerst die Gedenktafel für Paul Hofheimer ist; selbstverständlich wird die Gedenktafel für beide Eltern errichtet'' [so ist es heute noch, Anm.] ''. Lebe nun recht wohl, u. bleibe gesund; am Montag hoffe ich Euch alle wieder zu sehen. Es grüßt u küßt dich herzlichst dein treuer Franz – Otto u Louise grüßen Euch, u. danken für deine Theilname; sie sind beide von der größten Freundlichkeit u. Liebenswürdigkeit. – Bald hätte ich vergeßen, dir zu schreiben, dß in der Nacht von gestern auf heute Louise plözlich die sog. Rötheln bekommen hat so dß sie im Bette liegen muß, u. daher auch an dem Leichenbegräbniße nicht theilnemen konnte; übrigens ist [sie] von dem Ausschlage abgesehen ganz wohl; die Mädchen lassen die Franzi u. Toni bestens grüßen u haben mir auch Bilder für sie gegeben – Also nochmals Lebewohl dein Franz''
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==== Brief von 1882 von Otto Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
==== Brief von 1882 von Otto Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
ohne Datum [1882] und Umschlag, [[Otto Spängler]] an Franz Spängler:<br /> ''Mein lieber Franz! Ich war recht froh, aus deiner Karte u. dann aus deinem Briefe zu entnehmen, dß du glücklich in Mitte[n] deiner lieben Angehörigen angekommen bist. – Bei einem so hartem schmerzlichen Verluste, wie es der Tod unserer beßten unvergeßlichen Mutter für uns beide war, ist das eigene glückliche Familienleben wol der einzige Trost, der beßte Ersaz! – Ich kann mich an den Gedanken noch immer nicht gewöhnen, meine liebe Mutter nicht wiederzusehen; wie oft im Tage meine ich, sie müßte zur gewohnten Stunde, wie sonst, zur Thüre hereinkommen! Ich weine wol oft u. oft um sie! Allmälig werde ich wol die Fassung wieder gewinnen, um an die Beantwortung all der liebe Briefe und die Abstattung der Besuche gehen zu können. Die Bilder mit den Fotografien habe ich noch nicht erhalten; von den anderen liegen hier 2 Duzend bei. Die Kiste für den großen Kasten habe ich angeschafft; wir werden im Laufe dieser Woche sie erhalten u dann sofort paken. – Die Stockuhr, lieber Franz, würde ich, sowie das Arbeitstischchen der Mutter recht gerne hier behalten. Den Spieltisch hebe ich dir auf; Zur hübschen Couvertdecke übers Bett gehört auch ein gleicher Teppich über den Tisch, welchen ich dir selbstverständlich auch beipaken werde; ebenso die Laufteppiche. Der Spiegel ist beim Vergolden. Zu Andenken habe ich nebst mehreren Schalen, die Spielrequisiten, und einige Bilder, Statuetten etc verwendet'' [vgl. vorstehende Liste] ''. Das schwarzseidene Kleid, ein hübscher Tuchmantel werden gleich dem großen Kafensake [?] eingepakt. Ebenso auch mehrere Gegenstände für Eure Mägde: Arme sind ein Menge gekommen, und haben um Sachen gebeten. Louise hat die minderen Kleidungsstüke, welche weder der Sammlung noch der Aufbewahrung noch des Verkaufes wert waren, dazu verwendet. Auch fand sich eine Menge geradezu wertloser Fleke, Gestelle von Schirmen, Schachteln etc., welche wir um Plaz u Ordnung [?] zu machen, wol einfach wegwerfen mußten. Soll ich im eidenstättigen Vermögensbekenntniße das halbe Keglewichloos angeben, das die Mutter gemeinsam mit uns besaß? Dr Faistauer hat die Rechn[un]g noch immer nicht geschikt. Ist die anruhende Grabschrift recht? Aus deinem Concepte als Vermögensbekenntester entnehme ich, dß du auch den Grabstein unter die Abzugsposten sezen willst. Ist das so Gepflogenheit? – Ich werde bemüht sein, allen deinen Wünschen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Mit den herzlichsten Grüßen an dich u deine lieben Angehörigen bin ich wie stets dein Bruder Otto. – Von Louise u den Kindern alles Schöne!''
ohne Datum [1882] und Umschlag, [[Otto Spängler]] an Franz Spängler:<br /> ''Mein lieber Franz! Ich war recht froh, aus deiner Karte u. dann aus deinem Briefe zu entnehmen, dß du glücklich in Mitte[n] deiner lieben Angehörigen angekommen bist. – Bei einem so hartem schmerzlichen Verluste, wie es der Tod unserer beßten unvergeßlichen Mutter für uns beide war, ist das eigene glückliche Familienleben wol der einzige Trost, der beßte Ersaz! – Ich kann mich an den Gedanken noch immer nicht gewöhnen, meine liebe Mutter nicht wiederzusehen; wie oft im Tage meine ich, sie müßte zur gewohnten Stunde, wie sonst, zur Thüre hereinkommen! Ich weine wol oft u. oft um sie! Allmälig werde ich wol die Fassung wieder gewinnen, um an die Beantwortung all der liebe Briefe und die Abstattung der Besuche gehen zu können. Die Bilder mit den Fotografien habe ich noch nicht erhalten; von den anderen liegen hier 2 Duzend bei. Die Kiste für den großen Kasten habe ich angeschafft; wir werden im Laufe dieser Woche sie erhalten u dann sofort paken. – Die Stockuhr, lieber Franz, würde ich, sowie das Arbeitstischchen der Mutter recht gerne hier behalten. Den Spieltisch hebe ich dir auf; Zur hübschen Couvertdecke übers Bett gehört auch ein gleicher Teppich über den Tisch, welchen ich dir selbstverständlich auch beipaken werde; ebenso die Laufteppiche. Der Spiegel ist beim Vergolden. Zu Andenken habe ich nebst mehreren Schalen, die Spielrequisiten, und einige Bilder, Statuetten etc verwendet'' [vgl. vorstehende Liste, Anm.] ''. Das schwarzseidene Kleid, ein hübscher Tuchmantel werden gleich dem großen Kafensake [?] eingepakt. Ebenso auch mehrere Gegenstände für Eure Mägde: Arme sind ein Menge gekommen, und haben um Sachen gebeten. Louise hat die minderen Kleidungsstüke, welche weder der Sammlung noch der Aufbewahrung noch des Verkaufes wert waren, dazu verwendet. Auch fand sich eine Menge geradezu wertloser Fleke, Gestelle von Schirmen, Schachteln etc., welche wir um Plaz u Ordnung [?] zu machen, wol einfach wegwerfen mußten. Soll ich im eidenstättigen Vermögensbekenntniße das halbe Keglewichloos angeben, das die Mutter gemeinsam mit uns besaß? Dr Faistauer hat die Rechn[un]g noch immer nicht geschikt. Ist die anruhende Grabschrift recht? Aus deinem Concepte als Vermögensbekenntester entnehme ich, dß du auch den Grabstein unter die Abzugsposten sezen willst. Ist das so Gepflogenheit? – Ich werde bemüht sein, allen deinen Wünschen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Mit den herzlichsten Grüßen an dich u deine lieben Angehörigen bin ich wie stets dein Bruder Otto. – Von Louise u den Kindern alles Schöne!''
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==== Brief vom 4. März 1882 von Louise Spängler an Fanni Spängler ====
==== Brief vom 4. März 1882 von Louise Spängler an Fanni Spängler ====
4. März [1882] ohne Umschlag, Salzburg, Trauerrand, Louise Spängler an Fanni Spängler:<br /> ''Liebe Fani! Endlich sind wir nun mit dem packen der Kiste fertig, es war mir wirklich recht schwer die ganze Wohnung zu räumen, denn die Erinnerung an die liebe Großmutter kam immer wieder, und man sah mit welchem Fleiß sie die Ordnung überall aufrecht erhielt. Ich muß dir nun einiges über den Inhalt der Kiste schreiben. Wäsche, Kleidungsstücke, Bilder, Spiegel, sowie das Bett ist alles im Kasten, betreffs des Unterbeetes [!], welches du nicht geschickt haben wolltest will ich dir nun mittheilen, daß es mich zum verkaufen reute, ich habe mit deiner Mutter gesprochen, weilche meinte du sollst Kopfkißen daraus machen, ich habe es auch gethan und habe 5 Kißen bekommen, welche recht gut sind. Du wirst die Federn in 2 Reben [?] finden, das kommt daher weil ich Anfangs nur die Hälfte schicken wollte, dann aber wollte der Packer mehr Gegenstände um die Kiste zu füllen, und so gab ich die zweite Hälfte auch noch her. Deine Mutter bat mich es gewiß zu schicken. Das Spiel welches du in der Kiste findet [!], schicket meine Maman deinen Kindern; sie hatte an den Tellern mit grünen Rande welche wir ihr als Andenken an die Mutter gaben eine große Freude'' [vgl. Liste bei dem Brief vom 10. April]. ''Die Bücher waren um sie in die Kiste zu legen zu schwer, wir packten sie in eine eigene Kiste, beide Kisten sind heute abgeschickt worden. Einige Küchen-Geräthe welche nicht schwer sind, haben wir auch inein gepackt. Ferner kommt noch die Couvertdecke nebst derselben Tischdecke, und 2 Bettdecken. Für den eingelegten Kasten, denn wir Euch schickten, haben wir uns einen Chiffonier und einen ordinären grauen Kasten behalten, welchen ich als Rumpelkasten benützen. Die Kiste haben wir liegend im Hofraume gepackt, und ich denke es wird auch wieder am Besten sein, wenn ihr sie in Eurem Hofe aufmachen und die Stücke hinauftragen laßt. Obenauf in der Kiste liegt noch Stroh was wir zum füllen des Kastens brauchten, die Casette mit Silber sowie das Kistchen mit Gläser und Schalen werdet ihr auch finden. 2 Dutz. Gedenkbilder der sel. Großmutter werdet ihr auch finden, wir finden sie sehr gut; es wird immer ein trauriges Andenken bleiben. Ich wünsche dir zu deiner Entbindung viel Glück; es würde mich freuen wenn es ein Knabe wäre. Wenn auch die Großmutter nicht mehr lebt so hoffe ich, daß wir deswegen einander nicht XXX XXX Grüße an die deinen von Otto den Kindern u. deine Schwägerin Luise'' [Louise Spängler, geb. Duregger]
4. März [1882] ohne Umschlag, Salzburg, Trauerrand, Louise Spängler an Fanni Spängler:<br /> ''Liebe Fani! Endlich sind wir nun mit dem packen der Kiste fertig, es war mir wirklich recht schwer die ganze Wohnung zu räumen, denn die Erinnerung an die liebe Großmutter kam immer wieder, und man sah mit welchem Fleiß sie die Ordnung überall aufrecht erhielt. Ich muß dir nun einiges über den Inhalt der Kiste schreiben. Wäsche, Kleidungsstücke, Bilder, Spiegel, sowie das Bett ist alles im Kasten, betreffs des Unterbeetes [!], welches du nicht geschickt haben wolltest will ich dir nun mittheilen, daß es mich zum verkaufen reute, ich habe mit deiner Mutter gesprochen, weilche meinte du sollst Kopfkißen daraus machen, ich habe es auch gethan und habe 5 Kißen bekommen, welche recht gut sind. Du wirst die Federn in 2 Reben [?] finden, das kommt daher weil ich Anfangs nur die Hälfte schicken wollte, dann aber wollte der Packer mehr Gegenstände um die Kiste zu füllen, und so gab ich die zweite Hälfte auch noch her. Deine Mutter bat mich es gewiß zu schicken. Das Spiel welches du in der Kiste findet [!], schicket meine Maman deinen Kindern; sie hatte an den Tellern mit grünen Rande welche wir ihr als Andenken an die Mutter gaben eine große Freude'' [vgl. Liste bei dem Brief vom 10. April, Anm.]. ''Die Bücher waren um sie in die Kiste zu legen zu schwer, wir packten sie in eine eigene Kiste, beide Kisten sind heute abgeschickt worden. Einige Küchen-Geräthe welche nicht schwer sind, haben wir auch inein gepackt. Ferner kommt noch die Couvertdecke nebst derselben Tischdecke, und 2 Bettdecken. Für den eingelegten Kasten, denn wir Euch schickten, haben wir uns einen Chiffonier und einen ordinären grauen Kasten behalten, welchen ich als Rumpelkasten benützen. Die Kiste haben wir liegend im Hofraume gepackt, und ich denke es wird auch wieder am Besten sein, wenn ihr sie in Eurem Hofe aufmachen und die Stücke hinauftragen laßt. Obenauf in der Kiste liegt noch Stroh was wir zum füllen des Kastens brauchten, die Casette mit Silber sowie das Kistchen mit Gläser und Schalen werdet ihr auch finden. 2 Dutz. Gedenkbilder der sel. Großmutter werdet ihr auch finden, wir finden sie sehr gut; es wird immer ein trauriges Andenken bleiben. Ich wünsche dir zu deiner Entbindung viel Glück; es würde mich freuen wenn es ein Knabe wäre. Wenn auch die Großmutter nicht mehr lebt so hoffe ich, daß wir deswegen einander nicht XXX XXX Grüße an die deinen von Otto den Kindern u. deine Schwägerin Luise'' [Louise Spängler, geb. Duregger, Anm.]
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==== Brief vom 10. April 1882 von Otto Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
==== Brief vom 10. April 1882 von Otto Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
[10. April 1882] ohne Umschlag und Datum "Dr. [[Otto Spängler]]. Salzburg." an Franz Spängler:<br /> ''Lieber Franz! Zu deinem Geburtstage'' [10. April] ''u. Eueren Hochzeitstage bringe ich dir für mich u. die meinen unsere herzlichen Glückwünsche dar. – Die gute Mutter, deren fromme Wünsche an diesem Tage dir leider fehlen, wird ihren Segen vom Himmel senden, und so möge dieser Doppelfesttag Euch recht oft und glücklich wiederkehren. – Meine Karte u. dein lezter Brief haben sich gekreuzt; ich besorge heute noch den Stein. Mit dem baren Gelde bin ich bereits fertig; ich bestreite einstweilen natürlich alles; wenn die zum Verkauf bestimmten Sachen werden verkauft sein, dann mache ich mir wieder alles gut. Betreffend diese Auslagen bitte ich auf das entschiedenste um eines nämlich, dß wenn einzelne Dinge davon auch nur dich allein angehen, wir sie miteinander tragen. Entgegne mir nichts darauf, ich bitte dich recht schön! – Was nun die zwischen uns geteilten Papiere betrifft, so stellt sich deren Wert folgender Maßen: Rumänierobligation 400 RM al pari – 236 fl [Gulden] – Xr [Kreuzer]/ 1860er Loos – 132 / 368 fl – Xr – Dem entgegen 2 Pfandbriefe al pari – 200 fl/ eine Perlmosser Actie 90 / 290 fl. – Also hast du mir die Hälfte der Differenz p. 78 f., id est 39 f. zu vergüten welchen betrag ich nach deiner Genehmhaltung dir in deiner Rechnung zu Last schreiben und mir aus den Julicoupons seinerzeit gutmachen werde. Oblige Cursdaten habe ich den Curszetteln bei Carl'' [Spängler; Bank] ''entnommen. Die Zinsen habe ich der Einfachheit der Rechnung halber weggelaßen. – Im anruhenden Zettel'' [als Einzelblatt beigelegt, folgt] ''habe ich versucht, deinem Wunsch wegen der Andenken nach Möglichkeit zu entsprechen. Auf Vollständigkeit macht das Verzeichniß keinen Anspruch. Im nächsten Briefe bitte ich dich, mir die Adresse der Frau von Martens bekannt zu geben'' [mit Bleistift:] '', ebenso wie die der Frau von Sattler – Mit Kuß u Gruß an Euch Alle dein Otto. – Charsamstag Abends.''
[10. April 1882] ohne Umschlag und Datum "Dr. [[Otto Spängler]]. Salzburg." an Franz Spängler:<br /> ''Lieber Franz! Zu deinem Geburtstage'' [10. April, Anm.] ''u. Eueren Hochzeitstage bringe ich dir für mich u. die meinen unsere herzlichen Glückwünsche dar. – Die gute Mutter, deren fromme Wünsche an diesem Tage dir leider fehlen, wird ihren Segen vom Himmel senden, und so möge dieser Doppelfesttag Euch recht oft und glücklich wiederkehren. – Meine Karte u. dein lezter Brief haben sich gekreuzt; ich besorge heute noch den Stein. Mit dem baren Gelde bin ich bereits fertig; ich bestreite einstweilen natürlich alles; wenn die zum Verkauf bestimmten Sachen werden verkauft sein, dann mache ich mir wieder alles gut. Betreffend diese Auslagen bitte ich auf das entschiedenste um eines nämlich, dß wenn einzelne Dinge davon auch nur dich allein angehen, wir sie miteinander tragen. Entgegne mir nichts darauf, ich bitte dich recht schön! – Was nun die zwischen uns geteilten Papiere betrifft, so stellt sich deren Wert folgender Maßen: Rumänierobligation 400 RM al pari – 236 fl [Gulden] – Xr [Kreuzer]/ 1860er Loos – 132 / 368 fl – Xr – Dem entgegen 2 Pfandbriefe al pari – 200 fl/ eine Perlmosser Actie 90 / 290 fl. – Also hast du mir die Hälfte der Differenz p. 78 f., id est 39 f. zu vergüten welchen betrag ich nach deiner Genehmhaltung dir in deiner Rechnung zu Last schreiben und mir aus den Julicoupons seinerzeit gutmachen werde. Oblige Cursdaten habe ich den Curszetteln bei Carl'' [Spängler; Bank, Anm.] ''entnommen. Die Zinsen habe ich der Einfachheit der Rechnung halber weggelaßen. – Im anruhenden Zettel'' [als Einzelblatt beigelegt, folgt, Anm.] ''habe ich versucht, deinem Wunsch wegen der Andenken nach Möglichkeit zu entsprechen. Auf Vollständigkeit macht das Verzeichniß keinen Anspruch. Im nächsten Briefe bitte ich dich, mir die Adresse der Frau von Martens bekannt zu geben'' [mit Bleistift:] '', ebenso wie die der Frau von Sattler – Mit Kuß u Gruß an Euch Alle dein Otto. – Charsamstag Abends.''
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==== Einzelblatt: Vertheilte Andenken. ====
==== Einzelblatt: Vertheilte Andenken. ====
[[Datei:Kobler-Spängler-Briefe von 1882 1.jpg|thumb|Emilie Duregger, Partezettel, Tochter des [[Alois Johann Duregger]].]]
[[Datei:Kobler-Spängler-Briefe von 1882 1.jpg|thumb|Emilie Duregger, Partezettel, Tochter des [[Alois Johann Duregger]].]]
[Zuordnung unsicher; lag bei den Briefen 1882:] Familie Joseph Spängler [der Neffe Josef Spängler jun. * 1823; † 1895, ältester Sohn des ältesten Bruders von Franz Spängler sen. * 1793; † 1852] den hübschen Spieleinsatz/ Elise Spängler [Nichte Elisabeth, eine Schwester dazu, * 1829; † 1905] eine violette Kaffeeschale/ Ida Spängler [* 1862; † 1884, Tochter vom Cousin Carl Spängler, Banklinie] das Fluidlamperl/ Maria Spängler [eine Schwester dazu, * 1866, verh. Barchetti] die beiden Porzellanfiguren/ Frl. Rosalie Henf [genannt in einem Brief von Fanni Schlegel an Franz Spängler vom 6. Dezember 1871 und öfter] den 2. Spieleinsatz und eine Schale/ Tante Therese v.Lürzer [Thiz, Schwägerin der Verstorbenen; Stiftsdame] eine Haube und mehrere Kragerln u Chemisetten/ Frl. Josephine v.Lürzer [ebenfalls, verh. Sauter] eine violette Schale/ Tante Emilie #Duregger [* 1833; † 1896, Banklinie] eine silberne Reliquie/ Großmama Duregger [Mutter von Louise Spängler, verh. mit Otto Spängler] weiße Teller mit grünen Rande [genannt im Brief vom 4. April]./ Marie Koch Lichtschirm u ein Gebetbuch./ Das kleine Madonnenbild mit breitem Rahmen habe ich selbst [Louise Spängler, geb. Duregger. Zuerst ihre Schrift, dann die von Otto Spängler] behalten. Den Schlips von gestickter Seide, welchen die Mutter um Weihnachten von Duregger erhielt, haben wir Rosa Schlegel [jüngere Halbschwester von Fanni Spängler] gegeben. Andere Kleinigkeiten, als Portmonnaies, Brieftascherln, Gebetbücher kleinere Bilder etc haben wir den verschiedenen Mägden als Andenken gegeben; Leopoldine Spängler [Frau von Carl Spängler, * 1834; † 1918] gaben wir ein Theeseicherl; u eine Menge der schlechten Wäsche und Kleider haben wir verschenkt. – Emilie Duregger, Partezettel
[Zuordnung unsicher; lag bei den Briefen 1882:] Familie Joseph Spängler [der Neffe Josef Spängler jun. * 1823; † 1895, ältester Sohn des ältesten Bruders von Franz Spängler sen. * 1793; † 1852] den hübschen Spieleinsatz/ Elise Spängler [Nichte Elisabeth, eine Schwester dazu, * 1829; † 1905] eine violette Kaffeeschale/ Ida Spängler [* 1862; † 1884, Tochter vom Cousin Carl Spängler, Banklinie] das Fluidlamperl/ Maria Spängler [eine Schwester dazu, * 1866, verh. Barchetti] die beiden Porzellanfiguren/ Frl. Rosalie Henf [genannt in einem Brief von Fanni Schlegel an Franz Spängler vom 6. Dezember 1871 und öfter] den 2. Spieleinsatz und eine Schale/ Tante Therese v.Lürzer [Thiz, Schwägerin der Verstorbenen; Stiftsdame] eine Haube und mehrere Kragerln u Chemisetten/ Frl. Josephine v.Lürzer [ebenfalls, verh. Sauter] eine violette Schale/ Tante Emilie #Duregger [* 1833; † 1896, Banklinie] eine silberne Reliquie/ Großmama Duregger [Mutter von Louise Spängler, verh. mit Otto Spängler] weiße Teller mit grünen Rande [genannt im Brief vom 4. April]./ Marie Koch Lichtschirm u ein Gebetbuch./ Das kleine Madonnenbild mit breitem Rahmen habe ich selbst [Louise Spängler, geb. Duregger. Zuerst ihre Schrift, dann die von Otto Spängler] behalten. Den Schlips von gestickter Seide, welchen die Mutter um [[Weihnachten]] von Duregger erhielt, haben wir Rosa Schlegel [jüngere Halbschwester von Fanni Spängler] gegeben. Andere Kleinigkeiten, als Portmonnaies, Brieftascherln, Gebetbücher kleinere Bilder etc haben wir den verschiedenen Mägden als Andenken gegeben; Leopoldine Spängler [Frau von Carl Spängler, * 1834; † 1918] gaben wir ein Theeseicherl; u eine Menge der schlechten Wäsche und Kleider haben wir verschenkt. – Emilie Duregger, Partezettel
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==== Brief vom 17. April 1882 von Therese von Lürzer an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
==== Brief vom 17. April 1882 von Therese von Lürzer an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
ein Briefbogen; vgl. den Brief vom 1. Dezember 1881 mit weiteren Hinweisen.<br />
ein Briefbogen; vgl. den Brief vom 1. Dezember 1881 mit weiteren Hinweisen.<br />
''Hall den 17 April 1882[.] Mein Theurer Lieber Franz[.] Schon lange wohlte [!] ich dir lieber Franz schreiben, alein meine rechte Hand hat so gezitert das es mir unmöglich war, so gerne ich dir gedankt hätte für deinen Brief, er enthielt zwar eine sehr schmerzliche Nachricht von den hinscheiden meiner lieben lieben Schwester<ref>[[Antonia Lürzer von Zechenthal]], Toni, * 1803; † 15. März 1882 in Salzburg, Mutter von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]</ref>, auf welche ich mich schon so jnnigst gefreut habe, einige Wochen so recht gemütlich zusamen zu leben, in diesen Fall kann / nur die Religion u die Zeit trösten u der Gedanken daß Sie in Ihrer waren Haimat [!] ist, im Himmel, u Sie nicht mehr zurück möchte. Traurig ist ist'' [zweites "ist" gestrichen] ''es nur für die zurück gebliebenen, ich glaube gerne lieber Franz, das dir unendlich leid ist um die liebe gute Mutter sie war so ganz Liebe u Sorgfalt in jeder Hinsicht. Für mich war es schon auch sehr hart, am 2 ten März den Bruder / Leopold<ref>Leopold Lürzer von Zechental (* 14. Oktober 1805 in Hallein; † 2. März 1882 vielleicht in Lustenau, Vorarlberg, wo er "Kommerzialzollamtsaufseher" war.)</ref>, u am 15 März meine liebe unvergesliche Schwester Toni'' [Verb fehlt], ''es [ist] mir oft so traurig zu muht [!] das ich jetzt so allein da stehe, keine liebende Schwester u keinen Bruder zu haben. Denke lieber Franz am 9 Marz hat die Toni mir noch einen 4 Seiten langen lieben Brief geschrieben u keine silbe noch vom krank sein, u am 15 ist Sie schon gestorben. Wie lieber Franz geht es deiner lieben Frau u Kinderle, seyd Ihr möglichst wohl, wie es eben diese traurigen Umstände erlauben, bei mir ist es auch so,'' [wie; Kleks] ''bei so alten Personen wie ich bin, nehmlich 81 Jahr / da hat immer etwas zu bekämpfen u geht halt schwer, weil man schwach ist, jenun in Gottes Namen alles zu seiner Ehre. Sei so gut u lasse mich wieder ein mal etwas von Euch meine lieben hören, wie es Euch allen geht, meine Hand zitert schon wieder gewaltig. Grüße deine liebe Frau und und Kinderle herzlich von mir[.] Euch allen den Schutz Gottes Empfehlend verbleibe ich Deine dich liebende Tante Theres v Lürzer''
''Hall den 17 April 1882[.] Mein Theurer Lieber Franz[.] Schon lange wohlte [!] ich dir lieber Franz schreiben, alein meine rechte Hand hat so gezitert das es mir unmöglich war, so gerne ich dir gedankt hätte für deinen Brief, er enthielt zwar eine sehr schmerzliche Nachricht von den hinscheiden meiner lieben lieben Schwester<ref>[[Antonia Lürzer von Zechenthal]], Toni, * 1803; † 15. März 1882 in Salzburg, Mutter von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]</ref>, auf welche ich mich schon so jnnigst gefreut habe, einige Wochen so recht gemütlich zusamen zu leben, in diesen Fall kann / nur die Religion u die Zeit trösten u der Gedanken daß Sie in Ihrer waren Haimat [!] ist, im Himmel, u Sie nicht mehr zurück möchte. Traurig ist ist'' [zweites "ist" gestrichen, Anm.] ''es nur für die zurück gebliebenen, ich glaube gerne lieber Franz, das dir unendlich leid ist um die liebe gute Mutter sie war so ganz Liebe u Sorgfalt in jeder Hinsicht. Für mich war es schon auch sehr hart, am 2 ten März den Bruder / Leopold<ref>Leopold Lürzer von Zechental (* 14. Oktober 1805 in Hallein; † 2. März 1882 vielleicht in Lustenau, Vorarlberg, wo er "Kommerzialzollamtsaufseher" war.)</ref>, u am 15 März meine liebe unvergesliche Schwester Toni'' [Verb fehlt, Anm.], ''es [ist, Anm.] mir oft so traurig zu muht [!] das ich jetzt so allein da stehe, keine liebende Schwester u keinen Bruder zu haben. Denke lieber Franz am 9 Marz hat die Toni mir noch einen 4 Seiten langen lieben Brief geschrieben u keine silbe noch vom krank sein, u am 15 ist Sie schon gestorben. Wie lieber Franz geht es deiner lieben Frau u Kinderle, seyd Ihr möglichst wohl, wie es eben diese traurigen Umstände erlauben, bei mir ist es auch so,'' [wie; Kleks, Anm.] ''bei so alten Personen wie ich bin, nehmlich 81 Jahr / da hat immer etwas zu bekämpfen u geht halt schwer, weil man schwach ist, jenun in Gottes Namen alles zu seiner Ehre. Sei so gut u lasse mich wieder ein mal etwas von Euch meine lieben hören, wie es Euch allen geht, meine Hand zitert schon wieder gewaltig. Grüße deine liebe Frau und und Kinderle herzlich von mir[.] Euch allen den Schutz Gottes Empfehlend verbleibe ich Deine dich liebende Tante Theres v Lürzer''
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==== Brief vom 2. August 1882 von Franz II. Xaver Gregor Spängler an Fanni Spängler ====
==== Brief vom 2. August 1882 von Franz II. Xaver Gregor Spängler an Fanni Spängler ====
Franz Spängler [Nr. 18] an Fanni Spängler [Nr. 19]:<br /> ''Pottenstein 2 Aug 1882/ Innigstgeliebte Fanni! Heute endlich finde ich Zeit, dir einen Brief zu schreiben; zunächst berichte ich dir, d[a]ß ich mich wohl befinde, u. freue mich, wieder gute Nachrichten zu erhalten. Auf den nun schon in mehreren Karten versprochenen langen Brief freue ich mich schon, u. ich hoffe, daraus auch näheres über die Reise-Erlebnisse zu erhalten. - Das gestrige Fest ist sehr gut ausgefallen; es hat sich alles recht gut unterhalten. Von Schwechat waren einschließlich der ganzen Familie Bechtel bis 40 Personen hier. Das Concert bei Mayer war sehr besucht, u. ist sehr gelungen. Das Wetter war sehr schön, in Folge dessen auch sehr heiß, so daß bei dem Concerte die ganze Gesellschaft unter Hitze ziemlich zu leiden hatte; es war zudem so voll, dß manche ohne den Eintritt zu versuchen wieder weggingen; wir konnten eben von den Nebenlokalitäten keine haben, da sie sämtlich vermiethet sind. Dr Bechtel und Frau lassen sich dir empfehlen; waren über meine Bitte so freundlich, das Clavier anzusehen u. zu versuchen, u. hat es für ganz gut u. preiswürdig erklärt, nur sei der Ton im Sopran etwas zu schwer gegenüber dem Baße, es [sind] die höchsten Töne ein wenig verstimmt. Dem lezten Mangel wird sich ja nöthigenfalls leicht abhelfen lassen. - Alle Bekannten lassen sich dir empfehlen, insbes. Defant, u. Frau Megel [?], Frl Zemsauer, Thernten [?], Frau Dr Laad, Haidl etc.; ebenso Frau Zinken, bei denen ich Samstags zu kurzem Besuche war; er ist wieder an einem Bronchialkatarrh erkrankt. Sie lud mich dringend ein, sobald ihr Gema[h]l besser sei, einen Abend bei ihnen zu verbringen, was ich auch zusagte. - Auch Herr Pittel und Frau empfehlen sich, sie waren ebenfalls beim Concerte.''
Franz Spängler [Nr. 18] an Fanni Spängler [Nr. 19]:<br /> ''Pottenstein 2 Aug 1882/ Innigstgeliebte Fanni! Heute endlich finde ich Zeit, dir einen Brief zu schreiben; zunächst berichte ich dir, d[a]ß ich mich wohl befinde, u. freue mich, wieder gute Nachrichten zu erhalten. Auf den nun schon in mehreren Karten versprochenen langen Brief freue ich mich schon, u. ich hoffe, daraus auch näheres über die Reise-Erlebnisse zu erhalten. - Das gestrige Fest ist sehr gut ausgefallen; es hat sich alles recht gut unterhalten. Von Schwechat waren einschließlich der ganzen Familie Bechtel bis 40 Personen hier. Das Concert bei Mayer war sehr besucht, u. ist sehr gelungen. Das Wetter war sehr schön, in Folge dessen auch sehr heiß, so daß bei dem Concerte die ganze Gesellschaft unter Hitze ziemlich zu leiden hatte; es war zudem so voll, dß manche ohne den Eintritt zu versuchen wieder weggingen; wir konnten eben von den Nebenlokalitäten keine haben, da sie sämtlich vermiethet sind. Dr Bechtel und Frau lassen sich dir empfehlen; waren über meine Bitte so freundlich, das Clavier anzusehen u. zu versuchen, u. hat es für ganz gut u. preiswürdig erklärt, nur sei der Ton im Sopran etwas zu schwer gegenüber dem Baße, es'' [sind, Anm.] ''die höchsten Töne ein wenig verstimmt. Dem lezten Mangel wird sich ja nöthigenfalls leicht abhelfen lassen. - Alle Bekannten lassen sich dir empfehlen, insbes. Defant, u. Frau Megel [?], Frl Zemsauer, Thernten [?], Frau Dr Laad, Haidl etc.; ebenso Frau Zinken, bei denen ich Samstags zu kurzem Besuche war; er ist wieder an einem Bronchialkatarrh erkrankt. Sie lud mich dringend ein, sobald ihr Gema[h]l besser sei, einen Abend bei ihnen zu verbringen, was ich auch zusagte. - Auch Herr Pittel und Frau empfehlen sich, sie waren ebenfalls beim Concerte.''


'' - Heute Abends werde ich mich [mit] Tomanntys [?] zusammen sein; wo, weiß ich noch nicht; ich hole sie verabredeter Massen um 3/4 8 Abends ab/ Zu Mittag u zum Frühstück gehe ich zum Hirschen. Abends bin ich bald dort, bald da. - Wie geht es den Verwandten, insbes. bei Otto u dessen Familie, dann bei Schlegel. Maria ist wie ich aus deiner mir heute zugekommen[en] Karte erfahre, bereits in Salzburg angekommen. - Hast du in Angelegenheiten der Familie Lanser nichts näheres erfahren? ich erhielt am Tage deiner Abreise eine Karte von ihm. - Ich muß dir noch berichten, dß ich in dem Eilzuge, welcher bald nach Eurer Abreise St Pölten passirte, auch Frau von Biraphi [?] gesehen zu haben glaube dß [da] war der Zug schon im Fahren, u so konnte ich sie nur noch eiligst grüßen, sie bemerkte u erwiderte meinen Gruß. Frage sie doch, wenn du sie siehst, ob sie es wirklich war. - Ist Julius in Salzburg? Grüße mir ihn u seine Familie bestens wenn du Jemand siehst. Das gleiche Angermayer, Carl u Rudolf Spängler. - Nun lebe recht wohl, denke oft meiner, wie auch ich deiner in aufrichtiger Liebe oft gedenke. - Küße die Kinder von mir, u. sage ihnen dß sie ja gewiß brav seien, u. sorge auch dafür, dß sie ihr Morgen- und Abendgebet ordentlich beten. - Mit herzlichsten Grüßen an Euch alen insbes. auch die Großmutter dein treuer Franz - Warst du schon am Grabe der Mutter? Wirst du nicht se[l]ber wieder ein Kranz auf dasselbe geben?''
'' - Heute Abends werde ich mich'' [mit, Anm.] ''Tomanntys [?] zusammen sein; wo, weiß ich noch nicht; ich hole sie verabredeter Massen um 3/4 8 Abends ab/ Zu Mittag u zum Frühstück gehe ich zum Hirschen. Abends bin ich bald dort, bald da. - Wie geht es den Verwandten, insbes. bei Otto u dessen Familie, dann bei Schlegel. Maria ist wie ich aus deiner mir heute zugekommen[en] Karte erfahre, bereits in Salzburg angekommen. - Hast du in Angelegenheiten der Familie Lanser nichts näheres erfahren? ich erhielt am Tage deiner Abreise eine Karte von ihm. - Ich muß dir noch berichten, dß ich in dem Eilzuge, welcher bald nach Eurer Abreise St Pölten passirte, auch Frau von Biraphi [?] gesehen zu haben glaube dß'' [da, Anm.] ''war der Zug schon im Fahren, u so konnte ich sie nur noch eiligst grüßen, sie bemerkte u erwiderte meinen Gruß. Frage sie doch, wenn du sie siehst, ob sie es wirklich war. - Ist Julius in Salzburg? Grüße mir ihn u seine Familie bestens wenn du Jemand siehst. Das gleiche Angermayer, Carl u Rudolf Spängler. - Nun lebe recht wohl, denke oft meiner, wie auch ich deiner in aufrichtiger Liebe oft gedenke. - Küße die Kinder von mir, u. sage ihnen dß sie ja gewiß brav seien, u. sorge auch dafür, dß sie ihr Morgen- und Abendgebet ordentlich beten. - Mit herzlichsten Grüßen an Euch alen insbes. auch die Großmutter dein treuer Franz - Warst du schon am Grabe der Mutter? Wirst du nicht se[l]ber wieder ein Kranz auf dasselbe geben?''


[[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein (und dann ab 1887 am Kreisgericht in Krems) an seine Frau Fanni. Viele Wörter zusammengeschrieben [hier mit Abstand] bzw. abgekürzt, manchmal scheint der letzte Buchstabe im Wort ein Komma zu sein. - "Otto u dessen Familie": Bruder Otto Spängler; "Schlegel": Familie der Frau; "Maria": vielleicht Angermayer (siehe unten); "Angermayer": Maria Josepha Spängler (* 1832; † 1896), verh. mit Vinc. Angermayer (* 1815; † 1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien; "Carl": Carl Spängler (* 1825; † 1902), verh. mit Leopoldine Duregger ("Bank-Linie" in Salzburg; sie wohnen im Haus am Mozartplatz Nr. 4); "Rudolf Spängler" (* 1830; † 1895), verh. Marie Weinwurm, Vizebürgermeister und Vizehandelskammerpräsident  in Salzburg). Carl, Rudolf, Maria und Julius (und weitere) sind Cousins und Cousinen von Franz Spängler. – "Mayer" (?): vgl. Partezettel für Theresia Mayer (* 1806; † 1878). - "Lanser": vgl. Partezettel für Carl von Lanser (* 1805; † 1869 in Salzburg); Brief von Anna Lanser [noch ungelesen; ohne Datum].
[[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein (und dann ab 1887 am Kreisgericht in Krems) an seine Frau Fanni. Viele Wörter zusammengeschrieben [hier mit Abstand] bzw. abgekürzt, manchmal scheint der letzte Buchstabe im Wort ein Komma zu sein. - "Otto u dessen Familie": Bruder Otto Spängler; "Schlegel": Familie der Frau; "Maria": vielleicht Angermayer (siehe unten); "Angermayer": Maria Josepha Spängler (* 1832; † 1896), verh. mit Vinc. Angermayer (* 1815; † 1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien; "Carl": Carl Spängler (* 1825; † 1902), verh. mit Leopoldine Duregger ("Bank-Linie" in Salzburg; sie wohnen im Haus am Mozartplatz Nr. 4); "Rudolf Spängler" (* 1830; † 1895), verh. Marie Weinwurm, Vizebürgermeister und Vizehandelskammerpräsident  in Salzburg). Carl, Rudolf, Maria und Julius (und weitere) sind Cousins und Cousinen von Franz Spängler. – "Mayer" (?): vgl. Partezettel für Theresia Mayer (* 1806; † 1878). - "Lanser": vgl. Partezettel für Carl von Lanser (* 1805; † 1869 in Salzburg); Brief von Anna Lanser [noch ungelesen; ohne Datum].
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==== Brief vom 7. und 8. August 1882 von Franz II. Xaver Gregor Spängler an Fanni Spängler ====
==== Brief vom 7. und 8. August 1882 von Franz II. Xaver Gregor Spängler an Fanni Spängler ====
Franz Spängler an Fanni Spängler:<br />
Franz Spängler an Fanni Spängler:<br />
''Pottenstein 7 Aug 1882 / früh. 6 Uhr / Liebste Fanni! Für deinen ausführlichen Brief nochmals meinen besten Dank! Ich freute mich daraus zu erfahren, dß Ihr dieses Reise-Abenteuer glüklich über standen habt u. dß die Kinder sich bei dieser ganzen Geschichte brav benommen haben. - Von mir kann ich nicht viel berichten. Am Montag Abends war ich mit Tomannty [?]; u. Staats-Amwalt [-anwalt] Hindezs [?] sammt Frau beim Bierbaumer; am Dienstag Nachm in Enzasfeld, u. Abends beim Hirschen, wo der 50ste GeburtsTag Schörbichlers mit einigen Bouteillen Wein gefeiert wurde; gestern (Mittwoch) Abends bei Thernten [?] zu einer Whistpartie. Alle empfehlen sich dir; Anna sagte sie werde dir nächstens schreiben. -''
''Pottenstein 7 Aug 1882 / früh. 6 Uhr / Liebste Fanni! Für deinen ausführlichen Brief nochmals meinen besten Dank! Ich freute mich daraus zu erfahren, dß Ihr dieses Reise-Abenteuer glüklich über standen habt u. dß die Kinder sich bei dieser ganzen Geschichte brav benommen haben. - Von mir kann ich nicht viel berichten. Am Montag Abends war ich mit Tomannty [?]; u. Staats-Amwalt'' [-anwalt, Anm.] ''Hindezs [?] sammt Frau beim Bierbaumer; am Dienstag Nachm in Enzasfeld, u. Abends beim Hirschen, wo der 50ste GeburtsTag Schörbichlers mit einigen Bouteillen Wein gefeiert wurde; gestern (Mittwoch) Abends bei Thernten [?] zu einer Whistpartie. Alle empfehlen sich dir; Anna sagte sie werde dir nächstens schreiben. -''


[gleicher Brief:] ''Pottenstein 8/8 1882/ Gestern Abds [abends] war ich im Gesang-Verein, u. theile auch mit Tomannty [?] u Hindezs [?] zusammen bei Friedrich. Heute gehe ich Abds in den Pfarrhof u morgen (Samstag) bin ich bei Barme Pittel [?] geladen. Du siehst, dß ich meir die Abende so gut als es in meiner Einsamkeit möglich ist, vertreibe. - Was mein Kommen nach Salzburg betrifft, so habe ich dir vor allem zu berichten, dß gestern im Gesang-Verein beschloßen wurde das für August beabsichtigte Concert nicht abzuhalten/ Ich habe daher in dieser Hinsicht gar keine Rücksichten zu nemen, u. werde daher entweder Donnerstag 21. od Freitag den 22. von hier abreisen, wahrscheinlich mit Benutzung des Schnellzuges od noch über Nacht. Das bestimmte werde ich dir schon rechtzeitig mittheilen. Hoffentlich bleibt mir ein ähnl Abenteuer, wie das Eure war, erspart - Heute habe ich das Gesuch wegen Tonis Schuleintritt geschrieben. Was machen die Kinder? Arbeiten Franzi u Toni doch mitunter etwas?, u lernt auch Franz mitunter. Ich habe bisher vergeblich auf einen Brief von ihr gewartet. Treibe sie nur dazu an! Ich werde ihr dann schon antworten - 8/8 1882 Nachm./ Eben erhielt ich deinen lieben Brief mit Franzi’s Zeilen. Ich danke ihr einstweilen; doch sage ihr, dß sie einige Schreibfehler gemacht hat; mein Versprechen ihr direkt zu schreiben, werde ich nächstens erfüllen. - B[e]ide bitte ich von mir bestens zu grüßen. Es freut mich für dich, dß Ihr heuer wieder zusammen getroffen [hier fehlt etwas?]. Wie befindet sich Mama Plachetka? - Ich muß für heute schließen, damit der Brief noch weggeht. Lebe recht wohl u. denke fleißig deines treuen Franz''
[gleicher Brief:] ''Pottenstein 8/8 1882/ Gestern Abds'' [abends, Anm.] ''war ich im Gesang-Verein, u. theile auch mit Tomannty [?] u Hindezs [?] zusammen bei Friedrich. Heute gehe ich Abds in den Pfarrhof u morgen (Samstag) bin ich bei Baron Pittel geladen. Du siehst, dß ich meir die Abende so gut als es in meiner Einsamkeit möglich ist, vertreibe. - Was mein Kommen nach Salzburg betrifft, so habe ich dir vor allem zu berichten, dß gestern im Gesang-Verein beschloßen wurde das für August beabsichtigte Concert nicht abzuhalten/ Ich habe daher in dieser Hinsicht gar keine Rücksichten zu nemen, u. werde daher entweder Donnerstag 21. od Freitag den 22. von hier abreisen, wahrscheinlich mit Benutzung des Schnellzuges od noch über Nacht. Das bestimmte werde ich dir schon rechtzeitig mittheilen. Hoffentlich bleibt mir ein ähnl Abenteuer, wie das Eure war, erspart - Heute habe ich das Gesuch wegen Tonis Schuleintritt geschrieben. Was machen die Kinder? Arbeiten Franzi u Toni doch mitunter etwas?, u lernt auch Franz mitunter. Ich habe bisher vergeblich auf einen Brief von ihr gewartet. Treibe sie nur dazu an! Ich werde ihr dann schon antworten - 8/8 1882 Nachm./ Eben erhielt ich deinen lieben Brief mit Franzi’s Zeilen. Ich danke ihr einstweilen; doch sage ihr, dß sie einige Schreibfehler gemacht hat; mein Versprechen ihr direkt zu schreiben, werde ich nächstens erfüllen. - B[e]ide bitte ich von mir bestens zu grüßen. Es freut mich für dich, dß Ihr heuer wieder zusammen getroffen'' [hier fehlt etwas? Anm.] ''. Wie befindet sich Mama Plachetka? - Ich muß für heute schließen, damit der Brief noch weggeht. Lebe recht wohl u. denke fleißig deines treuen Franz''


"Mama Plachetka": von der Familie Plachetka ist in den Briefen und im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 öfters die Rede; die Schwester der Marie Plachetka, Lida [verh. Guttenberg], ist auch eine gute Freundin von Fanni Schlegel, verh. Spängler.
"Mama Plachetka": von der Familie Plachetka ist in den Briefen und im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 öfters die Rede; die Schwester der Marie Plachetka, Lida [verh. Guttenberg], ist auch eine gute Freundin von Fanni Schlegel, verh. Spängler.
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[beiliegend ein Blatt an die Halbschwester Rosa Schlegel (* 1857), die im Haushalt hilft:]
[beiliegend ein Blatt an die Halbschwester Rosa Schlegel (* 1857), die im Haushalt hilft:]
''Salzburg 14/8 1882. // Liebe Tanten Ho! etc. // Da sind wir also wieder in der "lieben'' [unterstrichen:] ''Salzburger Stadt, die viel Kirchen und Kapellen und so manches Wirtshaus hat." // Denke dir die gute Mutter hat mich selbst angeholt auf der Bahn, ich freute mich über ihr gutes Aussehen. Zum rechten Plauschen hatten wir noch keine Zeit, Minna und Josefine waren gestern auf dem Ball im Kurhaus mit Hnagn [?]. Heute sind sie bei Hofrat Wagner geladen. Dadurch kommen wir heute nicht zusammen. Die Mutter freut sich, daß ich von deinem Befinden / Gutes meldete. Franzi und die Tanten haben gegenseitig großes Gefallen aneinander. // Wie geht es dir den, als Hausfrau? Was macht mein Doscherl? und meine Toni? Wenn ich viel an sie denke, bekomme ich Heimweh. Grüße und Küße die beiden Dirndeln, grüße Anna u Kathi Franzi schickt dir und Alle viele Bußerln. Heute über 14 Tage so Gott will auf frohes Wiedersehn. Während ich in die Stadt fuhr, berichtete ich der guten Mutter, daß ich mich schon so sehr auf Pottenstein freue. XX ich dich tausendmal grüße danke ich dir für all deine Mühe und bleibe deine dicke Schwester Fanni.''  
''Salzburg 14/8 1882. // Liebe Tanten Ho! etc. // Da sind wir also wieder in der "lieben'' [unterstrichen:] ''Salzburger Stadt, die viel Kirchen und Kapellen und so manches Wirtshaus hat." // Denke dir die gute Mutter hat mich selbst angeholt auf der Bahn, ich freute mich über ihr gutes Aussehen. Zum rechten Plauschen hatten wir noch keine Zeit, Minna und Josefine waren gestern auf dem Ball im Kurhaus mit Hnagn [?]. Heute sind sie bei Hofrat Wagner geladen. Dadurch kommen wir heute nicht zusammen. Die Mutter freut sich, daß ich von deinem Befinden / Gutes meldete. Franzi und die Tanten haben gegenseitig großes Gefallen aneinander. // Wie geht es dir den, als Hausfrau? Was macht mein Doscherl? und meine Toni? Wenn ich viel an sie denke, bekomme ich Heimweh. Grüße und Küße die beiden Dirndeln, grüße Anna u Kathi Franzi schickt dir und Alle viele Bußerln. Heute über 14 Tage so Gott will auf frohes Wiedersehn. Während ich in die Stadt fuhr, berichtete ich der guten Mutter, daß ich mich schon so sehr auf Pottenstein freue. XX ich dich tausendmal grüße danke ich dir für all deine Mühe und bleibe deine dicke Schwester Fanni.''  
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==== Brief ohne Datum, Mitte August 1882<ref>Da der Brief im Bündel an dieser Stelle lag und Schrift und Papier sich gleichen, habe ich [O. H.] ihn bei 1882 belassen; siehe dazu auch eine Anmerkung.</ref>, von Franz Spängler an Fanni Spängler. ====
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]], ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; XX = unleserlich:<br />
''Liebste Fanni! // Heute muß ich mich zunächst entschuldigen, dß ich gestern nicht dazu kam, dir eine Karte zu senden, dafür erhälst du heute einen Brief Zunächst nun meinen herzlichsten Dank für deinen mir gestern zugekommenen Brief, sowie für die Briefchen an die Kinder, welche daran große Freude hatten; ich habe sie jedoch ihnen nicht zum Spielen gelassen, sondern aufgehoben, als die ersten an sie gerichteten Zeilen ihrer Mutter. // Tante Rosa'' [Rosa Schlegel, Anm.] ''läßt dir für den Brief u Glü[c]kwunsch ebenfalls danken, u wird dir nächstens schreiben. // Anna ist heute früh für einige Tage nach Wien gereist, u so hatte ich doch Glü[c]k heute von Rosas Brief- / kunst zu partitiren [!], welche jedenfalls die der Anna übertrifft. // Heute ist der Partezettel von dem Ableben des Vaters der Frau Professor Langer eingetroffen<ref>Bertha (Betti) Langer (* 1844; † 1926), verheiratet mit Julius Spängler (* 1837; † 1903), ein Sohn von [[Aloys Spängler]]; vgl. auch den Brief vom 24. bis 28. März 1873. Nähere Angaben zu Bertha Langers Vater habe ich [O. H.] leider nicht; eine genauere Datierung des Briefes ergibt sich daraus also nicht.</ref>; derselbe ist am 17. nach kurzem Leiden im 84. Lebensjahre verschieden. Ich bin wirklich in Verlegenheit, wohin ich eine Condolenzkarte richten soll; am sichersten glaube ich doch nach Lambach, da man dort jedenfalls wißen wird, wo sie sind, falls sie nicht dort sein sollten. Ich bin neugierig darauf, zu erfahren, worin'' [sich] ''die Wunderlichkuchen der Großmutter erneuerlich zeigen; sie müßten jedenfalls ziemlich stark sein, da du nun zum 2 od. 3. Male davon schreibst. Beiliegend erhälst du die Verrechnung für die Großmutter. / Ueber unser Befinden kann ich Gottlob berichten, dß wir gesund sind, insbesondere sind die 2 Kinder sehr wohl, u, im ganzen genommen, sehr brav. //''
''Heute zu der Stunde wo ich diesen Brief schreibe, sind es gerade 8 Tage dß wir mitsammen gegen St Pölter fuhren, u. wieder über 8 Tage wird hoffentlich der Tag schon sehr nahe sein, an welchem ich dich dort wieder abhole. Ich bitte dich übrigens heute schon zur Kenntnis zu ne[h]men, dß ich dich am Dienstag 29. Aug. wegen einer auf diesen Nachmittag anberaumten Comm[ission] nicht abholen könnte. Falls du also am Montag 28<ref>Der 28. August 1882 war ein Montag; das sichert die Datierung zusammen mit dem folgenden Hinweis auf Maria Spängler ab.</ref>, den du bisher für deine Rü[c]kkunft präliminirt hattest, nicht XXen solltest, so bitte ich dich die Reise auf Mittwoch, 30/8 od Donnerstag 31/8 zu verschieben. // Ich freue mich schon sehr, dich bald / wieder hier zu haben, u. glaube nach Deinen Briefen auch anne[h]men zu dürfen, dß du Dich auch ein wenig darauf freust, wieder bei mir zu sein. // Ich lasse die Großmutter u Franzi sowie die Familie Schlegel, sowie Otto Louise, nebst Familie Herzlichst grüßen; der Tante Mina<ref>Wilhelmine Schlegel (* 1861; † 1918)</ref> unsere Glü[c]kwünsche zur Anstellung, besonders an einem so nahe bei Salzburg gelegenen Ort. // Auch bei Otto u Louise bitte ich, meinen Glü[c]kwunsch zum anzuhoffenden Familien Zuwachs zu entrichten<ref>Maria Spängler (* 11. Jänner 1883)</ref>. Da werden wir wohl etwas bescheiden zurü[c]kbleiben! // Nun lebe recht wohl, u. sei herzlichst gegrüßt u. geküßt von Deinem // Dich aufrichtig liebenden Franz''
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==== Briefe "1882" [und andere, bes. 1872 und 1878] ====
==== Brief ohne Datum, August 1882<ref>Da der Brief im Bündel an dieser Stelle lag und Schrift und Papier sich gleichen, habe ich [O. H.] ihn bei 1882 belassen. Auch inhaltlich spricht m. E. nichts dagegen. Vgl. die Anmerkung zum vorigen Brief und den datierten folgenden Brief. Leider gibt es bei der flüchtigen Schrift viele für mich [O. H.] unleserliche Stellen. Insgesamt bin ich mit meiner Übertragung wenig zufrieden, auch wo ich das nicht markiert habe.</ref>, von Franz Spängler an Fanni Spängler. ====
[nicht endgültig gelesen, deshalb rot verschnürt; Briefe nur flüchtig gesichtet im März 2011] Briefe von Nr. 18 Franz Spängler an Nr. 19 Fanni Spängler: "Meine liebe Fanny... Dein treuer Mann Franz" und ähnlich aus Wien 7. 1. 1872. – aus Mödling 15. 1. 1872. – aus Wien 29. 7. 1872. – aus Wien 15. 7. ohne Jahr. – aus Pottenstein 15. 8. 1884. – vier Briefe ohne Datum. – Briefe von Nr. 19 Fanni Spängler an Nr. 18 Franz Spängler: "Mein Herzensfranzl / liebster Mann... behalt lieb deine Gattin / deine treue Alte" und ähnlich aus Salzburg [ebenfalls alle folgende Briefe] 17. 7. 1878. – 20. 7. 1878. – 27. 7. 1878. – 30. 7. 1878. – 14. 8. 1882 und gleiches Datum beigelegt an "Tante Ho". – 18. 8. 1882. – 21. 8. 1882. – 26. 8. 1882.
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]], ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; XX = unleserlich:<br />
''Liebste Fanni! // Du hast dich bisher mit Correspondenzkarten von mir begnügen müßen, Da ich nicht die Zeit fand, Dir einen Brief zu schreiben; heute will ich es ja doch nicht unterlassen, Dir einen Brief zu schreiben. // Ich bin sehr erfreut zu hören, dß es Dir u den Kindern gut geht. Wir sind auch wohl, u. es sind auch die beiden Kinder im Ganzen recht brav. Toni liefert mir immer, eine ungeschi[c]kte Stü[c]ke, od doch komische Äußerungen. // Die kleine Rosa zeigt wohl, wenn man sie fragt, wo die Mama ist, dß sie nicht da sei; darauf beschränkt sich aber auf Ihre Erinnerung; dank der Aufmerksamkeit u Sorgfalt / der Tante Rosa macht Deine Anwesenheit aber fast gar keinen Eindruck auf die Kinder. Daß Du aber mir schon abgehst, u. ich mich auf deine [c]kkunft freue, brauche ich Dich wohl nicht erst zu versichern. // Neues kann ich von hier nichts berichten, kürzlich hatte ich eine längere Unterredung mit dem Notar über verschiedene private Verhältniße, u. deren Rü[c]kwirkung auf seine ämtliche Thätigkeit; er ist wirklich zu bedauern, XX als er selbst auch schon nahe daran ist, das geistige Gleichgewicht zu verlieren und Misanthrop zu werden. Näheres hierüber mündlich. // Von der Liedertafel XX zu der auch Rosa und Eduard, (le[t]ztere beide mitsammen, da ich schon früher hingegangen war) kann ich Dir nur berichten, / dß XX das unsichere Wetter u. mehrfach sich wiederholenden XX, der Besuch ein sehr guter war; die Familien Pittne Zinken D Bechtel, Carnides, dann viele Sommerparthien waren da; ich habe bei dieser Gelegenheit auch die Familie Carnides kennen gelernt. Die genannten Familien laßen sich Dir empfehlen, ebenso Frau von Land welche gestern Ab[en]ds hieher zurückkam. //''
 
''Eduard blieb gestern noch bis zum ¾ 4 Uhr-Zuge hier; er war wie du vielleicht ohnehin erfahren, vor kurzem 14 Tage in Salzburg. Roserl hat sich ihm sehr attachirt; Toni war anfangs etwas scheu. Gestern Abends war ich mit Rosa u. Toni spazieren bis zum Bahnhofe, wo wir eben Frau v Land ankommend trafen. In der Wirtschaft geht alles seinen gewöhnlichen Gang, Rosa<ref>Rosa Schlegel (* 1857), die jüngere Schwester von Fanni, ist als Hausgehilfin seit 1881 (oder früher) bei der Familie Spängler in Pottenstein.</ref> klagt noch immer, dß viel Geld ausgehe. Rosa läßt dich bestens grüßen, Toni schi[c]kt dir viele Bußerln. Von mir bitte ich die Großmutter, Familie Schlegel, Brude[r] Otto u. dessen Familie / herzlichst zu grüßen. // Gerade je[t]zt, wo ich dich in Salzburg weiß, u. du in das Haus kommst, wo die gute Mutter wohnte, ist es wieder besonders schmerzlich dß sie nicht mehr unter den Lebenden ist<ref>Antonia Spängler, geborene Lürzer von Zehendthal, starb am 15. März 1882.</ref>; wie würde sie sich freuen wenigstens Euch oben zu haben, u. mit Euch XX zu können. Den Kranz wirst du ja besorgt haben. // Nun lebe recht wohl liebste Fanni! Schreibe gewiß bald wieder u sei herzlichst gegrüßt u geküßt von Deinem // treuen Franz''
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==== Brief vom 19. August 1882 von Franz II. Xaver Gregor Spängler an Fanni Spängler ====
==== Brief vom 19. August 1882 von Franz II. Xaver Gregor Spängler an Fanni Spängler ====
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''Durch das Ausbleiben einer Nachricht von Euch ist meine Stimmung sehr gedrü[c]kt. // Es ist gut, daß heute Tante Pepi so lieb war, mich einzuladen, vielleicht vergeße ich bei ihr meine Sorge. // Sonst geht es uns gut gestern haben wir die Fahrt nach Hellbrunn dem Wetter abgetro[t]zt. Franzi hat zweimal das Spritzwerk gesehen, das war der Hauptzweck der Fahrt Mit der Bitte, mir bald und'' [unterstrichen:] ''wahrheitsgetreu zu schreiben wie es Euch Allen geht, schließe ich. Es zählt die Tage bis wir uns wiedersehn // Deine Alte. // An Rosa und die Kinder 1000 Gru[ü]ße''
''Durch das Ausbleiben einer Nachricht von Euch ist meine Stimmung sehr gedrü[c]kt. // Es ist gut, daß heute Tante Pepi so lieb war, mich einzuladen, vielleicht vergeße ich bei ihr meine Sorge. // Sonst geht es uns gut gestern haben wir die Fahrt nach Hellbrunn dem Wetter abgetro[t]zt. Franzi hat zweimal das Spritzwerk gesehen, das war der Hauptzweck der Fahrt Mit der Bitte, mir bald und'' [unterstrichen:] ''wahrheitsgetreu zu schreiben wie es Euch Allen geht, schließe ich. Es zählt die Tage bis wir uns wiedersehn // Deine Alte. // An Rosa und die Kinder 1000 Gru[ü]ße''
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==== Brief vom 26. August 1882 von Franz Spängler an Fanni Spängler. ====
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Franziska Spängler]], ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; XX = unleserlich:<br />
''Liebste Fanni! // Ich habe soeben deine Correspondenzkarte erhalten u beeile mich Dir im nachstehenden noch kurz zu antworten? Wird es der lezte Brief sein, den ich Dir dießmal nach Salzburg sende, oder nicht? // Deine Karte von vorgestern habe ich erst heute früh erhalten. // Was deine Hieherkunft betrifft, so bitte ich dich dß du mir, '' [Satzteil unterstrichen:] ''wenn du am Montag abreisest, u ich Dich daher Nachm in St Pölten abholen soll, am'' [unterstrichen:] ''Montag früh telegrafirst, od telegrafiren lassest, weil ich ja um ½ 2 Uhr von hier'' [Krems, Anm.] ''wegfahren muß, u der Brief od Karte erst um 1-2 Uhr oder auch erst Abends in meine Hände kame. Ich rechne sicher auf tele- / grafische Nachricht, u. werde'' [vier Wörter unterstrichen:] ''ohne eine solche nicht nach St Pölten fahren. // Ottos<ref>der Bruder [[Otto Spängler]]</ref> Brief habe ich heute erhalten, u. daraus den Aufschluß, auf Den du<ref>Großes D (Abschlussbogen nach oben, manchmal ohne Anschluss an den folgenden Buchstaben) und kleines d (Schleife und Anschluss an den folgenden Buchstaben) sind unterschiedlich geschrieben, aber selten konsequent.</ref> mich in Deiner Karte verweisest, nicht erhalten; versehentlich hat deine Bettel-Virtuosität wieder irgendeinen Erfolg erzielt! Auch recht, u. in voraus schönen Dank dafür. // Hast du auch ein Paar Thaler aus dem Scha[t]zgelde der Großmutter<ref>[[Franziska Kobler]]</ref> für mich herausgeangelt? Du wirst Otto voraussichtlich noch sehen: sage ihm, dß ich im September einen eigentlich[en] Urlaub nicht ne[h]men kann, erstens weil ich für September wieder Grundbuchs, Antagungs cXX in Furth ausgeschrieben habe, / u. 2) weil ich vor etwa 14 Tagen mit der Funktion eines ConXX- commissärs betraut wurde, u. in diesem CondXX die Anmeldungsfrist am 20 Sept 1882 zu Ende geht, u. die Liquidirungstagsa[t]zung am 5. Oktober ist. Erst nach diesem Tage wäre es allenfalls XXlich einen Urlaub zu ne[h]men. Damit wäre nicht ausgeschloßen, daß ich mich noch im September auf einen oder 2 Tage einmal frei machen könnte, u. dß wenn Otto nach Wien od hieher käme, wir von da aus den einen oder andern Ausflug machen könnten. am leichtesten in dem ersten Drittel des September. // Nun lebe recht wohl, hoffentlich auf recht baldiges fröhliches Wiedersehen // Fanni u Toni<ref>die Töchter</ref> grüßen dich, Toni freut sich auf das, was du ihr bringen wirst; wohl / auch auf Dich; weniger auf Franzi, weil diese sie mitunter haut! // Wir sind alle wohl! // Grüße die Großmutter, die Familie Schlegel, sowie Otto u seine Familie. // Dein treuer Franz, Pottenstein 26/8 1882''
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==== Brief vom 2. und 2. September 1882 von Otto Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
==== Brief vom 2. und 3. September 1882 von Otto Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler ====
2. und 3. September 1882 [[Otto Spängler]], Salzburg, an Franz Spängler:<br />
2. und 3. September 1882 [[Otto Spängler]], Salzburg, an Franz Spängler:<br />
''Lieber Franz! Endlich komme ich dazu, dir wieder zu schreiben. Wie du aus meiner lezten Karte entnommen haben wirst, in welcher ich dir dankend den Empfang Eurer lieben Briefe bestätigte, war ich mittlerweile mit Louise auf 24 Stunden in München. Ich hatte in Handelskammerangelegenheiten dort zu thun; wir haben nämlich den Verkauf des ganzen gewerkschaftlichen besizes angebahnt; ob es gelingt, weiß ich allerdings noch nicht. Ferner gebe ich dir nachfolgend wieder Verrechnung: Einnahmen ...Coupons 36 [Gulden] Ausgaben Franz zu Reise geliehen 25 fl ...36 [Gulden] – Was nun die Abrechnung aus dem Nachlasse der Mutter betrifft, so habe ich mit Ausnahme des Dr Faistauer, von welchem ich troz dreimaliger Mahnung noch immer keine Rechnung erhielt, alles bezalt; Von der Einrichtung habe ich noch immer keinen Erlös erhalten; ich bringe es auch nicht über mich, ihr darum anzugehen; mir war das ganze Räumen u Weggeben der Sachen so gräßlich, dß ich den Muth nicht mehr hatte, in die leere Wohnung zu gehen. – Das runde Arbeitstischchen, an dem die gute Mutter so viele Stunden ihres Lebens saß, habe ich politiren u zusammenrichten lassen; es steht neben meinem Schreibtische; u. in der hölzernen Kassette, welche auf dem Kasten im ersten Zimmer stand, habe ich den ganzen Schaz der Andenken an unsere liebe unvergeßliche Mutter zusammengegeben; ihre Bilder, ihre Briefe, Haare u.s.f. Von XXXken habe ich noch nachzutragen, dß ich Frl. Amalia Tockr [?] auch eine der hübschen Schalen gab. – Bezüglich ds Xxbestättigen Vermögensbekenntnißes möchte ich dich nun fragen, ob es nicht gleich wäre, wenn wir an Barschaft u. Salzburger Sparkassebüchl im Aktivum so viel wegließen, als Doktor, Grabstein, Mietzins etc. im Passivum ausmachen würden? Bitte mir hierüber zu schreiben; mir käme es schöner u. nobler vor und dem Acrar gegenüber bliebe es sich gleich. Von all den meinen an die deinen herzlichste Grüße! Mit stets gleicher treuer Bruderliebe dein Otto. – Übermorgen muß ich einige Tage ins Gebirge. XXX.''
''Lieber Franz! Endlich komme ich dazu, dir wieder zu schreiben. Wie du aus meiner lezten Karte entnommen haben wirst, in welcher ich dir dankend den Empfang Eurer lieben Briefe bestätigte, war ich mittlerweile mit Louise auf 24 Stunden in München. Ich hatte in Handelskammerangelegenheiten dort zu thun; wir haben nämlich den Verkauf des ganzen gewerkschaftlichen besizes angebahnt; ob es gelingt, weiß ich allerdings noch nicht. Ferner gebe ich dir nachfolgend wieder Verrechnung: Einnahmen ...Coupons 36'' [Gulden, Anm.] ''Ausgaben Franz zu Reise geliehen 25 fl ...36'' [Gulden, Anm.] ''– Was nun die Abrechnung aus dem Nachlasse der Mutter betrifft, so habe ich mit Ausnahme des Dr Faistauer, von welchem ich troz dreimaliger Mahnung noch immer keine Rechnung erhielt, alles bezalt; Von der Einrichtung habe ich noch immer keinen Erlös erhalten; ich bringe es auch nicht über mich, ihr darum anzugehen; mir war das ganze Räumen u Weggeben der Sachen so gräßlich, dß ich den Muth nicht mehr hatte, in die leere Wohnung zu gehen. – Das runde Arbeitstischchen, an dem die gute Mutter so viele Stunden ihres Lebens saß, habe ich politiren u zusammenrichten lassen; es steht neben meinem Schreibtische; u. in der hölzernen Kassette, welche auf dem Kasten im ersten Zimmer stand, habe ich den ganzen Schaz der Andenken an unsere liebe unvergeßliche Mutter zusammengegeben; ihre Bilder, ihre Briefe, Haare u.s.f. Von XXXken habe ich noch nachzutragen, dß ich Frl. Amalia Tockr [?] auch eine der hübschen Schalen gab. – Bezüglich ds Xxbestättigen Vermögensbekenntnißes möchte ich dich nun fragen, ob es nicht gleich wäre, wenn wir an Barschaft u. Salzburger Sparkassebüchl im Aktivum so viel wegließen, als Doktor, Grabstein, Mietzins etc. im Passivum ausmachen würden? Bitte mir hierüber zu schreiben; mir käme es schöner u. nobler vor und dem Acrar gegenüber bliebe es sich gleich. Von all den meinen an die deinen herzlichste Grüße! Mit stets gleicher treuer Bruderliebe dein Otto. – Übermorgen muß ich einige Tage ins Gebirge. XXX.''
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==== Brief vom 29. Dezember 1882 von Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
==== Brief vom 29. Dezember 1882 von Fanny Kobler an Fanni Spängler ====
[Nr. 79] [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] an [Nr. 19] Fanni Spängler:<br />
[Nr. 79] [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] an [Nr. 19] Fanni Spängler:<br />
''Salzburg am 29te Dez. 1882./ Liebe Fanni! Das ihr Gott sey Dank, euch alle Wohl befindet hat mir mir viele Freude gemacht. Ich danke dir für die guten und vielen Süßigkeiten die du mir güsch'' [geschickt?] ''hast. Ich an deiner Stelle hätte weniger so feine und gebrächliche Sachen gemacht. Es gehört viel Geduld dazu; und den Christbaum damit zu schmücken ebenfalls. Mein Befinden ist Gott sey dank, so ziemlich gut. Ich danke euch für die guten Wünsche zum Neuenjahr. Möge Gott meine inigsten Wünsche erhören und auch Gesundheit und Zufriedenheit schücken, auch im kommenden Jahr schücken. An Christabenten warn meine Gedanken immer bey euch; die Kinder werden nicht genug ausdrücken wie schön alles ist. - Grüße deinen Mann und deine Kinder recht herzlich von mir. Bey mir war der Christabend sehr still und langweilig. Lebe wohl liebe Fanni zum Neuenjahr alles gut wünscht deine Großmutter Fanni.''
''Salzburg am 29te Dez. 1882./ Liebe Fanni! Das ihr Gott sey Dank, euch alle Wohl befindet hat mir mir viele Freude gemacht. Ich danke dir für die guten und vielen Süßigkeiten die du mir güsch'' [geschickt? Anm.] ''hast. Ich an deiner Stelle hätte weniger so feine und gebrächliche Sachen gemacht. Es gehört viel Geduld dazu; und den Christbaum damit zu schmücken ebenfalls. Mein Befinden ist Gott sey dank, so ziemlich gut. Ich danke euch für die guten Wünsche zum Neuenjahr. Möge Gott meine inigsten Wünsche erhören und auch Gesundheit und Zufriedenheit schücken, auch im kommenden Jahr schücken. An Christabenten warn meine Gedanken immer bey euch; die Kinder werden nicht genug ausdrücken wie schön alles ist. - Grüße deinen Mann und deine Kinder recht herzlich von mir. Bey mir war der Christabend sehr still und langweilig. Lebe wohl liebe Fanni zum Neuenjahr alles gut wünscht deine Großmutter Fanni.''
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