Wallfahrtskirche St. Valentin: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Wallfahrtskirche St. Valentin in Marzoll.JPG|thumb|Wallfahrtskirche St. Valentin]] | [[Datei:Wallfahrtskirche St. Valentin in Marzoll.JPG|thumb|Wallfahrtskirche St. Valentin]] | ||
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[[Datei:Hl valentin marzoll !cid 66E394ACAB504E8EB32B66C1AAFBF633@acerceed380844.jpg|thumb|Statue des hl. Valentin in der Kirche von Marzoll. Das Gnadenbild der Wallfahrt stand auf dem früheren Hochaltar. Der Salzburger Hofbildhauer [[Hans Waldburger]] schuf es [[1626]].]] | |||
[[Datei:Marzoll clip image002.jpg|thumb|Grabplatte von Degenhard I. Fröschl († 1495) in der Vorhalle der Kirche St. Valentin in Marzoll]] | |||
Die '''Wallfahrtskirche St. Valentin''' ist eine römisch-katholische Kirche im Ortsteil [[Marzoll]] von [[Bad Reichenhall]] im Landkreis Berchtesgadener Land in [[Bayern]]. | |||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Die [[ | Die Kirche in Marzoll wurde in der [[Notitia Arnonis]], dem Salzburger Güterverzeichnis von 788/790 erstmals genannt. Um [[1140]] entstand ein [[Romanik|romanischer]] Neubau. Nach dem Abbruch der romanischen Apsis errichtete man einen [[Gotik|gotischen]] Chor, der in der Folgezeit als Grablege für das Geschlecht der Fröschl diente. [[Johann Ebser (Priester)|Johann II. Ebser]], [[Bischof von Chiemsee]], weihte das fertig gestellte Gotteshaus [[1437]] dem heiligen Valentin von Terni. Zuvor war es wohl dem heiligen Valentin von Rätien geweiht, da in Marzoll früher das [[Patrozinium]] an dessen Festtag, dem [[7. Jänner]] gefeiert wurde. Ende des [[15. Jahrhundert]]s wurde das Langhaus eingewölbt, das große Nordportal eingefügt und der Turm mit einem hohen gotischen Spitzhelm errichtet. | ||
In den Jahren [[1714]]/[[1715]] erfolgte an der Nordseite der Anbau der Sakristei, der Vorhalle und der Oratorien (Logen) für die Schlossherrschaft. Möglicherweise hatte die Familie [[Lasser von Lasseregg]] auf [[Schloss Marzoll]] den Bau der Oratorien veranlasst. [[1729]] stellte man einen [[barock]]en Hochaltar auf. Der Spitzhelm des Turms musste [[1746]] - [[1748]] der barocken Zwiebelhaube weichen. Von [[1747]] bis [[1750]] wurde der Innenraum im [[Rokoko]]stil umgestaltet. | |||
Im Zuge der [[Säkularisation]] von [[1803]] wurde das [[Augustinerchorherrenstift St. Zeno]], die Mutterpfarrei aller Kirchen im Reichenhaller Tal, aufgehoben. Die Kuratie Marzoll trennte man von der Pfarrei Gmain ([[Großgmain]]), zu der sie seit dem [[14. Jahrhundert]] gehört hatte. Seit [[1809]] ist Marzoll eine selbständige Pfarrei. Zwischen [[1816]] und [[1822]] wurden die Diözesangrenzen an die Staatsgrenzen angeglichen. Das südostbayerische Gebiet, welches seit jeher kirchlich zur [[Erzdiözese Salzburg]] gehört hatte, fiel nun in die Zuständigkeit des Erzbistums München und Freising. Heute ist St. Valentin ein Teil der Katholischen Stadtkirche [[Bad Reichenhall]]. | |||
===Innenausstattung=== | |||
In der Vorhalle finden sich Grabplatten der Schlossherren aus dem 15. bis [[18. Jahrhundert]]. Sie erinnern an Mitglieder der Familien Fröschl, von Freysing und Aichach, und Lasser von Lasseregg. Durch das spätgotische Portal aus der Zeit um [[1500]] gelangt man in den Innenraum, den unter der Empore ein schmiedeeisernes Gitter von 1650 abschließt. Das Kircheninnere ist geprägt vom [[Rokoko]]<nowiki>stuck</nowiki> des Salzburgers [[Benedikt Zöpf]] von [[1748]]. (Zöpf arbeitete u. a. für die [[Benediktinererzabtei St. Peter]], die Stuckaturen in der dortigen Stiftskirche gelten als sein Hauptwerk.) Der Stil seiner Stuckaturen in Marzoll verweist bereits auf den beginnenden Klassizismus. | |||
Den Hochaltar schuf [[1729]] der Salzburger Hoftischler [[Simon Thaddäus Baldauf]]. Aus dem gleichen Jahr stammen die Figuren der heiligen. [[Laurentiusfest|Laurentius]] (links) und Ulrich (rechts), die der Reichenhaller Bildhauer Johann Schwaiger geschnitzt hat. Das Hochaltarbild eines unbekannten Malers um [[1780]] zeigt den Kirchenpatron Valentin. Zu seinen Füßen ist die Heilung eines Kranken durch ihn dargestellt. In einer Kartusche über dem Bild ist der lateinische Text zu lesen: "Heiliger Valentin, Bischof und Märtyrer, Du Heil der Kranken!" Im Auszug ist eine Marienkrönung dargestellt, die im [[19. Jahrhundert]] stark übermalt wurde. | |||
Hinter dem Hochaltar befindet sich der Käfig für die dem heiligen Valentin geopferten Hühner. Sie wurden von den Wallfahrern dreimal um den Altar getragen und dann in diesen Kobel gesperrt. | |||
An der linken Seitenwand neben dem Hochaltar wurden [[1967]] spätgotische Wandmalereien freigelegt, die auf ein ehemaliges Sakramentshäuschen an dieser Stelle hinweisen. Am Chorbogen steht rechts eine Statue des hl. Valentin vom Salzburger Hofbildhauer [[Hans Waldburger]] aus dem früheren Hochaltar von [[1626]]. (Von Waldburger stammte auch der alte Hochaltar in [[Erzabtei St. Peter]] in Salzburg.) In die klassizistischen Seitenaltäre von [[1819]] wurden die Altarbilder der Vorgängeraltäre aus dem Jahr [[1747]] übernommen. Sie zeigen links die hl. [[Anna (Heilige)|Anna]]inmitten der heiligen Sippe und rechts Antonius von Padua vor Maria, Gott Vater und dem hl. Geist. Diese Seitenaltarbilder, sowie die Kreuzwegstationen ([[1750]]) stammen von dem Salzburger Hofmaler [[Benedikt Werkstätter]]. Die Kanzel von [[1791]] ist im Übergangsstil vom Rokoko zum Klassizismus gestaltet. Ebenfalls an der linken Langhauswand befinden sich zwei Oratorien (Logen) für die Schlossherrschaft. | |||
===Friedhof=== | |||
An der Nordseite der Kirche befindet sich das so genannte "Allerseelenkammerl", der Rest eines Karners (Beinhauses). Darin wurden Gebeine aus dem meist zu kleinen Friedhof aufbewahrt. Der Altar aus dem [[17. Jahrhundert]] zeigt eine Pietá und darüber Gott Vater. | |||
An der Ostseite des Chores steht eine Totenleuchte aus dem [[15. Jahrhundert]]. Dominikus Winkler, der erste Pfarrer von Marzoll, konnte sie [[1811]] vor der behördlich angeordneten Zerstörung retten, indem er sie zu einem Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Napoleonischen Kriege umfunktionierte. Es handelt sich dabei um eines der ersten Kriegerdenkmäler der Region. | |||
== Wallfahrt == | |||
Der Beginn der bedeutenden Wallfahrt zum hl. Valentin in der Marzoller Kirche geht auf ein Wunder im Jahre [[1496]] zurück, bei dem ein Kind aus [[Thalgau]] von der Epilepsie geheilt worden sein soll. Die meisten Wallfahrer kamen aus salzburgischen Orten der näheren und weiteren Umgebung, aus [[Wals]], [[Piding]], [[Ainring]] und [[Bergheim]], auch aus [[Salzburghofen]], [[Saaldorf-Surheim]], [[Anthering]] und Thalgau. Die Wallfahrt, bei der vor allem lebende schwarze Hennen geopfert wurden, erreichte im 17. und [[18. Jahrhundert]] ihre höchste Blüte und kam nach der Aufklärung zum Erliegen. | |||
==Weblink== | ==Weblink== | ||
* [http://www.salzburg.com/wiki/index.php/Datei:St._Valentin,_Helfer_gegen_die_Frais.pdf#Beschreibung Artikel in "Heimatblätter" über St. Valentin, Helfer gegen die Frais] | * [http://www.salzburg.com/wiki/index.php/Datei:St._Valentin,_Helfer_gegen_die_Frais.pdf#Beschreibung Artikel in "Heimatblätter" über St. Valentin, Helfer gegen die Frais] | ||
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==Quellen== | |||
* [[Walter Brugger|Brugger, Walter]]: ''St. Valentin Marzoll'', Kirchenführer, Regensburg 1997 | |||
* [[Andreas Hirsch|Hirsch, Andreas]]: ''St. Valentin - Helfer gegen die Frais, Marzoll war einst ein viel besuchter Wallfahrtsort'', Heimatblätter 2/2009. | |||
* [[Johannes Lang|Lang, Johannes]]: ''Die Kuratie Marzoll'', in:'' St. Zeno in Reichenhall, Geschichte des Augustiner-Chorherrenstifts von der Gründung bis zur Säkularisation'', München 2009 | |||
* Tafel an der {{PAGENAME}} | * Tafel an der {{PAGENAME}} | ||
* Kirchenführer der Wallfahrtskirche St. Valentin | * Kirchenführer der Wallfahrtskirche St. Valentin | ||
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[[Kategorie:Wallfahrtskirche]] | |||