St. Salvator-Kirche: Unterschied zwischen den Versionen

K Textersetzung - „Corpus-Christi-Bruderschaft“ durch „Corporus-Christi-Bruderschaft“
Dr. Reinhard Medicus (Diskussion | Beiträge)
 
(2 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 4: Zeile 4:


== Einleitung ==
== Einleitung ==
Die anstelle des heutigen Hauses [[Kaigasse 4]] erbaute Kirche war [[1618]] erbaut und [[1619]] geweiht worden, sie wurde aber [[1805]] endgültig aufgelassen und profanisiert. In fürsterzbischöflicher Zeit war sie neben der Kirche der Schwarzen Bruderschaft ([[Schwarzbruderschaftskirche]]) und der [[Nikolaikirche]] eine von ursprünglich drei (heute alle aufgelassenen) Kirchen der Kaigasse.
Die anstelle des heutigen Hauses [[Kaigasse 4]] erbaute Kirche war [[1618]] erbaut und [[1619]] geweiht worden, sie wurde aber [[1805]]/1807 endgültig aufgelassen und profanisiert. In fürsterzbischöflicher Zeit war sie neben der Kirche der Schwarzen Bruderschaft ([[Schwarzbruderschaftskirche]]) und der [[Nikolaikirche]] eine von ursprünglich drei (heute alle aufgelassenen) Kirchen der Kaigasse.


== Geschichte ==
== Geschichte ==
Die 1618 von [[Fürsterzbischof]] [[Markus Sittikus von Hohenems]] errichtete St. Salvator-Kirche war der Sitz der [[Corporus-Christi-Bruderschaft]], die zur Zeit der Gegenreformation eine bekannte religiöse Laien-Bruderschaft - wegen ihrer typischen roten Gewänder auch "Rote Bruderschaft" genannt - war. Direkt angrenzend hatte dort in der bis [[1603]] die [[Kirche zum heiligen Johannes von Stubenberg]] gestanden.  
Die 1618 von [[Fürsterzbischof]] [[Markus Sittikus von Hohenems]] errichtete St. Salvator-Kirche war der Sitz der [[Corporis-Christi-Bruderschaft]], die zur Zeit der Gegenreformation eine bekannte religiöse Laien-Bruderschaft - wegen ihrer typischen roten Gewänder auch "Rote Bruderschaft" genannt - war. Direkt angrenzend hatte dort in der bis [[1603]] die [[Kirche zum heiligen Johannes von Stubenberg]] gestanden.  


Am [[4. April]] 1619 wurde die Kirche zu [[Fronleichnam]] von [[Weihbischof]] [[Johann Paul Ciurletti]] geweiht. Der Altar im Chor war als Holzschnitt-Arbeit ausgeführt, er zeigte das heilige Abendmahl und war von [[Santino Solari]] gestaltet worden. Darüber war eine Statue des Welt-Heilands zu sehen. Die beiden Seitenaltäre zeigten aus marmoriertem Holz von [[Johann Michael Rottmayr]] gestaltet Christus am Kreuz, und (von unbekannter Hand gemalt) die hl. Maria. Über dem Portal der Kirche stand einst:<blockquote>''Sacrae Eucharistiae Humili Obsequio Erectae Confraternitati Sacellum cum Coniuncta Aede Marcus Sitticus Archiepiscopus ad perpetuum usum confecit et traditit anno Dni MDCXVIII-''</blockquote>Das Giebelfeld zeigte ein Bild der Heiligen Dreifaltigkeit mit zwei anbetenden Engeln. Die seitlichen Fenster der Kirche waren zwischen den angrenzenden Bürgerhäusern großteils blind.  
Am [[4. April]] 1619 wurde die Kirche zu [[Fronleichnam]] von [[Weihbischof]] [[Johann Paul Ciurletti]] geweiht. Der Altar im Chor war als Holzschnitt-Arbeit ausgeführt, er zeigte das heilige Abendmahl und war von [[Santino Solari]] gestaltet worden. Darüber war eine Statue des Welt-Heilands zu sehen. Die beiden Seitenaltäre zeigten aus marmoriertem Holz von [[Johann Michael Rottmayr]] gestaltet Christus am Kreuz, und (von unbekannter Hand gemalt) die hl. Maria. Über dem Portal der Kirche stand einst:<blockquote>''Sacrae Eucharistiae Humili Obsequio Erectae Confraternitati Sacellum cum Coniuncta Aede Marcus Sitticus Archiepiscopus ad perpetuum usum confecit et traditit anno Dni MDCXVIII-''</blockquote>Das Giebelfeld zeigte ein Bild der Heiligen Dreifaltigkeit mit zwei anbetenden Engeln. Die seitlichen Fenster der Kirche waren zwischen den angrenzenden Bürgerhäusern großteils blind.  
Zeile 13: Zeile 13:
Die Kirche besaß ein [[Marmor]]<nowiki>portal</nowiki> mit dem Wappen von Fürsterzbischof Markus Sittikus sowie einen hohen Kirchengiebel, der von einer kleinen Kuppel mit Kreuz gekrönt war. Am [[6. März]] 1619 war Fürstin Anna Sidonia, geborene Herzogin zu Teschen und Großgloggau, vermählte Gräfin von Hohenembs, Balera und Vadzu, gestorben und in der St. Salvator-Kirche begraben worden.
Die Kirche besaß ein [[Marmor]]<nowiki>portal</nowiki> mit dem Wappen von Fürsterzbischof Markus Sittikus sowie einen hohen Kirchengiebel, der von einer kleinen Kuppel mit Kreuz gekrönt war. Am [[6. März]] 1619 war Fürstin Anna Sidonia, geborene Herzogin zu Teschen und Großgloggau, vermählte Gräfin von Hohenembs, Balera und Vadzu, gestorben und in der St. Salvator-Kirche begraben worden.


Unter dem Maurermeister [[Johann Georg Laschensky]] wurde die Kirche 1788 zuletzt noch einmal von Hofmaurermeister [[Georg Laschensky (Baumeister)|Georg Laschensky]] renoviert. Dann aber wurde sie 1805 als Kirche endgültig aufgelassen, nachdem sie schon kurz nach [[1800]] in der [[Salzburg unter Napoleon|französischen Besatzungszeit]] kurzzeitig als Binderwerkstätte gedient hatte. Der Kirchgiebel wurde zwischen [[1890]] und [[1895]] entfernt und durch ein neues Walmdach ersetzt.  
Unter dem Maurermeister [[Johann Georg Laschensky]] wurde die Kirche 1788 zuletzt noch einmal von Hofmaurermeister [[Georg Laschensky (Baumeister)|Georg Laschensky]] renoviert. Dann aber wurde sie 1805/07  als Kirche endgültig aufgelassen, nachdem sie schon kurz nach [[1800]] in der [[Salzburg unter Napoleon|französischen Besatzungszeit]] kurzzeitig als Binderwerkstätte gedient hatte. Der Kirchgiebel wurde zwischen [[1890]] und [[1895]] entfernt und durch ein neues Walmdach ersetzt. Der neuerliche Koalitionskrieg Napoleons 1805 verbunden mit dem Abzug Kurfürst Ferdinands aus Salzburg, die neuerliche französische Besatzung ab Oktober und die folgernde Nutzung der Kirche als Pferdestall für die Besatzung verbesserte die Lage nicht. Die restriktive Kirchenpolitik der österreichischen Bürokratie zwischen 1806 und 1809, die auf die Bevölkerung keine Rücksicht nahmm, brachte die Kirche endgültig um ihre ursprüngliche Bestimmung. Die Kirche wurde geräumt.
 
Die dort in der Zeit der Gegenreformation beheimatete namhafte religiöse Laien-Bruderschaft Corpus Christi war wegen ihrer rot-purpurnen Gewänder auch Rote Bruderschaft genannt.
Die dort in der Zeit der Gegenreformation beheimatete namhafte religiöse Laien-Bruderschaft Corpus Christi war wegen ihrer rot-purpurnen Gewänder auch Rote Bruderschaft genannt.  


== Bild ==
== Bild ==