Fürsterzbistum Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Fürsterzbistum Salzburg''' waren [[Ausländische Herrschaften|ausländische Herrschaften]] des [[Fürsterzbischof]]s.
Das '''Fürsterzbistum Salzburg''' umfasste die weltliche Herrschaftsgebiete des [[Fürsterzbischof]]s.
 
== Einleitung ==
Für den Zeitraum der Salzburger [[Erzbischöfe]], also von [[Arn]], der [[798]] zum Erzbischof ernannt wurde, bis zu Erzbischof [[Heinrich von Pirnbrunn]], der [[1343]] starb, nannte man den Kirchenbesitz und die Liegenschaften eines Erzbischofs ''Erzstift''.<ref>Quelle {{wikipedia-de|Erzstift}}</ref> In diesen Territorien war der Erzbischof aber nicht Landesherr, sondern nur Grundherr und besaß nur vereinzelte Rechte (z. B. das Marktrecht).
 
Der Nachfolger von Heinrich von Pirnbrunn, [[Ortolf von Weißeneck]], wird als erster ''Fürsterzbischof'' gesehen, also Erzbischof, der auch in Gebieten weltlicher - Fürst - Landesherr war. Diese Besitzungen nennt ab Ortolf von Weißeneck ''Fürsterzbistümer''.
 
Geistliche Herrschaften außerhalb der der [[Erzdiözese|Salzburger Erzdiözese]] waren unter den Erzbischöfen [[Eigenbistum|Eigenbistümer]] und dann unter den Fürsterzbischöfen [[Erzbistum|Erzbistümer]]. Wobei es in der Zeit des Fürsterzbistums Salzburg auch Territorien gab, die dem Salzburger Fürsterzbischof nicht weltlich, wohl aber geistlich unterstanden.
 
Aus diesen Begriffsunterschieden ergibt sich, dass weltliche und geistliche Territorien Salzburgs stets unterschiedlich waren. Die Begriffe Fürsterzbistum und Erzstift werden in vielen Publikationen gleichbedeutend verwendet. So verwendet Univ.-Doz. DDr. [[Franz Ortner]] in seiner Reihe "[[Das Erzbistum Salzburg in seiner Geschichte]]" den Begriff "Erzstift" auch für "Fürsterzbistum"<ref>Band 3 "Reformation und Katholische Reformation", vordere Innenseite: "Territorium und auswärtige Besitzungen des Erzstiftes Salzburg im 15. Jahrhundert"</ref>


== Geschichte ==  
== Geschichte ==  
Es bestand seit dem späten [[14. Jahrhundert]]. Seine Wurzeln liegen in der [[Salzburger Landesordnung|Landesordnung]] (erste urkundliche Erwähnung [[1342]]). Es überdauerte die Jahrhunderte bis zur [[Säkularisation]] von [[1803]].
Das Fürsterzbistum bestand seit dem späten [[14. Jahrhundert]]. Seine Wurzeln liegen in der schrittweisen Loslösung vom [[Herzogtum Bayern]]. Die [[Salzburger Landesordnung|Landesordnung]] (erste urkundliche Erwähnung [[1342]]) ist diesbezüglich ein wichtiger Schritt der Loslösung. Es überdauerte die Jahrhunderte bis zur [[Säkularisation]] von [[1803]].


Das Fürsterzbistum umfasste teils das eigentliche landesfürstliche Territorium. Dieses war jedoch kleiner als das ältere Gebiet der [[Erzdiözese Salzburg]], das geistlichen Seelsorgegebiet des Salzburger Erzbischofs. Es war [[739]] entstanden und ab [[798]] [[Erzbistum Salzburg|Erzbistum]]. Dazu kamen [[Ausländische Herrschaften|Ausländische Herrschaften]] mit unterschiedlichen Hoheitsrechten, sie unterstanden in verschiedenen Rechtsfragen anderen Fürsten. In diesen Ausländischen Herrschaften des Fürsterzbistums Salzburg war der Salzburger Fürsterzbischof Grundherr, aber nicht Landesherr. Sie sind zu unterscheiden von Exklaven wie [[Mühldorf am Inn]], die sehr wohl zum landesfürstlichen Territorium gehörten.
Das Fürsterzbistum Salzburg bestand als geistlicher Ständestaat<ref>bezeichnet einen Staat, der durch privilegierte Stände Fürsterzbischöfe weitgehend dominiert und regiert wird, Quelle {{wikipedia-de|Ständestaat|Ständestaat}}</ref> im [[Bayerischer Reichskreis|Bayerischen Reichskreis]] des [[Reich#Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römischen Reiches]]. Salzburg hatte sich schrittweise vom Mutterland, dem [[Herzogtum Bayern]] gelöst. Daher ist nicht klar, wer als erster Fürsterzbischof anzusprechen ist.
[[Datei:Grenzmarkierung Rupertiwinkel Chiemgau.jpg|thumb|Hinweisschild Grenze "[[Erzbischof als Landesherr oder Grundherr#Erzstift|Erzstift]] Salzburg" - Chiemgau. (Hinweis: Salzburg blieb nach 1275 jahrzehntelang noch Teil Bayerns, "rot und weiß schräg geteilt" war nicht das Wappen des Fürsterzbistums)]]
[[Franz Ortner]] spricht bereits mit der Erlassung einer eigenen Salzburger Landesordnung [[1328]] unter Erzbischof [[Friedrich III. von Leibnitz]] ([[1315]][[1338]]) (die Einhebung dieser Schatzsteuer gilt als Geburtsstunde des selbständigen Landes Salzburg) von "''einem souveränen Fürstentum Salzburg ([[Erzbischof als Landesherr oder Grundherr#Erzstift|Erzstift]])''"<ref>Quelle [[Das Erzbistum Salzburg in seiner Geschichte]], Mittelalter, Missionszentrum und Kulturträger, Teil 2, Seite 12</ref>). Aber erst Erzbischof [[Ortolf von Weißeneck]] ([[1343]]–[[1365]]) wird dann vielfach als erster ''Fürsterzbischof'' gesehen, also als Erzbischof, der auch in Gebieten weltlicher Landesherr war, unstrittig ist aber [[Pilgrim II. von Puchheim]] (1365–[[1396]]) ein solcher Fürsterzbischof.


Darüber hinaus gibt es auch noch die [[Salzburger Kirchenprovinz]], die dem Erzbischof von Salzburg als Metropoliten zugeordnet ist. Früher war die Kirchenprovinz wesentlich größer und umfasste alle [[Bayerische Kirchenprovinz|Bayerischen Bistümer]]. Heute gehören zur Kirchenprovinz Salzburg neben der [[Erzdiözese Salzburg]] die Diözesen [[Diözese Graz-Seckau|Graz-Seckau]], [[Diözese Gurk-Klagenfurt|Gurk-Klagenfurt]], [[Diözese Innsbruck|Innsbruck]] und [[Diözese Feldkirch|Feldkirch]].
Das Fürsterzbistum umfasste das eigentliche landesfürstliche Territorium. Dieses war naturgemäß kleiner als das ältere Gebiet der [[Erzdiözese Salzburg]], das geistlichen Seelsorgegebiet des Salzburger Erzbischofs. Es war [[739]] entstanden und ab [[798]] [[Erzbistum Salzburg|Erzbistum]]. Dazu kamen [[Ausländische Herrschaften|Ausländische Herrschaften]] mit unterschiedlichen Hoheitsrechten, sie unterstanden in verschiedenen Rechtsfragen anderen Fürsten oder Herzögen. In diesen Ausländischen Herrschaften des Fürsterzbistums Salzburg war der Salzburger Fürsterzbischof Grundherr, aber nicht Landesherr. Sie sind zu unterscheiden von Exklaven wie [[Mühldorf am Inn]], die sehr wohl zum landesfürstlichen Territorium gehörten, also Teil des Fürsterzbistums.


Das Fürsterzbistum Salzburg bestand als Ständestaat<ref>bezeichnet einen Staat, der durch privilegierte Stände [[Fürsterzbischof|Fürsterzbischöfe]] weitgehend dominiert und regiert wird, Quelle wikipedia.de</ref> im [[Bayerischer Reichskreis|Bayerischen Reichskreis]] des [[Reich#Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römischen Reiches]]. Salzburg hatte sich schrittweise vom Mutterland [[Herzogtum Bayern|Bayern]] gelöst. Daher ist nicht klar, wer als erster Fürsterzbischof anzusprechen ist. Teilweise wird schon [[Ortolf von Weißeneck]] (1343 bis [[1365]]) als Fürsterzbischof gesehen, unstrittig ist aber [[Pilgrim II. von Puchheim]] ein solcher Fürsterzbischof.
Im V. Geheimartikel des [[Frieden von Campoformio|Friedens von Campoformio]] sicherte [[Napoleon Bonaparte]] als Oberbefehlshaber der Französischen Armee am [[17. Oktober]] [[1797]] dem römisch-deutschen Kaiser [[Franz II./I.|Franz II.]] die Unterstützung von dessen Gebietsansprüchen auf das [[Erzbistum Salzburg]] einschließlich [[Wasserburg am Inn]] durch die [[Frankreich|Französische Republik]] zu.<ref>[https://books.google.de/books?id=SStJAAAAcAAJ&dq=Trait%C3%A9+de+paix+de+Campo+Formio&hl=de&pg=PA1#v=onepage&q=Trait%C3%A9%20de%20paix%20de%20Campo%20Formio&f=false ''Geheime Artikel und Additional-Konvention zu dem Friedens-Traktat von Campo-Formio, geschlossen den 17. Oktober 1797.'']</ref>


==Seine größte Ausdehnung unter Pilgrim II.==
== Größte Ausdehnung des Fürsterzbistums unter Pilgrim II. ==
Das Fürsterzbistum Salzburg erlebte seine größte flächenmäßig Ausbreitung unter Fürsterzbischof [[Pilgrim II. von Puchheim]] ([[1365]]–[[1396]]). Damals umfasste der weltliche Herrschaftsbereich des Erzbischofs folgende Gebiete:
Das Fürsterzbistum Salzburg erlebte seine größte flächenmäßig Ausbreitung unter Fürsterzbischof [[Pilgrim II. von Puchheim]] ([[1365]]–[[1396]]). Damals umfasste der weltliche Herrschaftsbereich des Erzbischofs folgende Gebiete:


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: die [[Kitzbüheler Alpen]] an der Grenze zum [[Pinzgau]];
: die [[Kitzbüheler Alpen]] an der Grenze zum [[Pinzgau]];
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: das Gebiet vom [[Felber Tauern]], [[Matrei]], das [[Defreggental]] mit [[Hopfgarten im Defereggental]] und das Gebiet um den [[Stallersattel]] von [[1203]]/[[1207]] bis 1810;
: das Gebiet vom [[Felber Tauern]], [[Matrei]], das [[Defereggental]] mit [[Hopfgarten im Defereggental]] und das Gebiet um den [[Stallersattel]] von [[1203]]/[[1207]] bis 1810;
* in [[Kärnten]]:
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: das Gebiet um [[Stall im oberen Mölltal]] bis [[Schloss Lengberg]] (Osttirol, nahe von Dölsach)
: das Gebiet um [[Stall im oberen Mölltal]] bis [[Schloss Lengberg]] (Osttirol, nahe von Dölsach)
: das [[Lurnfeld]] nordwestlich von [[Spittal an der Drau]], [[Gmünd]], [[Maltatal]] und die [[Nockberge]] von [[1142]] bis [[1555]]
: das [[Lurnfeld]] nordwestlich von [[Spittal an der Drau]], [[Gmünd]], [[Maltatal]] und die [[Nockberge]] von [[1142]] bis [[1555]]
: das Gebiet südöstlich von [[Maria Saal]], [[Taggenbrunn]]
: das Gebiet südöstlich von [[Maria Saal]], [[Taggenbrunn]]
: das Gebiet östlich von [[Friesach]] und [[Althofen]] einschließlich beider Orte, [[Lichtenberg]], [[Stein |Stein]], [[St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä]], [[Löschtental]] und [[Lavamünd]];
: das Gebiet östlich von [[Friesach]] und [[Althofen]] einschließlich beider Orte, [[Lichtenberg]], [[Stein |Stein]], [[St. Andrä im Lavanttal|St. Andrä]], [[Lötschental]] und [[Lavamünd]];
* in der [[Steiermark]]:  
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: [[Haus im Ennstal|Haus]] und [[Gröbming]] im [[Ennstal]]
: <span style="color:green">Haus</span><ref>siehe EnnstalWiki → [[enns:Haus]]</ref><ref>{{ennswiki}}</ref> und [[Gröbming]] im [[Ennstal]]
: [[Neumarkt in der Steiermark|Neumarkt]]
: [[Neumarkt in der Steiermark|Neumarkt]]
: das Gebiet nordwestlich von [[Deutschlandsberg]], das Gebiet zwischen [[Leibnitz]] und [[Arnfels]], [[Straßgang]] südlich von Graz;  
: das Gebiet nordwestlich von [[Deutschlandsberg]], das Gebiet zwischen [[Leibnitz]] und [[Arnfels]], [[Straßgang]] südlich von Graz;  
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==Quellen==
==Quellen==
* siehe Diskussion zum Artikel
* [[Auswärtige Herrschaften]]
* [[Auswärtige Herrschaften]]
* siehe Diskussion zum Artikel
*  [[Andreas Hirsch]], [[Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung|Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung e.V.]] per E-Mail an Admin. Peter
*  [[Andreas Hirsch]], [[Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung|Verein für Heimatkunde Bad Reichenhall und Umgebung e.V.]] per E-Mail an Admin. Peter
* [[Friederike Zaisberger]]: ''[[Geschichte Salzburgs]]
* {{wikipedia-de|Fürsterzbistum_Salzburg}}
* {{wikipedia-de|Fürsterzbistum_Salzburg}}
== Fußnote ==
== Einzelnachweise und Fußnoten ==
<references/>
<references/>


{{Verwaltungsbegriffe aus dem Kirchenrecht}}
{{Verwaltungsbegriffe aus dem Kirchenrecht}}
{{Epochen
|EPOCHE=Fürsterzbistum Salzburg<br />1342–1800
|VORHER= [[Erzbischof als Landesherr oder Grundherr#Erzstift|Erzstift]]
|NACHHER=[[Salzburg unter Napoleon]] (1800–1801)
}}


[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Geschichte (Fürsterzbistum)|!|Fürsterzbistum]]
[[Kategorie:Geschichte (Fürsterzbistum)|!|Fürsterzbistum]]
[[Kategorie:Infrastruktur]]
[[Kategorie:Staatliche Organisation]]
[[Kategorie:Verwaltung]]
[[Kategorie:Verwaltung (Geschichte)]]