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Am 4. und 5. Mai 1918, wenige Monate vor dem Ende des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]], fand in Wien der letzte Reichsparteitag („Reich“ bedeutete hier die österreichische Hälfte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie) statt, in dessen Verlauf der Name der Partei in „Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“ (DNSAP) geändert wurde.
 
Am 4. und 5. Mai 1918, wenige Monate vor dem Ende des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]], fand in Wien der letzte Reichsparteitag („Reich“ bedeutete hier die österreichische Hälfte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie) statt, in dessen Verlauf der Name der Partei in „Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“ (DNSAP) geändert wurde.
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Nachdem im Oktober und November 1918 die Monarchie zerfallen war, bildete die DNSAP in der Tschechoslowakei und in Österreich je eine eigene Organisation. Die österreichische Partei wurde vom Wiener Rechtsanwalt Walter Riehl (*1881, † 1955) geführt.  
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Nachdem im Oktober und November 1918 die Monarchie zerfallen war, bildete die DNSAP in der Tschechoslowakei und in Österreich je eine eigene Organisation. Die österreichische Partei wurde vom Wiener Rechtsanwalt Walter Riehl (* 1881, † 1955) geführt.  
    
Bei den Wahlen zur österreichischen Konstituierenden Nationalversammlung erzielte die DNSAP im Februar 1919 nur 23.431 Stimmen, das waren 0,78 %. Von diesen Stimmen kam fast ein Drittel (7.382) aus dem Land Salzburg.
 
Bei den Wahlen zur österreichischen Konstituierenden Nationalversammlung erzielte die DNSAP im Februar 1919 nur 23.431 Stimmen, das waren 0,78 %. Von diesen Stimmen kam fast ein Drittel (7.382) aus dem Land Salzburg.
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* der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei Deutschlands (mit Sitz in München) und
 
* der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei Deutschlands (mit Sitz in München) und
 
* der deutschsozialen Partei (mit Sitz in Hannover).
 
* der deutschsozialen Partei (mit Sitz in Hannover).
Diese Parteien erklärten ihren Zusammenschluss zur „Deutschen national-sozialistischen Partei“. Diese Erklärung hatte freilich nur deklaratorischen Charakter, die Mitgliedsparteien blieben selbstständig, auch wenn sie ihr für das betreffende Staatsgebiet geltendes Programm „in Übereinstimmung mit den Leitsätzen aller Nationalsozialisten“ aufzustellen gelobten. [[Adolf Hitler]] (*1889, † 1945) war zwar damals noch kein hochrangiger Funktionär der Münchener NSDAP, nahm aber als vielbeachteter Redner an der Veranstaltung teil. Dieser Zusammenschluss blieb ohne Bedeutung, da er Hitlers autoritären Vorstellungen widerstrebte.
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Diese Parteien erklärten ihren Zusammenschluss zur „Deutschen national-sozialistischen Partei“. Diese Erklärung hatte freilich nur deklaratorischen Charakter, die Mitgliedsparteien blieben selbstständig, auch wenn sie ihr für das betreffende Staatsgebiet geltendes Programm „in Übereinstimmung mit den Leitsätzen aller Nationalsozialisten“ aufzustellen gelobten. [[Adolf Hitler]] (* 1889, † 1945) war zwar damals noch kein hochrangiger Funktionär der Münchener NSDAP, nahm aber als vielbeachteter Redner an der Veranstaltung teil. Dieser Zusammenschluss blieb ohne Bedeutung, da er Hitlers autoritären Vorstellungen widerstrebte.
    
Die österreichischen Nationalsozialisten betrachteten die deutsche Schwesterpartei grundsätzlich mit Sympathie, pflegten mit ihr einen Redneraustausch für Veranstaltungen und gewährten, als Hitlers Putschversuch 1923 scheiterte, nach Salzburg entkommenen Putschisten Zuflucht und Unterstützung.
 
Die österreichischen Nationalsozialisten betrachteten die deutsche Schwesterpartei grundsätzlich mit Sympathie, pflegten mit ihr einen Redneraustausch für Veranstaltungen und gewährten, als Hitlers Putschversuch 1923 scheiterte, nach Salzburg entkommenen Putschisten Zuflucht und Unterstützung.
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Nach Hitlers Haftentlassung und politischem Neubeginn war sein Einfluss auch in Österreich wirksam, und die österreichischen DNSAP-Führer versuchten, seinen ideologischen Vorstellungen und seinem Führungsanspruch entgegenzukommen, ohne sich völlig zu unterwerfen. Auf der „Passauer Tagung“ vom 12. August 1926 kam es zum Bruch der österreichischen DNSAP-Führung<ref>Die historische Literatur ist hier nicht ausführlich und einheitlich. Laut Whiteside (aaO S.&nbsp;359) stimmte 1926 auf einer Konferenz der österreichischen Parteiführer, die in München und bezeichnenderweise unter Hitlers Vorsitz stattfand, die Mehrheit für die unbedingte persönliche Führerschaft Hitlers und für sein 25-Punkte-Programm. </ref> mit Hitler;<ref>Richard Voithofer, ''Hans Prodinger (1887-1938). Nationalsozialist zwischen [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#S|Ständestaat]] und Konzentrationslager'', in: [[Franz Schausberger]] (Hg.), Geschichte und Identität. Festschrift für Robert Kriechbaumer zum 60.&nbsp;Geburtstag (=&nbsp;Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek Salzburg, Band&nbsp;35), Wien-Köln-Weimar 2008. [http://books.google.at/books?id=L4Z568v6D2MC&pg=PA152&lpg=PA152 S.149-159 (152);] nach anderer Lesart (Oskar Dohle [http://www.rainerregiment.at/joomla/index.php?option=com_content&view=article&id=192&Itemid=122 Unruhige Grenze – unruhige Nachbarn. Salzburg und Bayern 1918-1938 vor dem Hintergrund des Aufstiegs der NSDAP) erfolgte auf dieser Tagung die Vereinigung der deutschen und der österreichischen Nationalsozialisten.</ref> es spaltete sich die „Hitler-Bewegung“ ab, die vor allem von radikalen jungen Mitgliedern getragen wurde; zurück blieb die „Schulz-Partei“ oder „Schulz-Gruppe“.
 
Nach Hitlers Haftentlassung und politischem Neubeginn war sein Einfluss auch in Österreich wirksam, und die österreichischen DNSAP-Führer versuchten, seinen ideologischen Vorstellungen und seinem Führungsanspruch entgegenzukommen, ohne sich völlig zu unterwerfen. Auf der „Passauer Tagung“ vom 12. August 1926 kam es zum Bruch der österreichischen DNSAP-Führung<ref>Die historische Literatur ist hier nicht ausführlich und einheitlich. Laut Whiteside (aaO S.&nbsp;359) stimmte 1926 auf einer Konferenz der österreichischen Parteiführer, die in München und bezeichnenderweise unter Hitlers Vorsitz stattfand, die Mehrheit für die unbedingte persönliche Führerschaft Hitlers und für sein 25-Punkte-Programm. </ref> mit Hitler;<ref>Richard Voithofer, ''Hans Prodinger (1887-1938). Nationalsozialist zwischen [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#S|Ständestaat]] und Konzentrationslager'', in: [[Franz Schausberger]] (Hg.), Geschichte und Identität. Festschrift für Robert Kriechbaumer zum 60.&nbsp;Geburtstag (=&nbsp;Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek Salzburg, Band&nbsp;35), Wien-Köln-Weimar 2008. [http://books.google.at/books?id=L4Z568v6D2MC&pg=PA152&lpg=PA152 S.149-159 (152);] nach anderer Lesart (Oskar Dohle [http://www.rainerregiment.at/joomla/index.php?option=com_content&view=article&id=192&Itemid=122 Unruhige Grenze – unruhige Nachbarn. Salzburg und Bayern 1918-1938 vor dem Hintergrund des Aufstiegs der NSDAP) erfolgte auf dieser Tagung die Vereinigung der deutschen und der österreichischen Nationalsozialisten.</ref> es spaltete sich die „Hitler-Bewegung“ ab, die vor allem von radikalen jungen Mitgliedern getragen wurde; zurück blieb die „Schulz-Partei“ oder „Schulz-Gruppe“.
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Im Herbst 1929 einigten sich beide Parteien auf eine gemeinsame Struktur, die eine paritätisch besetzte provisorische Bundesleitung und provisorische Landesleitungen, die zwischen der Schulz- und der Hitler-Gruppe aufgeteilt wurden (wobei zB Salzburg der Schulz-Gruppe zugesprochen wurde). In allgemein politischen Fragen würde die vereinigte Partei zur reichsdeutschen Bruderpartei gehen und im Einvernehmen mit derselben arbeiten. Dieser Einigungsversuch scheiterte aber letztlich nach einigen Monaten.<ref>Voithofer, Diss., aaO 264&nbsp;f.</ref>
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Im Herbst 1929 einigten sich beide Parteien auf eine gemeinsame Struktur, die eine paritätisch besetzte provisorische Bundesleitung und provisorische Landesleitungen, die zwischen der Schulz- und der Hitler-Gruppe aufgeteilt wurden (wobei zB Salzburg der Schulz-Gruppe zugesprochen wurde), umfasste. In allgemein politischen Fragen würde die vereinigte Partei zur reichsdeutschen Bruderpartei gehen und im Einvernehmen mit derselben arbeiten. Dieser Einigungsversuch scheiterte aber letztlich nach einigen Monaten.<ref>Voithofer, Diss., aaO 264&nbsp;f.</ref>
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1930 erzielte Hitlers NSDAP, bis dahin eine kleine Randgruppe, bei den Wahlen zum deutschen Reichstag einen spektakulären Erfolg – mit 18,3% der Stimmen war sie nun die zweitstärkste Partei. Von da an gelang auch der österreichische NSDAP (Hitler-Bewegung), befeuert von Hitlers Erfolgen im Deutschen Reich und begünstigt durch die hereingebrochene Weltwirtschaftskrise, besonders in den Landtagswahlen von 1932 ein steiler Aufstieg; die meisten Wähler und viele Funktionäre der „Schulz-Gruppe“ wechselten zur Hitler-NSDAP.
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1930 erzielte Hitlers NSDAP, bis dahin eine kleine Randgruppe, bei den Wahlen zum deutschen Reichstag einen spektakulären Erfolg – mit 18,3% der Stimmen war sie nun die zweitstärkste Partei. Von da an gelang auch der österreichische NSDAP (Hitler-Bewegung), befeuert von Hitlers Erfolgen im Deutschen Reich und begünstigt durch die hereingebrochene Weltwirtschaftskrise, besonders in den [[Landtagswahlen 1932|Landtagswahlen von 1932]] ein steiler Aufstieg; die meisten Wähler und viele Funktionäre der „Schulz-Gruppe“ wechselten zur Hitler-NSDAP.
    
===Programm und Ideologie===
 
===Programm und Ideologie===
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===Organisationsgeschichte===
 
===Organisationsgeschichte===
Bereits im Vorfeld der Gründung der Salzburger Landesgruppe der Parte bestanden in Salzburg deutschnationale Arbeitnehmerorganisationen: <ref>Hanisch aaO 375-378.</ref>  
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Bereits im Vorfeld der Gründung der Salzburger Landesgruppe der Parte bestanden in Salzburg deutschnationale Arbeitnehmerorganisationen:<ref>Hanisch aaO 375-378.</ref>  
 
* 1898 wurde der ''Reichsbund deutscher Eisenbahner in Österreich, Zweigstelle Salzburg'', gegründet. Vorsitzender war 1913 der Magazinaufseher [[Hans Otte]], ab 1915 der Magazinmeister [[Leopold Schaschko]].
 
* 1898 wurde der ''Reichsbund deutscher Eisenbahner in Österreich, Zweigstelle Salzburg'', gegründet. Vorsitzender war 1913 der Magazinaufseher [[Hans Otte]], ab 1915 der Magazinmeister [[Leopold Schaschko]].
* 1904 fasste der ''Deutsche Handlungsgehilfenverband (DHV)'', der einen österreichischer Ableger namens ''„Gau Ostmark“'' hatte, in Salzburg Fuß, wo [[Hans Prodinger]] (*1887, † 1938) sein Mitbegründer wurde. In Salzburg kämpfte der DHV vor allem für die Sonntagsruhe, die er gemeinsam mit den Sozialdemokraten noch vor dem Ersten Weltkrieg durchzusetzen konnte.
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* 1904 fasste der ''Deutsche Handlungsgehilfenverband (DHV)'', der einen österreichischen Ableger namens ''„Gau Ostmark“'' hatte, in Salzburg Fuß, wo [[Hans Prodinger]] (*&nbsp;1887, †&nbsp;1938) sein Mitbegründer wurde. In Salzburg kämpfte der DHV vor allem für die Sonntagsruhe, die er gemeinsam mit den [[SDAP|Sozialdemokraten]] noch vor dem Ersten Weltkrieg durchzusetzen konnte.
 
* 1908 erfolgte die Gründung des ''Bundes deutscher Arbeiter'' (Vorsitzender: Franz Weiß, Maurerpolier) ein Jahr darauf die Gründung des ''Deutschen Arbeitervereins'' (Vorsitzender: [[Josef Sindinger]], Baupolier)
 
* 1908 erfolgte die Gründung des ''Bundes deutscher Arbeiter'' (Vorsitzender: Franz Weiß, Maurerpolier) ein Jahr darauf die Gründung des ''Deutschen Arbeitervereins'' (Vorsitzender: [[Josef Sindinger]], Baupolier)
* In Maxglan gab es einen ''Verband der Deutschen Arbeiterjugend'', in dem der Eisenbahntelegraphist [[Hans Wagner (Politiker)|Hans Wagner]] den Vorsitz führte.
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* In [[Maxglan]] gab es einen ''Verband der Deutschen Arbeiterjugend'', in dem der Eisenbahntelegraphist [[Hans Wagner (Politiker)|Hans Wagner]] den Vorsitz führte.
 
* 1913 gründete Wagner die Ortsgruppe Salzburg des ''Allgemeinen Deutschen Gewerksvereins'', der die nationalen Arbeitervereine zusammenfassen sollte.
 
* 1913 gründete Wagner die Ortsgruppe Salzburg des ''Allgemeinen Deutschen Gewerksvereins'', der die nationalen Arbeitervereine zusammenfassen sollte.
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Am 25. Oktober 1913 wurde in den [[Großgasthof Sternbräu|Gasthof Stern]] eine Zusammenkunft von Vertretern aller nationalen Gewerkschaften einberufen, in der man die Gründung der ''Deutschen Arbeiterpartei Salzburgs'' beschloss. Als geistiger Mentor wirkte der Advokat und deutschnationale Reichsratsabgeordnete Arthur Stölzel.
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Am 25. Oktober 1913 wurde in den [[Großgasthof Sternbräu|Gasthof Stern]] eine Zusammenkunft von Vertretern aller nationalen Gewerkschaften einberufen, in der man die Gründung der ''Deutschen Arbeiterpartei Salzburgs'' beschloss. Als geistiger Mentor wirkte der Advokat und deutschnationale {{Reichsrat]]sabgeordnete [[Arthur Stölzel]].
    
Als Parteiorgan fungierte die Wochenzeitung „[[Deutscher Volksruf]]“.
 
Als Parteiorgan fungierte die Wochenzeitung „[[Deutscher Volksruf]]“.
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Landesparteiobmann war
 
Landesparteiobmann war
* 1913–1918: …
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* 1913 − 1918: …
* 1918–1920: Hans Wagner, Arbeitersekretär
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* 1918 − 1920: Hans Wagner, Arbeitersekretär
* 1920–1922: [[Franz Sieger]], Schriftsetzer
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* 1920 − 1922: [[Franz Sieger]], Schriftsetzer
 
* 1922: [[Hans Prodinger]], Angestellter des DHV
 
* 1922: [[Hans Prodinger]], Angestellter des DHV
* 1922-1925: Karl Bacher, Eisenbahn-Oberrevident
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* 1922 1925: [[Karl Bacher]], Eisenbahn-Oberrevident
* 1925-1931: [[Nikolaus Schlam]], Sudmeister der Saline Hallein
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* 1925 1931: [[Nikolaus Schlam]], Sudmeister der [[Saline Hallein]]
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Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Salzburger Landespartei durch DNSAP-Funktionäre verstärkt, die ihre böhmische Heimat verlassen mussten: So vorübergehend Rudolf Jung (*1889, † 1945)<ref>Vgl. den Wikipedia-Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Jung_(Politiker) ''„Rudolf Jung (Politiker)“'']</ref>, der führenden „Theoretiker“ des frühen Nationalsozialismus, und Sepp Koller, der Anfang der zwanziger Jahre in Salzburg als Parteisekretär angestellt wurde.
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Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Salzburger Landespartei durch DNSAP-Funktionäre verstärkt, die ihre böhmische Heimat verlassen mussten: So vorübergehend Rudolf Jung (*&nbsp;1889, †&nbsp;1945)<ref>Vgl. den Wikipedia-Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Jung_(Politiker) ''„Rudolf Jung (Politiker)“'']</ref>, der führenden „Theoretiker“ des frühen Nationalsozialismus, und Sepp Koller, der Anfang der [[1920er]]-Jahre in Salzburg als Parteisekretär angestellt wurde.
    
Weitere Funktionäre und Mandatsträger waren
 
Weitere Funktionäre und Mandatsträger waren
* Dr. [[Otto Troyer]], Rechtsanwalt, 1905 bis 1931 Mitglied des [[Salzburger Gemeinderat]]es, 1922 bis 1927 der Salzburger Landesregierung
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* Dr. [[Otto Troyer]], Rechtsanwalt, 1905 bis 1931 Mitglied des [[Salzburger Gemeinderat]]es, 1922 bis 1927 der Salzburger Landesregierung;
* Josef Sindinger, Baupolier, seit April 1918 Landesparteiobmann-Stellvertreter
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* Josef Sindinger, Baupolier, seit April 1918 Landesparteiobmann-Stellvertreter;
* Nikolaus Donat, Postoberoffizial, seit April 1925 Landesparteiobmann-Stellvertreter
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* Nikolaus Donat, Postoberoffizial, seit April 1925 Landesparteiobmann-Stellvertreter;
* Leopold Schaschko, Magazinmeister, Landtagsabgeordneter 1918/19  
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* Leopold Schaschko, Magazinmeister, [[Landtagsabgeordneter|Abgeordneter]] zur Provisorischen Landesversammlung 1918/19.
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Eine starke Basis hatte die DNSAP unter den Eisenbahnbediensteten: So war (1919) der Fahrdienstleiter Malina Ortsgruppenobmann von Bischofshofen, der Signalmeister Franz Awecker Ortsgruppenobmann von Saalfelden.
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Eine starke Basis hatte die DNSAP unter den Eisenbahnbediensteten: So war (1919) der Fahrdienstleiter Malina Ortsgruppenobmann von [[Bischofshofen]], der Signalmeister Franz Awecker Ortsgruppenobmann von [[Saalfelden]].
    
====Landtagsabgeordnete====
 
====Landtagsabgeordnete====
Im Landtag (1918/19: Provisorische Landesversammlung) war die DNSAP 1918 bis 1922 mit zwei Sitzen vertreten: 1918/19 Wagner und Schaschko, 1919-1921 Wagner, dessen Mandat von der Postbeamtin Margarete Diller übernommen wurde, und 1919-1922 Prodinger, der 1922 bis 1927 der einzige DNSAP-Abgeordnete war. 1927 bis 1931 gehörte Nikolaus Schlam dem Landtag an.
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Im [[Landtag]] (1918/19: Provisorische Landesversammlung) war die DNSAP von 1918 bis 1922 mit zwei Sitzen vertreten: 1918/19 Wagner und Schaschko, 1919-1921 Wagner, dessen Mandat von der Postbeamtin [[Margarete Diller]] übernommen wurde, und 1919-1922 Prodinger, der von 1922 bis 1927 der einzige DNSAP-Abgeordnete war. 1927 bis 1931 gehörte Nikolaus Schlam dem Landtag an.
    
====Gemeindefunktionäre====
 
====Gemeindefunktionäre====
Von 1919 bis 1931 war die DNSAP mit vier Mandaten im [[Salzburger Gemeinderat]] vertreten. Diese wurden nach der Wahl vom 13. Juli 1919 von Dr. Otto Troyer, Rudolf Dinnebier bzw. Hans Prodinger, Hans Wagner und Franz Heinzel bekleidet. Anfang Dezember 1919 trat Hans Wagner wegen Arbeitsüberlastung zurück und wurde durch Franz Sieger ersetzt. Auf Prodinger folgte Buchfellner, auf diesen Eitel und schließlich Karasek. Troyer gehörte dem Gemeinderat bis 1931 an.
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Von 1919 bis 1931 war die DNSAP mit vier Mandaten im [[Salzburger Gemeinderat]] vertreten. Diese wurden nach der Wahl vom 13. Juli 1919 von Dr. Otto Troyer, [[Rudolf Dinnebier]] bzw. Hans Prodinger, Hans Wagner und [[Franz Heinzl|Franz Heinzel]] bekleidet. Anfang Dezember 1919 trat Hans Wagner wegen Arbeitsüberlastung zurück und wurde durch [[Franz Sieger]] ersetzt. Auf Prodinger folgte Buchfellner, auf diesen Eitel und schließlich [[Franz Karasek|Karasek]]. Troyer gehörte dem Gemeinderat bis 1931 an.
    
In Bischofshofen gewannen die Nationalsozialisten bei den Gemeinderatswahlen 1919 zwei, in Saalfelden drei Sitze.
 
In Bischofshofen gewannen die Nationalsozialisten bei den Gemeinderatswahlen 1919 zwei, in Saalfelden drei Sitze.
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[[Josef Ernst]], Steuerbeamter, war von 1922 bis 1931 Bürgermeister von Zell am See.
 
[[Josef Ernst]], Steuerbeamter, war von 1922 bis 1931 Bürgermeister von Zell am See.
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Der DHV-Obmann Josef Renner errang 1931 für das letzte Mandat der DNSAP im Salzburger Gemeinderat (Voithofer (Diss.), aaO 299)
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Der DHV-Obmann [[Josef Renner]] errang 1931 das letzte Mandat der DNSAP im Salzburger Gemeinderat (Voithofer (Diss.), aaO 299)
    
====Kammerfunktionäre====
 
====Kammerfunktionäre====
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===Beziehungen zu anderen Parteien===
 
===Beziehungen zu anderen Parteien===
In weltanschaulicher Hinsicht stand die DNSAP den beiden anderen deutschnationalen Parteien, der Großdeutschen Volkspartei und dem Landbund, nahe. Sie befand sich aber insbesondere zu der bürgerlichen Großdeutschen Volkspartei in einem Interessengegensatz. Wegen ihrer geringen Stärke war sie bei Wahlen auf Allianzen angewiesen und fand diese denn doch zumeist bei den Großdeutschen, nur 1922 bei den [[Christlichsozialen]]. Zu den [[SPÖ|Sozialdemokraten]] bestand ein scharfer Gegensatz.
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In weltanschaulicher Hinsicht stand die DNSAP den beiden anderen deutschnationalen Parteien, der Großdeutschen Volkspartei und dem Landbund, nahe. Sie befand sich aber insbesondere zu der bürgerlichen Großdeutschen Volkspartei in einem Interessengegensatz. Wegen ihrer geringen Stärke war sie bei Wahlen auf Allianzen angewiesen und fand diese denn doch zumeist bei den Großdeutschen, nur 1922 bei den [[Christlichsozialen]]. Zu den [[SDAP|Sozialdemokraten]] bestand ein scharfer Gegensatz.
    
In den Funktionen, in die Nationalsozialisten gewählt wurden, waren sie weitgehend konsens- und sachorientiert tätig; so etwa im Salzburger Gemeinderat und (Dr. Troyer) in der Landesregierung.  
 
In den Funktionen, in die Nationalsozialisten gewählt wurden, waren sie weitgehend konsens- und sachorientiert tätig; so etwa im Salzburger Gemeinderat und (Dr. Troyer) in der Landesregierung.  
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Bei den Gemeinderatswahlen 1931 traten die Schulz-Nationalsozialisten ohne Bündnis mit den Großdeutschen an und erlitten eine schwere Niederlage. Sie kamen nur mehr auf 4,4 % der Stimmen und ein Mandat, während die Hitler-Bewegung 9,2 % der Stimmen und vier Mandate errang. Bei den Landtagswahlen von 1932 traten die Schulz-Nationalsozialisten nicht mehr in Erscheinung; die Hitler-Bewegung hingegen kam auf 20 % der Stimmen und sechs Mandate<ref>Vgl. Voithofer, Diss., aaO 318.</ref>.
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Bei den [[Gemeindevertretungswahlen 1931|Gemeinderatswahlen 1931]] traten die Schulz-Nationalsozialisten ohne Bündnis mit den Großdeutschen an und erlitten eine schwere Niederlage. Sie kamen (in der Stadt Salzburg) nur mehr auf 4,4 % der Stimmen und ein Mandat, während die Hitler-Bewegung 9,2 % der Stimmen und vier Mandate errang. Bei den [[Landtagswahlen 1932|Landtagswahlen von 1932]] traten die Schulz-Nationalsozialisten nicht mehr in Erscheinung; die Hitler-Bewegung hingegen kam auf 20 % der Stimmen und sechs Mandate<ref>Vgl. Voithofer, Diss., aaO 318.</ref>.
    
==Quellen==
 
==Quellen==
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* Zum Abschnitt „Allgemeines“:  
 
* Zum Abschnitt „Allgemeines“:  
 
** Wikipedia-Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Badeni#Badenische Sprachenverordnung “„Badeni“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/Alldeutsche_Vereinigung “„Alldeutsche Vereinigung“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkische_Bewegung “„Völkische Bewegung“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus “„Nationalsozialismus“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalsozialistische_Arbeiterpartei Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Arbeiterpartei_(%C3%96sterreich-Ungarn) “„Deutsche Arbeiterpartei (Österreich-Ungarn)“'']
 
** Wikipedia-Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Badeni#Badenische Sprachenverordnung “„Badeni“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/Alldeutsche_Vereinigung “„Alldeutsche Vereinigung“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkische_Bewegung “„Völkische Bewegung“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialismus “„Nationalsozialismus“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalsozialistische_Arbeiterpartei Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“'',] [http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Arbeiterpartei_(%C3%96sterreich-Ungarn) “„Deutsche Arbeiterpartei (Österreich-Ungarn)“'']
** [[Robert Kriechbaumer]], Die großen Erzählungen der Politik. Politische Kultur und Parteien in Österreich vor der Jahrhundertwende bis 1945, Böhlau-Verlag Graz–Wien–Köln 2001, ISBN 3-205-99400-0. [http://books.google.at/books?id=yheSqWHjExYC&pg=PA656&lpg=PA656 S.&nbsp;656&nbsp;ff.]
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** [[Robert Kriechbaumer|Kriechbaumer, Robert]], Die großen Erzählungen der Politik. Politische Kultur und Parteien in Österreich vor der Jahrhundertwende bis 1945, Böhlau-Verlag Graz–Wien–Köln 2001, ISBN 3-205-99400-0. [http://books.google.at/books?id=yheSqWHjExYC&pg=PA656&lpg=PA656 S.&nbsp;656&nbsp;ff.]
 
** Andrew G. Whiteside, ''Nationaler Sozialismus in Österreich vor 1918'', in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Jahrgang&nbsp;9 (1961), [http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1961_4.pdf Heft&nbsp;4 S.&nbsp;335-359]
 
** Andrew G. Whiteside, ''Nationaler Sozialismus in Österreich vor 1918'', in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Jahrgang&nbsp;9 (1961), [http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1961_4.pdf Heft&nbsp;4 S.&nbsp;335-359]
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* V. a. zum Abschnitt „Salzburg“:  
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* v. a. zum Abschnitt „Salzburg“:  
** [[Ernst Hanisch]], ''Zur Frühgeschichte des Nationalsozialismus in Salzburg (1913-1925)'', in: [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]] 117 (1977), Salzburg 1978, S.&nbsp;371-410
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** [[Ernst Hanisch|Hanisch, Ernst]], ''Zur Frühgeschichte des Nationalsozialismus in Salzburg (1913-1925)'', in: [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]] 117 (1977), Salzburg 1978, S.&nbsp;371-410
** [[Richard Voithofer]], ''»Drum schließt Euch frisch an Deutschland an ...« Die Geschichte der Großdeutschen Volkspartei in Salzburg 1920-1936'', Wien 2000 (Dissertation; = Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek, [http://books.google.at/books?id=l_epwaB5q98C Band&nbsp;9).]
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** [[Richard Voithofer|Voithofer, Richard]], ''»Drum schließt Euch frisch an Deutschland an ...« Die Geschichte der Großdeutschen Volkspartei in Salzburg 1920-1936'', Wien 2000 (Dissertation; = Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für politisch-historische Studien der [[Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek]], [http://books.google.at/books?id=l_epwaB5q98C Band&nbsp;9).]
 
==Fußnoten==
 
==Fußnoten==
 
<references/>
 
<references/>