Geographisches Institut 1964–1978: Unterschied zwischen den Versionen
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Den Aufwand für die Lehre hatten vorerst hauptsächlich Guido Müller als Assistent und Heinz Slupetzky als wissenschaftliche Hilfskraft zu tragen, denn Egon Lendl konnte wegen seinen Aufgaben zuerst als Dekan der Philosophischen Fakultät ([[1963]]/64) und dann als erster gewählter Rektor ([[1964]]/65) nur teilweise am Institut anwesend sein <ref>Slupetzky 2022</ref>. Sowohl in Forschung als auch in der Lehre waren das Landschaftskonzept, die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek ([[1957]]) und das "Länderkundliche Schema" die damals herrschenden Paradigmen. Bei Letzterem werden für das zu untersuchende bzw. darzustellende Gebiet, Länder und Regionen der Reihe nach die geografischen Faktoren behandelt, beginnend mit Geologie und Boden über Klima, Bodenbedeckung, Siedlungen, Flur- und Hausformen, Bevölkerung und Wirtschaft bis zur Raumentwicklung, Raumnutzung und Raumplanung.<ref>Fasching 2013, S. 175</ref> Das Landschaftskonzept hingegen geht davon aus, dass Landschaft als "Ding an sich" existiert und damit über ein eigenes Wesen verfügt,<ref>Paffen 1973</ref> während die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek von einer stufenweisen Integration der einzelnen geografischen Elemente zu Partialkomplexen und weiter zu Gesamtkomplexen ausgeht. Dabei ist das Wirkungsgefüge der Komplexe jeweils mehr ist als die Summe ihrer Bestandteile. Die Partialkomplexe sind Untersuchungsgegenstand der Teilgebiete der Allgemeinen Geografie (Geomorphologie, Klimageografie, Bodengeografie, Hydrogeografie, Biogeografie, Stadtgeografie, Sozialgeografie etc.), während die Integration der Partialkomplexe als Landschaften bezeichnet werden und Untersuchungsgegenstand der Landschaftskunde sind. Die individuelle Integration bzw. die konkrete Ausprägung von Landschaften in einem bestimmten Gebiet ist Untersuchungsgegenstand der Länderkunde.<ref>Bobek 1957</ref> Während sich an den deutschen Universitäten bereits die Vorboten der sogenannten "Kieler Wende" abzeichneten und sowohl das Landschaftskonzept als auch das länderkundliche Schema stark unter Druck gerieten,<ref>Weichhart 1975, S. 2</ref> konnten sich an den geographischen Instituten in Österreich vorerst noch die Bewahrer der Tradition behaupten, wie man an den ersten Dissertationen des jungen Salzburger Instituts sehen kann.<ref>Bobek & Spreitzer 1969</ref> | Den Aufwand für die Lehre hatten vorerst hauptsächlich Guido Müller als Assistent und Heinz Slupetzky als wissenschaftliche Hilfskraft zu tragen, denn Egon Lendl konnte wegen seinen Aufgaben zuerst als Dekan der Philosophischen Fakultät ([[1963]]/64) und dann als erster gewählter Rektor ([[1964]]/65) nur teilweise am Institut anwesend sein <ref>Slupetzky 2022</ref>. Sowohl in Forschung als auch in der Lehre waren das Landschaftskonzept, die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek ([[1957]]) und das "Länderkundliche Schema" die damals herrschenden Paradigmen. Bei Letzterem werden für das zu untersuchende bzw. darzustellende Gebiet, Länder und Regionen der Reihe nach die geografischen Faktoren behandelt, beginnend mit Geologie und Boden über Klima, Bodenbedeckung, Siedlungen, Flur- und Hausformen, Bevölkerung und Wirtschaft bis zur Raumentwicklung, Raumnutzung und Raumplanung.<ref>Fasching 2013, S. 175</ref> Das Landschaftskonzept hingegen geht davon aus, dass Landschaft als "Ding an sich" existiert und damit über ein eigenes Wesen verfügt,<ref>Paffen 1973</ref> während die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek von einer stufenweisen Integration der einzelnen geografischen Elemente zu Partialkomplexen und weiter zu Gesamtkomplexen ausgeht. Dabei ist das Wirkungsgefüge der Komplexe jeweils mehr ist als die Summe ihrer Bestandteile. Die Partialkomplexe sind Untersuchungsgegenstand der Teilgebiete der Allgemeinen Geografie (Geomorphologie, Klimageografie, Bodengeografie, Hydrogeografie, Biogeografie, Stadtgeografie, Sozialgeografie etc.), während die Integration der Partialkomplexe als Landschaften bezeichnet werden und Untersuchungsgegenstand der Landschaftskunde sind. Die individuelle Integration bzw. die konkrete Ausprägung von Landschaften in einem bestimmten Gebiet ist Untersuchungsgegenstand der Länderkunde.<ref>Bobek 1957</ref> Während sich an den deutschen Universitäten bereits die Vorboten der sogenannten "Kieler Wende" abzeichneten und sowohl das Landschaftskonzept als auch das länderkundliche Schema stark unter Druck gerieten,<ref>Weichhart 1975, S. 2</ref> konnten sich an den geographischen Instituten in Österreich vorerst noch die Bewahrer der Tradition behaupten, wie man an den ersten Dissertationen des jungen Salzburger Instituts sehen kann.<ref>Bobek & Spreitzer 1969</ref> | ||
[[1967]] erhielten die beiden Mitarbeiter Lendls weitere Unterstützung durch [[Malvine Stenzel]] (für Humangeographie) und [[Franz Zwittkovits]] (für Physische Geographie) als neue Assistenten und auch durch [[Josef Schramm]], der von Egon Lendl nach Salzburg geholt wurde.<ref>Fasching 2013, S. 177ff</ref> Mit der Einstellung von Josef Schramm wurde der Salzburger Standort im Bereich der traditionellen Länderkunde sogar noch erheblich gestärkt. Eine Ursache dafür dürfte aber auch der Umstand sein, dass mit Hans Bobek einer der wesentlichen Akteure des traditionellen Systems in [[Wien]] lehrte, der mit seinem Beitrag über das logische System der Geographie aus dem Jahr [[1957]] den fachlichen Diskurs wesentlich beeinflusste. Bobek´s Schema und seine Integrationsstufenlehre sollten bis weit in die [[1970er]]-Jahre allgemeine Anerkennung als leitendes Paradigma der Geographie erfahren.<ref>ebd., S. 41-44</ref> | [[1967]] erhielten die beiden Mitarbeiter Lendls weitere Unterstützung durch [[Malvine Stenzel]] (für Humangeographie) und [[Franz Zwittkovits]] (für Physische Geographie) als neue Assistenten und auch durch [[Josef Schramm (Universitätsprofessor)|Josef Schramm]], der von Egon Lendl nach Salzburg geholt wurde.<ref>Fasching 2013, S. 177ff</ref> Mit der Einstellung von Josef Schramm wurde der Salzburger Standort im Bereich der traditionellen Länderkunde sogar noch erheblich gestärkt. Eine Ursache dafür dürfte aber auch der Umstand sein, dass mit Hans Bobek einer der wesentlichen Akteure des traditionellen Systems in [[Wien]] lehrte, der mit seinem Beitrag über das logische System der Geographie aus dem Jahr [[1957]] den fachlichen Diskurs wesentlich beeinflusste. Bobek´s Schema und seine Integrationsstufenlehre sollten bis weit in die [[1970er]]-Jahre allgemeine Anerkennung als leitendes Paradigma der Geographie erfahren.<ref>ebd., S. 41-44</ref> | ||
Der Schwerpunkt der Lehre lag somit neben der Unterrichtung der Arbeitsmethoden hauptsächlich in der Länderkunde. Josef Schramm wurde [[1968]] für das Gesamtgebiet der Geographie unter besonderer Berücksichtigung der ethnogeographischen Methoden habilitiert und war somit als Universitätsdozent eine wichtige Stütze für das Institut und baute die Entwicklungsländerforschung zu einem neuen Forschungsschwerpunkt aus.<ref>Fasching 2013, S. 178 und Bobek & Spreitzer 1969, S. 246-251</ref> | Der Schwerpunkt der Lehre lag somit neben der Unterrichtung der Arbeitsmethoden hauptsächlich in der Länderkunde. Josef Schramm wurde [[1968]] für das Gesamtgebiet der Geographie unter besonderer Berücksichtigung der ethnogeographischen Methoden habilitiert und war somit als Universitätsdozent eine wichtige Stütze für das Institut und baute die Entwicklungsländerforschung zu einem neuen Forschungsschwerpunkt aus.<ref>Fasching 2013, S. 178 und Bobek & Spreitzer 1969, S. 246-251</ref> | ||
Als erste Dissertation am Salzburger Geographischen Institut wurde ein Jahr vor der "Kieler Wende" jene von [[ | Als erste Dissertation am Salzburger Geographischen Institut wurde ein Jahr vor der "Kieler Wende" jene von [[Wilhelm Schaup-Weinberg]] (dem späteren ersten Geschäftsführer des [[SIR]]) fertiggestellt. Diese umfassende Arbeit folgt in Aufbau und Inhalt den Vorgaben des so genannten "länderkundlichen Schemas"<ref>Schaup-Weinberg 1968</ref> Guido Müller promovierte in diesem Jahr in Innsbruck mit einer Dissertation über die Bedeutung der Landwirtschaft in der Stadt Salzburg, die in überarbeiteter Form im Jahr [[1972]] als zweiter Band der im Jahr [[1969]] durch Josef Schramm und [[Helmut Riedl]] gegründeten Schriftenreihe "Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg" veröffentlicht wurde (ab Band 11: [[Salzburger Geographische Arbeiten]]).<ref>Müller 1971</ref> Dieser Band begründete den Selbstverlag der Schriftenreihe, da der Band 1 von Josef Schramm über die Westsahara im [[Freilassing]]er Pannonia-Verlag veröffentlicht wurde.<ref>Schramm 1969</ref> Als erstes Heft der "[[Salzburger Geographische Materialien|Salzburger Exkursionsberichte]]" erschien bereits im Jahr 1968 der Bericht über die [[Tunesien]]exkursion.<ref>Schramm 1968</ref> Damit begründete Josef Schramm beide Salzburger Schriftenreihen.<ref>Riedl 2021, S. 41</ref> | ||
Mit Beginn des Sommersemesters [[1969]] begann Helmut Riedl seine Lehrtätigkeit an der Universität Salzburg, obwohl das Berufungsverfahren zu der im Jahr [[1968]] eingerichteten zweiten Professur noch nicht abgeschlossen war. Helmut Riedl berichtet in seinen Erinnerungen, dass er während der Berufungsverhandlungen seine erste Lehrveranstaltung im Wallistrakt als Honorarprofessor abgehalten hatte und der Dienstweg vom Hörsaal zum Institut als tägliche Entspannungsübung gesehen wurde.<ref>Riedl 2008, S.47, Arnberger et al 1971, S. 233</ref> Helmut Riedl wurde schließlich am [[3. Juni]] 1969 als Ordinarius für die Lehrkanzel Geographie II berufen<ref>Riedl 1999, S. 9</ref> und musste feststellen, dass in den engen Räumlichkeiten des Geographischen Instituts kein Dienstzimmer für ihn vorgesehen war. Letztlich konnte er Dank einer Initiative eines damaligen Studenten und späteren Mitarbeiters ein Studentenzimmer im vierten Stock in räumlicher Nähe des Instituts beziehen.<ref>Riedl 2008, S. 47</ref> | Mit Beginn des Sommersemesters [[1969]] begann Helmut Riedl seine Lehrtätigkeit an der Universität Salzburg, obwohl das Berufungsverfahren zu der im Jahr [[1968]] eingerichteten zweiten Professur noch nicht abgeschlossen war. Helmut Riedl berichtet in seinen Erinnerungen, dass er während der Berufungsverhandlungen seine erste Lehrveranstaltung im Wallistrakt als Honorarprofessor abgehalten hatte und der Dienstweg vom Hörsaal zum Institut als tägliche Entspannungsübung gesehen wurde.<ref>Riedl 2008, S.47, Arnberger et al 1971, S. 233</ref> Helmut Riedl wurde schließlich am [[3. Juni]] 1969 als Ordinarius für die Lehrkanzel Geographie II berufen<ref>Riedl 1999, S. 9</ref> und musste feststellen, dass in den engen Räumlichkeiten des Geographischen Instituts kein Dienstzimmer für ihn vorgesehen war. Letztlich konnte er Dank einer Initiative eines damaligen Studenten und späteren Mitarbeiters ein Studentenzimmer im vierten Stock in räumlicher Nähe des Instituts beziehen.<ref>Riedl 2008, S. 47</ref> | ||
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* Schaup-Weinberg, Wilhelm (1968): ''Badgastein. Die Geographie eines Weltkurortes"'. Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, XII+620 S. | * Schaup-Weinberg, Wilhelm (1968): ''Badgastein. Die Geographie eines Weltkurortes"'. Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, XII+620 S. | ||
* Spangenberg-Resmann, Dagmar (1978): ''Die Entwicklung der Almwirtschaft in den Oberpinzgauer Tauerntälern''. Salzburg: (= Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg, Bd. 5), 216 S. + Anhang. | * Spangenberg-Resmann, Dagmar (1978): ''Die Entwicklung der Almwirtschaft in den Oberpinzgauer Tauerntälern''. Salzburg: (= Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg, Bd. 5), 216 S. + Anhang. | ||
* Schramm, Josef, Hrsg. (1968): ''Geographische Beobachtungen in Tunesien''. Salzburg: ( = Exkursionsberichte aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg). | * Schramm, Josef, Hrsg. (1968): ''Geographische Beobachtungen in [[Tunesien]]''. Salzburg: ( = Exkursionsberichte aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg). | ||
* Schramm, Josef (1969): ''Die Westsahara. Geographische Betrachtung einer mehrrassischen Gesellschaftsordnung der westsaharischen Viehzüchter in der Berührung mit der modernen Industriegesellschaft''. Freilassing: Pannonia-Verlag, 172 S. | * Schramm, Josef (1969): ''Die Westsahara. Geographische Betrachtung einer mehrrassischen Gesellschaftsordnung der westsaharischen Viehzüchter in der Berührung mit der modernen Industriegesellschaft''. Freilassing: Pannonia-Verlag, 172 S. | ||
* Seifriedsberger, Anton (1978): ''Geographie und Nationalpark Hohe Tauern: Abgrenzungsvorschlag im Nordwestlichen Bereich. Auswertungs- und Anwendungsmöglichkeiten der Nationalparkidee in der Schulgeographie''. Dissertation an der Naturwissenschaftlichrn Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, 272 S. + Anhang. | * Seifriedsberger, Anton (1978): ''Geographie und Nationalpark Hohe Tauern: Abgrenzungsvorschlag im Nordwestlichen Bereich. Auswertungs- und Anwendungsmöglichkeiten der Nationalparkidee in der Schulgeographie''. Dissertation an der Naturwissenschaftlichrn Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, 272 S. + Anhang. | ||
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== Anmerkung zur Schreibung "Geographie" == | == Anmerkung zur Schreibung "Geographie" == | ||
Im [[ | Im [[SALZBURGWIKI]] werden jeweils die zeitgeschichtlich bezogenen damaligen Schreiweisen von Instituten, geografischen Eigennamen usw. verwendet. Allgemeine Nennungen von geografischen Begriffen und Fachbereichen werden jedenfalls dann mit '''f''' hier geschrieben, wenn es der Duden als empfohlene Schreibweise vorschlägt. | ||
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