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Das '''Café Glockenspiel''' ist ein [[Kaffeehaus in der Stadt Salzburg|Kaffeehaus]] am [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]] in der [[Altstadt]] der [[Stadt Salzburg]]. | Das '''Café Glockenspiel''' ist ein [[Kaffeehaus in der Stadt Salzburg|Kaffeehaus]] am [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]] in der [[Altstadt]] der [[Stadt Salzburg]]. | ||
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=== Vom Pferdestall zur Eisenwarenhandlung === | === Vom Pferdestall zur Eisenwarenhandlung === | ||
| − | Johann Löhe, der das | + | [[Johann Löhe]], der das Haus [[Waagplatz 3|Waagplatz Nr. 3]] [[1874]] erwarb, machte dieses zur Dependance des [[Gerichtshaus oder Stadttrinkstube#Hotel Erzherzog Karl|Hotels "Erzherzog Karl"]] und ließ den einstöckigen Anbau anfügen, in dem sich heute das Café Glockenspiel befindet. Ebenerdig soll sich darin ein Pferdestall befunden haben. Der Anbau "Erzherzog-Karl-Stöckl", in dem sich heute das Café befindet, wurde dann von [[Tobias Trakl]], dem Vater des Dichters [[Georg Trakl|Trakl]], gekauft, der darin den "[[Tobias Trakl Eisenhandel]]" eröffnete. |
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=== Das Café Glockenspiel eröffnet === | === Das Café Glockenspiel eröffnet === | ||
| − | [[1925]] eröffnete der langjährige Oberkellner des [[Café Tomaselli| | + | [[1925]] eröffnete der langjährige Oberkellner des [[Café Tomaselli|Café Tomaselli]], Franz Woisetschläger, nach einer Renovierung das "Café Glockenspiel". Er ließ auch einen Kaffeehausvorgarten mit Überdachung errichten, damit seine Gäste auch bei schlechtem Wetter im Freien sitzen konnten. Woisetschläger betrieb das Glockenspiel bis zum Einmarsch der [[United States Forces in Austria|amerikanischen Besatzungstruppen]] im Jahr [[1945]]. Für die Salzburger hatte die Begeisterung der Amerikaner allerdings einen bitteren Beigeschmack, denn sie hängten Schilder mit der Aufschrift "Off Limits" an die Türen des Cafés Glockenspiel, Tomaselli und [[Café Bazar|Bazar]], wie sich [[Karl Eschlböck]] († [[2018]]) in einem Gespräch mit den "[[Salzburger Nachrichten]]" erinnert.<ref name="Ostern">{{Quelle SN|7. Februar 2015 und 13. Februar online, ein Beitrag von [[Peter Gnaiger]]}}</ref> "Off Limits" war der Hinweis gewesen, dass Einheimische keinen Zutritt hatten. |
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| + | Erst nach dem Abzug der US-Soldaten [[1955]] wurde das Café vom neuen Pächter KR [[Heinrich Wannebauer]] vollständig renoviert. Er ließ anstelle des Kaffeehausvorgartens mit Überdachung eine Terrasse errichten. Wannebauer weihte das neue Café Glockenspiel in der [[Silvester]]nacht 1955/[[1956|56]] ein. Die Einrichtung entsprach dem damaligen Zeitgeist. | ||
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| + | [[1979]] wurde bei einer neuerlichen Renovierung die Inneneinrichtung im Sinne der Wiener Kaffeehaustradition erneuert; so kamen etwa Thonet-Stühle ins Café. Mit der Errichtung der Salzburger [[Fußgängerzone]] konnte eine Erweiterung des "Gartenbetriebs" auf einen Teil des Mozartplatzes erfolgen. Auch wurde das Café in "Café-Restaurant" umbenannt. | ||
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=== Aus Glockenspiel wird Demel === | === Aus Glockenspiel wird Demel === | ||
| − | [[2005]]/[[2006]] | + | [[2005]]/[[2006]] wurde das Lokal erneut renoviert und im Sommer 2006 vom neuen Wiener Besitzer [[Attila Dogudan]] unter dem Namen "Demel" in abermals neuem Glanz eröffnet, wenngleich ein wenig vom alten Charme des Hauses und vor allem vom Vorplatz verloren ging. Dogudan ist Besitzer des ''Catering''-Unternehmens [[DO & CO Salzburg Restaurants & Betriebs GmbH]], das auch am [[Salzburg Airport W. A. Mozart]] eine Filiale betreibt. Dogudan hatte [[2002]] das Wiener Traditions-Café Demel von der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien erworben. Seit [[15. Juli]] 2006 war es geöffnet. Am [[25. Juli]] fand auf Einladung des Hausherrn Attila Dogudan eine Party für 350 geladene Gäste statt.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=%2BcD9NpQ6s8lEGJIEDRU5eB9byiUmZzCojErfdQgrQzvreDQaT3fba98VBhZt7rCFz5OBdaHAZU%2BzMEJvIrJWXNnFma2EZc%2FgfIKjtXEbMJ%2BCRbT3yW%2BskYVZDZLKirJC&id1=lo20060726_07&q=Glockenspiel#slide31 sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 26. Juli 2006, Seite 7: Salzburg im Demel-Fieber</ref> |
| − | + | [[Datei:Rupertikirtag in Salzburg.JPG|thumb|[[Rupertikirtag]]. Im Hintergrund die [[Filialkirche zum hl. Michael]] und das Café Glockenspiel, das einige Jahre vom Wiener Besitzer [[Attila Dogudan]] unter dem Namen "Demel" geführt wurde.]] | |
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| − | + | Am [[22. März]] [[2012]] berichteten die "Salzburger Nachrichten", dass Attila Dogudan den Kaffeehaus-Betrieb mit [[25. März]] 2012 einstellt, weil dieser unrentabel sei. Die Räumlichkeiten mietete er weiterhin und bot sie für ''[[Event]]s'' an. Dogudan gegenüber den [[SN]]: "Das Café war nur an den Wochenenden und während der [[Salzburger Festspiele|Festspiele]] im Sommer profitabel. Es ist ein schwieriger Platz" und weiter: "Der Menschenstrom reißt beim Tomaselli ab." Dogudan beklagte auch die hohe Miete (kolportiert wurden 70.000 Euro pro Jahr): "Die ist mit Melange und Strudel schwer zu verdienen." Dem widersprach die Besitzerin des Hauses, die Versicherung Uniqa, und meinte, die Miete sei angemessen. | |
| − | + | [[Datei:Cafe Demel und St. Michaelskirche.jpg|thumb|Café Glockenspiel mit der [[Filialkirche zum hl. Michael]] und dem [[Waaghaus]]. Eine Aufnahme 2010.]] | |
| − | + | Auch Salzburger Leserbriefschreiber widersprachen infolge der Behauptung Dogudans, es sei ein schwieriger Platz. Mehrere Schreiber meinten vielmehr, es läge an der Führung. So erklärte Dipl.-Ing. [[Axel Wagner]], dass es am falschen Konzept liege, etwa daran, die ebenerdig gelegenen Café-Räumlichkeiten weitgehend für den Verkauf von verschiedensten Produkten zu verwenden. In seinem Leserbrief<ref>vom 23. März 2012 in den "Salzburger Nachrichten"</ref> meinte Wagner außerdem, es sei an der misslungenen Einführungsphase nach der Eröffnung des Demel Salzburgs gelegen, in der man den Eindruck hatte, den Salzburgern müsse jetzt einmal die Kaffeehauskultur beigebracht werden. Frühere Stammkundenrunden seien anscheinend nicht mehr erwünscht gewesen; dabei habe man vergessen, dass nicht das ganze Jahr über Festspiele stattfinden, so Wagner weiter. Ein anderer Leserbriefschreiber meinte, er sei auch nicht in den ersten Stock zu den Tischen gelassen worden, "weil er nicht reserviert hatte", obwohl das Obergeschoss nicht voll gewesen sei. | |
| − | + | Bis Ende April 2012 hatte jedoch noch keine einzige Veranstaltung stattgefunden, mit der Begründung von Renovierungs- und Umbauarbeiten. Einem Artikel der "Salzburger Nachrichten" vom 28. April 2012 war zu entnehmen, dass für die Anmietung des Cafés angeblich 1.200 Euro ohne Catering (Verpflegung) und Reinigung pro Veranstaltung verlangt würden. | |
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| − | + | Am [[15. Mai]] 2012 wurde bekannt, dass das Café Demel bald verkauft werden könnte. Vorgespräche wurden bereits vom Immobilienbüro [[Stiller & Hohla Immobilientreuhänder GmbH|Stiller]] & Hohla mit möglichen Käufern geführt, darunter eine deutsche Brauerei. Bevor Uniqa als Besitzerin das Objekt jedoch verkaufen konnte, musste noch die Zukunft des Pachtvertrags mit Dogudan geklärt werden, der bis [[2015]] lief. Sollte das Gebäude verkauft werden, würde das auch den ''Gant-Store'' am [[Waagplatz]] sowie einige Büros und Wohnungen betreffen. So besaß beispielsweise die Sängerin [[Grace Bumbry]] in diesem Gebäude eine Wohnung. | |
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| + | Am [[23. Mai]] 2012 teilte Uniqa mit, dass Stefan Brandtner, Initiator des [[Pop-up-Wanderrestaurant]]s "Brandtner 63", in dem Gebäude ab der zweiten Junihälfte zumindest für die Dauer der [[Salzburger Festspiele 2012|Festspielzeit]] ein Restaurant betreiben werde. Am [[28. Juni]] [[2012]] eröffnete er sein Restaurant mit dem Namen "Brandtner und seine Leit". | ||
| − | Das Weihnachtsmuseum wurde im Dezember 2014 eröffnet. Die unteren Räumlichkeiten, in | + | Anfang [[2013]] kaufte ATV-Chef Herbert Kloiber das Gebäude und seine Ehefrau Ursula, die darin ein Museum für ihre [[Weihnachtskrippe|Krippensammlung]] eröffnete. Neben dem Kaffeehausbetrieb entstand auch ein ''Shop''. Ursprünglich hätte das Museum im Sommer 2013 öffnen sollen. Im Herbst 2013 hieß es dann, dass die Wiener Kaffeehauskette Aida dort den Café-Betrieb übernehmen könnte. Zu einer Einigung zwischen der Familie Kloiber und den Aida-Besitzern kam es aber nicht. Im Frühjahr [[2014]] war schließlich von einem Projektentwickler für den Umbau zu erfahren, dass das Museum im Sommer eröffnen würde. Das war dann aber ebenfalls nicht der Fall. Der Wiener Projektentwickler sagte im Sommer gegenüber den "SN", dass der Umbau prinzipiell abgeschlossen sei. Tannenbäume auf dem Bauzaun deuteten seither auf den künftigen Zweck des Gebäudes hin, hinter den Fensterscheiben war "[[Salzburger Weihnachtsmuseum]]" zu lesen.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/chronik/weihnachtsmuseum-im-cafe-glockenspiel-ab-dezember-3050665 www.sn.at], abgefragt 30. Oktober 2014]</ref> Das Weihnachtsmuseum wurde im Dezember 2014 eröffnet. Die unteren Räumlichkeiten, in die ein Kaffeehaus kommen sollte, standen zu diesem Zeitpunkt noch leer.<ref>[https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2682803/ salzburg.orf.at], 4. Dezember 2012</ref> |
== 2015: Wiedereröffnung des Kaffeehauses als "Café Glockenspiel" == | == 2015: Wiedereröffnung des Kaffeehauses als "Café Glockenspiel" == | ||
| − | Patrick Knittelfelder eröffnete Ende März 2015 mit seinem Geschäftspartner Andreas Felleis neuerlich das | + | [[Patrick Knittelfelder]] eröffnete Ende März [[2015]] gemeinsam mit seinem Geschäftspartner [[Andreas Felleis]] neuerlich das "Café Glockenspiel" im Erdgeschoss. Die Fläche war verkleinert, dafür gab es einen Gastgarten und eine "bespielbare Terrasse". Die Einrichtung ist klassisch: Mahagoni, Leder, Messing. Es duftete wieder nach Tradition, nach Gabelfrühstück und nach Speisen, die zur Kaffeehauskultur gehören. Außerdem gab es etwas, das in Salzburg noch gefehlt hatte: "Eine Fisch- und Krabbensuppe zum Niederknien", sagte Knittelfelder<ref name="Ostern"></ref>. Im ersten Stock befindet sich weiterhin das Weihnachtsmuseum. |
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| + | == Das Café als Filmdrehort == | ||
| + | In den [[1940er]]-Jahren wurde für den Film "[[Der kleine Grenzverkehr]]" unter anderem im Café Glockenspiel gedreht.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ztb&datum=19430809&query=%22Cafe+Glockenspiel%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "Znaimer Tagblatt", Ausgabe vom 9. August 1943, Seite 4</ref> | ||
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| + | == Weblink == | ||
| + | * [https://felleis-knittelfelder.at/cafe-glockenspiel elleis-knittelfelder.at/cafe-glockenspiel] | ||
==Quellen== | ==Quellen== | ||
| − | * Schriftenreihe des [[Verein Freunde der Salzburger Geschichte|Vereins | + | * Schriftenreihe des [[Verein "Freunde der Salzburger Geschichte"|Vereins "Freunde der Salzburger Geschichte"]], Band 20, 1995, der Beitrag von [[Walburga Schobersberger]] ''Vom Cafégewölb zum Literatencafé'' |
| − | * | + | * www.doco.com/job/media/PI_Demel.pdf, Link war bei einer Überprüfung am 8. Jänner 2026 nicht mehr abrufbar |
| − | * [[Salzburger Nachrichten]], diverse Ausgaben im März und Mai 2012 | + | * "[[Salzburger Nachrichten]]", diverse Ausgaben im März und Mai 2012 |
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
Aktuelle Version vom 8. Januar 2026, 14:02 Uhr
Das Café Glockenspiel ist ein Kaffeehaus am Mozartplatz in der Altstadt der Stadt Salzburg.
Geschichte
Es ist eines der Traditionskaffeehäuser in der Stadt Salzburg, das seinen Namen vom gegenüberliegenden Salzburger Glockenspiel hat.
Vom Pferdestall zur Eisenwarenhandlung
Johann Löhe, der das Haus Waagplatz Nr. 3 1874 erwarb, machte dieses zur Dependance des Hotels "Erzherzog Karl" und ließ den einstöckigen Anbau anfügen, in dem sich heute das Café Glockenspiel befindet. Ebenerdig soll sich darin ein Pferdestall befunden haben. Der Anbau "Erzherzog-Karl-Stöckl", in dem sich heute das Café befindet, wurde dann von Tobias Trakl, dem Vater des Dichters Trakl, gekauft, der darin den "Tobias Trakl Eisenhandel" eröffnete.
Das Café Glockenspiel eröffnet
1925 eröffnete der langjährige Oberkellner des Café Tomaselli, Franz Woisetschläger, nach einer Renovierung das "Café Glockenspiel". Er ließ auch einen Kaffeehausvorgarten mit Überdachung errichten, damit seine Gäste auch bei schlechtem Wetter im Freien sitzen konnten. Woisetschläger betrieb das Glockenspiel bis zum Einmarsch der amerikanischen Besatzungstruppen im Jahr 1945. Für die Salzburger hatte die Begeisterung der Amerikaner allerdings einen bitteren Beigeschmack, denn sie hängten Schilder mit der Aufschrift "Off Limits" an die Türen des Cafés Glockenspiel, Tomaselli und Bazar, wie sich Karl Eschlböck († 2018) in einem Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten" erinnert.[1] "Off Limits" war der Hinweis gewesen, dass Einheimische keinen Zutritt hatten.
Erst nach dem Abzug der US-Soldaten 1955 wurde das Café vom neuen Pächter KR Heinrich Wannebauer vollständig renoviert. Er ließ anstelle des Kaffeehausvorgartens mit Überdachung eine Terrasse errichten. Wannebauer weihte das neue Café Glockenspiel in der Silvesternacht 1955/56 ein. Die Einrichtung entsprach dem damaligen Zeitgeist.
1979 wurde bei einer neuerlichen Renovierung die Inneneinrichtung im Sinne der Wiener Kaffeehaustradition erneuert; so kamen etwa Thonet-Stühle ins Café. Mit der Errichtung der Salzburger Fußgängerzone konnte eine Erweiterung des "Gartenbetriebs" auf einen Teil des Mozartplatzes erfolgen. Auch wurde das Café in "Café-Restaurant" umbenannt.
KR Wannebauer starb 1982. Wer den Betrieb übernahm, ist noch zu recherchieren.
Aus Glockenspiel wird Demel
2005/2006 wurde das Lokal erneut renoviert und im Sommer 2006 vom neuen Wiener Besitzer Attila Dogudan unter dem Namen "Demel" in abermals neuem Glanz eröffnet, wenngleich ein wenig vom alten Charme des Hauses und vor allem vom Vorplatz verloren ging. Dogudan ist Besitzer des Catering-Unternehmens DO & CO Salzburg Restaurants & Betriebs GmbH, das auch am Salzburg Airport W. A. Mozart eine Filiale betreibt. Dogudan hatte 2002 das Wiener Traditions-Café Demel von der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien erworben. Seit 15. Juli 2006 war es geöffnet. Am 25. Juli fand auf Einladung des Hausherrn Attila Dogudan eine Party für 350 geladene Gäste statt.[2]
Am 22. März 2012 berichteten die "Salzburger Nachrichten", dass Attila Dogudan den Kaffeehaus-Betrieb mit 25. März 2012 einstellt, weil dieser unrentabel sei. Die Räumlichkeiten mietete er weiterhin und bot sie für Events an. Dogudan gegenüber den SN: "Das Café war nur an den Wochenenden und während der Festspiele im Sommer profitabel. Es ist ein schwieriger Platz" und weiter: "Der Menschenstrom reißt beim Tomaselli ab." Dogudan beklagte auch die hohe Miete (kolportiert wurden 70.000 Euro pro Jahr): "Die ist mit Melange und Strudel schwer zu verdienen." Dem widersprach die Besitzerin des Hauses, die Versicherung Uniqa, und meinte, die Miete sei angemessen.
Auch Salzburger Leserbriefschreiber widersprachen infolge der Behauptung Dogudans, es sei ein schwieriger Platz. Mehrere Schreiber meinten vielmehr, es läge an der Führung. So erklärte Dipl.-Ing. Axel Wagner, dass es am falschen Konzept liege, etwa daran, die ebenerdig gelegenen Café-Räumlichkeiten weitgehend für den Verkauf von verschiedensten Produkten zu verwenden. In seinem Leserbrief[3] meinte Wagner außerdem, es sei an der misslungenen Einführungsphase nach der Eröffnung des Demel Salzburgs gelegen, in der man den Eindruck hatte, den Salzburgern müsse jetzt einmal die Kaffeehauskultur beigebracht werden. Frühere Stammkundenrunden seien anscheinend nicht mehr erwünscht gewesen; dabei habe man vergessen, dass nicht das ganze Jahr über Festspiele stattfinden, so Wagner weiter. Ein anderer Leserbriefschreiber meinte, er sei auch nicht in den ersten Stock zu den Tischen gelassen worden, "weil er nicht reserviert hatte", obwohl das Obergeschoss nicht voll gewesen sei.
Bis Ende April 2012 hatte jedoch noch keine einzige Veranstaltung stattgefunden, mit der Begründung von Renovierungs- und Umbauarbeiten. Einem Artikel der "Salzburger Nachrichten" vom 28. April 2012 war zu entnehmen, dass für die Anmietung des Cafés angeblich 1.200 Euro ohne Catering (Verpflegung) und Reinigung pro Veranstaltung verlangt würden.
Am 15. Mai 2012 wurde bekannt, dass das Café Demel bald verkauft werden könnte. Vorgespräche wurden bereits vom Immobilienbüro Stiller & Hohla mit möglichen Käufern geführt, darunter eine deutsche Brauerei. Bevor Uniqa als Besitzerin das Objekt jedoch verkaufen konnte, musste noch die Zukunft des Pachtvertrags mit Dogudan geklärt werden, der bis 2015 lief. Sollte das Gebäude verkauft werden, würde das auch den Gant-Store am Waagplatz sowie einige Büros und Wohnungen betreffen. So besaß beispielsweise die Sängerin Grace Bumbry in diesem Gebäude eine Wohnung.
"Brandtner und seine Leit"
Am 23. Mai 2012 teilte Uniqa mit, dass Stefan Brandtner, Initiator des Pop-up-Wanderrestaurants "Brandtner 63", in dem Gebäude ab der zweiten Junihälfte zumindest für die Dauer der Festspielzeit ein Restaurant betreiben werde. Am 28. Juni 2012 eröffnete er sein Restaurant mit dem Namen "Brandtner und seine Leit".
Anfang 2013 kaufte ATV-Chef Herbert Kloiber das Gebäude und seine Ehefrau Ursula, die darin ein Museum für ihre Krippensammlung eröffnete. Neben dem Kaffeehausbetrieb entstand auch ein Shop. Ursprünglich hätte das Museum im Sommer 2013 öffnen sollen. Im Herbst 2013 hieß es dann, dass die Wiener Kaffeehauskette Aida dort den Café-Betrieb übernehmen könnte. Zu einer Einigung zwischen der Familie Kloiber und den Aida-Besitzern kam es aber nicht. Im Frühjahr 2014 war schließlich von einem Projektentwickler für den Umbau zu erfahren, dass das Museum im Sommer eröffnen würde. Das war dann aber ebenfalls nicht der Fall. Der Wiener Projektentwickler sagte im Sommer gegenüber den "SN", dass der Umbau prinzipiell abgeschlossen sei. Tannenbäume auf dem Bauzaun deuteten seither auf den künftigen Zweck des Gebäudes hin, hinter den Fensterscheiben war "Salzburger Weihnachtsmuseum" zu lesen.[4] Das Weihnachtsmuseum wurde im Dezember 2014 eröffnet. Die unteren Räumlichkeiten, in die ein Kaffeehaus kommen sollte, standen zu diesem Zeitpunkt noch leer.[5]
2015: Wiedereröffnung des Kaffeehauses als "Café Glockenspiel"
Patrick Knittelfelder eröffnete Ende März 2015 gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Andreas Felleis neuerlich das "Café Glockenspiel" im Erdgeschoss. Die Fläche war verkleinert, dafür gab es einen Gastgarten und eine "bespielbare Terrasse". Die Einrichtung ist klassisch: Mahagoni, Leder, Messing. Es duftete wieder nach Tradition, nach Gabelfrühstück und nach Speisen, die zur Kaffeehauskultur gehören. Außerdem gab es etwas, das in Salzburg noch gefehlt hatte: "Eine Fisch- und Krabbensuppe zum Niederknien", sagte Knittelfelder[1]. Im ersten Stock befindet sich weiterhin das Weihnachtsmuseum.
Das Café als Filmdrehort
In den 1940er-Jahren wurde für den Film "Der kleine Grenzverkehr" unter anderem im Café Glockenspiel gedreht.[6]
Bilder
- Café Glockenspiel – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Weblink
Quellen
- Schriftenreihe des Vereins "Freunde der Salzburger Geschichte", Band 20, 1995, der Beitrag von Walburga Schobersberger Vom Cafégewölb zum Literatencafé
- www.doco.com/job/media/PI_Demel.pdf, Link war bei einer Überprüfung am 8. Jänner 2026 nicht mehr abrufbar
- "Salzburger Nachrichten", diverse Ausgaben im März und Mai 2012
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 "Salzburger Nachrichten", 7. Februar 2015 und 13. Februar online, ein Beitrag von Peter Gnaiger
- ↑ sn.at, Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 26. Juli 2006, Seite 7: Salzburg im Demel-Fieber
- ↑ vom 23. März 2012 in den "Salzburger Nachrichten"
- ↑ www.sn.at, abgefragt 30. Oktober 2014]
- ↑ salzburg.orf.at, 4. Dezember 2012
- ↑ ANNO, "Znaimer Tagblatt", Ausgabe vom 9. August 1943, Seite 4