Kobler-Spängler-Briefe von 1880: Unterschied zwischen den Versionen
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Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | ||
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [ | Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, [[Otto Holzapfel]], zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref> | ||
== 1880 == | == 1880 == | ||
==== Brief vom 27. | ==== Brief vom 27. Jänner 1880 von Richard Franz Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler ==== | ||
27. Januar 1880, Brief ohne Umschlag [Salzburg] von [Nr. 38] [[Richard Franz Schlegel]] (* 1811; † 1881) an [Nr. 18]<ref>"Nr. 18" bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org]).</ref>] Franz Spängler (* 1839; † 1912):<br /> | 27. Januar 1880, Brief ohne Umschlag [Salzburg] von [Nr. 38] [[Richard Franz Schlegel]] (* 1811; † 1881) an [Nr. 18]<ref>"Nr. 18" bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org]).</ref>] Franz Spängler (* 1839; † 1912):<br /> | ||
''Lieber Schwiegersohn! Mich freut es sehr, daß ich mit deinem Briefe sehe, daß diese Abhandlung über ein so großes Vermögen ihrem Ende entgegen geht. Daß der Vormund Weihs so dumm war mit seinem Streben wenigstens noch einige Zeit nicht warten zu wollen, ist wieder eine kleine Abwechslung. So viel ich weiß, ist die Mutter dieser beiden Mädchen auch schon vor mehreren Jahren gestorben, u. werden diese Mädchen sicher noch in Traismauer leben, ich stehe mit ihnen in keiner Corespondenz. Ich fühle mich zu einem Vormund gar nicht geeignet, u. weiß auch Niemanden, den ich für diese Stelle vorschlagen könnte. - Daß die Schwiegermutter<ref>wohl Rosina Pump (* 1804; † 1883), verheiratet mit Johann Arrigler (* 1798; † 1885)</ref> recht krank war, hat Euch die Kathi'' [Katharina Arrigler, † 1911, Richard Schlegels zweite Frau] ''geschrieben, es geht ihr jetzt ganz gut; die hatte eine Lungenentzündung linkerseits, u. es ist merkwürdig, daß dieser Prozeß bei dem hohen Alter so schnell u. günstig abgelaufen ist, als Anfang zu dieser Krankheit hatte ich mit ihrem Gehirn zu thun, sie war die letzten 8 Tage ganz wie eine Irrsinnige u. ist ihr Gehirn erst seit zwei Tagen wieder frei. – Mich freut es sehr, daß Euere Kinder so gut gedeihen u. daß es Euch gut geht, ich hoffe daß Ihr im Herbst wieder einen Ausflug nach Salzburg machen werdet, nach Wien werde ich wohl schwerlich mehr kommen, ich brauche das Geld zu anderen Auslagen, denn meine Einnamen'' [als Arzt, 69 Jahre alt] ''werden immer kleiner u. meine Ausgaben immer größer. Lebet wohl u. bleibt gesund. Die herzlichsten Grüße von Allen Euer Vater Richard 27/1 [1]880.'' – "Abhandlung" siehe übernächsten Brief. | ''Lieber Schwiegersohn! Mich freut es sehr, daß ich mit deinem Briefe sehe, daß diese Abhandlung über ein so großes Vermögen ihrem Ende entgegen geht. Daß der Vormund Weihs so dumm war mit seinem Streben wenigstens noch einige Zeit nicht warten zu wollen, ist wieder eine kleine Abwechslung. So viel ich weiß, ist die Mutter dieser beiden Mädchen auch schon vor mehreren Jahren gestorben, u. werden diese Mädchen sicher noch in Traismauer leben, ich stehe mit ihnen in keiner Corespondenz. Ich fühle mich zu einem Vormund gar nicht geeignet, u. weiß auch Niemanden, den ich für diese Stelle vorschlagen könnte. - Daß die Schwiegermutter<ref>wohl Rosina Pump (* 1804; † 1883), verheiratet mit Johann Arrigler (* 1798; † 1885)</ref> recht krank war, hat Euch die Kathi'' [Katharina Arrigler, † 1911, Richard Schlegels zweite Frau] ''geschrieben, es geht ihr jetzt ganz gut; die hatte eine Lungenentzündung linkerseits, u. es ist merkwürdig, daß dieser Prozeß bei dem hohen Alter so schnell u. günstig abgelaufen ist, als Anfang zu dieser Krankheit hatte ich mit ihrem Gehirn zu thun, sie war die letzten 8 Tage ganz wie eine Irrsinnige u. ist ihr Gehirn erst seit zwei Tagen wieder frei. – Mich freut es sehr, daß Euere Kinder so gut gedeihen u. daß es Euch gut geht, ich hoffe daß Ihr im Herbst wieder einen Ausflug nach Salzburg machen werdet, nach Wien werde ich wohl schwerlich mehr kommen, ich brauche das Geld zu anderen Auslagen, denn meine Einnamen'' [als Arzt, 69 Jahre alt] ''werden immer kleiner u. meine Ausgaben immer größer. Lebet wohl u. bleibt gesund. Die herzlichsten Grüße von Allen Euer Vater Richard 27/1 [1]880.'' – "Abhandlung" siehe übernächsten Brief. | ||
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''Von der Großmutter [ [[Fanny Kobler]], Anm.] erhielt ich zu meiner größten Beruhigung einen Brief daß sie sich wieder ganz wohl befindet, Gott Lob und Dank daß sie auch diese schwere Krankheit wieder glücklich überstanden. Sie schrieb mir auch, daß es Dir samt Hr. Gemahl und den lieben Kindern ganz gut geht und das Ihr Eure Versetzung von Wien erwartet<ref>[[Franz Xaver Gregor Spängler]] war ab November 1874 am Landesgericht in Wien, bevor er im November 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, Niederösterreich, wurde.</ref> was mich sehr überraschte; Großmutter drückte auch ihr Bedauern aus, daß sie dich vielleicht deßhalb heuer nicht zu sehen bekömmt; aber ich denke Du wirst es schon möglich machen können, und Dir und Deinen lieben Mädis eine Sommerfrische gönnen, und der Großmutter die Freude des Wiedersehens! Die Theres wird im Juli wieder nach Gastein gehen und da ist es der Großmutter Wunsch das ich während der Zeit zu ihr auf Besuch komme, was ich auch schon zugesagt habe, den bis dahin hoffe ich doch etwas gesünder zu werden, den diesen Winter ging es mir wirklich schlecht, diese fort währende Kränkeln machte mich schon ganz verzagt, besonders meine kranken Augen; jetzt geht es mir wohl etwas beßer, aber meinen Katahrr kann ich gar nicht los werden, ich bin schon viele Wochen nicht mehr ausgegangen der Hr. Doktor sagt bei schlechten Wetter und besonders'' ./. [Zeichen zum Seitenwechsel] ''wenn der Wind geht soll ich nicht ausgehn, wegen den Augen, du kannst dir denken liebe Fanni wie traurig mich das oft macht – Nun mit Gottes Hilfe und wenn die beßere Jahreszeit kommt wird es ja doch wieder gut werden! Ob wir dieses Jahr noch in Grein zu verbleiben haben, ist noch unbestimmt, wenn mein Mann nicht einen beßern Post bekommt, so wäre es mir wohl lieber wenn wir hier bleiben könnten, den ich fürchte das Wandern weil es immer so viel Geld kostet und auch sonst viele Unannehmlichkeiten im Gefolge hat. – Mein Mann ist Gottlob doch immer so ziemlich gesund, worüber ich sehr froh bin, er läßt dir achtungsvoll die Hand küßen und beyde empfehlen wir uns deinen guten Gemahl'' [Rest der Seite abgeschnitten, kaum erkennbar:] ''vielmals […] grüße ich herzlichst''<ref>Betti Katzinger starb am 9. August 1881 in Grein, Oberösterreich.</ref> | ''Von der Großmutter [ [[Fanny Kobler]], Anm.] erhielt ich zu meiner größten Beruhigung einen Brief daß sie sich wieder ganz wohl befindet, Gott Lob und Dank daß sie auch diese schwere Krankheit wieder glücklich überstanden. Sie schrieb mir auch, daß es Dir samt Hr. Gemahl und den lieben Kindern ganz gut geht und das Ihr Eure Versetzung von Wien erwartet<ref>[[Franz Xaver Gregor Spängler]] war ab November 1874 am Landesgericht in Wien, bevor er im November 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, Niederösterreich, wurde.</ref> was mich sehr überraschte; Großmutter drückte auch ihr Bedauern aus, daß sie dich vielleicht deßhalb heuer nicht zu sehen bekömmt; aber ich denke Du wirst es schon möglich machen können, und Dir und Deinen lieben Mädis eine Sommerfrische gönnen, und der Großmutter die Freude des Wiedersehens! Die Theres wird im Juli wieder nach Gastein gehen und da ist es der Großmutter Wunsch das ich während der Zeit zu ihr auf Besuch komme, was ich auch schon zugesagt habe, den bis dahin hoffe ich doch etwas gesünder zu werden, den diesen Winter ging es mir wirklich schlecht, diese fort währende Kränkeln machte mich schon ganz verzagt, besonders meine kranken Augen; jetzt geht es mir wohl etwas beßer, aber meinen Katahrr kann ich gar nicht los werden, ich bin schon viele Wochen nicht mehr ausgegangen der Hr. Doktor sagt bei schlechten Wetter und besonders'' ./. [Zeichen zum Seitenwechsel] ''wenn der Wind geht soll ich nicht ausgehn, wegen den Augen, du kannst dir denken liebe Fanni wie traurig mich das oft macht – Nun mit Gottes Hilfe und wenn die beßere Jahreszeit kommt wird es ja doch wieder gut werden! Ob wir dieses Jahr noch in Grein zu verbleiben haben, ist noch unbestimmt, wenn mein Mann nicht einen beßern Post bekommt, so wäre es mir wohl lieber wenn wir hier bleiben könnten, den ich fürchte das Wandern weil es immer so viel Geld kostet und auch sonst viele Unannehmlichkeiten im Gefolge hat. – Mein Mann ist Gottlob doch immer so ziemlich gesund, worüber ich sehr froh bin, er läßt dir achtungsvoll die Hand küßen und beyde empfehlen wir uns deinen guten Gemahl'' [Rest der Seite abgeschnitten, kaum erkennbar:] ''vielmals […] grüße ich herzlichst''<ref>Betti Katzinger starb am 9. August 1881 in Grein, Oberösterreich.</ref> | ||
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==== Brief vom 10. April 1880 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; Leseabsatz eingefügt:<br /> | |||
''Salzburg den 10/4 [18]80 // Meine inigstgeliebten Theuren! // Was werdet Ihr Euch dencken das ich Euren Hochzeitstag vorbey gehen ließ ohne Euch meine Lieben meine herzlichen Glückswünsche dazubringen, aber für mich ist jetzt bald etwas genug um alles andere zu vergeßen. Ottoischen<ref>[[Otto Spängler]]</ref> waren in München, da war ich viel Oben<ref>im [[Antretterhaus]] am [[Mozartplatz]] 4</ref>, oder die Kinder herunten, die Rosa hatte starke Diaree da dachte ich auch imer wie ihr helfen, darüber hatte ich alles andere auß den Kopf verloren. Das ist hant'' [halt] ''wen / man so vergeßen'' [-lich] ''wird, verzeiht es mir, es war jetzt eine so bewegte Zeit, was für eine alte Person zu viel ist, auch hatte ich längere Zeit Diare[e], was mich auch angegrief[f]en hat, mündlich werde ich Euch alles erzählen wen ihr kömmt worauf ich mich schon unendlich freue Ich wünsche nachträglich zu beiden Festen alles Gute, der liebe Gott schencke Euch alles, was Euch beglücken kann, vor allen die Gesundheit und Zufriedenheit. Sehen hoffe ich werden wir uns so gott will jeden Fall, den wen Fany die Großmutter nicht meint, – so meint die Mutter Schleg[e]l die Fany mit den Kindern, Franz ist jeden = /'' [Seite 4 weiter:] = ''Fall bey mir, worauf ich mich schon recht sehr freue. Wie staune ich das die Toni schon allein lauft, das wird ihr, und Euch gut bekommen.'' | |||
''Da fählt'' [fällt] ''schon recht viele eit weg, wie wird sie auch schon sein, so ist auch an Wasch weniger. Zähne wird sie gewiß au[c]h schon mehrere haben, unser Rudolf hat 4 Zähne fängt nun auch an aufzustehen wen er sich wo anhalten kann, sitzt nun gut aber mit Kriechen geht nicht viel vorwarts er kommt noch nicht weit, er hat es noch nicht recht loos, sonst ist er recht lieb, und lustig, die Berta spricht alles, aber oft ein ganz gebrochenes Teutsch, man muß viel lachen, mit ihrer Sprache.<ref>Kinder von [[Otto Spängler]]: Bertha * 29. Mai 1877, 1905 verheiratet Stierle; Rudolf * 3. Juni 1879, 1916 verheiratet von Schleiss</ref>/ '' = [drei Striche] ''Mit lauter Eile weil ich den Brief noch heute fortbringen wollte, habe ich das Papier verkehrt genohmen ärgerlich. Die Posacher Marie ist Braut und ganz glücklich. Die Alois Spángler ist Heute nach Wien. Ich gab ihr viele Grüße an Euch mit Die Großmutter von der Mina wird Euch schon erzählen von den Oporatzion der Ida, Gottlob das alles so glücklich vorüberging. Aber nun liegt er schon 3 Wochen an der Gicht in selben Institut wo Ida ist er kann sich fast gar nicht rihren, so schmerzen hat er. Die werden wohl noch einige Wochen oben bleiben müßen dan kömt Ida nach Salzburg und er geht nach Baden. Lebt alle recht von ganzen Herzen wohl, ich bethe gewiß viel für Euch mit aller Liebe Eure treue Mutter Spáng[ler]'' [erste Seite unten, auf dem Kopf:] ''Den Kindern herzliche küße so wie an Rosa.'' [zweite Seite unten, auf dem Kopf:] ''Von allen Bekanten viele Grüße Duregger Otto Louise Fräulein Rosalie'' | |||
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==== Brief von ca. 1880 von Richard Franz Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler ==== | ==== Brief von ca. 1880 von Richard Franz Schlegel an Franz II. Xaver Gregor Spängler ==== | ||
[[Datei:Brief Richard Franz Schlegel ca. 1880 1.JPG|thumb|Brief Richard Franz Schlegel ca. 1880, Seite 1]] | |||
[[Datei:Brief Richard Franz Schlegel ca. 1880 2.JPG|thumb|Brief Richard Franz Schlegel ca. 1880, Seite 2]] | |||
[Nr. 38] [[Richard Franz Schlegel]] an den Schwiegersohn [Nr. 18] Franz Spängler: | [Nr. 38] [[Richard Franz Schlegel]] an den Schwiegersohn [Nr. 18] Franz Spängler: | ||
<br />[Salzburg, ca. 1880] ''Lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine freundlichen u. gründlichen Mittheilungen über den Stand der Verlassenschafts-Angelegenheiten, u. freue mich, daß du bereits an End[e] dieser lästigen Arbeit angelangt bist, ich danke dir auch für deine Einladung nach Wien zu kommen, leider aber werde ich diese Reise nicht machen, denn es kostet Geld, u. das wird bei mir immer weniger, während die Auslagen immer steigen, meine Prax[is] ist auf ein Minimum reduziert, mit Ausname der kranken Füsse sind es nur noch einige alte anhängliche Familien, die mich manchmal beschäftigen. Nun, ich bin 69 Jahre, hätte | <br />[Salzburg, ca. 1880] ''Lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine freundlichen u. gründlichen Mittheilungen über den Stand der Verlassenschafts-Angelegenheiten, u. freue mich, daß du bereits an End[e] dieser lästigen Arbeit angelangt bist, ich danke dir auch für deine Einladung nach Wien zu kommen, leider aber werde ich diese Reise nicht machen, denn es kostet Geld, u. das wird bei mir immer weniger, während die Auslagen immer steigen, meine Prax[is] ist auf ein Minimum reduziert, mit Ausname der kranken Füsse sind es nur noch einige alte anhängliche Familien, die mich manchmal beschäftigen. Nun, ich bin 69 Jahre, hätte mithin lange genug gearbeitet, u. die Kraft nimmt sehr schnell bei mir in letzter Zeit ab, das Asthma plagt mich sehr, ich muß sehr langsam gehen, und häufig stehen bleiben um tief einathmen zu können, daraus wirst du sehen, daß Wien für mich nicht mehr paßt. Wir freuen uns alle auf Euch, u. die Fanni wird es schon so einrichten, daß Ihr hier seyn könnt. Wegen der 43 se [?] brauchst du dir kein graues Haar wachsen zu lassen, u. auch keine Postporto deshalb auszugeben, du brauchst dirselben nur der Rosa zu geben, der [die] wird sie schon brauchen können. Ich danke dir nochmals herzlich, grüße Euch alle u. bleibe Euer alter Vater Richard'' | ||
[[Richard Franz Schlegel]], * 3. April 1811, Dr. med., Stadtarzt in Salzburg, † 1881 in Salzburg, an seinen Schwiegersohn Dr. jur. Franz Spängler. Der Brief ist nach dem 3. April 1880 geschrieben worden (und wohl bevor Franz Spängler ebenfalls 1880 Bezirksrichter in Pottenstein wird) und weniger als ein Jahr vor dem Tod von Richard Schlegel am 1. März 1881. – "Verlassenschaft", siehe auch [[Kobler-Spängler-Briefe]], Briefe vom 11. Oktober 1877, vom 11. März 1879 und vom 27. Januar 1880. | |||
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==== Brief vom 1. Oktober 1880 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein kleiner Bogen mit blauem Prägedruck "A"; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich:<br /> | |||
''Salzburg den 1/10 [18]80 // Meine lieben Theuren! // Da Guttenberg Rudolf so freundlich ist, dieß kleine Paket mitzu nehmen, so sende ich das zurükgebliebene Hemt und Tüchel welches sich noch im Bett befand. Ich danncke für Eure lieben Briefe, es freut mich recht sehr, das Ihr Euch wohl befindet, und das es Euch in Wien wider behagt, und auch die Kindlein sich dort wider zufrieden fühlen. / Bey uns im Hauß ist es nun wider ganz ruhig die Schistl'' [Schiestl] ''sind fort, auch die Emile, und bald wird auch die Mamma Duregger fort gehen, auch nach Inspruck'' [Innsbruck] ''. Otto ist gestern nach St Johan[n], wird aber vieleicht wen möglich Heute wider zurück kommen. Die Großmutter'' [Fanny Kobler] ''befindet sich doch wieder beßer, ist auch wie es scheint mit der Liese zufrieden. // '' | |||
''Die Therese ist dermalen noch in Neumarkt will aber wider herein nach / Salzburg, wir wüßten auch ein Zimmer für sie, ob sie es aber nehmen wird wüßen wir nicht. die alte Frau Müller du hast sie schon gekannt ihr Sohn ist gestorben ich glaube er war beim Steierammt, sie lebt nun hier und hat ein Zimmer zu vergeben im Kai neben Karl Koch im 2 te[n] Stock das Zimer auf die Gaße mit der Außsicht mit sammt der Bedienung 6 Gulden im Monnath, ich bin begierig ob sie es nimmt. / Morgen ist der Spatzenegger Marie ihre Vermählung, und am 11 te[n] der Gnabiser [?] Anna ihre. Heute wird Sattler Anton mit seiner jungen Gattin hieher kommen, kannst dir dencken wie sich die Annate [?] freute Bey Schleg[e]l geht es zimlich gut, bey Marie sehr gut die sieht blühend auß. Lebt recht wohl mit herzlichen Grüßen und küßen an'' [unterstrichen:] ''Alle verbleibe ich Eure treulie[b]ende Mutter // Spángler. // von denen Ottoischen'' [Otto Spängler] ''viele herzliche Grüße so wie von der Fraulein Rosalie.'' | |||
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[[ | ==== Brief vom 14. Oktober 1880 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | ||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein kleiner Bogen mit rotem Prägedruck "A"; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; Leseabsatz eingefügt:<br /> | |||
''Salzburg 14/10 [18]80 // Meine lieben Theuren! // Nun ist es der 3 te Brief den ich an Euch schreibe, ich weiß wohl Fany hat so viel zu thun, das sie sich wohl kaum Zeit nehmen kann eine Feder zu bemühen. Franz wird sich zu Hauße auch mit den Kindern viel befaßen, und so geht die Zeit wie ein Augenblück vorüber, es sei Euch daher gewiß kein Vorwurf gemacht, nur habe ich immer eine Freude wenn / ich etwas von Euch höre. Bey Schleg[e]l geht es zimlich gut, die Mutter sagte mir vor einigen Tagen, das sie die Rosa'' [Dienstmagd] ''gerne hinab lasse'' [nach Wien] '', damit sie nicht zu grunde gehe, den er'' [Richard Franz Schlegel] ''ist ja oft so schrecklich krantig. Sie sagte, ich muß es außhalten; es ist dieß schon ein rechtes Elend. Ich dencke bis jetzt 1 Monnath wird sie schon hinab kommen ich freue mich für meine / liebe Fany.'' | |||
''Meine liebe Fany ich bitte dich, strenge dich ja nicht zu viel an, du mußt dencken es ist nicht ploß die Entbindung du hast dir ja auch die schöne Aufgabe gegeben, dein Kindlein selbst zu stillen dieß nimmt auch den Körper groß in Anspruch, ich bitte dich noch einmal plage dich nicht zu sehr, und glaube dir zu. // Meine Gedanken sind viel bey Euch, ich freue mich jetzt schon wider auf Euch wen ich es erlebe Euch zu sehen. / Wie geht es den meinen lieben zwey Kinderln ich möchte sie wohl sehr gerne oft bey mir haben, und mit ihnen einkaufen spielen, da haben sie sich oft gut unterhalten. ich spreche wohl recht oft von ihnen, besonders mit Fräulein Rosalie welcher die Kinder auch sehr gut gefahlen haben sie läßt Euch auch recht herzlich grüßen. denen 2 Kindern zum herzlichen Gruß jeden ein paar Stiezerln die Rothen der Tonerl ich wünsche das sie dieselben brauchen könen Mit alle Liebe // Eure treue Mutter Spángler.'' | |||
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''Bey Schlegl [Schlegel, Anm.] geht es abwechselnt gestern war die Nacht sehr gut, vieleicht giebt es sich wider, das nur der Ubergang vom Herbst auf Winter ihm sehr weh gethan hat. / Die Kindlein werden sich ob der Veränderung freuen. Die Franzi wird dieses schon verstehen, Toni nicht. Die Kindlein bitte ich von mir recht herzlich zu küßen. Die Großmutter sagt wen die Rosa hinunter reißt, zur Ubersiedlung oder Wochenbett, so zahlt sie recht gerne einmal die Reise, ich habe gleich zur Rosa gesagt, wir nehmen sie beim Wort. Lebt recht wohl von allen Bekanten viele herzliche Grüße. Mit aller Liebe Eure treue Mutter Toni [!] Spángler.'' | ''Bey Schlegl [Schlegel, Anm.] geht es abwechselnt gestern war die Nacht sehr gut, vieleicht giebt es sich wider, das nur der Ubergang vom Herbst auf Winter ihm sehr weh gethan hat. / Die Kindlein werden sich ob der Veränderung freuen. Die Franzi wird dieses schon verstehen, Toni nicht. Die Kindlein bitte ich von mir recht herzlich zu küßen. Die Großmutter sagt wen die Rosa hinunter reißt, zur Ubersiedlung oder Wochenbett, so zahlt sie recht gerne einmal die Reise, ich habe gleich zur Rosa gesagt, wir nehmen sie beim Wort. Lebt recht wohl von allen Bekanten viele herzliche Grüße. Mit aller Liebe Eure treue Mutter Toni [!] Spángler.'' | ||
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==== Brief vom 1. Dezember 1880 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein kleiner Bogen mit grünem Prägedruck "A"; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; Leseabsatz eingefügt:<br /> | |||
''Salzburg den 1/12 [18]80 // Meine lieber theuerer Franz! // Nimm vor allen meinen herzlichsten Glückwunsch zu deinen kommenden Nammensfeste gütig auf; der liebe Gott möge dir alles zukommen lassen, was dich beglücken kann, vor allen das deine gute Fany recht bald und gesund, wieder auß den Wochenbett herauß kommen, und die lieben Kindlein gesund bleiben. Lieber Franz es ist für Euch gewiß nicht leicht, das gerade in dieser Zeit die Ernen[n]ung für dich gekommen ist<ref>als Bezirksrichter in Pottenstein an der Triesting im November 1880</ref>, aber der liebe Gott wird schon wissen warum; es wird doch alles recht werden. Das Ihr alle wohl seid bin ich im herzen froh. / Mir geht es gottlob auch wider beßer, ich fühlte mich schon noch angegrieffen, aber nicht mehr so arg es kamm mir zu viel zusammen; die Lürzer<ref>Maria Lürzer von Zechenthal, geborene Spängler, † 15. November 1880</ref> so schnel gestorben – den Schleg[e]l'' [Richard Franz Schlegel] ''so schlecht, dann wegen der Rosa immer die Unbestimmtheit ob sie geht oder nicht – ich nahm mir dies alles zu sehr zu Herzen dies alles zusammen hätte [m]ich bald aufgerieben. Ich nehme nun wider alle Tage etwas Malaga, dieß stärkt mich doch wider mehr.'' | |||
''Vorgestern kamm die Großmutter'' [Fanny Kobler] ''mit den Brief von Fany und sagte ich kann ihr nichts geben, mein Magdbett hat die Lürze[r], da fiel mir aber ein das ich eine Duchendreppe [? Tuchent-] und Polster Reppe [?] im Kasten habe, und sagte gleich Großmutter ich glaube ich kann / da helfen, wen du sie dan fühlen [füllen] läßt, und nähen wollen wir auch gerne alles, was du kaufst damit du für dieses kein Geld außlegen darfst, mit demm war sie zufrieden, wir gingen gestern gleich und kauften die nöthigen Sachen, und wir beeilen uns sobald als möglich fertig zu werden, damit du es so bald als möglich bekömmst. Die Großmutter hat glücklicherweise die Tage die Interessen'' [Dividende] ''von den Potenschlag [?] bekommen, so thut sie'' [sich] ''auch leichter. Ich bin froh für Euch, das es so gut geht. Was das Ubergeben der Obligationen betrieft, lassen wir für diesen Augenblü[c]k, wir werden schon etwas außfindig machen, was dir auch recht sein wird. Eine ganze menge der Bekanten wünschen dir doppelt Glück, als alle Spángler Scherlzim [?] Rosalie Lanser. / Angermeier'' [Angermayer] ''Mamma Duregger. Mamma Weitzner Meinger [?]. Die Großmutter läßt Euch auch, schön, grüßen. Wen nur du lieber Franz doch noch über die ersten 9 Tage des Wochenbett[s] in Wien bleiben köntest so wäre es für dich, und Fany leichter, Gott wird es geben. O meine lieben meine Gedanncken sind so viel bey Euch, ich möchte Euch so gerne hülfreiche Hand leisten, und meine Kräfte reichen nicht auß, das fühle ich nur zu gut. Die 77 Jahre lassen sich nicht weg läugnen. Ich werde aber den lieben Gott recht bitten, er möge einen Unsichtbaren Engel senden der hülft, wen die Noth groß ist. Lebt recht wohl Es küßt Euch alle mit aller Liebe Eure treue // Mutter Spángler.'' | |||
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[[Kategorie:Spängler]] | [[Kategorie:Spängler]] | ||
[[Kategorie:Geschichte]] | [[Kategorie:Geschichte]] | ||
[[Kategorie:historisches Dokument]] | |||