Wallfahrtskirche St. Valentin: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Osteraltar in der Pfarrkirche Marzoll von A. Hirsch.jpg|thumb|Osteraltar in der Pfarrkirche Marzoll von A. Hirsch]]
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[[Datei:Hl valentin marzoll !cid 66E394ACAB504E8EB32B66C1AAFBF633@acerceed380844.jpg|thumb|Statue des hl. Valentin in der Kirche von Marzoll. Das Gnadenbild der Wallfahrt stand auf dem früheren Hochaltar. Der Salzburger Hofbildhauer [[Hans Waldburger]] schuf es [[1626]].]]
[[Datei:Hl valentin marzoll !cid 66E394ACAB504E8EB32B66C1AAFBF633@acerceed380844.jpg|thumb|Statue des hl. Valentin in der Kirche von Marzoll. Das Gnadenbild der Wallfahrt stand auf dem früheren Hochaltar. Der Salzburger Hofbildhauer [[Hans Waldburger]] schuf es [[1626]].]]
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===Innenausstattung===
===Innenausstattung===
In der Vorhalle finden sich Grabplatten der Schlossherren aus dem 15. bis [[18. Jahrhundert]]. Sie erinnern an Mitglieder der Familien Fröschl, von Freysing und Aichach, und Lasser von Lasseregg. Durch das spätgotische Portal aus der Zeit um 1500 gelangt man in den Innenraum, den unter der Empore ein schmiedeeisernes Gitter von 1650 abschließt. Das Kircheninnere ist geprägt vom [[Rokoko]]<nowiki>stuck</nowiki> des Salzburgers [[Benedikt Zöpf]] von 1748. (Zöpf arbeitete u. a. für die [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter]], die Stuckaturen in der dortigen Stiftskirche gelten als sein Hauptwerk.) Der Stil seiner Stuckaturen in Marzoll verweist bereits auf den beginnenden Klassizismus.  
In der Vorhalle finden sich Grabplatten der Schlossherren aus dem 15. bis [[18. Jahrhundert]]. Sie erinnern an Mitglieder der Familien Fröschl, von Freysing und Aichach, und Lasser von Lasseregg. Durch das spätgotische Portal aus der Zeit um [[1500]] gelangt man in den Innenraum, den unter der Empore ein schmiedeeisernes Gitter von 1650 abschließt. Das Kircheninnere ist geprägt vom [[Rokoko]]<nowiki>stuck</nowiki> des Salzburgers [[Benedikt Zöpf]] von [[1748]]. (Zöpf arbeitete u. a. für die [[Benediktinererzabtei St. Peter]], die Stuckaturen in der dortigen Stiftskirche gelten als sein Hauptwerk.) Der Stil seiner Stuckaturen in Marzoll verweist bereits auf den beginnenden Klassizismus.  


Den Hochaltar schuf [[1729]] der Salzburger Hoftischler [[Simon Thaddäus Baldauf]]. Aus dem gleichen Jahr stammen die Figuren der heiligen. Laurentius (links) und Ulrich (rechts), die der Reichenhaller Bildhauer Johann Schwaiger geschnitzt hat. Das Hochaltarbild eines unbekannten Malers um [[1780]] zeigt den Kirchenpatron Valentin. Zu seinen Füßen ist die Heilung eines Kranken durch ihn dargestellt. In einer Kartusche über dem Bild ist der lateinische Text zu lesen: "Heiliger Valentin, Bischof und Märtyrer, Du Heil der Kranken!Im Auszug ist eine Marienkrönung dargestellt, die im [[19. Jahrhundert]] stark übermalt wurde.  
Den Hochaltar schuf [[1729]] der Salzburger Hoftischler [[Simon Thaddäus Baldauf]]. Aus dem gleichen Jahr stammen die Figuren der heiligen. [[Laurentiusfest|Laurentius]] (links) und Ulrich (rechts), die der Reichenhaller Bildhauer Johann Schwaiger geschnitzt hat. Das Hochaltarbild eines unbekannten Malers um [[1780]] zeigt den Kirchenpatron Valentin. Zu seinen Füßen ist die Heilung eines Kranken durch ihn dargestellt. In einer Kartusche über dem Bild ist der lateinische Text zu lesen: "Heiliger Valentin, Bischof und Märtyrer, Du Heil der Kranken!" Im Auszug ist eine Marienkrönung dargestellt, die im [[19. Jahrhundert]] stark übermalt wurde.  


Hinter dem Hochaltar befindet sich der Käfig für die dem heiligen Valentin geopferten Hühner. Sie wurden von den Wallfahrern dreimal um den Altar getragen und dann in diesen Kobel gesperrt.
Hinter dem Hochaltar befindet sich der Käfig für die dem heiligen Valentin geopferten Hühner. Sie wurden von den Wallfahrern dreimal um den Altar getragen und dann in diesen Kobel gesperrt.


An der linken Seitenwand neben dem Hochaltar wurden [[1967]] spätgotische Wandmalereien freigelegt, die auf ein ehemaliges Sakramentshäuschen an dieser Stelle hinweisen. Am Chorbogen steht rechts eine Statue des hl. Valentin vom Salzburger Hofbildhauer [[Hans Waldburger]] aus dem früheren Hochaltar von [[1626]]. (Von Waldburger stammte auch der alte Hochaltar in [[Erzabtei St. Peter]] in Salzburg.) In die klassizistischen Seitenaltäre von [[1819]] wurden die Altarbilder der Vorgängeraltäre aus dem Jahr [[1747]] übernommen. Sie zeigen links die hl. Anna inmitten der heiligen Sippe und rechts Antonius von Padua vor Maria, Gott Vater und dem hl. Geist. Diese Seitenaltarbilder, sowie die Kreuzwegstationen ([[1750]]) stammen von dem Salzburger Hofmaler [[Benedikt Werkstätter]]. Die Kanzel von [[1791]] ist im Übergangsstil vom Rokoko zum Klassizismus gestaltet. Ebenfalls an der linken Langhauswand befinden sich zwei Oratorien (Logen) für die Schlossherrschaft.  
An der linken Seitenwand neben dem Hochaltar wurden [[1967]] spätgotische Wandmalereien freigelegt, die auf ein ehemaliges Sakramentshäuschen an dieser Stelle hinweisen. Am Chorbogen steht rechts eine Statue des hl. Valentin vom Salzburger Hofbildhauer [[Hans Waldburger]] aus dem früheren Hochaltar von [[1626]]. (Von Waldburger stammte auch der alte Hochaltar in [[Erzabtei St. Peter]] in Salzburg.) In die klassizistischen Seitenaltäre von [[1819]] wurden die Altarbilder der Vorgängeraltäre aus dem Jahr [[1747]] übernommen. Sie zeigen links die hl. [[Anna (Heilige)|Anna]]inmitten der heiligen Sippe und rechts Antonius von Padua vor Maria, Gott Vater und dem hl. Geist. Diese Seitenaltarbilder, sowie die Kreuzwegstationen ([[1750]]) stammen von dem Salzburger Hofmaler [[Benedikt Werkstätter]]. Die Kanzel von [[1791]] ist im Übergangsstil vom Rokoko zum Klassizismus gestaltet. Ebenfalls an der linken Langhauswand befinden sich zwei Oratorien (Logen) für die Schlossherrschaft.  


===Friedhof===
===Friedhof===
An der Nordseite der Kirche befindet sich das so genannte "Allerseelenkammerl“, der Rest eines Karners (Beinhauses). Darin wurden Gebeine aus dem meist zu kleinen Friedhof aufbewahrt. Der Altar aus dem [[17. Jahrhundert]] zeigt eine Pietá und darüber Gott Vater.  
An der Nordseite der Kirche befindet sich das so genannte "Allerseelenkammerl", der Rest eines Karners (Beinhauses). Darin wurden Gebeine aus dem meist zu kleinen Friedhof aufbewahrt. Der Altar aus dem [[17. Jahrhundert]] zeigt eine Pietá und darüber Gott Vater.  


An der Ostseite des Chores steht eine Totenleuchte aus dem [[15. Jahrhundert]]. Dominikus Winkler, der erste Pfarrer von Marzoll, konnte sie [[1811]] vor der behördlich angeordneten Zerstörung retten, indem er sie zu einem Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Napoleonischen Kriege umfunktionierte. Es handelt sich dabei um eines der ersten Kriegerdenkmäler der Region.
An der Ostseite des Chores steht eine Totenleuchte aus dem [[15. Jahrhundert]]. Dominikus Winkler, der erste Pfarrer von Marzoll, konnte sie [[1811]] vor der behördlich angeordneten Zerstörung retten, indem er sie zu einem Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Napoleonischen Kriege umfunktionierte. Es handelt sich dabei um eines der ersten Kriegerdenkmäler der Region.