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| | === Einfluss der Lehre Luthers === | | === Einfluss der Lehre Luthers === |
| − | Geißmayer hatte schon als Bergschreiber Forderungen der Knappen gegenüber dem Landesherrn und den Fuggern unterstützt. Durch seinen Dienstwechsel zum Landeshauptmann schien er sich aber nicht mehr für die unterdrückten und ausgebeuteten Knappen und Bauern zu interessieren. Die Lehre Martin Luthers wurde durch umherziehende rediger verbreitet, und die Bauern sahen in der von Luther verbreiteten Meinung, "alle Menschen seien frei", die Botschaft, sich von Leibeigenschaft und Knechtschaft befreien zu dürfen. In ganz Mitteleuropa brachen Bauernaufstände aus. | + | Geißmayer hatte schon als Bergschreiber Forderungen der Knappen gegenüber dem Landesherrn und den Fuggern unterstützt. Durch seinen Dienstwechsel zum Landeshauptmann schien er sich aber nicht mehr für die unterdrückten und ausgebeuteten Knappen und Bauern zu interessieren. Die Lehre Martin Luthers wurde durch umherziehende Prediger verbreitet, und die Bauern sahen in der von Luther verbreiteten Meinung, "alle Menschen seien frei", die Botschaft, sich von Leibeigenschaft und Knechtschaft befreien zu dürfen. In ganz Mitteleuropa brachen Bauernaufstände aus. |
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| | === Aufstieg und Fall Geißmayers === | | === Aufstieg und Fall Geißmayers === |
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| | Geißmayer, der sich wohlweislich selbst nicht nach Innsbruck begab, wurde dann im Herbst 1525 vom Hofrat nach Innsbruck eingeladen, um Bericht zu erstatten. Geißmayer hatte eine Anzahl von "Befehlen" von Ferdinand erhalten, die er in Südtirol als "Feldhauptmann" umzusetzen hätte. Nichts Böses ahnend reiste Geißmayer nach Innsbruck, wo er bald, unter Angabe fadenscheiniger Beschuldigungen, festgenommen wurde. Seine Familie in Südtirol wurde enteignet und teilweise ebenfalls gefangen genommen. Doch im Oktober gelang Geißmayer die Flucht, und nach mehreren Schreiben an den Landesfürsten wurden seine Familienmitglieder wieder auf freien Fuß gesetzt. Denn Geißmayer war noch immer der Ansicht, keine Revolution zu wollen, den Landesfürsten zu achten, aber er wollte seine Rehabilitation und Entschädigung für seine Kerkerhaft. Er sah sich als Helfer Ferdinands, der sich ja schon lange von Klerus und Adel "befreien" wollte. | | Geißmayer, der sich wohlweislich selbst nicht nach Innsbruck begab, wurde dann im Herbst 1525 vom Hofrat nach Innsbruck eingeladen, um Bericht zu erstatten. Geißmayer hatte eine Anzahl von "Befehlen" von Ferdinand erhalten, die er in Südtirol als "Feldhauptmann" umzusetzen hätte. Nichts Böses ahnend reiste Geißmayer nach Innsbruck, wo er bald, unter Angabe fadenscheiniger Beschuldigungen, festgenommen wurde. Seine Familie in Südtirol wurde enteignet und teilweise ebenfalls gefangen genommen. Doch im Oktober gelang Geißmayer die Flucht, und nach mehreren Schreiben an den Landesfürsten wurden seine Familienmitglieder wieder auf freien Fuß gesetzt. Denn Geißmayer war noch immer der Ansicht, keine Revolution zu wollen, den Landesfürsten zu achten, aber er wollte seine Rehabilitation und Entschädigung für seine Kerkerhaft. Er sah sich als Helfer Ferdinands, der sich ja schon lange von Klerus und Adel "befreien" wollte. |
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| − | Aber mit seiner Flucht hatte Geißmayer wohl auch die letzten Sympathien seines Landesfürsten verspielt, der ein Kopfgeld auf Geißmayer aussetzte. Nun begann eine Flucht über den Vintschgau ins [[Schweiz]]er Engadin nach Zürich, wo er den Reformator Zwingli traf. Gemeinsam überlegten sie Möglichkeiten, wie sie die Habsburger (in Tirol) angegreifen konnten, da auch die Schweiz Habsburg-feindlich eingestellt war. Während er weiter nach Luzern zog, auf der Suche nach Sympathisanten, folgte ihm seine Frau Magdalena mit den Kindern über Zürich nach Luzern. Gemeinsam verbrachte die Familie dann den Winter im Hochtal des Prättigau in Klosters ([[Schweiz#Graubünden|Graubünden]]. Dort schrieb Geißmayer seine zweite, radikalere Tiroler Landesordnung. Durch den Wortbruch des Hofrats (ihn bei Erscheinen in Innsbruck freies Geleit gegeben zu haben) fühlte er sich hintergangen, durch die (unhaltbaren) Anschuldigungen in seiner Ehre gekränkt. Doch kam er durch ständige Verfolgung von Spionen und Häschern des Erzherzogs nicht mehr zur Ruhe. | + | Aber mit seiner Flucht hatte Geißmayer wohl auch die letzten Sympathien seines Landesfürsten verspielt, der ein Kopfgeld auf Geißmayer aussetzte. Nun begann eine Flucht über den Vintschgau ins [[Schweiz]]er Engadin nach Zürich, wo er den Reformator Zwingli traf. Gemeinsam überlegten sie Möglichkeiten, wie sie die Habsburger (in Tirol) angreifen konnten, da auch die Schweiz Habsburg-feindlich eingestellt war. Während er weiter nach Luzern zog, auf der Suche nach Sympathisanten, folgte ihm seine Frau Magdalena mit den Kindern über Zürich nach Luzern. Gemeinsam verbrachte die Familie dann den Winter im Hochtal des Prättigau in Klosters ([[Schweiz#Graubünden|Graubünden]]. Dort schrieb Geißmayer seine zweite, radikalere Tiroler Landesordnung. Durch den Wortbruch des Hofrats (ihn bei Erscheinen in Innsbruck freies Geleit gegeben zu haben) fühlte er sich hintergangen, durch die (unhaltbaren) Anschuldigungen in seiner Ehre gekränkt. Doch kam er durch ständige Verfolgung von Spionen und Häschern des Erzherzogs nicht mehr zur Ruhe. |
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| | === Geißmayer und Salzburg === | | === Geißmayer und Salzburg === |
| | Trotz der Zusage von Straffreiheit für Aufständische des Jahres 1525, die Erzherzog Ferdinand gewährt hatte, kam es in den folgenden Monaten zu brutalen Verhaftungswellen und Hinrichtungen von Weggefährten Geißmayers. Mehrere hundert Menschen wurden umgebracht oder eingesperrt. In den süddeutschen Gebieten wurde noch brutaler gegen die Bauern vorgegangen. Sie wurden in Jauche ertränkt oder verbrannt oder ihnen wurde bei lebendigem Leib die Augen ausgestochen oder die Zunge herausgeschnitten. Früherer Zusagen der jeweiligen Landesfürsten von Straffreiheit und Verbesserungen der Lebensbedingungen wurden schlicht und einfach nicht eingehalten oder unter dem Vorwand, sie seien während der Aufstände "erpresst" worden, als ungültig bezeichnet. | | Trotz der Zusage von Straffreiheit für Aufständische des Jahres 1525, die Erzherzog Ferdinand gewährt hatte, kam es in den folgenden Monaten zu brutalen Verhaftungswellen und Hinrichtungen von Weggefährten Geißmayers. Mehrere hundert Menschen wurden umgebracht oder eingesperrt. In den süddeutschen Gebieten wurde noch brutaler gegen die Bauern vorgegangen. Sie wurden in Jauche ertränkt oder verbrannt oder ihnen wurde bei lebendigem Leib die Augen ausgestochen oder die Zunge herausgeschnitten. Früherer Zusagen der jeweiligen Landesfürsten von Straffreiheit und Verbesserungen der Lebensbedingungen wurden schlicht und einfach nicht eingehalten oder unter dem Vorwand, sie seien während der Aufstände "erpresst" worden, als ungültig bezeichnet. |
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| − | Bereits [[1525]] war auch der Salzburger [[Erzbischof]] [[Matthäus Lang von Wellenburg]] durch Bauern in Bedrängnis gekommen. Nur durch Hilfe von Truppen des Schwäbischen Bundes unter Führung von Georg von Frundsberg mit bayerischer Unterstützung konnte der Erzbischof den Aufstand beenden. Den Vertrag, Straffreiheit und Prüfung der Anliegen der Bauern, hatte der Erzbischof bald vergessen und unternahm im Herbst 1525 einen Straffeldzug gegen [[enns:Schladming|Schladming]]. Beim Landtag am [[11. März]] [[1526]] bewilligten ihm die Abgeordneten eine Entschädigung von 100.000 Gulden, mit denen er ein Heer gegen die immer noch aufständischen [[Pinzgau]]er organisierte. Doch noch vor dem Einsatz dieses Heeres überfielen Pinzgauer Aufständische das provisorische Heer bei [[Golling]] in der Nacht vom [[20. April|20.]] auf den [[21. April]] 1526. Am 21. April besetzten die Aufständischen den strategisch wichtigen [[Pass Lueg]]. | + | Bereits [[1525]] war auch der Salzburger [[Erzbischof]] [[Matthäus Lang von Wellenburg]] durch Bauern in Bedrängnis gekommen. Nur durch Hilfe von Truppen des Schwäbischen Bundes unter Führung von Georg von Frundsberg mit bayerischer Unterstützung konnte der Erzbischof den Aufstand beenden. Den Vertrag, Straffreiheit und Prüfung der Anliegen der Bauern, hatte der Erzbischof bald vergessen und unternahm im Herbst 1525 einen Straffeldzug gegen [[Enns:Schladming|Schladming]]. Beim Landtag am [[11. März]] [[1526]] bewilligten ihm die Abgeordneten eine Entschädigung von 100.000 Gulden, mit denen er ein Heer gegen die immer noch aufständischen [[Pinzgau]]er organisierte. Doch noch vor dem Einsatz dieses Heeres überfielen Pinzgauer Aufständische das provisorische Heer bei [[Golling]] in der Nacht vom [[20. April|20.]] auf den [[21. April]] 1526. Am 21. April besetzten die Aufständischen den strategisch wichtigen [[Pass Lueg]]. |
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| − | Geißmayer, der mittlerweile in Klosters wohnte, zog mit 700 Mann in den Pinzgau, wo er seinen alten Bekannten, Peter Pässler, wiedertraf. Die Unruhen hatten sich auf den [[Pongau]] ausgeweitet. Die unzufriedenen Pongauer Bauern und Bergknappen griffen als erstes Ziel am [[14. April]] 1526 [[Radstadt]] an. Es begann die [[Belagerung von Radstadt]]. Doch im Vertrauen auf die Mächtigkeit der Festungsmauern der Stadt weigerte sich [[Graf von Schernberg|Christoph Graf von Schernberg]], [[Pfleger]] von Radstadt, den Forderungen der Aufständischen Folge zu leisten. Er verschanzte sich mit seinen 150 Landsknechten hinter den Mauern. Sechs Wochen tat sich nichts. Dann stieß Geißmayer mit seiner Truppe zu den Aufständischen, und gemeinsam boten sie nun rund 5000 Mann auf. Am [[4. Juni]] blies Geißmayer zum ersten Sturmangriff, der jedoch ergebnislos blieb. Am [[19. Juni]] näherte sich ein Entsatzheer des Schwäbischen Bundes vom zerstörten Schladming über den [[Mandlingpass]] her. Geißmayer wich einer offenen Schlacht aus und rückte nach [[Altenmarkt]] ab. Er versteckte seine Leute in Wäldern, umging das anrückende Heer und besetzte in ihrem Rücken den Mandlingpass. Hauptmann Philipp Stumpf vom Entsatzheer saß mit seinen 1.600 Mann in der Falle. Stumpf versuchte den Ausbruch und scheiterte jämmerlich. Doch Geißmayer konnte alle diese Vorteile nicht für sich nutzen, hatte eigenen Versorgungs- und Nachschubprobleme und zudem blieb die aus dem Pinzgau versprochene Unterstützung aus. Geißmayer zog sich mit dem Rest seiner Leute über [[Sankt Johann im Pongau]] aus dem Pongau in den Pinzgau zurück. Geißmayer floh über die Alpen nach [[Venedig|Venetien]]. Es folgten noch mehrmals vergebliche Versuche, erneut Aufstände anzuzetteln, von Graubünden, der Toskana und [[Venedig]] aus. Als schließlich Venedig [[1529]] Frieden mit den Habsburgern schloss, zog sich Geißmayer endgültig auf ein Landgut in der Nähe von Padua zurück. Er starb nach bereits mehreren fehlgeschlagenen Attentaten, von bezahlten Mördern überfallen und erstochen, am 15. April 1532 auf seinem Anwesen in Padua. | + | Geißmayer, der mittlerweile in Klosters wohnte, zog mit 700 Mann in den Pinzgau, wo er seinen alten Bekannten, Peter Pässler, wieder traf. Die Unruhen hatten sich auf den [[Pongau]] ausgeweitet. Die unzufriedenen Pongauer Bauern und Bergknappen griffen als erstes Ziel am [[14. April]] 1526 [[Radstadt]] an. Es begann die [[Belagerung von Radstadt]]. Doch im Vertrauen auf die Mächtigkeit der Festungsmauern der Stadt weigerte sich [[Graf von Schernberg|Christoph Graf von Schernberg]], [[Pfleger]] von Radstadt, den Forderungen der Aufständischen Folge zu leisten. Er verschanzte sich mit seinen 150 Landsknechten hinter den Mauern. Sechs Wochen tat sich nichts. Dann stieß Geißmayer mit seiner Truppe zu den Aufständischen, und gemeinsam boten sie nun rund 5000 Mann auf. Am [[4. Juni]] blies Geißmayer zum ersten Sturmangriff, der jedoch ergebnislos blieb. Am [[19. Juni]] näherte sich ein Entsatzheer des Schwäbischen Bundes vom zerstörten Schladming über den [[Mandlingpass]] her. Geißmayer wich einer offenen Schlacht aus und rückte nach [[Altenmarkt]] ab. Er versteckte seine Leute in Wäldern, umging das anrückende Heer und besetzte in ihrem Rücken den Mandlingpass. Hauptmann Philipp Stumpf vom Entsatzheer saß mit seinen 1.600 Mann in der Falle. Stumpf versuchte den Ausbruch und scheiterte jämmerlich. Doch Geißmayer konnte alle diese Vorteile nicht für sich nutzen, hatte eigene Versorgungs- und Nachschubprobleme und zudem blieb die aus dem Pinzgau versprochene Unterstützung aus. Geißmayer zog sich mit dem Rest seiner Leute über [[Sankt Johann im Pongau]] aus dem Pongau in den Pinzgau zurück. Geißmayer floh über die Alpen nach [[Venedig|Venetien]]. Es folgten noch mehrmals vergebliche Versuche, erneut Aufstände anzuzetteln, von Graubünden, der Toskana und [[Venedig]] aus. Als schließlich Venedig [[1529]] Frieden mit den Habsburgern schloss, zog sich Geißmayer endgültig auf ein Landgut in der Nähe von Padua zurück. Er starb nach bereits mehreren fehlgeschlagenen Attentaten, von bezahlten Mördern überfallen und erstochen, am 15. April 1532 auf seinem Anwesen in Padua. |
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| | == Geißmayers Werk == | | == Geißmayers Werk == |