Wenn Orte sprechen: Unterschied zwischen den Versionen
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Jeder Ortsname hat seine Geschichte. Und manche haben einiges zu erzählen. Für den [[Flachgau]] und die [[Stadt Salzburg]] gibt es sogar ein Lexikon zum Nachschlagen. Darin erfährt man, dass [[Henndorf am Wallersee]] um 800 Hohindorf – "in dem hoehen Dorf" hieß und später im Sprachgebrauch zu Henndorf wurde, was die Henne im Wappen erklärt, die aber sprachlich gesehen dort gar nicht hingehört. | Jeder Ortsname hat seine Geschichte. Und manche haben einiges zu erzählen. Für den [[Flachgau]] und die [[Stadt Salzburg]] gibt es sogar ein Lexikon zum Nachschlagen. Darin erfährt man, dass [[Henndorf am Wallersee]] um 800 Hohindorf – "in dem hoehen Dorf" hieß und später im Sprachgebrauch zu Henndorf wurde, was die Henne im Wappen erklärt, die aber sprachlich gesehen dort gar nicht hingehört. | ||
Der Dialekt bewahrt häufig die richtige Herkunft des Namens, die heutige Schreibweise führt manchmal auf die falsche Fährte. [[Abtenau]] war ursprünglich die Ausiedlung eines Herren namens Appo, der später fälschlich zum [[Äbte von St. Peter|Abt]] von [[ | Der Dialekt bewahrt häufig die richtige Herkunft des Namens, die heutige Schreibweise führt manchmal auf die falsche Fährte. [[Abtenau]] war ursprünglich die Ausiedlung eines Herren namens Appo, der später fälschlich zum [[Äbte von St. Peter|Abt]] von [[Benediktinererzabtei St. Peter|St. Peter]] umgedeutet wurde. Der [[Hallwang]]er Ortsteil [[Esch (Hallwang)|Esch]] hat mit der [[Esche]] nichts zu tun, sondern verdankt der mittelhochdeutschen Bezeichnung für Saatfeld seinen Namen. Die Salzburger [[Getreidegasse]] ist ein weiterer falscher Freund, wenn man an regen Handel mit Weizen und Hafer in alten Zeiten denkt. Der Name kommt vom Trab der Pferde, die die Fuhrwerke zu den dortigen Verkaufsläden zogen. Der [[Wallersee]] kann sich bei der Namensgebung nicht auf den gleichnamigen Fisch, eine riesige Welsart, sondern auf "vallarium", das lateinische Wort für Talsiedlung, berufen. | ||
== Ein Lusthaus zum Nachtisch == | == Ein Lusthaus zum Nachtisch == | ||
So richtig alt sind Ortsnamen aus der [[Kelten|Keltenzeit]]. [[Anif]] stammt aus dem keltischen anapa für Sumpfwasser. Auch | So richtig alt sind Ortsnamen aus der [[Kelten|Keltenzeit]]. [[Anif]] stammt aus dem keltischen anapa für Sumpfwasser. Auch den [[Glanbach]] und der [[Hochgitzen]] haben keltische Namenswuzeln. Und manche Ortsbezeichnung steckt geschichtlich gesehen noch in der jugendlichen Wachstumsphase. Zu [[Bolaring-Siedlung|Bolaring]], heute verdichteter sozialer Wohnbau in [[Taxham]], hat der Volksmund das lateinische Wort ''bellaria'' gemacht, ein um 1750 errichtetes Lusthaus, das wörtlich übersetzt als Nachtisch bzw. "Naschwerk" das herrschaftliche [[Schloss Kleßheim]] abrundete. | ||
Der Salzburger Ortsteil [[Abfalter]] kommt von Apfelbaum. [[Faistenau]] verdankt dem fruchtbaren und fetten – feisten – Boden seinen Namen. | Der Salzburger Ortsteil [[Abfalter]] kommt von [[Apfelbaum]]. [[Faistenau]] verdankt dem fruchtbaren und fetten – feisten – Boden seinen Namen. | ||
Noch weitgehend geläufig sind die Bedeutungen der Dialektbezeichnungen "Bichl" für einen Hügel, der etwa in [[Wallfahrtskirche Maria Bühel|Maria Bühel]] in Erscheinung tritt, das Anhängsel -holz, wenn ein Waldgebiet gemeint, oder -schlag, wenn dieses Holz nicht mehr da ist. Der [[Bürglstein]] zwischen dem Salzburger [[Unfallkrankenhaus]] und dem [[Volksgarten]] hat mit Bürgern gar nichts am Hut, sondern bezieht seine Bedeutung vom althochdeutschen ''birgil'', was kleiner Berg bedeutet. Weiter im Alphabet der Ortsnamen stößt man auf das heutige [[Bürmoos]], die jüngste Gemeinde Salzburgs. Das "Bür" am Ortsnamenbeginn wurde noch vor etwas mehr als einem Jahrhundert "[[Bier]]" geschrieben, hat aber nichts mit dem Gerstensaft, sondern mit den dort auch heute noch zahlreich anzutreffenden [[Birke|Birken]] zu tun. | Noch weitgehend geläufig sind die Bedeutungen der Dialektbezeichnungen "Bichl" für einen Hügel, der etwa in [[Wallfahrtskirche Maria Bühel|Maria Bühel]] in Erscheinung tritt, das Anhängsel -holz, wenn ein Waldgebiet gemeint, oder -schlag, wenn dieses Holz nicht mehr da ist. Der [[Bürglstein]] zwischen dem Salzburger [[Unfallkrankenhaus]] und dem [[Volksgarten]] hat mit Bürgern gar nichts am Hut, sondern bezieht seine Bedeutung vom althochdeutschen ''birgil'', was kleiner Berg bedeutet. Weiter im Alphabet der Ortsnamen stößt man auf das heutige [[Bürmoos]], die jüngste Gemeinde Salzburgs. Das "Bür" am Ortsnamenbeginn wurde noch vor etwas mehr als einem Jahrhundert "[[Bier]]" geschrieben, hat aber nichts mit dem Gerstensaft, sondern mit den dort auch heute noch zahlreich anzutreffenden [[Birke|Birken]] zu tun. | ||
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Noch etwas erfährt der neugierige Leser: Wenn auch noch heute etwas "in der [[Gnigl]]" zu finden ist, liegt das daran, dass damit früher nur das Gewässer, nämlich der [[Gniglerbach]], gemeint war. Der [[Rainberg]] wurde früher [[Riedenburg]]-Berg, später [[Ofenlochwirt|Ofenlochberg]] genannt, seinen heutigen Namen bekam er vom erzbischöflichen [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Kammerdiener]] [[Christoph Rein]], der [[1687]] starb. | Noch etwas erfährt der neugierige Leser: Wenn auch noch heute etwas "in der [[Gnigl]]" zu finden ist, liegt das daran, dass damit früher nur das Gewässer, nämlich der [[Gniglerbach]], gemeint war. Der [[Rainberg]] wurde früher [[Riedenburg]]-Berg, später [[Ofenlochwirt|Ofenlochberg]] genannt, seinen heutigen Namen bekam er vom erzbischöflichen [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Kammerdiener]] [[Christoph Rein]], der [[1687]] starb. | ||
Auch wenn sich in [[Siggerwiesen]] die städtische Kläranlage befindet: Hier ist sprachlich nichts versickert, einst besaß hier ein gewisser Sicco Wiesen und das vor mindestens 900 Jahren. Eine Besonderheit zum Schluss: [[Strobl]] am [[Wolfgangsee]] (für Spezialisten: früher auch [[Abersee]] und noch früher Illinger See genannt) ist nach der Familie Strobl benannt, deren Mitglieder als Wirte, Eisenniederleger und Amtsmänner des [[Domkapitel]]s bekannt waren. Der Name deutet auf struppiges Haar hin, so wie auch beim Struwwelpeter. | Auch wenn sich in [[Siggerwiesen (Bergheim)|Siggerwiesen]] die städtische Kläranlage befindet: Hier ist sprachlich nichts versickert, einst besaß hier ein gewisser Sicco Wiesen und das vor mindestens 900 Jahren. Eine Besonderheit zum Schluss: [[Strobl]] am [[Wolfgangsee]] (für Spezialisten: früher auch [[Abersee (Halbinsel)|Abersee]] und noch früher Illinger See genannt) ist nach der Familie Strobl benannt, deren Mitglieder als Wirte, Eisenniederleger und Amtsmänner des [[Domkapitel]]s bekannt waren. Der Name deutet auf struppiges Haar hin, so wie auch beim Struwwelpeter. | ||
== Quelle == | == Quelle == | ||
* [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [ | * [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=55621 4. November 2015] | ||
[[Kategorie:Geschichte]] | [[Kategorie:Geschichte]] | ||
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