Georg Jung (Hotelier): Unterschied zwischen den Versionen

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'''Georg Jung''' (* [[10. September]] [[1856]] in Baden-Baden; † [[3. März]] [[1899]] in der Stadt Salzburg) war Besitzer des [[Hôtel de l'Europe|Hôtels de l'Europe]] in der [[Stadt Salzburg]].
'''Georg Jung''' (* [[10. September]] [[1856]] in Baden-Baden; † [[3. März]] [[1899]] in der Stadt Salzburg)<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/salzburg-st-andrae/STB11/?pg=344 Sterbebuch der Pfarre Salzburg-St. Andrä, Band XI, S. 341.]</ref> war Besitzer des [[Grand Hôtel de l'Europe (Stadt Salzburg)|Grand Hôtels de l'Europe]] in der [[Stadt Salzburg]].


== Leben ==
== Leben ==
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Das [[Salzburger Volksblatt]] schrieb in seiner Ausgabe vom 3. März 1899:
Das [[Salzburger Volksblatt]] schrieb in seiner Ausgabe vom 3. März 1899:


''Nach mehrmonatlichem Krankenlager, ist heute Nacht der frühere Besitzer des Hotel de l'Europe, Herr Georg Jung, gestorben. Im kräftigsten Mannesalter — der Verblichene stand erst im 42. Lebensjahre — wurde er von einem tückischen Herzleiden dahingerafft, gegen welches sich die Kunst der Aerzte ohnmächtig erwies. Nicht sobald dürfte eine Todesnachricht in allen Kreisen unserer Bevölkerung eine so aufrichtige schmerzliche Theilnahme geweckt haben wie diese. Gehörte doch Georg Jung seit mehr denn 21 Jahren zu den Unseren; denn im Jahre 1877 war es, als der noch nicht Einundzwanzigjährige nach dem Tode seines [[Georg Jung (senior)|Vaters]] die Leitung des Hotels de l'Europe übernahm. Er wollte sich eigentlich den technischen Studien widmen, mußte aber seine Neigung den Pflichten opfern, die das Erbe des Vaters an ihn stellte. Wie er dieser seiner schwierigen Aufgabe gerecht wurde, wie er den Ruf seines Hauses zu einem geradezu internationalen und dasselbe zu einem der vornehmst geleiteten Hotels in Oesterreich machte, das wissen wir alle aus eigener Anschauung.
''Nach mehrmonatlichem Krankenlager, ist heute Nacht der frühere Besitzer des Hotel de l'Europe, Herr Georg Jung, gestorben. Im kräftigsten Mannesalter — der Verblichene stand erst im 42. Lebensjahre — wurde er von einem tückischen Herzleiden dahingerafft, gegen welches sich die Kunst der Aerzte ohnmächtig erwies. Nicht sobald dürfte eine Todesnachricht in allen Kreisen unserer Bevölkerung eine so aufrichtige schmerzliche Theilnahme geweckt haben wie diese. Gehörte doch Georg Jung seit mehr denn 21 Jahren zu den Unseren; denn im Jahre 1877 war es, als der noch nicht Einundzwanzigjährige nach dem Tode seines [[Georg Jung senior|Vaters]] die Leitung des Hotels de l'Europe übernahm. Er wollte sich eigentlich den technischen Studien widmen, mußte aber seine Neigung den Pflichten opfern, die das Erbe des Vaters an ihn stellte. Wie er dieser seiner schwierigen Aufgabe gerecht wurde, wie er den Ruf seines Hauses zu einem geradezu internationalen und dasselbe zu einem der vornehmst geleiteten Hotels in Oesterreich machte, das wissen wir alle aus eigener Anschauung.


''Man mußte ihn in der Hochsaison in seinem Hotel gesehen haben, wie er mit der Ruhe und Vornehmheit eines echten Gentlemans den ganzen viel ­köpfigen Apparat leitete, seinen Gästen gegenüber — und er zählte solche vorwiegend aus den illustresten Kreisen — stets ausgesucht höflich und zuvorkommend war, ohne aber dabei seine Würde als selbstbewußer Mann preiszugeben, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß Georg Jung ein Hotelier war, wie er sein sollte. Der Grundzug  seines makellosen Charakters war strenge Rechtigkeit, Entschiedenheit in all' seinem Handeln und eine überaus vornehme Gesinnung. Unbeugsam in der Verfolgung dessen, was er einmal als gut und recht erkannt, schätzte und achtete er doch auch eine gegentheilige Meinung. Obwohl ein Ausländer, stand er doch immer in der ersten Reihe, wenn es galt, die  Interessen und das Ansehen Salzburgs, das ihm zur zweiten Heimat geworden, zu fördern und zu heben. Ein gutes Werk fand bei ihm allezeit ein offene Hand, und wen er als Freund einmal näher getreten war, der konnte auf ihn zählen in allen Lebenslagen. Wir und viele mit uns hatten sich der Hoffnung hingegeben, Georg Jung einmal im öffentlichen Leben thätig zu sehen.
''Man mußte ihn in der Hochsaison in seinem Hotel gesehen haben, wie er mit der Ruhe und Vornehmheit eines echten Gentlemans den ganzen viel ­köpfigen Apparat leitete, seinen Gästen gegenüber — und er zählte solche vorwiegend aus den illustresten Kreisen — stets ausgesucht höflich und zuvorkommend war, ohne aber dabei seine Würde als selbstbewußer Mann preiszugeben, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß Georg Jung ein Hotelier war, wie er sein sollte. Der Grundzug  seines makellosen Charakters war strenge Rechtigkeit, Entschiedenheit in all' seinem Handeln und eine überaus vornehme Gesinnung. Unbeugsam in der Verfolgung dessen, was er einmal als gut und recht erkannt, schätzte und achtete er doch auch eine gegentheilige Meinung. Obwohl ein Ausländer, stand er doch immer in der ersten Reihe, wenn es galt, die  Interessen und das Ansehen Salzburgs, das ihm zur zweiten Heimat geworden, zu fördern und zu heben. Ein gutes Werk fand bei ihm allezeit ein offene Hand, und wen er als Freund einmal näher getreten war, der konnte auf ihn zählen in allen Lebenslagen. Wir und viele mit uns hatten sich der Hoffnung hingegeben, Georg Jung einmal im öffentlichen Leben thätig zu sehen.
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''Der Verblichene war seit [[1878]] mit der erstgebornen Tochter Herrn [[Louis Jung]]'s, des ihm im Tode vorangegangenen Erbauers des Hotels Europa, in glücklichster Ehe verheiratet Die beiden Gatten verstanden einander und theilten redlich alle Sorgen und Mühen, wie sie die Leitung eines Hotels ersten Ranges im Gefolge hat. Und nunmehr, da sie sich Ruhe und Erholung in dem schönen Heim gönnen konnten das er sich geschaffen, mußte er, noch jung an Jahren, sterben. Fürwahr ein tragisches Geschick ! Möge dem Entschlafenen die Erde leicht sein.
''Der Verblichene war seit [[1878]] mit der erstgebornen Tochter Herrn [[Louis Jung]]'s, des ihm im Tode vorangegangenen Erbauers des Hotels Europa, in glücklichster Ehe verheiratet Die beiden Gatten verstanden einander und theilten redlich alle Sorgen und Mühen, wie sie die Leitung eines Hotels ersten Ranges im Gefolge hat. Und nunmehr, da sie sich Ruhe und Erholung in dem schönen Heim gönnen konnten das er sich geschaffen, mußte er, noch jung an Jahren, sterben. Fürwahr ein tragisches Geschick ! Möge dem Entschlafenen die Erde leicht sein.


''Das Leichenbegängniß findet am Sonntag den 5. d. M, Nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, [[Rudolfskai]]. Villa Jung Nr. 53 aus durch Straßer's „Entreprise des pompes funebres“ statt.
''Das Leichenbegängniß findet am Sonntag den 5. d. M, Nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, [[Rudolfskai]]. Villa Jung Nr. 53 aus durch Straßer's "Entreprise des pompes funebres" statt.


==== Nachruf in den Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde  ====
==== Nachruf in den Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde  ====
''In Georg Jung verlor Salzburg einen thatkräftigen und über überzeugten ­Förderer, der — wenn auch weder Salzburger, noch Oesterreicher — vom Beginne seiner Niederlassung in unserer Stadt warmfühlend für Salzburgs Aufschwung mit Unternehmungsgeist, Energie und Ausdauer gewirkt hat. Georg Jung,- geboren in Baden-Baden am 10. September 1856, genoss im Hause seiner Eltern, Georg und Elise Jung, eine sorgfältige Erziehung; nach Absolvierung des Gymnasiums seiner Vaterstadt besuchte er das Polytechnikum zu Stuttgart und erlernte das kaufmännische Fach im Hause seines Schwagers, des Hofbankiers Müller in Karlsruhe.
''In Georg Jung verlor Salzburg einen thatkräftigen und über überzeugten ­Förderer, der — wenn auch weder Salzburger, noch Oesterreicher — vom Beginne seiner Niederlassung in unserer Stadt warmfühlend für Salzburgs Aufschwung mit Unternehmungsgeist, Energie und Ausdauer gewirkt hat. Georg Jung,- geboren in Baden-Baden am 10. September 1856, genoss im Hause seiner Eltern, Georg und Elise Jung, eine sorgfältige Erziehung; nach Absolvierung des Gymnasiums seiner Vaterstadt besuchte er das Polytechnikum zu Stuttgart und erlernte das kaufmännische Fach im Hause seines Schwagers, des Hofbankiers Müller in Karlsruhe.


''Inzwischen hatte Jungs Vater das Hotel de l’Europe in Salzburg von seinem Bruder Louis Jung, dem Begründer des Hauses, käuflich erworben, erkrankte jedoch bald so schwer, dass er seinen Sohn ([[1875]]) nach Salzburg berufen musste; dieser, noch nicht 20 Jahre alt und ohne jede Praxis im Hotelbetriebe, übernahm mit frischem Wagemuth die Leitung des damals schon bedeutenden Etablissements, das nach dem Tode des Vaters in seinen Besitz übergieng. 1878 verheiratete sich Jung mit seiner Cousine Marie Jung; strenge Auffassung der Berufspflicht, emsige Thätigkeit und vornehmer Ehrgeiz leiteten ihr gemeinsames Schaffen.
''Inzwischen hatte [[Georg Jung senior|Jungs Vater]] das Hotel de l’Europe in Salzburg von seinem Bruder Louis Jung, dem Begründer des Hauses, käuflich erworben, erkrankte jedoch bald so schwer, dass er seinen Sohn ([[1875]]) nach Salzburg berufen musste; dieser, noch nicht 20 Jahre alt und ohne jede Praxis im Hotelbetriebe, übernahm mit frischem Wagemuth die Leitung des damals schon bedeutenden Etablissements, das nach dem Tode des Vaters in seinen Besitz übergieng. 1878 verheiratete sich Jung mit seiner Cousine Marie Jung; strenge Auffassung der Berufspflicht, emsige Thätigkeit und vornehmer Ehrgeiz leiteten ihr gemeinsames Schaffen.


''Weitausblickend und zielbewusst arbeitete Jung an der Ausgestaltung, Verschönerung und Vergrößerung des Hotel de l’Europe, für die er durch regelmäßige, weitausgedehnte Reisen Anregung suchte und fand; der Weltruf, den er dem Hause errang, hat Salzburg sicher nur Nutzen gebracht. Wo es galt für Salzburgs Hebung und Ansehen einzutreten, war Jung am Platze und stellte Erfahrung und Mittel gerne und reichlich in den Dienst der Sache. Selbstgefälligkeit oder Aufdringlichkeit waren ihm fremd und verhaßt — stilles Wohlthun übte er freudig.
''Weitausblickend und zielbewusst arbeitete Jung an der Ausgestaltung, Verschönerung und Vergrößerung des Hotel de l’Europe, für die er durch regelmäßige, weitausgedehnte Reisen Anregung suchte und fand; der Weltruf, den er dem Hause errang, hat Salzburg sicher nur Nutzen gebracht. Wo es galt für Salzburgs Hebung und Ansehen einzutreten, war Jung am Platze und stellte Erfahrung und Mittel gerne und reichlich in den Dienst der Sache. Selbstgefälligkeit oder Aufdringlichkeit waren ihm fremd und verhaßt — stilles Wohlthun übte er freudig.
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== Quelle ==
== Quelle ==
* [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=18990303&query=%22Georg+Jung%22&ref=anno-search&seite=2 ANNO], Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 3. März 1899, Seite 2
* [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=18990303&query=%22Georg+Jung%22&ref=anno-search&seite=2 ANNO], Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 3. März 1899, Seite 2
* [http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=slk&datum=18990006&query=((text:%22Georg+Jung%22))&ref=anno-search&seite=12 ANNO], [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], Ausgabe 1899, Seite 278f
* [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=slk&datum=18990006&query=((text:%22Georg+Jung%22))&ref=anno-search&seite=12 ANNO], [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]], Ausgabe 1899, Seite 278f
== Einzelnachweis ==
<references/>


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