Johann Lorenz Hagenauer: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Johann Lorenz v. Hagenauer.jpg|miniatur|Johann Lorenz von Hagenauer um 1770, gemalt von M. Rosa Barducci-Hagenauer]] '''Johann Lorenz Hagenauer''' (* [[10. August]] [[1712]] in [[Straß (Ainring)|Straß]] bei [[Ainring]]; † [[9. April]] [[1792]] in der [[Stadt Salzburg]]) war Handelsherr und Spezereiwarenhändler in der Stadt Salzburg. Er stammte aus der Linie der Kaufleute der [[Hagenauer | [[Datei:Johann Lorenz v. Hagenauer.jpg|miniatur|Johann Lorenz von Hagenauer um 1770, gemalt von M. Rosa Barducci-Hagenauer]] '''Johann Lorenz Hagenauer''' (* [[10. August]] [[1712]] in [[Straß (Ainring)|Straß]] bei [[Ainring]]; † [[9. April]] [[1792]] in der [[Stadt Salzburg]]) war Handelsherr und Spezereiwarenhändler in der Stadt Salzburg. Er stammte aus der Linie der Kaufleute der [[Hagenauer]]-Dynastie. | ||
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Georg III. (* [[1649]]; † [[1736]]), Josef Martins Vater und Großvater von Johann Lorenz, Rats- und Handelsherr in der Stadt Salzburg, besaß wie sein jüngerer Bruder, Rats- und Handelsherr Johann Hagenauer, Handelshäuser in Salzburg. Er hatte sich auf den Handel mit Tuchstoffen und Seide sowie Gewürzen spezialisiert, womit er sehr erfolgreich war. Am [[24. August]] [[1686]] verlieh ihm der kaiserliche Hofpfalzgraf Ferdinand Wilhelm Metzger von Meggenburg, Palatin Kaiser Ferdinands III., den untitulierten Adelsstand und eine Wappenbesserung. In seiner Jugend war Georg III. gemeinsam mit seinem Bruder Johann vom elterlichen Hof weggezogen und mit ihm nach Salzburg gegangen. Beide wurden dort im Handel erfolgreich. 1673 erwarb Georg im Alter von 25 Jahren die Spezereiwarenhandlung von Johann Baptist Mayrhauser, leistete den Eid als [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürger]], heiratete drei Jahre später Maria Anna Kaufmann (* [[1650]]; † [[1683]]) und hatte mit ihr einen Sohn. Seine Geschäfte liefen erfolgreich, sodass er zwischen [[1713]] und [[1718]] die Häuser Getreidegasse 7 und 9 (das [[Hagenauerhaus]]) kaufen konnte. Fünf Monate nach dem Tod seiner ersten Frau ehelichte Georg die ebenfalls verwitwete Maria Mayr (* [[1654]]; † [[1728]]). Dieser Ehe entsprangen vermutlich vier Kinder, darunter der zweite Sohn Georg Christoph (* [[1685]]; † [[1741]]). Für ihn erwarb er eine Spezereiwarenhandlung mit Weinausschank im Haus Getreidegasse 7. Im Haus Getreidegasse 9 war ebenerdig die Georg Hagenauerische Spezereiwarenhandlung untergebracht, die unter dem Titel einer Honig-, Wachs- und Fischschmalzhandlung geführt wurde. | Georg III. (* [[1649]]; † [[1736]]), Josef Martins Vater und Großvater von Johann Lorenz, Rats- und Handelsherr in der Stadt Salzburg, besaß wie sein jüngerer Bruder, Rats- und Handelsherr Johann Hagenauer, Handelshäuser in Salzburg. Er hatte sich auf den Handel mit Tuchstoffen und Seide sowie Gewürzen spezialisiert, womit er sehr erfolgreich war. Am [[24. August]] [[1686]] verlieh ihm der kaiserliche Hofpfalzgraf Ferdinand Wilhelm Metzger von Meggenburg, Palatin Kaiser Ferdinands III., den untitulierten Adelsstand und eine Wappenbesserung. In seiner Jugend war Georg III. gemeinsam mit seinem Bruder Johann vom elterlichen Hof weggezogen und mit ihm nach Salzburg gegangen. Beide wurden dort im Handel erfolgreich. 1673 erwarb Georg im Alter von 25 Jahren die Spezereiwarenhandlung von Johann Baptist Mayrhauser, leistete den Eid als [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürger]], heiratete drei Jahre später Maria Anna Kaufmann (* [[1650]]; † [[1683]]) und hatte mit ihr einen Sohn. Seine Geschäfte liefen erfolgreich, sodass er zwischen [[1713]] und [[1718]] die Häuser Getreidegasse 7 und 9 (das [[Hagenauerhaus]]) kaufen konnte. Fünf Monate nach dem Tod seiner ersten Frau ehelichte Georg die ebenfalls verwitwete Maria Mayr (* [[1654]]; † [[1728]]). Dieser Ehe entsprangen vermutlich vier Kinder, darunter der zweite Sohn Georg Christoph (* [[1685]]; † [[1741]]). Für ihn erwarb er eine Spezereiwarenhandlung mit Weinausschank im Haus Getreidegasse 7. Im Haus Getreidegasse 9 war ebenerdig die Georg Hagenauerische Spezereiwarenhandlung untergebracht, die unter dem Titel einer Honig-, Wachs- und Fischschmalzhandlung geführt wurde. | ||
[[Datei:Hagenauerhaus in der Getreidegasse .jpg|mini|Hagenauerhaus in der Getreidegasse 9]] | [[Datei:Hagenauerhaus in der Getreidegasse .jpg|mini|Hagenauerhaus in der Getreidegasse 9. Im Erdgeschoss befand sich die Georg Hagenauerische Spezereiwarenhandlung.]] | ||
Für seinen Erstgeborenen aus erster Ehe musste Georg wirtschaftliche Hilfe leisten. Josef Martin begann nach abgebrochenem Studium mit einem kleinen Handelsgeschäft in Salzburg, kam jedoch bald in finanzielle Schwierigkeiten. Sein Vater, der einen Großteil seiner Schulden übernahm, vermerkte in seinem Testament, dass er die Hälfte der von den Gläubigern geforderten Summe von 2.262 [[Gulden]] gezahlt hatte. Die väterliche Handlung hatte zusätzlich 6.438 Gulden Forderung an Josef Martin, es wurde ihm allerdings - wie auch von den anderen Gläubigern - die Hälfte der Summe erlassen. Zum Vergleich: die ursprüngliche Gesamtsumme der Schulden war beinahe doppelt so hoch wie der Preis für das Haus Getreidegasse 9. Josef Martin hatte dadurch Ansehen, Ehre, Kreditwürdigkeit und seinen Stand verloren. Als auch noch seine Frau plötzlich und früh im Jahr [[1725]] starb (sie wurde im [[Friedhof St. Peter]] begraben), verließ Josef Martin seine vier minderjährigen, halbverwaisten Kinder in Salzburg und floh in militärische Dienste. Er wurde Rechnungsoffizier in kaiserlichen Diensten und schließlich Dragoner in einem Kavallerie-Regiment des Heeres von Prinz Eugen. Dort blieb Josef Martin, obwohl die Familie stets versuchte, ihn zur Rückkehr nach Salzburg zu bewegen, bis er (laut Familienchronik) [[1732]] in Belgrad fiel. | Für seinen Erstgeborenen aus erster Ehe musste Georg wirtschaftliche Hilfe leisten. Josef Martin begann nach abgebrochenem Studium mit einem kleinen Handelsgeschäft in Salzburg, kam jedoch bald in finanzielle Schwierigkeiten. Sein Vater, der einen Großteil seiner Schulden übernahm, vermerkte in seinem Testament, dass er die Hälfte der von den Gläubigern geforderten Summe von 2.262 [[Gulden]] gezahlt hatte. Die väterliche Handlung hatte zusätzlich 6.438 Gulden Forderung an Josef Martin, es wurde ihm allerdings - wie auch von den anderen Gläubigern - die Hälfte der Summe erlassen. Zum Vergleich: die ursprüngliche Gesamtsumme der Schulden war beinahe doppelt so hoch wie der Preis für das Haus Getreidegasse 9. Josef Martin hatte dadurch Ansehen, Ehre, Kreditwürdigkeit und seinen Stand verloren. Als auch noch seine Frau plötzlich und früh im Jahr [[1725]] starb (sie wurde im [[Friedhof St. Peter]] begraben), verließ Josef Martin seine vier minderjährigen, halbverwaisten Kinder in Salzburg und floh in militärische Dienste. Er wurde Rechnungsoffizier in kaiserlichen Diensten und schließlich Dragoner in einem Kavallerie-Regiment des Heeres von Prinz Eugen. Dort blieb Josef Martin, obwohl die Familie stets versuchte, ihn zur Rückkehr nach Salzburg zu bewegen, bis er (laut Familienchronik) [[1732]] in Belgrad fiel. | ||
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* Maria Ursula Hagenauer (* [[1753]]; † [[1831]]), Zwillingsschwester von Petrus Lukas, Freundin von [[Nannerl]] Mozart, führte nach [[1800]] die elterliche Spezereiwarenhandlung in Salzburg fort. | * Maria Ursula Hagenauer (* [[1753]]; † [[1831]]), Zwillingsschwester von Petrus Lukas, Freundin von [[Nannerl]] Mozart, führte nach [[1800]] die elterliche Spezereiwarenhandlung in Salzburg fort. | ||
* Petrus Lukas Hagenauer (* 1753; † [[1761]]), starb im Alter von acht Jahren. | * Petrus Lukas Hagenauer (* 1753; † [[1761]]), starb im Alter von acht Jahren. | ||
* Maria Franziska Hagenauer (* [[1755]]; † [[1836]]), heiratet 1787 Franz Pichler, Hofrichter der [[Benediktinerabtei Michaelbeuern]], später Hofkammerprokurator, [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Hofkammerrat]] und [[1807]] wirklicher k.k. Regierungsrat; seine Frau erbt nach dem Tod der ältesten Schwester die Spezereiwarenhandlung in Salzburg, die sie [[1831]] an ihren Buchhalter Josef Schüler verkauft. | * Maria Franziska Hagenauer (* [[1755]]; † [[1836]]), heiratet 1787 Franz Pichler, [[Hofrichter]] der [[Benediktinerabtei Michaelbeuern]], später Hofkammerprokurator, [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Hofkammerrat]] und [[1807]] wirklicher k.k. Regierungsrat; seine Frau erbt nach dem Tod der ältesten Schwester die Spezereiwarenhandlung in Salzburg, die sie [[1831]] an ihren Buchhalter Josef Schüler verkauft. | ||
* Leopold Judas Thaddä Hagenauer (* [[1761]]; † [[1828]]), erhielt von seinem Vater die [[1789]] aus einer Konkursmasse ersteigerte Spezereiwarenhandlung des Franz Josef [[Paurnfeind]] auf dem [[Kranzlmarkt]] im sogenannten [[Hasenhaus]], heiratet [[1793]] Maria Anna Popp, die Tochter eines [[Steinbräu|Bräuers im Stein]], führt nach dem Tod ihres Mannes das Geschäft fort und verkauft es [[1826]] an Johann Sallinger. | * Leopold Judas Thaddä Hagenauer (* [[1761]]; † [[1828]]), erhielt von seinem Vater die [[1789]] aus einer Konkursmasse ersteigerte Spezereiwarenhandlung des Franz Josef [[Paurnfeind]] auf dem [[Kranzlmarkt]] im sogenannten [[Hasenhaus]], heiratet [[1793]] Maria Anna Popp, die Tochter eines [[Steinbräu|Bräuers im Stein]], führt nach dem Tod ihres Mannes das Geschäft fort und verkauft es [[1826]] an Johann Sallinger. | ||
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====Sein Begräbnis==== | ====Sein Begräbnis==== | ||
Am 9. April 1792 | Am 9. April 1792 starb Lorenz Hagenauer im achtzigsten Lebensjahr im [[Bürgerspital St. Blasius|Bürgerspital von St. Blasius]] in Salzburg. Er wurde am [[11. April]] in einer der drei Hagenauer Familiengrüfte (Gruft XVI) neben der Gruft seines Großvaters auf dem [[Friedhof von St. Peter]] bestattet. Über 2 000 Menschen nahmen am Trauerzug teil und circa doppelt so viele Menschen säumten den Weg. Dass mehr als ein Drittel der damaligen Salzburger Bevölkerung (ca. 16 400) an seinem Begräbnis teilnahm, zeugt einerseits von der Beliebtheit und Popularität des verstorbenen Handelsherren, andererseits aber auch von der Spärlichkeit öffentlicher Ereignisse in jener Zeit. Seine Gemahlin Maria Theresia ließ ihm im darauf folgendem Jahr ein Epitaph aus weißem [[Marmor]] errichten. | ||
== Quellen == | == Quellen == | ||
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* Franz Martin: "[[Hundert Salzburger Familien]]", Verlag der [[Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], Salzburg [[1946]], S. 192 ff | * Franz Martin: "[[Hundert Salzburger Familien]]", Verlag der [[Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], Salzburg [[1946]], S. 192 ff | ||
* Gunda Barth: "Die Hagenauers. Ein Salzburger Bürgergeschlecht aus Ainring: Die Einbindung einer Handelsfamilie in Wirtschaft, Politik und Kultur Salzburgs im späten 17. und 18. Jahrhundert." In: Ainring Heimatbuch. Ainring, 1990. | * Gunda Barth: "Die Hagenauers. Ein Salzburger Bürgergeschlecht aus Ainring: Die Einbindung einer Handelsfamilie in Wirtschaft, Politik und Kultur Salzburgs im späten 17. und 18. Jahrhundert." In: Ainring Heimatbuch. Ainring, 1990. | ||
* Gunda Barth-Scalmani: | * Gunda Barth-Scalmani: "Vater und Sohn Mozart und das (Salzburger) Bürgertum oder: Sobald ich den Credit verliere, ist auch meine Ehre hin. In: Gunda Barth-Scalmani, Brigitte Mazohl-Wallnig, Ernst Wangermann (Hg.), GENIE UND ALLTAG. Bürgerliche Stadtkultur zu Mozartzeit. Salzburg-Wien, 1994. S. 173-202. | ||
* Gunda Barth-Scalmani: "Eine bürgerliche Familie der Frühen Neuzeit: Die Handelsfamilie Hagenauer in der fürsterzbischöflichen Haupt- und [[Residenz]]stadt Salzburg im 18. Jahrhundert.", 820ff. In: [[Barockberichte]] 44/45, 2006, S. 821-831. | * Gunda Barth-Scalmani: "Eine bürgerliche Familie der Frühen Neuzeit: Die Handelsfamilie Hagenauer in der fürsterzbischöflichen Haupt- und [[Residenz]]stadt Salzburg im 18. Jahrhundert.", 820ff. In: [[Barockberichte]] 44/45, 2006, S. 821-831. | ||
* [[Rudolph Angermüller]]: "Maria Theresia Hagenauer", [[Salzburg Archiv]], Bd. 32, Salzburg 2007 | * [[Rudolph Angermüller]]: "Maria Theresia Hagenauer", [[Salzburg Archiv]], Bd. 32, Salzburg 2007 | ||
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[[Kategorie:Geboren 1712]] | [[Kategorie:Geboren 1712]] | ||
[[Kategorie:Gestorben 1792]] | [[Kategorie:Gestorben 1792]] | ||