Geographisches Institut 1964–1978: Unterschied zwischen den Versionen

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Dieser Artikel informiert über das '''Das Salzburger Geographische Institut''', das von [[1964]] bis [[1978]] unter diesem Namen bestand und zur Jahresmitte [[1978]] in '''Institut für Geographie''' umbenannt wurde.
Dieser Artikel informiert über das '''Das Salzburger Geographische Institut''', das von [[1964]] bis [[1978]] unter diesem Namen bestand und zur Jahresmitte [[1978]] in [[Institut für Geographie und Institut für Geographie und Angewandte Geoinformatik 1978–2003|Institut für Geographie]] umbenannt wurde.


== Das Geographische Institut in der Wolf-Dietrich-Straße 16 von 1964 bis 1969 ==
== Das Geographische Institut in der Wolf-Dietrich-Straße 16 von 1964 bis 1969 ==
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Den Aufwand für die Lehre hatten vorerst hauptsächlich Guido Müller als Assistent und Heinz Slupetzky als wissenschaftliche Hilfskraft zu tragen, denn Egon Lendl konnte wegen seinen Aufgaben zuerst als Dekan der Philosophischen Fakultät ([[1963]]/64) und dann als erster gewählter Rektor ([[1964]]/65) nur teilweise am Institut anwesend sein <ref>Slupetzky 2022</ref>. Sowohl in Forschung als auch in der Lehre waren das Landschaftskonzept, die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek ([[1957]]) und  das "Länderkundliche Schema" die damals herrschenden Paradigmen. Bei Letzterem werden für das zu untersuchende bzw. darzustellende Gebiet, Länder und Regionen der Reihe nach die geografischen Faktoren behandelt, beginnend mit Geologie und Boden über Klima, Bodenbedeckung, Siedlungen, Flur- und Hausformen, Bevölkerung und Wirtschaft bis zur Raumentwicklung, Raumnutzung und Raumplanung.<ref>Fasching 2013, S. 175</ref> Das Landschaftskonzept hingegen geht davon aus, dass Landschaft als "Ding an sich" existiert und damit über ein eigenes Wesen verfügt,<ref>Paffen 1973</ref> während die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek von einer stufenweisen Integration der einzelnen geografischen Elemente zu Partialkomplexen und weiter zu Gesamtkomplexen ausgeht. Dabei ist das Wirkungsgefüge der Komplexe jeweils mehr ist als die Summe ihrer Bestandteile. Die Partialkomplexe sind Untersuchungsgegenstand der Teilgebiete der Allgemeinen Geografie (Geomorphologie, Klimageografie, Bodengeografie, Hydrogeografie, Biogeografie, Stadtgeografie, Sozialgeografie etc.), während die Integration der Partialkomplexe als Landschaften bezeichnet werden und Untersuchungsgegenstand der Landschaftskunde sind. Die individuelle Integration bzw. die konkrete Ausprägung von Landschaften in einem bestimmten Gebiet ist Untersuchungsgegenstand der Länderkunde.<ref>Bobek 1957</ref> Während sich an den deutschen Universitäten bereits die Vorboten der sogenannten "Kieler Wende" abzeichneten und sowohl das Landschaftskonzept als auch das länderkundliche Schema stark unter Druck gerieten,<ref>Weichhart 1975, S. 2</ref> konnten sich an den geographischen Instituten in Österreich vorerst noch die Bewahrer der Tradition behaupten, wie man an den ersten Dissertationen des jungen Salzburger Instituts sehen kann.<ref>Bobek & Spreitzer 1969</ref>  
Den Aufwand für die Lehre hatten vorerst hauptsächlich Guido Müller als Assistent und Heinz Slupetzky als wissenschaftliche Hilfskraft zu tragen, denn Egon Lendl konnte wegen seinen Aufgaben zuerst als Dekan der Philosophischen Fakultät ([[1963]]/64) und dann als erster gewählter Rektor ([[1964]]/65) nur teilweise am Institut anwesend sein <ref>Slupetzky 2022</ref>. Sowohl in Forschung als auch in der Lehre waren das Landschaftskonzept, die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek ([[1957]]) und  das "Länderkundliche Schema" die damals herrschenden Paradigmen. Bei Letzterem werden für das zu untersuchende bzw. darzustellende Gebiet, Länder und Regionen der Reihe nach die geografischen Faktoren behandelt, beginnend mit Geologie und Boden über Klima, Bodenbedeckung, Siedlungen, Flur- und Hausformen, Bevölkerung und Wirtschaft bis zur Raumentwicklung, Raumnutzung und Raumplanung.<ref>Fasching 2013, S. 175</ref> Das Landschaftskonzept hingegen geht davon aus, dass Landschaft als "Ding an sich" existiert und damit über ein eigenes Wesen verfügt,<ref>Paffen 1973</ref> während die Integrationsstufenlehre von Hans Bobek von einer stufenweisen Integration der einzelnen geografischen Elemente zu Partialkomplexen und weiter zu Gesamtkomplexen ausgeht. Dabei ist das Wirkungsgefüge der Komplexe jeweils mehr ist als die Summe ihrer Bestandteile. Die Partialkomplexe sind Untersuchungsgegenstand der Teilgebiete der Allgemeinen Geografie (Geomorphologie, Klimageografie, Bodengeografie, Hydrogeografie, Biogeografie, Stadtgeografie, Sozialgeografie etc.), während die Integration der Partialkomplexe als Landschaften bezeichnet werden und Untersuchungsgegenstand der Landschaftskunde sind. Die individuelle Integration bzw. die konkrete Ausprägung von Landschaften in einem bestimmten Gebiet ist Untersuchungsgegenstand der Länderkunde.<ref>Bobek 1957</ref> Während sich an den deutschen Universitäten bereits die Vorboten der sogenannten "Kieler Wende" abzeichneten und sowohl das Landschaftskonzept als auch das länderkundliche Schema stark unter Druck gerieten,<ref>Weichhart 1975, S. 2</ref> konnten sich an den geographischen Instituten in Österreich vorerst noch die Bewahrer der Tradition behaupten, wie man an den ersten Dissertationen des jungen Salzburger Instituts sehen kann.<ref>Bobek & Spreitzer 1969</ref>  


[[1967]] erhielten die beiden Mitarbeiter Lendls weitere Unterstützung durch [[Malvine Stenzel]] (für Humangeographie) und [[Franz Zwittkovits]] (für Physische Geographie)  als neue Assistenten und auch durch [[Josef Schramm]], der von Egon Lendl nach Salzburg geholt wurde.<ref>Fasching 2013, S. 177ff</ref> Mit der Einstellung von Josef Schramm wurde der Salzburger Standort im Bereich der traditionellen Länderkunde sogar noch erheblich gestärkt. Eine Ursache dafür dürfte aber auch der Umstand sein, dass mit Hans Bobek einer der wesentlichen Akteure des traditionellen Systems in [[Wien]] lehrte, der mit seinem Beitrag über das logische System der Geographie aus dem Jahr [[1957]] den fachlichen Diskurs wesentlich beeinflusste. Bobek´s Schema und seine Integrationsstufenlehre sollten bis weit in die [[1970er]]-Jahre allgemeine Anerkennung als leitendes Paradigma der Geographie erfahren.<ref>ebd., S. 41-44</ref>
[[1967]] erhielten die beiden Mitarbeiter Lendls weitere Unterstützung durch [[Malvine Stenzel]] (für Humangeographie) und [[Franz Zwittkovits]] (für Physische Geographie)  als neue Assistenten und auch durch [[Josef Schramm (Universitätsprofessor)|Josef Schramm]], der von Egon Lendl nach Salzburg geholt wurde.<ref>Fasching 2013, S. 177ff</ref> Mit der Einstellung von Josef Schramm wurde der Salzburger Standort im Bereich der traditionellen Länderkunde sogar noch erheblich gestärkt. Eine Ursache dafür dürfte aber auch der Umstand sein, dass mit Hans Bobek einer der wesentlichen Akteure des traditionellen Systems in [[Wien]] lehrte, der mit seinem Beitrag über das logische System der Geographie aus dem Jahr [[1957]] den fachlichen Diskurs wesentlich beeinflusste. Bobek´s Schema und seine Integrationsstufenlehre sollten bis weit in die [[1970er]]-Jahre allgemeine Anerkennung als leitendes Paradigma der Geographie erfahren.<ref>ebd., S. 41-44</ref>
Der Schwerpunkt der Lehre lag somit neben der Unterrichtung der Arbeitsmethoden hauptsächlich in der Länderkunde. Josef Schramm wurde [[1968]] für das Gesamtgebiet der Geographie unter besonderer Berücksichtigung der ethnogeographischen Methoden habilitiert und war somit als Universitätsdozent eine wichtige Stütze für das Institut und baute die Entwicklungsländerforschung zu einem neuen Forschungsschwerpunkt aus.<ref>Fasching 2013, S. 178 und Bobek & Spreitzer 1969, S. 246-251</ref>
Der Schwerpunkt der Lehre lag somit neben der Unterrichtung der Arbeitsmethoden hauptsächlich in der Länderkunde. Josef Schramm wurde [[1968]] für das Gesamtgebiet der Geographie unter besonderer Berücksichtigung der ethnogeographischen Methoden habilitiert und war somit als Universitätsdozent eine wichtige Stütze für das Institut und baute die Entwicklungsländerforschung zu einem neuen Forschungsschwerpunkt aus.<ref>Fasching 2013, S. 178 und Bobek & Spreitzer 1969, S. 246-251</ref>


Als erste Dissertation am Salzburger Geographischen Institut wurde ein Jahr vor der "Kieler Wende" jene von [[Wilhelm Schaup|Wilhelm Schaup-Weinberg]] (dem späteren ersten Geschäftsführer des [[SIR]]) fertiggestellt. Diese umfassende Arbeit folgt in Aufbau und Inhalt den Vorgaben des so genannten "länderkundlichen Schemas"<ref>Schaup-Weinberg 1968</ref> Guido Müller promovierte in diesem Jahr in Innsbruck mit einer Dissertation über die Bedeutung der Landwirtschaft in der Stadt Salzburg, die in überarbeiteter Form im Jahr [[1972]] als zweiter Band der im Jahr [[1969]] durch Josef Schramm und [[Helmut Riedl]] gegründeten Schriftenreihe „Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg“ veröffentlicht wurde (ab Band 11: [[Salzburger Geographische Arbeiten]]).<ref>Müller 1971</ref> Dieser Band begründete den Selbstverlag der Schriftenreihe, da der Band 1 von Josef Schramm über die Westsahara im [[Freilassing]]er Pannonia-Verlag veröffentlicht wurde.<ref>Schramm 1969</ref>  Als erstes Heft der "[[Salzburger Geographische Materialien|Salzburger Exkursionsberichte]]" erschien bereits im Jahr 1968 der Bericht über die Tunesienexkursion.<ref>Schramm 1968</ref> Damit begründete Josef Schramm beide Salzburger Schriftenreihen.<ref>Riedl 2021, S. 41</ref>
Als erste Dissertation am Salzburger Geographischen Institut wurde ein Jahr vor der "Kieler Wende" jene von [[Wilhelm Schaup-Weinberg]] (dem späteren ersten Geschäftsführer des [[SIR]]) fertiggestellt. Diese umfassende Arbeit folgt in Aufbau und Inhalt den Vorgaben des so genannten "länderkundlichen Schemas"<ref>Schaup-Weinberg 1968</ref> Guido Müller promovierte in diesem Jahr in Innsbruck mit einer Dissertation über die Bedeutung der Landwirtschaft in der Stadt Salzburg, die in überarbeiteter Form im Jahr [[1972]] als zweiter Band der im Jahr [[1969]] durch Josef Schramm und [[Helmut Riedl]] gegründeten Schriftenreihe "Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg" veröffentlicht wurde (ab Band 11: [[Salzburger Geographische Arbeiten]]).<ref>Müller 1971</ref> Dieser Band begründete den Selbstverlag der Schriftenreihe, da der Band 1 von Josef Schramm über die Westsahara im [[Freilassing]]er Pannonia-Verlag veröffentlicht wurde.<ref>Schramm 1969</ref>  Als erstes Heft der "[[Salzburger Geographische Materialien|Salzburger Exkursionsberichte]]" erschien bereits im Jahr 1968 der Bericht über die [[Tunesien]]exkursion.<ref>Schramm 1968</ref> Damit begründete Josef Schramm beide Salzburger Schriftenreihen.<ref>Riedl 2021, S. 41</ref>


Mit Beginn des Sommersemesters [[1969]] begann Helmut Riedl seine Lehrtätigkeit an der Universität Salzburg, obwohl das Berufungsverfahren zu der im Jahr [[1968]] eingerichteten zweiten Professur noch nicht abgeschlossen war. Helmut Riedl berichtet in seinen Erinnerungen, dass er während der Berufungsverhandlungen seine erste Lehrveranstaltung im Wallistrakt als Honorarprofessor abgehalten hatte und der Dienstweg vom Hörsaal zum Institut als tägliche Entspannungsübung gesehen wurde.<ref>Riedl 2008, S.47, Arnberger et al 1971, S. 233</ref> Helmut Riedl wurde schließlich am [[3. Juni]] 1969 als Ordinarius für die Lehrkanzel Geographie II berufen<ref>Riedl 1999, S. 9</ref> und musste feststellen, dass in den engen Räumlichkeiten des Geographischen Instituts kein Dienstzimmer für ihn vorgesehen war. Letztlich konnte er Dank einer Initiative eines damaligen Studenten und späteren Mitarbeiters ein Studentenzimmer im vierten Stock in räumlicher Nähe des Instituts beziehen.<ref>Riedl 2008, S. 47</ref>
Mit Beginn des Sommersemesters [[1969]] begann Helmut Riedl seine Lehrtätigkeit an der Universität Salzburg, obwohl das Berufungsverfahren zu der im Jahr [[1968]] eingerichteten zweiten Professur noch nicht abgeschlossen war. Helmut Riedl berichtet in seinen Erinnerungen, dass er während der Berufungsverhandlungen seine erste Lehrveranstaltung im Wallistrakt als Honorarprofessor abgehalten hatte und der Dienstweg vom Hörsaal zum Institut als tägliche Entspannungsübung gesehen wurde.<ref>Riedl 2008, S.47, Arnberger et al 1971, S. 233</ref> Helmut Riedl wurde schließlich am [[3. Juni]] 1969 als Ordinarius für die Lehrkanzel Geographie II berufen<ref>Riedl 1999, S. 9</ref> und musste feststellen, dass in den engen Räumlichkeiten des Geographischen Instituts kein Dienstzimmer für ihn vorgesehen war. Letztlich konnte er Dank einer Initiative eines damaligen Studenten und späteren Mitarbeiters ein Studentenzimmer im vierten Stock in räumlicher Nähe des Instituts beziehen.<ref>Riedl 2008, S. 47</ref>
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Mit [[Karl Albrecht Kubinsky]] brachte Helmut Riedl einen ihm aus Graz bekannten Sozialgeografen ans Institut, der fast zehn Jahre lang neben Sozialgeografie auch 'Politische Geographie' unterrichtete und eine ganze Studentengeneration mit soziologischen Erhebungstechniken vertraut machte.<ref>Riedl 2021, S. 74</ref> Als erste Dissertation bei Helmut Riedl verfasste Wolfgang Kern eine wirtschafts- und sozialgeografische Untersuchung über das obere Mühlviertel.<ref>Kern 1972</ref> Wolfgang Kern wurde in der Folge nach Heinz Slupetzky und Erich Stocker der dritte Assistent in der Lehrkanzel von Helmut Riedl.<ref>Bobek et al 1974</ref>
Mit [[Karl Albrecht Kubinsky]] brachte Helmut Riedl einen ihm aus Graz bekannten Sozialgeografen ans Institut, der fast zehn Jahre lang neben Sozialgeografie auch 'Politische Geographie' unterrichtete und eine ganze Studentengeneration mit soziologischen Erhebungstechniken vertraut machte.<ref>Riedl 2021, S. 74</ref> Als erste Dissertation bei Helmut Riedl verfasste Wolfgang Kern eine wirtschafts- und sozialgeografische Untersuchung über das obere Mühlviertel.<ref>Kern 1972</ref> Wolfgang Kern wurde in der Folge nach Heinz Slupetzky und Erich Stocker der dritte Assistent in der Lehrkanzel von Helmut Riedl.<ref>Bobek et al 1974</ref>


Am [[18. Juli]] [[1972]] wurde Heinz Slupetzky nur zweieinhalb Jahre nach seiner Promotion für das Teilgebiet Hydrogeografie.<ref>Riedl 2021, S. 43</ref> Zu den Umständen, die zur Einschränkung dieser Venia führten, bestehen unterschiedliche Wahrnehmungen. Für Heinz Slupetzky selbst, hatte diese (unberechtigt) zu enge Venia den Vorteil, dass er damit nur geringe Chancen auf einen Ruf an eine andere Universität hatte, was ihm aufgrund seiner Forschungsschwerpunkte und seines Lebensmittelpunkts durchaus recht war.<ref>Slupetzky 2022, S. 71</ref>
Am [[18. Juli]] [[1972]] wurde Heinz Slupetzky nur zweieinhalb Jahre nach seiner Promotion für das Teilgebiet Hydrogeografie habilitiert.<ref>Riedl 2021, S. 43</ref> Zu den Umständen, die zur Einschränkung dieser Venia führten, bestehen unterschiedliche Wahrnehmungen. Für Heinz Slupetzky selbst, hatte diese (unberechtigt) zu enge Venia den Vorteil, dass er damit nur geringe Chancen auf einen Ruf an eine andere Universität hatte, was ihm aufgrund seiner Forschungsschwerpunkte und seines Lebensmittelpunkts durchaus recht war.<ref>Slupetzky 2022, S. 71</ref>


Über die Jahre [[1973]] bis [[1974]] berichtet der 35. 'Geographische Jahresbericht aus Österreich'.<ref>Arnberger et al. 1977</ref> Alleine die Besprechungen der Dissertation zeigen eine deutliche Verschiebung der Forschungsaktivitäten zur Lehrkanzel von Helmut Riedl. Als neue Lehrbeauftragte tauchen in diesem Bericht die Namen [[Helmut Hartl]] (Vegetationsgeografie), [[Wolfgang Schwackhöfer]] (Agrargeografie) und [[Peter Weichhart]] auf. Letzterer griff die fachinternen Diskussionen in der Folge der Kieler-Wende zur Wissenschaftlichkeit der Länderkunde und des Landschaftskonzepts auf und schlug in seiner Dissertation als Alternative zur drohenden Teilung des Faches in die 'Physische Geographie' und in die 'Humangeographie' einen neuen ökogeografischen Ansatz als Grundgerüst des Faches vor, den er als "Komplexe Geographie" bezeichnete.<ref>Weichhart 1973</ref>
Über die Jahre [[1973]] bis [[1974]] berichtet der 35. 'Geographische Jahresbericht aus Österreich'.<ref>Arnberger et al. 1977</ref> Alleine die Besprechungen der Dissertationen zeigen eine deutliche Verschiebung der Forschungsaktivitäten zur Lehrkanzel von Helmut Riedl. Als neue Lehrbeauftragte tauchen in diesem Bericht die Namen [[Helmut Hartl]] (Vegetationsgeografie), [[Wolfgang Schwackhöfer]] (Agrargeografie) und [[Peter Weichhart]] auf. Letzterer griff die fachinternen Diskussionen in der Folge der Kieler-Wende zur Wissenschaftlichkeit der Länderkunde und des Landschaftskonzepts auf und schlug in seiner Dissertation als Alternative zur drohenden Teilung des Faches in die 'Physische Geographie' und in die 'Humangeographie' einen neuen ökogeografischen Ansatz als Grundgerüst des Faches vor, den er als "Komplexe Geographie" bezeichnete.<ref>Weichhart 1973</ref>


Anfang 1973 erschien die Festschrift für Hanns Tollner als dritter Band der Schriftenreihe.<ref>Lendl & Riedl 1973</ref> Dieser von Guido Müller als Schriftleiter koordinierte Sammelband enthält eine Reihe herausragender Beiträge international renommierter Wissenschaftler aus [[Deutschland]], [[Slowenien]] (damals noch Teil von [[Jugoslawien]]) und [[Österreich]] von der Antarktis- und Arktisforschung bis zur regionalen Klimatologie, die auch heute noch von Relevanz sind. [[Hermann Suida]] wurde als Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut angestellt und arbeitete an einer Dissertation über die damals sehr prosperierende bayerische Stadt Freilassing im [[Rupertiwinkel]].
Anfang 1973 erschien die Festschrift für Hanns Tollner als dritter Band der Schriftenreihe.<ref>Lendl & Riedl 1973</ref> Dieser von Guido Müller als Schriftleiter koordinierte Sammelband enthält eine Reihe herausragender Beiträge international renommierter Wissenschaftler aus [[Deutschland]], [[Slowenien]] (damals noch Teil von [[Jugoslawien]]) und [[Österreich]] von der Antarktis- und Arktisforschung bis zur regionalen Klimatologie, die auch heute noch von Relevanz sind. [[Hermann Suida]] wurde als Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut angestellt und arbeitete an einer Dissertation über die damals sehr prosperierende bayerische Stadt Freilassing im [[Rupertiwinkel]].
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Am [[31. August]] 1973 wurde Guido Müller für das gesamte Fach Geografie habilitiert und bereits fast drei Jahre später, am [[19. August]] [[1976]], zum Außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt.<ref>Riedl 2021, S. 45</ref> Guido Müller war durch seinen ausgleichenden Charakter eine wesentliche Stütze für das damals trotz vieler interner Quereleien nach außen einig auftretende Institut, das trotz der Spaltungstendenzen an vielen deutschen Hochschulen die Fahne der Einheitsgeographie vor sich her trug.
Am [[31. August]] 1973 wurde Guido Müller für das gesamte Fach Geografie habilitiert und bereits fast drei Jahre später, am [[19. August]] [[1976]], zum Außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt.<ref>Riedl 2021, S. 45</ref> Guido Müller war durch seinen ausgleichenden Charakter eine wesentliche Stütze für das damals trotz vieler interner Quereleien nach außen einig auftretende Institut, das trotz der Spaltungstendenzen an vielen deutschen Hochschulen die Fahne der Einheitsgeographie vor sich her trug.


Das Forschungssemester von Helmut Riedl im Sommersemester [[1994]] nutzte dieser zur Begründung eines regionalen Schwerpunkts in Forschung und Lehre, nämlich der Landeskunde von [[Griechenland]]. Dieser, auch bei den Studierenden sehr populäre landeskundliche Schwerpunkt sollte de facto bis zur Emeritierung von Helmut Riedl bzw. der Pensionierung von [[Herbert Weingartner]] einer der wichtigsten des Instituts werden. Der Beginn dieses Forschungsschwerpunkts wird zwei Jahre später mit einem Band der Schriftenreihe dokumentiert werden.<ref>Riedl 1976</ref>
Das Forschungssemester von Helmut Riedl im Sommersemester [[1974]] nutzte dieser zur Begründung eines regionalen Schwerpunkts in Forschung und Lehre, nämlich der Landeskunde von [[Griechenland]]. Dieser, auch bei den Studierenden sehr populäre landeskundliche Schwerpunkt sollte de facto bis zur Emeritierung von Helmut Riedl bzw. der Pensionierung von [[Herbert Weingartner]] einer der wichtigsten des Instituts werden. Der Beginn dieses Forschungsschwerpunkts wird zwei Jahre später mit einem Band der Schriftenreihe dokumentiert werden.<ref>Riedl 1976</ref>


[[Hermann Suida]] promovierte [[1974]] mit einer Dissertation über die Grenzstadt Freilassing, wurde Assistent bei der Lehrkanzel von Egon Lendl und übernahm das "kulturgeographische Proseminar" von Malvine Stenzel, die in dieser Zeit in den Ruhestand trat.
[[Hermann Suida]] promovierte [[1974]] mit einer Dissertation über die Grenzstadt Freilassing, wurde Assistent bei der Lehrkanzel von Egon Lendl und übernahm das "kulturgeographische Proseminar" von Malvine Stenzel, die in dieser Zeit in den Ruhestand trat.
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Der erste Band der Beiträge zur Landeskunde von Griechenland präsentierte die ersten Ergebnisse dieses Forschungsschwerpunkts.<ref>Riedl 1976</ref>
Der erste Band der Beiträge zur Landeskunde von Griechenland präsentierte die ersten Ergebnisse dieses Forschungsschwerpunkts.<ref>Riedl 1976</ref>


Heinz Slupetzky war [[1976]]/77 „Visiting Professor“ am ''College of Mines and Earth Resources'' an der ''University of Idaho'', Moscow, ID, [[USA]].<ref>E-Mail von Heinz Slupetzky vom 4. Juli 2022</ref>
Heinz Slupetzky war [[1976]]/77 "Visiting Professor" am ''College of Mines and Earth Resources'' an der ''University of Idaho'', Moscow, ID, [[USA]].<ref>E-Mail von Heinz Slupetzky vom 4. Juli 2022</ref>
 
 
Am [[30. September]] [[1977]] emeritierte Egon Lendl und Riedl wurde Vorsitzender der Berufungskommission.<ref>Riedl 2008, S. 106</ref> Das Berufungsverfahren wird sich in der Folge bis ins Jahr 1980 ziehen.
Am [[30. September]] [[1977]] emeritierte Egon Lendl und Riedl wurde Vorsitzender der Berufungskommission.<ref>Riedl 2008, S. 106</ref> Das Berufungsverfahren wird sich in der Folge bis ins Jahr 1980 ziehen.
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Im Jahr 1978 erfolgte die Umbenennung des Geographischen Instituts in '''Institut für Geographie der Universität Salzburg'''.<ref>Riedl 2021, S. 80, Arnberger et al 1979, S. 127</ref>
Im Jahr 1978 erfolgte die Umbenennung des Geographischen Instituts in '''Institut für Geographie der Universität Salzburg'''.<ref>Riedl 2021, S. 80, Arnberger et al 1979, S. 127</ref>
== Quellen==
== Quellen==
* [https://www.plus.ac.at/ www.plus.ac.at]
* [https://www.plus.ac.at/ www.plus.ac.at]
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* Schaup-Weinberg, Wilhelm (1968): ''Badgastein. Die Geographie eines Weltkurortes"'. Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, XII+620 S. 
* Schaup-Weinberg, Wilhelm (1968): ''Badgastein. Die Geographie eines Weltkurortes"'. Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, XII+620 S. 
* Spangenberg-Resmann, Dagmar (1978): ''Die Entwicklung der Almwirtschaft in den Oberpinzgauer Tauerntälern''. Salzburg: (= Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg, Bd. 5), 216 S. + Anhang.
* Spangenberg-Resmann, Dagmar (1978): ''Die Entwicklung der Almwirtschaft in den Oberpinzgauer Tauerntälern''. Salzburg: (= Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg, Bd. 5), 216 S. + Anhang.
* Schramm, Josef, Hrsg. (1968): ''Geographische Beobachtungen in Tunesien''. Salzburg: ( = Exkursionsberichte aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg).
* Schramm, Josef, Hrsg. (1968): ''Geographische Beobachtungen in [[Tunesien]]''. Salzburg: ( = Exkursionsberichte aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg).
* Schramm, Josef (1969): ''Die Westsahara. Geographische Betrachtung einer mehrrassischen Gesellschaftsordnung der westsaharischen Viehzüchter in der Berührung mit der modernen Industriegesellschaft''. Freilassing: Pannonia-Verlag, 172 S. 
* Schramm, Josef (1969): ''Die Westsahara. Geographische Betrachtung einer mehrrassischen Gesellschaftsordnung der westsaharischen Viehzüchter in der Berührung mit der modernen Industriegesellschaft''. Freilassing: Pannonia-Verlag, 172 S. 
* Seifriedsberger, Anton (1978): ''Geographie und Nationalpark Hohe Tauern: Abgrenzungsvorschlag im Nordwestlichen Bereich. Auswertungs- und Anwendungsmöglichkeiten der Nationalparkidee in der Schulgeographie''. Dissertation an der Naturwissenschaftlichrn Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, 272 S. + Anhang.
* Seifriedsberger, Anton (1978): ''Geographie und Nationalpark Hohe Tauern: Abgrenzungsvorschlag im Nordwestlichen Bereich. Auswertungs- und Anwendungsmöglichkeiten der Nationalparkidee in der Schulgeographie''. Dissertation an der Naturwissenschaftlichrn Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, 272 S. + Anhang.
* Slupetzky, Heinz (2022): ''Ausschnitte aus den „Erinnerungen“ von Heinz Slupetzky (Fassung vom 30.4.22)''. (unveröff. Manuskript).
* Slupetzky, Heinz (2022): ''Ausschnitte aus den "Erinnerungen" von Heinz Slupetzky (Fassung vom 30.4.22)''. (unveröff. Manuskript).
* Stocker, Erich (1976): ''Klimamorphologische Untersuchungen auf der Mani-Halbinsel mit besonderer Berücksichtigung der Formengruppe Glatthang-Pediment-Karstrandebene''. - In: Riedl, Helmut (Hrsg): ''Beiträge zur Landeskunde von Griechenland''. Salzburg: (= Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg, Bd. 6), S. 91-228
* Stocker, Erich (1976): ''Klimamorphologische Untersuchungen auf der Mani-Halbinsel mit besonderer Berücksichtigung der Formengruppe Glatthang-Pediment-Karstrandebene''. - In: Riedl, Helmut (Hrsg): ''Beiträge zur Landeskunde von Griechenland''. Salzburg: (= Arbeiten aus dem Geographischen Institut der Universität Salzburg, Bd. 6), S. 91-228
* Suida, Hermann (1974): ''Freilassing. Geographie einer Grenzstadt unter besonderer Berücksichtigung der innerstädtischen Gliederung''. Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, 231 S. 
* Suida, Hermann (1974): ''Freilassing. Geographie einer Grenzstadt unter besonderer Berücksichtigung der innerstädtischen Gliederung''. Dissertation an der Philosophischen Fakultät der Universität Salzburg. Salzburg, 231 S. 
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== Anmerkung zur Schreibung "Geographie" ==
== Anmerkung zur Schreibung "Geographie" ==
Im [[Salzburgwiki]] werden jeweils die zeitgeschichtlich bezogenen damaligen Schreiweisen von Instituten, geografischen Eigennamen usw. verwendet. Allgemeine Nennungen von geografischen Begriffen und Fachbereichen werden jedenfalls dann mit '''f''' hier geschrieben, wenn es der Duden als empfohlene Schreibweise vorschlägt.
Im [[SALZBURGWIKI]] werden jeweils die zeitgeschichtlich bezogenen damaligen Schreiweisen von Instituten, geografischen Eigennamen usw. verwendet. Allgemeine Nennungen von geografischen Begriffen und Fachbereichen werden jedenfalls dann mit '''f''' hier geschrieben, wenn es der Duden als empfohlene Schreibweise vorschlägt.
 
{{Zeitfolge
|AMT= [[Geographische Einrichtungen an der Universität Salzburg 1965–2021]]
|ZEIT= [[1964]]–[[1978]]
|VORGÄNGER= -
|NACHFOLGER= [[Institut für Geographie und Institut für Geographie und Angewandte Geoinformatik 1978–2003]]
}}
 


[[Kategorie:Kultur und Bildung]]
[[Kategorie:Kultur und Bildung]]