Kobler-Spängler-Briefe von 1870: Unterschied zwischen den Versionen

Korrekturen ~~~~
K Textersetzung - „Benediktiner-Erzabtei St. Peter“ durch „Benediktinererzabtei St. Peter“
 
(20 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 11: Zeile 11:
Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  
Über seine Tochter Johanna Spängler (* [[1882]]; † [[1973]]), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* [[1868]]; † [[1940]]), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* [[1917]]; † [[2001]]), verheiratet Saska in Krems, an [[Otto Holzapfel]] (* [[1941]]) in [[Freiburg im Breisgau]] in [[Deutschland]].  


Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref>
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen [[Franziska Kobler|Franziska "Fanny" Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, [[Franziska Schlegel|Franziska "Fanni" Schlegel]] (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, [[Otto Holzapfel]], zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].</ref>


== 1870 ==
== 1870 ==
==== Brief vom 18. April 1870 von der Mutter [[Antonia Lürzer von Zechenthal]] (* 1803; † 1882), verheiratete Spängler, an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 18. April 1870 von der Mutter Antonia Lürzer von Zechenthal (* 1803; † 1882), verheiratete Spängler, an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Ein Bogen, verblasste Tinte; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden, bes. bei d und h; mehrere (für mich) unleserliche XX Wörter und fragliche [?] Stellen<ref>Man kann sich, abgesehen von der Sütterlin-Schrift, in eine Handschrift "einlesen", aber manche Probleme bleiben: Hier ungeregelte Rechtschreibung (aufgrund mangelhafter Schulbildung?) z. B. in der Verdoppelung von Buchstaben ("Sammstag") bzw. das Gegenteil ("Sontag", "vieleicht"). Es gibt viele Flüchtigkeiten, die Unterschiede zwischen "r", "e" und "n", zwischen "d" und "h", ebenso zwischen "P", "K" und "R" verschwimmen lassen und, gravierend, Unsicherheiten bei der Schreibung von Eigennamen. Ich [O. H.] versuche so buchstabengetreu wie möglich zu übertragen. Bei "e" und "n" habe ich übertragen, wie es sprachlich korrekt wäre. Auffällig bleibt das Fehlen eines "m" für den Dativ. Stillschweigend übernommen wird der Verdoppelungsstrich über "m" und "n" als Doppelbuchstabe, zumeist auch der Verkürzungsschlenker am Zeilenende. Belassen wird generell die mangelhafte bzw. regellose Zeichensetzung. Bei Auffälligkeiten wird zuweilen ein [!] eingefügt und versuchsweise werden Wörter oder Wortteile in eckigen Klammern ergänzt. Weitere Hinweise stehen bei den einzelnen Briefen.</ref>:<br />
Brief von [[Antonia Lürzer von Zechenthal]]; ein Bogen, verblasste Tinte; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden, bes. bei d und h; mehrere (für mich) unleserliche XX Wörter und fragliche [?] Stellen<ref>Man kann sich, abgesehen von der "deutschen" Schrift, in eine Handschrift "einlesen", aber manche Probleme bleiben: Hier ungeregelte Rechtschreibung (aufgrund mangelhafter Schulbildung?) z. B. in der Verdoppelung von Buchstaben ("Sammstag") bzw. das Gegenteil ("Sontag", "vieleicht"). Es gibt viele Flüchtigkeiten, die Unterschiede zwischen "r", "e" und "n", zwischen "d" und "h", ebenso zwischen "P", "K" und "R" verschwimmen lassen und, gravierend, Unsicherheiten bei der Schreibung von Eigennamen. Ich, [[Otto Holzapfel]], versuche so buchstabengetreu wie möglich zu übertragen. Bei "e" und "n" habe ich übertragen, wie es sprachlich korrekt wäre. Auffällig bleibt das Fehlen eines "m" für den Dativ. Stillschweigend übernommen wird der Verdoppelungsstrich über "m" und "n" als Doppelbuchstabe, zumeist auch der Verkürzungsschlenker am Zeilenende. Belassen wird generell die mangelhafte bzw. regellose Zeichensetzung. Bei Auffälligkeiten wird zuweilen ein [!] eingefügt und versuchsweise werden Wörter oder Wortteile in eckigen Klammern ergänzt. Weitere Hinweise stehen bei den einzelnen Briefen.</ref>:<br />
''Salzburg den 18/4 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Mit großer Sehnsucht wartete ich amm [!] Sammstag [!] [auf] deinen Brief welchen ich auch richtig um 12 Uhr erhielt, gottlob das es dir gut geht, aber was ich fürchte, das du in allen hübsch hoch hinauf kömmst indem schon das Zimmer so theuer ist. Ich danke dir recht sehr für deine Glückwünsche zum Geburtstag der liebe Gott möge sie erfühlen und mir seinen Heil. Segen angedeihen lassen. Jeden Tag bist du lieber Franz mein erster gedanke und jeden Tag bethe ich für dich das dich der liebe Gott von allen Unglück bewahre, ich bin begierig zu hören wie es dir mit der Kost geht wie mit Frühstück ob du es selbst machst, oder ob du Frühstüken gehst. / Ob du die Oster Feyertag in Wien zugebracht hast? Heute habe ich mit Herrn von Weinwurm<ref>Stanislaus Weinwurm, der Vater von Marie Weinwurm (* 1839; † 1911), 1863 verheiratet mit Rudolf Spängler (* 1830; † 1895); auch im Brief vom 26. Juli 1870 erwähnt</ref> gesprochen er freut sich dich öfter in Wien zu sehen. Ich habe ihm bey den Rudolf Spängler gesehen. Es sind jetzt mehrere Wiener hier wenn du nothwendig etwas brauchst, so schreibe es gleich ich werde es dan schon durch einen oder den anderen schücken, und zwar, an Fenzl Artur abgeben lassen. Kaum bist du 8 Tage fort, so hat sich schon allerley zu getragen am Char Sonntag'' [17. April 1870] ''hat sich der gnaziadai [?] erschoschen [? -ssen] welcher das Oberste Moos<ref>[[Obermoos]]?</ref> bad hat. am Oster Sontag Vormittag drei [der?] Schmmit''<ref>[[Carl Schmidt (Eisenwarenkaufmann)]], * 1839; † durch Suizid am 17. April 1870</ref> ''bey Stainen [?], kanst dir denken das gerade von denen Leuten alles geulte [? gel-] dem Saulich die Schuld, die Pepi Saulich ist ganz krank. Ein Bäurin bey Hallein hat sich auch gestern erhängt, da musste der Boseorin [?] hinauf / donnerstag kam Schumacher hier an und am Sammstag Abends wurde die Verlobung gefeyert Ich denke du hast gewiß auch eine Anzeige bekommen. gestern und Heute ging die Mama mit ihnen zu denen nächsten Verwandten hin auf zuführen. Ich wolte heute dort meinen Besuch machen aber die Verlobten sah ich eben in unserm Hauß da sagte mir die Zeller sie seyen dieser Tage nun bestimmt zu treffen, weil sie viele Besuche zu machen hat.
''Salzburg den 18/4 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Mit großer Sehnsucht wartete ich amm [!] Sammstag [!] [auf] deinen Brief welchen ich auch richtig um 12 Uhr erhielt, gottlob das es dir gut geht, aber was ich fürchte, das du in allen hübsch hoch hinauf kömmst indem schon das Zimmer so theuer ist. Ich danke dir recht sehr für deine Glückwünsche zum Geburtstag der liebe Gott möge sie erfühlen und mir seinen Heil. Segen angedeihen lassen. Jeden Tag bist du lieber Franz mein erster gedanke und jeden Tag bethe ich für dich das dich der liebe Gott von allen Unglück bewahre, ich bin begierig zu hören wie es dir mit der Kost geht wie mit Frühstück ob du es selbst machst, oder ob du Frühstüken gehst. / Ob du die Oster Feyertag in Wien zugebracht hast? Heute habe ich mit Herrn von Weinwurm<ref>Stanislaus Weinwurm, der Vater von Marie Weinwurm (* 1839; † 1911), 1863 verheiratet mit Rudolf Spängler (* 1830; † 1895); auch im Brief vom 26. Juli 1870 erwähnt</ref> gesprochen er freut sich dich öfter in Wien zu sehen. Ich habe ihm bey den Rudolf Spängler gesehen. Es sind jetzt mehrere Wiener hier wenn du nothwendig etwas brauchst, so schreibe es gleich ich werde es dan schon durch einen oder den anderen schücken, und zwar, an Fenzl Artur abgeben lassen. Kaum bist du 8 Tage fort, so hat sich schon allerley zu getragen am Char Sonntag'' [17. April 1870] ''hat sich der gnaziadai [?] erschoschen [? -ssen] welcher das Oberste Moos<ref>[[Obermoos]]?</ref> bad hat. am Oster Sontag Vormittag drei [der?] Schmmit''<ref>[[Carl Schmidt (Eisenwarenkaufmann)]], * 1839; † durch Suizid am 17. April 1870</ref> ''bey Stainen [?], kanst dir denken das gerade von denen Leuten alles geulte [? gel-] dem Saulich die Schuld, die Pepi Saulich ist ganz krank. Ein Bäurin bey Hallein hat sich auch gestern erhängt, da musste der Boseorin [?] hinauf / donnerstag kam Schumacher hier an und am Sammstag Abends wurde die Verlobung gefeyert Ich denke du hast gewiß auch eine Anzeige bekommen. gestern und Heute ging die Mama mit ihnen zu denen nächsten Verwandten hin auf zuführen. Ich wolte heute dort meinen Besuch machen aber die Verlobten sah ich eben in unserm Hauß da sagte mir die Zeller sie seyen dieser Tage nun bestimmt zu treffen, weil sie viele Besuche zu machen hat.


Zeile 30: Zeile 30:
==== Brief vom 5. Mai 1870 von Otto Spängler an den Bruder Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling und an die Mutter Antonia Spängler ====
==== Brief vom 5. Mai 1870 von Otto Spängler an den Bruder Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling und an die Mutter Antonia Spängler ====
Ein Bogen (Bilder 1 bis 4) Briefpapier "L S" [Luise/Louise Spängler] von [[Otto Spängler]] an den Bruder [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], Brief vom 5. Mai 1870:<br />
Ein Bogen (Bilder 1 bis 4) Briefpapier "L S" [Luise/Louise Spängler] von [[Otto Spängler]] an den Bruder [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], Brief vom 5. Mai 1870:<br />
''Lieber Franz! Ich wollte dir schon lange schreiben, allein ich hatte wirklich so viel zu thun, dß ich mit dem beßten Willen noch nicht dazu kam. Für deinen lezten Brief danke ich dir vielmals; es freute mich sehr, aus demselben, sowie aus dem an Anna Laufer entnehmen zu können, dß du dich mit der Zeit an deinen neuen Aufenthaltsort u. die neuen Verhältnisse gewöhnst.<ref>Seit April 1870 ist Franz Spängler Adjunkt am Bezirksgericht in Mödling.</ref> Wenn einmal die Wienersommerpartien werden nach Mödling gekommen sein, so wird es mal viel amüsanter u. lebendiger werden. Von mir kann ich dir nur berichten, daß [mit "a"!] ich in meiner Stellung als Gemeinderath noch gar nichts zu thun hatte, weil Biebl<ref>wohl [[Rudolf Biebl]], seit 1858 im [[Salzburger Gemeinderat]], später Bürgermeister</ref> ablehnte, und bis zur Vornahme der Nachwa[h]l<ref>auch im Folgenden zumeist ohne "h" heutiger Rechtschreibung, ebenso in anderen Wörtern</ref> (Sternbä[cke]r [[Johann Haager|Haager]])<ref>Der Sternbäcker [[Johann Haager]], [[Getreidegasse]] 29, war von 1870 bis zu seinem Ableben 1886<!--?--> Salzburger Gemeinderat.</ref> u. dessen Wahlverification [mit "h"!] so viele Zeit verging, dß wir erst am 16. Mai zur erster. Sizung [!] werden zusamen tretten [!]; ich werde dir das Resultat derselben sogleich mittheilen; im übrigen ist die Wiederwal des [[Heinrich Ritter von Mertens|Mertens]] außer allem Zweifel; nur sehr fraglich dürfte die Wal der beiden Vicebürgermeister, wenigstens des einen sein; der andere wird wol wieder [[Leopold Scheibl|Scheibl]] werden. Ich werde dir jene Salzburgerzeitung, in welcher die constituirende Gemeinderathssizung enthalten sein wird, unter Couvert senden. Meine Stellung bei der Forstbank macht mir wol einiges, aber nicht sehr viel zu thun, und ist die Arbeit anfangs jedenfalls mehr, als später.''
''Lieber Franz! Ich wollte dir schon lange schreiben, allein ich hatte wirklich so viel zu thun, dß ich mit dem beßten Willen noch nicht dazu kam. Für deinen lezten Brief danke ich dir vielmals; es freute mich sehr, aus demselben, sowie aus dem an Anna Laufer entnehmen zu können, dß du dich mit der Zeit an deinen neuen Aufenthaltsort u. die neuen Verhältnisse gewöhnst.<ref>Seit April 1870 ist Franz Spängler Adjunkt am Bezirksgericht in Mödling.</ref> Wenn einmal die Wienersommerpartien werden nach Mödling gekommen sein, so wird es mal viel amüsanter u. lebendiger werden. Von mir kann ich dir nur berichten, daß [mit "a"!] ich in meiner Stellung als Gemeinderath noch gar nichts zu thun hatte, weil Biebl<ref>wohl [[Rudolf Biebl (Bürgermeister)|Rudolf Biebl]], seit 1858 im [[Salzburger Gemeinderat]], später Bürgermeister</ref> ablehnte, und bis zur Vornahme der Nachwa[h]l<ref>auch im Folgenden zumeist ohne "h" heutiger Rechtschreibung, ebenso in anderen Wörtern</ref> (Sternbä[cke]r [[Johann Haager|Haager]])<ref>Der Sternbäcker [[Johann Haager]], [[Getreidegasse]] 29, war von 1870 bis zu seinem Ableben 1886<!--?--> Salzburger Gemeinderat.</ref> u. dessen Wahlverification [mit "h"!] so viele Zeit verging, dß wir erst am 16. Mai zur erster. Sizung [!] werden zusamen tretten [!]; ich werde dir das Resultat derselben sogleich mittheilen; im übrigen ist die Wiederwal des [[Heinrich Ritter von Mertens|Mertens]] außer allem Zweifel; nur sehr fraglich dürfte die Wal der beiden Vicebürgermeister, wenigstens des einen sein; der andere wird wol wieder [[Leopold Scheibl|Scheibl]] werden. Ich werde dir jene Salzburgerzeitung, in welcher die constituirende Gemeinderathssizung enthalten sein wird, unter Couvert senden. Meine Stellung bei der Forstbank macht mir wol einiges, aber nicht sehr viel zu thun, und ist die Arbeit anfangs jedenfalls mehr, als später.''


''An Gehalt habe ich mir für 22 Tage (9–30 April)''
''An Gehalt habe ich mir für 22 Tage (9–30 April)''
Zeile 68: Zeile 68:
''Salzburg den 16/5 [18]70. Mein liebster theuerster Franz! Endlich erhielt [ich] Vorgestern einen Brief von dir, welcher mich inig freute, Ich habe immer eine große Freude wen ich von dir etwas höre. Wie wirst du gestern gestaunt haben als du das Telegram bekommen hast, das Franz am Dinstag nach Wien reist o könnte ich als ein Vögerl mitfliegen. Ich sende dir die dunkle Hose mit und einige Krägen und ein paar Hemten damit du wieder etwas hast. Den Rock welchen er noch nie [?] geholt hatte schückte ich gestern hin und sagte ihm, er müßte die nächste Woche fertig werden. Die decke wäre freulich gut wen sie Otto mit packen könte kann es sein so thue ich es statt etwas / andern. Soll ich die starken Stiefel mit der Kiste schücken? gestern kamm eine von ich [?] sehr im grauen Kasten einen zusammen gelegten, schwarzen Rock. Wen es so ist soll ich den selben schücken auch eine schlechtere schwarze Hose noch ganz gut habe ich auch gesehen vieleicht kanst du dieselben XlichX doch tragen. Freilichen [?] werde ich schon auch mitsenden, schreibe nur was du brauchst, einen Hosenstoff habe ich ein 1/4 gekauft er ist so viel als möglich gleich neus ist der Grund mehr schwarz als blau aber bey Spängler sagten sie Rückwerts in der Hose einzu stücklen thut es sich ganz gut. Daneben habe ich die Hose ganz gut besetzt, ich hoffe du solst selbe eine Zeit tragen könen. Die Bücher und Papiren sind alle weg gekommen von dem Vorzimmerl, wir werden nun wen / alles in Ordnung ist, und außgewü[scht] ist dan laße ich den grauen Kleiderkasten herauf tragen und seinen grauen Kasten hinunter an diese Stelle wo unsere ist. Dieser Tage begegnete mir die Frau Präsidentin Weiß, und fragte mich wie es dir gehe, und sagte ich soll recht viel schönes von ihr entrichten PoschX Lanser alle Spängler Freulein Rosalie Reißigl Pepi Zellerischen Plachetga'' [Plachetka] ''die Höllbrauer Fany''  [&nbsp;[[Franziska Kobler]], Anm.] ''und eine menge andere. Recht sehr freute es mich daß du in Wien so freundliche Aufnahme gefunden hast und auch bey Babisch in Wienerneustatt. bist du dort lange außgewesen wie du in Wiener-Wald gewesen bist? ich bin immer froh wen ich höre das es dir etwas einträgt. damit du dich leichter thust – – /  
''Salzburg den 16/5 [18]70. Mein liebster theuerster Franz! Endlich erhielt [ich] Vorgestern einen Brief von dir, welcher mich inig freute, Ich habe immer eine große Freude wen ich von dir etwas höre. Wie wirst du gestern gestaunt haben als du das Telegram bekommen hast, das Franz am Dinstag nach Wien reist o könnte ich als ein Vögerl mitfliegen. Ich sende dir die dunkle Hose mit und einige Krägen und ein paar Hemten damit du wieder etwas hast. Den Rock welchen er noch nie [?] geholt hatte schückte ich gestern hin und sagte ihm, er müßte die nächste Woche fertig werden. Die decke wäre freulich gut wen sie Otto mit packen könte kann es sein so thue ich es statt etwas / andern. Soll ich die starken Stiefel mit der Kiste schücken? gestern kamm eine von ich [?] sehr im grauen Kasten einen zusammen gelegten, schwarzen Rock. Wen es so ist soll ich den selben schücken auch eine schlechtere schwarze Hose noch ganz gut habe ich auch gesehen vieleicht kanst du dieselben XlichX doch tragen. Freilichen [?] werde ich schon auch mitsenden, schreibe nur was du brauchst, einen Hosenstoff habe ich ein 1/4 gekauft er ist so viel als möglich gleich neus ist der Grund mehr schwarz als blau aber bey Spängler sagten sie Rückwerts in der Hose einzu stücklen thut es sich ganz gut. Daneben habe ich die Hose ganz gut besetzt, ich hoffe du solst selbe eine Zeit tragen könen. Die Bücher und Papiren sind alle weg gekommen von dem Vorzimmerl, wir werden nun wen / alles in Ordnung ist, und außgewü[scht] ist dan laße ich den grauen Kleiderkasten herauf tragen und seinen grauen Kasten hinunter an diese Stelle wo unsere ist. Dieser Tage begegnete mir die Frau Präsidentin Weiß, und fragte mich wie es dir gehe, und sagte ich soll recht viel schönes von ihr entrichten PoschX Lanser alle Spängler Freulein Rosalie Reißigl Pepi Zellerischen Plachetga'' [Plachetka] ''die Höllbrauer Fany''  [&nbsp;[[Franziska Kobler]], Anm.] ''und eine menge andere. Recht sehr freute es mich daß du in Wien so freundliche Aufnahme gefunden hast und auch bey Babisch in Wienerneustatt. bist du dort lange außgewesen wie du in Wiener-Wald gewesen bist? ich bin immer froh wen ich höre das es dir etwas einträgt. damit du dich leichter thust – – /  


''Otto kan die Decke nicht mitnehmen so schücke ich dir einstweilen den Blünd [?] und ein Leintuch ich meinte du solst selber aufnähen, und einstweilen als Decke benützen. Auch sende ich dir die Nadeln und einen Zwirn zum aufnähen auch Seide folgt. Recht viele Leute lassen dich herzlich grüßen Hofrichters Mädchen S Rosalie, die Spänglerischen Schnerlzing [?], die Kathi läßt dir die Hände küßen. Lieber Franz warte frei nicht gar zu lange bis du wieder schreibst, den es freut mich imer sehr wen ich etwas von dir höre. Die Frau von Schaffner<ref>Theresia [[Späth]], verheiratet Schaffner († 15. Mai 1870), genannt "Theresa Schaffner die Ältere"; siehe zu: [[Schaffner-Haus]]; siehe auch folgenden Brief vom 29. Mai</ref> ist am Sontag Abends gestorben Heute war Gottesdienst, der alte graf Esterhaß<ref>Kasimir Graf [[Esterházy von Galántha]] (* 1805; † 13. Mai 1870)</ref> ist auch gestorben wurde am Samstag Abend begraben nun ist Herr von Robert gestorben wird glaube ich heute begraben der Plank'' [Planck]<ref>nicht Karl Franz (Carl) Planck von Planckburg (* 1833; † 1880 in Linz), Gründer der Oberbank Salzburg; siehe zu: [[Otto Spängler]] und 'Geneanet oholzapfel' (https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org); vgl. folgenden Brief vom 29. Mai</ref> ''ist auch zum sterben er hat sich in einen garten verkühlt Lebe recht wohl gottes Segen begleite dich überal es küßt dich inig deine treue Mutter Spängler''
''Otto kan die Decke nicht mitnehmen so schücke ich dir einstweilen den Blünd [?] und ein Leintuch ich meinte du solst selber aufnähen, und einstweilen als Decke benützen. Auch sende ich dir die Nadeln und einen Zwirn zum aufnähen auch Seide folgt. Recht viele Leute lassen dich herzlich grüßen Hofrichters Mädchen<ref>Theresia Spängler (* 1823; † 1913) und Juliana Spängler (* 1826; † 1899), die Töchter von Hofrichter [[Johann Peter Maria Spängler]]</ref> S Rosalie, die Spänglerischen Schnerlzing [?], die Kathi läßt dir die Hände küßen. Lieber Franz warte frei nicht gar zu lange bis du wieder schreibst, den es freut mich imer sehr wen ich etwas von dir höre. Die Frau von Schaffner<ref>Theresia [[Späth]], verheiratet Schaffner († 15. Mai 1870), genannt "Theresa Schaffner die Ältere"; siehe zu: [[Schaffner-Haus]]; siehe auch folgenden Brief vom 29. Mai</ref> ist am Sontag Abends gestorben Heute war Gottesdienst, der alte graf Esterhaß<ref>Kasimir Graf [[Esterházy von Galántha]] (* 1805; † 13. Mai 1870)</ref> ist auch gestorben wurde am Samstag Abend begraben nun ist Herr von Robert gestorben wird glaube ich heute begraben der Plank'' [Planck]<ref>nicht Karl Franz (Carl) Planck von Planckburg (* 1833; † 1880 in Linz), Gründer der Oberbank Salzburg; siehe zu: [[Otto Spängler]] und 'Geneanet oholzapfel' (https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org); vgl. folgenden Brief vom 29. Mai</ref> ''ist auch zum sterben er hat sich in einen garten verkühlt Lebe recht wohl gottes Segen begleite dich überal es küßt dich inig deine treue Mutter Spängler''
<hr>
<hr>


==== Brief vom 29. Mai 1870 von der Mutter [[Antonia Lürzer von Zechenthal]] (* 1803; † 1882), verheiratet Spängler, an den Sohn [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Mödling ====
==== Brief vom 29. Mai 1870 von der Mutter Antonia Lürzer von Zechenthal (* 1803; † 1882), verheiratet Spängler, an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Ein Bogen; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden, bes. d und h, ebenso P, K und R, aber auch n und r; mehrere (für mich) unleserliche Wörter XX und fragliche [?] Stellen:<br />
Brief von [[Antonia Lürzer von Zechenthal]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden, bes. d und h, ebenso P, K und R, aber auch n und r; mehrere (für mich) unleserliche Wörter XX und fragliche [?] Stellen:<br />
''Salzburg den 29/5 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Wie wird es dich gefreut haben den Otto'' (der Bruder [[Otto Spängler]]) ''zu sehen, leider kontet Ihr so wenig beysammn sein, da du ja sehr angehängt bist, ich bin froh daß du nun doch einen Außkoltanten<ref>Auskultant, Anwärter auf das Richteramt, Praktikant</ref> hast, welchen du eine Arbeit hinüber geben kannst. Otto läßt dich recht herzlich grüßen, er wird diese Stelle in Lemberg'' [Lviv] ''nicht annehmen Papa, und Mama, Duregger'' [Schwiegereltern von Otto Spängler] ''sind dagegen, mir ist es schon auch viel lieber nicht, aber mein Wunsch wäre ja nicht maßgebendt. Lieber Franz soll ich dir alle Kleider schücken? ich denke ja – dan soll ich die Schwimhose auch schücken oder nicht, die decke und noch ein Leintuch schücke ich jedenfalls, dan hast du die Schere bekommen welche ich noch mal geschückt habe? wen / du noch etwas wünschest, so schreibe es nur, den nun warte ich schon bis der Schneider den Rock schückt es ist oft so kalt, das man die Winterkleider brauchen könte, ich habe eben Heute wider zu ihm geschückt bis wann wir den Rock bekommen. Die Fenzl ist nun in Wien, alles ist hier getheilt worden, was nur mitnehmbar war. Das Vermögen der Frau von Schaffner<ref>siehe zu: [[Schaffner-Haus]] und voranstehenden Brief vom 16. Mai</ref> war 300.000 seyn 3 mahl hund[ert] Tausend Gulden, also trieft eins den Erben bey 80000 denke dir die LeGaten an die Cousinen oder Kapozinner'' [Kapuziner] ''und den gleichen nur je 100 fl'' [Gulden] ''die Magd 150 die Nichten je 50 fl die Pathen Kinder wo 80 angegeben waren je 30 fl jedoch wo sie von einer Nichte Pathin war wurden die 30 fl abgezogen Piregi [?], und Roll''  [&nbsp;[[Karl Roll]], Anm.] '', sind die Haußbesitzer zu gleichen theilen Otto hatte ein rechtes Glück das er auf eine so leichte Weise zu 1100 fl kamm es ist ihm zu vergönnen. /  
''Salzburg den 29/5 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Wie wird es dich gefreut haben den Otto'' (der Bruder [[Otto Spängler]]) ''zu sehen, leider kontet Ihr so wenig beysammn sein, da du ja sehr angehängt bist, ich bin froh daß du nun doch einen Außkoltanten<ref>Auskultant, Anwärter auf das Richteramt, Praktikant</ref> hast, welchen du eine Arbeit hinüber geben kannst. Otto läßt dich recht herzlich grüßen, er wird diese Stelle in Lemberg'' [Lviv] ''nicht annehmen Papa, und Mama, Duregger'' [Schwiegereltern von Otto Spängler] ''sind dagegen, mir ist es schon auch viel lieber nicht, aber mein Wunsch wäre ja nicht maßgebendt. Lieber Franz soll ich dir alle Kleider schücken? ich denke ja – dan soll ich die Schwimhose auch schücken oder nicht, die decke und noch ein Leintuch schücke ich jedenfalls, dan hast du die Schere bekommen welche ich noch mal geschückt habe? wen / du noch etwas wünschest, so schreibe es nur, den nun warte ich schon bis der Schneider den Rock schückt es ist oft so kalt, das man die Winterkleider brauchen könte, ich habe eben Heute wider zu ihm geschückt bis wann wir den Rock bekommen. Die Fenzl ist nun in Wien, alles ist hier getheilt worden, was nur mitnehmbar war. Das Vermögen der Frau von Schaffner<ref>siehe zu: [[Schaffner-Haus]] und voranstehenden Brief vom 16. Mai</ref> war 300.000 seyn 3 mahl hund[ert] Tausend Gulden, also trieft eins den Erben bey 80000 denke dir die LeGaten an die Cousinen oder Kapozinner'' [Kapuziner] ''und den gleichen nur je 100 fl'' [Gulden] ''die Magd 150 die Nichten je 50 fl die Pathen Kinder wo 80 angegeben waren je 30 fl jedoch wo sie von einer Nichte Pathin war wurden die 30 fl abgezogen Piregi [?], und Roll''  [&nbsp;[[Karl Roll]], Anm.] '', sind die Haußbesitzer zu gleichen theilen Otto hatte ein rechtes Glück das er auf eine so leichte Weise zu 1100 fl kamm es ist ihm zu vergönnen. /  


Zeile 98: Zeile 98:


==== Brief vom 28. und 29. Juni 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 28. und 29. Juni 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Ein Bogen, "englischer" Prägestempel Löwe, Wappen und Einhorn; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
''Salzburg den 28/6 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Endlich kommen wir dazu dir die Sachen zu schüken, ich packte doch die 2 Hosen dazu fürs Erste sind sie gut und können dir doch gut taugen, und fürs 2te ist so viel Platz, das wir froh sind die Kiste etwas voller zu machen. Wie geht es dir lieber Franz? ich freue mich schon wider auf einen Brief, von dir. Der Louise geht es zimlich gut, nur hat sie dieß mal mehr Anstände mit der Brust, aber bis Morgen hoffe ich zu gott, wird es schon beßer werden. sonst geht es allen gut, der kleine Max<ref>Maximilian Spängler (* 23. Juni 1870; † 26. Januar 1871); vgl. Brief vom 30. Januar 1871</ref> ist recht lieb. Otto spricht schon alles, auch vieles zusammen-hängend. Herzig steht ihm wen [er] au[c]h zur ersten gottlihen Person sagt / statt gott Vater / gott Papa. / Die Paula lauft nun schon brav und ist imer sehr zu gethan, sie ist ein sehr zärtliches Kind. Otto hat dich noch nicht vergeßen er sagt sehr oft von dir. Leopold ist noch hier geht aber am donnerstag fort. Heute den 29 t[en] schreibe ich weiter, der Louise geht es gottlob beßer noch nicht ganz gut. Leopold welcher eben bey mir war läßt dich recht herzlich grüßen. Noch habe ich dir nicht geschrieben das die Bücher schon ein paar Monathe alle weg sind ich habe nun den schmutzigen Theil geweißt und nun kömmt unsere grauer Kleider kasten an die Rükwärtige Wand, das Fenster bietet und eine sehr schone Außicht und eine herliche Luft. Nur schade daß du keinen genuß mehr davon hattest. Denke dir, heuer soll, / Wen sie'' [gestrichen] ''Hohen Aschau verkauft wird, eine 7 Jahr Außbeite werden in der Hamerau'' [Hammerau] '', als ersatz für die früheren Jahre<ref>Vgl. zum Brief vom 27. Juli 1870</ref> Dieß wäre wohl sehr zu wünschen. Die Direktor Kottinger<ref> offenbar die Ehefrau von Mathamatik-Professor Hermenegild Kottinger, siehe Brief vom 29. Dezember 1847</ref> ist gestern begraben worden, sie erlag der Pflage [?], und starb an einer Herzbeutelentzündung. Angermeyer ist hier. Die Kusine Schattenfach [?] ist auch sehr krank an einer gebährmutterentzündung. Die Schüßtl'' [!] [Louise Schiestl?]<ref>vgl. Brief vom 20. Juli 1876</ref> ''hat den kleinen Max zur Taufe gehalten im nahmen des Papa. Eine menge Bekannte grüßen dich recht herzlich die Höllbrauer Fani''  [&nbsp;[[Franziska Kobler]], Anm.] ''und die Junge dan die Zeller bey welchen ich erst wen du die Zeller Marie bey geschnitz[er] Wall, Stibitz, Sattler, Toda [?], Malli, Louise Schißtl. / Lebe recht wohl es küßt dich inig im geiste deine treue Mutter Spängler.''
''Salzburg den 28/6 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Endlich kommen wir dazu dir die Sachen zu schüken, ich packte doch die 2 Hosen dazu fürs Erste sind sie gut und können dir doch gut taugen, und fürs 2te ist so viel Platz, das wir froh sind die Kiste etwas voller zu machen. Wie geht es dir lieber Franz? ich freue mich schon wider auf einen Brief, von dir. Der Louise geht es zimlich gut, nur hat sie dieß mal mehr Anstände mit der Brust, aber bis Morgen hoffe ich zu gott, wird es schon beßer werden. sonst geht es allen gut, der kleine Max<ref>Maximilian Spängler (* 23. Juni 1870; † 26. Januar 1871); vgl. Brief vom 30. Januar 1871</ref> ist recht lieb. Otto spricht schon alles, auch vieles zusammen-hängend. Herzig steht ihm wen [er] au[c]h zur ersten gottlihen Person sagt / statt gott Vater / gott Papa. / Die Paula lauft nun schon brav und ist imer sehr zu gethan, sie ist ein sehr zärtliches Kind. Otto hat dich noch nicht vergeßen er sagt sehr oft von dir. Leopold ist noch hier geht aber am donnerstag fort. Heute den 29 t[en] schreibe ich weiter, der Louise geht es gottlob beßer noch nicht ganz gut. Leopold welcher eben bey mir war läßt dich recht herzlich grüßen. Noch habe ich dir nicht geschrieben das die Bücher schon ein paar Monathe alle weg sind ich habe nun den schmutzigen Theil geweißt und nun kömmt unsere grauer Kleider kasten an die Rükwärtige Wand, das Fenster bietet und eine sehr schone Außicht und eine herliche Luft. Nur schade daß du keinen genuß mehr davon hattest. Denke dir, heuer soll, / Wen sie'' [gestrichen] ''Hohen Aschau verkauft wird, eine 7 Jahr Außbeite werden in der Hamerau'' [Hammerau] '', als ersatz für die früheren Jahre<ref>Vgl. zum Brief vom 27. Juli 1870</ref> Dieß wäre wohl sehr zu wünschen. Die Direktor Kottinger<ref> offenbar die Ehefrau von Mathamatik-Professor Hermenegild Kottinger, siehe Brief vom 29. Dezember 1847</ref> ist gestern begraben worden, sie erlag der Pflage [?], und starb an einer Herzbeutelentzündung. Angermeyer ist hier. Die Kusine Schattenfach [?] ist auch sehr krank an einer gebährmutterentzündung. Die Schüßtl'' [!] [Louise Schiestl?]<ref>vgl. Brief vom 20. Juli 1876</ref> ''hat den kleinen Max zur Taufe gehalten im nahmen des Papa. Eine menge Bekannte grüßen dich recht herzlich die Höllbrauer Fani''  [&nbsp;[[Franziska Kobler]], Anm.] ''und die Junge dan die Zeller bey welchen ich erst wen du die Zeller Marie bey geschnitz[er] Wall, Stibitz, Sattler, Toda [?], Malli, Louise Schißtl. / Lebe recht wohl es küßt dich inig im geiste deine treue Mutter Spängler.''


Zeile 104: Zeile 104:
<hr>
<hr>


==== Brief vom 4. Juli 1870 von der Mutter [[Antonia Lürzer von Zechenthal]] (* 1803; † 1882), verheiratet Spängler, an den Sohn [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] in Mödling ====
==== Brief vom 4. Juli 1870 von der Mutter Antonia Lürzer von Zechenthal (* 1803; † 1882), verheiratet Spängler, an den Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Ein Blatt, "englischer" Prägestempel Löwe, Wappen und Einhorn; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden; (für mich) nicht lesbare XX und fragliche [?] Stellen:<br />
Brief von [[Antonia Lürzer von Zechenthal]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]]; ein Blatt, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; Groß- und Kleinbuchstaben an manchen Stellen nicht zu unterscheiden; (für mich) nicht lesbare XX und fragliche [?] Stellen:<br />
''Salzburg den 4/7 [18]70. Liebster theuerster Franz! Soeben erhielt ich deinen lieben Brief. Ich denke du wirst heute die Kiste erhalten, ich schükte dir doch die Hosen, sie sind alle ganz, und ich denke zu die Commissionen kannst du vieleicht doch hir und da eine brauchen, und hier könten vieleicht Schaben hinein kommen. Ein Brief liegt bey. Wie würde es mich freuen, dich bey uns zu sehen, mir ist es jederzeit angenehm, wen du kommst, was den Otto betrieft, mag er dir selbst schreiben, wann es ihm gelegener ist. Heute oder Morgen wirst du Leopold und Cuno in Wien treffen, oder vieleicht bequehm für dich in Mödling. Neues weiß ich nichts von hier zu schreiben, die Schattenfach [?] war sehr krank an einer gebährmutterentzündung, es geht wieder beßer / sie sieht aber sehr übel auß sie liegt noch im Bett, heute habe ich sie besucht. die Schmelzing fragte die Schattenfrach [?] sey auch nie recht wohl. Vieleicht besuche ich sie Heute. Die Louise ist gottlob wohl sieht aber etwas schmal auß. Sie darf sich schon erhollen, sonst kann es ihr zuviel werden. Die Spängler in Braunau hat ein Mädchen bekommen<ref>Anton Spängler (* 1831; † 1913), verheiratet mit Karoline Leeb (*1843; † 1918), eine Tochter Carolina, * 19. Juni 1870 in Braunau am Inn (weitere Daten unbekannt); sie fehlt in den älteren Spängler-Stammbäumen und folglich auch bei G. Stierle 2022. Vgl. 'Geneanet oholzapfel' (https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org</ref>, es geht jetzt gut, sie ist aus aller gefahr. das sie bei Schaffner im Hauß<ref>vgl. die Briefe vom 16. und 29. Mai 1870</ref> so sehr steigen'' [offenbar die Mieten] ''wirst du vieleicht schon gehört haben fast überall noch so viel, die meisten Parteien ziehen auß, höre ich. Lebe recht wohl mein lieber Franz es küßt und Segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler'' [darunter:] ''eine menge Bekannte grüßen dich recht herzlich Otto hat mir 10 fl'' [Gulden] ''un[d] dann 20 fl abgezahlt.''
''Salzburg den 4/7 [18]70. Liebster theuerster Franz! Soeben erhielt ich deinen lieben Brief. Ich denke du wirst heute die Kiste erhalten, ich schükte dir doch die Hosen, sie sind alle ganz, und ich denke zu die Commissionen kannst du vieleicht doch hir und da eine brauchen, und hier könten vieleicht Schaben hinein kommen. Ein Brief liegt bey. Wie würde es mich freuen, dich bey uns zu sehen, mir ist es jederzeit angenehm, wen du kommst, was den Otto betrieft, mag er dir selbst schreiben, wann es ihm gelegener ist. Heute oder Morgen wirst du Leopold und Cuno in Wien treffen, oder vieleicht bequehm für dich in Mödling. Neues weiß ich nichts von hier zu schreiben, die Schattenfach [?] war sehr krank an einer gebährmutterentzündung, es geht wieder beßer / sie sieht aber sehr übel auß sie liegt noch im Bett, heute habe ich sie besucht. die Schmelzing fragte die Schattenfrach [?] sey auch nie recht wohl. Vieleicht besuche ich sie Heute. Die Louise ist gottlob wohl sieht aber etwas schmal auß. Sie darf sich schon erhollen, sonst kann es ihr zuviel werden. Die Spängler in Braunau hat ein Mädchen bekommen<ref>Anton Spängler (* 1831; † 1913), verheiratet mit Karoline Leeb (*1843; † 1918), eine Tochter Carolina, * 19. Juni 1870 in Braunau am Inn (weitere Daten unbekannt); sie fehlt in den älteren Spängler-Stammbäumen und folglich auch bei G. Stierle 2022. Vgl. 'Geneanet oholzapfel' (https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org</ref>, es geht jetzt gut, sie ist aus aller gefahr. das sie bei Schaffner im Hauß<ref>vgl. die Briefe vom 16. und 29. Mai 1870</ref> so sehr steigen'' [offenbar die Mieten] ''wirst du vieleicht schon gehört haben fast überall noch so viel, die meisten Parteien ziehen auß, höre ich. Lebe recht wohl mein lieber Franz es küßt und Segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler'' [darunter:] ''eine menge Bekannte grüßen dich recht herzlich Otto hat mir 10 fl'' [Gulden] ''un[d] dann 20 fl abgezahlt.''
<hr>
<hr>
Zeile 115: Zeile 115:


==== Brief vom 26. Juli 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 26. Juli 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Ein Bogen, "englischer" Prägestempel Löwe, Wappen und Einhorn; / = Seitenwechsel:<br />
Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel:<br />
''Salzburg den 26/7 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Endlich erhalte ich einmal wieder ein Briefchen von dir, welches mich recht sehr freute, ich hörte wohl immer das du mit Otto in Coresspondenz warst – alleine weiter hörte ich nichts, den es waren geld angelegenheiten, ich bath wohl den Otto einmal er soll dir schreiben du möchtest nichts kauffen aber Otto nahm sich nicht Zeit es zu schreiben, ich habe öfter gebethet, der liebe Gott möge dir den Sinn eingeben, nichts zu kauffen, den bey diesen wechselvollen Zeiten ist es gewiß sehr gewagt, so etwas zu thun. Der liebe Gott hat mein gebeth erhört, den es ist für dich gewiß so beßer. / ich denke auch du wirst die Obligationen gewiß wider mitbringen wen du vieleicht mit dem Vergnügungszug kömmst, auch das Leintuch denke ich wirst du mitbringen. Der nächste Zug ist auch der Letzte wie ich höre O wie freue ich mich darauf, Gott gebe das die Kriegsver-Hältniße<ref>Am 19. Juli 1870 ist der Deutsch-Französische Krieg ausgebrochen. Auch in den folgenden Briefen ist von diesem Krieg die Rede</ref> nichts darein machen. Der kleine Otto sagte gestern wie er auf seinen Wiegenpferd geritten ich reitte zum Onkel Franz nach Mödling, alles spricht er jetzt, es steht ihm sehr lieb an, du wirst gewiß eine große Freude daran haben. Auch die Paula ist sehr lieb. Kathi und ich sind oft und viel oben, oder die Kinder bey mir. Ich muß es schon gestehen es ist für beyde Theile angenehm / das wir ins Duregger Hauß<ref>[[Antretterhaus]], [[Mozartplatz]] Nr. 4</ref> gezogen sind. Dir wie uns vergeht die Zeit so schnell das man es kaum glauben soll so ist wider ein Monnath vorüber, in diesen Monnath hatte ich fürchterlich viele Außgaben als ein großes Klafter Holz – nebst Menschenlohn – 7 1/2 M'' [durchstrichenes M] ''Kasse'' [kostete] ''weil es theurer wird den Zucker auch etwas Mehl Millikreuzer damit man doch etwas herzunehmen hat, weil die Bahnen für die Frachten, wie auch sogar für den Personen verkehr gespert werden. Gott gebe nur das Östreich [!] nicht verwüstet wird. Denke dir, in Reichenhall sind neulich in 2 Tagen 700 Personen fort es mußte von hier Wägen hinüber um die Leute auf die Bahn zu befördern, so gings zu eben so war es in Ischl alles was Außländer waren, ging fort. /  
''Salzburg den 26/7 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Endlich erhalte ich einmal wieder ein Briefchen von dir, welches mich recht sehr freute, ich hörte wohl immer das du mit Otto in Coresspondenz warst – alleine weiter hörte ich nichts, den es waren geld angelegenheiten, ich bath wohl den Otto einmal er soll dir schreiben du möchtest nichts kauffen aber Otto nahm sich nicht Zeit es zu schreiben, ich habe öfter gebethet, der liebe Gott möge dir den Sinn eingeben, nichts zu kauffen, den bey diesen wechselvollen Zeiten ist es gewiß sehr gewagt, so etwas zu thun. Der liebe Gott hat mein gebeth erhört, den es ist für dich gewiß so beßer. / ich denke auch du wirst die Obligationen gewiß wider mitbringen wen du vieleicht mit dem Vergnügungszug kömmst, auch das Leintuch denke ich wirst du mitbringen. Der nächste Zug ist auch der Letzte wie ich höre O wie freue ich mich darauf, Gott gebe das die Kriegsver-Hältniße<ref>Am 19. Juli 1870 ist der Deutsch-Französische Krieg ausgebrochen. Auch in den folgenden Briefen ist von diesem Krieg die Rede</ref> nichts darein machen. Der kleine Otto sagte gestern wie er auf seinen Wiegenpferd geritten ich reitte zum Onkel Franz nach Mödling, alles spricht er jetzt, es steht ihm sehr lieb an, du wirst gewiß eine große Freude daran haben. Auch die Paula ist sehr lieb. Kathi und ich sind oft und viel oben, oder die Kinder bey mir. Ich muß es schon gestehen es ist für beyde Theile angenehm / das wir ins Duregger Hauß<ref>[[Antretterhaus]], [[Mozartplatz]] Nr. 4</ref> gezogen sind. Dir wie uns vergeht die Zeit so schnell das man es kaum glauben soll so ist wider ein Monnath vorüber, in diesen Monnath hatte ich fürchterlich viele Außgaben als ein großes Klafter Holz – nebst Menschenlohn – 7 1/2 M'' [durchstrichenes M] ''Kasse'' [kostete] ''weil es theurer wird den Zucker auch etwas Mehl Millikreuzer damit man doch etwas herzunehmen hat, weil die Bahnen für die Frachten, wie auch sogar für den Personen verkehr gespert werden. Gott gebe nur das Östreich [!] nicht verwüstet wird. Denke dir, in Reichenhall sind neulich in 2 Tagen 700 Personen fort es mußte von hier Wägen hinüber um die Leute auf die Bahn zu befördern, so gings zu eben so war es in Ischl alles was Außländer waren, ging fort. /  


Zeile 124: Zeile 124:


==== Brief vom 7. August 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 7. August 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Ein Bogen, "englischer" Prägestempel Löwe, Wappen und Einhorn; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
''Salzburg den 7/8 [18]70. Mein Liebster bester theuerster Franz! Ich danke dir recht herzlich für den lieben Brief welchen ich dieser Tage erhalten habe, ich ging eben mit denen Spängler in den Kaserenhof als Otto mir i[h]n gab. Wir sind gottlob alle gesund Leopoldin geht am Monntag auf 14 Tag mit 4 Kindern und Bonne'' [Kindermädchen] ''nach [[Unken]]. Ich weiß noch nicht recht was ich thue, ich möchte mir auch gerne etwas zu guten kommen lassen, ob ich vieleicht ins Moos oder nach Unken gehe, erst muß ich aber wissen ob du mit den Vergnügungszug kömmst auf die 2 Feyertage. Vieleicht gehe ich hernach irgendwohin / wenn uns der Krieg nichts dazwischen macht. Ich bitte dich lieber Franz wen es ein wenig für Ostreich gefährlich außsieht, deine Noth-Papiere'' [unterstrichen] ''herauf zu schücken'' [zwei Wörter unterstrichen] ''den ich halte selbe hier'' [unterstrichen] ''für sicherer'' [unterstrichen] ''als unten'' [unterstrichen, d.h. in Mödling]. ''Gott gebe das kein Krieg mit Ostreich wird oder vielmehr wir nicht hinein gezogen werden. Es giebt schon eine menge ängstliche Leute hier. Wir sind halt nahe an der Gränze. Die Frau von Lanser ist gekommen soll ganz gut außsehen aber die Betti schlechter, sie sollen beyde sehr froh seyn, das sie wider hier sind. Sattler Hubert ist auch hier ich habe aber denselben noch nicht gesehen. Anton kömmt erst am Montag, machen aber keine große Reise weil Fany nicht fort getraut auf länger, wegen den Krieg, also werden sie doch länger bey der Mama verweilen können / Hubert soll hübsch mager sein.
''Salzburg den 7/8 [18]70. Mein Liebster bester theuerster Franz! Ich danke dir recht herzlich für den lieben Brief welchen ich dieser Tage erhalten habe, ich ging eben mit denen Spängler in den Kaserenhof als Otto mir i[h]n gab. Wir sind gottlob alle gesund Leopoldin geht am Monntag auf 14 Tag mit 4 Kindern und Bonne'' [Kindermädchen] ''nach [[Unken]]. Ich weiß noch nicht recht was ich thue, ich möchte mir auch gerne etwas zu guten kommen lassen, ob ich vieleicht ins Moos oder nach Unken gehe, erst muß ich aber wissen ob du mit den Vergnügungszug kömmst auf die 2 Feyertage. Vieleicht gehe ich hernach irgendwohin / wenn uns der Krieg nichts dazwischen macht. Ich bitte dich lieber Franz wen es ein wenig für Ostreich gefährlich außsieht, deine Noth-Papiere'' [unterstrichen] ''herauf zu schücken'' [zwei Wörter unterstrichen] ''den ich halte selbe hier'' [unterstrichen] ''für sicherer'' [unterstrichen] ''als unten'' [unterstrichen, d.h. in Mödling]. ''Gott gebe das kein Krieg mit Ostreich wird oder vielmehr wir nicht hinein gezogen werden. Es giebt schon eine menge ängstliche Leute hier. Wir sind halt nahe an der Gränze. Die Frau von Lanser ist gekommen soll ganz gut außsehen aber die Betti schlechter, sie sollen beyde sehr froh seyn, das sie wider hier sind. Sattler Hubert ist auch hier ich habe aber denselben noch nicht gesehen. Anton kömmt erst am Montag, machen aber keine große Reise weil Fany nicht fort getraut auf länger, wegen den Krieg, also werden sie doch länger bey der Mama verweilen können / Hubert soll hübsch mager sein.


Zeile 131: Zeile 131:


==== Brief vom 20. August 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 20. August 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Ein Bogen, "englischer" Prägestempel Löwe, Wappen und Einhorn; / = Seitenwechsel; fragliche [?] Stellen:<br />
Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] Stellen:<br />
''Salzburg den 20/8 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Leider kontest du wider nicht kommen und ich habe mich schon gefreut auf dich, denke dir, als ich hörte das ein Vergnügungszug kömmt, so habe ich den Fräulein Rosalie Hempf welche ich für den Sontag geladen hatte, abgesagt und sie dafür am Donerstag zuvor geladen damit wir ja ganz für uns sind, und wider freute ich mich umsonst. Ich meine jetzt soltest du schon warten, bis du einen ordntlichen Urlaub bekommen kannst sonst hast du eine gewaltige Hetze. Ich glaube schon es wäre beßer zu kommen wen die Leute wider in der Stadt sind weil man da weniger Zeit verliert mit gehen'' [Besuche machen] ''. / Die Frau von Lanser hat es sehr gefreut das sie diesen Nachmittag mit dir zubringen konnte, sie fand dich sehr gut außsehen, und auch recht heiter was für mich ein wahrer Trost ist. Die Leopoldin ist dermalen in Unken und wird noch 10 Tag dort bleiben mit den 4 jungen Kindern und die Bonne. Leider ist es großtentheil schlecht Wetter. Der Schmelzing ist aus Unken zurück nun ist die Frau und die Limfavt [?] nach Reichenberg. Was sagst du zu den Krieg<ref>Deutsch-Französischer Krieg; vgl. Brief vom 26. Juli 1870</ref> nun wird wohl ein Ende herauß gehen, da die Franzosen so ganz geschlagen sind. gott gebe das wir keine Folgen zu tragen haben, man sagt es seyen vieleich[t] 100 0000<ref>von anderer Hand (Otto Spängler?) eingeklammert, mit Fragezeichen versehen und unten am Rand: "dürfte wohl eine 0 zu viel sein. Anmerkung des Absenders"</ref>Mann zu grunde gegangen sind von beyden Seiten zusammen. / Wen nur in Frankreich kein Refolution auf[s]bricht<ref>"f" auf "s" korrigiert</ref> , weil sich solche Sachen immer genau weiter verbreiten, gottlob das Ostreich sich nicht betheiligte. Ich bin zu dato noch nirgens hin es ist mir dermalen noch die Wittrung zu unbeständig, und mit den Krig weis man au[c]h noch nicht wie es auß geht. Ich gehe wie die Witt[r]ung schön ist, dort und dahin, auch auf über Mittag damit ich die fre[i]e [?] Luft genüße. Bey Louise bin ich auch öfter besonders bey schlechter Wittrung, bald ist es schon nach Massen [?]. Der Winter wird bald wider da sein man darf sich schon wider ferrichten dazu. recht viele Bekan[ten] grüßen dich recht herzlich alles freut sich recht herzlich auf dich. / Die Kinder bey Otto gedeien alle recht gut gottlob, die Paula wird jetzt allerliebst, Otto spricht alles, und ist unendlich gut und lieb auch der kleine Max lacht schon recht wen man ihm etwas vormacht, ich habe sie alle sehr gern, und die Kinder mich. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich inig deine treue Mutter Spängler. Die Kathi küßt die Hände. Von allen Bekanten viele herzliche grüße.''
''Salzburg den 20/8 [18]70. Mein inigst geliebter Franz! Leider kontest du wider nicht kommen und ich habe mich schon gefreut auf dich, denke dir, als ich hörte das ein Vergnügungszug kömmt, so habe ich den Fräulein Rosalie Hempf welche ich für den Sontag geladen hatte, abgesagt und sie dafür am Donerstag zuvor geladen damit wir ja ganz für uns sind, und wider freute ich mich umsonst. Ich meine jetzt soltest du schon warten, bis du einen ordntlichen Urlaub bekommen kannst sonst hast du eine gewaltige Hetze. Ich glaube schon es wäre beßer zu kommen wen die Leute wider in der Stadt sind weil man da weniger Zeit verliert mit gehen'' [Besuche machen] ''. / Die Frau von Lanser hat es sehr gefreut das sie diesen Nachmittag mit dir zubringen konnte, sie fand dich sehr gut außsehen, und auch recht heiter was für mich ein wahrer Trost ist. Die Leopoldin ist dermalen in Unken und wird noch 10 Tag dort bleiben mit den 4 jungen Kindern und die Bonne. Leider ist es großtentheil schlecht Wetter. Der Schmelzing ist aus Unken zurück nun ist die Frau und die Limfavt [?] nach Reichenberg. Was sagst du zu den Krieg<ref>Deutsch-Französischer Krieg; vgl. Brief vom 26. Juli 1870</ref> nun wird wohl ein Ende herauß gehen, da die Franzosen so ganz geschlagen sind. gott gebe das wir keine Folgen zu tragen haben, man sagt es seyen vieleich[t] 100 0000<ref>von anderer Hand (Otto Spängler?) eingeklammert, mit Fragezeichen versehen und unten am Rand: "dürfte wohl eine 0 zu viel sein. Anmerkung des Absenders"</ref>Mann zu grunde gegangen sind von beyden Seiten zusammen. / Wen nur in Frankreich kein Refolution auf[s]bricht<ref>"f" auf "s" korrigiert</ref> , weil sich solche Sachen immer genau weiter verbreiten, gottlob das Ostreich sich nicht betheiligte. Ich bin zu dato noch nirgens hin es ist mir dermalen noch die Wittrung zu unbeständig, und mit den Krig weis man au[c]h noch nicht wie es auß geht. Ich gehe wie die Witt[r]ung schön ist, dort und dahin, auch auf über Mittag damit ich die fre[i]e [?] Luft genüße. Bey Louise bin ich auch öfter besonders bey schlechter Wittrung, bald ist es schon nach Massen [?]. Der Winter wird bald wider da sein man darf sich schon wider ferrichten dazu. recht viele Bekan[ten] grüßen dich recht herzlich alles freut sich recht herzlich auf dich. / Die Kinder bey Otto gedeien alle recht gut gottlob, die Paula wird jetzt allerliebst, Otto spricht alles, und ist unendlich gut und lieb auch der kleine Max lacht schon recht wen man ihm etwas vormacht, ich habe sie alle sehr gern, und die Kinder mich. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich inig deine treue Mutter Spängler. Die Kathi küßt die Hände. Von allen Bekanten viele herzliche grüße.''
<hr>
<hr>
Zeile 139: Zeile 139:
''Lieber Franz! Schon lange wollte ich Dir schreiben, und Dir für Deinen Brief danken, welchen Du mir zu meinem Namenstage schriebst, doch ich habe immer so viel zu thun, wie Du Dir bei den drei kleinen Kindern leicht denken kannst, doch die Mutter und die Kathi helfen uns viel. Wir freuen uns schon sehr, Dich zu sehen; Du wirst mit dem kleinen Otto gewiß recht viel Spaß haben, er spricht bereits alles, und wenn auch noch nicht vollkommen, so ist er doch im Stande sich stets so auszudrücken, daß man versteht was er will. Nun theile ich dir überhaupt unser Reiseprojekt mit. Wir beabsichtigen im Ganzen eine Partie von 10 Tagen zu machen, und zwar nach Innsbruck und Lietzen'' [Liezen] ''; da wir jeden Tag können so möchte ich Dich bitten uns bald thunlichst mitzutheilen, wann Du nach Salzburg zu kommen gedenkst. Wir wollen natürlich die Zeit welche Du hier bist auch hier sein. Kozarges Ernennung wirst Du natürlich von ihm selbst erfahren haben, er hat sich in seiner neuen Würde in einer vom Grafen Esterhazy ihm so geschenkten Uniform an Kaisers Geburtstag recht gut ausgenommen. Er hat nach seiner eigenen Aufschreibung 98 Abschieds Besuche zu machen und hat der Aufschreibung dieser Besuche noch die Worte beygefügt "und unzählige auf der Gasse"! / Lebe recht wohl ich freue mich sehr Dich zu sehen und bitte nochmals um baldige Antwort auf meine Frage / Deine / Dich liebende Schwägerin Luise [!]. //  
''Lieber Franz! Schon lange wollte ich Dir schreiben, und Dir für Deinen Brief danken, welchen Du mir zu meinem Namenstage schriebst, doch ich habe immer so viel zu thun, wie Du Dir bei den drei kleinen Kindern leicht denken kannst, doch die Mutter und die Kathi helfen uns viel. Wir freuen uns schon sehr, Dich zu sehen; Du wirst mit dem kleinen Otto gewiß recht viel Spaß haben, er spricht bereits alles, und wenn auch noch nicht vollkommen, so ist er doch im Stande sich stets so auszudrücken, daß man versteht was er will. Nun theile ich dir überhaupt unser Reiseprojekt mit. Wir beabsichtigen im Ganzen eine Partie von 10 Tagen zu machen, und zwar nach Innsbruck und Lietzen'' [Liezen] ''; da wir jeden Tag können so möchte ich Dich bitten uns bald thunlichst mitzutheilen, wann Du nach Salzburg zu kommen gedenkst. Wir wollen natürlich die Zeit welche Du hier bist auch hier sein. Kozarges Ernennung wirst Du natürlich von ihm selbst erfahren haben, er hat sich in seiner neuen Würde in einer vom Grafen Esterhazy ihm so geschenkten Uniform an Kaisers Geburtstag recht gut ausgenommen. Er hat nach seiner eigenen Aufschreibung 98 Abschieds Besuche zu machen und hat der Aufschreibung dieser Besuche noch die Worte beygefügt "und unzählige auf der Gasse"! / Lebe recht wohl ich freue mich sehr Dich zu sehen und bitte nochmals um baldige Antwort auf meine Frage / Deine / Dich liebende Schwägerin Luise [!]. //  


''Lieber Franz. Ich füge den Zeilen meiner Louise nun noch einige geschäftliche bei. Für 1 September habe ich für dich gar kein Geld; am 15. kömmt allerdings das Spänglergewölb, und hoffentlich auch eine Hammerauerausbeute'' (vgl. [[Stahlwerk Annahütte]] in Hammerau, [[Ainring]]). ''Wenn du also auf 1. Sept. kein Geld zu finden in der Lage oder Willens bist, so werde ich der Mutter das Monatgeld am 15. erst geben, und dann auch mir wieder aus dr Hammerau 8 – 10 fl [Gulden] abzalen; da ich auch das Geld brauche. Bitte also um Weisung. / Heute, Sonntag den 21. ist große Abschiedsfeier des Kozarge bei Hedwig Laufer. Wir sind geladen; vorgestern Freitag haben alle beiden Laufer, [[Sauter]] u wir in Aign'' [&nbsp;[[Aigen]], Anm.] ''soupirt; war recht heiter. Nun adieu! / Dein / treuer Bruder Otto / 21 / 8 [18]70''
''Lieber Franz. Ich füge den Zeilen meiner Louise nun noch einige geschäftliche bei. Für 1 September habe ich für dich gar kein Geld; am 15. kömmt allerdings das Spänglergewölb, und hoffentlich auch eine Hammerauerausbeute'' (vgl. [[Stahlwerk Annahütte]] in Hammerau, [[Ainring]]). ''Wenn du also auf 1. Sept. kein Geld zu finden in der Lage oder Willens bist, so werde ich der Mutter das Monatgeld am 15. erst geben, und dann auch mir wieder aus dr Hammerau 8 – 10 fl [Gulden] abzalen; da ich auch das Geld brauche. Bitte also um Weisung. / Heute, Sonntag den 21. ist große Abschiedsfeier des Kozarge bei Hedwig Laufer. Wir sind geladen; vorgestern Freitag haben alle beiden Laufer, [[Sauter]] u wir in Aign'' [&nbsp;[[Aigen]], Anm.] ''soupirt; war recht heiter. Nun adieu! / Dein / treuer Bruder Otto / 21 / 8 [18]70''
<hr>
 
==== Brief vom 29. August 1870 an Fanni Schlegel ====
Brief an [[Franziska Spängler]] von Unbekannt; Umschlag "An Fräulein Fanny Schlegel // d. G."; ein Bogen; [?] = fraglich; XX = schwer lesbar:<br />
''29. / 8 [18]70 // Lieber blonder Stickel. [?] // Endlich wieder ein Brief von dir – auch ich freue mich immer unendlich auf die deinigen und wäre glücklich, wenn mein Wunsch Euch wiederzusehen in Erfüllung ginge. – Ich hoffe das Beste'' […] Hoffnung, wieder nach Salzburg zu kommen … sei ist zusammen mit Rosa und einem Ungenannten, der beim Militär in Wien ist … Mathilde ist in Pesth [Budapest] … die Mutter braucht Pflege … der Vater will Donnerstag nach Salzburg fahren, er nimmt dieses Schreiben mit und freut sich aus dem staubigen Wien hinauszukommen … ''Auch wir interessieren uns sehr für den Krieg, ich und die Meinigen sind gut deutsch gesinnt, wie die meisten Wiener. Wenn der Vater aus Wien kommt ist stets unsere erste Frage: "Nichts Neues vom Kriegsschauplatz?" Gott gebe nur, daß wir dann einen dauernden Frieden bekommen, damit sich Land und Leute wieder erholen können. Es muß fürchterlich sein Jemanden den man liebt auf diese Art zu verlieren. Ich mag nicht zu sehr dran denken'' […] … sie ist froh, daß sich die Großmutter wieder erholt hat … will noch an Lida schreiben … ''Sei herzlich gegrüßt von deiner dich treu und innig liebenden schwarzen UngethXX'' …
<hr>
<hr>


==== Brief vom 16. September 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 16. September 1870 von der Mutter Antonia Spängler an Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Ein Bogen, "englischer" Prägestempel Löwe, Wappen und Einhorn; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] und unleserliche XX Stellen:<br />
''Salzburg den 16/9 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Du bist recht sehr bang, das du so aufmerksamm warst nun sogleich eine Coresscondenzkarte [!] zu schücken damit ich doch wußte daß du glücklich wider nach Modling gekommen bist. Es war mir recht langweilig wie ich nach hauße kamm, in den Bewußtsein, du bist nicht mehr hier, ich bethe halt recht fleißig für dich, damit ich immer gute Nachrichten von dir erhalten kann, der liebe gott sey, und bleibe mit dir, bethe ja auch du öfter für mich. Ich danke dir recht herzlich für deinen lieben Brief welchen ich heute erhalten habe, und beantworte denselben auch sogleich. Daß du Frenzl und Guttenberg getroffen, wird dir ganz angenehm geweßen sein? hast du bey guttenberg / gespeißt? Der kleine Otto war gerade heute bey mir als ich deinen lieben Brief erhielt, da habe ich ihm herauß gelesen daß du ihm [!] herzlich grüßen laßest, da sagte er ja – ja Onkl Franz nicht in Salzburg sondern in Mödling. Onkl Franz schön grüßen Onkl Franz bald wider kommen sagte er. Die Kinder sind mehr herunten als ich Oben weil Tapezirt wurde und alles auß geputzt so hatten sie viel Arbeit. Die Witterung ist auch hier gerade so kalt und schlecht, so das sich wenig machen läßt. Einmal war ich mit Alois Spángler''  [&nbsp;[[Aloys Spängler]], Anm.] ''und Angermayer in Dureggerhof geladen. Einmal war ich inn Kreutzbrüggl dies was mein ganzes außgehen. das du wider viele Arbeit hast glaube ich gerne es wird sich schon wider machen bey deinen schnellen arbeiten ist mir nicht bange. /  
''Salzburg den 16/9 [18]70. Mein inigst geliebter theuerster Franz! Du bist recht sehr bang, das du so aufmerksamm warst nun sogleich eine Coresscondenzkarte [!] zu schücken damit ich doch wußte daß du glücklich wider nach Modling gekommen bist. Es war mir recht langweilig wie ich nach hauße kamm, in den Bewußtsein, du bist nicht mehr hier, ich bethe halt recht fleißig für dich, damit ich immer gute Nachrichten von dir erhalten kann, der liebe gott sey, und bleibe mit dir, bethe ja auch du öfter für mich. Ich danke dir recht herzlich für deinen lieben Brief welchen ich heute erhalten habe, und beantworte denselben auch sogleich. Daß du Fenzl und Guttenberg getroffen, wird dir ganz angenehm geweßen sein? hast du bey guttenberg / gespeißt? Der kleine Otto war gerade heute bey mir als ich deinen lieben Brief erhielt, da habe ich ihm herauß gelesen daß du ihm [!] herzlich grüßen laßest, da sagte er ja – ja Onkl Franz nicht in Salzburg sondern in Mödling. Onkl Franz schön grüßen Onkl Franz bald wider kommen sagte er. Die Kinder sind mehr herunten als ich Oben weil Tapezirt wurde und alles auß geputzt so hatten sie viel Arbeit. Die Witterung ist auch hier gerade so kalt und schlecht, so das sich wenig machen läßt. Einmal war ich mit Alois Spángler''  [&nbsp;[[Aloys Spängler]], Anm.] ''und Angermayer in Dureggerhof geladen. Einmal war ich inn Kreutzbrüggl dies was mein ganzes außgehen. das du wider viele Arbeit hast glaube ich gerne es wird sich schon wider machen bey deinen schnellen arbeiten ist mir nicht bange. /  


''Kauffe dir ja bald genug einen guten warmen Oberrock. sonst möchtest du dich einmal recht verkühlen, ziehe ja warme hosen an. Ich glaube Fenzls sind schon hier durch wie ich hörte sollen sie gar nicht in die Stadt herein gekommen sein, wegen den Wilhelm, sondern in Hotel Nelbuck [?] über nacht geblieben sein, und dan[n] wider fort, Gott gebe das ihm in'' [darüber geschrieben] ''Meran, gut thun, es ist aber ein banges gefühl so einen kranken jungen Mann in der Fremde allein zu wissen. Du hast dich gewiß bey den Feuer recht beteiligt mit helfen, gieb ja in jeden Achtung auf deine gesundheit obacht. es wird dich gefreut haben die Koch gesprochen zu haben, ich denke sie werden heute oder Morgen / gewiß kommen. gestern ist die Elise von München zu Duregger gekommen, und wird ein paar Wochen hier bleiben. die Leopoldine ist auch noch nicht zurük wie ich höre so sollen sie erst am Montag kommen, bey Otto kommen sie Morgen, ich freue mich schon recht sehr auf sie. August Spángler und die Tini<ref>August Spängler (* 1827; † 1895); er führt mit dem Onkel Josef I. Johann Spängler die "Franz Spangler'sche Tuch- und Seidenhandlung" am Marktplatz weiter, bis die Firma 1893 an [[Max Gehmacher senior]] verkauft wird. "Tini" bisher nicht identifiziert; dem Stammbaum [2022] nach war August Spängler nicht verheiratet.</ref> sind fort, mir scheint aber nicht über Wien. Eine menge von Bekanten lassen dich recht herzlich grüßen. Wegen den geld werde ich Otto so gleich fragen. gestern wollte ich den Brief nicht mehr schließen weil ich dachte ich kann dir heute noch die Ankunft Ottos berichten, eben sind sie angekommen Otto hat zwar vergeßen mit der Therese darüber zu sprechen er sagte aber wir sollen nun noch deinen Wunsch darüber anfügen, und am 28 t[en] September möchtest du einen Schuldbrief darüber dem Otto in Wien übergeben. Sie sind gottlob glücklich hier angekommen sehen sehr gut auß. Lebe recht wohl 1000 Küße von deiner treuen Mutter Spängler.
''Kauffe dir ja bald genug einen guten warmen Oberrock. sonst möchtest du dich einmal recht verkühlen, ziehe ja warme hosen an. Ich glaube Fenzls sind schon hier durch wie ich hörte sollen sie gar nicht in die Stadt herein gekommen sein, wegen den Wilhelm, sondern in Hotel Nelbuck [?] über nacht geblieben sein, und dan[n] wider fort, Gott gebe das ihm in'' [darüber geschrieben] ''Meran, gut thun, es ist aber ein banges gefühl so einen kranken jungen Mann in der Fremde allein zu wissen. Du hast dich gewiß bey den Feuer recht beteiligt mit helfen, gieb ja in jeden Achtung auf deine gesundheit obacht. es wird dich gefreut haben die Koch gesprochen zu haben, ich denke sie werden heute oder Morgen / gewiß kommen. gestern ist die Elise von München zu Duregger gekommen, und wird ein paar Wochen hier bleiben. die Leopoldine ist auch noch nicht zurük wie ich höre so sollen sie erst am Montag kommen, bey Otto kommen sie Morgen, ich freue mich schon recht sehr auf sie. August Spángler und die Tini<ref>August Spängler (* 1827; † 1895); er führt mit dem Onkel Josef I. Johann Spängler die "Franz Spangler'sche Tuch- und Seidenhandlung" am Marktplatz weiter, bis die Firma 1893 an [[Max Gehmacher senior]] verkauft wird. "Tini" bisher nicht identifiziert; dem Stammbaum [2022] nach war August Spängler nicht verheiratet.</ref> sind fort, mir scheint aber nicht über Wien. Eine menge von Bekanten lassen dich recht herzlich grüßen. Wegen den geld werde ich Otto so gleich fragen. gestern wollte ich den Brief nicht mehr schließen weil ich dachte ich kann dir heute noch die Ankunft Ottos berichten, eben sind sie angekommen Otto hat zwar vergeßen mit der Therese darüber zu sprechen er sagte aber wir sollen nun noch deinen Wunsch darüber anfügen, und am 28 t[en] September möchtest du einen Schuldbrief darüber dem Otto in Wien übergeben. Sie sind gottlob glücklich hier angekommen sehen sehr gut auß. Lebe recht wohl 1000 Küße von deiner treuen Mutter Spängler.
Zeile 150: Zeile 155:


==== Brief vom Oktober 1870 ====
==== Brief vom Oktober 1870 ====
Ein Blatt, Prägestempel "X[?] S", ohne Datum, erschlossen Oktober 1870:<br />
Ein Blatt, Prägedruck "X[?] S", ohne Datum, erschlossen Oktober 1870:<br />
''P. T. Fenzl mitzutheilen! / Auszug aus dem Testamente dr Frau Josefa Schaupp. Alleinige und Universalerbin: Frl Pepi Reisigl. Legate:'' ([verschiedene Namen und Summen, u. a.:] "den Verwandten des Herrn Schaupp [der offenbar bereits gestorben ist] 4200 fl [Gulden], Gabriele Spängler<ref>* 1840; † 1910; 1868 verheiratet mit Franz Egghofer (* 1836; † 1872), eine Tochter von Hofrichter Franz Anton [[Spängler]] (* 1790; † 1862)</ref> 200 fl, Köchin Marie 200 fl" … "Die Mutter bekommt dn großen goldenen Spiegel, ein Madonnenbild, den Spieltisch (mit grünem Tuch, und das Himmelbett. Der die selige Schaupp dabei leitende Gedanke war: Die Lürzerischen bekommen ohnehin alles nach der Pepi Tod.")<ref>Vergleiche Brief der Antonia Spängler an den Sohn [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] vom 12. Oktober 1870: "Über Reisigls Angelegenheiten nächstens." Die Verbindung zur Familie [[Lürzer von Zechenthal]] geht über Franz Lürzer von Zehendthal (* [[1796]] in [[Hallein]]; † [[1870]] in der Stadt Salzburg), verheiratet mit Marie Reisigl (* 1807; † 1850) und in zweiter Ehe ohne Nachkommen verheiratet mit Marie Spängler (* [[1820]] in der Stadt Salzburg; † [[1880]] ebenda); aus erster Ehe eine Tochter Josepha Lürzer von Zehendthal (* [[1834]] in Agordo, [[Venetien]]; † 1904 in Salzburg), sie ist Stiftsdame in Hall in Tirol. Franz Lürzer von Zehendthal (so schreibt er sich) ist ein Sohn von [[Franz Lürzer von Zechenthal]] (* [[1768]] in der Stadt Salzburg; † 1830 in Hall in Tirol); Marie Spängler ist eine Tochter von Josef Ignatius Johann Thadäus Zacharias Spängler (* [[1786]] in der Stadt Salzburg; † [[1861]] ebenda) und Elisabeth Auer (* [[1802]]; † [[1870]]). Vgl. 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org], nach Anmeldung offen einsehbar.</ref>
''P. T. Fenzl mitzutheilen! / Auszug aus dem Testamente dr Frau Josefa Schaupp. Alleinige und Universalerbin: Frl Pepi Reisigl. Legate:'' ([verschiedene Namen und Summen, u. a.:] "den Verwandten des Herrn Schaupp [der offenbar bereits gestorben ist] 4200 fl [Gulden], Gabriele Spängler<ref>* 1840; † 1910; 1868 verheiratet mit Franz Egghofer (* 1836; † 1872), eine Tochter von Hofrichter Franz Anton [[Spängler]] (* 1790; † 1862)</ref> 200 fl, Köchin Marie 200 fl" … "Die Mutter bekommt dn großen goldenen Spiegel, ein Madonnenbild, den Spieltisch (mit grünem Tuch, und das Himmelbett. Der die selige Schaupp dabei leitende Gedanke war: Die Lürzerischen bekommen ohnehin alles nach der Pepi Tod.")<ref>Vergleiche Brief der Antonia Spängler an den Sohn [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] vom 12. Oktober 1870: "Über Reisigls Angelegenheiten nächstens." Die Verbindung zur Familie [[Lürzer von Zechenthal]] geht über Franz Lürzer von Zehendthal (* [[1796]] in [[Hallein]]; † [[1870]] in der Stadt Salzburg), verheiratet mit Marie Reisigl (* 1807; † 1850) und in zweiter Ehe ohne Nachkommen verheiratet mit Marie Spängler (* [[1820]] in der Stadt Salzburg; † [[1880]] ebenda); aus erster Ehe eine Tochter Josepha Lürzer von Zehendthal (* [[1834]] in Agordo, [[Venetien]]; † 1904 in Salzburg), sie ist Stiftsdame in Hall in Tirol. Franz Lürzer von Zehendthal (so schreibt er sich) ist ein Sohn von [[Franz Lürzer von Zechenthal]] (* [[1768]] in der Stadt Salzburg; † 1830 in Hall in Tirol); Marie Spängler ist eine Tochter von Josef Ignatius Johann Thadäus Zacharias Spängler (* [[1786]] in der Stadt Salzburg; † [[1861]] ebenda) und Elisabeth Auer (* [[1802]]; † [[1870]]). Vgl. 'Geneanet oholzapfel' ([https://de.geneanet.org/profil/oholzapfel de.geneanet.org], nach Anmeldung offen einsehbar.</ref>
<hr>
<hr>
Zeile 190: Zeile 195:
[[Datei:Brief vom 26. Oktober 1870 Seite 1.jpg|thumb|Brief vom 26. Oktober 1870, Seite 1]]
[[Datei:Brief vom 26. Oktober 1870 Seite 1.jpg|thumb|Brief vom 26. Oktober 1870, Seite 1]]
[[Datei:Brief vom 26. Oktober 1870 Seite 4..JPG|thumb|Brief vom 26. Oktober 1870, Seite 4]]
[[Datei:Brief vom 26. Oktober 1870 Seite 4..JPG|thumb|Brief vom 26. Oktober 1870, Seite 4]]
Ein Bogen, "englischer" Prägestempel Löwe, Wappen und Einhorn; / = Seitenwechsel; fragliche [?] Stellen:<br />
Ein Bogen, "englischer" Prägedruck "Löwe, Wappen und Einhorn"; / = Seitenwechsel; fragliche [?] Stellen:<br />
''1/2 12 Mittags Salzburg den 26/10 [18]70. Mein inigstgeliebter theuerster Franz! Es sind schon wieder einige Tage verfloßen seit ich deinen letzten Brief erhalten habe, wofür ich dir recht herzlich dank[e]. Es ist lächerlich wen ich sage ich finde wenig Zeit zum schreiben, und doch ist es wahr, Täglich komme ich einmal zu Lürzer den die arme Marie<ref>bisher nicht näher identifiziert</ref> ist so trostlos, das ich es für die heiligste Pflicht halte, sie doch ein wenig zu zerstreuen, eben komme ich von ihr herauß, ich fand sie in Thränen als ich hinein kamm und verließ sie in denselben obwohl ich nahe 2 Stund dort war, wie ich schon unten auf der Stiege war fiel mir ein, ich solle / sie vieleicht zu mir herauß einladen, ich ging zurück sie nahm es auf und so kommen sie heute, die Marie hat einen sehr starken Catahre was noch ihr gemüth erschwären mag. Lieber Franz ich bin gottlob gesund, bin viel bey Otto oder die Kindlein bey mir die Zeit vergeht wie immer zu schnell. Die Fräulein Rosalie kömmt auch fleißig. Die Lürzer läßt dich recht herzlich grüßen, und die von Henzen danken, für deinen lieben Brief, aber sie ist es noch nicht im stande dir zu schreiben da sie so sehr angegriefen ist. Sie hat nun um die Pension für sich eingegeben, um 472 fl'' [Gulden] ''Der liebe Gott wolle sie ihr zukommen lassen. Hat die Marie die Pension dan, wollen sie um eine gnadengabe für die Pepi anhalten, und dann auch später wegen der Prepende<ref>Präbende, kirchliche Pründe </ref> wider bitten, die arme bedarf wohl einer / gnadengabe, da die arme so wenig sieht. Solte es einmal nöthig sein das man irgend in Wien schücken macht'' [Eingabe]'', so hoffe ich wirst du gewiß so gütig sein und selbe übernehmen bezüglich der Pepi. Die Marie ist noch immer untröstlich. Denke dir ich konnte gestern schon wider nicht weiter schreiben, weil ich zum Otto mußte und dan kammen die Lürzer, und nach Tisch Abends ging ich zu duregger, und bis diesen Augenblück war der kleine Otto da nun ists halb 4 Uhr, so schwindet die Zeit, und ich komme zu keiner rechten Arbeit und hätte viel zu thun. Die Pomonasche [?] Esenz ist schon seit einen Monath bey Sattler Anton, wen du einmal in die Stadt kömmst so kannst du sie hollen. Denke dir 8 Tag nach den Franz starb der Wohlfartstätter<ref>Vgl. zu [[Franz Xaver Späth]]: [offenbar aus der Familie von…] "in zweiter Ehe heiratete er 1816 Maria, die Tochter des Klagenfurter k.k. Appellationsrates Johann Wohlfahrtstätter (* 1749; † 1820) und seiner Frau Josefa, geborene Lürzer."</ref> gott habe ihm sellig. Die Zeller Lanser Sattler Toda alle lassen dich recht herzlich grüßen. Die Lanser zieht glaube ich am Samstag herein. / Lieber Franz der kleine Otto spricht so Oft von dir, und wen ich sage was du ihm bringen solst von Wien, so sagt er immer was guts, ich freue mich schon recht sehr wen du zu Weihnachten kömmst, weil es dort doch längert dauert, daß du hier bist so freue ich mich dopelt. Soll ich dir schon noch ein paar Schafwoll Socken strücken, so schreibe mir darüber die starken Stiefl bringt Otto mit. ziehe frei [?] wen es kalt wird die Baumwol Socken an, sie sind ganz gut zu sammen gerichtet. Ist es wahr daß du nach Wien kömmst ich bin schon öfter darum gefragt worden die Luft würde dir aber vieleicht in Mödling beßer thuen. Lieber Franz lebe recht wohl es küßt und segnet dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spángler''
''1/2 12 Mittags Salzburg den 26/10 [18]70. Mein inigstgeliebter theuerster Franz! Es sind schon wieder einige Tage verfloßen seit ich deinen letzten Brief erhalten habe, wofür ich dir recht herzlich dank[e]. Es ist lächerlich wen ich sage ich finde wenig Zeit zum schreiben, und doch ist es wahr, Täglich komme ich einmal zu Lürzer den die arme Marie<ref>bisher nicht näher identifiziert</ref> ist so trostlos, das ich es für die heiligste Pflicht halte, sie doch ein wenig zu zerstreuen, eben komme ich von ihr herauß, ich fand sie in Thränen als ich hinein kamm und verließ sie in denselben obwohl ich nahe 2 Stund dort war, wie ich schon unten auf der Stiege war fiel mir ein, ich solle / sie vieleicht zu mir herauß einladen, ich ging zurück sie nahm es auf und so kommen sie heute, die Marie hat einen sehr starken Catahre was noch ihr gemüth erschwären mag. Lieber Franz ich bin gottlob gesund, bin viel bey Otto oder die Kindlein bey mir die Zeit vergeht wie immer zu schnell. Die Fräulein Rosalie kömmt auch fleißig. Die Lürzer läßt dich recht herzlich grüßen, und die von Henzen danken, für deinen lieben Brief, aber sie ist es noch nicht im stande dir zu schreiben da sie so sehr angegriefen ist. Sie hat nun um die Pension für sich eingegeben, um 472 fl'' [Gulden] ''Der liebe Gott wolle sie ihr zukommen lassen. Hat die Marie die Pension dan, wollen sie um eine gnadengabe für die Pepi anhalten, und dann auch später wegen der Prepende<ref>Präbende, kirchliche Pründe </ref> wider bitten, die arme bedarf wohl einer / gnadengabe, da die arme so wenig sieht. Solte es einmal nöthig sein das man irgend in Wien schücken macht'' [Eingabe]'', so hoffe ich wirst du gewiß so gütig sein und selbe übernehmen bezüglich der Pepi. Die Marie ist noch immer untröstlich. Denke dir ich konnte gestern schon wider nicht weiter schreiben, weil ich zum Otto mußte und dan kammen die Lürzer, und nach Tisch Abends ging ich zu duregger, und bis diesen Augenblück war der kleine Otto da nun ists halb 4 Uhr, so schwindet die Zeit, und ich komme zu keiner rechten Arbeit und hätte viel zu thun. Die Pomonasche [?] Esenz ist schon seit einen Monath bey Sattler Anton, wen du einmal in die Stadt kömmst so kannst du sie hollen. Denke dir 8 Tag nach den Franz starb der Wohlfartstätter<ref>Vgl. zu [[Franz Xaver Späth]]: [offenbar aus der Familie von…] "in zweiter Ehe heiratete er 1816 Maria, die Tochter des Klagenfurter k.k. Appellationsrates Johann Wohlfahrtstätter (* 1749; † 1820) und seiner Frau Josefa, geborene Lürzer."</ref> gott habe ihm sellig. Die Zeller Lanser Sattler Toda alle lassen dich recht herzlich grüßen. Die Lanser zieht glaube ich am Samstag herein. / Lieber Franz der kleine Otto spricht so Oft von dir, und wen ich sage was du ihm bringen solst von Wien, so sagt er immer was guts, ich freue mich schon recht sehr wen du zu Weihnachten kömmst, weil es dort doch längert dauert, daß du hier bist so freue ich mich dopelt. Soll ich dir schon noch ein paar Schafwoll Socken strücken, so schreibe mir darüber die starken Stiefl bringt Otto mit. ziehe frei [?] wen es kalt wird die Baumwol Socken an, sie sind ganz gut zu sammen gerichtet. Ist es wahr daß du nach Wien kömmst ich bin schon öfter darum gefragt worden die Luft würde dir aber vieleicht in Mödling beßer thuen. Lieber Franz lebe recht wohl es küßt und segnet dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spángler''


Zeile 198: Zeile 203:
==== Brief vom 13. November 1870 von der Mutter Antonia Spängler an ihren Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
==== Brief vom 13. November 1870 von der Mutter Antonia Spängler an ihren Sohn Franz II. Xaver Gregor Spängler in Mödling ====
Brief von [Nr. 37] Antonia Spängler an den Sohn [Nr. 18] Franz Spängler:<br />
Brief von [Nr. 37] Antonia Spängler an den Sohn [Nr. 18] Franz Spängler:<br />
''Salzburg 13. 11. 70: Mein innigst geliebter Franz! Schon wider vergingen einige Tage bevor ich dazu komm dir zu schreiben, ich weiß es selbst nicht wie es kömmt, aber bey Otto war alles der Reihe nach krank, da war ich viel Oben, und diese Zeit wo ich zu Hauße bin, habe ich für uns wider einiges zu thun was sich nicht aufschieben läßt. Otto ist dermalen noch immer unwohl an Halsweh. Konnte daher gar nicht nach Wien gehen. Wir freuten uns schon das du hättest mit Otto zusammen kommen können, und er mir sagen könte, wie er dich außsehen findet, ich bin immer so sehr erfreut wen dich Leute gut außsehen finden. ich bin außer einen starken Strauhe [die Strauchen, Katarrh, Schnupfen], welche ich bey deren Kindern erwischt habe ganz wohl. Die Lini war auch schon unwohl, da mußte unsere Kathi sehr viel oben sein, und so vergeht die Zeit so schnel. Diese Tage war ich mit den [[Zellner]] bey Eschenloon, die Mädchen waren bey Plachetka auf Besuch, somit war sie allein, und lud mich ein, es war ganz angenehm. Die Sattler wäre auch geladen geweßen wen sie nicht hätte von Swim[?]verein auß, hätte mit der Leiche den Branntspektor [?] Schmit gehen. Die Tage allen Heil eX waren sehr traurig und öde, die Lürzer hat immer noch Husten, und darf nur wenig außgehen, daher sie auch oft sehr Melancholisch ist. Ich konnte wenig auf die gottesacker gehen weil ich eben damals gar sehr die Strauhe hatte. Die Witterung war grenzenloos schlecht.
''Salzburg 13. 11. 70: Mein innigst geliebter Franz! Schon wider vergingen einige Tage bevor ich dazu komm dir zu schreiben, ich weiß es selbst nicht wie es kömmt, aber bey Otto war alles der Reihe nach krank, da war ich viel Oben, und diese Zeit wo ich zu Hauße bin, habe ich für uns wider einiges zu thun was sich nicht aufschieben läßt. Otto ist dermalen noch immer unwohl an Halsweh. Konnte daher gar nicht nach Wien gehen. Wir freuten uns schon das du hättest mit Otto zusammen kommen können, und er mir sagen könte, wie er dich außsehen findet, ich bin immer so sehr erfreut wen dich Leute gut außsehen finden. ich bin außer einen starken Strauhe [die Strauchen, Katarrh, Schnupfen], welche ich bey deren Kindern erwischt habe ganz wohl. Die Lini war auch schon unwohl, da mußte unsere Kathi sehr viel oben sein, und so vergeht die Zeit so schnel. Diese Tage war ich mit den Zeller bey Eschenloon, die Mädchen waren bey Plachetka auf Besuch, somit war sie allein, und lud mich ein, es war ganz angenehm. Die Sattler wäre auch geladen geweßen wen sie nicht hätte von Swim[?]verein auß, hätte mit der Leiche den Branntspektor [?] Schmit gehen. Die Tage allen Heil eX waren sehr traurig und öde, die Lürzer hat immer noch Husten, und darf nur wenig außgehen, daher sie auch oft sehr Melancholisch ist. Ich konnte wenig auf die gottesacker gehen weil ich eben damals gar sehr die Strauhe hatte. Die Witterung war grenzenloos schlecht.


''Max war auch sehr leidend an Zahnwehen und Cartahr. Die Sachen gabuinden [?] wurde heute zum 2ten mahl verkündet mit den Consipianten Huber bey Gestimme [?]. Wen sie nicht neue Zulagen von Hauß bekommt, so darf sie schauen darauß zu kommen den es ist keine Kleinigkeit was man braucht um zu leben. Es wird dir ganz angenehm sein das Ludwich Sauter in Wien ist, den er ist ein ganz netter Mann lebt das Kind von Emil guttenberg? Die Lürzer hat ihre Pension noch nicht erledigt bekommen, hoft es eben alle Tage. Die Pepi will nun wieder vormund um die Prebende [Präbende, Pfründe] bitten. Vielleicht erreicht sie dieselben würdest du vielleicht gelegenheit haben zum Minister Taffe mit dem Bittgesuch zu gehen und zu bitten weil er um die ganze Sache recht gut weiß. Die Lürzer wird dir selbst schreiben. / auf den 17 en lasse ich für den Paten eine heil Meße lesen ich denke um Pathe auch für die Eltern lasse ich dieser Tage eine H Meße lesen. Dieser Tage habe ich die Duregger Familie Nachmittag geladen und am nächsten Dienstag die Zeller mit ihre Leute. für Carl Spängler lag kein Conte in meinem Brief bey. Ich heitze schon seit Mitte Oktober ich mache schon wieder Frühstück in meinem Ofen, Jause und Nachtsupe, es thut mir so wohl ein warmes Zimer. Lebe recht wohl mein lieber Franz: sehen wir uns auf Weihnachten? Es küßt und segnet dich im geiste deine treue Mutter Spängler / alle Bekante grüßen dich recht herzlich, der kleine Otto spricht oft von dir.''  
''Max war auch sehr leidend an Zahnwehen und Cartahr. Die Sachen gabuinden [?] wurde heute zum 2ten mahl verkündet mit den Consipianten Huber bey Gestimme [?]. Wen sie nicht neue Zulagen von Hauß bekommt, so darf sie schauen darauß zu kommen den es ist keine Kleinigkeit was man braucht um zu leben. Es wird dir ganz angenehm sein das Ludwich Sauter in Wien ist, den er ist ein ganz netter Mann lebt das Kind von Emil guttenberg? Die Lürzer hat ihre Pension noch nicht erledigt bekommen, hoft es eben alle Tage. Die Pepi will nun wieder vormund um die Prebende [Präbende, Pfründe] bitten. Vielleicht erreicht sie dieselben würdest du vielleicht gelegenheit haben zum Minister Taffe mit dem Bittgesuch zu gehen und zu bitten weil er um die ganze Sache recht gut weiß. Die Lürzer wird dir selbst schreiben. / auf den 17 en lasse ich für den Paten eine heil Meße lesen ich denke um Pathe auch für die Eltern lasse ich dieser Tage eine H Meße lesen. Dieser Tage habe ich die Duregger Familie Nachmittag geladen und am nächsten Dienstag die Zeller mit ihre Leute. für Carl Spängler lag kein Conte in meinem Brief bey. Ich heitze schon seit Mitte Oktober ich mache schon wieder Frühstück in meinem Ofen, Jause und Nachtsupe, es thut mir so wohl ein warmes Zimer. Lebe recht wohl mein lieber Franz: sehen wir uns auf Weihnachten? Es küßt und segnet dich im geiste deine treue Mutter Spängler / alle Bekante grüßen dich recht herzlich, der kleine Otto spricht oft von dir.''  
Zeile 213: Zeile 218:
''Salzburg 24. 11. 70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Es wird nun schon wieder 10 Tage sein seit ich dir zum letzten mal geschrieben habe, aber ich will heute schreiben damit du öfter Nachrichten von uns bekömmst wir sind dermalen gottlob wieder alle wohl. Die Kinder gehen wieder alle auß da die Wittrung so milde ist. Ich heitze nun im kleinen Öferl zum Frühstück Jause und abendsupe mit kleinen Stückchen Holz und habe viel die Fenster offen. Wir werden diese mülde Wittrung gut im Holz mercken, was ich sehr froh bin. Die Lürzer wird wie sie durch Chiari gehört die 333 Münz'' [Pension] ''bekommen weil er nicht den Kriegsrathstitel führte sie will noch in gnaden Weg eingeben um Erhöhung Chiari glaubt für die Pepi wird der gnadengehalt gut außfallen. Sie wissen nur nicht ob sie zuerst für die Pepi um die gnad eingeben sollen, oder für sie um Erhöhung. Lürzer Otto glaubt zuerst für die Pepi, ich weiß nicht, waß sie thun. Um die Prebende geben sie auch jetzt ein. Nun scheint die Frau doch ruhiger zu sein, sie nimt doch wieder an XXX theil, sie spielt auch wieder, es ist doch kurzweiliger. Otto wird nun wohl die 400 fl [Gulden] bekommen, was auch gut wäre dan wird er der Mutter 10 fl im Monath geben, was auch beßer ist, es muß halt eins zum anderen helfen. / Ich danke dir recht herzlich für deine guten Wünsche zum Hochzeits tag ich verbrachte denselben wie jeden anderen Tag Abends war ich bey Otto zum Essen und dann gingen wir zu den Duregger hinab. Den Xaveritag ist um 10 eine heil Meße im Domm für den Paten mache auch du deine Meinung, bis zu deinem Nammenstag schreibe ich wieder. Du hast es in deinem letzten Brief in zweifel gesetzt ob du um Weihnachten kömmst dies thäte mir sehr leid, weil ich mich schon so sehr auf dich freue, je nun wie gott will möge er es fügen - - Wens nicht sein so muß man es auch ertragen - - -.''
''Salzburg 24. 11. 70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Es wird nun schon wieder 10 Tage sein seit ich dir zum letzten mal geschrieben habe, aber ich will heute schreiben damit du öfter Nachrichten von uns bekömmst wir sind dermalen gottlob wieder alle wohl. Die Kinder gehen wieder alle auß da die Wittrung so milde ist. Ich heitze nun im kleinen Öferl zum Frühstück Jause und abendsupe mit kleinen Stückchen Holz und habe viel die Fenster offen. Wir werden diese mülde Wittrung gut im Holz mercken, was ich sehr froh bin. Die Lürzer wird wie sie durch Chiari gehört die 333 Münz'' [Pension] ''bekommen weil er nicht den Kriegsrathstitel führte sie will noch in gnaden Weg eingeben um Erhöhung Chiari glaubt für die Pepi wird der gnadengehalt gut außfallen. Sie wissen nur nicht ob sie zuerst für die Pepi um die gnad eingeben sollen, oder für sie um Erhöhung. Lürzer Otto glaubt zuerst für die Pepi, ich weiß nicht, waß sie thun. Um die Prebende geben sie auch jetzt ein. Nun scheint die Frau doch ruhiger zu sein, sie nimt doch wieder an XXX theil, sie spielt auch wieder, es ist doch kurzweiliger. Otto wird nun wohl die 400 fl [Gulden] bekommen, was auch gut wäre dan wird er der Mutter 10 fl im Monath geben, was auch beßer ist, es muß halt eins zum anderen helfen. / Ich danke dir recht herzlich für deine guten Wünsche zum Hochzeits tag ich verbrachte denselben wie jeden anderen Tag Abends war ich bey Otto zum Essen und dann gingen wir zu den Duregger hinab. Den Xaveritag ist um 10 eine heil Meße im Domm für den Paten mache auch du deine Meinung, bis zu deinem Nammenstag schreibe ich wieder. Du hast es in deinem letzten Brief in zweifel gesetzt ob du um Weihnachten kömmst dies thäte mir sehr leid, weil ich mich schon so sehr auf dich freue, je nun wie gott will möge er es fügen - - Wens nicht sein so muß man es auch ertragen - - -.''


''Wegen Rußland hoffe ich, haben wir nichts zu fürchten, sie werden sich wohl vergleichen. / geß[t]ern warn 3 Spänglermädchen bey mir Nachmittag wo wir der Lürzer ihren Namenstag feyerten auch die F Rosalie'' [Henf] ''war Abends da, zum Schluß wurd ich Abends Duregger zum Essen geladen bis ½ 8 Uhr wo dann alles außeinander ging Fräulein Rosalie ging dann auch zu Duregger. Heute war ich bey Hofrichter Spängler mit der Lürzer Pepi, wo es recht angenehm war, dan spielten wir noch bey Spängler Tarok wo die Lürzer auf die Pepi wartet, um 7 Uhr ging ich zu Hauße und nun habe ich an dich lieber Franz geschrieben. Lebe nun recht wohl mein lieber guter Franz sey recht inig gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße.''  
''Wegen Rußland hoffe ich, haben wir nichts zu fürchten, sie werden sich wohl vergleichen. / geß[t]ern warn 3 Spänglermädchen bey mir Nachmittag wo wir der Lürzer ihren Namenstag feyerten auch die F Rosalie'' [Henf] ''war Abends da, zum Schluß wurd ich Abends Duregger zum Essen geladen bis ½ 8 Uhr wo dann alles außeinander ging Fräulein Rosalie ging dann auch zu Duregger. Heute war ich bey Hofrichter Spängler<ref>Gemeint sind die Töchter von Hofrichter des [[Benediktinerinnenabtei Nonnberg|Stiftes Nonnberg]] und an der [[Benediktinererzabtei St. Peter]] in Salzburg [[Johann Peter Maria Spängler]], Theresia Spängler (* 1823; † 1913) und Juliana Spängler (* 1825; † 1899); der Sohn [[Anton Spängler]] war 1870 bereits in Braunau am Inn.</ref> mit der Lürzer Pepi, wo es recht angenehm war, dan spielten wir noch bey Spängler Tarok wo die Lürzer auf die Pepi wartet, um 7 Uhr ging ich zu Hauße und nun habe ich an dich lieber Franz geschrieben. Lebe nun recht wohl mein lieber guter Franz sey recht inig gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße.''  
 
"Hofrichter Spängler": Joh. Peter Maria Spängler (* 1792; † 1837) war Hofrichter des [[Benediktinerinnenabtei Nonnberg|Stiftes Nonnberg]] in Salzburg; vielleicht ist die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (* 1831; † 1913) gemeint (so ebenfalls in einem Brief von 1885).
<hr>
<hr>


Zeile 222: Zeile 225:
''Salzburg 1. 12. 70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Ich habe dir schon das letzte mahl versprochen dir zu deinem Namenstag wieder zu schreiben. Lieber Franz nim heute die herzlichsten aufrichtigsten Wünsche gütig an, und sey versichert, das mir dein Wohl und Weh immer recht nah am Herzen liegt, das ich recht oft für dich bethe, das dich der liebe gott recht glücklich werden lasse. – das Sein Göttlicher Segen immer bey dir verbleibe, - und das du so leben mögest, daß du für Zeit – und Ewigkeit gesichert seyst, der lieben gott wolle meine heißen Wünsche [...]. [über der Anrede, auf dem Kopf:] Kathi küßt deine Hände und wünscht alles gute zum Nammenstag. Denke dir ich kaufe öfter einen kleinen theil ein XXX XXX, wo man heuer auf den Mark bekömmt. / Das Nammensfestgeschenk bekömmst du zusammen zum Christkind – kömmst du so gebe ich dir es selbst – wo nicht so schücke ich es dir. Der kleine Otto läßt dir auch alles gute Wünschen, der war gestern mein Gast, Otto und Louise waren in Werfen und da habe ich ihn für einen Tag eingeladen, was er sehr wohl schon versteht, er spricht alles und weiß sich sehr gut außzudrücken, gestern sagte Otto bey Tisch: wen Onkl Franz kömmt dan lange dableiben, nicht gleich fortgehen, dan sagte ich ob ich dir es schreiben soll, dan sagte er, Otto auch schreiben, mit den Papa.
''Salzburg 1. 12. 70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Ich habe dir schon das letzte mahl versprochen dir zu deinem Namenstag wieder zu schreiben. Lieber Franz nim heute die herzlichsten aufrichtigsten Wünsche gütig an, und sey versichert, das mir dein Wohl und Weh immer recht nah am Herzen liegt, das ich recht oft für dich bethe, das dich der liebe gott recht glücklich werden lasse. – das Sein Göttlicher Segen immer bey dir verbleibe, - und das du so leben mögest, daß du für Zeit – und Ewigkeit gesichert seyst, der lieben gott wolle meine heißen Wünsche [...]. [über der Anrede, auf dem Kopf:] Kathi küßt deine Hände und wünscht alles gute zum Nammenstag. Denke dir ich kaufe öfter einen kleinen theil ein XXX XXX, wo man heuer auf den Mark bekömmt. / Das Nammensfestgeschenk bekömmst du zusammen zum Christkind – kömmst du so gebe ich dir es selbst – wo nicht so schücke ich es dir. Der kleine Otto läßt dir auch alles gute Wünschen, der war gestern mein Gast, Otto und Louise waren in Werfen und da habe ich ihn für einen Tag eingeladen, was er sehr wohl schon versteht, er spricht alles und weiß sich sehr gut außzudrücken, gestern sagte Otto bey Tisch: wen Onkl Franz kömmt dan lange dableiben, nicht gleich fortgehen, dan sagte ich ob ich dir es schreiben soll, dan sagte er, Otto auch schreiben, mit den Papa.


''Denke dir lieber Franz die Sauter in Inspruck war dieser Tage auf den Tod krank an einer Lungenentzündung es geht aber Gottlob beßer. Die Ida Schißl war so freundlich uns täglich durch eine Corespondenz-Karte uns das fortschreiten der Beßerung anzuzeigen gestern kam keine, daher hoffe ich sicherlich sie fand es nicht mehr für nöthig, jedoch heute erwarten wir schon eine es ist möglich ich gebe den Brief erst morgen auf, vieleicht kan ich dir dan das Befinden noch hinein setzen. Eduard Spängler ist bey der neuen Montan geselschaft nicht untergekommen, es ist glücklicherweise, in Hallstatt ganz zufrieden, und kann daher leicht zuwarten, bis etwas beßeres kömmt. Sie haben einige Beamte entlassen, und keine neuen angestellt. Otto ist gestern Abends wieder von Werfen zurück gekommen war in der Rückfahrt 3 Stund auf den Weg mit Halhofer beysammen er fuhr dan mit ihnen nach Hallein, wo diese dan nach Salzburg fuhren und er wieder nach Hauße ging. Heute haben wir den ersten Wintertag, aber in diesem Augenblück sehr schön, und heiter. Gestern war ich mit den Duregger, und Emile und Henf Rosalie in Kreutzbrückl zur Jause. Es war ganz angenehm. Ich soll dir von so vielen Bekannten zum Nammenstag alles Schöne bringen, besonders Fräulein Rosalie Spängler Lürzer Alois Spängler, Stipitz, Anhl [?], Otto. Lebe recht wohl noch einmal meinen Segen über dich, und alles was dein ist. Es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler. [auf dem Kopf:] Den 2. 1. Nachricht ist keine gekommen von Inspruck.''  
''Denke dir lieber Franz die Sauter in Inspruck war dieser Tage auf den Tod krank an einer Lungenentzündung es geht aber Gottlob beßer. Die Ida Schißl war so freundlich uns täglich durch eine Corespondenz-Karte uns das fortschreiten der Beßerung anzuzeigen gestern kam keine, daher hoffe ich sicherlich sie fand es nicht mehr für nöthig, jedoch heute erwarten wir schon eine es ist möglich ich gebe den Brief erst morgen auf, vieleicht kan ich dir dan das Befinden noch hinein setzen. Eduard Spängler ist bey der neuen Montan geselschaft nicht untergekommen, es ist glücklicherweise, in Hallstatt ganz zufrieden, und kann daher leicht zuwarten, bis etwas beßeres kömmt. Sie haben einige Beamte entlassen, und keine neuen angestellt. Otto ist gestern Abends wieder von Werfen zurück gekommen war in der Rückfahrt 3 Stund auf den Weg mit Kalhofer beysammen er fuhr dan mit ihnen nach Hallein, wo diese dan nach Salzburg fuhren und er wieder nach Hauße ging. Heute haben wir den ersten Wintertag, aber in diesem Augenblück sehr schön, und heiter. Gestern war ich mit den Duregger, und Emile und Henf Rosalie in Kreutzbrückl zur Jause. Es war ganz angenehm. Ich soll dir von so vielen Bekannten zum Nammenstag alles Schöne bringen, besonders Fräulein Rosalie Spängler Lürzer Alois Spängler, Stipitz, Anhl [?], Otto. Lebe recht wohl noch einmal meinen Segen über dich, und alles was dein ist. Es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler. [auf dem Kopf:] Den 2. 1. Nachricht ist keine gekommen von Inspruck.''  


Der "kleine Otto" Spängler ist im Juni 1868 geboren, also zweieinhalb Jahre alt. – "#Sauter Innsbruck": [[Andreas Sauter]] (* 1802; † 1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v. Lürzer] (* 1800; † 1872) [Partezettel 1872]; vgl. in Wien den "Vetter" Ludwig Sauter; siehe Brief vom 2. Oktober 1870. – "Eduard Spängler" (* 1839; † 1883), ein Neffe der Mutter Spängler (Eduard Spängler wohnt zeitweise [[Alter Markt]] Nr. 2 in Salzburg.
Der "kleine Otto" Spängler ist im Juni 1868 geboren, also zweieinhalb Jahre alt. – "#Sauter Innsbruck": [[Andreas Sauter]] (* 1802; † 1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v. Lürzer] (* 1800; † 1872) [Partezettel 1872]; vgl. in Wien den "Vetter" Ludwig Sauter; siehe Brief vom 2. Oktober 1870. – "Eduard Spängler" (* 1839; † 1883), ein Neffe der Mutter Spängler (Eduard Spängler wohnt zeitweise [[Alter Markt]] Nr. 2 in Salzburg.
Zeile 233: Zeile 236:
''Auch bey uns war der November größtentheils schön, mit 1 Dezember hat der Winter fest, begonnen, die Schlitten fahren schon über und über, wen auch noch nicht so viel Schne ist, das der Weg gut gut ist, aber es muß gefahren sein. Wie ist es den mit deinem hieher kommen? auf Weihnachten das es mich unendlich freut wen du komen kannst weißt du, wen es aber durchauß nicht sein kann, so muß ich mich halt auch fügen. Die Lürzer hat nichts in den Händen wegen ihrer Pension, währentdem die Wahlhüselstätter die Pension schon im Vorigen Monnath schon erhalten hat. Ich glaube schon es liegt schon lange hier, aber der Wamhe [?] ist gar so beq[u]em, vieleicht bekömmt sie es dieser Tage. Die Lürzer läßt dich recht schön bitten zu thun was möglich ist wegen der Pepi. Ich hoffe lieber Franz du machst es mir zu wissen durch Otto ob du kömmst, da Otto ohnedies vieleicht 10- bis 12 Tage in Wien ist wird er schon öfter an Louise schreiben du kannst auch du mir vieleicht einmal ein Zettel einschließen Was glaubst du lieber Franz? köntest du vieleicht nicht zu denen vielen Komissionen welche du zu machen hast, Handstützerln brau[ch]en? ich würde sie dir von rother und Schwarzer Wolle strücken. Bey Sautter in Inspruck geht es den geregelten gang beßer gottlob. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz ich bethe schon fleißig für dich vergiß auch du der Mutter nicht im gebeth. Es küßt und segnet dich im Geiste deine treue Mutter die Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße. Otto und Paula schreiben oft an dich, bald mit Kreide bald mit Bleistift.''  
''Auch bey uns war der November größtentheils schön, mit 1 Dezember hat der Winter fest, begonnen, die Schlitten fahren schon über und über, wen auch noch nicht so viel Schne ist, das der Weg gut gut ist, aber es muß gefahren sein. Wie ist es den mit deinem hieher kommen? auf Weihnachten das es mich unendlich freut wen du komen kannst weißt du, wen es aber durchauß nicht sein kann, so muß ich mich halt auch fügen. Die Lürzer hat nichts in den Händen wegen ihrer Pension, währentdem die Wahlhüselstätter die Pension schon im Vorigen Monnath schon erhalten hat. Ich glaube schon es liegt schon lange hier, aber der Wamhe [?] ist gar so beq[u]em, vieleicht bekömmt sie es dieser Tage. Die Lürzer läßt dich recht schön bitten zu thun was möglich ist wegen der Pepi. Ich hoffe lieber Franz du machst es mir zu wissen durch Otto ob du kömmst, da Otto ohnedies vieleicht 10- bis 12 Tage in Wien ist wird er schon öfter an Louise schreiben du kannst auch du mir vieleicht einmal ein Zettel einschließen Was glaubst du lieber Franz? köntest du vieleicht nicht zu denen vielen Komissionen welche du zu machen hast, Handstützerln brau[ch]en? ich würde sie dir von rother und Schwarzer Wolle strücken. Bey Sautter in Inspruck geht es den geregelten gang beßer gottlob. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz ich bethe schon fleißig für dich vergiß auch du der Mutter nicht im gebeth. Es küßt und segnet dich im Geiste deine treue Mutter die Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße. Otto und Paula schreiben oft an dich, bald mit Kreide bald mit Bleistift.''  


"ein Mädchen": die Verlobung mit Fanni Schlegel war im September 1871. - "Schlitten fahren": Vom Schlittenfahren ist in den Briefen des öfteren die Rede. Der Schlitten diente nicht nur einfach dem Transport im Winter (so z.B. auch im Brief vom 4. Dezember 1871 und in den frühen Briefen vom z.B. 22. Januar 1843 und vom 28. Dezember 1844), sondern auch der Geselligkeit. So ist in den Briefen vom 23. Januar 1847 und vom 12. Februar 1848 vom "Bockschlitten" die Rede, im ersteren Brief mit einer Fahrt in fröhlicher Gesellschaft. Vielleicht stammt die fast Handteller große Kokarde (mit Schleier ca. 10 cm Durchmesser; siehe Fotos) von einem derartigen Vergnügen, falls ich [O. H.] die Inschrift richtig interpretiere: "Erinnerung an die qualvolle Fahrt am 2. Februar im Jahre des Heil‘s 1869." Das Abzeichen zum Anstecken lag bei den Briefen, es fehlt aber [bisher] der Bezug zu einem bestimmten Brief.
"ein Mädchen": die Verlobung mit Fanni Schlegel war am 8. September 1871 in Salzburg. - "Schlitten fahren": Vom Schlittenfahren ist in den Briefen des öfteren die Rede. Der Schlitten diente nicht nur einfach dem Transport im Winter (so z.B. auch im Brief vom 4. Dezember 1871 und in den frühen Briefen vom z.B. 22. Januar 1843 und vom 28. Dezember 1844), sondern auch der Geselligkeit. So ist in den Briefen vom 23. Januar 1847 und vom 12. Februar 1848 vom "Bockschlitten" die Rede, im ersteren Brief mit einer Fahrt in fröhlicher Gesellschaft. Vielleicht stammt die fast Handteller große Kokarde (mit Schleier ca. 10 cm Durchmesser; siehe Fotos) von einem derartigen Vergnügen, falls ich, [[Otto Holzapfel]], die Inschrift richtig interpretiere: "Erinnerung an die qualvolle Fahrt am 2. Februar im Jahre des Heil‘s 1869." Das Abzeichen zum Anstecken lag bei den Briefen, es fehlt aber [bisher] der Bezug zu einem bestimmten Brief.


<gallery>
<gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200">  
Datei:Kokarde "qualvolle Fahrt" 1869 1.JPG|Kokarde "qualvolle Fahrt" 1869, passend zum Brief vom 9. Dezember 1870
Datei:Kokarde "qualvolle Fahrt" 1869 1.JPG|Kokarde "qualvolle Fahrt" 1869, passend zum Brief vom 9. Dezember 1870
Datei:Kokarde "qualvolle Fahrt" 1869 2.JPG|Kokarde "qualvolle Fahrt" 1869, passend zum Brief vom 9. Dezember 1870
Datei:Kokarde "qualvolle Fahrt" 1869 2.JPG|Kokarde "qualvolle Fahrt" 1869, passend zum Brief vom 9. Dezember 1870
Zeile 261: Zeile 264:
[[Kategorie:Spängler]]
[[Kategorie:Spängler]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:historisches Dokument]]