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Textersetzung - „Rumänien“ durch „Rumänien
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Von dem im Zuge der Evolutionsgeschichte entstandenen "Ur-Europa" ist nicht mehr viel übrig: So sehr man in Europa auch gerne das Verschwinden der tropischen Regenwälder in anderen Erdteilen beklagt, so wenig haben wir es geschafft, die natürliche Vielfalt des „alten“ Kontinents zu erhalten. Aber es gibt sie noch, die letzten Überlebenden unserer Märchen- und Fantasy-Wälder. Und sie sind näher, als viele denken...
 
Von dem im Zuge der Evolutionsgeschichte entstandenen "Ur-Europa" ist nicht mehr viel übrig: So sehr man in Europa auch gerne das Verschwinden der tropischen Regenwälder in anderen Erdteilen beklagt, so wenig haben wir es geschafft, die natürliche Vielfalt des „alten“ Kontinents zu erhalten. Aber es gibt sie noch, die letzten Überlebenden unserer Märchen- und Fantasy-Wälder. Und sie sind näher, als viele denken...
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Die Urwälder in Mitteleuropa umfassen knapp 170 000 Hektar oder vier Promille der Waldfläche in diesem Bereich. Den Löwenanteil an den verbliebenen Urwaldflächen haben Rumänien (mit 66 Prozent) und die Ukraine (mit 22 Prozent). Einzelne Gebiete wie der Uholka-Urwald in der Ukraine oder der Nera-Quellen-Urwald in Rumänien umfassen sogar mehrere tausend Hektar am Stück. Das sind unsere letzten großen Waldparadiese.
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Die Urwälder in Mitteleuropa umfassen knapp 170 000 Hektar oder vier Promille der Waldfläche in diesem Bereich. Den Löwenanteil an den verbliebenen Urwaldflächen haben [[Rumänien]] (mit 66 Prozent) und die Ukraine (mit 22 Prozent). Einzelne Gebiete wie der Uholka-Urwald in der Ukraine oder der Nera-Quellen-Urwald in [[Rumänien]] umfassen sogar mehrere tausend Hektar am Stück. Das sind unsere letzten großen Waldparadiese.
    
Der Anteil der [[Alpen]] beträgt nur 0,4 Prozent. Fast drei Viertel der Urwälder Mitteleuropas sind Buchen- und Buchenmischwälder, 23 Prozent sind Fichtenwälder.
 
Der Anteil der [[Alpen]] beträgt nur 0,4 Prozent. Fast drei Viertel der Urwälder Mitteleuropas sind Buchen- und Buchenmischwälder, 23 Prozent sind Fichtenwälder.
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Unsere letzten Urwälder erinnern in der Tat an die computergenerierten Märchenwälder einschlägiger Fantasyfilme: Monumentale, mit Moos überwucherte Baumriesen. Eine faszinierende Vielfalt an Pilzen und Flechten. Schummriges Zwielicht. Eine Vielfalt an Arten, Formen und Gestalten, die in den oft gleichaltrigen Wirtschaftswäldern nicht mehr existiert. Durch die Wälder der Karpaten und Dinariden streifen auch noch Bären, Wölfe und Luchse - ihre Spuren sind häufig zu sehen und ihre Anwesenheit mitunter zu spüren.
 
Unsere letzten Urwälder erinnern in der Tat an die computergenerierten Märchenwälder einschlägiger Fantasyfilme: Monumentale, mit Moos überwucherte Baumriesen. Eine faszinierende Vielfalt an Pilzen und Flechten. Schummriges Zwielicht. Eine Vielfalt an Arten, Formen und Gestalten, die in den oft gleichaltrigen Wirtschaftswäldern nicht mehr existiert. Durch die Wälder der Karpaten und Dinariden streifen auch noch Bären, Wölfe und Luchse - ihre Spuren sind häufig zu sehen und ihre Anwesenheit mitunter zu spüren.
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Urwälder wie der Uholka-Wald in der Westukraine, der Nera-Quellen-Urwald in Rumänien oder die Wälder an der polnisch-slowakisch-ukrainischen Grenze ("Poloniny"-Gebiet) bilden regelrechte Waldmeere, die sich ohne jede menschliche Spur bis zum Horizont erstrecken. Archaische Landschaftseindrücke, die in Mitteleuropa ganz selten geworden sind.
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Urwälder wie der Uholka-Wald in der Westukraine, der Nera-Quellen-Urwald in [[Rumänien]] oder die Wälder an der polnisch-slowakisch-ukrainischen Grenze ("Poloniny"-Gebiet) bilden regelrechte Waldmeere, die sich ohne jede menschliche Spur bis zum Horizont erstrecken. Archaische Landschaftseindrücke, die in Mitteleuropa ganz selten geworden sind.
    
== Urwald – wem nützt das? ==
 
== Urwald – wem nützt das? ==
In ganz Europa werden seit etwa 1995 unter großen Anstrengungen Naturwälder außer Nutzung gestellt und dürfen sich nun wieder zu sekundären „Urwäldern“ entwickeln. Zum Beispiel in den UNESCO Naturerbe-Reservaten in Deutschland, Slowakei, Rumänien und der Ukraine. Oder in Nationalparks, Wildnisgebieten und Naturwald-Reservaten. Herausragende Beispiele dafür finden sich auch in Österreich, Italien, Polen und der Schweiz. Insgesamt sind in Mitteleuropa heute aber nur noch wenige Prozent der Wälder in einem sehr naturnahen Zustand.
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In ganz Europa werden seit etwa 1995 unter großen Anstrengungen Naturwälder außer Nutzung gestellt und dürfen sich nun wieder zu sekundären „Urwäldern“ entwickeln. Zum Beispiel in den UNESCO Naturerbe-Reservaten in Deutschland, Slowakei, [[Rumänien]] und der Ukraine. Oder in Nationalparks, Wildnisgebieten und Naturwald-Reservaten. Herausragende Beispiele dafür finden sich auch in Österreich, Italien, Polen und der Schweiz. Insgesamt sind in Mitteleuropa heute aber nur noch wenige Prozent der Wälder in einem sehr naturnahen Zustand.
    
Ur- und Naturwälder sind freilich nicht nur von romantischer Bedeutung: Für die Waldforschung stellen sie wichtige "Nullflächen" (also unbeeinflusste Vergleichsflächen) dar. Sie sind letzte Rettungsinseln für viele Arten, die in den ökologisch verarmten Wirtschaftswäldern nicht überleben können. Und sie bewahren einen grandiosen genetischen Schatz: Das Resultat einer vom Menschen kaum bis nicht veränderten und jahrtausendelang optimierten natürlichen Evolution.
 
Ur- und Naturwälder sind freilich nicht nur von romantischer Bedeutung: Für die Waldforschung stellen sie wichtige "Nullflächen" (also unbeeinflusste Vergleichsflächen) dar. Sie sind letzte Rettungsinseln für viele Arten, die in den ökologisch verarmten Wirtschaftswäldern nicht überleben können. Und sie bewahren einen grandiosen genetischen Schatz: Das Resultat einer vom Menschen kaum bis nicht veränderten und jahrtausendelang optimierten natürlichen Evolution.
    
== Unsere Ur- und Naturwälder brauchen besseren Schutz ==
 
== Unsere Ur- und Naturwälder brauchen besseren Schutz ==
Trotz all der Schutzanstrengungen bedrohen im "Westen" Europas forstwirtschaftliche Intensivnutzung und Bestandumwandlungen von Laubwäldern zu Nadelforsten viele verbliebene Naturwaldflächen. In den Ländern Mittelost- und Südeuropas nagen illegale Einschläge, die Gier von „Investoren“ oder gar kriminellen Netzwerken an den Urwaldgebieten. Besonders davon betroffen ist Rumänien, wo die größten Urwälder Europas außerhalb von Russland überlebt haben.
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Trotz all der Schutzanstrengungen bedrohen im "Westen" Europas forstwirtschaftliche Intensivnutzung und Bestandumwandlungen von Laubwäldern zu Nadelforsten viele verbliebene Naturwaldflächen. In den Ländern Mittelost- und Südeuropas nagen illegale Einschläge, die Gier von „Investoren“ oder gar kriminellen Netzwerken an den Urwaldgebieten. Besonders davon betroffen ist [[Rumänien]], wo die größten Urwälder Europas außerhalb von Russland überlebt haben.
    
Waldschutz ist für die Menschheit überlebenswichtig. Der Schutz von Ur- und Naturwäldern muss daher mehr Aufmerksamkeit im Europäischen Naturschutz erhalten! Ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein kann dazu beitragen, den Schutz dieser einzigartigen Gebiete zu verstärken. Und das ist auch ein Ziel dieses Buches.
 
Waldschutz ist für die Menschheit überlebenswichtig. Der Schutz von Ur- und Naturwäldern muss daher mehr Aufmerksamkeit im Europäischen Naturschutz erhalten! Ein gesteigertes öffentliches Bewusstsein kann dazu beitragen, den Schutz dieser einzigartigen Gebiete zu verstärken. Und das ist auch ein Ziel dieses Buches.