Pabenschwandt: Unterschied zwischen den Versionen

K Textersetzung - „Benediktiner-Erzabtei St. Peter“ durch „Benediktinererzabtei St. Peter“
Markierungen: Mobile Bearbeitung Mobile Web-Bearbeitung
 
(38 dazwischenliegende Versionen von 4 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
[[Datei:Pabenschwand von Westen.JPG|thumb|Pabenschwand in Plainfeld, Gutshof zu St. Peter in Salzburg zugehörig]]
[[Datei:Pabenschwand-Panoramabild b.jpg|thumb|Gesamtansicht von Pabenschwandt]]
'''Pabenschwand''' ist ein alter Gutshof in [[Plainfeld]] im Besitz vom [[Erzabtei St.  Peter]] in Salzburg. Mitten durch die Liegenschaft fließt der  [[Plainfelder Bach]] und obwohl der Bach über längere Zeit oft kaum  Wasser führt, kann er sich nach [[Unwetter]]n immer wieder zu einem  Wildbach entwickeln und Schäden verursachen.  
'''Pabenschwandt''' ist ein alter Gutshof mit [[Meierhof]] in der [[Flachgau]]er Gemeinde [[Plainfeld]]. Er zählt zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in Plainfeld|denkmalgeschützten Objekten]] in der Gemeinde.


==Geschichtliches==  
== Allgemeines ==
Seit  dem Jahr [[1705]] gehört das Gut Pabenschwand zur Erzabtei St. Peter. Mit dem  „Erzstift Salzburg“, womit der „weltliche Herrschaftsbereich der  Salzburger Fürsterzbischöfe“ verstanden wird, der bis 1803 existierte, hat das Stift St. Peter nichts zu tun.
Der Gutshof befindet sich im Besitz der [[Benediktinererzabtei St. Peter]]. Die Liegenschaft ist voll arrondiert (rund um die Meierei gelegen), dazu gehören auch größere umliegende Waldflächen. Mitten durch die Liegenschaft fließt der [[Plainfelder Bach]], und obwohl der Bach über längere Zeit hinweg oft kaum Wasser führt, kann er sich nach [[Unwetter]]n immer wieder zu einem [[Wildbach]] entwickeln und dabei Schäden verursachen.


Aus Anlass des 300-Jahr-Jubiläums errichtete nun die Erzabtei St. Peter  und die im Jahr 1800 gegründete Prangerschützengesellschaft eine Kapelle  zu Ehren des Hl. Leonhard. Sie wurde nach einer ca. sechsmonatigen  Bauzeit unter tätiger Mithilfe durch die [[Prangerschützengesellschaft  Plainfeld]] am [[5. November]] [[2006]] durch [[Äbte von St.  Peter|Erzabt]] [[Edmund Wagenhofer]] eingeweiht.
[[Datei:Pabenschwand im Juni 2011.JPG|thumb|Pabenschwandt]]


An  einer Gedenktafel aus der Außenseite der Kapelle wird auf die tragische  Vergangenheit von Pabenschwand in der [[Nationalsozialismus|NS]]-Zeit  Bezug genommen und soll an die zwölf namenlosen KZ-Häftlinge erinnern,  die in Pabenschwand beschäftigt waren und deren genaues Schicksal  unbekannt ist. In den letzten Monaten vor Kriegsende, sollen im  „Versuchsgut Pabenschwand“ unter dem Arzt [[Karl Fahrenkamp]] auch  Plainfeld medizinische Versuche an den Häftlingen unternommen worden  sein.
== Geschichte ==
Erstmals erwähnt werden Meierei und Edelsitz im Hof[[urbar]] des [[Pfleggericht Wartenfels]] im Jahr [[1505]]. [[1705]] kaufte dann [[Äbte der Benediktinererzabtei St. Peter|Abt]] [[Placidus Mayrhauser]] Pabenschwandt um 5.500 [[Gulden]] für das Benediktinerstift St. Peter vom [[Pfleger]] Josef Pock von Arnholz. Es könnte sein, dass Abt Mayrhauser hier einen Sommersitz schaffen wollte, denn er suchte um die Baugenehmigung eines aufwendigen Kirchengebäudes an, ähnlich der heutigen [[Stadtpfarrkirche St. Erhard]] in der [[Stadt Salzburg]]. Das Vierfache der Kaufsumme investierte Mayrhauser in Pabenschwandt; dann wurde ihm [[1711]] [[Schloss Goldenstein]] angeboten. Dieses Schloss wurde schließlich der bevorzugte Aufenthaltsort der Äbte und des Konvents.


==Namensherkunft und Besitzabfolge des Gutes Pabenschwand==
=== Pabenschwandt zur Zeit des Nationalsozialismus ===
* [[1269]]:  Erste Nennung der [[Ritter von Pabenschwandt]]
Im Gut Pabenschwandt im [[Flachgau]] bestand während der NS-Zeit ein Außenlager des [[Konzentrationslager Dachau|KZ Dachau]]. Einige Namen der dort eingesetzten KZ-Gefangenen konnten ermittelt werden.
* 16. und 17. Jahrhundert.: Der ehemalige Adelssitz erfährt einen häufigen Besitzerwechsel 
* [[1699]]:  Zwangsversteigerung von Pabenschwand
* 1705:  Abt Placidus Mayrhauser von St. Peter erwirbt Hof und Gut und kauft weitere  Liegenschaften zu


"Nun ist man da in Pabenschwandt, das unser Forscher herrlich fand", heißt es in einem Gedicht, das der Arzt Karl Fahrenkamp [[1943]] über seine Tätigkeit auf dem Gutshof verfasste. "Im Tal der Bach. Der Wald bekränzt. Das Land, das an den Nachbar grenzt. So also liegt das Forschungsgut, die Einsamkeit ist 'absolut'." Fahrenkamp (* [[1889]]; † 1945 im [[Salzburger Landeskrankenhaus]]) war SS‑Stabsarzt und ab 1943 bis zum [[Zweiter Weltkrieg|Kriegsende]] Kommandoführer im KZ‑Versuchsgut Pabenschwandt. Er führte dort Versuche an Pflanzen und Tieren durch, um Erträge für die Nahrungsmittelsicherheit zu steigern.


Kunsthistorische  Informationen über Pabenschwand enthält die Österreichischen Kunsttopographie 11 (1916), S.  439.
[[Datei:Pabenschwand, Hausansicht.JPG|thumb|Pabenschwandt]]


==Bildergalerie==
Wie im Gedicht angedeutet, schätzte Fahrenkamp die abgeschiedene Lage des Guts. "Er wollte völlige Abgeschiedenheit", beschreibt der Salzburger Historiker und Musikwissenschafter [[Werner Rainer]]. Rainer veröffentlichte seine Forschungen in der [[Schriftenreihe des Salzburger Landesarchivs]] (Band 40). Er zitiert darin ein Schreiben Fahrenkamps an den SS‑Reichsführer, in dem dieser ein Betretungsverbot für den zum Gut gehörenden Wald verlangte, da die Bevölkerung ihn "als ihren Garten" betrachte.
<gallery perrow=6>
Datei:Pabenschwand im Juni 2011.JPG|Pabenschwand im Juni 2011
Datei:Pabenschwand, Hausansicht.JPG|Pabenschwand, Hausansicht
Datei:Pabenschwand, Nordansicht.jpg|Pabenschwand, Nordansicht
Datei:Inschrift oberhalb dem Haustor von Pabenschwand.JPG|lateinische Inschrift oberhalb dem Haustor des Gutes Pabenschwand
Datei:Plainfeldbachverlauf in Pabenschwand.jpg|Plainfeldbachverlauf in Pabenschwand
Datei:Pabenschwandkapelle Vorderansicht.jpg|Pabenschwandkapelle zu Ehren des Hl. Leonhard in Plainfeld, von den Prangerschützen Plainfeld wiedererrichtet
Datei:Pabenschwandkapelle A.jpg|Pabenschwandkapelle, Westseite
Datei:Pabenschwandt Kapelle Inschrift.jpg|Gedenkinschrift an NS-Häftlinge auf der wieder errichteten Pabenschwandkapelle
Datei:Pabenschwand, hofschmuck für erntedank.jpg|Pabenschwand, Hofschmuck für Erntedank
Datei:Pabenschwandpanorama von Osten.JPG|Pabenschwandpanorama von Osten
</gallery>


Die Nationalsozialisten konnten das Anwesen nur nutzen, weil es [[1941]] enteignet und an die Waffen‑SS verpachtet worden war. Pabenschwandt fungierte fortan als KZ‑Außenstelle von Dachau. Fahrenkamp stand wegen seiner Forschungen in Kritik und konnte aufgrund einer jüdischen Großmutter keinen "arischen" Abstammungsnachweis vorlegen. Als Arzt von Heinrich Himmlers Familie und anderer NS‑Größen genoss er jedoch Schutz durch das Regime.
==== Gefangene waren Zeuginnen Jehovas ====
In Pabenschwandt wurden überwiegend Frauen aus dem KZ Ravensbrück eingesetzt, vor allem [[Zeugen Jehovas|Zeuginnen Jehovas]]. Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft galten den Nationalsozialisten als gehorsam und arbeitsam und wurden daher häufig Außenlagern zugeteilt, etwa auch beim Bau der Sommervillen für KZ‑Kommandanten in [[St. Gilgen]].
Die Gefangenen arbeiteten vor allem in der Gartenarbeit, der Küche und im Haushalt. Ob sie auch bei Fahrenkamps Forschungen eingesetzt wurden, ist aus den Quellen nicht eindeutig zu erkennen. Durch ihre Tätigkeit in der Küche hatten sie Zugang zu Essen. "Es ist nicht so, dass das Gut wie ein KZ geführt wurde; es war ein KZ‑unterstütztes Lager, betreut von einer SS‑Mannschaft. Die Frauen waren jedoch stark isoliert", so Rainer.
[[Datei:Pabenschwand, südwestliche Ansicht.jpg|thumb|Pabenschwandt]]
==== Keine Versuche an den KZ-Häftlingen belegt ====
In Baracken auf dem Areal war vermutlich die SS‑Mannschaft untergebracht. Überlieferungen, wonach an den Gefangenen Versuche durchgeführt worden wären, konnten laut Rainer nicht belegt werden. Von der Gefangenen Martha Hagen existieren schriftliche Erinnerungen; ihr Enkel verfasste eine Biografie über sie. "Sie gibt Aufschluss darüber, wie es den Häftlingen in Plainfeld ergangen ist", sagt Rainer.
Einige Gefangene erlebten das Kriegsende in Plainfeld. Bereits zu [[Ostern]] 1945 soll das Anwesen weitgehend verwaist gewesen sein. Die Familie Fahrenkamp – der Arzt nutzte den Hof als Arbeits- und Wohnort – blieb jedoch zunächst. Rainer konnte anhand von Archivmaterial rekonstruieren, dass die [[USFA|US‑Besatzungsmacht]] Fahrenkamps Forschung zunächst unter Schutz stellte: Er leiste wichtige Arbeit und dürfe nicht von der österreichischen Polizei verhaftet werden.
Fahrenkamp fungierte daher vorerst weiter als Administrator. Er stellte Martha Hagen nach Kriegsende sogar ein Arbeitszeugnis aus, in dem er ihren "großen Fleiß und ihre Zuverlässigkeit" hervorhob. Das Zeugnis erhielt sie per Post.
Fahrenkamps Zeit in Plainfeld endete jedoch abrupt. Er verstarb am [[21. September]] 1945 nach einem Besuch im [[Strandbad Henndorf am Wallersee|Henndorfer Strandbad]] im Landeskrankenhaus, vermutlich durch einen Schlaganfall; es gab aber auch Berichte über einen möglichen Suizid.
In den "[[Salzburger Nachrichten]]" vom [[27. September]] 1945 hieß es im Nachruf: "Obwohl er vor [[1933]] der [[Freimaurer]]loge angehörte und der Nazipartei nie beitrat, war er doch der Leibarzt verschiedener Parteigrößen des Dritten Reiches." Rainer verortet Fahrenkamp ideologisch als Opportunisten: "Er konnte gut mit der NS‑Oberschicht, dann aber auch sehr gut mit den Amerikanern. Er war Arzt aus Überzeugung – und überzeugt von seiner Forschung."
Ein Jahr nach seinem Tod mussten auch seine Witwe und die Kinder nach [[Bayern]] ausreisen. Das Gut kam wieder in den Besitz von St. Peter. Die Schicksale der Gefangenen nach ihrer Zeit in Pabenschwandt sind jedoch schwer zu rekonstruieren. "Viele gingen nach Kriegsende nach Deutschland und traten wieder als Zeuginnen Jehovas in Erscheinung. Die Spuren verlieren sich aber oft", so Rainer.
Ähnliches berichtet die Historikerin [[Walpurga Penninger]], die einige der Frauen ausfindig machen konnte. An der [[St. Leonhard-Kapelle Pabenschwandt|St.-Leonhard-Kapelle]] erinnert eine Gedenktafel an die "namenlosen Opfer" von Pabenschwandt. Penninger regte eine Zusatztafel mit den belegbaren Namen der Frauen an: "Es ist schade, dass sie bis heute als namenlos gelten. Das NS‑Regime wollte ihnen ihre Identität nehmen. Das soll sich ändern."
[[Jakob Auer (Abt)|Jakob Auer]], Erzabt von St. Peter, bestätigt die Pläne: "Gerade an die Opfergruppe der Zeugen Jehovas ist erst spät gedacht worden. Nun sollen ihre Namen sichtbar werden."
== Namensherkunft und Besitzabfolge des Gutes Pabenschwandt ==
* [[1269]]: Erste Nennung der [[Ritter von Pabenschwandt]].
* [[16. Jahrhundert|16.]] und [[17. Jahrhundert]]: Es kommt zu einem häufigen Besitzerwechsel des Adelssitzes.
* [[1699]]: Zwangsversteigerung von Pabenschwandt.
* 1705: Abt Placidus Mayrhauser von St. Peter erwirbt Hof und Gut und kauft weitere Liegenschaften zu.
== Literatur ==
* Kunsthistorische Informationen über Pabenschwandt enthält die Österreichischen Kunsttopographie 11 (1916), S. 439.
== Bilder ==
{{Bildkat}}
==Weblinks==
==Weblinks==
* [http://www.stift-stpeter.at/seiten/akt0703/pabenschwand.htm   Homepage der Erzabtei Sankt Peter]
* [http://www.stift-stpeter.at/seiten/akt0703/pabenschwand.htm Erzabtei St. Peter Pabenschwandt]
* [http://www.plainfeld.salzburg.at Internetauftritt der Gemeinde Plainfeld]
* [http://www.plainfeld.salzburg.at Internetauftritt der Gemeinde Plainfeld]
* [http://www.plainfeld.salzburg.at/Festschrift_unserer_Pfarre_Plainfeld Festschrift der Pfarre Plainfeld]


==Quellen==
==Quellen==
 
* [[Archiv Benediktinererzabtei St. Peter|Archiv]] der Erzabtei St. Peter  
* Mag. Gerald Hirtner, Archiv der Erzabtei St. Peter  
* Homepage der Gemeinde Plainfeld  
* Homepage der Gemeinde Plainfeld  
*[[Benutzer:Franz Fuchs|Franz Fuchs]]
*[[Benutzer:Franz Fuchs|Franz Fuchs]]
* [[St. Peter in Salzburg]], das Begleitbuch zur 3. [[Landesausstellung]], der [[Landesausstellung St. Peter in Salzburg]], [[1982]], Seite 263
* [https://www.sn.at/salzburg/chronik/arzt-fuehrte-kz-versuchsgut-in-plainfeld-zusatztafel-fuer-bisher-namenlose-opfer-geplant-art-634785 sn.at], 10. Februar 2026: Arzt führte KZ-Versuchsgut in Plainfeld: Zusatztafel für bisher "namenlose Opfer" geplant, ein Beitrag von [[Simona Pinwinkler]]


 
[[Kategorie:Flachgau]]
[[Kategorie:Plainfeld]]
[[Kategorie:Plainfeld]]
[[Kategorie:Kirche]]
[[Kategorie:Architektur]]
[[Kategorie:Denkmalschutz]]
[[Kategorie:Denkmalschutz (Plainfeld)]] 
[[Kategorie:Katholische Kirche]]
[[Kategorie:Katholische Kirche (Sonstiges)]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Nationalsozialismus]]
[[Kategorie:Erzabtei St. Peter]]