Johann Baptist Hagenauer: Unterschied zwischen den Versionen
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[[File:Johann Baptist Hagenauer.png|thumb|Portrait des Johann Baptist von Hagenauer, gemalt von seiner | [[File:Johann Baptist Hagenauer.png|thumb|Portrait des Johann Baptist von Hagenauer, gemalt von seiner Ehefrau Rosa Barducci-Hagenauer]]'''Johann Baptist Hagenauer von Hagenau''' (* [[22. Juni]] [[1732]] in [[Straß (Ainring)|Straß]] bei [[Salzburghofen]] im [[Rupertiwinkel]]; † [[10. September]] [[1810]] in [[Wien]]) war ein akademischer Bildhauer, der hauptsächlich in Salzburg wirkte und Mitglied der [[Hagenauer|Hagenauer-Dynastie]]. | ||
== Leben und Wirken == | == Leben und Wirken == | ||
Johann Baptist wurde als fünftes von elf Kindern des Gutsbesitzers und Bauern Wolfgang (IV.) Hagenauer und dessen Ehefrau Maria, geborene Hasenerl, auf dem [[Aman]]gut in Straß im [[Rupertiwinkel]] geboren. | Johann Baptist wurde als fünftes von elf Kindern des Gutsbesitzers und Bauern Wolfgang (IV.) Hagenauer und dessen Ehefrau Maria, geborene Hasenerl, auf dem [[Aman]]gut in Straß im [[Rupertiwinkel]] geboren. Er und sein Bruder Johann Georg verließen als jüngere und für das Erbe nicht vorgesehene Brüder den elterlichen Hof, auf dem sie nur als Knechte verbleiben oder in eine Wirts- oder Bauernfamilie einheiraten hätten können. Die Stadt Salzburg lockte mit anderen Möglichkeiten, beide betätigten sich zunächst im Handelswesen und wurden darin erfolgreich. Als 20jähriger wurde Johann Baptist von seinem Onkel, dem vermögenden Salzburger Gewürzhändler [[Johann Lorenz Hagenauer]], als bildhauerisches Talent entdeckt. Johann Lorenz Hagenauer (* [[1712]]; † [[1792]]) war der Besitzer des [[Hagenauerhaus|Geburtshauses]] von [[Wolfgang Amadé Mozart]] und als Kunstsammler, Mäzen sowie enger Freund der Familie [[Mozart]] bekannt. | ||
[[1752]] sandte Johann Lorenz seinen Neffen Johann Baptist zu [[Johann Georg Itzlfeldner]] nach [[Tittmoning]], der damals als einer der | [[1752]] sandte Johann Lorenz seinen Neffen Johann Baptist zu [[Johann Georg Itzlfeldner]] nach [[Tittmoning]], der damals als einer der bedeutendsten Bildhauer und Schnitzer des [[Erzbistum]]s galt. [[1754]] wurde Johann Baptist mit Hilfe eines Stipendiums des [[Fürsterzbischof]]s [[Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach|Sigismund Graf Schrattenbach]] zur Fortbildung an die Kunstakademie in Wien gesandt, wo er die Bildhauerklasse Professor Jakob Christoph Schletterers (Leiter) besuchte. Bald sollte Johann Baptist einige Preise an der Akademie gewinnen. Noch im ersten Jahr erhielt er als besondere Auszeichnung des Rektors [[Paul Troger]], die Erlaubnis einen Degen in der Akademie tragen zu dürfen. | ||
Nach Abschluss seiner Ausbildung in Wien zum akademischen Bildhauer kehrte Johann Baptist [[1759]] nach Salzburg zurück. Bald darauf wurde ihm eine mehrjährige Studienreise nach [[Italien]] ermöglicht, die ihn vorerst an die Akademie nach Bologna | Nach Abschluss seiner Ausbildung in Wien zum akademischen Bildhauer kehrte Johann Baptist [[1759]] nach Salzburg zurück. Bald darauf wurde ihm eine mehrjährige Studienreise nach [[Italien]] ermöglicht, die ihn vorerst an die Akademie nach Bologna führte. Dabei wurde er abermals von seinem vermögenden Onkel Johann Lorenz, als auch vom Salzburger Fürsterzbischof Graf Schrattenbach persönlich unterstützt. An der Akademie in Bologna gewann Johann Baptist mehrere Preise, wurde Ehrenmitglied der dortigen ''Accademia Clementina'', sowie Ehrenbürger der Stadt Bologna. Zu Gute kam ihm, dass er fließend Italienisch und Französisch sprach und auch Latein beherrschte. Weitere Studien führten ihn schließlich nach Florenz und Rom, wo er mit dem deutschen Archäologen Johann Joachim Winckelmann Bekanntschaft schloss, für dessen Theorien er sich interessierte. | ||
[[1764]] kehrte Johann Baptist mit seiner zukünftigen Frau, der | [[1764]] kehrte Johann Baptist mit seiner zukünftigen Frau, der Florentiner Malerin Rosa Barducci, etlichen Auszeichnungen und einer bedeutenden Sammlung von Abgüssen antiker Statuen nach Salzburg zurück. | ||
Fürsterzbischof Sigismund Graf Schrattenbach machte ihn nach seiner Rückkehr aus Italien zum erzbischöflichen Galerieinspektor. Bald darauf heiratete Johann Baptist Rosa Barducci und wurde vom Fürsterzbischof zum Hofstatuarius sowie [[1767]] zum [[Adelsstand|Hoftruchsess]] erhoben. Durch seine Standesbestätigung (von Hagenauer) hatte er das Recht ''"an der der Tafel der Edelknaben"'' zu sitzen. Bald arbeitete er mit seinem inzwischen an der Wiener Akademie zum Architekten ausgebildeten älteren Bruder [[Wolfgang Hagenauer|Wolfgang]] | Fürsterzbischof Sigismund Graf Schrattenbach machte ihn nach seiner Rückkehr aus Italien zum erzbischöflichen Galerieinspektor. Bald darauf heiratete Johann Baptist Rosa Barducci und wurde vom Fürsterzbischof zum Hofstatuarius sowie [[1767]] zum [[Adelsstand|Hoftruchsess]] erhoben. Durch seine Standesbestätigung (von Hagenauer) hatte er das Recht ''"an der der Tafel der Edelknaben"'' zu sitzen. Bald arbeitete er gemeinsam mit seinem inzwischen an der Wiener Akademie zum Architekten ausgebildeten älteren Bruder [[Wolfgang Hagenauer|Wolfgang]] an mehreren Projekten. Bereits im Jahr [[1771]] scheinen Zeichnungen des in Ausbildung zum Architekten stehenden jüngsten Bruders [[Johann Georg von Hagenauer|Johann Georg]] auf, der den Ruhm der Familie als weitere Künstler mehren sollte. | ||
Vor seinem Italienaufenthalt hatte Johann Baptist | Vor seinem Italienaufenthalt hatte Johann Baptist Kleinplastiken hergestellt, die je nach Thema und Inhalt frühklassizistisch oder [[Rokoko]] waren. Von Italien heimgekehrt wagte er sich an große Plastiken, die zunehmend klassizistisch wurden. Gemeinsam mit seinen Brüdern arbeitete er gleichzeitig an zweien seiner Hauptwerke in Salzburg - der bildhauerischen Gestaltung beider Seiten des [[Sigmundstor]]es ([[1767]]) und der ''[[Mariensäule auf dem Domplatz|Maria Immaculata]]'' auf dem [[Domplatz]] ([[1766]]–[[1771]]). | ||
Nach dem Tod seines Gönners Graf Schrattenbach und dem Bruch mit dessen Nachfolger [[Hieronymus Graf Colloredo]] verließ er Salzburg und arbeitete | Nach dem Tod seines Gönners Graf Schrattenbach und dem Bruch mit dessen Nachfolger [[Hieronymus Graf Colloredo]] verließ er Salzburg und arbeitete in [[München]] und Wien. Bereits [[1774]] wurde er Leiter der Bildhauerklasse der Wiener Akademie. [[1767]] hatte von Hagenauer vier Stuckmodelle (Apollo, Diana, Bacchus und Ceres) aus Gips in Originalgröße für den Schlosspark Nymphenburg in München angefertigt und geliefert. Zwischen [[1782]] und [[1785]] wurden diese von Boos und Auliczek in Stein ausgeführt. [[1775]] schuf Hagenauer für die Gloriette in Wien-Schönbrunn vier mächtige Trophäenstücke mit riesigen antikhaften Rüstungen aus Stein. Zwischen [[1777]] und 1779 fertigte er mehrere Skulpturen für den Schlosspark und einen Brunnen für den Ehrenhof in Schönbrunn an. [[1779]] übernahm Hagenauer die "Erzverschneiderklasse" an der Wiener Akademie und wurde Direktor der Graveurschule. Im Stephansdom befindet sich eine von ihm gearbeitete Büste Papst Pius' VI. aus dem Jahr 1783. [[1791]] gab Johann Baptist v. Hagenauer das Lehr-Werk für seine Studenten "Unterricht von der Proportion des Menschen" heraus, sowie 40 Hefte mit Ornamentstichen. Förderer von Johann Baptist und dessen Brüdern, den Architekten Wolfgang und Johann Georg von Hagenauer, waren neben dem Fürsterzbischof Graf Schrattenbach auch deren Onkel [[Johann Lorenz Hagenauer|Johann Lorenz v. Hagenauer]] (ein wohlhabender Salzburger Kaufmann), sowie später auch dessen Sohn Abt [[Dominikus von Hagenauer]]. | ||
Johann Baptist schuf zudem auch folgende Altäre: | Johann Baptist schuf zudem auch folgende Altäre: | ||
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File:Johann Baptist Hagenauer model of a pieta.jpg|Tonmodell einer Pieta 1759, Salzburger Barockmuseum | File:Johann Baptist Hagenauer model of a pieta.jpg|Tonmodell einer Pieta 1759, Salzburger Barockmuseum | ||
File:Minerva as a Symbol for Strength and a Patron of the Sciences, by Johann Baptist Hagenauer, Vienna, c. 1760, baked clay - Bode-Museum - DSC02934.JPG|Minerva, gebrannter Ton 1763 | File:Minerva as a Symbol for Strength and a Patron of the Sciences, by Johann Baptist Hagenauer, Vienna, c. 1760, baked clay - Bode-Museum - DSC02934.JPG|Minerva, gebrannter Ton 1763 | ||
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* Erica Tietze-Conrat: ''Johann Baptist Hagenauer''. Sonderdruck aus dem Jahrbuch des Kunsthistorischen Instituts des österreichischen Staatsdenkmalamtes; Dr. Benno Filser-Verlag, Augsburg 1920 | * Erica Tietze-Conrat: ''Johann Baptist Hagenauer''. Sonderdruck aus dem Jahrbuch des Kunsthistorischen Instituts des österreichischen Staatsdenkmalamtes; Dr. Benno Filser-Verlag, Augsburg 1920 | ||
* Adolf Hahnl: ''Das Neutor''. Schriftreihe des Stadtvereins Salzburg, Verlag: Kulturgut der Heimat, Band 6, Hrsg. Ernst Ziegenleder, Salzburg 1977 | * Adolf Hahnl: ''Das Neutor''. Schriftreihe des Stadtvereins Salzburg, Verlag: Kulturgut der Heimat, Band 6, Hrsg. Ernst Ziegenleder, Salzburg 1977 | ||
* Adolf Hahnl: ''Der Gurker, Passauer beziehungsweise Salzburger Architekt Johann Georg Hagenauer (1748–1835)'', in: [https://www.salzburgmuseum.at/fileadmin/Salzburg_Museum/06_Service/Publikationen/03_Barockberichte/Pdfs_Barockberichte/BB_44_45/Hahnl_Architekt.pdf Barockberichte 44/45, 2006, S. 901-902] | * Adolf Hahnl: ''Der Gurker, Passauer beziehungsweise Salzburger Architekt Johann Georg Hagenauer (1748–1835)'', in: [https://www.salzburgmuseum.at/fileadmin/Salzburg_Museum/06_Service/Publikationen/03_Barockberichte/Pdfs_Barockberichte/BB_44_45/Hahnl_Architekt.pdf Barockberichte 44/45, 2006, S. 901-902] | ||
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* Beatrix Hajós: ''Schönbrunner Statuen, 1773-1780''. Böhlau Verlag, Wien 2004. | |||
* Gunda Barth-Scalmani, Eine bürgerliche Familie der Frühen Neuzeit: Die Handelsfamilie Hagenauer in der fürsterzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg im 18. Jahhundert. In: Barockberichte 44/45, 2006, S. 821-831. | |||
== Weblinks == | == Weblinks == | ||
* [http://books.google.at/books?id=A9hAAAAAcAAJ&pg=PA78&dq=Hofkalender+johann+hagenauer&hl=de&sa=X&ei=IMnuUInaOrGM0wXjy4GoAw&ved=0CDUQ6AEwAQ#v=onepage&q=Hofkalender%20johann%20hagenauer&f=false Hochfürstlicher Truchsesse: Johann Hagenauer, Hofstatuarius und Gallerie-inspektor, den 2.Jänner 1760] | * [http://books.google.at/books?id=A9hAAAAAcAAJ&pg=PA78&dq=Hofkalender+johann+hagenauer&hl=de&sa=X&ei=IMnuUInaOrGM0wXjy4GoAw&ved=0CDUQ6AEwAQ#v=onepage&q=Hofkalender%20johann%20hagenauer&f=false Hochfürstlicher Truchsesse: Johann Hagenauer, Hofstatuarius und Gallerie-inspektor, den 2.Jänner 1760] | ||