400 Jahre Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron: Unterschied zwischen den Versionen

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'''400 Jahre Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron''' wurde im November 2019 in Salzburg und in Trentino, der Heimat des Erzbischofs, gefeiert.
[[Datei:Paris Graf von Lodron 400 Jahr Feier Salzburger Dom 01.jpg|thumb|280px|Festakt am 13. November 2019 im Salzburger Dom.]]
'''400 Jahre Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron''' wurde im November 2019 in Salzburg und im [[Trentino]], der Heimat des Erzbischofs, gefeiert.


== Salzburger Ehrensalut für Paris Lodron in Trentino ==
== Salzburger Ehrensalut für Paris Lodron in Trentino ==
Schützen und Musiker aus Österreich und Italien ehrten am [[10. November]] [[2019]]den großen, gemeinsamen „Sohn“ in einem Festakt zum 400-jährigen Jubiläum der Wahl Lodrons zum Fürsterzbischof von Salzburg. Der Festakt fand in der Heimat Lodrons im Trentino in und vor der Kirche Santa Maria Assunta im Heimatort Lodron, Villa Lagarina, statt. [[Landeshauptmann]] [[Wilfried Haslauer junior|Wilfried Haslauer]], sein Pendant in Trient, Maurizio Fugatti, [[Landtagspräsidentin]] [[Brigitta Pallauf]], ihr Pendant in Trient, Walter Kaswalder, Villa Lagarinas Bürgermeisterin Romina Baroni, Alt-Erzbischof [[Alois Kothgasser]] und Abordnungen der Schützen aus Salzburg unter dem Kommando von Obrist [[Franz Meißl]] sowie die [[Trachtenmusikkapelle Kleinarl]] verliehen der historischen Freundschaft zwischen Salzburg und Trient neuen Schwung.   
{{#ev:youtube|bzZPio3UCrw|280|right|2019 Salzburger Ehrensalut, 01:46 min. Video}}
Schützen und Musiker aus Österreich und [[Italien]] ehrten am [[10. November]] [[2019]] den großen, gemeinsamen "Sohn" in einem Festakt zum 400-jährigen Jubiläum der Wahl [[Paris Graf von Lodron|Lodron]]s zum [[Salzburger Erzbischof|Fürsterzbischof von Salzburg]]. Der Festakt fand in der Heimat Lodrons im Trentino in und vor der Kirche Santa Maria Assunta im Heimatort Lodron, Villa Lagarina, statt. [[Landeshauptmann]] [[Wilfried Haslauer junior]], sein Pendant in Trient, Maurizio Fugatti, [[Landtagspräsidentin]] [[Brigitta Pallauf]], ihr Pendant in Trient, Walter Kaswalder, Villa Lagarinas Bürgermeisterin Romina Baroni, Alt-Erzbischof [[Alois Kothgasser]] und Abordnungen der Schützen aus Salzburg unter dem Kommando von Obrist [[Franz Meißl]] sowie die [[Trachtenmusikkapelle Kleinarl]] verliehen der historischen Freundschaft zwischen Salzburg und Trient neuen Schwung.   


Die Salzburger Delegation brachte eine [[Gedenktafel]] für Paris Lodron mit, gefertigt von Steinmetzmeister Erich Reichl und aus [[Untersberger Marmor]], die am Sonntag, 10. November 2019 enthüllt wurde. Vor jener Kirche, Santa Maria Assunta, die dem [[Salzburger Dom]] innen sehr ähnlich sieht, weil hier ebenfalls Paris Lodron und Salzburger Baumeister am Werk waren, marschierten am Sonntag die [[Bauernschützen St. Johann im Pongau]], die [[Festungsprangerstutzenschützen Hohensalzburg]] und die Trachtenmusikkapelle Kleinarl sowie die Fahnenabordnungen aus den Bezirken gemeinsam mit ihren italienischen Kollegen auf.
Die Salzburger Delegation brachte eine [[Gedenktafel]] für Paris Lodron mit, gefertigt von Steinmetzmeister [[Erich Reichl]] aus [[Untersberger Marmor]], die am Sonntag, 10. November 2019, enthüllt wurde. Vor jener Kirche, Santa Maria Assunta, die dem [[Salzburger Dom]] innen sehr ähnlich sieht, weil hier ebenfalls Paris Lodron und Salzburger Baumeister am Werk waren, marschierten am Sonntag die [[Bauernschützen St. Johann im Pongau]], die [[Festungsprangerstutzenschützen Hohensalzburg]] und die Trachtenmusikkapelle Kleinarl sowie die Fahnenabordnungen aus den Bezirken gemeinsam mit ihren italienischen Kollegen auf.


Die Feierlichkeiten zu 400 Jahre Paris Lodron als Fürsterzbischof gingen am Mittwoch, den [[13. November]] 2019 in Salzburg weiter. Im Dom wurde dem „Beschützer“ von Salzburg im [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]], so wird Paris Lodron auch genannt, dem Gründer der Universität und dem Vollender des Doms in ebendiesem mit einem großen Festakt des [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Landes Salzburg]] gedacht.  
Die Feierlichkeiten zu "400 Jahre Paris Lodron als Fürsterzbischof" gingen am Mittwoch, den [[13. November]] 2019, in Salzburg weiter. Im Dom wurde dem "Beschützer" von Salzburg im [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]], so wird Paris Lodron auch genannt, dem Gründer der Universität und dem Vollender des Doms in ebendiesem mit einem großen Festakt des [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Landes Salzburg]] gedacht.  


==== Bildergalerie und Video Feier 2019 ====
==== Bildergalerie Feier Trentino 2019 ====
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Paris Graf von Lodron 400 Jahr Feier Villa Lagarina 01.jpg|Festakt zu 400 Jahre Paris Lodron wird zum [[Fürsterzbischof]] von Salzburg gewählt in Villa Lagarina ([[Trentino]]) mit [[Landeshauptmann]] [[Wilfried Haslauer junior|Wilfried Haslauer]], Bürgermeisterin Romina Baroni und dem Präsidenten der Autonomen Provinz Trient Maurizio Fugatti sowie Salzburger Schützen und der [[Trachtenmusikkapelle Kleinarl]].
Paris Graf von Lodron 400 Jahr Feier Villa Lagarina 01.jpg|Festakt zu 400 Jahre Paris Lodron wird zum [[Fürsterzbischof von Salzburg]] gewählt in Villa Lagarina ([[Trentino]]) mit [[Landeshauptmann]] [[Wilfried Haslauer junior]], Bürgermeisterin Romina Baroni und dem Präsidenten der Autonomen Provinz Trient Maurizio Fugatti sowie Salzburger Schützen und der [[Trachtenmusikkapelle Kleinarl]].
Paris Graf von Lodron 400 Jahr Feier Villa Lagarina 02.jpg|[[Landeshauptmann]] [[Wilfried Haslauer junior|Wilfried Haslauer]], sein Pendant in Trient, Maurizio Fugatti, [[Landtagspräsidentin]] [[Brigitta Pallauf]], ihr Pendant in Trient, Walter Kaswalder, Villa Lagarinas Bürgermeisterin Romina Baroni, Alt-Erzbischof [[Alois Kothgasser]]
Paris Graf von Lodron 400 Jahr Feier Villa Lagarina 02.jpg|[[Landeshauptmann]] [[Wilfried Haslauer junior]], sein Pendant in Trient, Maurizio Fugatti, [[Landtagspräsidentin]] [[Brigitta Pallauf]], ihr Pendant in Trient, Walter Kaswalder, Villa Lagarinas Bürgermeisterin Romina Baroni, Alt-Erzbischof [[Alois Kothgasser]]
Paris Graf von Lodron 400 Jahr Feier Villa Lagarina 03.jpg|Festakt zu 400 Jahre Paris Lodron in der Kirche Santa Maria Assuntain im Heimatort Lodron, Villa Lagarina im [[Trentino]].
Paris Graf von Lodron 400 Jahr Feier Villa Lagarina 03.jpg|Festakt zu 400 Jahre Paris Lodron in der Kirche Santa Maria Assuntain im Heimatort Lodron, Villa Lagarina im [[Trentino]].
Paris Graf von Lodron 400 Jahr Feier Villa Lagarina 04.jpg|Enthüllung einer Gedenktafel von Salzburg im Heimatort Lodron, Villa Lagarina im [[Trentino]]. Von links: [[Landeshauptmann]] [[Wilfried Haslauer junior|Wilfried Haslauer]], Bürgermeisterin Romina Baroni und dem Präsidenten der Autonomen Provinz Trient Maurizio Fugatti.
Paris Graf von Lodron 400 Jahr Feier Villa Lagarina 04.jpg|Enthüllung einer Gedenktafel von Salzburg im Heimatort Lodron, Villa Lagarina im [[Trentino]]. Von links: [[Landeshauptmann]] [[Wilfried Haslauer junior]], Bürgermeisterin Romina Baroni und dem Präsidenten der Autonomen Provinz Trient Maurizio Fugatti.
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== Großer Festakt für Paris Lodron im Dom ==
== Großer Festakt für Paris Lodron im Dom ==
Prälat [[Johannes Neuhardt]] würdigte in einer Festansprache am [[13. November]] 2019 (dem Tag der Wahl des Fürsterzbischofs vor 400 Jahren) im [[Salzburger Dom]] jenen Erzbischof, der während des Dreißigjährigen Krieges den Frieden in Stadt und Land gesichert hat.  
Prälat [[Johannes Neuhardt]] würdigte in einer Festansprache am [[13. November]] 2019 (dem Tag der Wahl des Fürsterzbischofs vor 400 Jahren) im [[Salzburger Dom]] jenen Erzbischof, der während des Dreißigjährigen Krieges den Frieden in Stadt und Land sicherte.  


„''Ein Herrscher mit gesundem Augenmaß mit der wahrscheinlich intensivsten Amtszeit aller Salzburger Erzbischöfe''“, beschreibt Landeshauptmann Wilfried Haslauer Paris Lodron als herausragende barocke Persönlichkeit, die Salzburg mit Weitblick prägte. „''Als Vollender des Salzburger Domes ist er alltäglich im Erscheinungsbild unserer Stadt präsent. Geschickt und nachhaltig hat er sich Zeit seines Lebens für Freiheit, Frieden und für den Glauben eingesetzt''“, so [[Erzbischof]] [[Franz Lackner (Erzbischof)|Franz Lackner]] über Paris Lodron. Er sprach im Dom die Eröffnungsworte – und so wie in Italien waren Fahnenabordnungen aus dem ganzen Land Salzburg dabei.
"''Ein Herrscher mit gesundem Augenmaß mit der wahrscheinlich intensivsten Amtszeit aller Salzburger Erzbischöfe''", beschreibt Landeshauptmann Wilfried Haslauer Paris Lodron als herausragende barocke Persönlichkeit, die Salzburg mit Weitblick prägte. "''Als Vollender des Salzburger Domes ist er alltäglich im Erscheinungsbild unserer Stadt präsent. Geschickt und nachhaltig hat er sich Zeit seines Lebens für Freiheit, Frieden und für den Glauben eingesetzt''", so [[Erzbischof]] [[Franz Lackner (Erzbischof)|Franz Lackner]] über Paris Lodron. Er sprach im Dom die Eröffnungsworte – und so wie in Italien waren Fahnenabordnungen aus dem ganzen Land Salzburg dabei.


Ein wahrer Paris Lodron-Kenner ist Prälat Johannes Neuhardt. „''Sein größtes Verdienst war es, dass er im Land den Frieden erhalten hat. Salzburg ist im Dreißigjährigen Krieg das gewesen, was die Schweiz in den beiden Weltkriegen gewesen ist - eine Insel des Friedens. Und er hat auf Bildung gesetzt, Informationen wurden damals fast ausschließlich über das Bild und nicht über den Text vermittelt''“, so Neuhardt.
Ein wahrer Paris-Lodron-Kenner ist Prälat Johannes Neuhardt. "''Sein größtes Verdienst war es, dass er im Land den Frieden erhalten hat. Salzburg ist im Dreißigjährigen Krieg das gewesen, was die [[Schweiz]] in den beiden [[Zweiter Weltkrieg|Weltkriegen]] gewesen ist – eine Insel des Friedens. Und er hat auf Bildung gesetzt, Informationen wurden damals fast ausschließlich über das Bild und nicht über den Text vermittelt''", so Neuhardt.
{{#ev:youtube|Ex3Ju5l_3aY|280|right|Gespräch mit Prälat Johannes Neuhardt, 04:41 min. Video}}
{{#ev:youtube|Ex3Ju5l_3aY|280|right|Gespräch mit Prälat Johannes Neuhardt, 04:41 min. Video}}
Wahre Herkulesaufgaben habe Paris Lodron mit außerordentlichem politischen Geschick, unter permanenter Anspannung aller Kräfte des Landes und unter maximalen Opfern seiner Untertanen bewältigt, so Haslauer. Die Bedrohung durch fremde oder auch durch verbündete Truppen im verheerenden [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] war mehrfach abzuwenden. Der Preis dafür: Geld, Kriegsgerät und Truppen waren zu entrichten. Hunger, Flüchtlingsmassen, Bauernaufstände und mehrfache Seuchenzüge waren zu bewältigen.
Wahre Herkulesaufgaben habe Paris Lodron mit außerordentlichem politischem Geschick, unter permanenter Anspannung aller Kräfte des Landes und unter maximalen Opfern seiner Untertanen bewältigt, so Haslauer. Die Bedrohung durch fremde oder auch durch verbündete Truppen im verheerenden [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] war mehrfach abzuwenden. Der Preis dafür: Geld, Kriegsgerät und Truppen waren zu entrichten. Hunger, Flüchtlingsmassen, Bauernaufstände und mehrfache Seuchenzüge waren zu bewältigen.


Die Familie der Grafen von Lodron stammt aus dem heutigen Trentino. Das Land Salzburg hat gerade eine jahrzehntelange Partnerschaft mit der italienischen Provinz erneuert. Schon zwei Jahre nach Abschluss seiner theologischen Studien zieht der junge Paris 1606 ins Salzburger Domkapitel ein und wird zehn karrieremäßig sehr produktiv verbrachte Jahre später Domprobst, die letzte Sprosse auf der Karriereleiter zum Fürsterzbischof.
Die [[Lodron|Familie der Grafen von Lodron]] stammt aus dem heutigen Trentino. Das Land Salzburg hat gerade eine jahrzehntelange Partnerschaft mit der italienischen Provinz erneuert. Schon zwei Jahre nach Abschluss seiner theologischen Studien zog der junge Paris 1606 ins [[Salzburger Domkapitel]] ein und wurde zehn karrieremäßig sehr produktiv verbrachte Jahre später [[Dompropst]], die letzte Sprosse auf der Karriereleiter zum Fürsterzbischof.


=== Die Ansprache von Johannes Neuhardt im Salzburger Dom im Wortlaut ===
=== Die Ansprache von Johannes Neuhardt im Salzburger Dom im Wortlaut ===
"13. November 1619 - vor 400 Jahren - Memoria ist angesagt. Daher sind wir denn eingedenk dieses Tages da die 14 Wahlmänner des [[Domkapitel]]s schon im ersten Gang ihren [[Dompropst]] auf den Stuhl des hl. [[Rupert von Worms|Rupert]] gehoben haben. 306 Jahre später brachte es [[Georg Trakl]] in seinem berühmten Gedicht "Die schöne Stadt" auf den Punkt: "Aus den braun erhellten Kirchen schauen des Todes reine Bilder großer Fürsten schöne Schilder Kronen schimmern in den Kirchen."
"13. November 1619 – vor 400 Jahren – Memoria ist angesagt. Daher sind wir denn eingedenk dieses Tages, da die 14 Wahlmänner des [[Domkapitel]]s schon im ersten Gang ihren [[Dompropst]] auf den Stuhl des [[Rupert von Worms|hl. Rupert]] gehoben haben. 306 Jahre später brachte es [[Georg Trakl]] in seinem berühmten Gedicht "Die schöne Stadt" auf den Punkt:
:"Aus den braun erhellten Kirchen
:schaun des Todes reine Bilder,
:großer Fürsten schöne Schilder.
:Kronen schimmern in den Kirchen."


In Dankbarkeit blicken wir Spätgeborenen heute auf eines dieser schönen Schilder das hell erleuchtet und reich mit Blumen geschmückt ist. An der Südseite des Hochaltares ist es zu finden. Dort hat Paris Graf Lodron am [[15. Dezember]] [[1653]] seine letzte Ruhestätte gefunden.
In Dankbarkeit blicken wir Spätgeborenen heute auf eines dieser schönen Schilder, das hell erleuchtet und reich mit Blumen geschmückt ist. An der Südseite des Hochaltares ist es zu finden. Dort hat Paris Graf Lodron am [[15. Dezember]] [[1653]] seine letzte Ruhestätte gefunden.


Ja, die Zeiten waren ernst. Das große Trauerspiel, das einen Zeitraum von 30 Jahren umfasste, hatte 1618 in Prag begonnen und endete erste 1648. Während sich der Brand dieses unseligsten Reformationskrieges über ganz Deutschland ausbreitete und die schwedische Soldateska bis vor die Tore Wiens gelangte, blieb Salzburg stets eine Insel des Friedens. Paris Lodron konnte die Furie des Völkermordens von Stadt und Land fernhalten - aber um welchen Preis!
Ja, die Zeiten waren ernst. Das große Trauerspiel, das einen Zeitraum von 30 Jahren umfasste, hatte 1618 in Prag begonnen und endete erst 1648. Während sich der Brand dieses unseligsten Reformationskrieges über ganz Deutschland ausbreitete und die [[Schweden|schwedische]] Soldateska bis vor die Tore [[Wien]]s gelangte, blieb Salzburg stets eine Insel des Friedens. Paris Lodron konnte die Furie des Völkermordens von Stadt und Land fernhalten – aber um welchen Preis!


In aller gebotenen Kürze soll nun ein kurzes Lebensbild dieses überragenden Mannes gezeichnet werden, der es als Einziger der Salzburger Erzbischöfe in die Walhalla von Regensburg geschafft hat:
In aller gebotenen Kürze soll nun ein kurzes Lebensbild dieses überragenden Mannes gezeichnet werden, der es als Einziger der Salzburger Erzbischöfe in die Walhalla von [[Regensburg]] geschafft hat:


Paris Graf Lodron - der Bischof
Paris Graf Lodron  
:- Der Reichsfürst
:- der Bischof
:- Der Mensch
:- der Reichsfürst
:- der Mensch


Obwohl einige von Neid geplagte Zeitgenossen diesem 32jährigen welschtiroler Grafen attestiert haben, er wäre wohl ein besserer General geworden, dürfen wir heute von großer Bewunderung erfüllt sagen, er wurde auch ein guter Bischof.
Obwohl einige von Neid geplagte Zeitgenossen diesem 32jährigen welschtiroler Grafen attestiert haben, er wäre wohl ein besserer General geworden, dürfen wir heute von großer Bewunderung erfüllt sagen: Er wurde auch ein guter Bischof.


Doch die Glückwünsche der römischen Kurie hielten sich in Grenzen. 18 Monate ließ sich Papst Paul V. Borghese mit der Übersendung des Palliums des erzbischöflichen Würdeabzeichens und der Erlaubnis der Bischofsweihe Zeit. Erst sein Nachfolger Gregor XV. gestattete dies, sodass die Bischofweihe am [[23. Mai]] [[1621]] in der heutigen [[Franziskanerkirche]] erfolgen konnte.
Doch die Glückwünsche der römischen Kurie hielten sich in Grenzen. 18 Monate ließ sich Papst Paul V. Borghese mit der Übersendung des Palliums, des erzbischöflichen Würdeabzeichens, und der Erlaubnis der Bischofsweihe Zeit. Erst sein Nachfolger Gregor XV. gestattete dies, sodass die Bischofweihe am [[23. Mai]] [[1621]] in der heutigen [[Franziskanerkirche]] erfolgen konnte.


Die Gründe für diese Demütigung waren rein politische. Paul V. wollte Paris Lodron mit allen Mitteln dazu bringen, dem Militärbündnis von [[Habsburger|Habsburg]] und Wittelsbach der katholischen Liga beizutreten. Aber Paris Lodron war dazu niemals bereit. Er wusste, dass er auf sich allein gestellt war und die Erhaltung des Friedens war ihm wichtiger. In religiöser Hinsicht erkannte er, dass das Hauptproblem der weit verbreitete Aberglaube im Volk, die schlecht organisierte Predigt und der kaum vorhandene Religionsunterricht war.
Die Gründe für diese Demütigung waren rein politische. Paul V. wollte Paris Lodron mit allen Mitteln dazu bringen, dem Militärbündnis von [[Habsburger|Habsburg]] und [[Wittelsbacher|Wittelsbach]], der katholischen Liga, beizutreten. Aber Paris Lodron war dazu niemals bereit. Er wusste, dass er auf sich allein gestellt war und die Erhaltung des Friedens war ihm wichtiger. In religiöser Hinsicht erkannte er, dass das Hauptproblem der weit verbreitete Aberglaube im Volk, die schlecht organisierte Predigt und der kaum vorhandene Religionsunterricht war.


Noch sein vierter Amtsvorgänger, Erzbischof [[Johann Jakob Khuen von Belasy|Johann Jakob von Kuen Belasy]], hatte heimkehrend vom Konzil von [[Trient]] auf der [[Salzburger Synode]] [[1569]] beklagen müssen, dass er einen Klerus habe mit dem es an Bildung jeder Bauernknecht aufnehmen könne. So setzte Paris Lodron seine große Reform bei diesem Problem an. Sein Bestreben war es von Anfang an diesen Übelstand der Unbildung in Klerus und Volk gegenzusteuern. Dabei kam ihm sehr zu Hilfe, dass durch die Kriegswirren eine gelehrte Kolonie von Benediktinermönchen aus dem [[Benediktinerabtei Ottobeuren|Kloster Ottobeuern]] nach Salzburg übersiedelte. Diese waren sofort im Stande den Unterricht am [[Geschichte des Benediktiner-, Staats- und Akademischen Gymnasiums|Gymnasium]], das schon [[Markus Sittikus]] gegründet hat, auszubauen. Und als die bedeutendste Gestalt dieser Gruppe, Pater [[Albert III. Keuslin|Albert Keuslin]], nun in [[St. Peter]] zum [[Abt der Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Abt]] gewählt wurde, wurde die Schiene gelegt. Man konnte nun daran denken, hier einen [[Benediktineruniversität Salzburg|Universitätsbetrieb]] aufzunehmen und schon [[1623]] wurde der Vertrag mit 33 Äbten und cklöstern in Schwaben, [[Bayern]] und Österreich geschlossen und Paris Lodron gründete mit einem Stiftungskapital von 70.000 [[Gulden]] die Salzburger Benediktineruniversität.
Noch sein vierter Amtsvorgänger, Erzbischof [[Johann Jakob Khuen von Belasy|Johann Jakob von Kuen Belasy]], hatte heimkehrend vom Konzil von [[Trient]] auf der [[Salzburger Synode]] [[1569]] beklagen müssen, dass er einen Klerus habe, mit dem es an Bildung jeder Bauernknecht aufnehmen könne. So setzte Paris Lodron seine große Reform bei diesem Problem an. Sein Bestreben war es von Anfang an, diesem Übelstand der Unbildung in Klerus und Volk gegenzusteuern. Dabei kam ihm sehr zu Hilfe, dass durch die Kriegswirren eine gelehrte Kolonie von [[Benediktiner]]mönchen aus dem [[Benediktinerabtei Ottobeuren|Kloster Ottobeuern]] nach Salzburg übersiedelte. Diese waren sofort im Stande, den Unterricht am [[Geschichte des Benediktiner-, Staats- und Akademischen Gymnasiums|Gymnasium]], das schon [[Markus Sittikus]] gegründet hatte, auszubauen. Und als die bedeutendste Gestalt dieser Gruppe, Pater [[Albert III. Keuslin|Albert Keuslin]], nun in [[St. Peter]] zum [[Abt der Benediktinererzabtei St. Peter|Abt]] gewählt wurde, wurde die Schiene gelegt. Man konnte nun daran denken, hier einen [[Benediktineruniversität Salzburg|Universitätsbetrieb]] aufzunehmen, und schon [[1623]] wurde der Vertrag mit 33 Äbten und Klöstern in Schwaben, [[Bayern]] und Österreich geschlossen, und Paris Lodron gründete mit einem Stiftungskapital von 70.000 [[Gulden]] die [[Benediktineruniversität Salzburg|Salzburger Benediktineruniversität]].


Man merke wohl: Man konnte mit den Zinsen dieses Kapitals den laufenden Lehrbetrieb bestreiten. Dieselbe Summe, 70.000 Gulden, hatte sein Amtsvorgänger Markus Sittikus in einer nur siebenjährigen Regierungszeit für Damenschmuck ausgegeben.
Man merke wohl: Man konnte mit den Zinsen dieses Kapitals den laufenden Lehrbetrieb bestreiten. Dieselbe Summe, 70.000 Gulden, hatte sein Amtsvorgänger Markus Sittikus in einer nur siebenjährigen Regierungszeit für Damenschmuck ausgegeben.


Da nun der ganze Nachwuchs der Klöster aber auch der junge katholische Adel zum Studium nach Salzburg entsandt wurde, entwickelte sich diese Benediktiner Universität bald zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor der Stadt. Aber auch am Land intensivierte er nach Kräften die Seelsorge. Neue Stationen wurden gegründet in [[Lend]], [[Faistenau]], [[Neumarkt]], [[Kaprun]], [[Anthering]], [[Niederau (Fridolfing)|Niederau]], [[Schwendt]] und Voldöpp. An Sonn- und Feiertagen wurden die Pfarrgeistlichen zur Abhaltung von Christenlehren nach dem Katechismus verpflichtet. Besonders streng ließ Paris Lodron die Disziplin des Klerus überwachen. Hatte schon Markus Sittikus ab [[1613]] Kommissionen ins Land geschickt um dies zu überprüfen, so ändert sich mit Paris Lodron die Sache grundlegend denn er leitet alle Visitationen persönlich!
Da nun der ganze Nachwuchs der Klöster, aber auch der junge katholische Adel zum Studium nach Salzburg entsandt wurde, entwickelte sich diese Benediktineruniversität bald zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor der Stadt. Aber auch am Land intensivierte er nach Kräften die Seelsorge. Neue Stationen wurden gegründet in [[Lend]], [[Faistenau]], [[Neumarkt]], [[Kaprun]], [[Anthering]], [[Niederau (Fridolfing)|Niederau]], [[Schwendt]] und Voldöpp. An Sonn- und Feiertagen wurden die Pfarrgeistlichen zur Abhaltung von Christenlehren nach dem Katechismus verpflichtet. Besonders streng ließ Paris Lodron die Disziplin des Klerus überwachen. Hatte schon Markus Sittikus ab [[1613]] Kommissionen ins Land geschickt, um dies zu überprüfen, so ändert sich mit Paris Lodron die Sache grundlegend, denn er leitet alle Visitationen persönlich!


"''Coram archiepiscopo''" - so heißt es ab [[1620]] in allen Protokollen.
"''Coram archiepiscopo''" – so heißt es ab [[1620]] in allen Protokollen.


Sehr behilflich waren ihm die von ihm neu gegründeten [[Kapuzinerorden|Kapuziner]]klöster von [[Radstadt]], [[Tamsweg]] und [[Mühldorf am Inn|Mühldorf]], das ja auch Salzburger Gebiet war. Um dem Priestermangel abzuhelfen hat ein aus Mainz kommender visionärbegabter Seelsorger neue Wege beschritten. Es ist dies Bartholomäus Holzhauser, der an mehreren Orten des [[Erzbistum Salzburg|Bistums]] ([[Tittmoning]], [[St. Johann in Tirol]], auch in der Stadt Salzburg) tätig wurde.
Sehr behilflich waren ihm die von ihm neu gegründeten [[Kapuzinerorden|Kapuziner]]klöster von [[Radstadt]], [[Tamsweg]] und [[Mühldorf am Inn|Mühldorf]], das ja auch Salzburger Gebiet war. Um dem Priestermangel abzuhelfen, hat ein aus Mainz kommender visionär begabter Seelsorger neue Wege beschritten. Es ist dies [[Bartholomäus Holzhauser]], der an mehreren Orten des [[Erzbistum Salzburg|Bistums]] ([[Tittmoning]], [[St. Johann in Tirol]], auch in der [[Stadt Salzburg]]) tätig wurde. Idee und Zielsetzung dieser Klerikergemeinschaft erlangten größte Verbreitung und Bedeutung für die spirituelle Ausbildung der Priesteramtskandidaten.  


Idee und Zielsetzung dieser Klerikergemeinschaft erlangten größte Verbreitung und Bedeutung für die spirituelle Ausbildung der Priesteramtskandidaten. Auch in der weltlichen Verwaltung setzte der Bischof vor allem auf Bildung. [[1645]] stiftete er in der [[Bergstraße]] das [[Collegium Marianum]] mit acht Freiplätzen für begabte Knaben. Es ist leider beim [[Stadtbrand Salzburg 1818|Stadtbrand]] [[1818]] zerstört worden. Es folgte [[1653]] das [[Collegium Rupertinum|Rupertinum]] mit zwölf Stiftsplätzen. Er sprach ausdrücklich in den Gründungsurkunden davon, dass er als Privatperson, also aus seinem persönlichen Vermögen, diese Stiftungen vollzogen habe. Zur geordneten Abwicklung des Kanzleibetriebes gründete er am Dom ein zweites Kapitel: die Schneeherren. Diese 13 Kanoniker hatten dafür zu sorgen, dass der Schriftverkehr aller Protokolle und Urkunden ordnungsgemäß ausgestellt wurde.
Auch in der weltlichen Verwaltung setzte der Bischof vor allem auf Bildung. [[1645]] stiftete er in der [[Bergstraße]] das [[Collegium Marianum]] mit acht Freiplätzen für begabte Knaben. Es ist leider beim [[Stadtbrand Salzburg 1818|Stadtbrand]] [[1818]] zerstört worden. Es folgte [[1653]] das [[Collegium Rupertinum|Rupertinum]] mit zwölf Stiftsplätzen. Er sprach ausdrücklich in den Gründungsurkunden davon, dass er als Privatperson, also aus seinem persönlichen Vermögen, diese Stiftungen vollzogen habe. Zur geordneten Abwicklung des Kanzleibetriebes gründete er am Dom ein zweites Kapitel: die [[Schneeherren]]. Diese 13 Kanoniker hatten dafür zu sorgen, dass der Schriftverkehr aller Protokolle und Urkunden ordnungsgemäß ausgestellt wurde.


Die Gottesdienste in Stadt und Land waren ihm ein großes Anliegen. Die feierlichen Prozessionen und die Bruderschaftsfeste wurden mit großem Pomp begangen.
Die Gottesdienste in Stadt und Land waren ihm ein großes Anliegen. Die feierlichen Prozessionen und die [[Bruderschaft]]s<nowiki>feste</nowiki> wurden mit großem Pomp begangen.


Die 24 [[Domherr]]en, von denen ja meist nur wenige anwesend waren, erfreuten sich ihres Lebens als noble Freizeitgesellschaft, sie kamen niemals in Versuchung das Wort Beschäftigung mit dem Wort Arbeit zu verwechseln. Die Karnerarbeit im Dom, der Beicht- und Predigtdienst wurde von den [[Franziskaner]]n besorgt. Deshalb durften diese auch ihre Heiligen an prominenter Stelle hier platzieren. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass am Sakramentsaltar des Domes nur franziskanische Heilige anzutreffen sind.
Die 24 [[Domherr]]en, von denen ja meist nur wenige anwesend waren, erfreuten sich ihres Lebens als noble Freizeitgesellschaft, sie kamen niemals in Versuchung, das Wort "Beschäftigung" mit dem Wort "Arbeit" zu verwechseln. Die Kärrnerarbeit im Dom, der Beicht- und Predigtdienst wurde von den [[Franziskaner]]n besorgt. Deshalb durften diese auch ihre Heiligen an prominenter Stelle hier platzieren. Es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass am Sakramentsaltar des Domes nur franziskanische Heilige anzutreffen sind.


Das alte Tiroler Adelsgeschlecht der [[Lodron]] hat Kaiser Friedrich III. 1452 in den Reichsgrafenstand erhoben. Es führt als [[Wappen der Grafen Lodron|Wappen]] den nach rechts steigenden Löwen mit dem geflochtenem Schweif, von den Salzburgern meist Brezelschweif genannt. Sie ahnen nicht, dass sie damit ihrem Fürsten höchstes Lob zu Füßen legen.
Das alte [[Tirol]]er Adelsgeschlecht der [[Lodron]] hatte Kaiser [[Friedrich III.]] 1452 in den Reichsgrafenstand erhoben. Es führt als [[Wappen der Grafen Lodron|Wappen]] den nach rechts steigenden Löwen mit dem geflochtenen Schweif, von den Salzburgern meist Brezelschweif genannt. Sie ahnen nicht, dass sie damit ihrem Fürsten höchstes Lob zu Füßen legen.


30 Jahre Frieden im Land, denn nur im Kriegsfall musste man am Schweife des Löwen ziehen, sodass sich ein Knoten gebildet hätte. Paris Lodron musste dies nie tun. 120 Mal begegnen wir in unserer Stadt diesem Ehrfurcht gebietendem Tier.
30 Jahre Frieden im Land, denn nur im Kriegsfall musste man am Schweife des Löwen ziehen, sodass sich ein Knoten gebildet hätte. Paris Lodron musste dies nie tun. 120 Mal begegnen wir in unserer Stadt diesem Ehrfurcht gebietenden Tier.


Sogleich nach seinem Amtsantritt ließ Paris Lodron die [[Hohe Salzburger Landschaft|Landstände]] einberufen. Dies war schon mehr als 30 Jahre nicht mehr geschehen. Somit erneuerte er dieses wichtige politische Gremium der Selbstverwaltung des Landes. Im Gegensatz zu seinen absolutistisch regierenden Vorgängern überließ Paris Lodron es den Gremien der Landstände in Zukunft wieder eine Steuer einzuheben und für die vorhandenen Schuldenlasten des kleinen Staates aufzukommen.
Sogleich nach seinem Amtsantritt ließ Paris Lodron die [[Hohe Salzburger Landschaft|Landstände]] einberufen. Dies war schon mehr als 30 Jahre nicht mehr geschehen. Somit erneuerte er dieses wichtige politische Gremium der Selbstverwaltung des Landes. Im Gegensatz zu seinen absolutistisch regierenden Vorgängern überließ Paris Lodron es den Gremien der Landstände, in Zukunft wieder eine Steuer einzuheben und für die vorhandenen Schuldenlasten des kleinen Staates aufzukommen.


Parallel dazu aber musste in Windeseile die Stadt und die neuralgischen Punkte des Landes mit Festungswerken abgesichert werden. Der Dombaumeister [[Santino Solari]], gebürtig aus dem Intelvi Tal, musste nun sozusagen "als Mädchen für Alles" die ganzen Kriegsbefestigungswerke überwachen. Nach neuesten französischem Muster erhielt die Stadt nun eine Befestigungsanlage, die an allen kritischen Punkten sie gegen die Feinde absichern sollte. Der Chronist schreibt: "''Die Stadt ist gepanzert wie eine Schildkröte''".
Parallel dazu aber mussten in Windeseile die Stadt und die neuralgischen Punkte des Landes mit Festungswerken abgesichert werden. Der Dombaumeister [[Santino Solari]], gebürtig aus dem [[Val d’Intelvi|Intelvital]], musste nun sozusagen "als Mädchen für Alles" die ganzen Kriegsbefestigungswerke überwachen. Nach neuestem französischem Muster erhielt die Stadt nun eine [[Befestigung der Stadt Salzburg#Die dritte Stadtbefestigung 1620 bis 1648 |Befestigungsanlage]], die sie an allen kritischen Punkten gegen die Feinde absichern sollte. Der Chronist schreibt: "''Die Stadt ist gepanzert wie eine Schildkröte''".


So wundert es nicht, dass aus nah und fern Flüchtlinge ihr Heil in diesem befestigten Ort gesucht haben. 1631 ging Magdeburg in Flammen auf. 1632 waren schon Mühldorf und Landshut in schwedischer Hand.
So wundert es nicht, dass aus nah und fern Flüchtlinge ihr Heil in diesem befestigten Ort gesucht haben. 1631 ging Magdeburg in Flammen auf. 1632 waren schon Mühldorf und Landshut in schwedischer Hand.


Die Kapuzinerinnen flohen aus Ihrem zerstörten Kloster in Landshut nach Salzburg und Paris Lodron wies ihnen ein Stück Land zu innerhalb der neuen Befestigungen, wo sie auch bis zum heutigen Tag verblieben. 1632 brachte der bayerische Kurfürst Maximilian seine Familie, das Staatsarchiv, den Staatsschatz und das Gnadenbild von [[Altötting]] hier nach Salzburg in Sicherheit. Hatte die schwedische Soldateska noch [[1634]] Mühldorf angezündet - nach Salzburg vorzudringen haben sie niemals gewagt.
Die Kapuzinerinnen flohen aus ihrem zerstörten Kloster in Landshut nach Salzburg und Paris Lodron wies ihnen ein Stück Land zu innerhalb der neuen Befestigungen, wo sie auch bis zum heutigen Tag verblieben. 1632 brachte der [[Bayern|bayerische]] Kurfürst Maximilian seine Familie, das Staatsarchiv, den Staatsschatz und das Gnadenbild von [[Altötting]] hier nach Salzburg in Sicherheit. Hatte die schwedische Soldateska noch [[1634]] Mühldorf angezündet – nach Salzburg vorzudringen haben sie niemals gewagt.


Mitten in diesen Kriegswirren fand der Fürst nun Zeit und Muße die Vollendung seiner Kathedrale würdig zu begehen. Acht Tage lang dauerte das [[Rupertikirtag|Fest zu Ruperti]] [[1628]]!
Mitten in diesen Kriegswirren fand der Fürst nun Zeit und Muße, die Vollendung seiner Kathedrale würdig zu begehen. Acht Tage lang dauerte das [[Rupertikirtag|Fest zu Ruperti]] [[1628]]!


46 Bischöfe und Äbte von Osnabrück bis [[Trentino|Trient]] waren angereist um dieses Weltwunder zu bestaunen. Denn eine 50 Meter breite und 80 Meter hohe Fassade in Marmor hatten sie noch nie gesehen. Bis zu den von [[Marmor]] verkleideten Londoner Banken des [[19. Jahrhundert]]s blieb dieser Bau der größte Marmorbau Europas. Da er nach Kriegsende der modernste Sakralbau war, hat er seine Wirkgeschichte bis in die Jesuitenreduktionen von Südamerika hinein als Kirchentyp der Gegenreformation gegolten: zwei Türme und der Mittelgiebel waren vorher so nirgendwo bekannt.
46 Bischöfe und Äbte von Osnabrück bis [[Trentino|Trient]] waren angereist, um dieses Weltwunder zu bestaunen. Denn eine 50 Meter breite und 80 Meter hohe Fassade in Marmor hatten sie noch nie gesehen. Bis zu den mit [[Marmor]] verkleideten Londoner Banken des [[19. Jahrhundert]]s blieb dieser Bau der größte Marmorbau Europas. Da er nach Kriegsende der modernste Sakralbau war, galt er bis in die Jesuitenreduktionen von Südamerika hinein als Kirchentyp der Gegenreformation: zwei Türme und der Mittelgiebel waren vorher so nirgendwo bekannt.


Aber nun gilt es noch einen Satz zu enträtseln den Paris Lodron wahrscheinlich 1626 auf die Fassade des Salzburger Domes schreiben hat lassen. Sie haben ihn Hundert mal gesehen, aber was bedeutet er?
Aber nun gilt es noch einen Satz zu enträtseln, den Paris Lodron wahrscheinlich 1626 auf die Fassade des Salzburger Domes schreiben hat lassen. Sie haben ihn hundert mal gesehen, aber was bedeutet er?


HAEC EST DOMUS DEI IN QUA INVOCABITUR NOMEN EIUS
HAEC EST DOMUS DEI IN QUA INVOCABITUR NOMEN EIUS
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So steht es dort in goldenen Lettern. Es ist ein Zitat aus dem 1. Makkabäerbuch des Alten Testamentes, Kapitel 7, Vers. 37.
So steht es dort in goldenen Lettern. Es ist ein Zitat aus dem 1. Makkabäerbuch des Alten Testamentes, Kapitel 7, Vers. 37.


Der in Syrien herrschende Seleukidenkönig Antiochus IV Epiphanes hat sich mit großer Streitmacht um 160 v. Chr. aufgemacht um Jerusalem zu erobern. Im Tempel der Stadt hat sich eine Gruppe von Partisanen unter ihrem Anführer, dem Freischärler Judas Makkaba, versammelt. Dieser schwört seine Kompanen gegen die Übermacht des Feindes ein, indem er ihnen diesen Satz einhämmert:
Der in [[Syrien]] herrschende Seleukidenkönig Antiochus IV. Epiphanes hat sich mit großer Streitmacht um 160 v. Chr. aufgemacht, um Jerusalem zu erobern. Im Tempel der Stadt hat sich eine Gruppe von Partisanen unter ihrem Anführer, dem Freischärler Judas Makkaba, versammelt. Dieser schwört seine Kompanen gegen die Übermacht des Feindes ein, indem er ihnen diesen Satz einhämmert:
 
:''Das ist das Haus Gottes, in dem wir sicher sind, weil wir seinen Namen anrufen.  
Das ist das Haus Gottes in dem wir sicher sind weil wir seinen Namen anrufen. Verstehen Sie jetzt, was Paris Lodron mit diesem Satz wollte?
Verstehen Sie jetzt, was Paris Lodron mit diesem Satz wollte?


Es geht nicht mehr um Judas Makkabäus sondern es geht um Gustav Adolf, der nun als Übermacht vor den Toren der Stadt steht und den man fernhalten will. Ein hochpolitisches Wort in furchtbarer Zeit. Es sollte uns zu denken geben.
Es geht nicht mehr um Judas Makkabäus, sondern es geht um [[Dreißigjähriger Krieg|Gustav Adolf]], der nun als Übermacht vor den Toren der Stadt steht und den man fernhalten will. Ein hochpolitisches Wort in furchtbarer Zeit. Es sollte uns zu denken geben.


Aber was sagt uns dieser Satz heute?
Aber was sagt uns dieser Satz heute?
 
:''Das ist Gottes Haus, in dem sein Name angerufen wird.
Das ist Gottes Haus, in dem sein Name angerufen wird.
 
Was sagt er den Tausenden von Touristen, die da Tag für Tag durch dieses Haus Gottes geschleust werden?
Was sagt er den Tausenden von Touristen, die da Tag für Tag durch dieses Haus Gottes geschleust werden?


Rufen sie seinen Namen an? Sprechen sie ein Gebet? Welch furchtbare Anklage an uns!
Rufen sie seinen Namen an? Sprechen sie ein Gebet? Welch furchtbare Anklage an uns!


Salzburg blieb neutral und eine Insel des Friedens aber die katholische Liga brauchte Waffen und Geld. So ist es verständlich, dass alle Staatsbetriebe hier in Schichten Tag und Nacht arbeiten mussten um diese Bedürfnisse zu befriedigen. [[Dienten]], [[Pfarrwerfen]], [[Gastein]], [[Ebenau]] - sie alle liefen auf Hochtouren denn der Waffenbedarf der Liga war enorm. Paris Lodron war als Privatperson auch Aktionär bei diesem Geschäft und das muss wohl gesagt werden, dass er am Kriegsgeschehen auch verdient hat. In seinem Testament konnte er noch 100.000 Gulden zur Fertigstellung der Domfassade aussetzen.
Salzburg blieb neutral und eine Insel des Friedens, aber die katholische Liga brauchte Waffen und Geld. So ist es verständlich, dass alle Staatsbetriebe hier in Schichten Tag und Nacht arbeiten mussten, um diese Bedürfnisse zu befriedigen. [[Dienten]], [[Pfarrwerfen]], [[Gastein]], [[Ebenau]] – sie alle liefen auf Hochtouren, denn der Waffenbedarf der Liga war enorm. Paris Lodron war als Privatperson auch Aktionär bei diesem Geschäft und das muss wohl gesagt werden, dass er am Kriegsgeschehen auch verdient hat. In seinem Testament konnte er noch 100.000 Gulden zur Fertigstellung der Domfassade aussetzen.


Hinter den Rollen, die ein Mensch in seinem Leben spielen muss, darf man nie vergessen: er bleibt ein Mensch der hier gefeiert wird. Wir haben uns am Grab des Erzbischofs Paris versammelt, es ist festlich mit Blumen geschmückt, es erstrahlt im Licht aber es brennen keine Kerzen davor denn er war kein Heiliger.
Hinter den Rollen, die ein Mensch in seinem Leben spielen muss, darf man nie vergessen: er bleibt ein Mensch, der hier gefeiert wird. Wir haben uns am Grab des Erzbischofs Paris versammelt, es ist festlich mit Blumen geschmückt, es erstrahlt im Licht, aber es brennen keine Kerzen davor, denn er war kein Heiliger.


Das alte Sprichwort gilt auch hier: Wo der Schuh drückt, spürt niemand besser als der, der ihn trägt. Die Ecken und Kanten seines Charakters, sein jähzorniges Temperament haben ihm nicht nur Freunde gemacht. Gewiss, er lebte sittenstreng; es gab unter ihm keine Mätressenwirtschaft wie unter seinen beiden Vorgängern.
Das alte Sprichwort gilt auch hier: Wo der Schuh drückt, spürt niemand besser als der, der ihn trägt. Die Ecken und Kanten seines Charakters, sein jähzorniges Temperament haben ihm nicht nur Freunde gemacht. Gewiss, er lebte sittenstreng; es gab unter ihm keine Mätressenwirtschaft wie unter seinen beiden Vorgängern.
Auch sein krasser Nepotismus wurde ihm sehr zur Last gelegt. Kein anderer Erzbischof hat je in diesem Ausmaß seine Verwandten begünstigt. Der [[Lodronsche Primogenitur]] Palast (das heutige [[Universität Mozarteum|Mozarteum]]) und das gegenüberliegende [[Hotel Roter Krebs|Hotel Krebs]] in der Paris-Lodron Straße geben heute noch davon Zeugnis. Aber sind nicht damit auch unglaubliche Wirtschaftsimpulse dieser Stadt erwachsen? Durch mehr als ein Jahrhundert spielten die Lodron im gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt eine bedeutende Rolle.
Auch sein krasser [[Nepotismus im Fürsterzbistum Salzburg|Nepotismus]] wurde ihm sehr zur Last gelegt. Kein anderer Erzbischof hat je in diesem Ausmaß seine Verwandten begünstigt. Der [[Lodronsche Primogenitur]]palast (das heutige [[Universität Mozarteum|Mozarteum]]) und das gegenüberliegende [[Hotel Roter Krebs|Hotel Krebs]] in der [[Paris-Lodron-Straße]] geben heute noch davon Zeugnis. Aber sind nicht damit auch unglaubliche Wirtschaftsimpulse dieser Stadt erwachsen? Durch mehr als ein Jahrhundert spielten die Lodron im gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt eine bedeutende Rolle.


Noch heute gibt es außerhalb des Domes in unserer Stadt eine kostbare Lodron-Reliquie. Es ist die Rede von der silbernen Kapsel die in der Gruft der [[Kapuzinerkirche]] das Herz des Fürsten verwahrt. Testamentarisch hatte der Erzbischof verfügt, dass sein Herz beim Herzen des Freundes ruhen solle.
Noch heute gibt es außerhalb des Domes in unserer Stadt eine kostbare Lodron-Reliquie. Es ist die Rede von der silbernen Kapsel, die in der Gruft der [[Klosterkirche zu den Heiligen Franziskus und Bonaventura]] das Herz des Fürsten verwahrt. Testamentarisch hatte der Erzbischof verfügt, dass sein Herz beim Herzen des Freundes ruhen solle.


Wer war dieser Freund?
Wer war dieser Freund?


Es war der aus Ala in Welschtirol stammende Kapuziner Johannes, ein geborener Graf Ferrari. Wahrscheinlich war er einer der wenigen Menschen mit denen sich Paris in Salzburg hier in seiner Muttersprache unterhalten konnte.
Es war der aus Ala in Welschtirol stammende Kapuziner Johannes, ein geborener Graf Ferrari. Wahrscheinlich war er einer der wenigen Menschen, mit denen sich Paris in Salzburg hier in seiner Muttersprache unterhalten konnte.


Wie oft ist er den [[Calvarienbergkapellen auf dem Kapuzinerberg|Sacro Monte]] zum Kapuzinerkloster hinaufgestiegen um sich das Herz auszuschütten bei seinem Freund. Er hat dort die Beichte abgelegt und Mut gefasst für die Zukunft in schrecklichen Zeiten.
Wie oft ist er den [[Kalvarienbergkapellen auf dem Kapuzinerberg|Sacro Monte]] zum Kapuzinerkloster hinaufgestiegen, um sich das Herz auszuschütten bei seinem Freund. Er hat dort die Beichte abgelegt und Mut gefasst für die Zukunft in schrecklichen Zeiten.


Es wird glaubhaft überliefert, dass er täglich die Hl. Messe gefeiert hat und auch selbst für den letzten Hausknecht zu dessen Todesfall dies getan hat.
Es wird glaubhaft überliefert, dass er täglich die Hl. Messe gefeiert hat und auch selbst für den letzten Hausknecht zu dessen Todesfall dies getan hat.


400 Jahre Paris Lodron - was nehmen wir mit für unser Leben?
400 Jahre Paris Lodron – was nehmen wir mit für unser Leben?


Salzburg ist steingewordene Geschichte - aber keineswegs versteinerte!
Salzburg ist steingewordene Geschichte – aber keineswegs versteinerte!


Der Stein klingt. Paris Lodron ist präsent aber auch im Heute unserer Zeit. Zu Recht kann er das Dichterwort von sich in Anspruch nehmen:
Der Stein klingt. Paris Lodron ist präsent aber auch im Heute unserer Zeit. Zu Recht kann er das Dichterwort von sich in Anspruch nehmen:
:"Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen."


"Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Äonen untergehen."
Wir Nachgeborenen leben in den Räumen, die er geschaffen hat. Wir nutzen sie weitgehend und vielfach auch anders. Es gibt eben im Theater dieser Welt keine Zuschauer. Es gibt nur Mitspielende und Akteure und dazu gehören wir auch heute noch.
 
Wir Nachgeborenen leben in den Räumen die er geschaffen hat. Wir nutzen sie weitgehend und vielfach auch anders. Es gibt eben im Theater dieser Welt keine Zuschauer. Es gibt nur Mitspielende und Akteure und dazu gehören wir auch heute noch.


Lassen Sie mich mit dem schönen Vers von Joseph von Eichendorff schließen. Sein Gedicht "Mich brennts in meinen Wanderschuhen" stand in allen Liederbüchern unserer Studentenzeit.
Lassen Sie mich mit dem schönen Vers von Joseph von Eichendorff schließen. Sein Gedicht "Mich brennts in meinen Wanderschuhen" stand in allen Liederbüchern unserer Studentenzeit.


Die letzte Strophe heißt:
Die letzte Strophe heißt:
:"Das alte Spiel, sie spielens fort und bringens nicht zu Ende.
:"Das alte Spiel, sie spielen's fort und bringen's nicht zu Ende.
:Und keiner kennt den letzten Akt von allen die da spielen.
:Und keiner kennt den letzten Akt von allen, die da spielen.
:Nur der der da oben schlägt den Takt und weiß wohin solls zielen."
:Nur der da oben schlägt den Takt und weiß, wo das hin will zielen."


== Quellen ==
== Quellen ==
* [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/Index?cmd=detail_ind&nachrid=62542 Salzburger Ehrensalut für Paris Lodron in Trentino 10. November 2019] sowie vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/Index?cmd=detail_ind&nachrid=62553 13. November 2019]
* [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom 10. November 2019 − [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=62542 ''Salzburger Ehrensalut für Paris Lodron in Trentino] − sowie vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=62553 13. November 2019]
* [[Salzburger Nachrichten]] vom [https://www.sn.at/salzburg/kultur/paris-lodron-machte-salzburg-zu-einer-insel-des-friedens-79165747 13. November 2019] Die Ansprache von Johannes Neuhardt im Salzburger Dom im Wortlaut
* [[Salzburger Nachrichten]] vom [https://www.sn.at/salzburg/kultur/paris-lodron-machte-salzburg-zu-einer-insel-des-friedens-79165747 13. November 2019]: Die Ansprache von Johannes Neuhardt im Salzburger Dom im Wortlaut


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