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[[Datei:Pollerimpression mit Festspielhäuser.JPG|thumb|Die Poller in der [[Franziskanergasse]], Blick auf [[Salzburger Festspielhäuser]].]]
[[Datei:Pollerimpression mit Festspielhäuser.JPG|thumb|Die Poller in der [[Franziskanergasse]], Blick auf [[Salzburger Festspielhäuser]].]]
[[Datei:Rathausplatz Nachts.jpg|thumb|Die Poller am [[Rathausplatz]], abends;]]
[[Datei:Poller Rathausplatz.jpg|thumb|Die Poller am Rathausplatz.]]
[[Datei:Pollerprobleme beim Michaelstor.jpg|thumb|häufige Pollerprobleme bei der Einfahrt auf den [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]].]]
[[Datei:Der Laden am Poller.jpg|thumb|Die Poller in der [[Kaigasse]].]]
'''Poller''' regeln in der [[Altstadt]] der [[Stadt Salzburg]] die Zufahrtsmöglichkeiten.
'''Poller''' regeln in der [[Altstadt]] der [[Stadt Salzburg]] die Zufahrtsmöglichkeiten.


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Billig ist das Projekt nicht. Bis [[2020]] hat die Stadt für die Errichtung der teilweise im Boden versenkbaren Poller mehr als 1,5 Millionen Euro ausgegeben. Dafür fahren jetzt pro Tag mehr als 1 000 Autos weniger in die Altstadt. Laut dem Pollerbeauftragten besitzen im Jahr [[2020]] rund 3 500 Verkehrsteilnehmer eine Ausnahmegenehmigung, um Tag und Nacht in die [[Innenstadt]] einfahren zu dürfen. "Der Großteil davon sind rund 900 Taxifahrer sowie rund 600 Berechtigungen für Einsatzfahrzeuge. Der Rest bezieht sich auf Anrainer und sonstige Berechtigte."
Billig ist das Projekt nicht. Bis [[2020]] hat die Stadt für die Errichtung der teilweise im Boden versenkbaren Poller mehr als 1,5 Millionen Euro ausgegeben. Dafür fahren jetzt pro Tag mehr als 1 000 Autos weniger in die Altstadt. Laut dem Pollerbeauftragten besitzen im Jahr [[2020]] rund 3 500 Verkehrsteilnehmer eine Ausnahmegenehmigung, um Tag und Nacht in die [[Innenstadt]] einfahren zu dürfen. "Der Großteil davon sind rund 900 Taxifahrer sowie rund 600 Berechtigungen für Einsatzfahrzeuge. Der Rest bezieht sich auf Anrainer und sonstige Berechtigte."
[[Datei:Hofstallgasse.jpg|thumb|Die Poller an der Einfahrt in die [[Hofstallgasse]].]]


=== Entstehung ===
=== Entstehung ===
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Nach monatelangem Hin und Her mit der Datenschutzkommission wurden dann im Sommer[[2011]] Video-Kameras beim [[Michaelstor]] (zwei) und bei der Zufahrt durch die [[Kaigasse]] (eine) installiert. Diese filmen nun alle einfahrenden Fahrzeuge auf Höhe der Kennzeichen, wenn das Fahrzeug an der Haltelinie steht bis zum Überfahren der Induktionsschleife. Notwendig wurde diese neuerliche 30.000 bis 40.000 Euro-Investition, da im ersten Betriebsjahr der Poller rund ein Drittel jener Autofahrer unerkannt flüchtete, die einen Schaden an Pollern verursachten. Von 209 Unfällen mit den Pollern blieb die Stadt Salzburg bei 68 Unfällen mit Fahrerflucht auf einer Schadenssumme von 150.000 Euro sitzen.
Nach monatelangem Hin und Her mit der Datenschutzkommission wurden dann im Sommer[[2011]] Video-Kameras beim [[Michaelstor]] (zwei) und bei der Zufahrt durch die [[Kaigasse]] (eine) installiert. Diese filmen nun alle einfahrenden Fahrzeuge auf Höhe der Kennzeichen, wenn das Fahrzeug an der Haltelinie steht bis zum Überfahren der Induktionsschleife. Notwendig wurde diese neuerliche 30.000 bis 40.000 Euro-Investition, da im ersten Betriebsjahr der Poller rund ein Drittel jener Autofahrer unerkannt flüchtete, die einen Schaden an Pollern verursachten. Von 209 Unfällen mit den Pollern blieb die Stadt Salzburg bei 68 Unfällen mit Fahrerflucht auf einer Schadenssumme von 150.000 Euro sitzen.
[[Datei:Rathausplatz Nachts.jpg|thumb|Die Poller am [[Rathausplatz]], abends;]]


Am [[15. Jänner]] [[2013]] gingen je ein Poller in der [[Bergstraße]] und in der [[Priesterhausgasse]] in Betrieb. Hier fuhren vor allem Fahrzeuge ''gegen'' die Einbahn ein. Weitere Bereiche, die folgten, waren das [[Platzl]], das einige regelmäßig als Dauerparkplatz nutzen und der [[Max-Reinhardt-Platz]], der ebenfalls sich zu einem unerlaubten Parkplatz entwickelt hatte<ref>{{Quelle SN|16. Jänner 2013}}</ref>. Ab Oktober 2013 wurden die letzten Zylinder vor dem [[Großes Festspielhaus|Großen Festspielhaus]] sowie am Platzl und in der [[Steingasse]] auf der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechten Altstadt]]-Seite errichtet, Anfang 2014 gingen sie in Betrieb.  
Am [[15. Jänner]] [[2013]] gingen je ein Poller in der [[Bergstraße]] und in der [[Priesterhausgasse]] in Betrieb. Hier fuhren vor allem Fahrzeuge ''gegen'' die Einbahn ein. Weitere Bereiche, die folgten, waren das [[Platzl]], das einige regelmäßig als Dauerparkplatz nutzen und der [[Max-Reinhardt-Platz]], der ebenfalls sich zu einem unerlaubten Parkplatz entwickelt hatte<ref>{{Quelle SN|16. Jänner 2013}}</ref>. Ab Oktober 2013 wurden die letzten Zylinder vor dem [[Großes Festspielhaus|Großen Festspielhaus]] sowie am Platzl und in der [[Steingasse]] auf der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechten Altstadt]]-Seite errichtet, Anfang 2014 gingen sie in Betrieb.  


Laut Christian Morgner ging 2013 die Zahl der Poller-Unfälle deutlich zurück, und zwar auf weniger als zehn pro Monat. "Von elf anhängigen Gerichtsverfahren haben wir zehn gewonnen. Und wir sind beim Eintreiben von Schadenskosten bei Versicherungen sehr erfolgreich. Nach drei Jahren ist der "Turnaround" geschafft."
Laut Christian Morgner ging 2013 die Zahl der Poller-Unfälle deutlich zurück, und zwar auf weniger als zehn pro Monat. "Von elf anhängigen Gerichtsverfahren haben wir zehn gewonnen. Und wir sind beim Eintreiben von Schadenskosten bei Versicherungen sehr erfolgreich. Nach drei Jahren ist der ''Turnaround'' geschafft."


Am [[6. Februar]] [[2014]] gingen dann am Platzl und in der Steingasse weitere Poller in Betrieb, die die illegale Zufahrt in die Linzer Gasse verhindern sollen. Die Stadt hat für die teils beleuchtete Poller-Reihe 180.000 Euro investiert. Im Frühjahr 2014 folgte der vorläufige Schlusspunkt des Projekts mit einer Poller-Reihe in der [[Hofstallgasse]].
Am [[6. Februar]] [[2014]] gingen dann am Platzl und in der Steingasse weitere Poller in Betrieb, die die illegale Zufahrt in die Linzer Gasse verhindern sollen. Die Stadt hat für die teils beleuchtete Poller-Reihe 180.000 Euro investiert. Im Frühjahr 2014 folgte der vorläufige Schlusspunkt des Projekts mit einer Poller-Reihe in der [[Hofstallgasse]].


Am [[16. Juli]] [[2018]] wurde die Einfahrt in den [[Festspielbezirk]] bei der Hofstallgasse durch sieben [[Anti-Terror-Poller]] verstärkt. Ende Juni 2018 gingen neue Poller in der [[Linzer Gasse]] in Betrieb.
Am [[16. Juli]] [[2018]] wurde die Einfahrt in den [[Festspielbezirk]] bei der Hofstallgasse durch sieben [[Anti-Terror-Poller]] verstärkt. Ende Juni 2018 gingen neue Poller in der [[Linzer Gasse]] in Betrieb.
[[Datei:Pollerprobleme beim Michaelstor.jpg|thumb|häufige Pollerprobleme bei der Einfahrt auf den [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]].]]
Um illegale Einfahrten die [[Salzburger Altstadt]] zu unterbinden, will der Magistrat die bestehenden Fernbedienungen durch Vignetten mit RFID-Chips ersetzen. Sehr begrüßt wird von der Stadtpolitik die [[2025]] geplante StVO-Novelle, mit der der Bund eine gesetzliche Grundlage für Zufahrtskontrollen mit Videoüberwachung schaffen will. Erste Ideen für einen Einsatz beim [[Sigmundstor]] oder am [[Gaisberg (Berg)|Gaisberg]] gibt es bereits.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/politik/vignetten-missbrauch-pollersystems-salzburg-stadtpolitik-moeglichkeit-videoueberwachung-stvo-novelle-186139984?cx_testId=1&cx_testVariant=cx_1&cx_artPos=1&cx_experienceId=EXD5WQ0EFKD9&cx_experienceActionId=showRecommendations77S1G7GEQDJZ23#cxrecs_s www.sn.at], 17. Oktober 2025</ref>


== Pro und Contra ==
== Pro und Contra ==
=== Contra ===
=== Contra ===
Komm.-Rat [[Heinz Stierle]] von der [[Buchhandlung Stierle]], Ecke [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]]-[[Kaigasse]], monierte bei der Einführung der Poller (2010), dass nun seine Kunden nicht mehr vor seinem Geschäft parken könnten, um sich ein Buch zu kaufen. Die Besitzerin des [[Hotel Weisse Taube|Altstadthotels Weisse Taube]] sagte ein (ihr) Hotelsterben voraus, da kein Gast gewillt sei, 100 Meter zu Fuß zu gehen. Und auch andere Unternehmen witterten "massive Umsatzeinbrüche, wenn die Kunden nicht mehr mit dem Auto in die Kaigasse fahren dürfen". Die Überwachung durch Polizisten an den Einfahrtsstellen wäre effektiver und günstiger, so eine weitere Argumentation der Gegner der Poller.
Komm.-Rat [[Heinz Stierle]] von der [[Buchhandlung Stierle]], Ecke [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]]-[[Kaigasse]], monierte bei der Einführung der Poller (2010), dass nun seine Kunden nicht mehr vor seinem Geschäft parken könnten, um sich ein Buch zu kaufen. Die Besitzerin des [[Altstadthotel Weisse Taube|Altstadthotels Weisse Taube]] sagte ein (ihr) Hotelsterben voraus, da kein Gast gewillt sei, 100 Meter zu Fuß zu gehen. Und auch andere Unternehmen witterten "massive Umsatzeinbrüche, wenn die Kunden nicht mehr mit dem Auto in die Kaigasse fahren dürfen". Die Überwachung durch Polizisten an den Einfahrtsstellen wäre effektiver und günstiger, so eine weitere Argumentation der Gegner der Poller.


Immer wieder wurden Leserbriefen geschrieben, in denen Vorwürfe laut wurden. So schrieb noch ein Jahr nach Inbetriebnahme Herbert Göbel aus Salzburg in einem in den [[SN]] am 22. Juni 2011 veröffentlichten Leserbrief ''... So musste unzählige Male - ohne jetzt die Autofahrer, die Poller touchierten, in Schutz nehmen zu wollen - nachgebessert, wie Ampelanlagen, Warntafeln und dergleichen installiert werden. Unsummen an Steuergeldern wurden so buchstäblich in den Sand gesetzt...''
Immer wieder wurden Leserbriefen geschrieben, in denen Vorwürfe laut wurden. So schrieb noch ein Jahr nach Inbetriebnahme Herbert Göbel aus Salzburg in einem in den [[SN]] am 22. Juni 2011 veröffentlichten Leserbrief ''... So musste unzählige Male - ohne jetzt die Autofahrer, die Poller touchierten, in Schutz nehmen zu wollen - nachgebessert, wie Ampelanlagen, Warntafeln und dergleichen installiert werden. Unsummen an Steuergeldern wurden so buchstäblich in den Sand gesetzt...''
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=== Pro ===
=== Pro ===
Auf der anderen Seite sprachen sich angesiedelte Unternehmen für eine "echte" Fußgängerzone aus, da so ihre Gäste z. B. in den bisher von mehr oder weniger starkem Verkehr umtosten "Schanigärten" mehr Ruhe hätten und dadurch mehr konsumierten. Unterstrichen wurde diese These durch die positiven Erfahrungen des jährlichen [[Kaiviertelfest]]es, während dessen Dauer tatsächlich (fast) kein Verkehr durch die Kaigasse rollt. Eine Überwachung durch die Polizei hätte den Nachteil, dass diese nicht zeitlich lückenlos erfolgen könne und in dem Moment, in dem der Beamte den Platz räumte, führen die Fahrzeuge wieder ohne Kontrolle ein.
Auf der anderen Seite sprachen sich angesiedelte Unternehmen für eine "echte" Fußgängerzone aus, da so ihre Gäste z. B. in den bisher von mehr oder weniger starkem Verkehr umtosten "Schanigärten" mehr Ruhe hätten und dadurch mehr konsumierten. Unterstrichen wurde diese These durch die positiven Erfahrungen des jährlichen [[Kaiviertelfest]]es, während dessen Dauer tatsächlich (fast) kein Verkehr durch die Kaigasse rollt. Eine Überwachung durch die Polizei hätte den Nachteil, dass diese nicht zeitlich lückenlos erfolgen könne und in dem Moment, in dem der Beamte den Platz räumte, führen die Fahrzeuge wieder ohne Kontrolle ein.
[[Datei:Der Laden am Poller.jpg|thumb|Die Poller in der [[Kaigasse]].]]


==== Rückblick Pro nach einem Jahr ====
==== Rückblick Pro nach einem Jahr ====
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