Saline Reichenhall: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Prospekt Salzbrunnhaus v. A. Hirsch.jpg|thumb|Die Reichenhaller Saline um 1700. Rechts das Hauptbrunnhaus mit Turm der Salinenkapelle]] | [[Datei:Prospekt Salzbrunnhaus v. A. Hirsch.jpg|thumb|Die Reichenhaller Saline um 1700. Rechts das Hauptbrunnhaus mit Turm der Salinenkapelle]] | ||
[[Datei:Reichenhaller Salinen, Der Quellenbau, v . A. Hirsch.jpg|thumb|Reichenhaller Salinen, Der Quellenbau]] | [[Datei:Reichenhaller Salinen, Der Quellenbau, v . A. Hirsch.jpg|thumb|Reichenhaller Salinen, Der Quellenbau]] | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
=== Einleitung === | === Einleitung === | ||
In [[Bad Reichenhall]] wurde [[Salz]] bis [[1817]] nur aus natürlich entspringendem Salzwasser gewonnen. Diese Sole entsteht durch ins Berginnere sickerndes Regenwasser, welches dort das salzhaltige Gestein auslaugt und sich so mit Salz anreichert. Seit Jahrtausenden tritt es am Fuße des [[Gruttenstein]] | In [[Bad Reichenhall]] wurde [[Salz]] bis [[1817]] nur aus natürlich entspringendem Salzwasser gewonnen. Diese Sole entsteht durch ins Berginnere sickerndes Regenwasser, welches dort das salzhaltige Gestein auslaugt und sich so mit Salz anreichert. Seit Jahrtausenden tritt es am Fuße des [[Burg Gruttenstein|Gruttensteins]], wo sich heute das Brunnhaus der Alten Saline befindet, als Solequelle zu Tage. Zur Herstellung von Salz wurde in der Saline die Sole so lange erhitzt, bis das Wasser verdampft war und nur noch das Salz übrig blieb. | ||
=== Von den Römern bis zur Renaissance === | === Von den Römern bis zur Renaissance === | ||
In der [[Römer]]zeit produzierte man in Reichenhall bereits Salz über den lokalen Bedarf hinaus. Der [[Baiernherzöge in Salzburg|bayerische Herzog]] [[Theodo II.]] übergab [[696]] [[Rupert von | In der [[Römer]]zeit produzierte man in Reichenhall bereits Salz über den lokalen Bedarf hinaus. Der [[Baiernherzöge in Salzburg|bayerische Herzog]] [[Theodo II.]] übergab [[696]] [[Rupert von Salzburg]] etwa ein Drittel der Saline. Sie entwickelte sich ab dem [[8. Jahrhundert]] zur leistungsfähigsten Salz-Produktionsstätte im gesamten [[Ostalpen]]raum und bildete damit das wirtschaftliche Rückgrat der Salzburger Kirche. Zahlreiche Bistümer und Klöster aus dem süddeutschen Raum waren ab dem [[8. Jahrhundert]] ebenso an der Saline beteiligt, wie der deutsche König und Adelige. Ihre Hochblüte erlebte die Reichenhaller Saline im [[12. Jahrhundert]], um dann rasch von der neu eröffneten Saline in Hallein, südlich von Salzburg, überflügelt zu werden. [[Hallein]] besaß gegenüber Reichenhall einen entscheidenden Vorteil, denn dort baute man das Salz am [[Dürrnberg (Hallein)|Dürrnberg]] bergmännisch ab und laugte das Gestein durch künstlich ins Bergwerk geleitetes Wasser aus. Mit diesem so genannten Sinkwerkverfahren kann man die Menge und den Salzgehalt der dabei entstehenden Sole selbst bestimmen. Mit etwa 27 Prozent ist Sole gesättigt und nimmt kein Salz mehr auf. Je salzhaltiger die Sole ist, desto weniger Energie muss man beim Verdampfen in der Saline einsetzen. Da aber im Reichenhaller Solebrunnen häufig nur schwach salzhaltige Natursole verfügbar war, mussten Maßnahmen zur Energieeinsparung und Rationalisierung getroffen werden, da man ohnehin mit Problemen bei der Beschaffung von Brennholz, das aus den [[Bayerische Saalforste|Bayerischen Saalforsten]] kam, zu kämpfen hatte. | ||
So beauftragten die Salinenbetreiber [[1438]] [[Erhard Hann von Zabern]] mit dem Einbau eines zentralen Solehebewerks, "Paternosterwerk" genannt, das die bisherigen Schöpfgalgen ablöste. Die Anzahl der ursprünglich 32 Siedeanlagen wurde auf die Hälfte reduziert. Die dadurch arbeitslos gewordenen Salinenarbeiter erhoben sich daraufhin gegen die bürgerlichen Siedeherren. Im Laufe des [[15. Jahrhundert]]s wurden die finanziellen Aufwendungen für Investitionen, die die Saline konkurrenzfähig erhalten sollten, immer höher. Die Betreiber der Siedeanlagen waren damit überfordert. Im Jahre [[1461]] setzte der Herzog einen "Salzmeister" als herzoglichen Beauftragten für die Salinen ein. | So beauftragten die Salinenbetreiber [[1438]] [[Erhard Hann von Zabern]] mit dem Einbau eines zentralen Solehebewerks, "Paternosterwerk" genannt, das die bisherigen Schöpfgalgen ablöste. Die Anzahl der ursprünglich 32 Siedeanlagen wurde auf die Hälfte reduziert. Die dadurch arbeitslos gewordenen Salinenarbeiter erhoben sich daraufhin gegen die bürgerlichen Siedeherren. Im Laufe des [[15. Jahrhundert]]s wurden die finanziellen Aufwendungen für Investitionen, die die Saline konkurrenzfähig erhalten sollten, immer höher. Die Betreiber der Siedeanlagen waren damit überfordert. Im Jahre [[1461]] setzte der Herzog einen "Salzmeister" als herzoglichen Beauftragten für die Salinen ein. | ||
=== Der Weg in die Neuzeit === | === Der Weg in die Neuzeit === | ||
Ab [[1483]] kaufte [[Herzog Georg der Reiche]] die Siedeanlagen auf und sicherte damit einen der wichtigsten Wirtschaftszweige in seinem Herzogtum. Die Salzburger Kirche besaß seit der Verstaatlichung faktisch keine Anteile mehr an der Saline. In der Folge wurden dringend notwendige technische Verbesserungen und Maßnahmen zur Energieeinsparung umgesetzt: Erasmus Grasser errichtete [[1507]] die Einfassung des Brunnenschachtes aus [[Marmor]]. Von 1520 bis 1538 wurde der über zwei Kilometer lange unterirdische [[Grabenbach-Stollen]] erbaut. Über ihn fließt das im Bereich der Solequellen entspringende Süßwasser ab. Von 1617 bis 1619 baute man die über 30 Kilometer lange Soleleitung zur neu erbauten Saline Traunstein, in deren Umgebung es noch genügend Wälder für die Brennholzversorgung gab. Die 250 Meter Höhendifferenz wurden durch Kolbendruckpumpen in sieben Pumpstationen ("Brunnhäusern") mit Hochbehältern überwunden, die von Wasserrädern angetrieben wurden. Als Vorbild diente dabei die Soleleitung von | Ab [[1483]] kaufte [[Herzog Georg der Reiche]] die Siedeanlagen auf und sicherte damit einen der wichtigsten Wirtschaftszweige in seinem Herzogtum. Die Salzburger Kirche besaß seit der Verstaatlichung faktisch keine Anteile mehr an der Saline. In der Folge wurden dringend notwendige technische Verbesserungen und Maßnahmen zur Energieeinsparung umgesetzt: Erasmus Grasser errichtete [[1507]] die Einfassung des Brunnenschachtes aus [[Marmor]]. Von 1520 bis 1538 wurde der über zwei Kilometer lange unterirdische [[Grabenbach-Stollen]] erbaut. Über ihn fließt das im Bereich der Solequellen entspringende Süßwasser ab. Von 1617 bis 1619 baute man die über 30 Kilometer lange Soleleitung zur neu erbauten Saline Traunstein, in deren Umgebung es noch genügend Wälder für die Brennholzversorgung gab. Die 250 Meter Höhendifferenz wurden durch Kolbendruckpumpen in sieben Pumpstationen ("Brunnhäusern") mit Hochbehältern überwunden, die von Wasserrädern angetrieben wurden. Als Vorbild diente dabei die Soleleitung von Hallstatt nach Ebensee im [[Salzkammergut]], die jedoch das natürliche Gefälle nutzen konnte und daher ohne Pumpen auskam. Als Maßnahme zur Energieeinsparung durch Verdunstung wurden ab [[1745]] die [[Gradierwerk|Gradierhäuser]] errichtet, welche schließlich eine Länge von 720 Metern erreichten. Im Jahre 1782 begannen unter der Leitung von [[Johann Sebastian von Clais]] umfangreiche Maßnahmen zur Modernisierung des Betriebs. So wurden neben mehreren technischen Verbesserungen ein nach neuesten Erkenntnissen geplantes Sudhaus errichtet und Reformen im Personalwesen durchgeführt. Anstelle der bisher zum Transport verwendeten Fässer, "Scheiben" genannt, dienten nun Jutesäcke als Verpackung des Salzes. Mit diesen Maßnahmen erreichte man eine deutliche Verbesserung der Salzqualität, eine Steigerung der Produktion um über 40 Prozent und eine Senkung des Holzverbrauchs um elf Prozent. | ||
Die [[Benutzer:Archiv/Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein|Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein]] wurde 1810 (ab Siegsdorf) bis zu einer neuen Saline in Rosenheim verlängert. Mit Hilfe von "Wassersäulenmaschinen" des Ingenieurs [[Georg von Reichenbach]] pumpte man das Salzwasser dorthin. | Die [[Benutzer:Archiv/Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein|Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein]] wurde 1810 (ab Siegsdorf) bis zu einer neuen Saline in Rosenheim verlängert. Mit Hilfe von "Wassersäulenmaschinen" des Ingenieurs [[Georg von Reichenbach]] pumpte man das Salzwasser dorthin. | ||