Kobler-Spängler-Briefe von 1878 bis 1879: Unterschied zwischen den Versionen
K →Über die Korrespondenz: korr. ~~~~ |
|||
| (4 dazwischenliegende Versionen von 3 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 14: | Zeile 14: | ||
''Salzburg den 5/1 [18]78 Meine lieben Theuren! Ich dancke Euch recht herzlich, für die guten Wünsche zum neuen Jahr, der liebe Gott welcher uns bis hirher so glücklich geleitet, möge uns auch ferner in seinen heiligen Schutz nehmen. Ich bethe schon immer fleißig für Euch. Einen Wunsch hege ich für dich lieber Franz – – das du recht bald eine höhere Stellung erhalten mögest, damit du dich leichter thust, in jeder Beziehung. Man braucht so viel zum Lebensunterhalt, ohne den mündesten Aufwand. Nun ist endlich der Fany ihr Wunsch in erfühlung gegangen, mit Zweck [?], ein Christbäumchen herzurichten, ich freute mich für Sie. Wie wird die Kleine gezapelt haben, als sie ihm [!] beleuchtet gesehen. Wie werde ich mich freuen, die Kleine zu sehen. / Otto und Louise wird diese Freude nun zu theil. Bey Otto war ein sehr schöner Christbaum wir halfen alle zu sammen den selben zu Zieren. Die Kindlein bekammen viele und hübsche Sachen. Auch ich wurde reichlich beschenckt mit einer sehr hübschen Haube und 6 sehr hübsche Sacktü[c]her welche ich recht gut brauchen kann. Ich dancke Euch recht schön, das Ihr mir auch woltet eine Freude machen, und etwas kaufen lassen, es wird sich schon einmal etwas finden, was ich recht gut brauchen kann. Mir ist das Liebste wen alles Gesund ist, und Alle Zufrieden sind, dann bin ich es auch. Die Therese läßt allen ein recht glückliches Neujahr wünschen, sie schreibt das ihr zittern in den Händen immermehr überhand nimt, sonnst ist sie Gottlob wohl. / sie freut sich schon wider wen wir zusammen nach Baumkirchen gehen so gott will thue ich es so lange die Therese geht.'' | ''Salzburg den 5/1 [18]78 Meine lieben Theuren! Ich dancke Euch recht herzlich, für die guten Wünsche zum neuen Jahr, der liebe Gott welcher uns bis hirher so glücklich geleitet, möge uns auch ferner in seinen heiligen Schutz nehmen. Ich bethe schon immer fleißig für Euch. Einen Wunsch hege ich für dich lieber Franz – – das du recht bald eine höhere Stellung erhalten mögest, damit du dich leichter thust, in jeder Beziehung. Man braucht so viel zum Lebensunterhalt, ohne den mündesten Aufwand. Nun ist endlich der Fany ihr Wunsch in erfühlung gegangen, mit Zweck [?], ein Christbäumchen herzurichten, ich freute mich für Sie. Wie wird die Kleine gezapelt haben, als sie ihm [!] beleuchtet gesehen. Wie werde ich mich freuen, die Kleine zu sehen. / Otto und Louise wird diese Freude nun zu theil. Bey Otto war ein sehr schöner Christbaum wir halfen alle zu sammen den selben zu Zieren. Die Kindlein bekammen viele und hübsche Sachen. Auch ich wurde reichlich beschenckt mit einer sehr hübschen Haube und 6 sehr hübsche Sacktü[c]her welche ich recht gut brauchen kann. Ich dancke Euch recht schön, das Ihr mir auch woltet eine Freude machen, und etwas kaufen lassen, es wird sich schon einmal etwas finden, was ich recht gut brauchen kann. Mir ist das Liebste wen alles Gesund ist, und Alle Zufrieden sind, dann bin ich es auch. Die Therese läßt allen ein recht glückliches Neujahr wünschen, sie schreibt das ihr zittern in den Händen immermehr überhand nimt, sonnst ist sie Gottlob wohl. / sie freut sich schon wider wen wir zusammen nach Baumkirchen gehen so gott will thue ich es so lange die Therese geht.'' | ||
''Roll Karl [ [[Karl Roll]], Anm.] ist verlobt, mit Marie Rauscher. Es war gegenseitig große Einladung, um Weihnachten bei Rauscher bis 12 Nachts war auch die Roll dort, ich glaube am Sonntag darauf, war sie bey Roll. Von beyden, Seiten fühlen sie sich ganz Glücklich. Die Schartl zieht um Nach Wien zu ihren Bruder. Helfte dieses Monnath geht sie fort, sie will sich dort Arbeit suchen. Die Schistl'' [Schiestl, Anm.] ''will sich in Wien 3 Zähne reissen lassen, und auch wegen ihrer sonstigen Gesundheit sich mit einen Arzt besprechen – weil Otto eben in Geschäften hinunter geht, will sie die Gelegenheit benützen, und sich berathen. Louise geht wegen der Ida, um sie bey ihren Gängen zu begleiten. / Ich hoffe Euch ein paar gute Würste senden zu könen, wozu ich Euch einen guten Apedit wünsche. Lebt alle recht wohl von vielen soll ich Euch Glückwünsche zum Neujahr entrichten Lebt Alle recht wohl mit herzlicher Liebe Eure Euch von herzen liebende Mutter Spángler der kleinen Fanerl viele pußerln An Papa und allen Bekanten viele herzlich Grüße.'' | ''Roll Karl [ [[Karl Roll]], Anm.] ist verlobt, mit Marie Rauscher. Es war gegenseitig große Einladung, um [[Weihnachten]] bei Rauscher bis 12 Nachts war auch die Roll dort, ich glaube am Sonntag darauf, war sie bey Roll. Von beyden, Seiten fühlen sie sich ganz Glücklich. Die Schartl zieht um Nach Wien zu ihren Bruder. Helfte dieses Monnath geht sie fort, sie will sich dort Arbeit suchen. Die Schistl'' [Schiestl, Anm.] ''will sich in Wien 3 Zähne reissen lassen, und auch wegen ihrer sonstigen Gesundheit sich mit einen Arzt besprechen – weil Otto eben in Geschäften hinunter geht, will sie die Gelegenheit benützen, und sich berathen. Louise geht wegen der Ida, um sie bey ihren Gängen zu begleiten. / Ich hoffe Euch ein paar gute Würste senden zu könen, wozu ich Euch einen guten Apedit wünsche. Lebt alle recht wohl von vielen soll ich Euch Glückwünsche zum Neujahr entrichten Lebt Alle recht wohl mit herzlicher Liebe Eure Euch von herzen liebende Mutter Spángler der kleinen Fanerl viele pußerln An Papa und allen Bekanten viele herzlich Grüße.'' | ||
<hr> | <hr> | ||
| Zeile 153: | Zeile 153: | ||
[oben, auf dem Kopf:] ''Die Stiefel passen der Kleinen sehr gut. Eben steht Franzi ganz allein, d. h. sie hält sich selbst am.'' | [oben, auf dem Kopf:] ''Die Stiefel passen der Kleinen sehr gut. Eben steht Franzi ganz allein, d. h. sie hält sich selbst am.'' | ||
''gefällt es ihr sehr gut, sie ist gar nicht scheu, deine Mutter scheint sie'' [ihr, Anm.] ''recht gut zu gefallen. Mit Otto’s Kindern, zu denen ich sie gestern brachte, unterhält sie sich recht gut. Die kleine Berta hat ihr gestern, nachdem sie ihre Scheu überwunden hatte, immer schön gethan. Noch hat Niemand etwas dagegen gesagt, daß ich das Kind trage. Franzi war gestern sehr schön mit ihrem grauen Kleidchen und dem blauen Bande. Besuch habe ich zuerst bei deiner Mutter gemacht dann bei meinen Eltern. Die Geschwister freuen sich sehr über ihre kleine Nichte, besonders lieb hat sie aber meine Mutter, die ja alle Kinder so gern hat. Gestern war ich zuerst bei Schneeberger, welche nächstens fortreist, da ich sie doch sehen wollte. Nach Tische war ich bei Plachetka, dann bei Otto, Abends im Mirabellgarten. Heute will ich Vormittag zu Tante Alois gehen, und Nachmittag / in’s Weinbründl<ref>vielleicht ein Vorgänger der [[Villa Weinbründl]]?</ref> zu Emma'' [Schumacher, Anm.] '', welche mich sogleich am Tage meiner Ankunft besuchte.'' // | ''gefällt es ihr sehr gut, sie ist gar nicht scheu, deine Mutter scheint sie'' [ihr, Anm.] ''recht gut zu gefallen. Mit Otto’s Kindern, zu denen ich sie gestern brachte, unterhält sie sich recht gut. Die kleine Berta hat ihr gestern, nachdem sie ihre Scheu überwunden hatte, immer schön gethan. Noch hat Niemand etwas dagegen gesagt, daß ich das Kind trage. Franzi war gestern sehr schön mit ihrem grauen Kleidchen und dem blauen Bande. Besuch habe ich zuerst bei deiner Mutter gemacht dann bei meinen Eltern. Die Geschwister freuen sich sehr über ihre kleine Nichte, besonders lieb hat sie aber meine Mutter, die ja alle Kinder so gern hat. Gestern war ich zuerst bei Schneeberger, welche nächstens fortreist, da ich sie doch sehen wollte. Nach Tische war ich bei Plachetka, dann bei Otto, Abends im Mirabellgarten. Heute will ich Vormittag zu Tante Alois gehen, und Nachmittag / in’s Weinbründl<ref>vielleicht ein Vorgänger der [[Villa Weinbründl]]?</ref> zu Emma'' [ [[Emma Schumacher|Schumacher]], Anm.] '', welche mich sogleich am Tage meiner Ankunft besuchte.'' // | ||
''11 ¼ Uhr. // Du Lieber, Guter, beschämst mich heute, indem du mir die Karte schickst, und ich dir gestern nicht geschrieben habe. Deinen Brief bekam ich erst nach Tisch, da kam ich nicht mehr rechtzeitig zum Schreiben. So viel ich kann, gehe ich fort. Es geht mir im Ganzen recht gut, ich setze schon durch was ich haben will. Die kleine Maus ist recht brav, ich hoffe, sie lernt auch je[t]zt einschlafen, ohne daß ich bei ihr sitze. Sie hat ein recht nettes Gitterbett von Frau Emma, da befindet sie sich sehr wo[h]l darin. Der halck Nazi [?] ist meist ihre Schlafgesellschaft. // Wenn ich Franzi frage, wo ist der Papa, so zeigt sie mit der Hand: nicht da, oder wenn ich das Medaillon habe, zeigt sie darauf, / und giebt dann dem Papa ein Bußerl, und die Mamma thut desgleichen. // Lieber guter Franzl, ich freue mich schon schrecklich auf dich. // Deine gute Mutter sieht recht gut aus, auch die Großmutter u. die Eltern. Bei Großmutter ist es wunderbar wie sie sich wieder erholt hat. Ihr Sehen ist leider schlecht, aber sie will nicht merken laßen, wenn sie etwas nicht sieht. Mit der Kraft geht es an, es könnte wo[h]l Manches anders sein.'' | ''11 ¼ Uhr. // Du Lieber, Guter, beschämst mich heute, indem du mir die Karte schickst, und ich dir gestern nicht geschrieben habe. Deinen Brief bekam ich erst nach Tisch, da kam ich nicht mehr rechtzeitig zum Schreiben. So viel ich kann, gehe ich fort. Es geht mir im Ganzen recht gut, ich setze schon durch was ich haben will. Die kleine Maus ist recht brav, ich hoffe, sie lernt auch je[t]zt einschlafen, ohne daß ich bei ihr sitze. Sie hat ein recht nettes Gitterbett von Frau Emma, da befindet sie sich sehr wo[h]l darin. Der halck Nazi [?] ist meist ihre Schlafgesellschaft. // Wenn ich Franzi frage, wo ist der Papa, so zeigt sie mit der Hand: nicht da, oder wenn ich das Medaillon habe, zeigt sie darauf, / und giebt dann dem Papa ein Bußerl, und die Mamma thut desgleichen. // Lieber guter Franzl, ich freue mich schon schrecklich auf dich. // Deine gute Mutter sieht recht gut aus, auch die Großmutter u. die Eltern. Bei Großmutter ist es wunderbar wie sie sich wieder erholt hat. Ihr Sehen ist leider schlecht, aber sie will nicht merken laßen, wenn sie etwas nicht sieht. Mit der Kraft geht es an, es könnte wo[h]l Manches anders sein.'' | ||
| Zeile 189: | Zeile 189: | ||
''Im übrigen kann ich Dir nicht viel berichten, da sich Gottlob nichts besonderes ereignet. // Gestern war ich bei Leithe; der alten Frau geht es etwas besser. Sie u. die ganze Familie empfehlen sich Dir u. der Mutter // Dieser Tage begegnete ich Oberst Szivo, welcher mir sagte, dß Otilie [?] u die Kinder glü[c]klich in Vahren'' [Vahrn, Anm.] ''bei Brixen angekommen sind, dß er'' [es, Anm.] ''der Frau v Fenzl gute gehe, dem Arthur aber weniger. // An Alle meine herzlichsten Grüße, der Großmutter entrichte auch meine Bitte um gütige Gewährung ihrer Gastfreundschaft für mich. // Die Franzi u Dich herzlichst grüßend u. im Geiste küßend verbleibe ich // Dein treuer Franz'' | ''Im übrigen kann ich Dir nicht viel berichten, da sich Gottlob nichts besonderes ereignet. // Gestern war ich bei Leithe; der alten Frau geht es etwas besser. Sie u. die ganze Familie empfehlen sich Dir u. der Mutter // Dieser Tage begegnete ich Oberst Szivo, welcher mir sagte, dß Otilie [?] u die Kinder glü[c]klich in Vahren'' [Vahrn, Anm.] ''bei Brixen angekommen sind, dß er'' [es, Anm.] ''der Frau v Fenzl gute gehe, dem Arthur aber weniger. // An Alle meine herzlichsten Grüße, der Großmutter entrichte auch meine Bitte um gütige Gewährung ihrer Gastfreundschaft für mich. // Die Franzi u Dich herzlichst grüßend u. im Geiste küßend verbleibe ich // Dein treuer Franz'' | ||
<hr> | |||
==== Brief vom 23. und 24. Juli 1878 von Fanni Spängler an Franz Spängler. ==== | |||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; Leseabsätze eingefügt; [Ergänzung]:<br /> | |||
''Salzburg, 23. Juli 1878. // Mein lieber Mann! // Unser Weibi<ref>die älteste Tochter Franziska Spängler (* 18. Juni 1877)</ref>, dem es sehr gut geht, hat sich je[t]zt angewöhnt, um 17 Uhr Mitt[a]g einzuschlafen, somit habe ich um diese Zeit einige Ruhe, die ich meist dazu benütze, an dich zu schreiben. Vorerst muß ich dir danken für die Karte und dir erzählen, daß ich mich alle Tage noch mehr freue dich wieder zu sehen. Franzi kennt deine Fotografie im Medaillon und auch bei deiner Mutter und küßt und herzt dein liebes Bild. Deine Mutter ist sehr lieb gegen uns, sie hat die Kleine recht gern, was mich um so mehr freut, als du ja weißt, was ich immer fürchtete. 24/7 Gestern kam ich wirklich nicht mehr zum Schreiben; es kam Tante Alois<ref>die Frau von [[Aloys Spängler]]</ref>, welche bisher die einzige ist, die gegen das Tragen meiner Kleinen etwas einzuwenden hat.<ref>Wegen einer Fuß-Fehlstellung, die erfolgreich behandelt wurde, konnte Franziska zuerst schlecht selbst laufen. Vgl. Briefe seit dem 1. März 1877, Brief vom 29. Juli 1877 mit Anmerkung, vom 20. Juli 1878 mit Anmerkung und öfter.</ref> / Gestern war Otto so freundlich, die Aufgabe des Koffers zu besorgen. Der Koffer kommt als Eilgut gegen Nachna[h]me in deine Hände<ref>Der Koffer wird leer geschickt; Franz braucht ihn zu seiner Reise nach Salzburg. Vgl. die Briefe vom 17., ca. 22. und 27. Juli 1878.</ref>, bitte, sage der Anna, daß sie ihn übernimmt und gleich die Rechnung bezahlt. Schreib mir doch, wenn und wie viel Geld ich dir durch Otto schicken soll.'' | |||
''Und nun kommt eine Bitte. Du sollst uns nämlich einige Kleinigkeiten besorgen und ich zweifle nicht an deiner Güte, daß du es thun wirst. Du kannst auch Anna schicken, wenn es dir nicht ausgeht mit der Zeit. Erstens wäre für Großmutter zu kaufen eine Schachtel mit Nachtlichtern<ref>vgl. die Briefe vom 38. und 30. Juli 1878</ref> und zwar in der Porzellanhandlung von Poy in der Naglergaße, eine solche Schachtel kostet 20 – 30 Kr[euzer], darum könntest du jedenfalls Anna schicken sie weiß ja, welche Nachtlichtchen ich habe. / Ich habe meine le[t]zten hieher mitgenommen und Großmutter hat sie leider verlegt. Dann wäre für die Betti mitzubringen schottische Nähwolle N. 30 u N. 40 je ein Strähn zu 20 bis 30 Kr. und zwar vom'' [unterstrichen:] ''Bienenkorb, wo du ja ohnehin täglich 4 mal vorüber gehst. Und nun kommt die le[t]zte Bitte. Du weißt ja das Nadelgeschäft im Palais Sina am Hohen Markt. Von dort möchte ich für Betti Nähnadeln besorgen'' [am Rand eine kleine grüne Klebemarke einer Firma] ''und zwar solche mit'' [unterstrichen:] ''langem Öhr von welchen ein Päckchen mit 25 Stück 10 Kr. kostet und zwar die Nummern von 4 bis einschl[ießlich] 11 je ein Päckchen von der kürzeren Sorte. Ich füge die Etikette als Muster bei.'' | |||
''Sei nicht böse lieber Franzl, daß ich dich mit diesen Dingen plage, aber ich möchte der Betti gerne die Gefälligkeit thun, sie thut mir ja auch was sie mir an den Augen ansieht. / Vorgestern war ich in der Schwimmschule<ref>[[Freibad Leopoldskron]]</ref> das Schwimmen hat mir sehr gut getan. Leider kostet es 30 Kr, das finde ich sehr theuer. Nun, hin und wieder werde ich es mir spendiren. Franzi hat sich sehr gut in der Schwimmschule unterhalten. Morgen sind Franzi u. ich bei deiner guten Mutter zu Mittag geladen. Für die heutige Karte meinen Dank, strenge dich nur nicht zu sehr an. Übermorgen ist Anna’s'' ["Geburt" durchgestrichen] ''Namenstag, sage ihr, ich laße sie grüßen, und ihr gratuliren, ein Namenstaggeschenk werde ich ihr von hier bringen. Nun kommt schon immer näher der Tag, an dem du kommen wirst, wie freue ich mich auf dich! Mutter u. Alle grüßen dich, dich küßt mit der Bitte um baldige Nachrichten deine treue Alte.'' | |||
<hr> | <hr> | ||
| Zeile 449: | Zeile 458: | ||
==== Brief vom 20. Dezember 1879 von Fanni Spängler an Fanny Kobler ==== | ==== Brief vom 20. Dezember 1879 von Fanni Spängler an Fanny Kobler ==== | ||
Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franziska Kobler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; [Ergänzungen]; // = Absatz:<br /> | Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franziska Kobler]]; ein Bogen; / = Seitenwechsel; [Ergänzungen]; // = Absatz:<br /> | ||
''Wien 20 Dezember 1879 Liebe Großmutter! // Mit ganz besonderer Freude empfing ich deinen lieben Brief, denn die bewundernswert festen und klaren Schriftzüge beweisen mir, daß erstens dein Befinden ein gutes ist, und daß zweitens deine Sehkraft sich stets beßert. // Ich hatte dir noch vor Weihnachten antworten wollen, doch blieb es leider beim Vorsatze. // So wünsche ich dir denn in meines Mannes Namen und in meinem eigenen recht frohe, vergnügte Weihnachten und bitte dich zugleich, den beiligenden Schuhe freundlich entgegen / zu nehmen als Zeichen aufrichtiger Dankbarkeit. // Gerne hätte ich dir eine größere Arbeit gemacht, doch wußte ich nicht, was du allenfalls brauchen könntest. | ''Wien 20 Dezember 1879 Liebe Großmutter! // Mit ganz besonderer Freude empfing ich deinen lieben Brief, denn die bewundernswert festen und klaren Schriftzüge beweisen mir, daß erstens dein Befinden ein gutes ist, und daß zweitens deine Sehkraft sich stets beßert. // Ich hatte dir noch vor [[Weihnachten]] antworten wollen, doch blieb es leider beim Vorsatze. // So wünsche ich dir denn in meines Mannes Namen und in meinem eigenen recht frohe, vergnügte [[Weihnachten]] und bitte dich zugleich, den beiligenden Schuhe freundlich entgegen / zu nehmen als Zeichen aufrichtiger Dankbarkeit. // Gerne hätte ich dir eine größere Arbeit gemacht, doch wußte ich nicht, was du allenfalls brauchen könntest. | ||
''Ich freue mich sehr auf den Christbaum, denn ich hoffe, die Kinder werden sehr glücklich sein beim Weihnachtsbaum. Toni bekommt eine Gummipuppe und Franzi eine Schachtel mit Küchengeschirr und eine kleine Zimmereinrichtung, dazu eine große und kleine Puppe, die ich selbst gekleidet habe und zwar mit Kleidern aus Häckelarbeit, so wie ich sie einst für mich selbst gemacht habe. Ein kleines Bett ist auch dabei und auf besondern Wunsch meiner Tochter auch eine / kleine Schaufel und Besen, damit sie aufkehren kann. Die ganze Zimmereinrichtung, doch ohne Bettstelle, kostet 40 Kreuzer, man weiß wirklich nicht, wie die Leute so etwas liefern können. // Eine größere Puppe bekommt Franzi auch, denn ihre Mimi die schon mit in Salzburg war, ist nicht mehr schön. | ''Ich freue mich sehr auf den Christbaum, denn ich hoffe, die Kinder werden sehr glücklich sein beim Weihnachtsbaum. Toni bekommt eine Gummipuppe und Franzi eine Schachtel mit Küchengeschirr und eine kleine Zimmereinrichtung, dazu eine große und kleine Puppe, die ich selbst gekleidet habe und zwar mit Kleidern aus Häckelarbeit, so wie ich sie einst für mich selbst gemacht habe. Ein kleines Bett ist auch dabei und auf besondern Wunsch meiner Tochter auch eine / kleine Schaufel und Besen, damit sie aufkehren kann. Die ganze Zimmereinrichtung, doch ohne Bettstelle, kostet 40 Kreuzer, man weiß wirklich nicht, wie die Leute so etwas liefern können. // Eine größere Puppe bekommt Franzi auch, denn ihre Mimi die schon mit in Salzburg war, ist nicht mehr schön. | ||