Kobler-Spängler-Briefe von 1900 bis 1938: Unterschied zwischen den Versionen
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Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | ||
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [ | Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, [[Otto Holzapfel]], zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref> | ||
== 1900 == | == 1900 == | ||
==== Brief vom 30. Dezember 1900 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ==== Brief vom 30. Dezember 1900 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ||
an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 30. Dezember 1900, Döbling [Wien]: erinnert an das Fest und bittet Franzi daran teilzunehmen, und wer von "Ihren Schwestern" an diesem Frühlingsvergnügen teilnehmen wird; beschreibt das "Costum" [für das Frühlingsfest] genau und legt farbige Skizze dazu bei [in diesem Kleid hat er dann Franzi mit Aquarell gemalt, datiert 1903; hängt bei | an [Nr. 9 a] [[Franziska "Franzi" Spängler]] (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964)<ref>Vgl. "Oswald Grill" in Wien Geschichte Wiki [https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Oswald_Grill geschichtewiki.wien.gv.at], oder [https://atterwiki.at/index.php/Oswald_Grill atterwiki.at].</ref>: 30. Dezember 1900, Döbling [Wien]: erinnert an das Fest und bittet Franzi daran teilzunehmen, und wer von "Ihren Schwestern" an diesem Frühlingsvergnügen teilnehmen wird; beschreibt das "Costum" [für das Frühlingsfest] genau und legt farbige Skizze dazu bei [in diesem Kleid hat er dann Franzi mit Aquarell gemalt, datiert 1903; hängt bei [[Otto Holzapfel]], den Stoff dazu will er bei Herzmansky besorgen, bei dem sie "den Stoff für alle unsere Gruppen" beziehen; auch Familie Kaserer nimmt teil. | ||
== 1901 == | == 1901 == | ||
==== Brief vom 19. Januar 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ==== Brief vom 19. Januar 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ||
an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 19. Januar 1901: Frühlingsfest; "das Costüme ist sehr leicht selbst zu machen", Preis höchstens 9 Gulden, Schnitt und Stoff bekommt sie - 25. 1. 1901: erinnert an das Fest - 30. 1. 1901: Er freut sich, dass sie zum Fest kommen will; beschreibt eingehend Teile des Costums, den Haarkranz aus Sumpfdotterblumen usw.; Schnittmuster liegt bei [nicht vorhanden]; sie soll mit im "Reigen" teilnehmen, also auch dringend mit zur letzten Probe (vor der Generalprobe) nach Wien kommen - 8. 2. 1901: Er fragt, ob das Costum bereits fertig ist - 19. 2. 1901: Er berichtet vom jährlichen Künstlerfest mit verschiedenen Gruppen, "Frühlingsgruppe war 28 Mädchen stark", "die besten Costume, die auf diesem Feste zu sehen waren"... "wäre es ganz nett gewesen, wenn sie auch gekommen wären"; lädt sie ein zu einem "Concert" in die Pokornygasse 6. | an [Nr. 9 a] [[Franziska "Franzi" Spängler]] (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 19. Januar 1901: Frühlingsfest; "das Costüme ist sehr leicht selbst zu machen", Preis höchstens 9 Gulden, Schnitt und Stoff bekommt sie - 25. 1. 1901: erinnert an das Fest - 30. 1. 1901: Er freut sich, dass sie zum Fest kommen will; beschreibt eingehend Teile des Costums, den Haarkranz aus Sumpfdotterblumen usw.; Schnittmuster liegt bei [nicht vorhanden]; sie soll mit im "Reigen" teilnehmen, also auch dringend mit zur letzten Probe (vor der Generalprobe) nach Wien kommen - 8. 2. 1901: Er fragt, ob das Costum bereits fertig ist - 19. 2. 1901: Er berichtet vom jährlichen Künstlerfest mit verschiedenen Gruppen, "Frühlingsgruppe war 28 Mädchen stark", "die besten Costume, die auf diesem Feste zu sehen waren"... "wäre es ganz nett gewesen, wenn sie auch gekommen wären"; lädt sie ein zu einem "Concert" in die Pokornygasse 6. | ||
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==== Brief vom Mai bis Juli 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ==== Brief vom Mai bis Juli 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ||
an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962): Briefe von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 6. Mai 1901: Kirschblütenfest in Wien (Rotunde, drei Tage lang); Schulausstellung wird im Museum eröffnet, "in der ich auch einige Sachen habe"; 5. 6. 1901: war in der Ausstellung; lädt sie ein, Vater Spängler bekommt eine Einladung von der "Antropologischen Gesellschaft aus Wien", die nach Krems kommt und eine "Parthie" nach Göttweig macht. Kommen Sie mit? "Mein Onkel [Dr. Hein] ist nämlich Veranstalter dieses Ausflugs..." - 20.[6.] 1901: hofft auf Besuch in Wien; "Wie ist Ihnen denn die Göttweiger Parthie bekommen?" "Mir persönlich ist Krems eines der sympathischesten Fleckchen Erde, die ich kenne." - 26. 6. 1901: planen Besuch in Spitz (Wachau) - 4. 7. 1901: Loblied auf den Stiefelknecht "Ein Lobenslied, das will ich jetzt erheben..." 5 Str.; fährt mit Edi Kaserer, beide mit dem Rad, nach Straß; baden in der Kamp; will über Salzburg nach München fahren und möchte die Adresse von "Frl. Rosl"; von Franzi erbittet er deren Adresse in Pressburg | an [Nr. 9 a] [[Franziska "Franzi" Spängler]] (* 1877; † 1962): Briefe von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 6. Mai 1901: Kirschblütenfest in Wien (Rotunde, drei Tage lang); Schulausstellung wird im Museum eröffnet, "in der ich auch einige Sachen habe"; 5. 6. 1901: war in der Ausstellung; lädt sie ein, Vater Spängler bekommt eine Einladung von der "Antropologischen Gesellschaft aus Wien", die nach Krems kommt und eine "Parthie" nach Göttweig macht. Kommen Sie mit? "Mein Onkel [Dr. Hein] ist nämlich Veranstalter dieses Ausflugs..." - 20.[6.] 1901: hofft auf Besuch in Wien; "Wie ist Ihnen denn die Göttweiger Parthie bekommen?" "Mir persönlich ist Krems eines der sympathischesten Fleckchen Erde, die ich kenne." - 26. 6. 1901: planen Besuch in Spitz (Wachau) - 4. 7. 1901: Loblied auf den Stiefelknecht "Ein Lobenslied, das will ich jetzt erheben..." 5 Str.; fährt mit Edi Kaserer, beide mit dem Rad, nach Straß; baden in der Kamp; will über Salzburg nach München fahren und möchte die Adresse von "Frl. Rosl"; von Franzi erbittet er deren Adresse in Pressburg | ||
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==== Briefe vom 27. und 29. August 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ==== Briefe vom 27. und 29. August 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ||
an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962): Briefe von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 27. August 19[01]: Franzi also aus Pressburg zurück; er lädt sie ein, Mama wird sich freuen; er hat die Schwester Rosl [seine spätere Ehfrau] in Salzburg besucht; er plant Besuch in Straß bei Familie Kaserer. "Handküsse und Empfehlungen an Ihre werten Eltern!" - 29. 8. 1901: verabredet sich mit Franzi, die in Heiligenstadt ist; Oswald Grills Mama freut sich auch auf ihren Besuch | an [Nr. 9 a] [[Franziska "Franzi" Spängler]] (* 1877; † 1962): Briefe von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 27. August 19[01]: Franzi also aus Pressburg zurück; er lädt sie ein, Mama wird sich freuen; er hat die Schwester Rosl [seine spätere Ehfrau] in Salzburg besucht; er plant Besuch in Straß bei Familie Kaserer. "Handküsse und Empfehlungen an Ihre werten Eltern!" - 29. 8. 1901: verabredet sich mit Franzi, die in Heiligenstadt ist; Oswald Grills Mama freut sich auch auf ihren Besuch | ||
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==== Brief vom 8. Oktober 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ==== Brief vom 8. Oktober 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ||
an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 8. Oktober 1901: Er plant die Abreise nach München; er hat einen Fächer von Franzi, auf den er etwas zeichnen will; in Straß [Kaserer] was es sehr gemütlich und nett, "Hanna [die er unterrichtet] und ich haben sehr viel gemalt"... "Handküsse und Grüße! Oswald Grill". - München 26. 10. 1901: dankt für das "Schriftstück", Brief mit Reisebericht; "Jeder Ort hat seine Reize... [doch] Kein Ort möchte mich befriedrigen, kein Fleckchen Erde mich dauern fesseln... [dass] das wahre Glück nur in der ruhigen Häuslichkeit zu suchen ist. Und da ists gleich an welchem Orte. Die Natur ist überall gleich schön. Wer sie zu verstehen weiß, der hört ihre Sprache, in der Ebene, wie im Hochgebirge... was ich mir eben denke, so möchten Sie mich für trübsinnig halten. So etwas lässt sich auch besser auf einem Spaziergang nach Dürnstein oder am Heiligenstädter Bahnhof besprechen, vorausgesetzt daß der Zug mit dem man fahren will die nöthige Verspätung hat, oder man sich über die Kleinigkeit hinwegsetzt wenn er einem davonfährt." Erzählt von München, vom Museum ("die Schule wo ich bisher war"); arbeitet in der Akademie; sucht Wohnung, nach 24 Zimmern gefällt ihm eines "so halbwegs"; geht in der Stadt spazieren; der Stil der Gebäude "ist ein ausgeprägterer und schönerer als in Wien", rote Dächer, gelbe Bäume "geben jetzt eine wunderbare Farbharmonie"; erzählt von der reinen Harmonie bei Friedrik van Eden und seinem empfehlenswerten Buch." Dieses Buch ist mir förmlich ein Mittel zur Menschenbeurtheilung geworden... solche die sich hineinleben können, und solche die das Märchen gar nicht verstehen." | an [Nr. 9 a] [[Franziska "Franzi" Spängler]] (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 8. Oktober 1901: Er plant die Abreise nach München; er hat einen Fächer von Franzi, auf den er etwas zeichnen will; in Straß [Kaserer] was es sehr gemütlich und nett, "Hanna [die er unterrichtet] und ich haben sehr viel gemalt"... "Handküsse und Grüße! Oswald Grill". - München 26. 10. 1901: dankt für das "Schriftstück", Brief mit Reisebericht; "Jeder Ort hat seine Reize... [doch] Kein Ort möchte mich befriedrigen, kein Fleckchen Erde mich dauern fesseln... [dass] das wahre Glück nur in der ruhigen Häuslichkeit zu suchen ist. Und da ists gleich an welchem Orte. Die Natur ist überall gleich schön. Wer sie zu verstehen weiß, der hört ihre Sprache, in der Ebene, wie im Hochgebirge... was ich mir eben denke, so möchten Sie mich für trübsinnig halten. So etwas lässt sich auch besser auf einem Spaziergang nach Dürnstein oder am Heiligenstädter Bahnhof besprechen, vorausgesetzt daß der Zug mit dem man fahren will die nöthige Verspätung hat, oder man sich über die Kleinigkeit hinwegsetzt wenn er einem davonfährt." Erzählt von München, vom Museum ("die Schule wo ich bisher war"); arbeitet in der Akademie; sucht Wohnung, nach 24 Zimmern gefällt ihm eines "so halbwegs"; geht in der Stadt spazieren; der Stil der Gebäude "ist ein ausgeprägterer und schönerer als in Wien", rote Dächer, gelbe Bäume "geben jetzt eine wunderbare Farbharmonie"; erzählt von der reinen Harmonie bei Friedrik van Eden und seinem empfehlenswerten Buch." Dieses Buch ist mir förmlich ein Mittel zur Menschenbeurtheilung geworden... solche die sich hineinleben können, und solche die das Märchen gar nicht verstehen." | ||
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==== Brief vom 20. Dezember 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | |||
[[Datei:Oswald Grill 1901.JPG|thumb|Brief von Oswald Grill 1901, links Brief vom 20. Dezember 1901, Seite 1, rechts Brief vom 30. Dezember 1901, Seite 4.]] | |||
Brief von Oswald Grill an [[Franziska "Franzi" Spängler|Franzi]], die älteste Tochter von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], geboren 1877; ein kleiner Bogen; Briefumschlag "Fräulein // Franzi Spängler // Krems a. d. Donau // Alleestrasse 7. // (Nied Österreich)"; Briefmarke rote 10 Kreuzer Bayern, gestempelt "München 21 DEZ [verwischt]"; Stempel auf der Rückseite "Krems a/d Donau bestellt 23.12.01"; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''München, 20 / XII 1901. // Liebes Fräulein Franzi! // Kann nicht umhin, Ihnen vor meiner Abreise nach Wien, die in 12 Stunden erfolgt, noch in der Eile eine paar Zeilen zu schreiben. Freilich sollte ich das eigentlich nicht thun, denn es vergrößert ja Ihre Schuld, und das ist Ihnen gewiß nur unangenehm. Aber, - was kann der Mensch für das was er thut, und wird die Schuld zu groß, dann müssen Sie sich halt pfänden lassen! Ich wollte allerdings Sie vorläufig mit meinem Geschwätz verschonen, bis Sie die nöthige Lust und Zeit / gefunden haben, mir wieder ein paar Zeilen zukommen zu lassen; schon aus dem Grunde natürlich, um Ihre ohnehin nicht vorhandene Zeit nicht noch durch das Lesen des Briefes in Anspruch zu nehmen; doch ich fahre eben auf 14 Tage – 3 Wochen nach Wien, und da wäre es mir sehr leid, wenn Sie gar vielleicht in dieser Zeit einmal auch hinunter kämen, und mich aus Unkenntnis der obigen Thatsache nicht bräuchten. Jedenfalls erwarte ich in Wien eine diesbezügliche Nachricht von Ihnen. Meine Adresse ist, falls Sie dieselbe vergessen hätten XIX. Pokornyg. 6. Sollte ich in Wien einmal Zeit / haben, was ich noch nicht weiß, denn ich werde sehr viel zu thun haben, so komme ich auf einen Tag oder Nachmittag nach Krems. Daß es mir lieb wäre, wenn ich Sie in diesem Falle zuhause wüßte, werden Sie vielleicht begreifen. // '' | |||
''Um auf Ihre Fragen zu antworten: Mit der Malerei geht es wie immer; schlecht oder gut, wie Sie es nennen wollen. Meiner Empfindung nach dürfte ich bis jetzt ziemlich viel in München gelernt haben. Über Weihnachten haben wir eine Concurrenzarbeit zu machen, die ich vielleicht in Wien machen werde. Daraus können Sie schon meine Zeit bemessen. Was meine Stimmung betrifft, so kann ich nur sagen, daß sie sich wenig verändert immer um O'' [durchstrichen: "null"] ''herumbewegt. Ich möchte mich gerne gegen alles abstumpfe[n], und kann es nicht. Das ist der Grundzug meiner Stimmung. Von zuhause hatte ich die letzte Zeit keine günstigen Nachrichten. Meine Mama war krank. Jetzt geht es ihr Gott sei Dank schon besser. Von Hanna habe ich einmal eine Nachricht erhalten. Auch von Rosl aus Genf eine Karte. Nun wünsche ich Ihnen recht fröhliche Weihnachten, denken Sie manchmal an mich, und seien Sie herzlichst gegrüßt von Ihrem // Oswald Grill // Viele Grüße, Handküsse und Empfehlungen an Eltern und Geschwister.'' | |||
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==== Brief vom 30. Dezember 1901 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | |||
[[Datei:Oswald Grill, Franzi, 1903.JPG|thumb|Oswald Grill: Franzi, 1903, aquarellierte Zeichnung, mit Rahmen 39 x 30 cm.]] | |||
Brief von Oswald Grill an [[Franziska "Franzi" Spängler]], die älteste Tochter von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], geboren 1877; ein kleiner Bogen; Briefumschlag "Fräulein // Franzi Spängler // Krems a. d. Donau // Alleestrasse 7. // N. Öst."; Briefmarke rote 10 Kreuzer k.k. Oesterr. Post, gestempelt "Wien 31.12.01 3-4 N"; Stempel auf der Rückseite "Krems a/d Donau bestellt 1.1.02 7 ½ - 9 ½ F"; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Wien, 30 / XII. 1901. // Liebes Fräulein Franzi! // Herzlichen Dank für Ihre liebe Karte. Ihren Brief, der sich mit meinem schon wieder gekreuzt hat, habe ich bis heute nicht erhalten. Er dürfte knapp nach meiner Abreise in München angekommen sein. Es hätte mich so verschiedenes gerade in diesem Briefe interessiert, was ich, wenn auch nicht wörtlich, so doch wenigstens / zwischen den Zeilen hätte herauslesen können. Von Hanna Kaserer habe ich erfahren, daß Sie zu Anfang Dezember in Wien waren. Es thut mir leid, daß das nicht jetzt sein kann. Vielleicht ist es mir möglich nächste Woche Dienstag oder Mittwoch nach Krems zu kommen. Aber Sie haben da gewiß schon zu thun, und ich möchte Sie aufhalten. Bitte schreiben Sie mir wann, und ob Sie überhaupt die Woche nach dem 3 Königstag noch Zeit haben, ob Sie Vormittag oder Nachmittag / eher zu treffen sind. // '' | |||
''Ich muß Sie schon noch einmal belästigen. Das ist umso gewissenloser von mir da ich weiß wie gerne Sie überhaupt eine Feder eintunken. Zu Ostern, meint Hanna, wird es möglich sein, dass ich Sie in Straß in Ihrem Costüm male. Sollte das endlich wirklich einmal dazukommen. Was kann aber da noch alles dazwischen kommen. Ob ich überhaupt zu dieser Zeit in Straß sein werde, ob das Wetter günstig sein wird, ob Sie Zeit haben werden etc.'' [fünf Punkte:] ….. ''Das alles / ist noch nicht sicher. Haben Sie heuer schon eine Winterparthie gemacht? Liegt Schnee in Krems? Möchte mich sehr freuen mit Ihnen ein Plauderstündchen zu halten. Leider weiß ich es jetzt selbst noch nicht einmal sicher, ob es mir möglich sein wird nach Krems zu fahren. Wie geht es Ihren Eltern, Ihren Geschwistern? Bitte Handküsse Empfehlungen und Grüße. Wie hat das Frl. Rosl<ref>Die jüngere Schwester von Franzi, Rosa [[Spängler]], * 1880 in Wien; † 1967; 1907 verheiratet mit Oswald Grill.</ref> Weihnachten verbracht? Eine fröhliche Jahreswende, viel Glück für kommende Zeiten wünscht Ihnen nebst den herzlichsten Grüßen // Ihr Oswald Grill'' | |||
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== 1902 == | == 1902 == | ||
==== Brief vom 13. Januar 1902 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ==== Brief vom 13. Januar 1902 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ||
an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 13. Januar 1902: Er war zwischendurch in Wien; erzählt liebevoll von seiner Mutter; "... hinaus [nach München] meiner Arbeit, meinem Felde, meiner Zukunft entgegen, nur mit dem einen Gedanken, ich will, und muß in der Kunst etwas erreichen. [aber... hat trübsinnige Gedanken] Und was habe ich dann auf der Welt, wenn ich an meiner Kunst verzweifle". Mutter alt und krank, bietet kein Zuhause. "Was gibt es da für eine Zukunft!" Franzi hatte nach ‚Heimweh’ gefragt. Nein..., "denn da sehe ich die öde Wirklichkeit vor mir". Fragt nach der Schwester Rosl. | an [Nr. 9 a] [[Franziska "Franzi" Spängler]] (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 13. Januar 1902: Er war zwischendurch in Wien; erzählt liebevoll von seiner Mutter; "... hinaus [nach München] meiner Arbeit, meinem Felde, meiner Zukunft entgegen, nur mit dem einen Gedanken, ich will, und muß in der Kunst etwas erreichen. [aber... hat trübsinnige Gedanken] Und was habe ich dann auf der Welt, wenn ich an meiner Kunst verzweifle". Mutter alt und krank, bietet kein Zuhause. "Was gibt es da für eine Zukunft!" Franzi hatte nach ‚Heimweh’ gefragt. Nein..., "denn da sehe ich die öde Wirklichkeit vor mir". Fragt nach der Schwester Rosl. | ||
''Als ich letzhin von Ihnen fortging hatte ich den Zug noch sehr bequem erreicht. Schwips hatte ich keinen, und so habe ich die ganze Fahrt gelesen statt geschlafen. In der Pokornygasse [Döbling] kamen mir mein Bruder und Gerkauer entgegen, die einstweilen statt meiner einen Schwips bekommen hatten, und schrecklich schön sangen. Sie waren nämlich mit einem bekannten Herrn beim Heurigen in Grinzing. Wir hatten über beide an diesem Abende noch riesig zu lachen. Barto war melancholisch, und Erwin'' [wohl der Bruder, Anm.] ''übertrieben lustig. Beide sind aber sonst gerade das Gegentheil davon. Freitag darauf hatten wir Besuch. Auch Barto Czeck'' [Czeckauer] ''war wieder bei uns. Da wurde heftig Tischgerückt. Unter den Anwesenden war eine Collegin von mir, die ich spaßweise hypnotisieren wollte. Als ich aber sah, daß sie es ernst zu nehmen anfing und trotz fortwährendem Sträuben schon wirklich in einem hypnotischen Zustand sich befand, mußte ich den Spaß natürlich aufgeben. Man hätte damals leicht ernste Versuche anstellen können, aber ich wollte das nicht riskieren; dann war auch die Zeit nicht mehr dazu.'' | |||
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'' | ==== Brief vom 15. März 1902 von Oswald Grill an Franziska "Franzi" Spängler ==== | ||
Brief von Oswald Grill an [[Franziska "Franzi" Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz:<br /> | |||
''München 15/III 1902. // Liebes Fräulein Franzi! // Ihr letzter lieber Brief hat mich sehr gefreut. Besonders aber die Zeilen die Sie über die Natur, und über den Eindruck den sie auf Sie macht geschrieben haben. Das hat mich veranlaßt, Ihnen dies Büchlein zu senden. Ich hoffe es wird Ihnen ebenso gut gefallen wie mir. // Verzeihen Sie, liebes Fräulein, daß ich Ihnen heute nicht mehr schreiben kann, denn ich habe viel zu thun, da ich meine Wohnung wechseln muß, und außerdem übermorgen schon / nach Wien fahre. // Meine neue Adresse ist: München Türkenstraße 56,'' [unterstrichen:] ''Pension Nora. Nun seien Sie vielmals gegrüßt nebst Handküssen und Empfehlungen an Ihre werten Eltern von // Ihrem // Oswald Grill. // Auf baldiges frohes Wiedersehen in etwa 10 Tagen!'' | |||
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==== Brief vom 22. Mai 1902 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ==== Brief vom 22. Mai 1902 von Oswald Grill an Franziska Spängler ==== | ||
an Franziska Spängler (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 22. Mai 1902: Er kommt Anfang August wieder nach Wien. "Aus derselben Quelle [Mama Grill, die die Post nachsendet] habe ich auch so etwas von einer Verlobung in Ihrem Hause gehört. Wußte aber nicht auf wen sich das bezieht, habe daher der Einfachheit halber Ihnen gratuliert." Berichtet von der Reise München – Rosenheim – Senbach – Achensee – Innsbruck (Martinswand) – "Landeg [Landeck]" – St.Anton [am Arlberg] "ganz verschneit" – Konstanz – "Schafhausen" (Rheinfall) – Friedrichshafen – Ulm – "Studtgard" (Großstadtgetriebe) – Heidelberg (Schloss großartig) – "Nekarthal" Heilbronn (ein schreckliches Fabriksnest) – Ansbach – Rothenburg o.d.Tauber (das reizendste Städtchen das ich kenne; Studien und 4 Tage Aufenthalt) – Nürnberg (enttäuscht) – Harburg ([Donauwörth] das mir riesig gefiel, Schloss äußerst malerisch und interessant; 4 Tage, Studien) – Augsburg (das liebe) – München. "Vor 3 Tagen ist mein Onkel (Dr. Hein [hat das Altarbild in Unterach am Attersee gemalt und das Glasfenster in der Kirche dort entworfen]) von seiner Forschungsreise aus Arabien" nach Wien zurückgekehrt, zwei Araber mitgebracht. "Bin neugierig wie diese aussehen." | an [[Franziska "Franzi" Spängler]] (* 1877; † 1962) von Oswald Grill (* 1878; † 1964): 22. Mai 1902: Er kommt Anfang August wieder nach Wien. "Aus derselben Quelle [Mama Grill, die die Post nachsendet] habe ich auch so etwas von einer Verlobung in Ihrem Hause gehört. Wußte aber nicht auf wen sich das bezieht, habe daher der Einfachheit halber Ihnen gratuliert." Berichtet von der Reise München – Rosenheim – Senbach – Achensee – Innsbruck (Martinswand) – "Landeg [Landeck]" – St.Anton [am Arlberg] "ganz verschneit" – Konstanz – "Schafhausen" (Rheinfall) – Friedrichshafen – Ulm – "Studtgard" (Großstadtgetriebe) – Heidelberg (Schloss großartig) – "Nekarthal" Heilbronn (ein schreckliches Fabriksnest) – Ansbach – Rothenburg o.d.Tauber (das reizendste Städtchen das ich kenne; Studien und 4 Tage Aufenthalt) – Nürnberg (enttäuscht) – Harburg ([Donauwörth] das mir riesig gefiel, Schloss äußerst malerisch und interessant; 4 Tage, Studien) – Augsburg (das liebe) – München. "Vor 3 Tagen ist mein Onkel (Dr. Hein [hat das Altarbild in Unterach am Attersee gemalt und das Glasfenster in der Kirche dort entworfen]) von seiner Forschungsreise aus Arabien" nach Wien zurückgekehrt, zwei Araber mitgebracht. "Bin neugierig wie diese aussehen." | ||
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''R. Holzapfel, Krems a. Donau. – Liebe Hansi! Soeben kam Deine Karte, aus der ich entnehme, daß ihr trotz des Regens gut angekommen seid. Walter ist sehr brav, nur soll Papi immer mit ihm spielen. Gestern etwa ¼ 5 h saßen wir im Kinderzimmer beim Fenster und sahen regnen zu, da rief Walti plötzlich "Ubert". Ich fragte: "Wo ist denn der Rupert?" Ubert baba, Uta baba war die Antwort. Vor dem Schlafengehen verlangte er die Uka. Er schlief die ganze Nacht bis ¾ 6 und machte dann ins Topferl ein Laki. Als heute vormittag die Resi vom Markte kam und läutete, rief er "Uka" und eilte hinaus. Im Laufe des Vormittags rief er öfter Dir und dem Rupert. Jetzt (3 h) krabbelt er hinter mir herum. Als der Briefträger kam, rief er auch: "Uka". Naß hat er sich heute noch nicht gemacht. Auch mir geht es gut. Heute hatten wir rote Reissuppe (weil von gestern Reis da war) Karviol mit Nockerl u. Apfelstrudel. Abends bekommen wir Stosuppe'' [steirische Stosuppe/Stossuppe/Stoßsuppe] ''. Hoffentlich wird das Wetter besser, es regnet zwar nicht, aber der Wind geht stark und das Thermometer zeigt nur 12 o'' [Grad] ''. Bei Euch wird’s wohl noch frischer sein. – Gestern war eine Frau da, die will ihr Mädchen zu Dir in Kost u. Wohnung geben, vom Kloster wurde sie hergeschickt. Ich konnte ihr gar nichts sagen, sondern nur versprechen, daß sie sehr bald Nachricht erhalten wird. Ich gebe Dir die Adresse an und Du kannst ihr vielleicht den Preis u. s. w. mitteilen. Das Mädchen ist 15 Jahre alt. Die Adr. lautet Frau Blaha, Bürgerschullehrers-Gattin in Klosterneuburg. Schreibe aber sofort, weil sie ja bald Antwort haben will. Darum, glaube ich, ist es auch besser, Du schreibst von Nikola als ich nach Deiner Antwort von Krems. Eintreten würde das Mädchen erst mit 1. Oktober, da der Bau nicht fertig ist. Nun bin ich aber mit allen Neuigkeiten fertig. Viele Grüße an Familie Grill / Dich u. Rupert küßt Dein Rupert. / Walti schickt Bussi – er trommelt auf meinen Rücken. / Krems, 2. 9. 1910.'' | ''R. Holzapfel, Krems a. Donau. – Liebe Hansi! Soeben kam Deine Karte, aus der ich entnehme, daß ihr trotz des Regens gut angekommen seid. Walter ist sehr brav, nur soll Papi immer mit ihm spielen. Gestern etwa ¼ 5 h saßen wir im Kinderzimmer beim Fenster und sahen regnen zu, da rief Walti plötzlich "Ubert". Ich fragte: "Wo ist denn der Rupert?" Ubert baba, Uta baba war die Antwort. Vor dem Schlafengehen verlangte er die Uka. Er schlief die ganze Nacht bis ¾ 6 und machte dann ins Topferl ein Laki. Als heute vormittag die Resi vom Markte kam und läutete, rief er "Uka" und eilte hinaus. Im Laufe des Vormittags rief er öfter Dir und dem Rupert. Jetzt (3 h) krabbelt er hinter mir herum. Als der Briefträger kam, rief er auch: "Uka". Naß hat er sich heute noch nicht gemacht. Auch mir geht es gut. Heute hatten wir rote Reissuppe (weil von gestern Reis da war) Karviol mit Nockerl u. Apfelstrudel. Abends bekommen wir Stosuppe'' [steirische Stosuppe/Stossuppe/Stoßsuppe] ''. Hoffentlich wird das Wetter besser, es regnet zwar nicht, aber der Wind geht stark und das Thermometer zeigt nur 12 o'' [Grad] ''. Bei Euch wird’s wohl noch frischer sein. – Gestern war eine Frau da, die will ihr Mädchen zu Dir in Kost u. Wohnung geben, vom Kloster wurde sie hergeschickt. Ich konnte ihr gar nichts sagen, sondern nur versprechen, daß sie sehr bald Nachricht erhalten wird. Ich gebe Dir die Adresse an und Du kannst ihr vielleicht den Preis u. s. w. mitteilen. Das Mädchen ist 15 Jahre alt. Die Adr. lautet Frau Blaha, Bürgerschullehrers-Gattin in Klosterneuburg. Schreibe aber sofort, weil sie ja bald Antwort haben will. Darum, glaube ich, ist es auch besser, Du schreibst von Nikola als ich nach Deiner Antwort von Krems. Eintreten würde das Mädchen erst mit 1. Oktober, da der Bau nicht fertig ist. Nun bin ich aber mit allen Neuigkeiten fertig. Viele Grüße an Familie Grill / Dich u. Rupert küßt Dein Rupert. / Walti schickt Bussi – er trommelt auf meinen Rücken. / Krems, 2. 9. 1910.'' | ||
[Gefaltet beigelegt auf zwei grün-weißen Blättern aus einem zerschnittenen Briefumschlag von "Ludwig Kelcher, Bäcker..., Grein" Notizen von Hansimutti, ein Briefentwurf, vielfach durchgestrichen und überschrieben:] ''S g. F. B. Mein Mann teilte mir heute mit, daß Sie gestern bei mir waren, und gerne beabsichtigen mit m v. [?] Ihr Töchterchen zu mir zu geben anzuvertrauen wollten. Es tut mir leid Ich bedauere, daß ich Sie nicht persönlich sprechen konnte.'' [nicht alles lesbar:] ...die Zinnen werden Sie wohl gesehen haben. Es ist ein großes freundl. Zimmer, mit hübscher Aussicht. Das Zimmer ist für zwei Pers vollständig eingerichtet, so daß der Zögling außer Bettzeug noch Bettwäsche selbst mitzubringen hat... Ich möchte auch gerne zwei Zöglinge... falls sich noch jemand meldet... wenn Sie damit einverstanden sind. Ist es aber Ihr ausdrückl. Wunsch, daß Ihre Frl Tochter allein das Zimmer bewohnt, so könnte ich gern diesem Wunsch nachkommen. Wohl würde dies eine kl. Änderung im Preise bedingen. Wie Sie ja selbst gesehen haben, ist die Lage der Wohnung... auch versichere ich Ihnen, alles zu tun, um den Anforderungen der Gesundheitslehre zu entsprechen nachzukommen... Unser Badezimmer steht dem Frl 2-4 mal monatlich zur Verfügung... Erholung in frischer Luft der große Garten bietet Gelegenheit in frischer Luft die notwendige Erholung zu finden. Ebenso werde ich durch Spaziergänge für entsprechende Bewegung XXX sorgen... Fleiß der Zöglinge stellt und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich... besorgt sein werde, daß... Den Preis für Wohnung und Verpflegung denke ich mit 100 K monatl... darüber läßt sich übrigens persönlich noch verhandeln... besondere Wünsche... schon inbegriffen. Es handelt sich dann nur noch um die Wünsche des Zöglings... werden könnte. Ist es Ihnen aber lieber, so weiß ich... recht ordentlich... Ausbesserungen übernimmt... Wunsch erkläre ich mich auch bereit, Ihrem Töchterlein die notwendigen... zu geben, sich das | [Gefaltet beigelegt auf zwei grün-weißen Blättern aus einem zerschnittenen Briefumschlag von "Ludwig Kelcher, Bäcker..., Grein" Notizen von Hansimutti, ein Briefentwurf, vielfach durchgestrichen und überschrieben:] ''S g. F. B. Mein Mann teilte mir heute mit, daß Sie gestern bei mir waren, und gerne beabsichtigen mit m v. [?] Ihr Töchterchen zu mir zu geben anzuvertrauen wollten. Es tut mir leid Ich bedauere, daß ich Sie nicht persönlich sprechen konnte.'' [nicht alles lesbar:] [...] ''die Zinnen werden Sie wohl gesehen haben. Es ist ein großes freundl. Zimmer, mit hübscher Aussicht. Das Zimmer ist für zwei Pers vollständig eingerichtet, so daß der Zögling außer Bettzeug noch Bettwäsche selbst mitzubringen hat'' [...] ''Ich möchte auch gerne zwei Zöglinge'' [...] ''falls sich noch jemand meldet'' [...] ''wenn Sie damit einverstanden sind. Ist es aber Ihr ausdrückl. Wunsch, daß Ihre Frl Tochter allein das Zimmer bewohnt, so könnte ich gern diesem Wunsch nachkommen. Wohl würde dies eine kl. Änderung im Preise bedingen. Wie Sie ja selbst gesehen haben, ist die Lage der Wohnung'' [...] ''auch versichere ich Ihnen, alles zu tun, um den Anforderungen der Gesundheitslehre zu entsprechen nachzukommen'' [...] ''Unser Badezimmer steht dem Frl 2-4 mal monatlich zur Verfügung'' [...] ''Erholung in frischer Luft der große Garten bietet Gelegenheit in frischer Luft die notwendige Erholung zu finden. Ebenso werde ich durch Spaziergänge für entsprechende Bewegung'' XXX ''sorgen'' [...] ''Fleiß der Zöglinge stellt und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich'' [...] ''besorgt sein werde, daß'' [...] ''Den Preis für Wohnung und Verpflegung denke ich mit 100 K monatl'' [...] ''darüber läßt sich übrigens persönlich noch verhandeln'' [...] ''besondere Wünsche'' [...] ''schon inbegriffen. Es handelt sich dann nur noch um die Wünsche des Zöglings'' [...] ''werden könnte. Ist es Ihnen aber lieber, so weiß ich'' [...] ''recht ordentlich'' [...] ''Ausbesserungen übernimmt'' [...] ''Wunsch erkläre ich mich auch bereit, Ihrem Töchterlein die notwendigen'' [...] ''zu geben, sich das Ausbessern selbst'' [...] ''zu besorgen. Indem ich Ihnen die Versicherung gebe, für das mir anvertraute Mädchen wie für mein eigenes Kind zu sorgen, zeichne ich, einer gütigen Antwort entgegensehend, hochachtungsvoll Hansi Holzapfel Krems D. B'' XX | ||
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==== Korrespondenz an Rupert Holzapfel ==== | ==== Korrespondenz an Rupert Holzapfel ==== | ||
Briefumschlag: Gesang- und Orchester-Verein in Krems a./d. D. | Briefumschlag: Gesang- und Orchester-Verein in Krems a./d. D. ''An wohlgeb. Herrn Rupert Holzapfel'' [Nr. 8 Rupert Holzapfel, * 1868; † 1940] '', Fachlehrer, Krems, Puchhaimbgasse 3''. Briefpapier mit gleichem Kopf ... (Gegründet 1850) ...: ''Sehr geehrter Herr Fachlehrer! Ihrem Wunsche gemäß erlaubt sich die gefertigte Vereinsleitung Ihnen über die, aus dem Nachlasse des verstorbenen, langjährigen Vorstandes, des Herrn Dr. Franz Spängler in seiner Privatwohnung aufbewahrten, dem obigen Verein gehörigen Ehren- und Erinnerungsmedaillen und der Vereinsleitung zurückgegebenen Medaillen folgende Bestätigung zu übermitteln. Bei der, am 16. März 1912 stattgefundenen Ausschußsitzung wurden die, dem Verein gehörigen Ehren- und Erinnerungsmedaillen dem Herrn Alois Oberbauer, Privatier und Wirtschafter des Vereines, welche bisher unser unvergeßliche, langjährige Vorstand aufbewahrt hatte, von dessen Erben dem Vereine übergeben. Bis zum heutigen Tage besitzt der Verein folgende Ehren- bzw. Erinnerungsmedaillen:'' [Liste, hier im Einzelenen gekürzt:] silberne Schubertmedaille 1900; dito 1900; silberne Bundesmedaille 1900; Schubertmedaille 1888; Fahnenmedaillen 1871, 1890, 1892 und 1896; Große Erinnerungsmedaille Stuttgarter Sängerfest 1896; Sängerbundesfeste Graz 1902 und Breslau 1907; Kette Wiener Sängerbund. – [...] ''Dies bestätigen: der Vorstand Anton Noggler'' [und drei andere Unterschriften]. | ||
Betrifft [Nr. 18] Franz Spängler, gest. im Krems am 24. Januar 1912. - Alle diese Medaillen wurden dem Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl (Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik) überlassen, vgl. "Gesangverein" in der Lexikon-Datei des "Liedverzeichnisses", dort online] | Betrifft [Nr. 18] Franz Spängler, gest. im Krems am 24. Januar 1912. - Alle diese Medaillen wurden dem Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl (Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popularmusik) überlassen, vgl. "Gesangverein" in der Lexikon-Datei des "Liedverzeichnisses", dort online] | ||
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== 1920 == | == 1920 == | ||
==== Postkarte vom 5. Dezember 1920, Familienabend Spängler ==== | ==== Postkarte vom 5. Dezember 1920, Familienabend Spängler ==== | ||
Postkarte aus dem Gesamtnachlass der [[Kobler-Spängler-Briefe]], vermutlich 1920 geschrieben: ''Familienabend in der "Hölle". 5/12'' [vermutlich 1920]<ref>Ich [ | [[Datei:Spängler Familienabend 1920 1.JPG|thumb|Postkarte vom 5. Dezember 1920]] | ||
[linke Spalte:] ''''Familienabend in der "Hölle"<ref>[[Höllbräu]]</ref>. 5/12 Dr. Hermann Spängler / Berta'' [Bertha] ''Stierle / Adolf Stierle / Rudolf Barchetti / B'' [Bertha] ''Hanisch / Heli'' [Helene] ''Wiatschka / Lili Spängler / Richard Spängler / Katharina Spängler / '' [am Rand, quer:] XX [rechte Spalte:] ''Am.'' [Amalie?] ''Angermayer / Paula Mussoni / '' [schräg davor:] ''C. Spängler'' [?] / ''Ignaz Weinkamer'' [der Jüngere] / XX ''Rainer'' [?] '' / Oskar Weinkamer / Heinz'' [Heinrich] ''Mayr / '' [Dr. Hans] ''Siandru / Ernst Spängler'' / XX | |||
Postkarte aus dem Gesamtnachlass der [[Kobler-Spängler-Briefe]], vermutlich 1920 geschrieben: ''Familienabend in der "Hölle". 5/12'' [vermutlich 1920, untere Abbildung]<ref>Ich, [[Otto Holzapfel]], kann nicht alle Personen entziffern. Wahrscheinlich gingen mehrere Karten herum; zwei Personen haben sich doppelt auf beiden Seiten eingetragen. Dank an [[Günter Stierle]] für die Hilfe beim Entziffern mehrerer Namen.</ref>:<br /> | |||
[linke Spalte:] ''''Familienabend in der "Hölle"<ref>[[Höllbräu]]</ref>. 5/12 Dr. Hermann Spängler'' = [[Hermann Spängler]] '' / Berta'' [Bertha; Ehefrau von Adolf Stierle senior] ''Stierle / Adolf Stierle'' = [[Adolf Stierle senior]] '' / Rudolf Barchetti / B'' [Bertha] ''Hanisch / Heli'' [Helene] ''Wiatschka / Lili Spängler / Richard Spängler / Katharina Spängler / '' [am Rand, quer:] XX [rechte Spalte:] ''Am.'' [Amalie?] ''Angermayer / Paula Mussoni / '' [schräg davor:] ''C. Spängler'' [?] / ''Ignaz Weinkamer'' [der Jüngere = Ignaz [[Weinkamer]] junior] / XX ''Rainer'' [?] '' / Oskar Weinkamer / Heinz'' [Heinrich] ''Mayr / '' [Dr. Hans] ''Siandru / Ernst Spängler'' / XX | |||
[[Datei:Spängler Familienabend 1920 2.JPG|thumb|Postkarte vom 5. Dezember 1920]] | |||
[Briefmarke "Deutsch-Österreich" zwischen 1918 und 1921, 50 Heller 1919; der 5. Dezember 1920 war ein Sonntag, die Karte ist am 6. Dezember abgestempelt] ''Familie Spängler / Grill, Holzapfel / Krems a/d D. / Ringstraße 2 // Angermayer / Paula Sacher / Berta Buschbeck / Dr. Erwin Angermayer / Hilde'' [Hildegard] ''Angermayer / Heinz'' [Heinrich] ''Mayr / Ida Weinkamer / Heli'' [Helene] ''Wiatschka / Maria Barchetti / Maria Planck / Maria XX / Gretl Siandru'' | [Briefmarke "Deutsch-Österreich" zwischen 1918 und 1921, 50 Heller 1919; der 5. Dezember 1920 war ein Sonntag, die Karte ist am 6. Dezember abgestempelt] ''Familie Spängler / Grill, Holzapfel / Krems a/d D. / Ringstraße 2 // Angermayer / Paula Sacher / Berta Buschbeck / Dr. Erwin Angermayer'' = [[Erwin Angermayer-Rebenberg]] '' / Hilde'' [Hildegard, seine Ehefrau] ''Angermayer / Heinz'' [Heinrich] ''Mayr / Ida Weinkamer / Heli'' [Helene] ''Wiatschka / Maria Barchetti / Maria Planck / Maria XX / Gretl Siandru'' | ||
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[[Kategorie:Geschichte]] | [[Kategorie:Geschichte]] | ||
[[Kategorie:historisches Dokument]] | |||