Observatorium Sonnblick: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Sonnblick-zittelhaus7880.jpg|thumb|links das [[Zittelhaus]], Bildmitte das Observatorium, Aufnahme von Nordosten]] | [[Datei:Sonnblick-zittelhaus7880.jpg|thumb|links das [[Zittelhaus]], Bildmitte das Observatorium, Aufnahme von Nordosten]] | ||
[[Datei:Sonnblick-zittelhaus7879.jpg|thumb|links das [[Zittelhaus]], rechts das Observatorium, Aufnahme von Nordosten]] | [[Datei:Sonnblick-zittelhaus7879.jpg|thumb|links das [[Zittelhaus]], rechts das Observatorium, Aufnahme von Nordosten]] | ||
[[Datei:Zittelhaus_Observatorium_Sonnblick_2020.jpg|thumb|Das [[Zittelhaus]] (links) und das Observatorium Sonnblick auf dem [[ | [[Datei:Zittelhaus_Observatorium_Sonnblick_2020.jpg|thumb|Das [[Zittelhaus]] (links) und das Observatorium Sonnblick auf dem [[Hohen Sonnblick]]. Ganz im Hintergrund das [[Dachstein]]massiv mit links dem [[Gosaukamm]].]] | ||
[[Datei:Sonnblick3581.jpg|thumb|Gipfelbereich mit Observatorium.]] | [[Datei:Sonnblick3581.jpg|thumb|Gipfelbereich mit Observatorium.]] | ||
[[Datei:Nationalpark Informationsstelle Zimmererhütte 17.jpg|thumb|Die bauliche Entwicklung des Observatoriums.]] | [[Datei:Nationalpark Informationsstelle Zimmererhütte 17.jpg|thumb|Die bauliche Entwicklung des Observatoriums.]] | ||
[[Datei:Observatorium Sonnblick Winter 1932.jpg|thumb|Das Observatorium im eisigen Griff des Winters; historische [[Ansichtskarten von Salzburg|Ansichtskarte]] aus dem Jahr [[1932]].]] | [[Datei:Observatorium Sonnblick Winter 1932.jpg|thumb|Das Observatorium im eisigen Griff des Winters; historische [[Ansichtskarten von Salzburg|Ansichtskarte]] aus dem Jahr [[1932]].]] | ||
Das '''Observatorium Sonnblick''' liegt unterhalb des Gipfels des [[ | Das '''Observatorium Sonnblick''' liegt unterhalb des Gipfels des [[Hohen Sonnblick]]s in den [[Ostalpen]] in den [[Zentralalpen]], den [[Hohen Tauern]]. Sie ist die älteste Gipfelwetterwarte Europas und mit knapp unter 3 106 [[m ü. A.]] auch das höchst gelegene Observatorium Europas. Das Observatorium ist zu Fuß oder mit der [[Sonnblick-Seilbahn]] (nur für Mitarbeiter) erreichbar. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
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* Die Wissenschaft der Wetterforschung, die Meteorologie, war in den [[1880er]]-Jahren noch ziemlich jung. Da wies der österreichische Meteorologe Prof. Dr. Julius von Hann darauf hin, dass zum Fortschritt der meteorologischen Wissenschaft die Erforschung der Vorgänge in den höheren Luftschichten unbedingt notwendig sei. Es gab bis dahin in Österreich nur zwei Gipfelstationen: auf dem [[Schafberg]] (1 782 m ü. A.) und auf dem Obir in [[Kärnten]] (2 044 m ü. A.). Ihre Aufzeichnungen waren mangelhaft und unbefriedigend. | * Die Wissenschaft der Wetterforschung, die Meteorologie, war in den [[1880er]]-Jahren noch ziemlich jung. Da wies der österreichische Meteorologe Prof. Dr. Julius von Hann darauf hin, dass zum Fortschritt der meteorologischen Wissenschaft die Erforschung der Vorgänge in den höheren Luftschichten unbedingt notwendig sei. Es gab bis dahin in Österreich nur zwei Gipfelstationen: auf dem [[Schafberg]] (1 782 m ü. A.) und auf dem Obir in [[Kärnten]] (2 044 m ü. A.). Ihre Aufzeichnungen waren mangelhaft und unbefriedigend. | ||
* Prof. Dr. Julius Hann propagierte daher auf dem Internationalen Meteorologen-Kongress [[1879]] in Rom die Errichtung von Höhenstationen auf exponierten Berggipfeln auf dem [[Alpenhauptkamm|Hauptkamm]] der [[Alpen]]. Ignaz Rojacher, eine markante Persönlichkeit des [[Raurisertal]]es, der sich vom schlichten Zimmermann vermöge seiner Intelligenz und Findigkeit vorerst zum Pächter und später zum Besitzer des stattlichen [[Goldbergbau]]es emporarbeitete, hörte von den Plänen des Wiener Meteorologen und bot schon [[1884]] dem [[Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein|Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein]] die Möglichkeit, bei seinem [[Knappenhaus ( | * Prof. Dr. Julius Hann propagierte daher auf dem Internationalen Meteorologen-Kongress [[1879]] in Rom die Errichtung von Höhenstationen auf exponierten Berggipfeln auf dem [[Alpenhauptkamm|Hauptkamm]] der [[Alpen]]. Ignaz Rojacher, eine markante Persönlichkeit des [[Raurisertal]]es, der sich vom schlichten Zimmermann vermöge seiner Intelligenz und Findigkeit vorerst zum Pächter und später zum Besitzer des stattlichen [[Goldbergbau]]es emporarbeitete, hörte von den Plänen des Wiener Meteorologen und bot schon [[1884]] dem [[Deutscher und Oesterreichischer Alpenverein|Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein]] die Möglichkeit, bei seinem [[Knappenhaus (Hoher Goldberg)|Knappenhaus]] in einer Höhe von 2 340 Metern eine meteorologische Station zu errichten. Das Meteorologische Institut in Wien zögerte nicht, sich mit Rojacher sofort in Verbindung zu setzen und ihm die notwendigen meteorologischen Instrumente zu überlassen. In ungewöhnlicher Tatkraft und in Überwindung aller Schwierigkeiten besuchte nun Rojacher, aus reinem Idealismus für die Sache, im schneereichen Winter die einzelnen Gipfel und kam schließlich zur Überzeugung, dass der einzige geeignete im Winter nicht vereiste Gipfel der Hohe Sonnblick sei. | ||
* Im Februar [[1885]] erhielt Prof. Hann einen Brief von Rojacher, in dem dieser seinen Plan zur Errichtung einer meteorologischen Station auf dem Sonnblickgipfel bis in Einzelheiten darlegte. Die Meteorologische Gesellschaft und der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein kamen nun überein, den Plan zu verwirklichen. Die Gesellschaft übernahm den Bau des Fundaments und des steinernen Beobachtungssturmes sowie die Einrichtung mit dem nötigen Instrumentarium und den Bau des Telefons vom Gipfel bis nach Rauris. Der Alpenverein finanzierte den Bau des Holzgebäudes und nun begann eine mutige Tat sondergleichen. Was keiner für möglich hielt, wurde Tatsache. | * Im Februar [[1885]] erhielt Prof. Hann einen Brief von Rojacher, in dem dieser seinen Plan zur Errichtung einer meteorologischen Station auf dem Sonnblickgipfel bis in Einzelheiten darlegte. Die Meteorologische Gesellschaft und der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein kamen nun überein, den Plan zu verwirklichen. Die Gesellschaft übernahm den Bau des Fundaments und des steinernen Beobachtungssturmes sowie die Einrichtung mit dem nötigen Instrumentarium und den Bau des Telefons vom Gipfel bis nach Rauris. Der Alpenverein finanzierte den Bau des Holzgebäudes und nun begann eine mutige Tat sondergleichen. Was keiner für möglich hielt, wurde Tatsache. | ||
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* Auch der [[1986]] fertig gestellte Neubau des Observatoriums sowie der [[1994]] fertig gestellte Neubau der [[Talstation der Sonnblick-Seilbahn]] konnten durch entsprechende Mittel des Wissenschaftsministeriums verwirklicht werden. | * Auch der [[1986]] fertig gestellte Neubau des Observatoriums sowie der [[1994]] fertig gestellte Neubau der [[Talstation der Sonnblick-Seilbahn]] konnten durch entsprechende Mittel des Wissenschaftsministeriums verwirklicht werden. | ||
* Der Sonnblickverein kann also mit Stolz auf die Geschichte seines Observatoriums zurückblicken, einer weltweit einzigartigen Forschungsstation, von der bedeutende Beiträge zur Meteorologie und Umweltforschung ausgegangen sind. | * Der Sonnblickverein kann also mit Stolz auf die Geschichte seines Observatoriums zurückblicken, einer weltweit einzigartigen Forschungsstation, von der bedeutende Beiträge zur Meteorologie und Umweltforschung ausgegangen sind. | ||
== Das Observatorium im 21. Jahrhundert == | == Das Observatorium im 21. Jahrhundert == | ||
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=== Juni 2019: Heißeste Nacht === | === Juni 2019: Heißeste Nacht === | ||
In der Nacht auf von Dienstag, [[25. Juni|25.]] auf Mittwoch, [[26. Juni]] 2019 wurde an 32 Messstationen der ZAMG (von insgesamt 270 Wetterstationen) eine Tropennacht registriert. Zum Beispiel in Wien (Innere Stadt: Tiefstwert 23,6 Grad), Retz ( 20,9 Grad), Podersdorf ( 20,8 Grad), Fraxern (20,5 Grad), Enns ( 20,5 Grad) und Linz (20,1 Grad). Sogar zwei Orte oberhalb von 1 000 [[M ü. A.|Meter Seehöhe]] verzeichneten eine Tropennacht: [[Kolomansberg]] im Land Salzburg mit 22,9 Grad (1 113 m ü. A.) und Sulzberg in Vorarlberg mit 22,7 Grad (1 018 m ü. A.). Beim Sonnblick-Observatorium der ZAMG, auf 3 109 Meter Seehöhe, sank die Temperatur in in dieser Nacht nicht unter neun Grad. "Das gab es hier in einem Juni noch nie", so die ZAMG.<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]], [https://www.sn.at/panorama/oesterreich/hitzewelle-bringt-tropennaechte-sogar-in-den-bergen-72542797 www.sn.at], 26. Juni 2019</ref> | In der Nacht auf von Dienstag, [[25. Juni|25.]] auf Mittwoch, [[26. Juni]] 2019 wurde an 32 Messstationen der ZAMG (von insgesamt 270 Wetterstationen) eine Tropennacht registriert. Zum Beispiel in Wien (Innere Stadt: Tiefstwert 23,6 Grad), Retz ( 20,9 Grad), Podersdorf ( 20,8 Grad), Fraxern (20,5 Grad), Enns ( 20,5 Grad) und Linz (20,1 Grad). Sogar zwei Orte oberhalb von 1 000 [[M ü. A.|Meter Seehöhe]] verzeichneten eine Tropennacht: [[Kolomansberg]] im Land Salzburg mit 22,9 Grad (1 113 m ü. A.) und Sulzberg in Vorarlberg mit 22,7 Grad (1 018 m ü. A.). Beim Sonnblick-Observatorium der ZAMG, auf 3 109 Meter Seehöhe, sank die Temperatur in in dieser Nacht nicht unter neun Grad. "Das gab es hier in einem Juni noch nie", so die ZAMG.<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]], [https://www.sn.at/panorama/oesterreich/hitzewelle-bringt-tropennaechte-sogar-in-den-bergen-72542797 www.sn.at], 26. Juni 2019</ref> | ||
=== Sommer 2024: Praktisch frostfreier Sommer === | |||
Erstmals in der 138-jährigen meteorologischen Messgeschichte in Österreich könnte es auf dem 3 106 Meter hoch gelegenen Observatorium einen praktisch frostfreien Sommer geben. Der bislang letzte Tag mit Frost war heuer am [[4. Juli]] [[2024]]. Seit dem [[5. Juli]] gab es dort oben nur mehr Plusgrade. Auch in der Nacht. Die jüngsten Daten der vergangenen Tage zeigen für den 23. August (Freitag) einen Wert von fast 14 Grad an.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/chronik/rauris-erster-august-messgeschichte-sonnblick-164247478 www.sn.at], 30. August 2024</ref> | |||
== Bildergalerie == | == Bildergalerie == | ||
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Datei:Hoher Sonnblick Nordwand September 2019.jpg|Links neben dem Grat, der vom Sonnblickgipfel (Bildmitte) nach unten abfällt, verläuft die Sonnblick-Seilbahn. | Datei:Hoher Sonnblick Nordwand September 2019.jpg|Links neben dem Grat, der vom Sonnblickgipfel (Bildmitte) nach unten abfällt, verläuft die Sonnblick-Seilbahn. | ||
Datei:Sonnblick3.jpg|Blick vom Observatorium | Datei:Sonnblick3.jpg|Blick vom Observatorium | ||
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* [https://www.sonnblick.net/ic-orig/HMvfZ8Pjxep/InhalteBroschueren/Sonnblick-Broschuere_2021.pdf www.sonnblick.net]. pdf, Sonnblick 2021, ein umfangreicher wissenschaftlicher Bericht über die Tätigkeiten und Forschungsbereiche | * [https://www.sonnblick.net/ic-orig/HMvfZ8Pjxep/InhalteBroschueren/Sonnblick-Broschuere_2021.pdf www.sonnblick.net]. pdf, Sonnblick 2021, ein umfangreicher wissenschaftlicher Bericht über die Tätigkeiten und Forschungsbereiche | ||
==Quellen == | ==Quellen == | ||
* | * SALZBURGWIKI Beitrag [[Hoher Sonnblick]] | ||
* Magazin Nationalpark Hohe Tauern, Ausgabe Sommer 2009 | * Magazin Nationalpark Hohe Tauern, Ausgabe Sommer 2009 | ||
* [https://books.google.at/books?id=UgKIBwAAQBAJ&lpg=PA3&ots=SC2dEaQCAe&dq=Sonnblick%20Observatorium%201886&hl=de&pg=PA3#v=onepage&q=Sonnblick%20Observatorium%201886&f=false 54.–57. Jahresbericht des Sonnblick-Vereines für die Jahre 1956–1959] | * [https://books.google.at/books?id=UgKIBwAAQBAJ&lpg=PA3&ots=SC2dEaQCAe&dq=Sonnblick%20Observatorium%201886&hl=de&pg=PA3#v=onepage&q=Sonnblick%20Observatorium%201886&f=false 54.–57. Jahresbericht des Sonnblick-Vereines für die Jahre 1956–1959] | ||