Epichnopterix montana: Unterschied zwischen den Versionen

(Die Seite wurde neu angelegt)
 
K
 
(22 dazwischenliegende Versionen von 3 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
+
[[File:BE-HdN-2744a.jpg|thumb|Sack: Salzburg, [[Radstädter Tauern]], [[Kleinarltal]], Jägergraben, Weg zur Viehhofalm, 1482 m, 2004.06.26]]
[[File:BE-HdN-2744a.jpg|thumb|Sack: Salzburg, Radstädter Tauern, Kleinarltal, Jägergraben, Weg zur Viehhofalm, 1482 m, 2004.06.26]]
+
 
'''Epichnopterix montana''' Heylaerts, 1900 ist eine Art aus der Ordnung [[Lepidoptera]], Familie [[Psychidae]].
+
'''Epichnopterix montana''' (''Epichnopteryx pulla'' var. ''montana'' Heylaerts, 1900: 189) ist eine [[Glossar Biologie#A|Art]] aus der [[Glossar Biologie#O|Ordnung]] [[Lepidoptera]] (Schmetterlinge), [[Glossar Biologie#F|Familie]] [[Psychidae]] (Sackträger).
==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie==
+
 
''E. montana'' ist in den Kalkalpen (Zone II nach Embacher et al. 2011) und den Zentralalpen (Zone IV) verbreitet und wurde auch im [[Lungau]] (Zone V) bereits einmal gefunden. Wie der wissenschaftliche Name sagt, kommt das Tier besonders in der montanen Zone der Alpen vor. Die Höhenverbreitung in Salzburg ist von 1150 - 1900 m dokumentiert (Kurz & Kurz 2011). Wie die übrigen ''Epichnopterix''-Arten, ist auch ''E. montana'' ein ausgesprochener Wiesenfalter. Ihr Lebensraum sind sonnige alpine Magerwiesen, felsdurchsetzte Magerweiden, aber auch sonnige, lückige ''Erica''-Bestände am Rand von Nadelmischwäldern. Die Imagines schlüpfen im Juni (Kurz & Kurz 2011). Die Raupen schlüpfen im Juli aus den Eiern und überwintern mindestens einmal, in höheren Lagen vermutlich auch zweimal (Sieder & Loebel 1954), bevor sie sich wieder zur Puppe und zum Falter verwandeln.
+
==Diagnose==
 +
''E. montana'' ist eine der Arten, bei denen die Männchen auf den Vorderflügeln nahezu haarförmige Deckschuppen aufweisen, die zudem nicht sonderlich dicht stehen. Die Säcke sind kurz und dick (9 bis 12 mm lang und 3 bis 4 mm dick ohne die Belegung aus Grasblättern) und bei den Männchen auch deutlich bauchig.
 +
 
 +
==Verbreitung, Lebensraum und Phänologie<ref>siehe [[Glossar Biologie#P|Phänologie]]</ref>==
 +
''E. montana'' ist in den [[Salzburger Kalkalpen|Kalkalpen]] (Zone II nach [[Gernot Embacher#Embacher et al.|Embacher et al.]] 2024) und den [[Zentralalpen]] (Zone IV) verbreitet und wurde auch im [[Lungau]] (Zone V) bereits gefunden. Wie der wissenschaftliche Name sagt, kommt das Tier besonders in der montanen Zone der [[Alpen]] vor. Die Höhenverbreitung in [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] ist von 1150 bis 2050 m dokumentiert ([[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] & [[Marion Kurz|Kurz]] 2025).  
 +
 
 +
Wie die übrigen ''Epichnopterix''-Arten, ist auch ''E. montana'' ein ausgesprochener Wiesenfalter. Ihr Lebensraum sind sonnige alpine Magerwiesen, felsdurchsetzte Magerweiden, aber auch sonnige, lückige ''[[Erica carnea]]''-Bestände am Rand von Nadelmischwäldern.  
 +
 
 +
Die [[Glossar Biologie#I|''Imagines'']] schlüpfen im Juni, in der Zucht auch bereits ab April ([[Michael Kurz (Wissenschafter)|Kurz]] & [[Marion Kurz|Kurz]] 2025). Die Raupen schlüpfen im Juli aus den Eiern und überwintern mindestens einmal, in höheren Lagen vermutlich auch zweimal (Sieder & Loebel 1954), bevor sie sich wieder zur Puppe und zum Falter verwandeln.
 +
 
 +
==Nachbarfaunen==
 +
Nach Huemer (2013) fehlt die Art in [[Nordtirol]], [[Niederösterreich]], [[Wien]] und dem [[Burgenland]]. In [[Oberösterreich]] wird sie als fraglich angesehen (Hauser 2014, Kusdas & Reichl 1974 als ''E. montanella''). Auch aus [[Bayern]] werden keine Funde gemeldet (Haslberger & Segerer 2016).
 +
 
 
==Biologie und Gefährdung==
 
==Biologie und Gefährdung==
Auf der Suche nach den Weibchen fliegen die Männchen tagsüber umher. Wie alle heimischen Psychiden nehmen sie in ihrem kurzem Leben keine Nahrung zu sich. Die Raupen leben am Boden, besonders dort, wo die Vegetation etwas lückig und kurzrasig ist. Oft halten sie sich dabei auch in der Nähe von Thymian-Polstern auf, von denen sie sich vermutlich auch ernähren. Zur Verpuppung werden die Säcke entweder in der Vegetation, beispielsweise an ''Erica'', oder auch an Felsblöcke angesponnen. Die Art kommt nach bisheriger Kenntnis hauptsächlich über basischen Gesteinen (Kalk oder Dolomit) vor, fliegt aber auch in den Hohen Tauern an Stellen mit Einsprengungen von Kalk. Trotzdem kann die Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsformen (extensive Almwirtschaft) zum Verlust zahlreicher Lebensräume in der Zukunft führen, weshalb wir die Art als potentiell bedroht ansehen.
+
Auf der Suche nach den Weibchen fliegen die Männchen tagsüber umher. Wie alle heimischen Psychiden nehmen sie in ihrem kurzen Leben keine Nahrung zu sich.  
 +
 
 +
Die Raupen leben am Boden, besonders dort, wo die Vegetation etwas lückig und kurzrasig ist. Oft halten sie sich dabei auch in der Nähe von Thymian-Polstern auf, von denen sie sich vermutlich auch ernähren. Zur Verpuppung werden die Säcke entweder in der Vegetation, beispielsweise an ''Erica carnea'', oder auch an Felsblöcke angesponnen.  
 +
 
 +
Die Art kommt nach bisheriger Kenntnis hauptsächlich über basischen [[Gestein]]en (Kalk oder Dolomit) vor, fliegt aber auch in den [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]] an Stellen mit Einsprengungen von Kalk.  
 +
 
 +
Trotz der Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsformen (extensive Almwirtschaft), die zum Verlust zahlreicher Lebensräume führt, wird die Art noch als ungefährdet angesehen (Einstufung LC nach Embacher et al. 2024).
 +
 
 
==Weiterführende Informationen==
 
==Weiterführende Informationen==
 
{{NKIS | taxonid=725}}
 
{{NKIS | taxonid=725}}
[[Salzburgwiki:Projekt_Fauna_und_Flora|Projekt:  Fauna und Flora von Salzburg]]
+
{{Fauna und Flora Projekt}}
 
==Quellen==
 
==Quellen==
*Embacher, G., P. Gros, M.E. Kurz, M.A.Kurz & C. Zeller-Lukashort 2011: Die Schmetterlinge des Landes Salzburg. Teil I: Systematisches Verzeichnis mit Verbreitungsangaben für die geologischen Zonen des Landes (Insecta: Lepidoptera). In Vorbereitung
+
*{{Quelle Embacher et al. 2024}}
*Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2011. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 04 Juli 2011].
+
*Haslberger, A. &amp; A.H. Segerer 2016. Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 106. Supplement: 336 pp.
 +
*Hauser, E. 2014. Die „Seelchen“ Oberösterreichs mit Angaben zur Determination und Taxonomie (Lepidoptera, Psychidae). Linzer biologische Beiträge 46(2): 1041–1086.
 +
*Huemer, P. 2013. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematische und faunistische Checkliste. Studiohefte 12. Tiroler Landesmuseum Innsbruck: 304 pp.
 +
*Kurz, M. A. & [[Marion Kurz|M. E. Kurz]] 2000–2025. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2025.01.15].
 +
*Kusdas, K. & E. R. Reichl 1974. Die Schmetterlinge Oberösterreichs. Teil 2. Schwärmer und Spinner. Entomologische Arbeitsgemeinschaft am O.Ö. Landesmuseum Linz: 1-263.
 
*Sieder, L. & F. Loebel 1954. Wissenswertes über die Gattung ''Epichnopterix'' Hb. (Lep. Psychidae). Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft 39: 310-327, Taf. 17.
 
*Sieder, L. & F. Loebel 1954. Wissenswertes über die Gattung ''Epichnopterix'' Hb. (Lep. Psychidae). Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft 39: 310-327, Taf. 17.
[[Kategorie: Biologie]]
+
 
[[Kategorie: Pflanzen und Tiere]]
+
== Einzelnachweis ==
[[Kategorie: Tiere]]
+
<references />
 +
 
 +
[[Kategorie:Wissenschaft]]
 +
[[Kategorie:Naturwissenschaft]]
 +
[[Kategorie:Biologie]]
 +
[[Kategorie:Fauna]]
 +
[[Kategorie:Insekt]]
 +
[[Kategorie:Schmetterling]]
 +
[[Kategorie:Kleinschmetterling]]

Aktuelle Version vom 17. Januar 2025, 19:45 Uhr

Sack: Salzburg, Radstädter Tauern, Kleinarltal, Jägergraben, Weg zur Viehhofalm, 1482 m, 2004.06.26

Epichnopterix montana (Epichnopteryx pulla var. montana Heylaerts, 1900: 189) ist eine Art aus der Ordnung Lepidoptera (Schmetterlinge), Familie Psychidae (Sackträger).

Diagnose

E. montana ist eine der Arten, bei denen die Männchen auf den Vorderflügeln nahezu haarförmige Deckschuppen aufweisen, die zudem nicht sonderlich dicht stehen. Die Säcke sind kurz und dick (9 bis 12 mm lang und 3 bis 4 mm dick ohne die Belegung aus Grasblättern) und bei den Männchen auch deutlich bauchig.

Verbreitung, Lebensraum und Phänologie[1]

E. montana ist in den Kalkalpen (Zone II nach Embacher et al. 2024) und den Zentralalpen (Zone IV) verbreitet und wurde auch im Lungau (Zone V) bereits gefunden. Wie der wissenschaftliche Name sagt, kommt das Tier besonders in der montanen Zone der Alpen vor. Die Höhenverbreitung in Salzburg ist von 1150 bis 2050 m dokumentiert (Kurz & Kurz 2025).

Wie die übrigen Epichnopterix-Arten, ist auch E. montana ein ausgesprochener Wiesenfalter. Ihr Lebensraum sind sonnige alpine Magerwiesen, felsdurchsetzte Magerweiden, aber auch sonnige, lückige Erica carnea-Bestände am Rand von Nadelmischwäldern.

Die Imagines schlüpfen im Juni, in der Zucht auch bereits ab April (Kurz & Kurz 2025). Die Raupen schlüpfen im Juli aus den Eiern und überwintern mindestens einmal, in höheren Lagen vermutlich auch zweimal (Sieder & Loebel 1954), bevor sie sich wieder zur Puppe und zum Falter verwandeln.

Nachbarfaunen

Nach Huemer (2013) fehlt die Art in Nordtirol, Niederösterreich, Wien und dem Burgenland. In Oberösterreich wird sie als fraglich angesehen (Hauser 2014, Kusdas & Reichl 1974 als E. montanella). Auch aus Bayern werden keine Funde gemeldet (Haslberger & Segerer 2016).

Biologie und Gefährdung

Auf der Suche nach den Weibchen fliegen die Männchen tagsüber umher. Wie alle heimischen Psychiden nehmen sie in ihrem kurzen Leben keine Nahrung zu sich.

Die Raupen leben am Boden, besonders dort, wo die Vegetation etwas lückig und kurzrasig ist. Oft halten sie sich dabei auch in der Nähe von Thymian-Polstern auf, von denen sie sich vermutlich auch ernähren. Zur Verpuppung werden die Säcke entweder in der Vegetation, beispielsweise an Erica carnea, oder auch an Felsblöcke angesponnen.

Die Art kommt nach bisheriger Kenntnis hauptsächlich über basischen Gesteinen (Kalk oder Dolomit) vor, fliegt aber auch in den Hohen Tauern an Stellen mit Einsprengungen von Kalk.

Trotz der Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsformen (extensive Almwirtschaft), die zum Verlust zahlreicher Lebensräume führt, wird die Art noch als ungefährdet angesehen (Einstufung LC nach Embacher et al. 2024).

Weiterführende Informationen

Über das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora
Das SALZBURGWIKI-Projekt Fauna und Flora möchte eine Übersicht über alle Pflanzen-, Pilz- und Tierarten des Landes Salzburg erstellen. Wer eine Art beschreiben will, kann sich die hier hinterlegte Formatvorlage kopieren und für einen neuen Artikel verwenden. Im Abschnitt "Material und Methoden" wird erklärt, wann deutsche und wann lateinische Namen als Artikelnamen verwendet werden sollen.

Quellen

  • Haslberger, A. & A.H. Segerer 2016. Systematische, revidierte und kommentierte Checkliste der Schmetterlinge Bayerns (Insecta: Lepidoptera). Mitteilungen der Münchner Entomologischen Gesellschaft 106. Supplement: 336 pp.
  • Hauser, E. 2014. Die „Seelchen“ Oberösterreichs mit Angaben zur Determination und Taxonomie (Lepidoptera, Psychidae). Linzer biologische Beiträge 46(2): 1041–1086.
  • Huemer, P. 2013. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematische und faunistische Checkliste. Studiohefte 12. Tiroler Landesmuseum Innsbruck: 304 pp.
  • Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2025. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2025.01.15].
  • Kusdas, K. & E. R. Reichl 1974. Die Schmetterlinge Oberösterreichs. Teil 2. Schwärmer und Spinner. Entomologische Arbeitsgemeinschaft am O.Ö. Landesmuseum Linz: 1-263.
  • Sieder, L. & F. Loebel 1954. Wissenswertes über die Gattung Epichnopterix Hb. (Lep. Psychidae). Zeitschrift der Wiener Entomologischen Gesellschaft 39: 310-327, Taf. 17.

Einzelnachweis