Salzburger Stierwascher: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei: | [[Datei:Fleischbank Stierwascher Griesgasse 12 Juli 2020.jpg|thumb|Tafel an der Wand der ehemaligen [[Städtische Fleischbank|Städtischen Fleischbank]] im [[Lamberg-Durchhaus]] [[Getreidegasse]] 24-[[Griesgasse]] 19 in der [[Salzburger Altstadt]].]] | ||
Die Legenden vom '''Salzburger Stierwascher''' sind schöne Geschichten, die man gerne Touristen erzählt. | Die Legenden vom '''Salzburger Stierwascher''' sind schöne Geschichten, die man gerne Touristen erzählt. Sie besitzen keine historische Bezüge. | ||
==Die Legende aus Stadt-Salzburger-Sicht== | ==Die Legende aus Stadt-Salzburger-Sicht== | ||
Zur Zeit der [[ | Zur Zeit der [[Salzburger Bauernaufstände|Bauernaufstände]] war die von starken Wehrmauern umgebene Stadt Salzburg belagert. Die Belagerer konnten die Stadt nicht bezwingen. Man wollte also die Stadt so lange aushungern, bis sie von selber zur Übergabe bereit war. Die Bauern riegelten Salzburg ab und so konnte kein Lebensmittelnachschub in die Stadt gelangen. | ||
Die Salzburger erkannten aber bald die Absicht der Feinde. Und natürlich überlegte man, wie man dieser Katastrophe entgehen könnte. Um einer möglichen Hungersnot vorzubeugen schrieb der Stadtkommandant ein strenges Fasten vor. Aber irgendwann war der Tag erreicht, an dem nur noch ein einziger Stier übrig blieb, der noch nicht geschlachtet war. Er war braun gefleckt und gut genährt. | Die Salzburger erkannten aber bald die Absicht der Feinde. Und natürlich überlegte man, wie man dieser Katastrophe entgehen könnte. Um einer möglichen Hungersnot vorzubeugen schrieb der Stadtkommandant ein strenges Fasten vor. Aber irgendwann war der Tag erreicht, an dem nur noch ein einziger Stier übrig blieb, der noch nicht geschlachtet war. Er war braun gefleckt und gut genährt. | ||
Da verfiel der Stadtkommandant auf eine List: Am frühen Morgen des nächsten Tages wurde der Stier auf die breite Festungsmauer getrieben und von dort | Da verfiel der Stadtkommandant auf eine List: Am frühen Morgen des nächsten Tages wurde der Stier auf die breite Festungsmauer getrieben und von dort dem Feind gezeigt. Er sollte nur glauben, die Salzburger litten schon Hunger. In der kommenden Nacht aber strichen die Salzburger den scheckigen Stier weiß an und zeigten ihn am Morgen darauf wieder den Belagerern. Am dritten Morgen trabte ein pechschwarzer Stier über die Festungsmauer. | ||
Die | Die Belagerer waren nun der Meinung, dass die ganze Belagerung nichts gebracht hätte und Salzburg immer noch über genügend Lebensmittelreserven verfügten. Und in einer dunklen Nacht zogen die fremden Kriegsknechte heimlich ab. | ||
In der Stadt aber herrschte großer Jubel. Die Bürger führten den Stier hinab an die Salzach und wuschen ihn so lange, bis er wieder braun gefleckt war. Seit dieser Zeit nennt man die Salzburger die "Stierwascher". | In der Stadt aber herrschte großer Jubel. Die Bürger führten den Stier hinab an die Salzach und wuschen ihn so lange, bis er wieder braun gefleckt war. Seit dieser Zeit nennt man die Salzburger die "Stierwascher". | ||
====Die Tatsachen==== | ====Die Tatsachen==== | ||
Mit dem Bauernaufstand von 1525 hat die Legende nichts zu tun. Damals hatten sich die aufständischen Bauern ja innerhalb der Stadtmauern aufgehalten, also in der Salzburger [[Altstadt]]. | |||
Die historische Tatsache ist, dass die Salzburger Metzger die Schlachtung der Tiere öffentlich vorzunehmen hatten, damit kein schädliches Fleisch zum Verkauf kommen konnte. Die übliche Reinigung an dem bis an die Stadtmauer reichenden flachen Ufer der [[Salzach]] und die Schlachtprobe führte angeblich zur scherzhaften Bezeichnung "Stierwascher" für die Salzburger. Der so genannte "Wascher", der mit Keulen oder ähnlichen Geräten gegeben wurde, war dabei angeblich die Betäubung, die bei einer Schlachtung üblich war. (Die Frage stellt sich, warum nicht alle mitteleuropäischen Stadtbewohner als Stierwascher bezeichnet wurden.) | Die historische Tatsache ist, dass die Salzburger Metzger die Schlachtung der Tiere öffentlich vorzunehmen hatten, damit kein schädliches Fleisch zum Verkauf kommen konnte. Die übliche Reinigung an dem bis an die Stadtmauer reichenden flachen Ufer der [[Salzach]] und die Schlachtprobe führte angeblich zur scherzhaften Bezeichnung "Stierwascher" für die Salzburger. Der so genannte "Wascher", der mit Keulen oder ähnlichen Geräten gegeben wurde, war dabei angeblich die Betäubung, die bei einer Schlachtung üblich war. (Die Frage stellt sich, warum nicht alle mitteleuropäischen Stadtbewohner als Stierwascher bezeichnet wurden.) | ||
Weiters ist zu bemerken, dass die Metzger der Stadt Salzburg bis zur Zeit [[Wolf Dietrich von Raitenau]] ihre Läden auf der damaligen Stadtbrücke hatten. In einem alten Text aus dem [[Stadtarchiv Salzburg]] lesen wir darüber: "Auf der Pruggen gab es dereinsten vierzehn Metzgerläden... darunter [[Döllinger]] und [[Reitsamer]]" (letzere Familie hatte ihre Metzgerei noch bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhundert in der [[Griesgasse]]). Da [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] jedoch der Gestank ihrer Abfallbeseitigung in die Salzach zu stark wurde und natürlich auch die Sauberkeit der Salzach sehr darunter litt, befahl er diesen Metzern sich am Gries (heute [[Griesgasse]]) anzusiedeln. Die letzten Metzgerläden sind von dort Anfang bis Mitte 20. Jahrhundert verschwunden. | |||
Weiters ist zu bemerken, dass die Metzger der Stadt Salzburg bis zur Zeit [[Wolf Dietrich von Raitenau]] ihre Läden auf der damaligen Stadtbrücke hatten. In einem alten Text aus dem [[Stadtarchiv Salzburg]] lesen wir darüber: "Auf der Pruggen gab es dereinsten vierzehn Metzgerläden... darunter [[Döllinger]] und [[Reitsamer]]" (letzere Familie hatte ihre Metzgerei noch bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhundert in der [[Griesgasse]]). Da [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] jedoch der Gestank ihrer Abfallbeseitigung in die Salzach zu stark wurde und natürlich auch die Sauberkeit der Salzach sehr darunter litt, befahl er diesen Metzern sich am Gries (heute | |||
Eine letzte Reminiszenz an die früheren [[Städtische Fleischbank|Metzgerläden]] ist die Marmortafel des | Eine letzte Reminiszenz an die früheren [[Städtische Fleischbank|Metzgerläden]] ist die Marmortafel des ''Macellum Civitatis Salisburgensis'' am Gebäude Griesgasse 19, sowie eine Wandtafel der Metzger (siehe Bild oben) im [[Lamberg-Durchhaus]] von der [[Griesgasse]] Nr. 19 zur [[Getreidegasse]] Nr. 24. Die Wandtafel zeigt ein Abbild der Metzgerfahne (mit [[Metzgersprung]]) und das [[Wappen]] der Metzgerinnung, sowie das Abbild von [[Fleischtor]] und von Schlachthaus und Zunftherberge der Mezger im [[17. Jahrhundert]]. | ||
==Die Legende aus Halleiner Sicht== | ==Die Legende aus Halleiner Sicht== | ||
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* [http://www.salzburg.info/sehenswertes_143.htm www.salzburg.info] | * [http://www.salzburg.info/sehenswertes_143.htm www.salzburg.info] | ||
* Ergänzungen durch [[Benutzer:Peter Krackowizer]] | * Ergänzungen durch [[Benutzer:Peter Krackowizer]] | ||
* | * [[Clemens M. Hutter]]: "Tennengau, Kleinod am Fuße der Alpen", [[Verlag Anton Pustet]], 1990, ISBN 3-7025-0271-8 | ||
[[Kategorie:Geschichte]] | [[Kategorie:Geschichte]] | ||