Kobler-Spängler-Briefe von 1860 bis 1869: Unterschied zwischen den Versionen
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Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]]. | ||
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [ | Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, [[Otto Holzapfel]], zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref> | ||
== 1860 == | == 1860 == | ||
==== Brief vom 16. Febuar 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief vom 16. Febuar 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Blatt, Prägedruck "Bath", Spuren von Siegellack:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Blatt, Prägedruck "Bath", Spuren von Siegellack:<br /> | ||
''Gracè le 16 fevrier 1860 / Mon très cher frère! A votre très courte lettre à peu près il ne vont pas la peine de répondre'' […] (Allgemeines über einen Ball, er tanzt "solide" nur ein oder zwei mal die Woche, Otto offenbar mehr und wird eingeladen zu Klebelsberg und Vorhausen: ein schneller "Fortschritt". Auch bei Kurz gab es Ball. Darüber will er mehr "détails" vom Bruder wissen: Wann wird er für die Reifeprüfung lernen? [Otto ist 2 Jahre jünger] Er rät ihm verschiedene Lektüre im Hinblick auf unterschiedliche Studiengänge.) ''[…] votre fidèle frère François.'' | ''Gracè le 16 fevrier 1860 / Mon très cher frère! A votre très courte lettre à peu près il ne vont pas la peine de répondre'' […] (Allgemeines über einen Ball, er tanzt "solide" nur ein oder zwei mal die Woche, Otto offenbar mehr und wird eingeladen zu Klebelsberg und Vorhausen: ein schneller "Fortschritt". Auch bei Kurz gab es Ball. Darüber will er mehr "détails" vom Bruder wissen: Wann wird er für die Reifeprüfung lernen? [Otto ist 2 Jahre jünger] Er rät ihm verschiedene Lektüre im Hinblick auf unterschiedliche Studiengänge.) ''[…] votre fidèle frère François.'' | ||
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==== Brief vom 5. April 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief vom 5. April 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br /> | ||
''Gracè le 5 Avril 1860 / Mon très chér [!] frère!'' (Er beschwert sich, dass er nur einen kleinen Brief von Otto erhalten hat. Er authorisiert den Bruder, für die neue Anleihe 56 Gulden [!] von ihm aus der [[Salzburger Sparkasse]] zu verwenden [Otto Spängler wird später Direktor dieser Sparkasse], vielleicht auch gleich die 100 Gulden dafür zu bezahlen. "Faites cèla [!], comme il vous plait, je vous en donne plein pouvoir." Otto kann ebenfalls für eine nationale Anleihe 20 Gulden verwenden. Er erinnert an den Kriminalfall, von dem er [vgl. Brief vom 24. November 1859] berichtet hat: Der Fall ist in der Berufung; es handelt sich um eine Brandstifung, einen Mord und um mehrere Einbrüche von fünf Brüdern, der Schwester und der Mutter. … Er wirft dem Bruder vor, sich schon als Professor zu fühlen, aber im welchem Fach? Er soll gründlich studieren, um "weise" zu werden. Franz ist sehr zufrieden, sein [Jura-]Studium zu verfolgen, ob er nun Richter oder Professor würde. "L’avenir decidera." … Fragen nach verschiedenen Personen: Thérèse, unser "cousin Jules" [Julius Spängler, * 1837; † 1903/1907], Doktor "Schl.", Schlager, "George Lanser", Kalhofer (der einen Brief geschrieben hat, "naturellement en langue italienne"). Er erinnert an seinen Aufenthalt in Wien [Mai 1859] bei der Familie Duscher, aber aus Sparsamkeitsgründen bleibt er in Graz. … ''Adieu; je finis ma lettre en vous priant de me répondre bientôt. Restez toujours fidèle à votre vrai ami et frère François Spaengler'' | ''Gracè le 5 Avril 1860 / Mon très chér [!] frère!'' (Er beschwert sich, dass er nur einen kleinen Brief von Otto erhalten hat. Er authorisiert den Bruder, für die neue Anleihe 56 Gulden [!] von ihm aus der [[Salzburger Sparkasse]] zu verwenden [Otto Spängler wird später Direktor dieser Sparkasse], vielleicht auch gleich die 100 Gulden dafür zu bezahlen. "Faites cèla [!], comme il vous plait, je vous en donne plein pouvoir." Otto kann ebenfalls für eine nationale Anleihe 20 Gulden verwenden. Er erinnert an den Kriminalfall, von dem er [vgl. Brief vom 24. November 1859] berichtet hat: Der Fall ist in der Berufung; es handelt sich um eine Brandstifung, einen Mord und um mehrere Einbrüche von fünf Brüdern, der Schwester und der Mutter. … Er wirft dem Bruder vor, sich schon als Professor zu fühlen, aber im welchem Fach? Er soll gründlich studieren, um "weise" zu werden. Franz ist sehr zufrieden, sein [Jura-]Studium zu verfolgen, ob er nun Richter oder Professor würde. "L’avenir decidera." … Fragen nach verschiedenen Personen: Thérèse, unser "cousin Jules" [Julius Spängler, * 1837; † 1903/1907], Doktor "Schl.", Schlager, "George Lanser", Kalhofer (der einen Brief geschrieben hat, "naturellement en langue italienne"). Er erinnert an seinen Aufenthalt in Wien [Mai 1859] bei der Familie Duscher, aber aus Sparsamkeitsgründen bleibt er in Graz. … ''Adieu; je finis ma lettre en vous priant de me répondre bientôt. Restez toujours fidèle à votre vrai ami et frère François Spaengler'' | ||
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==== Brief 25. April 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief 25. April 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen: ''Graz le 25 Avril 1860 / Mon très cher frère!'' (Er plant das Examen für Ende Juli, wird dann in Graz alles "en ordre" bringen und sofort nach Salzburg kommen. In manchmal schwacher und undeutlicher Schrift belehrt er den Bruder, sich mit den Freunden zu versöhnen, die offenbar anders leben; besonders erwähnt wird "notre ami Kalhofer" und "Jules"; er gibt ihm Ratschläge, wo und was er studieren könnte… [nur überflogen, wenig gelesen]). | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen: ''Graz le 25 Avril 1860 / Mon très cher frère!'' (Er plant das Examen für Ende Juli, wird dann in Graz alles "en ordre" bringen und sofort nach Salzburg kommen. In manchmal schwacher und undeutlicher Schrift belehrt er den Bruder, sich mit den Freunden zu versöhnen, die offenbar anders leben; besonders erwähnt wird "notre ami Kalhofer" und "Jules"; er gibt ihm Ratschläge, wo und was er studieren könnte… [nur überflogen, wenig gelesen]). | ||
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==== Brief vom 7. Mai 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief vom 7. Mai 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Blatt, Prägedruck "Bath"; schwache Schrift, verschmutzt; nur überflogen: ''Graz le 7 Mai 1860 / Mon très chér [!] frère!'' (Belehrung über Studiengänge und Orte, Wien, Budapest, sogar einzelne Professoren; Frage nach einer Edition von [Theodor] Körner, wiederholter Hinweis auf Stifters «Studien»; Otto soll die Mutter um Geld für Franz bitten, er hat nur noch fünf Gulden.) | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Blatt, Prägedruck "Bath"; schwache Schrift, verschmutzt; nur überflogen: ''Graz le 7 Mai 1860 / Mon très chér [!] frère!'' (Belehrung über Studiengänge und Orte, Wien, Budapest, sogar einzelne Professoren; Frage nach einer Edition von [Theodor] Körner, wiederholter Hinweis auf Stifters «Studien»; Otto soll die Mutter um Geld für Franz bitten, er hat nur noch fünf Gulden.) | ||
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==== Brief vom 21. Mai 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief vom 21. Mai 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen, Prägedruck "Bath"; ein Teil der dritten und die vierte Seite flüchtig und mit größerer Schrift geschrieben:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen, Prägedruck "Bath"; ein Teil der dritten und die vierte Seite flüchtig und mit größerer Schrift geschrieben:<br /> | ||
''Graz le 21 Mai 1860. / Mon très cher frère!'' (Franz fragt nach einem Theaterstück, "votre thêatre", erinnert an Ottos Examen und an die [von Otto geschilderte] Disharmonie mit den Freunden. Er hat an die Mutter geschrieben und für das nächste Jahr um jeweils monatlich dreißig Gulden für beide gebeten. Wenn sie durch Unterricht dazuverdienen und die "Pfründe" dazurechnen, müssten sie etwa 80 Gulden monatlich haben; das müsste zum Leben reichen, er ist sparen gewöhnt. Er plant Ferien in Abtenau, Gmunden, vielleicht Aussee oder Kremsmünster.) [Fortsetzung:] ''Le 22. Mai'' (Versch. Personen werden genannt: Am 8. Juli heiraten Leitmayr die "Amélie Scheiger", Otto soll Mme Kaserer nichts davon sagen. Am 12. Mai war er mit der Familie Plazer in Ulrichsbrunn bei Graz. Er fragt Otto, ob dieser die Rede von Weinhold zur Schiller-Feier noch hat [vgl. Brief vom 24. November 1859], ob er zum Schwimm-Unterricht geht, "école de natation"; er fragt, was sie der Mutter zum Fest [welches?] schenken sollen, lässt "Jules" grüßen; er meint, sein Aufenthalt in Graz wäre nicht sehr teuer gewesen und dass er Graz mit Bedauern verlasse und er vertraut darauf, dass die Brüder sich auch in Zukunft gegenseitig helfen werden.) | ''Graz le 21 Mai 1860. / Mon très cher frère!'' (Franz fragt nach einem Theaterstück, "votre thêatre", erinnert an Ottos Examen und an die [von Otto geschilderte] Disharmonie mit den Freunden. Er hat an die Mutter geschrieben und für das nächste Jahr um jeweils monatlich dreißig Gulden für beide gebeten. Wenn sie durch Unterricht dazuverdienen und die "Pfründe" dazurechnen, müssten sie etwa 80 Gulden monatlich haben; das müsste zum Leben reichen, er ist sparen gewöhnt. Er plant Ferien in Abtenau, Gmunden, vielleicht Aussee oder Kremsmünster.) [Fortsetzung:] ''Le 22. Mai'' (Versch. Personen werden genannt: Am 8. Juli heiraten Leitmayr die "Amélie Scheiger", Otto soll Mme Kaserer nichts davon sagen. Am 12. Mai war er mit der Familie Plazer in Ulrichsbrunn bei Graz. Er fragt Otto, ob dieser die Rede von Weinhold zur Schiller-Feier noch hat [vgl. Brief vom 24. November 1859], ob er zum Schwimm-Unterricht geht, "école de natation"; er fragt, was sie der Mutter zum Fest [welches?] schenken sollen, lässt "Jules" grüßen; er meint, sein Aufenthalt in Graz wäre nicht sehr teuer gewesen und dass er Graz mit Bedauern verlasse und er vertraut darauf, dass die Brüder sich auch in Zukunft gegenseitig helfen werden.) | ||
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==== Brief vom 21. und 22. Mai 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief vom 21. und 22. Mai 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen, gefaltet auf Bündel-Größe, mit Rest vom Lacksiegel:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen, gefaltet auf Bündel-Größe, mit Rest vom Lacksiegel:<br /> | ||
''An meinen lieben Bruder Otto. Die Rede<ref>liegt nicht bei, offenbar von Prof. Weinhold, vgl. Brief vom 21./22. Mai 1860</ref> bitte ich Dich, dann, wenn Du sie gelesen zu meinen Sachen aufzuheben. / Graz le 24. Nov. 1859. Mon très cher frère! Jusque là je vous ai écrit toujours en allemand, mais il faut recomencer à écrire en français pour l’exercice de l’un et de l’autre.'' […] (Er berichtet u. a., dass Frau Warnersberger über die Familie "Spangler" gesagt habe, dass deren "filles (sans différent) ont la perspective de se marier bientôt. … Mais vous pouvez de cette affaire voir de nouveau, comment il faut prendre garde dans tout ce qu’on parle." … Er ist Mitglied im "comité pour le soulèvement de pauvres juristes"; er lobt [auch in einem früheren Brief] Prof. Weinhold<ref>Karl Weinhold, 1851 bis 1861 Germanist an der Universität Graz</ref> für dessen Vorlesungen über "Göthe" in Italien. Im Theater sieht er «Fiesco» [Schiller]. Von "Ernest[in]e [nach dem nächsten Brief eine Cousine] et Edouard" wird er aufgefordert, sie in Bruck zu besuchen, aber die 3 Florins [Gulden], welche die Reise kosten, sind ihm zu viel. Er wollte zu einem Prozess [er studiert Jura], in dem die Beschuldigte als Mörderin zum Tode verurteilt wird, jene die mit ihr das [geraubte] Geld geteilt hat, zu einem Jahr Gefängnis; leider bekam er keine Eintrittskarte.) ''A notre chère mère je baise mille fois la main. A tous les parents et connus mes compliment, principalement à Kalhofer; je lui écrirai une autre fois. […] En éspérant, que vous tous vous portez bien, et que vous me donnerez bientôt une réponse je reste en amour votre très fidèle frère FXSpaengler XXX'' | ''An meinen lieben Bruder Otto. Die Rede<ref>liegt nicht bei, offenbar von Prof. Weinhold, vgl. Brief vom 21./22. Mai 1860</ref> bitte ich Dich, dann, wenn Du sie gelesen zu meinen Sachen aufzuheben. / Graz le 24. Nov. 1859. Mon très cher frère! Jusque là je vous ai écrit toujours en allemand, mais il faut recomencer à écrire en français pour l’exercice de l’un et de l’autre.'' […] (Er berichtet u. a., dass Frau Warnersberger über die Familie "Spangler" gesagt habe, dass deren "filles (sans différent) ont la perspective de se marier bientôt. … Mais vous pouvez de cette affaire voir de nouveau, comment il faut prendre garde dans tout ce qu’on parle." … Er ist Mitglied im "comité pour le soulèvement de pauvres juristes"; er lobt [auch in einem früheren Brief] Prof. Weinhold<ref>Karl Weinhold, 1851 bis 1861 Germanist an der Universität Graz</ref> für dessen Vorlesungen über "Göthe" in Italien. Im Theater sieht er «Fiesco» [Schiller]. Von "Ernest[in]e [nach dem nächsten Brief eine Cousine] et Edouard" wird er aufgefordert, sie in Bruck zu besuchen, aber die 3 Florins [Gulden], welche die Reise kosten, sind ihm zu viel. Er wollte zu einem Prozess [er studiert Jura], in dem die Beschuldigte als Mörderin zum Tode verurteilt wird, jene die mit ihr das [geraubte] Geld geteilt hat, zu einem Jahr Gefängnis; leider bekam er keine Eintrittskarte.) ''A notre chère mère je baise mille fois la main. A tous les parents et connus mes compliment, principalement à Kalhofer; je lui écrirai une autre fois. […] En éspérant, que vous tous vous portez bien, et que vous me donnerez bientôt une réponse je reste en amour votre très fidèle frère FXSpaengler XXX'' | ||
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==== Brief vom 27. Mai 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler und die Mutter | ==== Brief vom 27. Mai 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler und die Mutter ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler] und die Mutter; ein Bogen, Prägedruck "Bath"; zum Teil winzige Schrift, Reste von Siegellack und Adresse:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler] und die Mutter; ein Bogen, Prägedruck "Bath"; zum Teil winzige Schrift, Reste von Siegellack und Adresse:<br /> | ||
''An Herrn Otto Spaengler'' [unterstrichen] / ''Studierenden am [[Akademisches Gymnasium Salzburg|k. k. Gymnasium]] zu Salzburg / d[ur]ch Güte.''<ref>Hier stellt sich die Frage nach der Art der Postbeförderung. Aus den obigen Briefen geht manchmal hervor, dass ihnen etwas beigelegt war oder dass sie mit anderen Briefen zusammen befördert wurden. Aber wie? Außer "Salzburg" fehlt eine Adresse.</ref> [verziert mit mehrfachem "Spängler" und "Spangler"] ''Graz am 27. Mai 1860 / Theuerste Mutter! u Otto! Empfangen Sie hiermit meinen herzlichen Dank für Ihren Brief u. das übersandte Geld, ich werde nun zunächst Schuster u. Schneider zahlen u. dem Wilhelm die 10 f [Gulden] erstatten, die er mir geliehen hatte. […] Die Nachricht von der Ankunft der Locomotive in Salzburg'' (vgl. [[Salzburger Verkehrschronologie]] 25. Mai 1860) ''lesen wir heute auch in der Zeitung; es freut mich von ganzem Herzen, d[a]ß dieß Unternehmen jetzt so weit gediehen ist. Weiß man noch nichts, wann die Eröffnungsfeier sein wird? Mich möchte es sehr freuen, wenn ich bei derselben anwesend sein könnte.'' (Er berichtet u. a. über die Planung seiner Prüfungen) [nur flüchtig überflogen, schwer lesbar] … ''Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler'' | ''An Herrn Otto Spaengler'' [unterstrichen] / ''Studierenden am [[Akademisches Gymnasium Salzburg|k. k. Gymnasium]] zu Salzburg / d[ur]ch Güte.''<ref>Hier stellt sich die Frage nach der Art der Postbeförderung. Aus den obigen Briefen geht manchmal hervor, dass ihnen etwas beigelegt war oder dass sie mit anderen Briefen zusammen befördert wurden. Aber wie? Außer "Salzburg" fehlt eine Adresse.</ref> [verziert mit mehrfachem "Spängler" und "Spangler"] ''Graz am 27. Mai 1860 / Theuerste Mutter! u Otto! Empfangen Sie hiermit meinen herzlichen Dank für Ihren Brief u. das übersandte Geld, ich werde nun zunächst Schuster u. Schneider zahlen u. dem Wilhelm die 10 f [Gulden] erstatten, die er mir geliehen hatte. […] Die Nachricht von der Ankunft der Locomotive in Salzburg'' (vgl. [[Salzburger Verkehrschronologie]] 25. Mai 1860) ''lesen wir heute auch in der Zeitung; es freut mich von ganzem Herzen, d[a]ß dieß Unternehmen jetzt so weit gediehen ist. Weiß man noch nichts, wann die Eröffnungsfeier sein wird? Mich möchte es sehr freuen, wenn ich bei derselben anwesend sein könnte.'' (Er berichtet u. a. über die Planung seiner Prüfungen) [nur flüchtig überflogen, schwer lesbar] … ''Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler'' | ||
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==== Brief vom 10. Juni [1860] von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief vom 10. Juni [1860] von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Blatt:<br />''le 10 Juin. [ohne Jahr; erschlossen 1860] Mon cher frère! C’est aujourd’hui très peu, que je vous puis écrire'' […] (Er hat viel zu tun; zum Fest der Mutter [vgl. Brief vom 21. Mai] kann er ein Geschenk schicken; nach dem Examen am 21. Juli will er noch in Graz bleiben, "pour mettre tout en ordre", dann will er drei Tage über Linz nach Wien und dann am 3. oder am 5. August nach Salzburg kommen. Sich mit französischer und italienischer Literatur zu beschäftigen, hat er jetzt keine Zeit mehr. Er lässt Kalhofer grüßen; von Steinwender hat er erfahren, dass Otto die mündliche Matura-Prüfung bestanden hat.) ''Les séances du conseil d’empire deviennent dejà en peu turbulentes, d’autant mieux d’autant plus interessant; et, selon ma conviction il faut, qu’il s’emparent de la supreme puissance, pour renouveller et rétablir notre pauvre patrie, qui sera perdu, si l’on ne nous aidera pas bientôt. En vous disant bien des saluts de notre chèr ami Jules, je reste votre toujours fidèle frère François.'' | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Blatt:<br />''le 10 Juin. [ohne Jahr; erschlossen 1860] Mon cher frère! C’est aujourd’hui très peu, que je vous puis écrire'' […] (Er hat viel zu tun; zum Fest der Mutter [vgl. Brief vom 21. Mai] kann er ein Geschenk schicken; nach dem Examen am 21. Juli will er noch in Graz bleiben, "pour mettre tout en ordre", dann will er drei Tage über Linz nach Wien und dann am 3. oder am 5. August nach Salzburg kommen. Sich mit französischer und italienischer Literatur zu beschäftigen, hat er jetzt keine Zeit mehr. Er lässt Kalhofer grüßen; von Steinwender hat er erfahren, dass Otto die mündliche Matura-Prüfung bestanden hat.) ''Les séances du conseil d’empire deviennent dejà en peu turbulentes, d’autant mieux d’autant plus interessant; et, selon ma conviction il faut, qu’il s’emparent de la supreme puissance, pour renouveller et rétablir notre pauvre patrie, qui sera perdu, si l’on ne nous aidera pas bientôt. En vous disant bien des saluts de notre chèr ami Jules, je reste votre toujours fidèle frère François.'' | ||
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==== Brief vom 17. Juni 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief vom 17. Juni 1860 von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]; ein Bogen, Prägedruck "Bath":<br /> | ||
''Graz le 17 Juin 1860 / Mon cher frère!'' […] (Er freut sich über einen langen Brief des Bruders, gibt Hinweise auf sein Zimmer in Graz und dass die Gebühren für Jurastudenten dort von 45 auf 48 Gulden steigen bei 20 bzw. 22 bis 23 Wochenstunden; in der Philosophie sind es 15 Pflichtstunden pro Woche, für Bücher müsste er mindestens 15 Gulden ausgeben, für Schreibmaterial 3 Gulden im Monat. Für "carneval" muss er Geld für besondere Kleidung und z. B. Handschuhe mit berechnen. Andere Kleidung soll er sich nicht in Salzburg besorgen, die aus Wien oder Graz wäre besser, "les habits bien mieux faits". Wenn er Unterricht gibt, kann er mit 10 oder 12 Gulden im Monat Einnahmen rechnen. Hinsichtlich der Studienrichtung schreibt Franz an Otto [und sicherlich nicht ironisch]: "Dieu vous donnera sa bénédiction et sa grace de choisir pour votre bonheur temporain et éternel." Franz beginnt am 23. Juli mit dem Examen, bleibt dann noch 4 bis 6 Tage in Graz "pour mettre tout en ordre [diese Wendung zum dritten Mal in diesen Briefen], pour faire mes visites, et pour me congédier", geht dann nach Wien und kommt noch vor Ottos Examen [schriftliche Matura] nach Salzburg. Er möchte in Salzburg noch Professor Goebel sehen, der aus Salzburg nach Preußen geht; auch drei weitere Professoren des Salzburger Gymnasiums verlassen die Stadt. Um zum Staatsexamen zugelassen zu werden, soll Otto ihm für 36 Kreuzer Stempelmarken schicken. Er dankt für Hinweise auf versch. Personen, die nur mit Anfangsbuchstaben genannt werden, "N." und "D T." … "Otto vous êtes heureux! mais moi! je le pourrais être, mais c’est ma faute, que je ne le fuis pas. Verbalement [unterstrichen] plus de cette affaire" […] Wenn er wieder in Salzburg ist, hat er viel zu erzählen. Er meint, er könne nicht "professeur" werden, denn er gerate zu schnell in Wut. Darüber wird er in Wien auch mit Duscher und Fenzl sprechen. [Einzelblatt liegt bei:] ''Le 19. Juin le matin'' (Er weist auf Einzelheiten in der Abrechnung mit der Mutter hin, nennt Staatsanleihen, die in der Sparkasse liegen für 40 oder 50 Gulden, und er bittet um genaue Abrechnung.) / ''après diner'' (Grüße an Kalhofer, "et lui donnez la lettre cijointe"; "Jules" hat ihm geschrieben.) ''Otto faites bientôt une prudente resolution, et soyez aussi prudent envers N. Dans aucun rapport en se laisse emporter plutôt et plus facilement, que dans l’amour. Jules vous aura certainement donné des admonitions, il aime à être le Mentor des jeunes gens imprudentes et servantes. … – Mais assez – Portez vous bien, écrivez bientôt et soyez un fidèle frère et ami pour votre François.'' | ''Graz le 17 Juin 1860 / Mon cher frère!'' […] (Er freut sich über einen langen Brief des Bruders, gibt Hinweise auf sein Zimmer in Graz und dass die Gebühren für Jurastudenten dort von 45 auf 48 Gulden steigen bei 20 bzw. 22 bis 23 Wochenstunden; in der Philosophie sind es 15 Pflichtstunden pro Woche, für Bücher müsste er mindestens 15 Gulden ausgeben, für Schreibmaterial 3 Gulden im Monat. Für "carneval" muss er Geld für besondere Kleidung und z. B. Handschuhe mit berechnen. Andere Kleidung soll er sich nicht in Salzburg besorgen, die aus Wien oder Graz wäre besser, "les habits bien mieux faits". Wenn er Unterricht gibt, kann er mit 10 oder 12 Gulden im Monat Einnahmen rechnen. Hinsichtlich der Studienrichtung schreibt Franz an Otto [und sicherlich nicht ironisch]: "Dieu vous donnera sa bénédiction et sa grace de choisir pour votre bonheur temporain et éternel." Franz beginnt am 23. Juli mit dem Examen, bleibt dann noch 4 bis 6 Tage in Graz "pour mettre tout en ordre [diese Wendung zum dritten Mal in diesen Briefen], pour faire mes visites, et pour me congédier", geht dann nach Wien und kommt noch vor Ottos Examen [schriftliche Matura] nach Salzburg. Er möchte in Salzburg noch Professor Goebel sehen, der aus Salzburg nach Preußen geht; auch drei weitere Professoren des Salzburger Gymnasiums verlassen die Stadt. Um zum Staatsexamen zugelassen zu werden, soll Otto ihm für 36 Kreuzer Stempelmarken schicken. Er dankt für Hinweise auf versch. Personen, die nur mit Anfangsbuchstaben genannt werden, "N." und "D T." … "Otto vous êtes heureux! mais moi! je le pourrais être, mais c’est ma faute, que je ne le fuis pas. Verbalement [unterstrichen] plus de cette affaire" […] Wenn er wieder in Salzburg ist, hat er viel zu erzählen. Er meint, er könne nicht "professeur" werden, denn er gerate zu schnell in Wut. Darüber wird er in Wien auch mit Duscher und Fenzl sprechen. [Einzelblatt liegt bei:] ''Le 19. Juin le matin'' (Er weist auf Einzelheiten in der Abrechnung mit der Mutter hin, nennt Staatsanleihen, die in der Sparkasse liegen für 40 oder 50 Gulden, und er bittet um genaue Abrechnung.) / ''après diner'' (Grüße an Kalhofer, "et lui donnez la lettre cijointe"; "Jules" hat ihm geschrieben.) ''Otto faites bientôt une prudente resolution, et soyez aussi prudent envers N. Dans aucun rapport en se laisse emporter plutôt et plus facilement, que dans l’amour. Jules vous aura certainement donné des admonitions, il aime à être le Mentor des jeunes gens imprudentes et servantes. … – Mais assez – Portez vous bien, écrivez bientôt et soyez un fidèle frère et ami pour votre François.'' | ||
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==== Brief ohne Datum [1860] von Franz Spängler an die Mutter | ==== Brief ohne Datum [1860] von Franz Spängler an die Mutter ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an die Mutter; ein Blatt ohne Datum; aus dem Zusammenhang etwa hier einzuordnen:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Graz an die Mutter; ein Blatt ohne Datum; aus dem Zusammenhang etwa hier einzuordnen:<br /> | ||
''Liebste Mutter! Meinen herzlichen Dank für den Brief u. die 2 Bücher, welche wir heute d[ur]ch Gutenberg Adolf erhielten'' […] (Die Vorlesungen haben angefangen, die Professoren gefallen ihm … Besuch bei Gutenberg, mit "Plachetka’s" hat er sich "trefflich" unterhalten; "Sonst nichts Neues. An Alle viele Grüße! … Es küßt Ihnen vielmals die Hände Ihr dankbarer Sohn F X Spaengler [verziert] Das beiliegende Billet bittet Otto dem Robert Weiß [?] möglichst bald zu übersenden") | ''Liebste Mutter! Meinen herzlichen Dank für den Brief u. die 2 Bücher, welche wir heute d[ur]ch Gutenberg Adolf erhielten'' […] (Die Vorlesungen haben angefangen, die Professoren gefallen ihm … Besuch bei Gutenberg, mit "Plachetka’s" hat er sich "trefflich" unterhalten; "Sonst nichts Neues. An Alle viele Grüße! … Es küßt Ihnen vielmals die Hände Ihr dankbarer Sohn F X Spaengler [verziert] Das beiliegende Billet bittet Otto dem Robert Weiß [?] möglichst bald zu übersenden") | ||
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Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz II. Xaver Gregor Spängler = Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von (vor allem) Freunden und (einigen) Verwandten (die meisten Namen sind für mich leider unlesbar = XX; ich habe die Briefe nur chronologisch geordnet, zusammengebunden waren sie bereits: Ort/Datum/Absender) an Nr. 18 Franz Spängler: 27. 10. 1860 Julius PlazXXy [Julius Ritter von Plazer]; Aschermittwoch 1862 Cousine Therese [v. Lürzer?]; 19. 5. 1862 Freund Jul. PlazXX [Julius Ritter von Plazer]; Innsbruck 14. 6. 1862; Salzburg 13. 12. 1868 Freund KoXX; Ried 2. 2. 1869 Otto Dunkler; mit Umschlag Gesangsfest August 1869 in Salzburg, Einladung dazu und Programm; 30. 6. 1870 Freund Al. KXX; Lainz 14. 9. 1871 Freund Fr. Fenzl; Wien 24. 9. 1871 Cousin und Cousine Vinzenz und Josefine A. [Arrigler?]; Innsbruck 1. 10. 1871 Vetter Adolf; Zara 13. 10. 1871 Vetter LoXX; Salzburg 1. 12. 1871 Anna Lanser; Wien 12. 4. 1872 Freund Kaserer; Mödling 12. 4. 1872; mit Umschlag Salzburg 10. 10. 1872 Wappensiegel Weiß (?); Wien 27. 9. 1874. | Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz II. Xaver Gregor Spängler = Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von (vor allem) Freunden und (einigen) Verwandten (die meisten Namen sind für mich leider unlesbar = XX; ich habe die Briefe nur chronologisch geordnet, zusammengebunden waren sie bereits: Ort/Datum/Absender) an Nr. 18 Franz Spängler: 27. 10. 1860 Julius PlazXXy [Julius Ritter von Plazer]; Aschermittwoch 1862 Cousine Therese [v. Lürzer?]; 19. 5. 1862 Freund Jul. PlazXX [Julius Ritter von Plazer]; Innsbruck 14. 6. 1862; Salzburg 13. 12. 1868 Freund KoXX; Ried 2. 2. 1869 Otto Dunkler; mit Umschlag Gesangsfest August 1869 in Salzburg, Einladung dazu und Programm; 30. 6. 1870 Freund Al. KXX; Lainz 14. 9. 1871 Freund Fr. Fenzl; Wien 24. 9. 1871 Cousin und Cousine Vinzenz und Josefine A. [Arrigler?]; Innsbruck 1. 10. 1871 Vetter Adolf; Zara 13. 10. 1871 Vetter LoXX; Salzburg 1. 12. 1871 Anna Lanser; Wien 12. 4. 1872 Freund Kaserer; Mödling 12. 4. 1872; mit Umschlag Salzburg 10. 10. 1872 Wappensiegel Weiß (?); Wien 27. 9. 1874. | ||
Bei diesen Briefen wurden bei den anderen Jahreszahlen keine Verweise geschrieben. - Ohne Ort und Datum. - ["1"] Briefumschlag (Stempel Salzburg 20. 2. XX) "Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Franz Xaver Späng[ler] k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg." [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Freising 17. 9. 1865 Verehrtester Freund... Ihr aufrichtig ergebener Rudolf Handel; Linz 30. 3. 1866 (1,5 Bogen); Linz 19 .4. 1866 Lieber Dr. Spängler... Ihr ergebener Rudolf Ha[ndel]; 19. 6. 1866 Verehrtester Freund...; Freising 26. 10. 1866 Verehrter Freund... Ihr ergebener Frd Rudolf Ha[ndel]; Linz 10.12.1866 Lieber Doktor Spängler... (1,5 Bogen); o. O. u. J. Verehrter Freund.... – ["2"] Briefumschlag (Stempel Salzburg 19. 1. XX; rotes Siegel) "Sr. Wohlgeboren Herrn Franz Xaver Spängler der Rechte Doktor, und k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg." [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Linz 14. 7. o. J. Verehrtester Freund...; 20. 2. 1867 Mein verehrter Freund...; Linz 4. 3. 1867 Verehrter Freund... Ihr ergebener Rudolf Handel; Linz 21. 4. 1867; 5. 7. 1867 Lieber Freund... Ihr aufrichtiger Rudolf Ha; Freising 30. 10. ohne Jahr; Linz 17. 6. 1868. | Bei diesen Briefen wurden bei den anderen Jahreszahlen keine Verweise geschrieben. - Ohne Ort und Datum. - ["1"] Briefumschlag (Stempel Salzburg 20. 2. XX) "Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Franz Xaver Späng[ler] k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg." [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf #Handel = Freising 17. 9. 1865 Verehrtester Freund... Ihr aufrichtig ergebener Rudolf Handel; Linz 30. 3. 1866 (1,5 Bogen); Linz 19 .4. 1866 Lieber Dr. Spängler... Ihr ergebener Rudolf Ha[ndel]; 19. 6. 1866 Verehrtester Freund...; Freising 26. 10. 1866 Verehrter Freund... Ihr ergebener Frd Rudolf Ha[ndel]; Linz 10.12.1866 Lieber Doktor Spängler... (1,5 Bogen); o. O. u. J. Verehrter Freund.... – ["2"] Briefumschlag (Stempel Salzburg 19. 1. XX; rotes Siegel) "Sr. Wohlgeboren Herrn Franz Xaver Spängler der Rechte Doktor, und k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg." [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Linz 14. 7. o. J. Verehrtester Freund...; 20. 2. 1867 Mein verehrter Freund...; Linz 4. 3. 1867 Verehrter Freund... Ihr ergebener Rudolf Handel; Linz 21. 4. 1867; 5. 7. 1867 Lieber Freund... Ihr aufrichtiger Rudolf Ha; Freising 30. 10. ohne Jahr; Linz 17. 6. 1868. | ||
["3"] Briefumschlag (Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten) Herrn Dr. Franz Xaver Spängler k.k. Landesger[.] Auskultant Wohlgeboren Salzburg." [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = o. O. u. J. ...Ihr ergebener Rolf Han; mit Trauerrand 5. 1. 1870 ...Ihr ergebener Freund Rolf Han; 14. 1. 1870 Lieber Doktor...; Linz 19. 1. 1870 blaues Papier, "Herrn Baron Seiller zur Einsicht."; 31. 12. 1870; beigelegt gedruckte, kleine "Einladung zum Abiturienten-Valete im [[St. Joseph (Gutshof)|Kaserer-Hof]] am 5. August 1858". | ["3"] Briefumschlag (Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten) Herrn Dr. Franz Xaver Spängler k.k. Landesger[.] Auskultant Wohlgeboren Salzburg." [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = o. O. u. J. ...Ihr ergebener Rolf Han; mit Trauerrand 5. 1. 1870 ...Ihr ergebener Freund Rolf Han; 14. 1. 1870 Lieber Doktor...; Linz 19. 1. 1870 blaues Papier, "Herrn Baron Seiller zur Einsicht."; 31. 12. 1870; beigelegt gedruckte, kleine "Einladung zum Abiturienten-Valete im [[St. Joseph (Gutshof)|Kaserer-Hof]] am 5. August 1858". | ||
Bei den Handel-Briefen wurde nur ein Verweis bei 1865 geschrieben ["mehrere Briefe 1865 bis 1870"]. Über Handel habe ich bisher nichts gefunden. | Bei den Handel-Briefen wurde nur ein Verweis bei 1865 geschrieben ["mehrere Briefe 1865 bis 1870"]. Über Handel habe ich bisher nichts Näheres gefunden. Vgl. im blauen Umschlag Telegramm, aufgegeben in Linz am 15. September 1871: ''Herrn Dr. Franz Spängler // Salzburg // Mit freudiger Überraschung die herzlichsten Glückwünsche'' [zur Verlobung] ''Handel.'' | ||
Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Julius Ritter von #Plazer. | |||
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Es steht "gedeilich" für "gedeihlich", "Wärtherin" für "Wärterin", "Mahl" für "Mal" ("zum 3 te[n] Mahl" (das n in -ten fällt praktisch immer weg). An anderen Stellen (in den folgenden Briefen) schreibt sie u. a. "geschmählert", "theuer", "Banhof", "Thee", "Urtheil", "Leuthe", "bethen" usw. Das Dehnungs-h ist gewöhnliche Schreibweise der Zeit, allerdings nicht an allen Stellen, wo die Schreiberin es setzt (z. B. "gefählt" für "gefällt"). – "Otto Sattlerischen" steht für "Otto Sattler", d. h. Otto aus der Familie der Sattler[ischen]. Schwierig ist die Übertragung von Eigennamen, weil z. B. in einer möglichen Folge von e und n, ja sogar manchmal einschließlich a, o, u und r [!] die Schreiberin einfache "nnn" verwendert, z. B. "nnnndlich" für "unendlich" (auch ohne u-Bogen). Selbst in kürzeren Wörtern sind "a" und "e" oft nicht zu unterscheiden. Ob es "fast" oder "fest" heißen muss, versuche ich aus dem Zusammenhang zu entscheiden. "Onkl" am Schluss des Briefes vom 25. und 26. Mai 1861 belasse ich; an vielen Stellen vermute ich einen Anklang an den Dialekt. | Es steht "gedeilich" für "gedeihlich", "Wärtherin" für "Wärterin", "Mahl" für "Mal" ("zum 3 te[n] Mahl" (das n in -ten fällt praktisch immer weg). An anderen Stellen (in den folgenden Briefen) schreibt sie u. a. "geschmählert", "theuer", "Banhof", "Thee", "Urtheil", "Leuthe", "bethen" usw. Das Dehnungs-h ist gewöhnliche Schreibweise der Zeit, allerdings nicht an allen Stellen, wo die Schreiberin es setzt (z. B. "gefählt" für "gefällt"). – "Otto Sattlerischen" steht für "Otto Sattler", d. h. Otto aus der Familie der Sattler[ischen]. Schwierig ist die Übertragung von Eigennamen, weil z. B. in einer möglichen Folge von e und n, ja sogar manchmal einschließlich a, o, u und r [!] die Schreiberin einfache "nnn" verwendert, z. B. "nnnndlich" für "unendlich" (auch ohne u-Bogen). Selbst in kürzeren Wörtern sind "a" und "e" oft nicht zu unterscheiden. Ob es "fast" oder "fest" heißen muss, versuche ich aus dem Zusammenhang zu entscheiden. "Onkl" am Schluss des Briefes vom 25. und 26. Mai 1861 belasse ich; an vielen Stellen vermute ich einen Anklang an den Dialekt. | ||
[[Datei:Brief vom 14. April 1861, Seite 1.JPG|thumb|Brief vom 14. April 1861, Seite 1]] | [[Datei:Brief vom 14. April 1861, Seite 1.JPG|thumb|Brief vom 14. April 1861, Seite 1]] | ||
Problematisch wird es für jemand, der keine bzw. kaum Kenntnis von Salzburger Lokalitäten hat, und so ist etwa "Peterennental" im Brief vom 14. April 1861<ref> Im Brief vom 24. Mai 1861 sieht das Wort etwas anders aus: "Peterennenberl".</ref> , erste Seite unten, für mich nur mit Fragezeichen lesbar (wenn jemand die Lösung kennt, korrigiere ich gern). Soweit nur diese erste Seite dieses Briefes, die m. E. nur scheinbar "leicht lesbar" ist (man vergleiche dazu das Foto "Brief vom 14. April 1861, Seite 1"). – Auch an weiteren Stellen in diesem Brief (und in anderen, folgenden Briefen) versuche | Problematisch wird es für jemand, der keine bzw. kaum Kenntnis von Salzburger Lokalitäten hat, und so ist etwa "Peterennental" im Brief vom 14. April 1861<ref> Im Brief vom 24. Mai 1861 sieht das Wort etwas anders aus: "Peterennenberl".</ref> , erste Seite unten, für mich nur mit Fragezeichen lesbar (wenn jemand die Lösung kennt, korrigiere ich gern). Soweit nur diese erste Seite dieses Briefes, die m. E. nur scheinbar "leicht lesbar" ist (man vergleiche dazu das Foto "Brief vom 14. April 1861, Seite 1"). – Auch an weiteren Stellen in diesem Brief (und in anderen, folgenden Briefen) versuche ich buchstabengetreu zu übertragen. Selten meine ich durch einen Buchstaben in eckigen Klammern verdeutlichen zu müssen, dass es nicht mein Tippfehler ist, sondern die Schreiberin auf diesen Buchstaben tatsächlich "verzichtet". Ab und zu muss ich einen Buchstaben ergänzen, der offenbar aus Flüchtigkeit fehlt, z. B. "Donner[s]bach" im Brief vom 25. und 26. Mai 1861. | ||
Im Brief vom 21. April 1861 schreibt sie auf Seite 1, zweite Zeile, "Glükswunsch" (und so durchgehend in all ihren Briefen), ohne "c", aber mit einem Schluss-s im Wort. Da das Wort nicht getrennt geschrieben ist, markiere ich das nicht. An der gleichen Stelle, eine Zeile weiter, schreibt sie "Geburtstag" wiederum mit einem Schluss-s, ebenfalls zusammengeschrieben. Im Brief vom 22. Juni 1861 belasse ich jedoch ein "Glü[c]ks wünsche", weil einerseits nach dem Schluss-s ein deutlicher Abstand ist, andererseits ein winziger Haken vor dem "k" ein "ck" markieren könnte. (Konsequente Übertragung ist das nicht immer, und das mögliche Häkchen vor dem k ist ein generelles Problem in allen Briefen, auch in den Briefen anderer.) Oben vermerkt ist, dass sie durchgehend "das" für "daß" (d. h. nach Komma, Bedeutung: "welches") schreibt, in anderen Wörtern verwendet sie jedoch durchgehend "ß": "fleißig", "gewiß", "beßer", "Außsehen", "Genuß", "läßt", "grüßen", "außgebreitet" und so weiter. Sie verwendet allerdings auch ss in z. B. "lassen", kann jedoch "dies" auch mit einem Schluss-s schreiben. Getrennt belasse ich im Brief vom 25. und 26. Mai 1861 (auf der dritten Seite) "Oberlandes gerichts rath", weil nach den beiden Schluss-s ein deutlicher Abstand besteht. | Im Brief vom 21. April 1861 schreibt sie auf Seite 1, zweite Zeile, "Glükswunsch" (und so durchgehend in all ihren Briefen), ohne "c", aber mit einem Schluss-s im Wort. Da das Wort nicht getrennt geschrieben ist, markiere ich das nicht. An der gleichen Stelle, eine Zeile weiter, schreibt sie "Geburtstag" wiederum mit einem Schluss-s, ebenfalls zusammengeschrieben. Im Brief vom 22. Juni 1861 belasse ich jedoch ein "Glü[c]ks wünsche", weil einerseits nach dem Schluss-s ein deutlicher Abstand ist, andererseits ein winziger Haken vor dem "k" ein "ck" markieren könnte. (Konsequente Übertragung ist das nicht immer, und das mögliche Häkchen vor dem k ist ein generelles Problem in allen Briefen, auch in den Briefen anderer.) Oben vermerkt ist, dass sie durchgehend "das" für "daß" (d. h. nach Komma, Bedeutung: "welches") schreibt, in anderen Wörtern verwendet sie jedoch durchgehend "ß": "fleißig", "gewiß", "beßer", "Außsehen", "Genuß", "läßt", "grüßen", "außgebreitet" und so weiter. Sie verwendet allerdings auch ss in z. B. "lassen", kann jedoch "dies" auch mit einem Schluss-s schreiben. Getrennt belasse ich im Brief vom 25. und 26. Mai 1861 (auf der dritten Seite) "Oberlandes gerichts rath", weil nach den beiden Schluss-s ein deutlicher Abstand besteht. | ||
Ihre Unterschrift ist (fast) durchgehend "Spángler", aber im Text schreibt sie "erzählen" und "küßt". Ob das ein Argument für den Namenswechsel von "Spangler" zu "Spängler" ist, der zuweilen eifrig diskutiert wird, wage ich nicht zu entscheiden. Im Brief schreibt sie jedoch von anderen Personen z. B. "Franz Spängler" mit einem "ä" (einmal allerdings von der gleichen Person auch "Franz Spángler). – Durchgehend schreibt sie "bey" für "bei", manchmal auch mit "ӳ" (nicht markiert), auch "dabeӳ". – Dass sie bei Familiennamen in aller Regel ein "von" setzt, "Frau von Schaup | Ihre Unterschrift ist (fast) durchgehend "Spángler", aber im Text schreibt sie "erzählen" und "küßt". Ob das ein Argument für den Namenswechsel von "Spangler" zu "Spängler" ist, der zuweilen eifrig diskutiert wird, wage ich nicht zu entscheiden. Im Brief schreibt sie jedoch von anderen Personen z. B. "Franz Spängler" mit einem "ä" (einmal allerdings von der gleichen Person auch "Franz Spángler). – Durchgehend schreibt sie "bey" für "bei", manchmal auch mit "ӳ" (nicht markiert), auch "dabeӳ". – Dass sie bei Familiennamen in aller Regel ein "von" setzt, "Frau von Schaup", "Herr v Fenzl" usw., ist wohl eine Art Höflichkeitsformel (?). Aber sie schreibt manchmal auch einfach "die Schaup". In der Regel folgt der Vorname dem Familiennamen: "Guttenberg Ludwich" (lateinische Schrift). – Bei den Vokalen scheint sie "altertümliche" Formen zu bevorzugen: "kömmt" für "kommt", "schücken" für "schicken", "würklich" usw. Durchgehend löse ich den Verdopplungsstrich über einem n oder m ohne Kommentar in "nn" und "mm" auf. Sie schreibt jedoch "inigst", "Sontag" usw., und das belasse ich (unkommentiert). Aber regellos steht auch "gemeß" für "gemäß" u. ä. Und es folgt (praktisch durchgehend) "Nammenstag" (mit deutlichem Reduplikationsstrich über dem m). | ||
[[Datei:Deutsche Schrift um 1861.JPG|thumb|Deutsche Schrift um 1861]] | [[Datei:Deutsche Schrift um 1861.JPG|thumb|Deutsche Schrift um 1861]] | ||
Genau wie bei den Söhnen Franz und Otto (und in den Briefen anderer) ist bei "d" nicht (oder kaum) zu unterscheiden, ob es als Groß- oder Kleinbuchstabe gedacht ist (so auch vielfach bei b und f, vgl. Fußnote zum Brief vom 1. Jänner 1862). Darauf wird in den Fußnoten zu anderen Briefen mehrfach hingewiesen; ich übertrage sinngemäß. – Sie will einen Brief "Siglen" für "siegeln" (Brief vom 25. und 26. Mai, Anfang eines beiliegenden Blattes); das belasse ich. Und es folgt das "Gewölb". Auch hier kann man wohl Mundart-Anklang vermuten. Sie schreibt "Lebensmitl" (mit Schluss-s, aber zusammengeschrieben). Die Groß- und Kleinbuchstaben sind ein generelles Problem. Sie schreibt in der Regel "Abends" (Brief vom 24. Mai 1861, erste Seite, oben) und an gleicher Stelle "Morgen" für "morgen". Es geht ihm "beßer Gottlob" (mit großem G) u. ä. Manchmal ist das "g" so klein, dass ich "gottlob" übertrage. Auch schreibt sie, dass jemand "kranck" ist, aber auch "er ist Kranck" und etwa "sterbfälle" u. ä. – Wie sie ihre Großbuchstaben formt, sieht man an meinem beigefügten Versuch einer Darstellung "deutsche Schrift um 1861", die vielleicht eine Schulschrift aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist). Das ist für mich selbst hilfreich. Neben dem Großbuchstaben ist manchmal eine Variante vermerkt. Natürlich ist der Schriftzug einer fließenden Schreibschrift entsprechend eher nach rechts geneigt. | Genau wie bei den Söhnen Franz und Otto (und in den Briefen anderer) ist bei "d" nicht (oder kaum) zu unterscheiden, ob es als Groß- oder Kleinbuchstabe gedacht ist (so auch vielfach bei b und f, vgl. Fußnote zum Brief vom 1. Jänner 1862). Darauf wird in den Fußnoten zu anderen Briefen mehrfach hingewiesen; ich übertrage sinngemäß. – Sie will einen Brief "Siglen" für "siegeln" (Brief vom 25. und 26. Mai, Anfang eines beiliegenden Blattes); das belasse ich. Und es folgt das "Gewölb". Auch hier kann man wohl Mundart-Anklang vermuten. Sie schreibt "Lebensmitl" (mit Schluss-s, aber zusammengeschrieben). Die Groß- und Kleinbuchstaben sind ein generelles Problem. Sie schreibt in der Regel "Abends" (Brief vom 24. Mai 1861, erste Seite, oben) und an gleicher Stelle "Morgen" für "morgen". Es geht ihm "beßer Gottlob" (mit großem G) u. ä. Manchmal ist das "g" so klein, dass ich "gottlob" übertrage. Auch schreibt sie, dass jemand "kranck" ist, aber auch "er ist Kranck" und etwa "sterbfälle" u. ä. – Wie sie ihre Großbuchstaben formt, sieht man an meinem beigefügten Versuch einer Darstellung "deutsche Schrift um 1861", die vielleicht eine Schulschrift aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist). Das ist für mich selbst hilfreich. Neben dem Großbuchstaben ist manchmal eine Variante vermerkt. Natürlich ist der Schriftzug einer fließenden Schreibschrift entsprechend eher nach rechts geneigt. | ||
Es wäre reizvoll (aber von mir, [[Otto Holzapfel]], nicht zu leisten), die Entwicklung der Schriftform weiterzuverfolgen bis nach der Jahrhundertwende; ab 1911 wird sie normiert. Ein Vergleich ergäbe sich mit der Schulschrift, wie sie zum Brief vom 9. April 1890 skizziert wird. | |||
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''Wie ich durch die F v Scheffer'' [?] ''höre so geht es bey Herrn v Fenzl wider beßer Gottlob, und man weiß noch gar nicht wo und was sie beginnen. Guttenberg Ludwich war bey mir ich habe ihm schon gesagt er möge mich öfter besuchen ich werde ihm am Sontag zum speisen einladen, und dan wer[den] wir zum Peterennenberl'' [?] ''gehen [und] ihn auch mitnehmen. Es ist nun so natal'' [?] '', das ich ihm so wenig Angenehmes bieten kann. Endlich gestern war der erste schöne Tag, wie lange es bleibt weiß ich nicht, das Obst ist, wie ich höre ganz verdorben, wie sehr bedaure ich dieß. Heute ist die Bizitazion'' [Visitation] ''bey Basser'' [?] ''in unserm Hauß. Die Klaußhofer hat die vorige Woche das Silbernendinst Kreutz mit den XXrauen'' [Frauen?] ''erhalten es soll recht schön geweßen sein. Der Frau von Schaup geht es ziemlich gut, sie freut sich schon auf Euch beyde recht sehr. / | ''Wie ich durch die F v Scheffer'' [?] ''höre so geht es bey Herrn v Fenzl wider beßer Gottlob, und man weiß noch gar nicht wo und was sie beginnen. Guttenberg Ludwich war bey mir ich habe ihm schon gesagt er möge mich öfter besuchen ich werde ihm am Sontag zum speisen einladen, und dan wer[den] wir zum Peterennenberl'' [?] ''gehen [und] ihn auch mitnehmen. Es ist nun so natal'' [?] '', das ich ihm so wenig Angenehmes bieten kann. Endlich gestern war der erste schöne Tag, wie lange es bleibt weiß ich nicht, das Obst ist, wie ich höre ganz verdorben, wie sehr bedaure ich dieß. Heute ist die Bizitazion'' [Visitation] ''bey Basser'' [?] ''in unserm Hauß. Die Klaußhofer hat die vorige Woche das Silbernendinst Kreutz mit den XXrauen'' [Frauen?] ''erhalten es soll recht schön geweßen sein. Der Frau von Schaup geht es ziemlich gut, sie freut sich schon auf Euch beyde recht sehr. / | ||
''Habt Ihr den Brief durch Herrn v Danninger schon erhalten? | ''Habt Ihr den Brief durch Herrn v Danninger schon erhalten? Hotschizka <ref>im Brief vom 28. Juni 1862: Hotschitzka</ref> war nun 2 mal da einmal brachte er mir den Brief von dem Graf'' [lateinische Schrift:] ''Aumal'' [?] '', welchen ich gelesen, aber am andren Tag hatte er denselben schon wider. Die Quit[t]ungen will er mir schreiben und auch unterschreiben, statt den Vormund, damit man ihm nicht plagen darf, welche ich dan einkassiere da man bey diesen Zeiten nie weiß was mit denen'' [lateinische Schrift:] ''Obligationen geschieht. es ist immer beßer was man sichern kann, für den Wittwenfond gebe ich auch heute die Quittung zum Herrn Pfauner'' [?] ''. Es geht so alles der Ordnung gemeß, dieser Tage speißte gar der'' [Alois] ''Kalhofer beim Erzpischof [!], könnt Ihr Euch vorstellen welche Freude seine Mutter und alle hatten; Es geht ihm sehr gut, bey der Hl Firmung hatte er immer sehr viel zu thun, er gefählt mir sehr gut bey seinen Verrichtungen, auch der Schwimmersten'' [?] ''und Plum'' [?] '', hatten dabey zu thun, es waren sehr viele Firmung Leute. Hier sind sehr viele am Scharlach krank, doch von sterbfällen hört man wenig. Das die Gschnitzer Klara Braut ist werdet Ihr vieleicht schon wissen, den'' [unterstrichen:] ''Geßeln'' [?] '', wie ich höre so ist im August schon die Hochzeit. / | ||
''Die Gabriella läßt Euch recht sehr grüßen. Seht ja alle beide die'' [lateinische Schrift:] ''Colloquien recht bald zu machen, damit ihr gewiß zum Ziele kömt. Wie ich hoffe so werdet Ihr das Geld, Kaffe, Schokolad, welches ich durch die Niedermaßen'' [?] ''geschückt, richtig erhalten haben, durch Herrn Trammer werde ich, wenigstens wider schreiben. Rudolf wurde durch Herrn Grunzinger'' [?] ''zur Heil Firmung geführt, weil der Herr Major Krank war, er bekam von ihm eine recht schöne Metalie'' [Medaille] ''in einem Etuie und eine Bomeransche. Von Herrn Major aber ein großes Reise-Etuie mit allem möglichen versehen, wunderschön, und nützlich, für spätere Jahre, es hat gewiß 18_ bis 20 fl'' [Florin, Gulden] ''gekostet. Wir sind Gottlob alle wohl. Pepi wird auch schwimmen gehen wen anders die Witterung noch so warm wird, den noch wird fast überall noch geswitzt. Die Spiele haben aufgehört weil die Frau von Schaffner nicht mehr recht sich zeit nimt wegen der Roll welche noch immer krank, und in der Stadt ist. Bey Fenzl bitte ich mich freundlich zu entrichten, nehmt Euch ja in dieser langen Zeit für die armme'' [?] ''Frau der jungen Leuten recht an, sie werden es Euch gewiß gütig auf nehmen vergeltet bey ihnen ja'' [unterstrichen:] ''gleiches mit '' [unterstrichen:] ''gleichem. Lebt recht wohl, es küßt Euch mit iniger Liebe Euch Gottes Schutz empfehlend Eure treue Mutter Spangler // Alle grüßen Euch herzl.'' | ''Die Gabriella läßt Euch recht sehr grüßen. Seht ja alle beide die'' [lateinische Schrift:] ''Colloquien recht bald zu machen, damit ihr gewiß zum Ziele kömt. Wie ich hoffe so werdet Ihr das Geld, Kaffe, Schokolad, welches ich durch die Niedermaßen'' [?] ''geschückt, richtig erhalten haben, durch Herrn Trammer werde ich, wenigstens wider schreiben. Rudolf wurde durch Herrn Grunzinger'' [?] ''zur Heil Firmung geführt, weil der Herr Major Krank war, er bekam von ihm eine recht schöne Metalie'' [Medaille] ''in einem Etuie und eine Bomeransche. Von Herrn Major aber ein großes Reise-Etuie mit allem möglichen versehen, wunderschön, und nützlich, für spätere Jahre, es hat gewiß 18_ bis 20 fl'' [Florin, Gulden] ''gekostet. Wir sind Gottlob alle wohl. Pepi wird auch schwimmen gehen wen anders die Witterung noch so warm wird, den noch wird fast überall noch geswitzt. Die Spiele haben aufgehört weil die Frau von Schaffner nicht mehr recht sich zeit nimt wegen der Roll welche noch immer krank, und in der Stadt ist. Bey Fenzl bitte ich mich freundlich zu entrichten, nehmt Euch ja in dieser langen Zeit für die armme'' [?] ''Frau der jungen Leuten recht an, sie werden es Euch gewiß gütig auf nehmen vergeltet bey ihnen ja'' [unterstrichen:] ''gleiches mit '' [unterstrichen:] ''gleichem. Lebt recht wohl, es küßt Euch mit iniger Liebe Euch Gottes Schutz empfehlend Eure treue Mutter Spangler // Alle grüßen Euch herzl.'' | ||
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==== Brief vom 25. und 26. Mai 1861 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | ==== Brief vom 25. und 26. Mai 1861 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | ||
Brief von der Mutter [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] und Otto Spängler in Wien. Ein Bogen und ein Blatt ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [?] = unsichere Lesung; XX = unleserlich; Leseabsätze eingefügt:<br /> | Brief von der Mutter [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] und Otto Spängler in Wien. Ein Bogen und ein Blatt ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [?] = unsichere Lesung; XX = unleserlich; Leseabsätze eingefügt:<br /> | ||
''Salzburg den 25/5 [18]61 // Meine inigst geliebten Theuren! // Gestern war ich bey Herrn Prälaten und brachte ihm das kleine Paketl mit Briefen und Thee, ich ging auch zu Frau von Dreßler es ihr zu sagen, allein sie bekamm einen Antrag von HeXX Sattler werden schreiben, sie bittet auch beiliegenden Brief an Hitzgeren'' [?] ''so bald als möglich in die Stadtpost zu übergeben weil am Dinstag sein Nammenstag ist. Eben so glaube ich auch das Herrn v Fenzl und Wilhelm Nammenstag ist, ich bitte mich freundlichst zu entrichten bey beiden für den Herrn werde ich ein'' [latein. Schrift:] ''Billet senden. Die Schaup welche sich ganz leidlich befindet, läßt Euch recht herzlich grüßen, sie freut sich schon auf Euch. Wißt Ihr schon, das der Kratochwill 2 ter Magißratsrath geworden ist, mit 1000 Gulden, ich meinte er dürfte schon zufrieden sein, er beantragte freulich die Erste. Der Herr Prälat, sagte zu mir das der Herr Prälat von Michlbeuern zu ihm gekommen, und hat ihn beredet, noch den selben Tag abzureisen, wo er dan / auch sogleich einwilligte, und sie fuhren dan sogleich um ½ 8 Uhr am Banhof<ref>Sie schreibt "Banhof"; an anderen Stellen füge ich [ | ''Salzburg den 25/5 [18]61 // Meine inigst geliebten Theuren! // Gestern war ich bey Herrn Prälaten und brachte ihm das kleine Paketl mit Briefen und Thee, ich ging auch zu Frau von Dreßler es ihr zu sagen, allein sie bekamm einen Antrag von HeXX Sattler werden schreiben, sie bittet auch beiliegenden Brief an Hitzgeren'' [?] ''so bald als möglich in die Stadtpost zu übergeben weil am Dinstag sein Nammenstag ist. Eben so glaube ich auch das Herrn v Fenzl und Wilhelm Nammenstag ist, ich bitte mich freundlichst zu entrichten bey beiden für den Herrn werde ich ein'' [latein. Schrift:] ''Billet senden. Die Schaup welche sich ganz leidlich befindet, läßt Euch recht herzlich grüßen, sie freut sich schon auf Euch. Wißt Ihr schon, das der Kratochwill 2 ter Magißratsrath geworden ist, mit 1000 Gulden, ich meinte er dürfte schon zufrieden sein, er beantragte freulich die Erste. Der Herr Prälat, sagte zu mir das der Herr Prälat von Michlbeuern zu ihm gekommen, und hat ihn beredet, noch den selben Tag abzureisen, wo er dan / auch sogleich einwilligte, und sie fuhren dan sogleich um ½ 8 Uhr am Banhof<ref>Sie schreibt "Banhof"; an anderen Stellen füge ich, [[Otto Holzapfel]], zuweilen einen Buchstaben in eckigen Klammern ein, um zu verdeutlichen, dass es nicht mein Tippfehler ist.</ref>. Er sagte, ihr habt es nun einzubringen einmal nach Donner[s]bach zu gehen.'' | ||
''Lieber Otto ich bitte dich vergeße es ja nicht dir Often im Lawonar'' [Lavoir] ''die Füße zu waschen, damit, durch die Unreinlichkeit kein übler geruch im Zimmer entsteht, und gieb ja die Sokl alle Wochen in die Wasch, damit selbe nicht durch das lange liegen im Schweiß mürbe werden. Gestern sagte mir die Frau von Dreßler das'' [latein. Schrift:] ''Cosserin sich den Thee bey Frau von Fenzl nehme welcher so gütig ist ihm immer 2 Loth zu geben, das Loth a 16 Xe[r]'' [Kreuzer] '', und ich muß selben hier 18 bezahlen, da werde ich wohl Euch bitten mir unten'' [in Wien] ''etwa vor den Herauf gehen ¼ M'' [Pfundzeichen] ''zu kaufen und herauf zu nehmen, den ich habe meinen fast allen hergegeben. Heute ist der 26 te wo ich diesen Brief beende Gestern war ich bey Schmelzing, wo er mir sagte das Franz Spängler<ref>unklar, wer damit gemeint ist</ref> ganz gute Noten bekam, ich glaube ich glaube'' [!] ''mit sehr guten Kentnißen. aber hier sind sie ihm alle nicht geneigt, durch sein unvorsichtiges vorlautes Urtheil, besonders hat es / sie alle sehr verdroßen das er sich zu Herrn v Kettenwandl'' [?] ''verlautete, es wird es von allen hiesigen keiner zum Oberlandesgerichtsrath bringen außer höchstens der Herr v Mathes, es ist doch grob etwas solches zu sagen der Herr Landes gerichts rath sagte ich möchte es Euch schreiben Ihr werdet Euch gewiß darüber entsetzen. Den Guttenberg lade ich am fronleich mans tag ein weil es mir heute mit den Leuthen nicht recht auß ging. O meine lieben Kinder ich denke höchstens noch 8 bis 9. Sontag und es ist doch wider einer'' [Otto] ''hier, wie werde ich mich freuen. Lebt recht wohl meine inigst geliebten ich bethe schon recht fleißig für Euch bethet auch Ihr für mich. // Für den Rock bekamm man nicht mehr als 2 fl'' [Gulden] ''und für die Schuhe 25 N xr'' [Kreuzer] '' – jener wenigstens ist es weg und es dürfen den Rock doch die Schaben nicht freßen. Bey Spängler geht es dem Onkl gut Mit iniger Liebe // Eure // treue Mutter // Spángler. /'' | ''Lieber Otto ich bitte dich vergeße es ja nicht dir Often im Lawonar'' [Lavoir] ''die Füße zu waschen, damit, durch die Unreinlichkeit kein übler geruch im Zimmer entsteht, und gieb ja die Sokl alle Wochen in die Wasch, damit selbe nicht durch das lange liegen im Schweiß mürbe werden. Gestern sagte mir die Frau von Dreßler das'' [latein. Schrift:] ''Cosserin sich den Thee bey Frau von Fenzl nehme welcher so gütig ist ihm immer 2 Loth zu geben, das Loth a 16 Xe[r]'' [Kreuzer] '', und ich muß selben hier 18 bezahlen, da werde ich wohl Euch bitten mir unten'' [in Wien] ''etwa vor den Herauf gehen ¼ M'' [Pfundzeichen] ''zu kaufen und herauf zu nehmen, den ich habe meinen fast allen hergegeben. Heute ist der 26 te wo ich diesen Brief beende Gestern war ich bey Schmelzing, wo er mir sagte das Franz Spängler<ref>unklar, wer damit gemeint ist</ref> ganz gute Noten bekam, ich glaube ich glaube'' [!] ''mit sehr guten Kentnißen. aber hier sind sie ihm alle nicht geneigt, durch sein unvorsichtiges vorlautes Urtheil, besonders hat es / sie alle sehr verdroßen das er sich zu Herrn v Kettenwandl'' [?] ''verlautete, es wird es von allen hiesigen keiner zum Oberlandesgerichtsrath bringen außer höchstens der Herr v Mathes, es ist doch grob etwas solches zu sagen der Herr Landes gerichts rath sagte ich möchte es Euch schreiben Ihr werdet Euch gewiß darüber entsetzen. Den Guttenberg lade ich am fronleich mans tag ein weil es mir heute mit den Leuthen nicht recht auß ging. O meine lieben Kinder ich denke höchstens noch 8 bis 9. Sontag und es ist doch wider einer'' [Otto] ''hier, wie werde ich mich freuen. Lebt recht wohl meine inigst geliebten ich bethe schon recht fleißig für Euch bethet auch Ihr für mich. // Für den Rock bekamm man nicht mehr als 2 fl'' [Gulden] ''und für die Schuhe 25 N xr'' [Kreuzer] '' – jener wenigstens ist es weg und es dürfen den Rock doch die Schaben nicht freßen. Bey Spängler geht es dem Onkl gut Mit iniger Liebe // Eure // treue Mutter // Spángler. /'' | ||
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==== Brief vom 6. Juli 1861 von Franz Zeller ==== | ==== Brief vom 6. Juli 1861 von Franz Zeller ==== | ||
Brief von [[Franz Zeller (Kaufmann)]]; ein Bogen mit Prägedruck "Andre Hofer Salzburg"<ref>[[Andre-Hofer-Feigenkaffeefabrik]]</ref>; Datierung unsicher, könnte auch 1867 sein; / = Seitenwechsel; X = unleserlich; // = Absatz<ref>Die Groß- und Kleinschreibung von b und B, d und D, f und F ist heutigen Regeln angepasst.</ref>:<br /> | Brief von [[Franz Zeller (Kaufmann)]]; ein Bogen mit Prägedruck "Andre Hofer Salzburg"<ref>[[Andre-Hofer-Feigenkaffeefabrik]]</ref>; Datierung unsicher, könnte auch 1867 sein; / = Seitenwechsel; X = unleserlich; // = Absatz<ref>Die Groß- und Kleinschreibung von b und B, d und D, f und F ist heutigen Regeln angepasst.</ref>:<br /> | ||
''Salzburg d 6 July 186X // Euer Wohlgeboren. // Bisher hat mich die Sorge u. Unruhe um meine Frau nicht dazu kommen laßen, nun aber doch etwas beruhigendere Berichte einlaufen, sey es meine erste Pflicht, Ihnen für Ihre aufopfernde Freundlichkeit u. für Ihren Schutz meiner schwer kranken Frau u. unserer Kinder meinen wärmsten tiefgefühlten Dank auszusprechen. Möge der Himmel Ihnen lohnen, was Sie für meine Familie in dieser Bedrängnis gethan, und genehmigen Sie die Versicherung meiner / ausgezeichneten Hochachtung u. Wertschätzung // dero // ergebenster // Franz Zeller.''<ref>Die Familie | ''Salzburg d 6 July 186X // Euer Wohlgeboren. // Bisher hat mich die Sorge u. Unruhe um meine Frau nicht dazu kommen laßen, nun aber doch etwas beruhigendere Berichte einlaufen, sey es meine erste Pflicht, Ihnen für Ihre aufopfernde Freundlichkeit u. für Ihren Schutz meiner schwer kranken Frau u. unserer Kinder meinen wärmsten tiefgefühlten Dank auszusprechen. Möge der Himmel Ihnen lohnen, was Sie für meine Familie in dieser Bedrängnis gethan, und genehmigen Sie die Versicherung meiner / ausgezeichneten Hochachtung u. Wertschätzung // dero // ergebenster // Franz Zeller.''<ref>Die [[Zeller (Familie)]] taucht in dem Briefwechsel sehr häufig auf; vgl. Brief vom 24. September 1846 (Amalie Schlegel) und folgende Briefe, auch um 1861 (Otto Spängler) und ff. bis Ende der 1870er Jahre. Auf welche Situation sich der vorliegenden Brief bezieht, ist ungeklärt.</ref> | ||
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==== Planskizze zur Stadterweiterung 1861 ==== | ==== Planskizze zur Stadterweiterung 1861 ==== | ||
Plan-Skizze zur Erweiterung der Stadt Salzburg (Abbildungen siehe oben). Entworfen von Architekt Rud. Bayer; angenommen vom Stadterweiterungskomitee am 30. November 1861.<ref>Vgl. dazu den davorstehenden Sonderdruck "Randglossen" 30. November 1861; aus diesem Bericht ergeben sich auch manche Ergänzungen hier; vgl. dazu die [[Geschichte der Stadt Salzburg]] / Die Stadterweiterung der Günderzeit; vgl. auch [[Salzburger Stadtteil]] [[Neustadt]]</ref> Farbdruck: N. Kränzl, Salzburg; Format 34 x 27,5 cm. Aus dem Besitz von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]. Handschriftliche Anmerkungen am Rand; [Ergänzungen]; [?] fragliche Stelle, für mich [ | Plan-Skizze zur Erweiterung der Stadt Salzburg (Abbildungen siehe oben). Entworfen von Architekt Rud. Bayer; angenommen vom Stadterweiterungskomitee am 30. November 1861.<ref>Vgl. dazu den davorstehenden Sonderdruck "Randglossen" 30. November 1861; aus diesem Bericht ergeben sich auch manche Ergänzungen hier; vgl. dazu die [[Geschichte der Stadt Salzburg]] / Die Stadterweiterung der Günderzeit; vgl. auch [[Salzburger Stadtteil]] [[Neustadt]]</ref> Farbdruck: N. Kränzl, Salzburg; Format 34 x 27,5 cm. Aus dem Besitz von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]. Handschriftliche Anmerkungen am Rand; [Ergänzungen]; [?] fragliche Stelle, für mich, [[Otto Holzapfel]], unleserlich; {heutige Entsprechungen und Hinweise}; die handschriftliche Nummerierung beginnt am Ende der [[Linzergasse]] neben dem geplanten "Exercier- und Dult-Platz" D und setzt sich von dort nach Westen in Richtung Bahnhof fort:<br /> | ||
''Plan-Skizze zur Erweiterung der Stadt Salzburg'' […] ''Nach Pezolts Randglossen sollen die neuen Straßen, Plä[t]ze und Höfe folgende Namen erhalten: 1 Rupertusstraße'' {Verlängerung der Linzergasse} ''/ 2 Museumsstraße'' {Wolf-Dietrich-Straße; vgl. 14} ''/ 3 XXXstr. [?] / 4 Bürgerspitalstr. / 5. [[Schrannengasse (Stadt Salzburg)|Schrannengasse]]. / 6 Schrannenpla[t]z'' {mit nahem Bahnanschluss; nicht ausgeführt, vgl. 28} ''/ 7 [[Bahnhofstraße (Stadt Salzburg)|Bahnhofstr]]. / 8 u. 9. [[Gurkerhof|Gurker]]- u. [[Lavanterhof|Lavanter.hof]].<ref>nicht ausgeführt und nicht identisch mit dem [[Gurkerhof]] und dem [[Lavanterhof]] in der Kaigasse</ref> / 10, 11, 12. Waginger- Teisendorfer- Windischmatreyer-Hof.'' {Pezolt malte um 1849 "Windischmatrey gegen den Tauern"} ''/ 13 Sekkauerhof. / 14 [[Wolf-Dietrich-Straße|Wolfdietrichstr]].'' {[[Schwarzstraße]], vgl. 2} ''/ 15 Kuen Belasy-straße.'' {Kuen-Belasy-; vgl. [[Johann Jakob Kuen von Belasy]]} ''/ 16. Schrannenprom.[enade] / 17 Sachsenb[ur]gerstr. / 18. Mühlstätterstr. / 19 Sausalerstr.<ref>vgl. [[Sausal]]</ref> / 20 Lodronhof.<ref>vgl. [[Lodron]]</ref> / 21 Sittichhof ? <ref>[[Markus Sittikus von Hohenems]]</ref> / 22 Kronprinz-Rudolph-Str.'' {[[Rainerstraße]]} ''/ 23 Landschaftsprom.[enade]'' {nicht ausgeführt; zwischen [[Hubert-Sattler-Gasse]] und [[Franz-Josef-Straße]]<ref>"Landschaft" bezieht sich auf die alte Bezeichnung der Salzburger Landesvertretung.</ref>} ''/ 24 Heinrichgasse / 25 Kasernenstr. / 26 u 27. Colloredo u Hemmahof. <ref>vgl.[[Hieronymus Graf Colloredo]] und [[Äbtissin der Benediktinerinnenabtei Nonnberg]]</ref> / 28 Fruchtpla[t]z.'' {heutige [[Schranne (Markt)]], vor der [[Andräkirche]], die in anderer Form und zurückgesetzt gebaut wurde; vgl. 6} ''/ 29 Parazelsusstr.'' {[[Faberstraße]]; [[Paracelsusstraße]]} ''/ 30 Klostergasse.'' {nicht ausgeführt: hier Verlauf der Stadtmauer} ''/ 31. Dultgasse / 32 Exerzierg. ? / 33 Schillerpl.[atz]'' {[[Makartplatz]]} ''/ 34. Vitalsstr. / 35 K.[aiserin] Elisabeth-Damm'' {[[Elisabethkai]]} ''/ 36. Virgil-Pl.[atz] / 37. Virgilstr.<ref>Der Name bezieht sich auf das frühere Virgiltor bzw. [[Mirabelltor]].</ref> / 38. Arnstraße. / 39. Friedrichstr. / 40. Thiemostraße.<ref>vgl. [[Thiemo]]</ref> / 41, 42, 43 Mühldorfer- Laufner- Friesacher-Hof<ref>vgl. [[Mühldorf am Inn]], [[Laufen an der Salzach]] und [[Friesach]]</ref> / 44. Harrach Promenade<ref>vgl. [[Franz Anton Fürst Harrach]]</ref> / 45, 46, 47, 48 Kleinmayrn-, Moll- u Vierthaler Hof, Herzog v. Salzburg. <ref>vgl. [[Johann Franz Thaddäus von Kleimayrn]], auch von Kleinmayr; [[Moll]]; vgl. [[Vierthalerstraße]]</ref> / 49. Süddamm'' {[[Giselakai]]} ''/ 50 Oberer- [Mozartdamm]'' {Rudolfskai} ''/ 51 u. Unterer Mozartdamm'' {[[Rudolfskai]]} ''/ 52 Wellenburger Hof.<ref>vgl. [[Lang von Wellenburg]]</ref> / 53. Kajetanergasse'' {Kajetanerplatz} ''/ 54 Max Gandolph-Hof.<ref>vgl. [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]]</ref> / 55 Keutschachgasse ?'' {[[Landhausgasse]]} ''/ 56 Ehrentrudgasse.'' {in etwa: [[Sebastian-Stief-Gasse]]} ''/ 57 Sterngasse.'' {[[Sterngässchen]]} | ''Plan-Skizze zur Erweiterung der Stadt Salzburg'' […] ''Nach Pezolts Randglossen sollen die neuen Straßen, Plä[t]ze und Höfe folgende Namen erhalten: 1 Rupertusstraße'' {Verlängerung der Linzergasse} ''/ 2 Museumsstraße'' {Wolf-Dietrich-Straße; vgl. 14} ''/ 3 XXXstr. [?]<ref>Für die bisher nicht lesbare Bezeichnung von Nr. 3 im Stadtplan gibt es jetzt einen interessanten Vorschlag. Die Zahl "3" steht (wie die anderen Eintragungen handschriftlich) oberhalb des "D" und der 1 "Rupertusstraße (Verlängerung der Linzergasse)" und weiter unten zweimal an den Parkanlagen als Allee weitergeführt bis Nr. "15". Ich, [[Otto Holzapfel]], versuche jetzt eine Lesung "Circusstr.", wobei das "c" über einem anderen Buchstaben korrigiert scheint. [[Walter Schlegel]] schreibt mir dazu im März 2025 u. a.: ''Auf älteren Stadtplänen von Salzburg, aus etwa der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ist der rund um den Basteiengürtel führende Weg öfters als "Circumvallations Straße" bezeichnet. Das könnte bedeuten, dass die uns unleserliche Nr. 3 in Pezolts Straßenliste am Rand neben dem neuen Stadtentwicklungsplan "Circonstr." heißen könnte […] Es ist ja zusätzlich auffallend, dass dieser gekurvte Fahrweg aus dem Altbestand exakt in den Neubauplan übernommen wird.''</ref> / 4 Bürgerspitalstr. / 5. [[Schrannengasse (Stadt Salzburg)|Schrannengasse]]. / 6 Schrannenpla[t]z'' {mit nahem Bahnanschluss; nicht ausgeführt, vgl. 28} ''/ 7 [[Bahnhofstraße (Stadt Salzburg)|Bahnhofstr]]. / 8 u. 9. [[Gurkerhof|Gurker]]- u. [[Lavanterhof|Lavanter.hof]].<ref>nicht ausgeführt und nicht identisch mit dem [[Gurkerhof]] und dem [[Lavanterhof]] in der Kaigasse</ref> / 10, 11, 12. Waginger- Teisendorfer- Windischmatreyer-Hof.'' {Pezolt malte um 1849 "Windischmatrey gegen den Tauern"} ''/ 13 Sekkauerhof. / 14 [[Wolf-Dietrich-Straße|Wolfdietrichstr]].'' {[[Schwarzstraße]], vgl. 2} ''/ 15 Kuen Belasy-straße.'' {Kuen-Belasy-; vgl. [[Johann Jakob Kuen von Belasy]]} ''/ 16. Schrannenprom.[enade] / 17 Sachsenb[ur]gerstr. / 18. Mühlstätterstr. / 19 Sausalerstr.<ref>vgl. [[Sausal]]</ref> / 20 Lodronhof.<ref>vgl. [[Lodron]]</ref> / 21 Sittichhof ? <ref>[[Markus Sittikus von Hohenems]]</ref> / 22 Kronprinz-Rudolph-Str.'' {[[Rainerstraße]]} ''/ 23 Landschaftsprom.[enade]'' {nicht ausgeführt; zwischen [[Hubert-Sattler-Gasse]] und [[Franz-Josef-Straße]]<ref>"Landschaft" bezieht sich auf die alte Bezeichnung der Salzburger Landesvertretung.</ref>} ''/ 24 Heinrichgasse / 25 Kasernenstr. / 26 u 27. Colloredo u Hemmahof. <ref>vgl. [[Hieronymus Graf Colloredo]] und [[Äbtissin der Benediktinerinnenabtei Nonnberg]]</ref> / 28 Fruchtpla[t]z.'' {heutige [[Schranne (Markt)]], vor der [[Andräkirche]], die in anderer Form und zurückgesetzt gebaut wurde; vgl. 6} ''/ 29 Parazelsusstr.'' {[[Faberstraße]]; [[Paracelsusstraße]]} ''/ 30 Klostergasse.'' {nicht ausgeführt: hier Verlauf der Stadtmauer} ''/ 31. Dultgasse / 32 Exerzierg. ? / 33 Schillerpl.[atz]'' {[[Makartplatz]]} ''/ 34. Vitalsstr. / 35 K.[aiserin] Elisabeth-Damm'' {[[Elisabethkai]]} ''/ 36. Virgil-Pl.[atz] / 37. Virgilstr.<ref>Der Name bezieht sich auf das frühere Virgiltor bzw. [[Mirabelltor]].</ref> / 38. Arnstraße. / 39. Friedrichstr. / 40. Thiemostraße.<ref>vgl. [[Thiemo]]</ref> / 41, 42, 43 Mühldorfer- Laufner- Friesacher-Hof<ref>vgl. [[Mühldorf am Inn]], [[Laufen an der Salzach]] und [[Friesach]]</ref> / 44. Harrach Promenade<ref>vgl. [[Franz Anton Fürst Harrach]]</ref> / 45, 46, 47, 48 Kleinmayrn-, Moll- u Vierthaler Hof, Herzog v. Salzburg. <ref>vgl. [[Johann Franz Thaddäus von Kleimayrn]], auch von Kleinmayr; [[Moll]]; vgl. [[Vierthalerstraße (Stadt Salzburg)|Vierthalerstraße]]</ref> / 49. Süddamm'' {[[Giselakai]]} ''/ 50 Oberer- [Mozartdamm]'' {Rudolfskai} ''/ 51 u. Unterer Mozartdamm'' {[[Rudolfskai]]} ''/ 52 Wellenburger Hof.<ref>vgl. [[Lang von Wellenburg]]</ref> / 53. Kajetanergasse'' {Kajetanerplatz} ''/ 54 Max Gandolph-Hof.<ref>vgl. [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]]</ref> / 55 Keutschachgasse ?'' {[[Landhausgasse]]} ''/ 56 Ehrentrudgasse.'' {in etwa: [[Sebastian-Stief-Gasse]]} ''/ 57 Sterngasse.'' {[[Sterngässchen]]} | ||
Auf dem "Grundriss" von 1789 (vgl. zur [[Geschichte der Stadt Salzburg]]) kann man gut erkennen, wie vor allem die weitgehend unregulierte Salzach ein breites Flussbett beansprucht. Das zeigt ebenfalls (an gleicher Stelle) der "Plan" von 1850. Voraussetzung für die Planung von 1861 war gleichfalls, dass die Festungsanlagen (umfangreich auf beiden Karten) vom "Mirabell Thor" bis zum "Linzer Thor" geschleift wurden und der neuen Bahnlinie und dem Bahnhof weichen mussten. Auf der Altstadtseite blieb der Charakter erhalten. | Auf dem "Grundriss" von 1789 (vgl. zur [[Geschichte der Stadt Salzburg]]) kann man gut erkennen, wie vor allem die weitgehend unregulierte Salzach ein breites Flussbett beansprucht. Das zeigt ebenfalls (an gleicher Stelle) der "Plan" von 1850. Voraussetzung für die Planung von 1861 war gleichfalls, dass die Festungsanlagen (umfangreich auf beiden Karten) vom "Mirabell Thor" bis zum "Linzer Thor" geschleift wurden und der neuen Bahnlinie und dem Bahnhof weichen mussten. Auf der Altstadtseite blieb der Charakter erhalten. | ||
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''Stefanitag'' [ [[Stephanitag]], Anm.] '', Morgens 8 Uhr. Guten Morgen, meine lieben; Heute Morgens wenige Minuten nach 12 Uhr kam ich nach Hause, ich unterhielt mich gottvoll; wir hatten eine grandiose Jause zu Ende des Weihnachtstages; es war auch Lotti Partenau da. Die Frau von Lacroix läßt dich grüßen, lieber Franz und dir sagen, dß es ihr sehr leid war, uns damals nicht vorlassen zu können; sie war nicht angezogen. Im nach Hause gehen wollte mich Tante Guttenberg auf heute, also 2 Tage nacheinander zum Speisen wieder einladen, aber ich bin ja bei Alberti schon geladen. Sie lud mich für heute Abends ein, und für Sonntag oder Neujahrstag wieder zu Mittag. – Da ich vor Neujahr nimmer dazu kommen werde, Ihnen zu schreiben, so sende ich Ihnen dießenmal meine beßten Wünsche. Liebste Mutter seien Sie überzeugt, dß Dankbarkeit und Liebe für Sie lebendig in meinem Herzen wohnen, dß ich den unendlichen Werth einer so guten Mutter zu schätzen weiß, und dß täglich mein erstes Gebet für Sie, liebstes Mutterl, um auch langes und glückliches Leben zum Himmel steigt. Bewahren auch Sie mir diese zärtliche Mutterliebe, mit der Sie mich jezt umfangen halten, ich will nach Kräften mich derselben werth machen. Auch du, lieber Franz, wirst von meiner aufrichtigsten und innigsten Liebe zu dir überzeugt sein, und ich kann dich versichern, dß du trotz der vielen Vergnügen, die ich genieße, mir unendlich abgehst. Und sollten wir uns auch in bälde trennen müßen, bleibe mir auch dann der selbe liebende hilfreiche Bruder, der du mir während der vielen Jahre die wir jezt zusammen sind, warst. Auch meiner guten Therese alles Glück und herzliche Grüße zum neuen Jahr, und es begleite uns alle am Ende des alten und auch im neuen Jahre der Schutz des Allerhöchsten, er walte gütig über eine Familie, die wenn auch klein, doch durch Eintracht und Liebe glücklich ist. Dieß ist der Wunsch und das Gebet Ihres Sie beide innigliebenden Otto. 26/12 – An alle alles Schöne, so wie alle Bekannten dich lieber Franz vielmals grüßen. Deine Grüße an Rose Plachetka etc. soll ich alle erwiedern. Schreiben Sie mir bald, recht bald; noch vor Neujahr!'' | ''Stefanitag'' [ [[Stephanitag]], Anm.] '', Morgens 8 Uhr. Guten Morgen, meine lieben; Heute Morgens wenige Minuten nach 12 Uhr kam ich nach Hause, ich unterhielt mich gottvoll; wir hatten eine grandiose Jause zu Ende des Weihnachtstages; es war auch Lotti Partenau da. Die Frau von Lacroix läßt dich grüßen, lieber Franz und dir sagen, dß es ihr sehr leid war, uns damals nicht vorlassen zu können; sie war nicht angezogen. Im nach Hause gehen wollte mich Tante Guttenberg auf heute, also 2 Tage nacheinander zum Speisen wieder einladen, aber ich bin ja bei Alberti schon geladen. Sie lud mich für heute Abends ein, und für Sonntag oder Neujahrstag wieder zu Mittag. – Da ich vor Neujahr nimmer dazu kommen werde, Ihnen zu schreiben, so sende ich Ihnen dießenmal meine beßten Wünsche. Liebste Mutter seien Sie überzeugt, dß Dankbarkeit und Liebe für Sie lebendig in meinem Herzen wohnen, dß ich den unendlichen Werth einer so guten Mutter zu schätzen weiß, und dß täglich mein erstes Gebet für Sie, liebstes Mutterl, um auch langes und glückliches Leben zum Himmel steigt. Bewahren auch Sie mir diese zärtliche Mutterliebe, mit der Sie mich jezt umfangen halten, ich will nach Kräften mich derselben werth machen. Auch du, lieber Franz, wirst von meiner aufrichtigsten und innigsten Liebe zu dir überzeugt sein, und ich kann dich versichern, dß du trotz der vielen Vergnügen, die ich genieße, mir unendlich abgehst. Und sollten wir uns auch in bälde trennen müßen, bleibe mir auch dann der selbe liebende hilfreiche Bruder, der du mir während der vielen Jahre die wir jezt zusammen sind, warst. Auch meiner guten Therese alles Glück und herzliche Grüße zum neuen Jahr, und es begleite uns alle am Ende des alten und auch im neuen Jahre der Schutz des Allerhöchsten, er walte gütig über eine Familie, die wenn auch klein, doch durch Eintracht und Liebe glücklich ist. Dieß ist der Wunsch und das Gebet Ihres Sie beide innigliebenden Otto. 26/12 – An alle alles Schöne, so wie alle Bekannten dich lieber Franz vielmals grüßen. Deine Grüße an Rose Plachetka etc. soll ich alle erwiedern. Schreiben Sie mir bald, recht bald; noch vor Neujahr!'' | ||
Mertens = [[Heinrich Ritter von Mertens]] (* [[ | Mertens = [[Heinrich Ritter von Mertens]] (* [[1811]]; † [[1872]]), kaiserlicher Rat und [[1861]]–[[1872]] [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister von Salzburg]]; Familien Fenzl, Guttenberg und Plachetka mehrfach in den Briefen als enge Bekannte und Freunde in Salzburg genannt. Lida, geb. Plachetka, verh. Guttenberg, ist zudem eine enge Freundin von Fanni Schlegel, der späteren Frau des Bruders Franz Spängler; Therese ist hier wohl die Hausangestellte in Salzburg. | ||
Franz Spängler und Franz Plachetka schreiben 1862 zusammen an einer Schülerzeitung [Studenten- /Faschingszeitung?]. | Franz Spängler und Franz Plachetka schreiben 1862 zusammen an einer Schülerzeitung [Studenten- /Faschingszeitung?]. | ||
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==== weitere Briefe 1861 ==== | ==== weitere Briefe 1861 ==== | ||
Weitere Briefe: Briefe von [[Otto Spängler]] (* 1841; † 1919) an die Mutter und an den Bruder [[Franz Xaver Gregor Spängler]] (* 1839; † 1912) 1861 ff.: zwei Bögen, Prägedruck "O S" [Otto Spängler], gefaltet, mit Siegellackresten, Anschrift: "Meiner lieben Mutter / Frau [unterstrichen:] Antonia Spängler / Salzburg / dG." [durch Güte], Wien 24. Dezember 1861: "Meine Theuren! (Liebstes Mutterl! Liebster Franz!)" | Weitere Briefe: Briefe von [[Otto Spängler]] (* 1841; † 1919) an die Mutter und an den Bruder [[Franz Xaver Gregor Spängler]] (* 1839; † 1912) 1861 ff.: zwei Bögen, Prägedruck "O S" [Otto Spängler], gefaltet, mit Siegellackresten, Anschrift: "Meiner lieben Mutter / Frau [unterstrichen:] Antonia Spängler / Salzburg / dG." [durch Güte], Wien 24. Dezember 1861: "Meine Theuren! (Liebstes Mutterl! Liebster Franz!)" | ||
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== 1862 == | == 1862 == | ||
==== Brief ohne Datum [1862] von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief ohne Datum [1862] von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]]; ein Bogen, ohne Datum:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]]; ein Bogen, ohne Datum:<br /> | ||
''Liebster Otto! In Deinem letzten Brief hat derlei gestanden, was mich eigentlich überraschte'' […] (Otto langweilt sich "ein wenig", das wundert ihn; "am Ende si[t]zen Dir die blonden Wienerinnen doch tiefer im Herzen, als Du selbst geglaubt, aber welche noch mehr, das weißt Du wahrscheinlich ebenso wenig als ich." (Es geht u. a. um die Beziehung von Otto zu "N.", von der Franz sogar geträumt hat. Er fragt nach "der Photographie von Stiegler Pepi" und nach einer von der "Spängler Anna", die ihm versprochen wurde. Grüße an Gutenberg und Dr. Sauter. … "Was kaufst Du denn der Mutter zum Geburtstag? Kaufe ihr lieber etwas bedeutsames, ich zahle dann natürlich die Hälfte dazu." … "Leiser Fritz" bittet Otto zu untersuchen, ob der Salzburger Bibliothekar auf eine frei werdende Stelle in Klagenfurt gehen will; dann könnte er nach Salzburg kommen. Diese Frage soll mit der "größten Vorsicht und Diskretion" [unterstrichen] untersucht werden. "Ich überlasse es Deiner diplomatischen Kunst, die Sache mit der größten Behuthsamkeit einzufädeln" … Otto soll Kottinger zum Namenstag gratulieren und ihm beiliegende Karte geben. Er hat Post von Fenzl von dessen Reise nach Venedig bekommen; sie sind von Triest nach Venedig "ohne die geringste Belästigung" gereist.) … ''Also Adieu! Liebster Otto! Schreibe bald u viel Deinem Dich innigstliebenden Bruder.'' | ''Liebster Otto! In Deinem letzten Brief hat derlei gestanden, was mich eigentlich überraschte'' […] (Otto langweilt sich "ein wenig", das wundert ihn; "am Ende si[t]zen Dir die blonden Wienerinnen doch tiefer im Herzen, als Du selbst geglaubt, aber welche noch mehr, das weißt Du wahrscheinlich ebenso wenig als ich." (Es geht u. a. um die Beziehung von Otto zu "N.", von der Franz sogar geträumt hat. Er fragt nach "der Photographie von Stiegler Pepi" und nach einer von der "Spängler Anna", die ihm versprochen wurde. Grüße an Gutenberg und Dr. Sauter. … "Was kaufst Du denn der Mutter zum Geburtstag? Kaufe ihr lieber etwas bedeutsames, ich zahle dann natürlich die Hälfte dazu." … "Leiser Fritz" bittet Otto zu untersuchen, ob der Salzburger Bibliothekar auf eine frei werdende Stelle in Klagenfurt gehen will; dann könnte er nach Salzburg kommen. Diese Frage soll mit der "größten Vorsicht und Diskretion" [unterstrichen] untersucht werden. "Ich überlasse es Deiner diplomatischen Kunst, die Sache mit der größten Behuthsamkeit einzufädeln" … Otto soll Kottinger zum Namenstag gratulieren und ihm beiliegende Karte geben. Er hat Post von Fenzl von dessen Reise nach Venedig bekommen; sie sind von Triest nach Venedig "ohne die geringste Belästigung" gereist.) … ''Also Adieu! Liebster Otto! Schreibe bald u viel Deinem Dich innigstliebenden Bruder.'' | ||
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==== Brief ohne Datum [1862] von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief ohne Datum [1862] von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]]; ein Bogen, Prägedruck "Bath"; ohne Datum:<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]]; ein Bogen, Prägedruck "Bath"; ohne Datum:<br /> | ||
''Liebster Otto! Du schreibst, ich solle Dir einen langen Brief schicken; doch woher den Stoff nehmen, wenn das Stehlen nicht erlaubt ist? Für die Quadrillen danke ich Dir, ich wollte, ich hätte sie (wenigstens einige) selbst getanzt; Du verstehst mich!'' (Er hat einen Brief von "Friz" aus Wien; es gefällt ihnen dort gut, die jüngeren Brüder gehen ins "Gymnasium zu den Schotten". Franz schreibt "wieder hinaus nach Wien". Es geht auch um eine "N. A.", "ein sauberes Kind", in die ein [anderer] Briefschreiber verliebt ist; [dieser Schreiber wird zitiert:] "Otto sagt oft, ich sei verrükt". … "Gibt es sonst keine Abenteuer, od[er] Ereignisse in Salzburg; es interessiert mich alles dieß." … Grüße zu Namenstagen, für "Ludowika", für "Eduard u. Tante Therese"; Grüße an die Salzburger Professoren und zum Studententag, an Plazer …) ''Nun genug! Lebe recht wohl! es grüßt u. küßt Dich Dein Franz.'' | ''Liebster Otto! Du schreibst, ich solle Dir einen langen Brief schicken; doch woher den Stoff nehmen, wenn das Stehlen nicht erlaubt ist? Für die Quadrillen danke ich Dir, ich wollte, ich hätte sie (wenigstens einige) selbst getanzt; Du verstehst mich!'' (Er hat einen Brief von "Friz" aus Wien; es gefällt ihnen dort gut, die jüngeren Brüder gehen ins "Gymnasium zu den Schotten". Franz schreibt "wieder hinaus nach Wien". Es geht auch um eine "N. A.", "ein sauberes Kind", in die ein [anderer] Briefschreiber verliebt ist; [dieser Schreiber wird zitiert:] "Otto sagt oft, ich sei verrükt". … "Gibt es sonst keine Abenteuer, od[er] Ereignisse in Salzburg; es interessiert mich alles dieß." … Grüße zu Namenstagen, für "Ludowika", für "Eduard u. Tante Therese"; Grüße an die Salzburger Professoren und zum Studententag, an Plazer …) ''Nun genug! Lebe recht wohl! es grüßt u. küßt Dich Dein Franz.'' | ||
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==== Brief ohne Datum [1862] von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief ohne Datum [1862] von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]]; zwei Bögen, Prägedruck "F S"; ohne Datum, Anfang fehlt; Bogen "III" und "IV" an Otto Spängler; nur flüchtig gelesen, eine chronolog. Einordnung wurde nicht versucht: Franz berichtet von endlosem Applaus, einem Festzug, vom Tanz: einzelne Tänze werden genannt und mit wem er tanzte; offenbar ist "Carneval"; er war im "Singakademie Kränzchen", berichtet von einem Gesangsstück "Die Befreiung" aus dem "belagerten Wien"; Duregger hat "Champagner kommen lassen (im Ganzen circa 15 – 18 Flaschen)"; er war bei der Generalversammlung der Stenographen; Grüße an die "Spänglergesellschaft … "dein treuer Bruder F X Spaengler" | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an den Bruder [[Otto Spängler]]; zwei Bögen, Prägedruck "F S"; ohne Datum, Anfang fehlt; Bogen "III" und "IV" an Otto Spängler; nur flüchtig gelesen, eine chronolog. Einordnung wurde nicht versucht: Franz berichtet von endlosem Applaus, einem Festzug, vom Tanz: einzelne Tänze werden genannt und mit wem er tanzte; offenbar ist "Carneval"; er war im "Singakademie Kränzchen", berichtet von einem Gesangsstück "Die Befreiung" aus dem "belagerten Wien"; Duregger hat "Champagner kommen lassen (im Ganzen circa 15 – 18 Flaschen)"; er war bei der Generalversammlung der Stenographen; Grüße an die "Spänglergesellschaft … "dein treuer Bruder F X Spaengler" | ||
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==== Brief vom 7. April 1862 von Otto Spängler und Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | ==== Brief vom 7. April 1862 von Otto Spängler und Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | ||
Brief von [[Otto Spängler]] an den Bruder [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; vierte Seite und beigelegtes Blatt von der Mutter [[Antonia Spängler]]. Ein Bogen mit Prägestempel „O S“ und ein Blatt, abgerissen von einem zweiten Bogen; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt; [?] = unsichere Lesung; XX unleserlich:<br /> | Brief von [[Otto Spängler]] an den Bruder [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; vierte Seite und beigelegtes Blatt von der Mutter [[Antonia Spängler]]. Ein Bogen mit Prägestempel „O S“ und ein Blatt, abgerissen von einem zweiten Bogen; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsatz eingefügt; [?] = unsichere Lesung; XX unleserlich:<br /> | ||
''Salzburg am 7 April [18]62 // Liebster Franz!<ref>F groß und klein wird gleich geschrieben; hier ist das heutiger Schreibung angeglichen. Gleiches gilt (in der Regel) für D und d. Insgesamt gibt es einige schwer lesbare bzw. für mich [ | ''Salzburg am 7 April [18]62 // Liebster Franz!<ref>F groß und klein wird gleich geschrieben; hier ist das heutiger Schreibung angeglichen. Gleiches gilt (in der Regel) für D und d. Insgesamt gibt es einige schwer lesbare bzw. für mich, [[Otto Holzapfel]], unlesbare Stellen.</ref> // Vor einer halben Stunde erhielt ich d[ur]ch die Güte der Frau von Dressler deinen lieben Brief, für den ich dir herzlich danke, und ich beeile mich, dir alsogleich zu antworten, um deinen Vorwürfen die Spitze brechen zu können. // In die eingehende Beantwortung deiner 12 Fragen kann ich mich heute nicht einlassen, denn der Brief'' [großes B]<ref>Sonst schreibt er B groß und klein gleich; auch das ist hier der heutigen Schreibung angeglichen.</ref> ''muß Abends noch zur Frau von Dressler. Also nur kurz! Der lezte<ref>kleine Anmerkung: Otto Spängler schreibt 1862 modern "lezte", währernd seine Mutter altmodisch "jetzt" schreibt.</ref> Tag, den ich beschrieb war Donnerstag.''<ref >ausnahmsweise großes D</ref> ''Am Freitag Abends war ich mit Köhm'' [Böhm?] ''wieder im Theater, wo man 3 kleine Stücke gab, ich lachte fürchterlich viel. Samstag ohne alles Bemerkenswerthe, außer der Eröffnung der Mission mit einer Predigt des Pater Ahmude;'' [?] ''sehr geläufig und gründlich wiede[r]legte er alle Einwürfe gegen Missionen[.] à la München hat man für die Zeit der Mission innerhalb der Presbyterien / Sessel aufgestellt, welche man um Geld miethen kann, um auf diese Art vor dem Gedränge gesichert und geschüzt zu sein. Sonntag Vormittag 9 Uhr XX hinter Maxglan. Sonntag Nachmittag Einladung von Zeller nach Nußdorf. Sehr angenehm. Die gesammte Familie Zeller, Prof. Webelsberg, Regierungsprakticant Eberle (beide Herrn durch die Frau von Pfandler aus Innsbruck.) empfehlen; es sind sehr liebe junge Leute.'' | ||
''Beim Milch[k]affee kamen in gewohnter Weise mehrere Erstickungsanfälle vor. Nachdem ich mit Tirolerwein den Frau v Zeller mitschleppen ließ, mit Louis Bruderschaft getrunken hatte, gingen wir um 7 Uhr über Radek'' [?] ''einen superben Weg nach Hause wo wir um ½ 9 Uhr anlangten. Ich ging hinauf und zurück mit der Frau, mit der ich recht verständig, wenn gleich meist wirthschaftlich um Familien angelegentlich unterhielt. Heute Morgens 11 Uhr feierten wir beim Raith<ref>Gasthaus Raith in der Milchgasse, der heutigen Goldgasse</ref> den Namenstag Hermanns Stiegers, er michhte'' [?] ''uns auf. Prof Webelsberg / und Walmschlag'' [?] '', Weber'' [?] ''Fidel und ich und Stieger. Er zahlte 2 fl 3 Xr.'' [Gulden, Kreuzer] ''Ich trank mit den 2 Professoren "Du". Heute Abends ½ 6 Uhr Soiree Obermüller. Auch N kömmt; mir schlagt das Herz bei den Gedanken. Um den ganzen gestrigen Tag zu beschreiben, muß ich doch noch sagen, d[a]ß es Abends 5 Uhr wieder brannte; man hört alle Augenblicke schießen. Und heute brennt seit 10 Uhr Vormittag Teisendorf.<ref>Der Artikel über [[Teisendorf]] berichtet von zwei Großbränden 1682 und 1815.</ref> Ich bitte, mein gesunkenes Ansehen b[e]i d[er] XX XX wegen meines seltenen Schreibens durch genaue Mittheilung dessen, was ich im lezten Briefe schrieb, wieder herzustellen. Morgen | ''Beim Milch[k]affee kamen in gewohnter Weise mehrere Erstickungsanfälle vor. Nachdem ich mit Tirolerwein den Frau v Zeller mitschleppen ließ, mit Louis Bruderschaft getrunken hatte, gingen wir um 7 Uhr über Radek'' [?] ''einen superben Weg nach Hause wo wir um ½ 9 Uhr anlangten. Ich ging hinauf und zurück mit der Frau, mit der ich recht verständig, wenn gleich meist wirthschaftlich um Familien angelegentlich unterhielt. Heute Morgens 11 Uhr feierten wir beim Raith<ref>Gasthaus Raith in der Milchgasse, der heutigen [[Goldgasse (Stadt Salzburg)]]</ref> den Namenstag Hermanns Stiegers, er michhte'' [?] ''uns auf. Prof Webelsberg / und Walmschlag'' [?] '', Weber'' [?] ''Fidel und ich und Stieger. Er zahlte 2 fl 3 Xr.'' [Gulden, Kreuzer] ''Ich trank mit den 2 Professoren "Du". Heute Abends ½ 6 Uhr Soiree Obermüller. Auch N kömmt; mir schlagt das Herz bei den Gedanken. Um den ganzen gestrigen Tag zu beschreiben, muß ich doch noch sagen, d[a]ß es Abends 5 Uhr wieder brannte; man hört alle Augenblicke schießen. Und heute brennt seit 10 Uhr Vormittag Teisendorf.<ref>Der Artikel über [[Teisendorf]] berichtet von zwei Großbränden 1682 und 1815.</ref> Ich bitte, mein gesunkenes Ansehen b[e]i d[er] XX XX wegen meines seltenen Schreibens durch genaue Mittheilung dessen, was ich im lezten Briefe schrieb, wieder herzustellen. Morgen s[w]age'' [?] ''ich mich zur genauer Antwort auf deine Fragen, welchen Brief du Donnerstag bekommen sollst. Es grüßt und küßt XX dein Ott[o].'' | ||
[die Mutter Antonia Spängler auf der Seite 4 des Bogens:] ''5 Uhr abends // Mein inigstgeliebter Franz. // Ich habe dir doch das letztemahl einen sehr langen Brief geschrieben und ich glaube auch du soltest zufrieden sein, lieber Franz wir sprechen sehr oft von dir, und wünschen dich zu uns, damit im traulichen Kreise unser 3 sind. Gott gebe das du Heute das Colloque gut überstehest. Lieber Franz beyliegend sende ich dir 4 fl'' [Gulden] ''Silber, du kannst es selbst verrechnen ich habe jetzt selbst sehr wenig Geld, den was ich einnehme das geht auch wider hinauß ich habe eben Heute 48 fl Stük verwechselt um dir durch die Alois Spángler das verlangte Geld schücken zu könen. Dieß Monath war der Zins 22 fl 50 Xe[r] 20 fl für Euch, 30 fl nehm ich zur Wirthschaft ist doch gewiß nicht zu viel da Otto da ist. Dis sind allein 72 fl 50 Xe[r]. 43 fl brauche ich jeden Monath, und wie viele Monath geht nichts oder doch sehr wenig ein. Lieber Franz du mußt halt dich zurük halten und nicht in zu viele Vereine eintretten den[n] junge Leute brauchen ihr Geld selbst besonders wie man jetzt zu leben pflegt, und wie man auch alles so theuer zahlen muß. Wegen Otto haben wir noch nichts bestimmtes beschloßen, aber da ich heute eben den Sauter geschrieben habe, so schrieb ich ihn das es möglich wäre das Otto nach Inspruk'' [Innsbruck] ''könne, damit sie ihm behülflich wäre das er ein ordentliches Zimmer bekäme, und sie sich überhaupt seiner annehmen. /'' | [die Mutter Antonia Spängler auf der Seite 4 des Bogens:] ''5 Uhr abends // Mein inigstgeliebter Franz. // Ich habe dir doch das letztemahl einen sehr langen Brief geschrieben und ich glaube auch du soltest zufrieden sein, lieber Franz wir sprechen sehr oft von dir, und wünschen dich zu uns, damit im traulichen Kreise unser 3 sind. Gott gebe das du Heute das Colloque gut überstehest. Lieber Franz beyliegend sende ich dir 4 fl'' [Gulden] ''Silber, du kannst es selbst verrechnen ich habe jetzt selbst sehr wenig Geld, den was ich einnehme das geht auch wider hinauß ich habe eben Heute 48 fl Stük verwechselt um dir durch die Alois Spángler das verlangte Geld schücken zu könen. Dieß Monath war der Zins 22 fl 50 Xe[r] 20 fl für Euch, 30 fl nehm ich zur Wirthschaft ist doch gewiß nicht zu viel da Otto da ist. Dis sind allein 72 fl 50 Xe[r]. 43 fl brauche ich jeden Monath, und wie viele Monath geht nichts oder doch sehr wenig ein. Lieber Franz du mußt halt dich zurük halten und nicht in zu viele Vereine eintretten den[n] junge Leute brauchen ihr Geld selbst besonders wie man jetzt zu leben pflegt, und wie man auch alles so theuer zahlen muß. Wegen Otto haben wir noch nichts bestimmtes beschloßen, aber da ich heute eben den Sauter geschrieben habe, so schrieb ich ihn das es möglich wäre das Otto nach Inspruk'' [Innsbruck] ''könne, damit sie ihm behülflich wäre das er ein ordentliches Zimmer bekäme, und sie sich überhaupt seiner annehmen. /'' | ||
[beiliegender halber Bogen:] ''sein Hals ist hier schon etwas beßer geworden aber ganz gut ist er noch nicht und was nützt es wen es im Sommer wo der Staub so groß ist in Wien wider das alte Ubel kömmt, ich könnte nimer ruhig werden wen den das Ubel zu rück käme. Ich bitte dich lieber guter Franz empfehle mich auch bey der Frau von Rup recht und danke ihr freundlich in meinen nahmen für ihren Gruß eben so au[c]h bey allen andern. Das es Hitggern'' [?] ''Wilhelm nicht gut geht, bedaure ich sehr. Lieber Franz ich wünsche dir noch ein[m]al alles – alles Gute zu deinen Geburtstag, möge dir der liebe Gott recht viel Freuden zu theil werden lassen, und alle deine Wünsche erfühlen. Bleibe immer so brav und rechtschaffen, ehre dich selbst und deine Eltern – liebe Gott mehr als alles in der Welt, dann bliebt dir der Segen des Himmels nicht auß, dein lieber guter Vater im Himmel wird dann au[c]h segnend auf die herab schauen. Lebe recht wohl mein lieber Franz ich muß schließen um die Gelegenheit nicht zu versäumen Gottes segen über dich, mein[en] Segen und Gebeth für dich begleiten dich überal // deine treue Mutter. / Theres und Pepi grüßen dich herzlich alle Bekanten laßen dich herzlich grüßen Therese schückt dir die Chokolade und wünscht dir Tausend Glück zum Geburtstag. // Roll geht es recht gut er fängt schon an aufzustehen.'' | [beiliegender halber Bogen:] ''sein Hals ist hier schon etwas beßer geworden aber ganz gut ist er noch nicht und was nützt es wen es im Sommer wo der Staub so groß ist in Wien wider das alte Ubel kömmt, ich könnte nimer ruhig werden wen den das Ubel zu rück käme. Ich bitte dich lieber guter Franz empfehle mich auch bey der Frau von Rup recht und danke ihr freundlich in meinen nahmen für ihren Gruß eben so au[c]h bey allen andern. Das es Hitggern'' [?] ''Wilhelm nicht gut geht, bedaure ich sehr. Lieber Franz ich wünsche dir noch ein[m]al alles – alles Gute zu deinen Geburtstag, möge dir der liebe Gott recht viel Freuden zu theil werden lassen, und alle deine Wünsche erfühlen. Bleibe immer so brav und rechtschaffen, ehre dich selbst und deine Eltern – liebe Gott mehr als alles in der Welt, dann bliebt dir der Segen des Himmels nicht auß, dein lieber guter Vater im Himmel wird dann au[c]h segnend auf die herab schauen. Lebe recht wohl mein lieber Franz ich muß schließen um die Gelegenheit nicht zu versäumen Gottes segen über dich, mein[en] Segen und Gebeth für dich begleiten dich überal // deine treue Mutter. / Theres und Pepi grüßen dich herzlich alle Bekanten laßen dich herzlich grüßen Therese schückt dir die Chokolade und wünscht dir Tausend Glück zum Geburtstag. // Roll geht es recht gut er fängt schon an aufzustehen.'' | ||
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==== Brief vom 8. und 9. April 1862 von Otto Spängler und Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Otto Spängler]] an den Bruder [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; zwei Bogen mit Prägestempel „O S“; auf dem zweiten Bogen, Seite 1, fortgesetzt von der Mutter [[Antonia Spängler]]; ohne Umschlag, ohne Jahreszahl, aber hier eingeordnet; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [?] = unsichere Lesung; X und XX unleserlich:<br /> | |||
''Abends am 8ten April [1862] // Liebster Franz! // Gestern nachmittag schrieb ich durch d[e]n Conducteur, auch sandte die Mutter Chocolade und Geld durch den Conducteur; dieß alles, hoffe ich, wirst du schon in Händen haben, wenn du diesen Brief erhälst, indem ich eigentlich 2 Aufgaben zu lösen habe. // Fürst erste, mein lieber Franz, wünsche ich dir zu diesen Geburtstag alles beßte; möge Gottes Heiliger Segen dich schützend überall begleiten, wohin dein Geschick dich führt; möge er dir einen Plaz im Leben zukomen lassen, d[e]r deinen schönen Streben, deinen vielen Wissen und dem Charakter angemessen und würdig ist; mögen die der so nahestehend Entscheidung in einer für dich, deine Angehörigen und deine materielle XXung wünschenswerten Weise fügen; und endlich, lieber Franz, bleibe wie in jeder Lage, ob wir ferne oder uns nahe sind, ein liebender Bruder, und sollte uns jetzt auch vielleicht auf längere Zeit ein Geschick trennen, so füge der gütige Gott, d[e]r uns noch immer und überall durch seinen reichen Segen zu innigsten Dank verpflichtet hat, d[a]ß wir uns glücklich und froh dann wieder in die Arme schließen. Sei überzeugt, d[a]ß diese Wünsche und Bitten aus einen treuen, dich mit inniger Liebe und Achtung umfassenden / Herzen kommen und lasse sie zu einem solchen auch sprechen.'' | |||
''Meine 2te Aufgabe ist die Beantwortung jener 2 Fragen: 1) Den Brief durch Obermüller erhielt ich im selben Augenblicke, als Lisi mir den Brief August brachte. 2) Die Sache Eduards ging von hier also gleich begutachtet nach Wien; das "Wie" weiß ich nicht; der Erfolg ruht also in Wien; er selbst ist noch in Bernau. 3) Die Resi hat im Augenblick noch kein Geld, also noch keine Fotografien; doch werd ich während meines Hierseins schon noch schauen, d[a]ß sie dazu kömmt. 4) Meine Fotografien habe ich alle noch; heute hat nach Aussage der (Während ich dieß Wort schreibe, kömmt die fürchterliche, uns allen unerwartete Nachricht vom Ableben des Onkel Vormunds<ref>Franz Anton [[Spängler]] (* 1790; † 8. April 1862</ref> er starb vor einer halben Stunde; ich komme später noch darauf zurück). Bertha, die ich in die Nähschule um 2 Uhr begleitete, die Mutter und sie selbst sich fotografieren lassen; vielleicht läßt sich was machen. 5) Mit P N sprach ich noch nie; auf der Gasse getraue ich mich nicht recht, sie anzusprechen, und, wo sie wohnt, weiß ich auch nicht; also mußte ich bis dato noch verzichten auf eine Enträtselung. Aber, wie du aus meinen Brief durch d[e]n Conducteur bereits wirst entnommen haben, so waren wir alle gestern zusammen bei O, wo die N sehr freundlich, doch nich[t] im entferntesten vertraut war; Robert aber ließ während d[e]s Xhres mehrere Witze wegen Rose Petg'' [?] ''los, war aber endlich, als ich sagte, d[a]ß sie seit 2 Jahren / schon Braut sei, aufs höchste überrascht und schwieg. Also allem Anschein nach ist eine Verleumdung von Seite Roberts die Schuld.'' - [unten angefügt:] ''# Am Morgen des 9/4. ½ 7 Uhr.'' | |||
''6) Wegen des Colloquiums von Dwörzak'' [?]<ref>Es gibt diesen Familiennamen neben "Dworak".</ref> ''sagte die Mutter nur dieß, d[a]ß es ihr leid thut, kein 2tes Zeugniß von mir zu sehen; im übrigen aber sah sie es, als ich die Sache wahrheitsgetreu ihr dastellte, ganz gut ein. Stiegler Pepi, der doch vor nicht langer Zeit aus den R. R. rigerosode'' [?]<ref>vielleicht zu Rigorosum, mündliche Doktorprüfung</ref> ''hatte von diesen Fragen keine Ahnung.'' [?] ''7) Wegen des Juristenballes habe ich noch nichts gesagt, ich fand die Umstände noch nicht günstig dazu, und so glaube ich, lassen wir die ganze Sache verlaufen. 8) Die Geldfrage löst sich dahin, d[a]ß ich 48 baierische Guldenstücke à 85.5 Xr ÖW (nach Augsburgerfuß) zu 34 % Agio wechselte und somit 55 fl ÖW erhielt. Wegen der jedenfalls complicirteren Geschäfte der getheilten Einkassierung unterläßt es die Mutter, sie halbjährig einzukassieren. 9) Das Geld vom Kozarge habe ich mit 15 Xr erhalten, da ich noch versprach oder richtiger irrte, als die Frau von Dressler mich fragte; macht nichts wegen der 2 Xr. 10) Wann die Reimerischen fortkommen, weiß ich nicht; die Mutter Reimer ist noch nicht hier. Ich werde jedenfalls mit dem Oberstabsarzt sprechen und ihm alles mittheilen, was du schreibst. 11) Bei Böhm geht es gleich schlecht. Man hat den Hornung<ref>vielleicht Augenarzt Dr. Hornung, vgl. zu: [[Herz-Jesu-Heim]]</ref> beigezogen, der ihn zwar noch nicht aufgibt, aber viel auch nicht zu hoffen scheint. 12) Hubert ist zu gut und zu wenig energisch um den Buben aus seiner Geistlosigkeit aufzuschrecken, um / ihn aus seiner enormen Trägheit und Unbeholfenheit herauszuziehen. Im April habe ich auf Ansuchen des Hubert, der dieß selbst einsah, die Lection übernommen, und bin jetzt bei der 3 Declination, welche nach Huberts eigenen Ausspruche ihm Angst gemacht hatte, welche Angst ich ihn also durch Ubernahme der Lection überhob.'' [?] ''Ich donnerte ihn zuweilen furchtbar an, so gut es eben mein Hals erlaubt.'' | |||
''Um nun noch Beantwortung dieser Fragen auf jene, in N[o] 5 eingeschalteten Todesnachricht zurückzukommen, folgendes: Vor etwa 5 Tagen bekam der Onkel am frühen Morgen einen Frost, welcher sich aber bald wieder gab, und gestern, den 8. wurde d[en] Onkel ganz wohl, bis ihn nach dem Essen eine neue Schwäche befiel, welche ihn nicht mehr verließ, als Franz<ref>der Sohn [[Franz Spängler (Linz)]] (* 1837; † 1913)</ref> gegen ½ 4 Uhr an seinem Bette stand, machte er einen Schnappen, und der gute Onkel stand vor Gottes Richterstuhl, wo er den Lohn seines reinen und frommen Lebens im Kreise seiner seligen Brüder, so Gott will, geniest. Wenige Minuten nach dem Tode kam der Geistliche zum Versehen; so schnell ging es. Ich führte gleich den Franz etwas spazieren, während die Mutter bei der Tante blieb. Du kannst dir den Jammer vorstellen; Franz selbst thut wenig. Ich mußte den Partezettel machen und mit dem Gschoßmann<ref>Das Wort habe ich in keinem online-Wörterbuch finden können. Es gibt den Familiennamen "Gschoßmann", aber (bisher) keine Erklärung dazu.</ref> alles verhandeln. Dann lief ich zu Stiegler Pepi, um ihn wegen eines Grabliedes zu bitten, was auch geschehen wird; von da weg zu Böhm, wo ich wieder trostlose Gesichter sah; heiter kann ich sie nicht nennen diese Ferienzeit; heute morgens 6 Uhr war ich schon wieder drüben; der Franz ist ja, wie du selbst / weißt, allen Verwandten ferne geblieben; also bin ich wirklich der einzige, den er um sich haben will. Nun Adieu, es ist bald 8 Uhr; ich muß zum Schmelzing in eben dieser Angelegenheit. Meine herzlichsten Wünsche wiederholend, bin ich mit ganzer Liebe // dein // treuer Bruder Otto // An Fenzl, Kozarge, und die traunischen Häuser meine Grüße.'' | |||
[die Mutter:] ''Mein lieber guter theurer Franz! // Täglich etwas andres; wie sehr sind wir doch gestern erschrocken, über das so schnelle Hinscheiden des guten Schwagers, mir ist sehr leid um ihn, er ist gestorben wie er gelebt hat – – so ruhig man könte sich keinen ruhigeren Tod wünschen und auch jetzt liegt er ganz ruhig da. Die Frau war im anfang als wen sie närisch werden wollte, nach und nach gab es sich mehr. Ich war natürlich drüben half ihnen außräumen und dergleichen. Heute sind sie für den Tag über bey Reichl in der Gnigl ich habe sie heute noch nicht gesehen / weil ich am Morgen zu Hauße meine Gerschäfte habe, und sie schon um 8 Uhr früh hinauß gingen. Otto war in Geschäften für sie schon um 5 Uhr früh drüben. Wie froh bin ich das ihr Meieren'' [?] ''gesprochen sind, so haben wir doch in diesen Fall nichts mehr zu besorgen. Bey Böhm geht es leider nicht gut sie haben nun einen 2te[n] Arzt genohmen Gott gebe das es sich bald ändern möge. //'' | |||
''Lieber Franz! zum 3 te[n] mahl bringe ich dir meine herzlichsten Wünsche zu deinen Geburtstag, es ist dieß mal traurig weil eben der Onkl begraben wird. O möge der liebe Gott seinen reichsten Segen über dich, und alle deine Unternehmungen außgießen – möge Er alle deine Wünsche in erfühlung gehen lassen, und alle deine Schritte und Handlungen zum guten für dich, und die Menschheit leiten, und endlich mö[c]htest du mir immer mit der gleichen Liebe zu gethan bleiben – – – dan lieber Franz wen du den lieben Gott von den alles Gute kömt nicht vergißt – dann kann, und wird es dir nie schlecht gehen – dann / wird'' [unterstrichen:] ''Gottes und der'' [unterstrichen:] ''Eltern Segen dich auf allen deinen Schritten begleiten, ich werde schon recht fleißig für dich bethen. // Roll geht es immer zimlich gut nur hörte ich heute er sey etwas schwach, wie es halt schon bey kranken geht das oft kleine Rückfälle eintretten. Die Witterung ist hier so schön das wir schon die Vorfenster wegnehmen mußten den es war von hitze nicht zum außhalten geweßen.'' | |||
''Mit Pepi geht es halt entsetzlich langsamm mit Latein wie es auch im Deutschen recht schwer geht. Auch hat der arme Bube fast immer was zu leiden Zahnweh Geschwollens Gesicht und endlich wieder die geschwollenen Augen. Man darf im[m]er denken an ihm. Wie ich hoffe hast du nun ein'' [latein. Schrift:] ''Colloquium glüklich überstanden, wirst du das 2 te dan nach Ostern machen, wie Otto es wäre mir bey Otto freilich sehr / lieb geweßen wen er beide Zeugnüße mit gebracht hätte, aber es nützt nichts mehr. Otto läßt dir sagen das er sich bei Obermüller sehr gut unterhalten hat. Die Therese läßt dich wie Pepi recht herzlich grüßen. Bey Hofrichter<ref>Antonia Spängler nennt die Familie von [[Anton Spängler]] (* 1831; † 1913), verh. 1869 mit Karoline Leeb, und seine Schwestern Theresia Spängler (* 1823; † 1913) und Juliana Spängler (* 1826; † 1899) als Kinder des Salzburger Hofrichters (am Stift St. Peter) [[Johann Peter Maria Spängler]] (* 1792; † 1837) einfach "Hofrichter".</ref> waren wir einmal Otto und ich kammen aber nicht ganz hin weil es hieß sie sind nicht zu Hauße was auch zum theil wahr war die Frau und Anton waren in Thännberg'' [Tannberg?] ''. Die 2 Mädchen<ref>Theresia und Juliana Spängler</ref> wären wohl zu Hause geweßen, heute probieren wir es wieder wen wir die Franzischen bei Reichl abhollen. // Lebe recht wohl mein lieber Franz Gottes segen über dich mit imer gleicher liebe // deine // treue Mutter Spángler // Alle Bekanten bitte ich herzlich uns zu empfehlen wie ich auch vonn Hier dir alles Schöne entrichten soll.'' | |||
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==== Brief vom 25. April 1862 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [?] = unsichere Lesung; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Salzburg den 25/4 [18]62. // Mein lieber lieber guter Franz! // Was wirst du dir denken das ich dir 2 Briefe geschrieben, und in keinem dir für die Glückwünsche als auch für das so brauchbare Geschenck zu meinem Geburtstag gedankt habe. Nehme es ja nicht als gleichgültigkeit – sondern nehme es als das was es ist, das ich so sehr von eine menge Sachen eingenohmen bin, welche sich tag täglich in so verschiedenen gestalten zeigen das dieses ganz in hintergrund getretten. Theils machte uns eben das nach Inspruk'' [Innsbruck] ''gehen von Otto<ref>[[Otto Spängler]] beginnt wie sein älterer Bruder Franz ein Jura-Studium in Innsbruck.</ref> auch vieles denken und erwägen – – dann kamm von Lürzer in Agorto'' [Agordo] ''seit 15 März kein[e] Nachricht mehr an die Spänglerischen so das nicht nur die Mutter, sondern wir alle in großer Ang[st] waren es fä[e]hle irgend etwas Bedeutendes – ja es kamm so weit, das die Mutter thelegrafieren lies, weil auf 5 Briefe keine Antwort kamm.<ref>Gemeint ist [[Franz Lürzer von Zechenthal]] (* 1796; † 1870), k. k. Bergwerksinspektor in Agordo, Venetien, der älteste Bruder der Mutter Spängler. Er ist in zweiter Ehe verheiratet mit Marie Spängler (* 1820; † 1880). Die genannte "Mutter" ist also Elisabeth Spängler, geb. Auer (* 1802; † 1870), die Frau von Johann Josef Spängler (* 1786; † 1861). Mit diesen Daten: Tod des Ehemanns 1861, eigenes (für die damalige Zeit) fortgeschrittenes Alter, ist die Sorge wohl nachvollziehbar.</ref> Endlich kammen Heute einige / Zeilen durch die Post welche aber nur anzeigten das alle gesund sind und weiter nichts. Die Schwägerin wird sehr froh sein wegen Eduard wen sich einmal etwas ergibt. Diese Sachen alle regen einen ungeheuer auf. Dan will man der Pepi Reißig[l]'' [Reisigl]<ref>Marie Reisigl (*1807; † 1850) ist verheiratet mit [[Franz Lürzer von Zechenthal]] in Agordo in seiner ersten Ehe; ihre älteste Tochter ist Pepi = Josefa Lürzer von Zehendthal / Zechenthal (* 1834; † 1904). Vgl. auch Brief vom 28. Juni 1870.</ref> ''einen Prozes machen wegen den Boden'' [wohl: Stockwerk in einem Haus] '', feine'' [?] ''Erben, und so ist alle Augenblücke etwas anders.'' | |||
''Lieber Franz nim daher erst heute meinen inigen dank für beides. Gott wolle meine heißen Wünsche erfühlen, welche lauten – – . Euch meine lieben, für Zeit und Ewigkeit glücklich werden lassen, mir mögen Eure Liebe und Zuneigung nie geschmälert werden, dan sind meine heißesten Wünsche erfühlt für meine Person wolle mir der liebe Gott die Gesundheit erhalten und mir dan immer die Freude und Lust am arbeiten und gerechteln'' [?] ''dan werde ich immer Zufrieden sein Vor allen möge uns aber alle, der liebe Gott in seiner heil Liebe alle erhalten, dan besitzen wir schon das / wahre Glück. Mit den Briefen lieber Franz glaubte ich soltest du die Briefe an Otto schon größtentheil an'' [mit] ''mich einschließen, damit du nicht dopelte Porto zu zahlen hast, den du bist ja ohnedieß durch Ottos weggehen viel theuerer dran. Also du glaubst du brauchest keine hemten'' [Hemden] ''mehr sonst habe ich Böhm schon gebethen das er mir ein paar für dich mitnehme, was er mir versprochen hat. Kaffe werde ich dir mit der letzten Gelegenheit schücken, damit er dir nicht zu trocken wird. Wie ist es den mit deinen 2 te[n] Coloquien gegangen. Du hast nichst davon geschrieben, ich hoffe aber sogott will gut. Es ist schon recht wen du die Sachen alle in Strohsack bringst so hast du dan weniger Packerl und darfst gewiß kein übergewicht zahlen. Ich freue mich schon wen einmal die Zeit kömmt wo doch einer wird hier sein können, gott gebe es. /'' | |||
''Das Vinzenz aus den Kloster herauß ist seid Ostern hat dir vieleicht schon Otto geschrieben. Bescheid mußten wir halt richtig einen neuen machen lassen. Bey Roll geht es fast immer gleich wie es scheint langsam den Ende zu<ref> Vgl. Brief vom 29. Mai 1870, in dem [[Karl Roll]] erwähnt wird. Dessen Vater, Karl Roll (* 1814; † 30. Mai 1862) war als Hauptmann in der Lombardei stationiert. Vgl. Briefe vom 7. April 1862 und vom 8./9. April 1862.</ref> , er kann noch bis in Juny dauern und da bey möchten seine Umgebung fast zu grunde gehen bey Böhm geht es beßer. Die Therese läßt dich herzlich grüßen so auch alle Bekanten die Tante Joseph<ref>Elisabeth Spängler; siehe oben</ref> dankt dir recht herzlich für deine Mühe. // Lebe recht wohl mein lieber guter Franz es küßt und segnet dich mit aller liebe // deine // treue Mutter // Spángler.'' | |||
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==== Brief vom 28. April 1862 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [?] = unsichere Lesung; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Salzburg den 28/4 [18]62. // Mein lieber lieber guter theurer Franz! // Briefe auf Briefe erhältst du von uns, Heute geht der Herrn Prälat fort ich will schnell mit dir ein wenig plaudern. Lieber Franz vor allen will ich dich noch aufmerksam machen, das ich jeden fall mit Herrn Pra[ä]laten zum Lasser ginge, und ihm gerade zu sagte was er glaube ob du nicht diese Stelle annehmen soltest, da ja auch Spángler Leopold dir sagen läßt, er glaube es sey da die beßte Außsicht es ist fast nicht unter zu kommen so überfühlt sind alle stellen, auch hättest du an Bar[c]he[t]ti<ref>Finanzrat Dr. Carl Barchetti / Ritter von Barchetti (* 1811 in Linz; † 1883 in der Stadt Salzburg); vgl. Briefe vom 29. April 1862 und 25. Juni 1862</ref> ist auch zugleich ein sehr lieber Vorstand, es ist ja schon dieß eine große gnade wen er dir zuwartet. – Lieber Franz wie froh / wäre ich wen du hier sein köntest, es kostet ja doch be[i]weiten weniger als in einen fremmten Orte auß eigenen Mitteln zu leben. // Lieber Franz bedenke dieß wohl – mir wäre es schon ganz recht besonders da auch Ba[r]chetti das Brasment'' [Placement] ''als ein vortheilhaftes erkante, lieber Franz du mußt auch dieß bedenken das du vieleicht zwischen 2 Stühle sitzen könntest wen du diese so gute gelegenheit so leicht vorüber gehen ließest, den Giani sagte Bar[c]hetti, kömt sich nun schon auf 1000 Gulden zu stehen. Lieber Franz nehme diese Sache ja nicht leichtsinnig. Nimmst du diese Stelle, so schreibe an Bar[c]hetti selbst, es wird ihm sehr freuen, das weiß ich gewiß du hast es gewiß nicht zu bereuen wen du zu ihm gehst, nur mußt du in folge der Zeit dan die Prüffungen machen – je eher desto beßer. Wie freue ich mich schon, wir wollen dir schon alles ordentlich für dich richten. /'' | |||
''Es stehen dir dan auch noch wen du einmal deine Prüffungen alle gemacht hast wieder eine unmenge Wege offen, ich würde es schon annehmen es ist beßer haben als hätte ich. <ref>Vielleicht: Du würdest es besser haben als ich.</ref> Der liebe Gott wird es fügen. // Die Kiste mit denen Sachen kamm ganz ordentlich und gut in unsere Hände. Ich habe dieser Tage viel zu thun und zu ordnen für Otto damit seine Sachen zusammen kommen. Der liebe Gott wolle zu allen sein heil Segen geben. Ich bethe schon recht fleißig für Euch Beide das gottes Segen immer mit Euch sey. Lieber Franz ich weiß nicht habe ich dir es schon geschrieben das man den Reißigl'' [Reisigl] ''Pepi einen Prozeß machen will so das sie wenig oder vieleicht auch gar nichts bekämme, dies ist schon bitter, nun haben wir nur noch Hoffnung, das die Erben von ihm nicht das rechte Testamment haben, aber kosten wird es ihr auf jeden Fall machen. Von denen Lürzer auß Agorto'' [Agordo] ''ist endlich ein Brieferl gekommen aber nur mit einer / Seite angeschrieben, ein längerer Brief ist zu erwarten. Gott gebe das nichts unangenehmes in geschäft vorgefahlen ist.'' | |||
''Die Toda Joseph ist voll freudiger Erwartung wegen Eduard das er bald ein unterkommen finde. Mit Pepi geht das Latein ungeheuer langsamm ich fürchte es wird schlecht gehen zum eintretten in die Latein schule Otto ist Gottlob bezüglich V…. ganz geheilt, er war nie so heiter wie dießmal er ist so unbefangen froh, das alles seine Freude daran hatten, o möge er es so bleiben. Du wirst dich gewiß auch hier recht gut unterhalten. Lebe recht wohl mein geliebtes Kind, es küßt dich 1000 im Geiste // deine // treue Mutter Spángler // Pepi Theres und alle Bekanten grüßen dich recht herzlich Wir haben nun einen Bescheid machen lassen müßen um die Interessen einkasierenn zu können.'' | |||
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==== Brief vom 24. Juni 1862 von Franz Spängler an Otto Spängler | ==== Brief vom 13. Mai 1862 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | ||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; zwei Bögen; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [?] = unsichere Lesung; XX unleserlich; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Salzburg den 13/5 [18]62. // Mein liebster theuerster Franz! // Ich glaubte schon lange den Brief an Leopold in deinen Händen, er sagte er schrieb an die Universitet, ob wahr oder nicht, weiß ich nicht, den er wurde ganz roth, als ich es ihm sagte – er sagte es sey nicht so presant als du es machest Parheti'' [Barchetti] ''bekäme ja ohnedieß keinen bevor nicht die Prüffungen vorbey sind – dieß aber glaube ich nicht – er sagte er schreibe als gestern noch nach wider an die Universitet also mußt du dort nachfragen. Lieber Franz setze ja bey dieser Sache den Minister Lasser<ref>[[Josef Freiherr Lasser von Zollheim]] (* 1815; † 1879), (1862) k. k. Staatsminister für politische Verwaltung und Abgeordneter zum Salzburger Landtag; auch in früheren Briefen erwähnt, vgl. z. B. Briefe vom 14. April 1861, vom 29. April 1861 und vom 25. Juni 1862.</ref> nicht auf die Seite – den solche Herrn kann man immer brauchen. Dein Briefchen durch Franz Fenzl habe ich sogleich erhalten es ist beßer du laßest dir zeit, um etwas zweckmäßiges zu bestimmen. /'' | |||
[am oberen Rand:] ''Reißiglpepi'' [Reisigl] ''grüßt dich herzlich.'' / [darunter, auf dem Kopf:] ''Cossarin'' [?]<ref>Unsichere Lesung und Identifizierung bisher nicht möglich; vgl. die Briefe vom 14. April 1861, vom 25. und 26. Mai 1861 und vom 22. Juni 1861, wo ebenfalls in lateinischer Schrift "Cosserin" gelesen werden kann.</ref> ''und alle Bekanten grüßen recht herzlich. Sattlers grüßen dich schön'' | |||
''bethe nur ja fleißig damit dir der liebe Gott den rechten Sinn eingebe thue was dir am Vortheilhaftesten vorkömmt – und was dir die Herrn rathen, mir wird und muß dieß dann recht sein – ich will schon auch recht fleißig bethen. Eduard ist nun seit, ich glaube donerstag beeidet und ist glaube ich schon in Dürrenberg'' [Dürrnberg?] '', wo er hin beordert wurde, und bezieht von selben Tag an ein Taggeld von 75 Xr'' [Kreuzer] ''er hat dir auch geschrieben, hast du seinen Brief auch nicht erhalten? Nun von Otto'' [[Otto Spängler]] ''; Otto geht es gottlob gut er hielt sich einen Tag in Kastengestatt'' [Gastein-?] ''auf wo alle sehr lieb und freundlich waren, am Sonntag Abends kamm er nach Inspruck'' [Innsbruck] ''wo die Sauter und Eduard ihn recht lieb empfingen, am Dienstag bezog er schon sein eigenes Zimmer in der Mariahülfer vorstatt'' [vgl. Mariahilfstraße] ''wo es ihm recht gut gefählt er hat eine hübsche Außicht auf die Strasse hat den Inn vor sich und die Schnegebürge. Er zahlt 5 fl'' [Gulden] ''wo ihm noch in der Früh der Absud und die Milch gessotten wird so braucht er / keinen Weingeist.<ref>wohl zum Desinfizieren</ref> Er hat von Eduard alle Schriften zum Studieren bekommen<ref>[[Otto Spängler]] beginnt ein Jurastudium in Innsbruck.</ref> und wird allen Fleiß anwenden um seine Prüffung glücklich zu vollbringen, es soll bey denen neuen Proffesoren sehr schwer sein eine Prüffung mit Außzeich[n]ung zu machen, Er soll nur seinen möglichen Fleiß anwenden, dan wirds schon gehen, der liebe Gott wird helfen, wen wir unser möglichstes thuen.'' | |||
''Was Otto betrift müßten die Leute nun auf mich böse sein, den Otto hatte ja gar keinen gedanken nach Inspruck zu gehen – aber ich gestehe es mir wurde so bange für seine Gesundheit, da mir sein so gewißes Reispeln'' [Räuspern] ''einen so unangenehmen Eindruck machte, als könte er bey noch'' [beinahe] ''verstrükten'' [ersticken?] ''Staub und Hitze – den wen auch der übrige Körper in vergleich dazu abnehmen würde wie im vorigen Jahr, so würden wir wohl nur zu thun haben ihn wieder ein wenig herauß zu reissen – – und vieleich[t] wäre auch nicht mehr zu helfen – je nach dem die Hitze sein wird; nein dachte ich mir – ich habe ja auf / der ganzen Welt nicht was mir theurer ist als meine'' [unterstrichen:] ''guten Kinder und solte ich eines dieser Leben auf das Spiel setzen um der eitlen Ehre wegen – – – nein dachte ich – und sagte es den ande[r]n Morgen gleich den Otto, ich berith mich auch mit Schmelzing, dieser gab mir auf ganz recht auch der Herrn Prälat und noch mehrere, ich hoffe es wird gar so auß nicht sein, es haben in Wien schon viele Salzburger ihr Leben ein gebüßt, dir macht es gottlob nichts, ich denke Otto ist zu vollblütig für Wien.<ref>Das offenbar (von Salzburg aus gesehen) ungesunde Klima in Wien wird öfters in den Briefen erwähnt, ebenfalls die besonders "gute Luft" in Salzburg. Vor dem Klima in Wien wird besonders in Verbindung mit der Weltausstellung gewarnt, vgl. Brief vom 30. Juli 1872. Vgl. weitere Briefe vom 24. bis 28. April 1875, 15. Juli 1875, 4. April 1878, 11. Juli 1879, 21. Juli 1880 (mit Fußnote) und öfter.</ref> Otto läßt dich recht schön grüßen er hat dir in dieser Zeit gewiß schon geschrieben. Die Abgabe der Briefe ist an die Tante Sauter zu machen. ich bin auf den nächsten Brief von Otto selbst wieder sehr begierig.'' | |||
''Eben war die Tante Alois'' [die Frau von Aloys Spängler] ''bei mir sie läßt dich recht schön grüßen, und läßt dir sagen, du möchtest dich ja nicht auf Minister Lasser verlassen, den den[m] Bibisch sein Bruder ist mit ihm sehr gut bekant, ich glaube gar der Bibisch ist'' [unterstrichen:] ''du mit ihm, und so leicht hätte er seinen[m] Bruder helfen, den es war in seiner Macht, er hat es nicht gethann, der Bibisch sagte zum Alois Spängler nur auf den soll sich niemand / verlassen, er verspricht viel und halt nichts. Du kannst selbst mit ihm darüber sprechen. Die Alois Spángler glaubt schon bey dieser so heitischen'' [heutigen?] ''Zeit darf man froh sein, einen sichern Rü[c]ken zu wissen. Sie glaubt schon dir zu rathen die Stelle bey Bar[c]hetti nicht außzulassen, den wen sie einmal verrü[c]ken so gehts schnell, der Schießtl'' [Schiestl] ''hat nun von 600 1200 bekommen, es ist dieß bey wenigen Stellen der Fall. – Jedoch thue was du wilst. Bey Fenzl verlangen sie wohl auch zu viel wen sie glauben man sollte Ihnen ganz zu gebothe stehen und sein eignes ich, ihnen zum Opfer bringen. Zu Bar[c]hetti gehe ich noch nicht, ich denke es wird doch bald dein Entschluß kommen, und von dießer Stelle auß, sind dir ja eine menge Wege offen, er wird dir schon noch zu warten. Böhm war vorige Woche bey mir und traf mich er geht im Juni nach Wien und macht die Stadtsprüffung'' [Staats-] ''und geht dann sogleich nach Prag, seine Mutter kömmt erst im Juli von hier fort, er hat dieß Rest[au]rant auf gegeben und wird nun bey einen Verwan[d]ten wohnen, und dann in Prag weiter Studieren / | |||
''Der Bräutigam der Sofie ist auch nun fort, jetzt erst werden sie diesen Verlust wider dopelt fühlen. Sie hatten doch ein großes Glück dabey. Er hat sich nemlich im Xxbau in Xxken<ref>sehr unsichere Lesung: Hammerbau [Zeche] in Unken</ref> einschreiben lassen hat erst 30 fl'' [Gulden] ''bezahlt und bekommt nun eine Sume von 5000 fl auf die Hand. Sie kann es anlegen und hat doch ein Interesse'' [Dividende] ''einzunehmen, überhaupt scheint mir haben sie doch ein wenig Vermögen wen auch nicht viel – es ist aber alles beßer, als nichts 500 fl bekömt sie Pension. Ich finde es ganz natürlich das du die Stunde<ref>Nachhilfeunterricht, siehe frühere Briefe</ref> jetzt aufgiebst, den man hat bey einen solchen Zeitpunkt mit seinen Studien genug zu thun, und dan kanst du auch sogleich fort, bist nicht an die Stund[e] gebunden. Otto sagte er hätte sie auch für den Juny und Juli aufgegeben, damit er seinen Studien hätte obliegen könen. Die Resi Spángler ist in Hallein bey den Paschahrn.'' [?] ''Die Reinfort<ref>vgl. Minna / Wilhelmine Reinfort (* 1850) und Briefe vom 30. Januar 1871, 24. Januar 1873 und 30. November 1878</ref> sind nun in Feyertaghauß<ref>Vgl. [[Durchhaus]] / Universitätsplatz Nr. 13: Feyertag-Durchhaus neben dem Azwanger-Durchhaus, wo, im Hinterhaus zu der Getreidegasse, heute Universitätsplatz Nr. 11, sie selbst wohnt.</ref> in 4 Stock neben uns. Die Tante Alois sagte mir ich soll dir schreiben das sie dich recht außgerichtet hat, sie sagte mir schon daß Ihr recht viel beysammen wahrt. / | |||
''Die Stadterweiterung<ref>vgl. [[Geschichte der Stadt Salzburg]] / Stadterweiterung der Gründerzeit</ref> hat jetzt einen Totalen Stillstand erlitten da sich die Gemeinde mit ihm zertragen,'' [?] ''so ließ er alles stehen und ging mit seinen Leuten fort, es ist also alles in größter Unordnung, wie es noch gehen wird muß sich erst zeu[i]gen. Bey Roll war es dieser Tage so schlecht das sie einmal glaubten es sey gleich gar, und der Docktor selbst sagte es gehe nun zu ende – und heute soll es wider ziemlich gut sein, dagegen soll es der Frau nun zu stark werden, sie soll ganz zusamm[en]geschwächt sein. Die Westehende'' [?] ''haben so viel zu leiden das sie alle fertig werden, die Wärtherinnen müßen öfter gewechselt werden, den in einigen Wochen ist wider eine ganz weg. Die Hacklinger'' [?] ''ist auch bedeutend wider herab gekommen. Die Leni wird den Doktor Heindl'' [?] ''heurathen wen er seine Wokatun[m]'' [Vocatum, Ruf] ''oder irgend eine Stellung bekömmt er hat um sie angehalten, es hat sich erst die letzen Tage gemacht, er hat sie hin- / unter begleitet nach Ried und eben bey den Eltern um sie angehalten und auch bekommen.'' | |||
''Ich hoffe das die Pepi Reißigl'' [Reisigl] ''doch die Erbin bleiben wird, der Doktor Wittman[n] soll wohl jetzt einsehen das er verlieren wird, er hatte ja nicht das Testamment von seiner Partei sondern nur den Ehevertrag welcher durch das Testament verdrängt wurde. Was ich noch vergeßen habe zu schreiben, das in Hall den Otto die Tante Therese und Rizzi und Heinrich auf der Bahn erwarteten was ihm sehr freute da ich es ihm gar nicht schrieb das er hinXX geht. Diesen Monath noch geht Herr von Lipold noch nach Lofer auf Besuch, da köntest du leicht schreiben und vieleicht mir den Thee schücken so dürftest du den denselben nicht mitnehmen, und köntest dir ein wenig behalten. Lebe recht wohl Gottes Segen ruhe auf dir und begleite dich auf allen deinen Wegen. Die Therese und alle Bekanten grüßen dich recht herzlich. Inig küßt dich // deine // treue Mutter Spangler'' | |||
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==== Brief vom 24. Juni 1862 von Franz Spängler an Otto Spängler ==== | |||
Zwei Bögen, Prägedruck "F S" [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]: ''Wien 24 Juni 1862'' [zwischen obigen und diesem sind keine Briefe erhalten geblieben] / ''Liebster Otto! Hätte ich Dir gestern Abends noch geschrieben, so hättest Du sicherlich einen ebenso aufgeregten Brief erhalten wie das letzte Mal; ich muß Dir übrigens sagen, [da]ß Dir hinter dieser meiner Aufreg[un]g viel mehr'' […] (Er hat am 23. Juni seine Staatsprüfung bestanden und wird dann im Juli die 3. Staatsprüfung machen; er ist für den 25. Juli als "Pr[ü]f[un]gscandidat" vorgemerkt.) … ''24 / 6 Nachm.'' (Grüße an Gutenberg … Julius … "Stieger hat sich im Krems beim Sängerfest verliebt" … [flüchtige Schrift, nur überflogen]) | Zwei Bögen, Prägedruck "F S" [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]: ''Wien 24 Juni 1862'' [zwischen obigen und diesem sind keine Briefe erhalten geblieben] / ''Liebster Otto! Hätte ich Dir gestern Abends noch geschrieben, so hättest Du sicherlich einen ebenso aufgeregten Brief erhalten wie das letzte Mal; ich muß Dir übrigens sagen, [da]ß Dir hinter dieser meiner Aufreg[un]g viel mehr'' […] (Er hat am 23. Juni seine Staatsprüfung bestanden und wird dann im Juli die 3. Staatsprüfung machen; er ist für den 25. Juli als "Pr[ü]f[un]gscandidat" vorgemerkt.) … ''24 / 6 Nachm.'' (Grüße an Gutenberg … Julius … "Stieger hat sich im Krems beim Sängerfest verliebt" … [flüchtige Schrift, nur überflogen]) | ||
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''Mit der Hoffnung, Sie recht bald, längstens bis Montag einen Brief zu erhalten u sie [!] recht bald, od längstens in 5 Wochen zu sehen verbleibe ich um Ihre mütterliche Liebe u. Ihren Segen bittende Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler | ''Mit der Hoffnung, Sie recht bald, längstens bis Montag einen Brief zu erhalten u sie [!] recht bald, od längstens in 5 Wochen zu sehen verbleibe ich um Ihre mütterliche Liebe u. Ihren Segen bittende Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler | ||
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==== Brief vom 28. Juni 1862 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen und beigelegt Halbbogen in einem anderen Format; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [?] = unsichere Lesung; XX unleserlich; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Salzburg den 28/6 [18]62. // Mein inigst geliebter Franz! // Wie erfreut war ich schon vor 3 Tagen als ich deine wenigen Zeile erhielt doch für mich genug, das du die Stadts Prüfung'' [Staats-] ''glücklich überstanden hast. Und heute erhielt ich deinen 2 te[n] Brief mit denen ausführlichen Nachrichten welche mich so unendlich aufmunte[r]n das ich mich den Freudenthränen nicht enthalten konnte. Lieber Franz der liebe Gott möge deinen Fleiß lohnen, das er gute Früchte bringe Beyliegendes Goldstück ist von mir der Preis des Fleißes; dan sende ich für dies Monath 12 fl'' [Gulden] ''damit du dir etwas mehr zu glauben kannst, damit dich das Studium nicht so sehr angreift. Lieber Franz ich glaubte freulich ich werde dich in einigen Tagen sehen, doch der liebe Gott fügte es wider anders. Wen du glaubst das es dir nicht zu stark wird – so unternim diese Arbeit, vieleicht geht es aneinander leichter. Der liebe Gott sey mit dich. / Gehe halt so oft du kannst zu Guttenberg oder irgend wo hin, damit der Geist wider außruhen kann.'' | |||
''Alle bekanten, als Toda Julius Spángler Sattler Schafferer Zeller lassen dir Glück wünschen zu den guten Resultat. Wen nun du dieß Monath noch untenbleibst'' [in Wien] ''wird es Cosserin gewiß am liebsten sein, und für dich auch so gut, sonst hättest vieleicht gar du in ein anders Zimmer ziehen müßen. Wen du glaubst'' [die] ''S[t]elle in Inspruck'' [Innsbruck] ''leichter zu machen, so kanst du ja in Inspruck sie machen, thue ganz wie es dir am leichtesten kömmt. Wie froh werde ich sein wen ich einmal hören werde, du bist ganz seelig. Ich will schon recht fleißig bethen für dich. Wegen den Stipendien habe ich gehört muß man schon gleich eingeben versäume ja da gar keine Zeit vieleicht kanst du es unten ansehen was man alles braucht. Bey Franz Spángler lassen sie dir für die Nachricht recht herzlich danken, und laßen dir glückwünschen zu denen überstandenen Prüffungen. Deinen Brief durch Höfer habe ich erst gestern als Freuting'' [Sendung?] ''erhalten, welche Mittheilungen alle veraltet sind. Leider war ich dadurch / einige Tage in großer Angst, weil es hieß du machest die Stadts Prüfung am 20 te[n] somit glaubte ich schon sie sey nicht gut außgefahlen und du getraust es dir nicht zu schreiben.'' | |||
''Den Augenpalsam mußt du schon jemand mit geben zu können wen du bis 27 te[n] Juli noch nicht hier wärest den am 28 te[n] Früh geht Lürzer fort.<ref>Wahrscheinlich [[Otto Lürzer von Zehendthal]] (* 1843; † 1901), dessen Familie Franz in Agordo besuchte; vgl. Brief vom 10. September 1853. Zeitlich würde das passen, dass er mit 19 Jahren in Salzburg die Matura ablegte.</ref> Die Schriftlich Matura ist sehr gut gegangen, schon seit Mitwoch haben sie dieselbe und am 24 te[n] fangen schon die Mündlichen an. Was er im nächsten Jahre thut ist noch ganz unbestimmt, den er will bald dies bald jenes. Nun bin ich auf deinen nächsten Brief schon recht begierig. Sehe ja recht sehr auf deine Gesundheit. Denke dir der Reißigl'' [Reisigl] ''Pepi wird würcklich der Prozes gemacht, in dieser Beziehung wäre es mir lieb gewesen wen du hier geweßen wärest daß du hättest mit denen Herrn sprechen können, da es aber nicht sein kann so müßen wir es lassen. /'' | |||
''Der Doktor Ball kömt nach Mench/ern,'' [?] ''und Doktor Wittman[n] nach Ried. Sommit wird Wittman[n] den Prozes nicht übernehmen können. Die Heurath von Hanna mit den Pasdacki'' [?] ''ist wieder zurück gegangen, weil sie nicht die 24 000 Gulden bekömmt von welchen die Rede war. Die 2 te Fedeßman'' [?] ''heurathet auch. Die junge Zeller wird wie die Witterung beßer ist nach Reichenhal[l] gehen um den Dunst der Stolle ein zu athmen, sie ist dermalen wider zimlich unwohl. Bey Sattler sind sie gegen mich sehr lieb, und unendlich theilnehmend gegen Euch. Den Herrn Prälaten danke ich herzlich für seine freundliche Erinnerung. Lebe nun mein lieber guter Franz recht wohl, sehe auf deine Gesundheit und studire in gottes nahmen. Otto geht es Gottlob gut er ist in seinen Studium ganz zufrieden schrieb er mir, was ich sehr froh bin. Allen welche zu deiner Erhollung beytragen meinen warmen Dank. Die Therese und alle grüßen dich /'' | |||
[beiliegendes Blatt:] ''Nachschrift // In Lofer geht’s schlecht die alte Frau war am Jahrestag so schlecht daß man glaubte sie würde sterben Die Anfalle wider hollen sich, öfter aber nicht so stark. Ich denke ich werde entweder später oder vieleicht heuer gar nicht hinein kommen den da du jetzt nicht kömmst, und vieleicht wen du nach der drit[t]en Prüffung hieher kömmst vielleicht wider nicht lange hier bleiben wirst, den nun glaube ich schon gar nicht mehr, daß du hieher für ganz kömmst; es sieht ihm im nicht gleich, jenun ich nehme alles wie es kömt. // Lebe recht wohl mein lieber Franz es küßt, und segnet dich von ganzen Herzen // deine // treue Mutter Spángler. // Herr von Lipold soll dieser Tage nach Lofer gehen. / Der Fräulein Emma Fenzl nebst Empfehlung meinen herzlichsten Glückswunsch zum Nammenstag. Den Augen palsam könnte vieleicht die Schaffner Klara mit herauf nehmen.'' [blasse Schrift:] ''Tomaselle'' [Tomaselli] ''Mathilde heurathet am 20 te[n] Juli wen weiß ich nicht. Hättest du hier nicht für dieß Rigorosum studiren könen, und ist es doch nothwendig wen du ohnehin das Doktorath nimmst? // Lebe noch mahl wohl mit iniger Liebe dich segnend verbleibe ich deine treue // Mutter Spängler [!] // Hotschitzka<ref>im Brief vom 24. Mai 1861: Hotschizka</ref> läßt dich grüßen.'' | |||
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Ein Bogen (Bild rechts), [[Antonia Lürzer von Zechenthal]] (* 1803; † 1882), verheiratet [[Spängler]], an den Sohn Franz: ''Salzburg den 9 / 7 [18]62 /'' [kopfüber klein:] ''Wir sind gottlob gesund […] Otto geht es gottlob mit der Gesundheit recht gut […] / Mein lieber theuerster Franz. Endlich heute erhielt ich deinen lieben Brief, auf welchen ich mich schon so lange freute. Wie leid thut es mir das du den Brief durch Eigl nicht erhalten hast, ich kann es gar nicht begreifen, den er bath mich so sehr weil er dich wollte kenen lernen. Lieber Franz vor allem sage ich dir was mir eben Franz Franzl aufgetragen hat, das nehmlich Hauna in Lienzen e Adiutum <ref>adjutum, ein bezahltes juristisches Praktikum, siehe vorangehenden Brief vom 29. April 1862 und öfter</ref>, und Felenn [?] ein Wiener Adiutum bekömmt, und daher hier 2 frey werden, wo von eins XX bekömmt und das 2te'' [schwer lesbar, durchstrichene Wörter, klein dazwischen geschriebene Wörter…] ''beim Oberlandesgericht anfangen und um Aufnahme bitten. Ich war sogleich nach Tisch beim Schmelzing, und sagte ihm, was du geschrieben, er geht heute noch zum Präsidenten und wird mit ihm sprechen, Morgen hoffe ich nun die Antwort, und werde sie Dir dann schreiben. Sein Fortkommen wirst du vieleicht schon gehört haben der Lürzer Fritz'' [ [[Friedrich Anton von Lürzer]], Anm.] ''kömmt nach [[Mittersill]] als Notar Der Doktor Huber welchen die Obische geheirathet hat kömmt nach Goling'' [ [[Golling]], Anm.] ''als Notar XXschoher kömmt nach Salzburg. Ball nach Rab Wittman ins Inviertl [!] ich kann den Ort nicht mehr nennen, und noch ein paar welche ich nicht nennen kann kommen fort. Metzen ist gestorben und hat 60 bis 80000 fl [Gulden] hinterlassen, der ist in kurzer zeit sehr reich geworden. Lieber Franz der Franzl laßt Dir sagen Du solst selbst zum Felener [?] gehen wen Du willst und solst ihm fragen. /'' | Ein Bogen (Bild rechts), [[Antonia Lürzer von Zechenthal]] (* 1803; † 1882), verheiratet [[Spängler]], an den Sohn Franz: ''Salzburg den 9 / 7 [18]62 /'' [kopfüber klein:] ''Wir sind gottlob gesund […] Otto geht es gottlob mit der Gesundheit recht gut […] / Mein lieber theuerster Franz. Endlich heute erhielt ich deinen lieben Brief, auf welchen ich mich schon so lange freute. Wie leid thut es mir das du den Brief durch Eigl nicht erhalten hast, ich kann es gar nicht begreifen, den er bath mich so sehr weil er dich wollte kenen lernen. Lieber Franz vor allem sage ich dir was mir eben Franz Franzl aufgetragen hat, das nehmlich Hauna in Lienzen e Adiutum <ref>adjutum, ein bezahltes juristisches Praktikum, siehe vorangehenden Brief vom 29. April 1862 und öfter</ref>, und Felenn [?] ein Wiener Adiutum bekömmt, und daher hier 2 frey werden, wo von eins XX bekömmt und das 2te'' [schwer lesbar, durchstrichene Wörter, klein dazwischen geschriebene Wörter…] ''beim Oberlandesgericht anfangen und um Aufnahme bitten. Ich war sogleich nach Tisch beim Schmelzing, und sagte ihm, was du geschrieben, er geht heute noch zum Präsidenten und wird mit ihm sprechen, Morgen hoffe ich nun die Antwort, und werde sie Dir dann schreiben. Sein Fortkommen wirst du vieleicht schon gehört haben der Lürzer Fritz'' [ [[Friedrich Anton von Lürzer]], Anm.] ''kömmt nach [[Mittersill]] als Notar Der Doktor Huber welchen die Obische geheirathet hat kömmt nach Goling'' [ [[Golling]], Anm.] ''als Notar XXschoher kömmt nach Salzburg. Ball nach Rab Wittman ins Inviertl [!] ich kann den Ort nicht mehr nennen, und noch ein paar welche ich nicht nennen kann kommen fort. Metzen ist gestorben und hat 60 bis 80000 fl [Gulden] hinterlassen, der ist in kurzer zeit sehr reich geworden. Lieber Franz der Franzl laßt Dir sagen Du solst selbst zum Felener [?] gehen wen Du willst und solst ihm fragen. /'' | ||
''Lieber Franz wie sehr es mich freuen würde, wenn Du hierher kommen köntest, kann ich Dir nicht sagen, ich muß gestehen, ich getraute es mir schon gar nicht vorher zu hoffen, und ergab mich in mein Schiksal, ich denke nun lieber Franz, falls es jetzt'' [… Folgendes schwer lesbar] (unter zu kommen … ein Adiutum hast … Franz glaubt auch ganz gewiß … Auskultant … die Mutter will mit Franz besprechen "so zum Beyspiel sollen bis Ende Juli die Quittungen für die Linzer Obligationen geschrieben werden, damit Joseph Spängler wen er nach Wien geht, selbe[r] sie kasiren könnte" … "Doktor Heinnzel geht oder ist schon nach Wien, um sich eine Stelle zu verschaffen" … [kopfstehend:] "… Pepi Spángler [!]" … "Holzinger […] so starb einige Tage darauf sein Schwigervater für die 2 Töchter war für jede 15000 gulden in einem Paket zusammen gerichtet, welches ihnen sogleich übergeben wurde" … "die Tomaseli [ [[Tomaselli]], Anm.] Mathilde sollte Morgen mit XX vermählt werden, und am letzten Sammstag ging die ganze geschichte zurück, sie ist nemlich…" … "Ich würde schon auch an deiner Stelle die Obligationen nicht verkauffen. Ich denke, wen du auf XXliche Gulden anseht [?] kannst du ja die | ''Lieber Franz wie sehr es mich freuen würde, wenn Du hierher kommen köntest, kann ich Dir nicht sagen, ich muß gestehen, ich getraute es mir schon gar nicht vorher zu hoffen, und ergab mich in mein Schiksal, ich denke nun lieber Franz, falls es jetzt'' [… Folgendes schwer lesbar] (unter zu kommen … ein Adiutum hast … Franz glaubt auch ganz gewiß … Auskultant … die Mutter will mit Franz besprechen "so zum Beyspiel sollen bis Ende Juli die Quittungen für die Linzer Obligationen geschrieben werden, damit Joseph Spängler wen er nach Wien geht, selbe[r] sie kasiren könnte" … "Doktor Heinnzel geht oder ist schon nach Wien, um sich eine Stelle zu verschaffen" … [kopfstehend:] "… Pepi Spángler [!]" … "Holzinger […] so starb einige Tage darauf sein Schwigervater für die 2 Töchter war für jede 15000 gulden in einem Paket zusammen gerichtet, welches ihnen sogleich übergeben wurde" … "die Tomaseli [ [[Tomaselli]], Anm.] Mathilde sollte Morgen mit XX vermählt werden, und am letzten Sammstag ging die ganze geschichte zurück, sie ist nemlich…" … "Ich würde schon auch an deiner Stelle die Obligationen nicht verkauffen. Ich denke, wen du auf XXliche Gulden anseht [?] kannst du ja die Fenzl bitten, für einige Tage, bis […] gleich wider geben." … Grüße; Herr "Präsident" sagt, Franz solle "sogleich beim Oberlandesgericht eingeben" um eine Zulassung … [einiges an die Ränder geschrieben; Abschluss nicht erkennbar]). | ||
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==== Brief vom 5. Juli 1862 von Franz Spängler an die Mutter | ==== Brief vom 5. Juli 1862 von Franz Spängler an die Mutter ==== | ||
Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Antonia Spängler]]; ein Bogen, Prägedruck "F S":<br /> | Brief von [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] an [[Antonia Spängler]]; ein Bogen, Prägedruck "F S":<br /> | ||
''Wien 5 Juli 1862 / Liebste Mutter! Indem ich den richtigen Empfang der Geldsendung bestätige, danke ich Ihnen herzlichst für das freigebige Geschenk, mit dem Sie den Erfolg meiner Prüf[un]g lohnten, u. für das erhöhte Monatsgeld, welches mir sehr willkommen war'' […] (Er braucht also die Obligationen in der Sparkasse nicht mit Verlust zu verkaufen, "jetzt habe ich ja noch ziemlich Geld." … Er hat "Augenbalsam für Lürzer Pepi" gekauft, Kosten 3 fl 20 Kr., eine "ziemlich große Flasche", die demnächst geschickt wird. Er sucht eine "Auskultantenstelle" [Anwärter auf das Richteramt]; in Niederösterreich und Wien gibt es keine, "in Linz 6 ohne Adjutum" [unbezahltes Praktikum], ebenso in Salzburg; er überlegt Klagenfurt oder Laibach [Ljubljana], auch in Böhmen sind mehrere Stellen frei. [Fortsetzung 8. Juli:] Er braucht ein "Dürftigkeitszeugnis" und einen Impfschein, ein Gesundheitszeugnis, ein "Sustentationsrevers". Mit Empfehlungen soll die Mutter sich auch an "Hrn v. Schmelzing" und an "Präsident Weiß" wenden, ob in Salzburg eine Stelle für ihn frei werde. Sonst will er nach Böhmen oder Kärnten gehen. "Die Verwandtschaft mit Leopold v Franz wird hoffentlich kein Hinderniß sein; gesetzlich ist sie keines; doch könnte immerhin Schwierigkeit gemacht werden." [nähere Begründung dazu fehlt] … ''An alle Bekannte herzliche Grüße. Leben Sie wohl u. schreiben Sie mir bald, sehr bald [unterstrichen] es ist ohnehin schon lange, d[a]ß ich keinen Brief mehr erhielt. NB Denjenigen Brief welcher ihren Angaben nach d[ur]ch H. Eigl [unterstrichen] über Marienbrunn hätte kommen sollen, habe ich nicht erhalten. Es küßt Ihnen die Hand, um Ihren Segen bittend Ihr dankbarer Sohn F X Spaengler'' | ''Wien 5 Juli 1862 / Liebste Mutter! Indem ich den richtigen Empfang der Geldsendung bestätige, danke ich Ihnen herzlichst für das freigebige Geschenk, mit dem Sie den Erfolg meiner Prüf[un]g lohnten, u. für das erhöhte Monatsgeld, welches mir sehr willkommen war'' […] (Er braucht also die Obligationen in der Sparkasse nicht mit Verlust zu verkaufen, "jetzt habe ich ja noch ziemlich Geld." … Er hat "Augenbalsam für Lürzer Pepi" gekauft, Kosten 3 fl 20 Kr., eine "ziemlich große Flasche", die demnächst geschickt wird. Er sucht eine "Auskultantenstelle" [Anwärter auf das Richteramt]; in Niederösterreich und Wien gibt es keine, "in Linz 6 ohne Adjutum" [unbezahltes Praktikum], ebenso in Salzburg; er überlegt Klagenfurt oder Laibach [Ljubljana], auch in Böhmen sind mehrere Stellen frei. [Fortsetzung 8. Juli:] Er braucht ein "Dürftigkeitszeugnis" und einen Impfschein, ein Gesundheitszeugnis, ein "Sustentationsrevers". Mit Empfehlungen soll die Mutter sich auch an "Hrn v. Schmelzing" und an "Präsident Weiß" wenden, ob in Salzburg eine Stelle für ihn frei werde. Sonst will er nach Böhmen oder Kärnten gehen. "Die Verwandtschaft mit Leopold v Franz wird hoffentlich kein Hinderniß sein; gesetzlich ist sie keines; doch könnte immerhin Schwierigkeit gemacht werden." [nähere Begründung dazu fehlt] … ''An alle Bekannte herzliche Grüße. Leben Sie wohl u. schreiben Sie mir bald, sehr bald [unterstrichen] es ist ohnehin schon lange, d[a]ß ich keinen Brief mehr erhielt. NB Denjenigen Brief welcher ihren Angaben nach d[ur]ch H. Eigl [unterstrichen] über Marienbrunn hätte kommen sollen, habe ich nicht erhalten. Es küßt Ihnen die Hand, um Ihren Segen bittend Ihr dankbarer Sohn F X Spaengler'' | ||
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==== Brief vom 16. Juli 1862 von Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | |||
Brief von [[Antonia Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Wien; ein Bogen und ein Blatt; gefaltet, mit gebrochenem roten Siegel [dadurch auf der Rückseite Textverlust], Adresse auf dem Blatt: ''An meinen lieben Franz Spángler in Wien // durch besondere Güte.''; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [?] = unsichere Lesung; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Salzburg den 16/7 [18]62. // Mein inigst geliebter Franz! // Da morgen schon die Pepi geht so will ich nicht säumen, dir zu schreiben. Lieber Franz meinen und Franz Frenzls'' [Fenzls] ''Briefe wirst du erhalten haben, mein Brief war zimlich zerstreut geschrieben, die Freude, das du doch hieher kömmst, hat mich völig ganz zerstreut gemacht, weil ich mir es schon gar nicht mehr zu hoffen getraute; - Gott fügt alles wie es sein soll, darum will ich nie vorgreifen. Hast du wohl schon eingegeben um die 6 Wochen Probepraxis hier beim Landes gericht machen zu dürfen, Herr von Schmelzing<ref>Landesgerichtsrat Josef Ritter von Schmelzing (* 1807; † 1873); vgl. Brief vom 6. März 1873</ref> sagte, du solst ja sehen das du noch bevor du herauf gehst die erlaubniß erlangst, damit dir keiner vorkömmt, weil du jetzt, der erste zum Adiutum<ref>Adjutum: bezahltes Praktikum</ref> bist. Herr von Schmelzing glaubt es wird kein Jahr dauern, bis du es bekömmst. Der Herr Präsident setzt sehr viel Vertrauen auf dich, und freut sich au[c]h auf dich sagte er zu Herrn von Schmelzing. / Herr von Schmelzing und der Herr Präsident haben sogar nachgeschlagen wegen der Verwandtschaft<ref>Es ist mir, [[Otto Holzapfel]], unklar, was damit gemeint ist. Eine Verwandtschaft der Spängler etwa mit von Schmelzing ist mir unbekannt. Vielleicht ist enge Bekanntschaft gemeint.</ref>, haben aber gefunden, das hirin kein Hinderniß ist. Wen du die Prüfung gemacht hast so würde ich dan schon sehen bald zu kommen, damit dir keiner vorkömmt, oder hast du die Bewilligung erhalten, so würde ich es den Herrn Präsidenten melden. Wegen den Stipendium, sagten sie eben wird es keinen Anstand haben das du es bekömmst, es wird in einigen Tagen erledigt werden, was für dich recht gut sein würde, dann glaube ich bist du schon geborgen. Gott wird schon für dich Sorgen und deinen Fleiß Lohnen, bethe nur ja alle Tage recht fleißig.'' | |||
''Beyliegend sende ich dir das Geld für die Flasche von Lungenpalsam, du möchtest so gut sein und die Flasche von den Kaufman wo du sie gekauft hast verpacken lassen und sammt den noch zu habenden Spesen an die Tante Spángler Atresierenn'' [adressieren] ''damit es ja noch zu rechten'' [Zeit] ''kömmt, bis Otto hinein geht / Du sagtest neulich von einen Geld herauß nehmen von der Sparkasse ich sende dir durch die Pepi ein[st]weilen von mir 20 fl'' [Gulden] ''wir können es ja dan herauß nehmen wan du kömmst, und die kannst es mir dann zahlen so denke ich mir, darfst du bey Fenzl nichts entleihen nehmen. Gott gebe lieber Franz, das deine Prüffung auch noch glücklich vorüber geht, und du dabey gesund bleibst, wie werde ich mich freuen dich zu sehen. Stieger habe ich gesehen, er hat mir aber keinen Brief von dir gebracht, er sieht sehr gut auß. Wen du Briefe bey der Flasche beylegen kannst so thue es. Wegen den Linzer-Interesse'' [Dividende] ''macht mir August Spángler die Quitung. Das Silber hat die Beitner'' [?] ''schon im Juni zurück gezahlt, ich weiß nicht soll ich es einstweilen so auf behalten bis Ihr kömmt. In der Hammerau<ref>Wertpapiere aus dem [[Stahlwerk Annahütte]] in [[Ainring]]</ref> ist nichts zu verkaufen'' [kaufen] '', was mir das Liebste gewesen wäre, Otto glaubte einmal wir könten um 3 – bis 400 bekomm[en] aber sie gebens nicht herauß./ ich denke mir andres außwechseln und dann National Anleihe kauffen.'' | |||
''Die Frau von Hannisch'' [?] ''in Lofer ist am Sonntag früh um 3 ¼ gestorben, ich mußte hier alles zur Trauer kaufen am Sonntag Mittags um halb 12 erhielt ich die Nachricht sie sey im Sterben und um 2 Uhr gingen die Sachen schon hinein. ich ließ alles gleich beim Kaufman verpacken und heut schücken ich schrieb erst den andre[n] Tag. Am 20 te[n] wird Herr von Sattler und die Frau von Ruprecht hieher kommen die Ruprecht wird das ganze Monnath August bis Sattler mit den Söhnen zurück kömmt hier bleiben. Die Sattler und alle Bekanten freuen sich über deine gutbestandene Prüfung. Otto geht es Gottlob recht gut, er sieht sehr gut auß nach allen Außsagen. Die Cornelia Schuller ist hier, sie hat eben am Sonntag bey mir zu Mittag gespeißt, wo ich aber so viel zu kaufen hatte, aber es ging auch vorbey. Diese Tage sind wir in voller Beschaftigung mit der Repratur der Zimmer, und weissen der Küche und Gang. damit doch alles ein wenig in Ordnung ist.'' | |||
[Blatt, das gefaltet als Umschlag diente:] ''[D]ie Kopsa glaubte du solltest wen du von Wien kömmst zu ihr auf ein paar Tage zuRechnen, '' [?] ''aber ich denke dies läßt sich vieleicht leichter machen wen du auf die Rigroßen'' [Rigorosum] ''nach Wien gehst, ich denke jetzt wird es wohl gut sein so bald als möglich ein zu tretten, damit dir kein[er] vorkömmt. Die Henf Rosalie läßt dich herzlich grüßen und dir glückwünschen zu deiner so glücklich überstandenen Prüfung. Pepi wird am 2 August nach Lofer gehen. Grüße mir alle Bekannte und entrichte bey Bla[c]hetka meine Glückswünsche zur Beförderung des Herrn Gemahl. Bey Guttenberg Fenzl alles Schöne Bey Fenzl lasse ich herzlich danken für die Theilnahme Lebe recht wohl [M]ein lieber guter Franz es freut […]<ref>Lücken durch Abriss des Siegels</ref>, dich recht bald zu sehen deine d[ich] [h]erzlich liebende und dich segnende […] // [Mu]tter Spángler. // Alles grüßt dich herzlich.'' | |||
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[eingeordnet unter 1862] bei den Kobler-Spängler-Briefen [grün verschnürt, doch nicht alles übertragen]: Reste einer Poesiesammlung, Gedichte u.ä. auf Einzelblättern, ohne Datum und ohne erkennbare Bezugsperson [siehe unten] in verschiedenen Handschriften = u. a. "Leben-Sterben-Wiedersehn!" [einzelne Verse]; Pater noster. Notre Pére [!], qui êtes… (auch: Salvatio angelica, Credo, Gloria Patris [französisch]); "Die Kindsmörderin": Horch – die Glocken hallen dumpf zusammen… 15 Str. [Strophe] [Horch, die Glocken hallen dumpf zusammen, und der Zeiger hat vollbracht den Lauf... Friedrich von Schiller, in: Anthologie auf das Jahr 1782; nach L.H. Wagners Drama, "Die Kindermörderin", 1776]; "Der Mann von einem Maedchen gezeichnet." Aus Starrsinn, Übermut, Stolz und Geschmeidikeit [!]… und: "Kleine Fabel". Hoch lebte Valentin…; "Wunderseltsame Klage eines Landmädchens in der Stadt". Dir lieber Gott bald dankt ich dir wohl nicht für deine Gabe… 15 Str. [Johann Aloys] Blumauer [* 1755; † 1798]; "Nachklang". Wo bist du hin, du Traumbild schön von Zeiten… 7 Str. Carl Anton Hesse [nicht näher identifiziert]; "Lebensgeläute" von Elise von Hohenhausen [* 1789; † 1857]. Die Abendglocken in der Dämmerung Hülle…; Der Todtenkranz v. T[heodor] Körner [* 1791; † 1813]. Der Wächter rief die eilfte [!] Stunde…; Lied: 1. Ach! wenn ich nur kein Mädchen wär das ist doch recht vatal [!], so ging ich gleich zum Militär und würde Generall. rep. O ich wär gar ein tapfrer Mann bedeckte mich mit Ruhm doch ging die Kanonade an, so machte ich rechtsum… 4 Str. [Ach wenn ich nur kein Mädchen wär’, das ist doch recht fatal!... Aus der Oper "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" von Ferdinand Raimund, 1828]; S‘ Bild. In alte Schloß bei unsern Herrn hängt in an‘ Gang a Bild… 7 Str.; "Der Gang um Mitternacht". Ich schreite mit dem Geist der Mitternacht… 7 Str. [Georg] Herwegh [gedichtet 1840]; "Der letzte Dichter" v. Anastasius Grün [* 1806; † 1876]. Wann werdet ihr Poeten des Dichtens einmal müd?... 14 Str.; Einzelblatt, datiert 1888; Druck einer gereimten "Geschichte des Studententhums", Wien 1862; gedrucktes Gedicht von Achim v. Winterfeld über "das Blaue Glöcklein in Nürnberg; gedruckte Beschreibung der St. Lorenz-Kirche in Nürnberg; dito St. Sebald [gehört vielleicht zur Bayreuth-Reise von Nr. 18 Franz Spängler, 1889 [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]]; gedrucktes "Festlied der Salzburger Versammlung vom 7 Februar 1874" Brause Du Festgesang! Brause, wie Wogendrang! Aus froher Brust. Es gilt zu zeigen heut‘ ein Bild, o Seligkeit!... 4 Str., H. Blank, "Faschings-Chronik", 15 Str. zu wechselnden Melodien, I. Die Salzburger wollen öfters z’sammengeh’n… Autogr. v. Nusko; handschriftlich "Stimmen der Völker in Schnådahüpfln. Von Ernst Riss. Souffleurbuch. [Spielanleitung mit zahlreichen Versen]; "Herr Burgermoaster und ös Manner von Salzhausen. Grüß Gott, machts ma koane Flausen…" [Fastnachtsrede; Foto 1: Ausschnitt vom Anfang; keine Datierung]; handschriftlich, 4 Blätter "Aus der Heimath" I Jahrgang N. 1 Salzburg 3 Jänner 1862. Wochenblatt für Politik, Literatur, Öffentliches und Privatleben. Verantwortlicher Redacteur: Ezechiel Klampferer. [Studenten- bzw. Faschingszeitung?; F. X. G. Spängler ist 1862 29 Jahre alt; Foto 2: Ausschnitt vom Anfang; Fortschritt, Entwicklung ist… mehrere Texte in Kolumnen, Gedichte u.ä., eine "Erklärung" unterzeichnet "F. X. Sp." {Spängler}, ein "Inserat" unterzeichnet "Franz Plachetka" u.ä.]; dito I Jahrgang N 2 [vom] 10. Jänner 1862 [Foto 3: Ausschnitt vom Anfang, ähnlich 1 gefaltetes Blatt]; "Ansprache der vier Salzburgerinnen bei ihrem unverhofften Erscheinen am 2. März 1878 bei dem Faschingsabend der Salzburger Gesellschaft im Hotel zur Goldenen Ente in Wien… [genannt werden für die vier gereimten Teile "Frau Kamilla v. Mertens", das ist Fannis Freundin Camilla von Mertens, "Frau Gabriele Egghofer", "Fanni Spängler", das ist [[Franziska Schlegel]], * 1848; † 1905, verh. Spängler, und "Frau Maria Spängler"; Foto 4: Ausschnitt vom Anfang]. | [eingeordnet unter 1862] bei den Kobler-Spängler-Briefen [grün verschnürt, doch nicht alles übertragen]: Reste einer Poesiesammlung, Gedichte u.ä. auf Einzelblättern, ohne Datum und ohne erkennbare Bezugsperson [siehe unten] in verschiedenen Handschriften = u. a. "Leben-Sterben-Wiedersehn!" [einzelne Verse]; Pater noster. Notre Pére [!], qui êtes… (auch: Salvatio angelica, Credo, Gloria Patris [französisch]); "Die Kindsmörderin": Horch – die Glocken hallen dumpf zusammen… 15 Str. [Strophe] [Horch, die Glocken hallen dumpf zusammen, und der Zeiger hat vollbracht den Lauf... Friedrich von Schiller, in: Anthologie auf das Jahr 1782; nach L.H. Wagners Drama, "Die Kindermörderin", 1776]; "Der Mann von einem Maedchen gezeichnet." Aus Starrsinn, Übermut, Stolz und Geschmeidikeit [!]… und: "Kleine Fabel". Hoch lebte Valentin…; "Wunderseltsame Klage eines Landmädchens in der Stadt". Dir lieber Gott bald dankt ich dir wohl nicht für deine Gabe… 15 Str. [Johann Aloys] Blumauer [* 1755; † 1798]; "Nachklang". Wo bist du hin, du Traumbild schön von Zeiten… 7 Str. Carl Anton Hesse [nicht näher identifiziert]; "Lebensgeläute" von Elise von Hohenhausen [* 1789; † 1857]. Die Abendglocken in der Dämmerung Hülle…; Der Todtenkranz v. T[heodor] Körner [* 1791; † 1813]. Der Wächter rief die eilfte [!] Stunde…; Lied: 1. Ach! wenn ich nur kein Mädchen wär das ist doch recht vatal [!], so ging ich gleich zum Militär und würde Generall. rep. O ich wär gar ein tapfrer Mann bedeckte mich mit Ruhm doch ging die Kanonade an, so machte ich rechtsum… 4 Str. [Ach wenn ich nur kein Mädchen wär’, das ist doch recht fatal!... Aus der Oper "Der Alpenkönig und der Menschenfeind" von Ferdinand Raimund, 1828]; S‘ Bild. In alte Schloß bei unsern Herrn hängt in an‘ Gang a Bild… 7 Str.; "Der Gang um Mitternacht". Ich schreite mit dem Geist der Mitternacht… 7 Str. [Georg] Herwegh [gedichtet 1840]; "Der letzte Dichter" v. Anastasius Grün [* 1806; † 1876]. Wann werdet ihr Poeten des Dichtens einmal müd?... 14 Str.; Einzelblatt, datiert 1888; Druck einer gereimten "Geschichte des Studententhums", Wien 1862; gedrucktes Gedicht von Achim v. Winterfeld über "das Blaue Glöcklein in Nürnberg; gedruckte Beschreibung der St. Lorenz-Kirche in Nürnberg; dito St. Sebald [gehört vielleicht zur Bayreuth-Reise von Nr. 18 Franz Spängler, 1889 [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]]; gedrucktes "Festlied der Salzburger Versammlung vom 7 Februar 1874" Brause Du Festgesang! Brause, wie Wogendrang! Aus froher Brust. Es gilt zu zeigen heut‘ ein Bild, o Seligkeit!... 4 Str., H. Blank, "Faschings-Chronik", 15 Str. zu wechselnden Melodien, I. Die Salzburger wollen öfters z’sammengeh’n… Autogr. v. Nusko; handschriftlich "Stimmen der Völker in Schnådahüpfln. Von Ernst Riss. Souffleurbuch. [Spielanleitung mit zahlreichen Versen]; "Herr Burgermoaster und ös Manner von Salzhausen. Grüß Gott, machts ma koane Flausen…" [Fastnachtsrede; Foto 1: Ausschnitt vom Anfang; keine Datierung]; handschriftlich, 4 Blätter "Aus der Heimath" I Jahrgang N. 1 Salzburg 3 Jänner 1862. Wochenblatt für Politik, Literatur, Öffentliches und Privatleben. Verantwortlicher Redacteur: Ezechiel Klampferer. [Studenten- bzw. Faschingszeitung?; F. X. G. Spängler ist 1862 29 Jahre alt; Foto 2: Ausschnitt vom Anfang; Fortschritt, Entwicklung ist… mehrere Texte in Kolumnen, Gedichte u.ä., eine "Erklärung" unterzeichnet "F. X. Sp." {Spängler}, ein "Inserat" unterzeichnet "Franz Plachetka" u.ä.]; dito I Jahrgang N 2 [vom] 10. Jänner 1862 [Foto 3: Ausschnitt vom Anfang, ähnlich 1 gefaltetes Blatt]; "Ansprache der vier Salzburgerinnen bei ihrem unverhofften Erscheinen am 2. März 1878 bei dem Faschingsabend der Salzburger Gesellschaft im Hotel zur Goldenen Ente in Wien… [genannt werden für die vier gereimten Teile "Frau Kamilla v. Mertens", das ist Fannis Freundin Camilla von Mertens, "Frau Gabriele Egghofer", "Fanni Spängler", das ist [[Franziska Schlegel]], * 1848; † 1905, verh. Spängler, und "Frau Maria Spängler"; Foto 4: Ausschnitt vom Anfang]. | ||
== | == 1864 == | ||
==== Brief vom 6. Mai 1864 von Mina Lorinser an Fanni Schlegel ==== | |||
Ein Bogen mit Trauerrand; Absenderin und Empfängerin, [[Franziska Schlegel]], erschlossen<ref>Vgl. die Briefe vom 16. und 17. Juni 1851, vom 7. und 8. Juli 1851, vom 20. Juli 1851 und Auskunft Geneanet</ref>; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]:<br /> | |||
''6/5 64. // Liebe Freundin // Ich muß die traurige Pflicht erfüllen, Euch das Hinscheiden meines einzigen Bruders<ref>Friedrich Lorinser (* 1854; † 4. Mai 1864, begraben am 5. Mai 1864)</ref> anzuzeigen. Du wirst Dich viel[l]eicht wundern, daß'' [ich] ''gefaßt genug dazu bin; aber ich habe für die Lebenden zu sorgen und wenn ich schwach werde stärkt mich ein Blick auf meine Eltern, die ich beruhigen muß, auch bin ich viel ernster und fühle von Dingen wie Freude Aufregung ./. / sehr wenig fast nichts[.] ich'' [habe] ''nun genug Umschweife gemacht nun kann ich das traurige wieder berühren[.] Fritz legte sich Donnerstag den 28ten, nachdem'' [er] ''wegen U[i]blichkeit und aus der Schule nach Hause geführt worden war, zu Hause wiederholten sich die Anfälle, nachdem er kurze Zeit gelegen, kam schon der Scharlach sehr stark heraus und'' [er] ''wurde besinningslos endete eine mit wenigen Unterbrechungen der Hals schwoll zu das Gehirn wurde angegriffen und nach kurzen aber furchtbaren Leiden starb ./. / er den 4ten Mai um ¾ auf 7 Uhr nach langen schre[c]klichem Todeskampfe. Er wurde Donnerstag den fünften nach Kalksburg geführt und in der Kirchhofkapelle beigesetz, nach einigen Tagen wird der Sarg in unsere Gruft übertragen. Möge es lange dauern ehe der Platz an seiner Seite ausgefüllt wird. Meine bittre Pflicht, ich habe sie erfüllt // Deine Mina. // Sei so gut und zeige den Brief gleich deinem Vater<ref>[[Richard Franz Schlegel]]</ref>'' | |||
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== 1865 == | == 1865 == | ||
[und ff. bis 1870] mehrere Briefe von Rudolf Handel [ein nicht näher identifizierter Freund] an Nr. 18 Franz II. Xaver Gregor Spängler = "Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler" | [und ff. bis 1870] mehrere Briefe von Rudolf Handel [ein nicht näher identifizierter Freund] an Nr. 18 Franz II. Xaver Gregor Spängler = "Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler" | ||
== 1868 == | == 1868 == | ||
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II. "Passiva", Gläubiger [[Otto Spängler]], der Bruder, 1864/1865 70 fl / Mathias Pichler 1865 ff. Zumeist geringe Beträge / Otto Spängler 1866/1867 100 fl / Vorschuss der "Sparcassa Salzburg" 1865/1866 mit Beträgen zwischen 90 und 720 fl / Therese Lürzer, Otto Spängler 1869/1870 und so weiter. | II. "Passiva", Gläubiger [[Otto Spängler]], der Bruder, 1864/1865 70 fl / Mathias Pichler 1865 ff. Zumeist geringe Beträge / Otto Spängler 1866/1867 100 fl / Vorschuss der "Sparcassa Salzburg" 1865/1866 mit Beträgen zwischen 90 und 720 fl / Therese Lürzer, Otto Spängler 1869/1870 und so weiter. | ||
"Vermögensstand" am 1. Juni 1865 1608 fl [Gulden] / 1 Jänner 1866 2537 fl / 1 Juli 1867 2419 fl / und so weiter / 1 Februar 1870 10932 fl / und so weiter / zuletzt: 31 Dez 1900 14170 Gulden = 28340 K[ronen]. - Lose Zettel beiliegend mit weiteren Berechnungen, u. a. Aufstellung der Salzburger Sparkasse mit Sparbeträgen für die sechs Spänglerkinder 1893 mit zusammen 5185 [Kronen]. - Beiliegend auch ein "Einschreibbüchel", begonnen 1911 mit jeweils geringfügigen Beträgen in Kronen und Heller, abgebrochen im Jänner 1912, z. B. "Sodium Pastillen" 1.25, Neujahrskarten 1.-, Medizin 3.50. - | "Vermögensstand" am 1. Juni 1865 1608 fl [Gulden] / 1 Jänner 1866 2537 fl / 1 Juli 1867 2419 fl / und so weiter / 1 Februar 1870 10932 fl / und so weiter / zuletzt: 31 Dez 1900 14170 Gulden = 28340 K[ronen]. - Lose Zettel beiliegend mit weiteren Berechnungen, u. a. Aufstellung der Salzburger Sparkasse mit Sparbeträgen für die sechs Spänglerkinder 1893 mit zusammen 5185 [Kronen]. - Beiliegend auch ein "Einschreibbüchel", begonnen 1911 mit jeweils geringfügigen Beträgen in Kronen und Heller, abgebrochen im Jänner 1912, z. B. "Sodium Pastillen" 1.25, Neujahrskarten 1.-, Medizin 3.50. - Meine laienhafte Skizze, [[Otto Holzapfel]], kann allerdings nur einen allgemeinen Eindruck vermitteln, wie intensiv und weitgestreut die Finanzanlagen waren und dass offenbar, trotz der erheblichen Zuschüsse, die [[Franziska Kobler]] als Schwiegeroma gerade in den ersten Jahren der jungen Spängler-Familie in Wien leistete,<ref>Vgl. [[Kobler-Spängler-Briefe von 1877|vom 3. und 4. Juli 1877]], vom [[Kobler-Spängler-Briefe von 1878 bis 1879|29. Oktober 1878]], vom [[Kobler-Spängler-Briefe von 1880|10. Februar 1880]] und öfter.</ref> Vermögen vorhanden war. Die Eintragungen könnten sicherlich noch genauer ausgewertet werden. | ||
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