Trentino: Unterschied zwischen den Versionen

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{{Salzburgbezug}}Das '''Trentino''', amtlich ''Autonome Provinz Trient'', ist eine autonome Provinz der [[Italien|Italienischen Republik]].
Das '''Trentino''', amtlich ''Autonome Provinz Trient'', ist eine autonome Provinz der [[Italien|Italienischen Republik]].


== Politische Verfassung ==
== Politische Verfassung ==
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== Historische Territorialverhältnisse ==
== Historische Territorialverhältnisse ==
Der Großteil des heutigen Trentino bildete vom [[Mittelalter]] bis zur [[Säkularisierung]] ([[1803]]) das Territorium des [[Erzbistum Trient|Fürstbistums (Hochstiftes) Trient]]. Andere Gebiete gehörten als ''Welsche Confinen''(darunter Rovereto, [[Welsperg|Primör]] [Primiero], Grafschaft [[Arco]]) zu [[Tirol]]. Auch die ehemalige Grafschaft [[Lodron]] lag im heutigen Trentino. Von [[1815]] bis [[1918]] gehörte das Gebiet des Trentino zu [[Tirol]] und wurde damals Welschtirol genannt.
Der Großteil des heutigen Trentino bildete vom [[Mittelalter]] bis zur [[Säkularisierung]] ([[1803]]) das Territorium des [[Erzbistum Trient|Fürstbistums (Hochstiftes) Trient]]. Andere Gebiete gehörten als "''Welsche Confinen''" (darunter Rovereto, [[Welsperg|Primör]] [Primiero], Grafschaft [[Arco]]) zu [[Tirol]]. Auch die ehemalige Grafschaft [[Lodron]] lag im heutigen Trentino. Von [[1815]] bis [[1918]] gehörte das Gebiet des Trentino zu [[Tirol]] und wurde damals Welschtirol genannt.


== Geschichtliche Verbindungen zu Salzburg ==
== Geschichtliche Verbindungen zu Salzburg ==
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Das Trienter Domkapitel war stets weltpriesterlich, in Salzburg standen die 24 Domkapitulare von [[1122]] bis [[1514]] unter der Ordensregel der Augustiner-Chorherren. Erst dann wurden auch sie weltpriesterlich.
Das Trienter Domkapitel war stets weltpriesterlich, in Salzburg standen die 24 Domkapitulare von [[1122]] bis [[1514]] unter der Ordensregel der Augustiner-Chorherren. Erst dann wurden auch sie weltpriesterlich.


=== 3. aus dem Gebiet stammten zahlreiche Salzburger Fürsterzbischöfe und Domherren ===
=== 3. Aus dem Gebiet stammten mehrere Salzburger Fürsterzbischöfe und Domherren ===
Stammten die Salzburger Erzbischöfe des [[Mittelalter]]s bis in die erste Hälfte des [[16. Jahrhundert]]s aus verschiedenen [[Herzogtum Bayern|baierischen]], schwäbischen und babenbergisch-[[Habsburger|habsburgischen]] Adelsfamilien, nur zwei aus dem salzburgischen Landadel, keiner aus Tirol, so kamen ab Mitte des [[16. Jahrhundert]]s vermehrt Erzbischöfe aus südlicheren Ländern.
Stammten die Salzburger Erzbischöfe des [[Mittelalter]]s bis in die erste Hälfte des [[16. Jahrhundert]]s aus verschiedenen [[Herzogtum Bayern|baierischen]], schwäbischen und babenbergisch-[[Habsburger|habsburgischen]] Adelsfamilien, nur zwei aus dem salzburgischen Landadel, keiner aus Tirol, so kamen ab Mitte des [[16. Jahrhundert]]s vermehrt Erzbischöfe aus südlicheren Ländern.


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Fürsterzbischof [[Paris Graf Lodron]] war in der Landschaft ''Valle Lagarina'' bei Rovereto geboren und begütert, Fürsterzbischof [[Guidobald Graf von Thun und Hohenstein]] stammte, wie [[Khuen von Belasy]], aus dem Nonstal, [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] entstammte einem alten Südtiroler Geschlecht, dessen Familienschloss nahe der südlichen Talsperre des Nonstals bei Mezzolombardo ist.
Fürsterzbischof [[Paris Graf Lodron]] war in der Landschaft ''Valle Lagarina'' bei Rovereto geboren und begütert, Fürsterzbischof [[Guidobald Graf von Thun und Hohenstein]] stammte, wie [[Khuen von Belasy]], aus dem Nonstal, [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] entstammte einem alten Südtiroler Geschlecht, dessen Familienschloss nahe der südlichen Talsperre des Nonstals bei Mezzolombardo ist.


Firmian verstand es, seine Vettern und Onkel in Salzburg unterzubringen und ihnen angemessene Stellungen zu verschaffen ([[Nepotismus im Fürsterzbistum Salzburg]]). Leopold Ernst von [[Firmian]] (* [[1708]]; † [[1783]], [[Bischof von Passau|Fürstbischof]] des [[Bistum Passau|Bistums Passau]]) und [[Vigilius Maria Reichsfürst von Firmian|Vigilio Maria von Firmian]] (* [[1714]]; † [[1788]], [[Dompropst]] in Salzburg, dann [[Bischof von Lavant]]), beide Neffen des Fürsterzbischofs, waren im neunköpfigen Konsistorialrat vertreten. Auch zwei Cousins des Fürsterzbischofs, Joseph Franz Valerian und Johann Georg Anton Graf [[Arco]], waren in Salzburg. Der erstere war Domherr und später [[Bischöfe von Chiemsee|Bischof von Chiemsee]], während Georg Anton eine weltliche Laufbahn einschlug. Ein anderes Familienmitglied, [[Franz Laktanz Graf von Firmian]], bekam [[Schloss Leopoldskron]].
Firmian verstand es, seine Cousins und Onkel in Salzburg unterzubringen und ihnen angemessene Stellungen zu verschaffen ([[Nepotismus im Fürsterzbistum Salzburg]]). Leopold Ernst von [[Firmian]] (* [[1708]]; † [[1783]], [[Bischof von Passau|Fürstbischof]] des [[Bistum Passau|Bistums Passau]]) und [[Vigilius Maria Reichsfürst von Firmian|Vigilio Maria von Firmian]] (* [[1714]]; † [[1788]], [[Dompropst]] in Salzburg, dann [[Bischof von Lavant]]), beide Neffen des Fürsterzbischofs, waren im neunköpfigen Konsistorialrat vertreten. Auch zwei Cousins des Fürsterzbischofs, Joseph Franz Valerian und Johann Georg Anton Graf [[Arco]], waren in Salzburg. Der erstere war Domherr und später [[Bischöfe von Chiemsee|Bischof von Chiemsee]], während Georg Anton eine weltliche Laufbahn einschlug. Ein anderes Familienmitglied, [[Franz Laktanz Graf von Firmian]], bekam [[Schloss Leopoldskron]].


Aus dem Grafengeschlecht der [[Spaur]] aus dem südlichen Nonstal, stammten zwischen [[1636]] und [[1806]] sieben Domherren. Darunter waren [[Franz Vigil Graf von Spaur und Valör|Franz Vigil]] (* [[1609]]; † [[1670]], [[Domdechant]] und Bischof von Chiemsee) und [[Friedrich Franz Joseph Graf Spaur]].
Aus dem Grafengeschlecht der [[Spaur]] aus dem südlichen Nonstal, stammten zwischen [[1636]] und [[1806]] sieben Domherren. Darunter waren [[Franz Vigil Graf von Spaur und Valör|Franz Vigil]] (* [[1609]]; † [[1670]], [[Domdechant]] und Bischof von Chiemsee) und [[Friedrich Franz Joseph Graf Spaur]].
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Hofbeamte bezogen die Salzburger Fürsterzbischöfe ebenfalls aus dem Trentino: [[Gentilotti von Engelsbrunn|Johann Franz Gentilotti von Engelsbrunn]] ([[Hofkanzler]] [[1716]]–[[1729]]) stammte aus Trient, [[Hieronymus Cristani von Rall|Hieronymus (Freiherr) Christani von Rall]] (Hofkanzler [[1731]]–[[1751]]) aus einem im Nonstal begüterten Geschlecht.
Hofbeamte bezogen die Salzburger Fürsterzbischöfe ebenfalls aus dem Trentino: [[Gentilotti von Engelsbrunn|Johann Franz Gentilotti von Engelsbrunn]] ([[Hofkanzler]] [[1716]]–[[1729]]) stammte aus Trient, [[Hieronymus Cristani von Rall|Hieronymus (Freiherr) Christani von Rall]] (Hofkanzler [[1731]]–[[1751]]) aus einem im Nonstal begüterten Geschlecht.


Weiters stammte [[Joseph Maria Graf von Thun und Hohenstein]], [[Bischof von Gurk]] und Fürstbischof von [[Passau]], aus Trient.
Weiters stammten [[Joseph Maria Graf von Thun und Hohenstein]], [[Bischof von Gurk]] und Fürstbischof von [[Passau]] und [[Johann Paul Ciurletti]], Salzburger [[Weihbischof]], aus Trient.


=== 4. Studenten aus dem Fürstbistum Trient studierten an der Salzburger Alma mater paridiana ===
=== 4. Studenten aus dem Fürstbistum Trient studierten an der Salzburger Alma mater paridiana ===
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[[Johann Baptist Lampi der Ältere]] (Giovanni Battista, Giambattista, * 1751; † [[1830]]), ebenfalls im Nonstal geboren, war Maler.
[[Johann Baptist Lampi der Ältere]] (Giovanni Battista, Giambattista, * 1751; † [[1830]]), ebenfalls im Nonstal geboren, war Maler.


[[Johann Nepomuk della Croce]] (* [[1736]] in Pressano bei Trient; † [[1819]] in [[Burghausen]], [[Oberbayern]]) war Schüler seines Onkels [[Peter Anton Lorenzoni]], und Maler. Sein Bild der Familie [[Mozart]] von [[1781]] ist wohl sein bekanntestes Gemälde. Ein Selbstportrait findet sich in der [[Benediktinerabtei Michaelbeuern]], ein Portrait des [[Abt der Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Abtes]] [[Dominikus Hagenauer]] im [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktinerstift St. Peter]].
[[Johann Nepomuk della Croce]] (* [[1736]] in Pressano bei Trient; † [[1819]] in [[Burghausen]], [[Oberbayern]]) war Schüler seines Onkels [[Peter Anton Lorenzoni]], und Maler. Sein Bild der Familie [[Mozart]] von [[1781]] ist wohl sein bekanntestes Gemälde. Ein Selbstportrait findet sich in der [[Benediktinerabtei Michaelbeuern]], ein Portrait des [[Abt der Benediktinererzabtei St. Peter|Abtes]] [[Dominikus Hagenauer]] im [[Benediktinererzabtei St. Peter|Benediktinerstift St. Peter]].


[[Giuseppe Tomaselli]] (* [[1758]] in Rovereto; † [[1836]] in Würzburg, Bayern), Sänger und Begründer der Kaffeehaus-Dynastie [[Tomaselli]], war gebürtiger Trentiner. Er wanderte nach Salzburg aus, wo er auch begraben liegt ([[Friedhof von St. Peter]]).
[[Giuseppe Tomaselli]] (* [[1758]] in Rovereto; † [[1836]] in Würzburg, Bayern), Sänger und Begründer der Kaffeehaus-Dynastie [[Tomaselli]], war gebürtiger Trentiner. Er wanderte nach Salzburg aus, wo er auch begraben liegt ([[Friedhof von St. Peter]]).


=== 6. Beziehungen während der Zugehörigkeit des Fürstbistums Trient zur Salzburger Kirchenprovinz von 1826 bis 1920 ===
=== 6. Beziehungen während der Zugehörigkeit des Fürstbistums Trient zur Salzburger Kirchenprovinz von 1826 bis 1920 ===
==== 1816 bis 1920 ====
Von [[1816]] bis [[1920]] war das [[Bistum Trient]] als [[Suffraganbistum]] Teil der [[Salzburger Kirchenprovinz|Kirchenprovinz Salzburg]] und unterstand damit dem [[Salzburger Erzbischof]]. Seit 1920 ist die Diözese dem Papst unterstellt, 1929 wurde sie zum Erzbistum erhoben.
==== 1915 bis 1918 ====
==== 1915 bis 1918 ====
Das [[Salzburger Hausregiment Erzherzog Rainer Nr. 59]] wurde im Frühjahr [[1916]] von seinem bisherigen Einsatzort in [[Galizien]] (Ostfront) an die Südfront in das Trentino verlegt. Nach der Mai-Offensive wurde der ''Monte Cimone'' nördlich Arsiero der ''Berg der Rainer''. Von diesem heiß umkämpften und am [[23. September]] 1916 gesprengten Berggipfel sah man bei klarem Wetter bis Vicenza im [[Venetien|Veneto]]. In den Monaten des Stellungskriegs bauten die ''Rainer'' und ihr [[oberösterreich]]isches Nachbarregiment Nr. 14 (die "Hessen") den bisherigen Almweg ''Folga − Passo de la Vena'' zur "Hessen-Rainer-Straße" aus. Die Straße ist noch heute in Betrieb.  
Das [[Salzburger Hausregiment Erzherzog Rainer Nr. 59]] wurde im Frühjahr [[1916]] von seinem bisherigen Einsatzort in [[Galizien]] (Ostfront) an die Südfront in das Trentino verlegt. Nach der Mai-Offensive wurde der ''Monte Cimone'' nördlich von Arsiero zum "Berg der Rainer". Von diesem heiß umkämpften und am [[23. September]] 1916 gesprengten Berggipfel sah man bei klarem Wetter bis Vicenza im [[Venetien|Veneto]]. In den Monaten des Stellungskriegs bauten die ''Rainer'' und ihr [[oberösterreich]]isches Nachbarregiment Nr. 14 (die "Hessen") den bisherigen Almweg ''Folga − Passo de la Vena'' zur "Hessen-Rainer-Straße" aus. Die Straße ist noch heute in Betrieb.  


Nach einigen Wochen der Erholung im Mai [[1917]] in Levico (Terme), einem kurzen Aufenthalt im Herbst in Trient, ging es an die Isonzo-Front im Veneto<ref>Genauer gesagt gelang es den österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen Ende Oktober 1917, die Front vom Isonzo ([[Küstenland|Julisch-Venetien]]) an den Piave (also in das Veneto) vorzuschieben.</ref>. Nach dem Zusammenbruch der Front [[1918]] marschierten die Überlebenden über das Gebiet der "Sieben Gemeinden" (''Sette comuni''), durch das Suganatal nach Cavalese und weiter nach Bozen. Mit der Bahn trafen sie dann am [[12. November]] 1918 in der Stadt Salzburg ein.
Nach einigen Wochen der Erholung im Mai [[1917]] in Levico Terme, einem kurzen Aufenthalt im Herbst in Trient, ging es an die Isonzo-Front im Veneto<ref>Genauer gesagt gelang es den österreichisch-ungarischen und deutschen Truppen Ende Oktober 1917, die Front vom Isonzo ([[Küstenland|Julisch-Venetien]]) an den Piave (also in das Veneto) vorzuschieben.</ref>. Nach dem Zusammenbruch der Front [[1918]] marschierten die Überlebenden über das Gebiet der "Sieben Gemeinden" (''Sette comuni''), durch das Suganatal nach Cavalese und weiter nach Bozen. Mit der Bahn trafen sie dann am [[12. November]] 1918 in der Stadt Salzburg ein.


In Folgaria gibt es einen Kriegerfriedhof des Salzburger Hausregiments Erzherzog Rainer Nr. 59 mit 1&nbsp;760 namentlich bekannten und 640 unbekannten Österreichern. Nach einer Restaurierung des Friedhofs waren bei der Neueinweihung am [[12. September]] [[1971]] Salzburgs [[Landeshauptmann]] DDr. [[Hans Lechner]], [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]]-Stellvertreter Dr. [[Franz Kläring]] und natürlich eine Abordnung der "Rainer" dabei.
In Folgaria gibt es einen [[Friedhof des Rainer-Regiments in Folgaria|Kriegerfriedhof]] des Salzburger Hausregiments Erzherzog Rainer Nr. 59 mit 1&nbsp;760 namentlich bekannten und 640 unbekannten Österreichern. Nach einer Restaurierung des Friedhofs waren bei der Neueinweihung am [[12. September]] [[1971]] Salzburgs [[Landeshauptmann]] DDr. [[Hans Lechner]], [[Bürgermeister der Stadt Salzburg|Bürgermeister]]-Stellvertreter Dr. [[Franz Kläring]] und natürlich eine Abordnung der "Rainer" dabei.


=== Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Salzburg und Trient ===
=== Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Salzburg und Trient ===
Die autonome Provinz Trient und das [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Land Salzburg]] haben am [[2. Oktober]] [[1981]] ein Partnerschaftsabkommen zu ''gedeihlicher und freundschaftlicher Zusammenarbeit'' geschlossen. Dieses Abkommen wurde von [[Landeshauptmann]] Dr. [[Wilfried Haslauer senior|Wilfried Haslauer]] und dem Präsidenten der autonomen Provinz Trient, Dr. Flavio Mengoni, unterzeichnet.
Die autonome Provinz Trient und das [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Land Salzburg]] haben am [[2. Oktober]] [[1981]] ein Partnerschaftsabkommen zu ''gedeihlicher und freundschaftlicher Zusammenarbeit'' geschlossen. Dieses Abkommen wurde von Landeshauptmann Dr. [[Wilfried Haslauer senior]] und dem Präsidenten der autonomen Provinz Trient, Dr. Flavio Mengoni, unterzeichnet.


== Trentino und Salzburg im Vergleich ==
== Trentino und Salzburg im Vergleich ==