Gabrielskapelle: Unterschied zwischen den Versionen

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== Geschichte ==
== Geschichte ==
Die Kapelle wurde von [[1597]] bis [[1603]] - zur Lebens- und Regierungszeit des Fürsterzbischofs ([[1587]] bis [[1612]]) - in der Mitte des Sebastiansfriedhofs errichtet. Der architektonische Entwurf sowie die überaus originelle teils keramische, teils stuckierte Innendekoration stammen vom italienischen Baumeister und Stu­cka­teur [[Elia Castello]] († [[23. Jänner]] [[1602]]). Die Ausführung dürfte den Salzburger Hafnermeistern Georg Aigenstueler und seit 1603 seinem Nachfolger Hans Khop zuschreiben sein. Sie hatten ihre Werkstätte im Hafnerhaus in der [[Steingasse]] Nr. 63, wo die Herstellung der Tonfliesen mit ihren durch mineralische ­Zusätze erzielten  verschiedenfarbigen Glasuren für die Gabrielskapelle ­vor sich ging.<ref>[https://www.facebook.com/peter.krackowizer/posts/10216173699126557?comment_id=10216173890851350&notif_id=1590412664894836&notif_t=feed_comment ANNO], Österreichische Monatsschrift für den öffentlichen Baudienst, 1916, Ausgabe 16, Seite 5</ref>
Die Kapelle wurde von [[1597]] bis [[1603]] - zur Lebens- und Regierungszeit des Fürsterzbischofs ([[1587]] bis [[1612]]) - in der Mitte des Sebastiansfriedhofs errichtet. Der architektonische Entwurf sowie die überaus originelle teils keramische, teils stuckierte Innendekoration stammen vom italienischen Baumeister und Stu­cka­teur [[Elia Castello]] († [[23. Jänner]] [[1602]]). Die Ausführung dürfte den Salzburger Hafnermeistern Georg Aigenstueler und seit 1603 seinem Nachfolger Hans Khop zuschreiben sein. Sie hatten ihre Werkstätte im Hafnerhaus in der [[Steingasse]] Nr. 63, wo die Herstellung der Tonfliesen mit ihren durch mineralische ­Zusätze erzielten  verschiedenfarbigen Glasuren für die Gabrielskapelle ­vor sich ging.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ofb&datum=1916&page=475&size=45 ANNO], Österreichische Monatsschrift für den öffentlichen Baudienst, 1916, Ausgabe 16, Seite 5</ref>


An der Ausstattung der Kapelle waren ferner beteiligt: Giacomo Bertolt, dessen Name mit dem Datum 1600 über der Altarnische im Stuck eingeritzt ist, und Stefan Grosser, [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürger]] und Kupferschmied in Salzburg, der das Dach der Kapelle 1603 mit Kupfer deckte.
An der Ausstattung der Kapelle waren ferner beteiligt: Giacomo Bertolt, dessen Name mit dem Datum 1600 über der Altarnische im Stuck eingeritzt ist, und Stefan Grosser, [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürger]] und Kupferschmied in Salzburg, der das Dach der Kapelle 1603 mit Kupfer deckte.
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Wolf Dietrich starb am [[16. Jänner]] [[1617]] nach fünfjähriger Haft auf der [[Festung Hohensalzburg]] und wurde er am [[19. Jänner]] 1617 - entgegen den Bestimmungen in seinem Testament - auf Veranlassung seines Nachfolgers Fürsterzbischof [[Markus Sittikus von Hohenems]] in einem großen prunkvollen Begräbnis in der Gabrielskapelle beigesetzt.  
Wolf Dietrich starb am [[16. Jänner]] [[1617]] nach fünfjähriger Haft auf der [[Festung Hohensalzburg]] und wurde er am [[19. Jänner]] 1617 - entgegen den Bestimmungen in seinem Testament - auf Veranlassung seines Nachfolgers Fürsterzbischof [[Markus Sittikus von Hohenems]] in einem großen prunkvollen Begräbnis in der Gabrielskapelle beigesetzt.  


[[1693]] ließ Fürsterzbischof [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein]] anlässlich des 100jährigen Bestehens von Grund auf renovieren. Weitere Restaurierungen gab es neben anderen [[1660]], [[1750]], [[1865]] und [[1887]]–[[1888]].<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=slk&datum=19030003&query=((text:Gabrielskapelle))&ref=anno-search&seite=251 ANNO], [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], 1903, Seite 248</ref> Die Gabrielskapelle wurde um [[2000]] von der Stadtrestauratorin [[Ursula Mair]] und ihren Mitarbeitern in Stand gesetzt.
[[1693]] ließ Fürsterzbischof [[Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein]] anlässlich des 100jährigen Bestehens von Grund auf renovieren. Weitere Restaurierungen gab es neben anderen [[1660]], [[1750]], [[1865]] und [[1887]]–[[1888]].<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=slk&datum=19030003&query=((text:Gabrielskapelle))&ref=anno-search&seite=251 ANNO], [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], 1903, Seite 248</ref> Die Gabrielskapelle wurde um [[2000]] von der Stadtrestauratorin [[Ursula Mair]] und ihren Mitarbeitern in Stand gesetzt.


Um [[1735]] wurde die ''"S. Gabriels Capellen in dem Gottsacker zu S. Sebastian in Saltzburg"'' auf einem kolorierter Kupferstich von Wehrlin in dem Sammelwerk von [[Anton Danreiter]], "Die Saltzburgische Kirchen-Prospect", gedruckt in Augsburg bei Pfeffel um 1735, 20,5 x 33,5 cm, dargestellt.<ref>[https://www.zvab.com/servlet/BookDetailsPL?bi=17460659082&searchurl=hl%3Don%26kn%3Ddanreiter%26sortby%3D20&cm_sp=snippet-_-srp1-_-title25 www.zvab.com]</ref>
Um [[1735]] wurde die ''"S. Gabriels Capellen in dem Gottsacker zu S. Sebastian in Saltzburg"'' auf einem kolorierter Kupferstich von Wehrlin in dem Sammelwerk von [[Anton Danreiter]], "Die Saltzburgische Kirchen-Prospect", gedruckt in Augsburg bei Pfeffel um 1735, 20,5 x 33,5 cm, dargestellt.<ref>[https://www.zvab.com/servlet/BookDetailsPL?bi=17460659082&searchurl=hl%3Don%26kn%3Ddanreiter%26sortby%3D20&cm_sp=snippet-_-srp1-_-title25 www.zvab.com]</ref>
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Umgeben werden diese Skulpturen von Halbreliefs weiblicher Karyatiden mit geflochtenen Fischschwänzen.  
Umgeben werden diese Skulpturen von Halbreliefs weiblicher Karyatiden mit geflochtenen Fischschwänzen.  


Das Altarblatt der Kapelle mit Jesus, seinen Jüngern die Füße waschend, malte [[Jakob Zanusi]] [[1749]] auf Kupfer.<ref>[https://books.google.at/books?id=wppmAAAAcAAJ&pg=PA52 Touristen-Handbuch für Salzburg, 1845]</ref> Der ursprüngliche Altar mit dem gleichen Motiv war eine Reliefarbeit von [[Hans Waldburger]].<ref>Hildegard Kretschmer, Reclams Städteführer Salzburg: Architektur und Kunst, 2016</ref> Die seitlichen Figuren des heiligen Christophorus und des heiligen Georg aus der Mitte des 17. Jahrhunderts werden [[Anton Pfaffinger]] zugeschrieben. Zuoberst auf dem Altar findet sich im gesprengten Giebel erneut das Wappen des Fürsterzbischofs.
Das Altarblatt der Kapelle mit Jesus, seinen Jüngern die Füße waschend, malte [[Jakob Zanusi]] [[1749]] auf Kupfer.<ref>[https://books.google.at/books?id=wppmAAAAcAAJ&pg=PA52 Touristen-Handbuch für Salzburg, 1845]</ref> Der ursprüngliche Altar mit dem gleichen Motiv war eine Reliefarbeit von [[Hans Waldburger]].<ref>Hildegard Kretschmer, Reclams Städteführer Salzburg: Architektur und Kunst, 2016</ref> Die seitlichen Figuren des heiligen Christophorus und des heiligen Georg aus der Mitte des [[17. Jahrhundert]]s werden [[Josef Anton Pfaffinger]] zugeschrieben. Zuoberst auf dem Altar findet sich im gesprengten Giebel erneut das Wappen des Fürsterzbischofs.


Die Altarnische überspannt ein hoher Triumphbogen (kanellierte Pilaster mit Kapitel), der mittig in bunten Farben erneut das Prunkwappen von Wolf Dietrich zeigt. Das folgende Rundbogengewölbe wurde mit buntem [[Stuck]] (wohl von Elia Castello) — ähnlich wie in der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]] — ausgestattet. Das Gewölbe ist in neun Felder aufgeteilt. Mittig befindet sich das [[Wappen der Fürsterzbischöfe|Prunkwappen]] von Wolf Dietrich von Raitenau (Hut mit zwei Federn, roter Löwe mit Blau in goldenem Schrägbalken, mittig schwarze Kugel auf silbernem Feld).   
Die Altarnische überspannt ein hoher Triumphbogen (kanellierte Pilaster mit Kapitel), der mittig in bunten Farben erneut das Prunkwappen von Wolf Dietrich zeigt. Das folgende Rundbogengewölbe wurde mit buntem [[Stuck]] (wohl von Elia Castello) — ähnlich wie in der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]] — ausgestattet. Das Gewölbe ist in neun Felder aufgeteilt. Mittig befindet sich das [[Wappen der Fürsterzbischöfe|Prunkwappen]] von Wolf Dietrich von Raitenau (Hut mit zwei Federn, roter Löwe mit Blau in goldenem Schrägbalken, mittig schwarze Kugel auf silbernem Feld).   
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Dazwischen finden sich vier Felder mit ovalem Rahmen, in denen die vier Kardinaltugenden als farbige allegorische Frauenfiguren zu sehen sind:   
Dazwischen finden sich vier Felder mit ovalem Rahmen, in denen die vier Kardinaltugenden als farbige allegorische Frauenfiguren zu sehen sind:   
* die Gerechtigkeit (lat. ''iustitia'' mit den Attributen Waage und Schwert),  
* die Gerechtigkeit (lat. ''iustitia'' mit den Attributen Waage und Schwert),  
* die M��ßigung (lat. ''temperantia'' mit den Attributen Wasserkrug und Wasserschale),  
* die Mäßigung (lat. ''temperantia'' mit den Attributen Wasserkrug und Wasserschale),  
* die Stärke (lat. ''fortitudo'' mit dem Attribut Säule) und  
* die Stärke (lat. ''fortitudo'' mit dem Attribut Säule) und  
* die Weisheit (lat. ''sapientia'' mit dem Attribut Spiegel).  
* die Weisheit (lat. ''sapientia'' mit dem Attribut Spiegel).  
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== Bronzetafeln ==
== Bronzetafeln ==
[[Datei:Tafel mit lateinischer Inschrift in der Gabrielskapelle über das Vermächtnis Wolf Dietrichs.jpg|thumb|Tafel mit lateinischer Inschrift in der Gabrielskapelle über das Vermächtnis Wolf Dietrichs.]]
[[Datei:Tafel mit lateinischer Inschrift in der Gabrielskapelle über das Vermächtnis Wolf Dietrichs.jpg|thumb|Tafel mit lateinischer Inschrift in der Gabrielskapelle über das Vermächtnis Wolf Dietrichs.]]
[[Franz Martin]] schreibt<ref>Quelle ''Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst'', [[Verlag "Das Bergland-Buch"]], Salzburg, 1952 (2. Auflage), Seite 203</ref>, dass nur die beiden Bronzetafeln Bezug auf den Tod von Wolf Dietrich nehmen, die links und rechts der Altarnische auf Bronzetafeln angebracht sind. Sie wurden [[1605]] und [[1607]] von Christof Herold, Ratschmied in Nürnberg, gegossen. Die in Befehlston gehaltene erste Inschrift ist eine Verfügung über die Stiftungsverpflichtungen für die beiden Kapellenpriester und bezeichnet deren Einkünfte. Die zweite Inschrift, die ebenfalls nach Wolf Dietrichs eigenem Konzept geschrieben wurde, ordnet an, wie es bei sein Leichenbegräbnis ablaufen soll. Darin verbietet er sich jeden Prunk.
[[Franz Martin]] schreibt<ref>Quelle ''[[Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst#Die Ausgaben im Überblick|Salzburg, Geschichte und Kunst dieser Stadt]]'', [[Verlag "Das Bergland-Buch"]], Salzburg, 1952 (2. Auflage), Seite 203</ref>, dass nur die beiden Bronzetafeln Bezug auf den Tod von Wolf Dietrich nehmen, die links und rechts der Altarnische auf Bronzetafeln angebracht sind. Sie wurden [[1605]] und [[1607]] von Christof Herold, Ratschmied in Nürnberg, gegossen. Die in Befehlston gehaltene erste Inschrift ist eine Verfügung über die Stiftungsverpflichtungen für die beiden Kapellenpriester und bezeichnet deren Einkünfte. Die zweite Inschrift, die ebenfalls nach Wolf Dietrichs eigenem Konzept geschrieben wurde, ordnet an, wie es bei sein Leichenbegräbnis ablaufen soll. Darin verbietet er sich jeden Prunk.


Aber keine der beiden Tafeln überliefern sein Sterbedatum. Nachstehend die Inschriften von Wolf Dietrichs.  
Aber keine der beiden Tafeln überliefern sein Sterbedatum. Nachstehend die Inschriften von Wolf Dietrichs.  
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Der fünf Jahre lang in strengster Einzelhaft lebende ehemalige Erzbischofs, der zuvor einen umtriebigen Lebenslauf hatte, beschließt mit dem Testament und dem folgenden Tod seinen Lebenslauf. Sein Nachfolger als Fürsterzbischof, [[Markus Sittikus]], dachte dann aber nicht daran, diesem letzten Willen seines Vorgängers vollinhaltlich zu folgen.
Der fünf Jahre lang in strengster Einzelhaft lebende ehemalige Erzbischofs, der zuvor einen umtriebigen Lebenslauf hatte, beschließt mit dem Testament und dem folgenden Tod seinen Lebenslauf. Sein Nachfolger als Fürsterzbischof, [[Markus Sittikus]], dachte dann aber nicht daran, diesem letzten Willen seines Vorgängers vollinhaltlich zu folgen.


[[Johann Stainhauser]] (* [[1570]]; † [[1625]]), Zeitzeuge und Chronist, schilderte das Begräbnis von Wolf Dietrich im Jahr [[1617]] wie folgt: <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=slk&datum=1873&size=45&page=141 ANNO], ''"Das Leben, Regierung und Wandel des hochwürdigsten in Gott Fürsten und Herrn Wolff Dietrichen, gewesten Erzbischoven zu Salzburg"'', No. 213. / Seite 214, Fußnote 113., Begräbnis von Fürsterzbischof Wolf Dietrich</ref>
[[Johann Stainhauser]] (* [[1570]]; † [[1625]]), Zeitzeuge und Chronist, schilderte das Begräbnis von Wolf Dietrich im Jahr [[1617]] wie folgt: <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=slk&datum=1873&size=45&page=141 ANNO], ''"Das Leben, Regierung und Wandel des hochwürdigsten in Gott Fürsten und Herrn Wolff Dietrichen, gewesten Erzbischoven zu Salzburg"'', No. 213. / Seite 214, Fußnote 113., Begräbnis von Fürsterzbischof Wolf Dietrich</ref>


<blockquote>''Ist also besagter Wolf Dietrich 5 Jahr, 1 Monat und 25 Tag im hochfürstlichen Haubtschloss ein Gefangener gewest bis er entlich am Montag vor St. Vincenzen-Tag, den 16. January Anno 1617, Mittagzeit mit schöner christlicher Vorberaitung und Nüssung der hochheiligen Sacramenten Gott dem Allerhöchsten seinen Geist aufgeopfert hat. Als dan hat man ihn Erchstags, spatens Abents, aus dem Schloss herab gen St. Peter in St. Veiths Capellen getragen, daselbst in bischofflichen Habit mit einem weissen Infel und Creüz angethan aufpärt, kein Bischoff-Stab aber, dieweil er resigniert und die Regierung nit mehr haben kunt, ist ihme nit zuegeaignet worden. Aida hat ihn folgenden Tags, den 18. dito, menniglich, Jung und Alt, mit Augen sechen mögen. Darnach Abentszeit nach der Vesper ist er frei offen in gar schöner christlicher Ordnung mit der ganzen Cleresei und Prüesterschaft, auch Nachfolgung der dreien Orden, nemblich der Herrn Franviscaner-, Capucciner- und Augustiner-Mönch, auch deren Bruederschaften unser lieben Frauen und St. Monicä, so wol auch aller christglaubigen Seelen, in der Confraternität Corporis Christi, deme auch der Abbt von St. Peter, der Abbt von Peurn, alle Thumbherrn, so wol der ganze Adl sambt dem hochfürstlichen Cammer- und Hofrath mit sambt dem Stattrath beigewohnt, auch ein grosse Menig Volks baiderlai Man- und Weibsgeschlecht, sonderlich die Armen ihne mit Verguessung viller Zächer herzlich beklagt haben, gehn St. Sebastian in sein selbst erbaute und gestüfte Capellen, bei St. Gabriel genant, getragen und darein gestölt; folgents seiner selbst Verordnung nach zwischen 8 und 9 Uhren nachts in Beisein weniger Persohnen in sein ihme in Lebzeit seiner Regierung selbst geordnete Begräbnis bestattet. Es ist auch durch seinen Nachkömbling Marxen Sittich alle weltliche Freid wiewol es Fastnacht ward derohalben ab- und eingestött worden. Gott der allmächtig verleihe ihme und allen in Christo Abgeleibten an jenem Tag ein froliche Urständ zue dem ewigen Leben. Amen.''</blockquote>
<blockquote>''Ist also besagter Wolf Dietrich 5 Jahr, 1 Monat und 25 Tag im hochfürstlichen Haubtschloss ein Gefangener gewest bis er entlich am Montag vor St. Vincenzen-Tag, den 16. January Anno 1617, Mittagzeit mit schöner christlicher Vorberaitung und Nüssung der hochheiligen Sacramenten Gott dem Allerhöchsten seinen Geist aufgeopfert hat. Als dan hat man ihn Erchstags, spatens Abents, aus dem Schloss herab gen St. Peter in St. Veiths Capellen getragen, daselbst in bischofflichen Habit mit einem weissen Infel und Creüz angethan aufpärt, kein Bischoff-Stab aber, dieweil er resigniert und die Regierung nit mehr haben kunt, ist ihme nit zuegeaignet worden. Aida hat ihn folgenden Tags, den 18. dito, menniglich, Jung und Alt, mit Augen sechen mögen. Darnach Abentszeit nach der Vesper ist er frei offen in gar schöner christlicher Ordnung mit der ganzen Cleresei und Prüesterschaft, auch Nachfolgung der dreien Orden, nemblich der Herrn Franviscaner-, Capucciner- und Augustiner-Mönch, auch deren Bruederschaften unser lieben Frauen und St. Monicä, so wol auch aller christglaubigen Seelen, in der Confraternität Corporis Christi, deme auch der Abbt von St. Peter, der Abbt von Peurn, alle Thumbherrn, so wol der ganze Adl sambt dem hochfürstlichen Cammer- und Hofrath mit sambt dem Stattrath beigewohnt, auch ein grosse Menig Volks baiderlai Man- und Weibsgeschlecht, sonderlich die Armen ihne mit Verguessung viller Zächer herzlich beklagt haben, gehn St. Sebastian in sein selbst erbaute und gestüfte Capellen, bei St. Gabriel genant, getragen und darein gestölt; folgents seiner selbst Verordnung nach zwischen 8 und 9 Uhren nachts in Beisein weniger Persohnen in sein ihme in Lebzeit seiner Regierung selbst geordnete Begräbnis bestattet. Es ist auch durch seinen Nachkömbling Marxen Sittich alle weltliche Freid wiewol es Fastnacht ward derohalben ab- und eingestött worden. Gott der allmächtig verleihe ihme und allen in Christo Abgeleibten an jenem Tag ein froliche Urständ zue dem ewigen Leben. Amen.''</blockquote>
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== Außenwände ==
== Außenwände ==
=== Grabsteine an der Außenwand ===
=== Grabsteine an der Außenwand ===
Links und rechts von der Tür befinden sich je eine graue Steinplatte mit Inschrift auf die [[Bischöfe von Chiemsee]] [[Sigmund Christoph von Zeil und Trauchburg]] († [[1814]]) und [[Ferdinand Christoph von Waldburg-Zeil]] († [[1786]]). Rechts davon graue Steinplatte, dreigeteilt. Oben ein Relief, zwei Wappen zwischen Draperie und Cherubsköpfchen, im unteren Teile Relief: Totenkopf, Grabscheite und andere Todesembleme ; in der Mitte Inschrift auf Johann Göppinger † [[1655]] und seine Gattin Johanna † [[1654]]. Weitere Grabsteine sind von Matthäus Janschitz † [[1605]]; renoviert [[1694]]; Carl Georg Hagenpuech † [[1643]] und seine Gattin Agathe, geb. Traberin, † [[1649]]; Andreas Uraster † [[1685]] und seine Frauen Agnes Mayrin † [[1669]] und Ursula Heelin (Datum nicht ausgefüllt); Andreas Gschwandtner † [[1714]] nachgetragen, Franziskus Joachim Antonius Weckherlin † [[1701]]; Thomas Perger, gesetzt von Fürsterzbischof [[Paris Graf von Lodron]] [[1641]] aus der [[Nikolaikirche|St. Niklaskirche]] im [[Kai]] stammend; Anna de Block, Gattin des Thomas Perger † [[1608]]; Johann Martin [[Weckherlin von Adelstetten|Weckerlin]] † [[1731]] und Gattin Clara Theresia † [[1719]]; Stadtkaplan Franz Gotthard Etty † [[1787]]; Christoph Hafenstainer, Kaplan † [[1693]] sowie Andrä Übelacker † [[1790]];
Links und rechts von der Tür befinden sich je eine graue Steinplatte mit Inschrift auf die [[Bischöfe von Chiemsee]] [[Sigmund Christoph von Zeil und Trauchburg]] († [[1814]]) und [[Ferdinand Christoph von Waldburg-Zeil]] († [[1786]]). Rechts davon graue Steinplatte, dreigeteilt. Oben ein Relief, zwei Wappen zwischen Draperie und Cherubsköpfchen, im unteren Teile Relief: Totenkopf, Grabscheite und andere Todesembleme ; in der Mitte Inschrift auf Johann Göppinger † [[1655]] und seine Gattin Johanna † [[1654]]. Weitere Grabsteine sind von Matthäus Janschitz † [[1605]]; renoviert [[1694]]; Carl Georg Hagenpuech † [[1643]] und seine Gattin Agathe, geborene Traberin, † [[1649]]; Andreas Uraster † [[1685]] und seine Frauen Agnes Mayrin † [[1669]] und Ursula Heelin (Datum nicht ausgefüllt); Andreas Gschwandtner † [[1714]] nachgetragen, Franziskus Joachim Antonius Weckherlin † [[1701]]; Thomas Perger, gesetzt von Fürsterzbischof [[Paris Graf von Lodron]] [[1641]] aus der [[Nikolaikirche|St. Niklaskirche]] im [[Kai]] stammend; Anna de Block, Gattin des Thomas Perger † [[1608]]; Johann Martin [[Weckherlin von Adelstetten|Weckerlin]] † [[1731]] und Gattin Clara Theresia † [[1719]]; Stadtkaplan Franz Gotthard Etty † [[1787]]; Christoph Hafenstainer, Kaplan † [[1693]] sowie Andrä Übelacker † [[1790]];


=== Freigelegte Fresken ===
=== Freigelegte Fresken ===
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== Bildergalerie ==
== Bildergalerie ==
<gallery>
<gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200">  
Datei:Portal zur Gabrielskapelle - Mausoleum Wolf Dietrichs.jpg|Portal zur Gabrielskapelle 2019 vor seiner Restaurierung 2021.
Datei:Portal zur Gabrielskapelle - Mausoleum Wolf Dietrichs.jpg|Portal zur Gabrielskapelle 2019 vor seiner Restaurierung 2021.
Datei:Die vier Evangelisten in der Gabriels-Kapelle mit ihren Attributen. Von links Matthäus (Mensch), Johannes (Adler), Lukas (Stier), Markus (Löwe).jpg |Die vier Evangelisten in der Gabrielskapelle mit ihren Attributen. Von links: Matthäus (Mensch), Johannes (Adler), Lukas (Stier), Markus (Löwe) Collage.  
Datei:Die vier Evangelisten in der Gabriels-Kapelle mit ihren Attributen. Von links Matthäus (Mensch), Johannes (Adler), Lukas (Stier), Markus (Löwe).jpg |Die vier Evangelisten in der Gabrielskapelle mit ihren Attributen. Von links: Matthäus (Mensch), Johannes (Adler), Lukas (Stier), Markus (Löwe) Collage.  
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== Quellen ==
== Quellen ==
* [[Österreichische Kunsttopographie]], Band 9, 1912, Sebastiansfriedhof mit der Gabrielskapelle, Seite 134 ff, → [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=53b54cc339beb&location=browse Direktlink] bzw. im Internet [https://diglib.tugraz.at/die-kirchlichen-denkmale-der-stadt-salzburg-1912-9 diglib.tugraz.at] (pdf)
* [[Österreichische Kunsttopographie]], Band 9, 1912, Sebastiansfriedhof mit der Gabrielskapelle, Seite 134 ff, → [https://diglib.tugraz.at/download.php?id=53b54cc339beb&location=browse Direktlink] bzw. im Internet [https://diglib.tugraz.at/die-kirchlichen-denkmale-der-stadt-salzburg-1912-9 diglib.tugraz.at] (pdf)
* Dr. Dagobert Frey, "''Die Gabrielskapelle am St. Sebastiansfriedhof''", Monatsschrift "Wiener Bauhütte", 1912, Ausgabe 9, Seite 162 <ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=mwb&datum=1912&page=186&size=26 ANNO], Teil 2</ref>  
* Dr. Dagobert Frey, "''Die Gabrielskapelle am St. Sebastiansfriedhof''", Monatsschrift "Wiener Bauhütte", 1912, Ausgabe 9, Seite 162 <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=mwb&datum=1912&page=186&size=26 ANNO], Teil 2</ref>  
* k. k. Baurat Rudolf Pichler,  "''Die Gabrielskapelle am St. Sebastiansfriedhof zu Salzburg''"<ref>[http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ofb&datum=1916&page=471&size=45&qid=QSX0AONF2YBTP3M93G7T7BSU0EYVH5 ANNO], Österreichische Wochenschrift für den öffentlichen Baudienst, 1916, Heft 16, Seite 1-6 (= Seite 249-254)</ref>
* k. k. Baurat Rudolf Pichler,  "''Die Gabrielskapelle am St. Sebastiansfriedhof zu Salzburg''"<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=ofb&datum=1916&page=471&size=45&qid=QSX0AONF2YBTP3M93G7T7BSU0EYVH5 ANNO], Österreichische Wochenschrift für den öffentlichen Baudienst, 1916, Heft 16, Seite 1-6 (= Seite 249-254)</ref>
* [[Franz Fuhrmann]]: "''Der Kapellenbau in Salzburg zur Zeit des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau''", Dissertation, [[1943]], Seite 35 ff <ref>[https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_147_1_0009-0136.pdf www.zobodat.at, Dissertation von Franz Fuhrmann]</ref>,
* [[Franz Fuhrmann]]: "''Der Kapellenbau in Salzburg zur Zeit des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau''", Dissertation, [[1943]], Seite 35 ff <ref>[https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_147_1_0009-0136.pdf www.zobodat.at, Dissertation von Franz Fuhrmann]</ref>,
* [[Franz Martin]]: ''Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst'', [[Verlag "Das Bergland-Buch"]], [[1952]] (Neuauflage)
* [[Franz Martin]]: ''[[Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst#Die Ausgaben im Überblick|Salzburg, Geschichte und Kunst dieser Stadt]]'', [[Verlag "Das Bergland-Buch"]], [[1952]] (Neuauflage)
* [[Lieselotte Eltz-Hoffmann]]: Die Kirchen Salzburgs, edition schön und gut, [[Verlag Anton Pustet]], Salzburg, 1993
* [[Lieselotte Eltz-Hoffmann]]: Die Kirchen Salzburgs, edition schön und gut, [[Verlag Anton Pustet]], Salzburg, 1993
* Dehio Salzburg- Salzburg Stadt und Land, Vlg Schroll, Wien, 1986
* Dehio Salzburg- Salzburg Stadt und Land, Vlg Schroll, Wien, 1986