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[[Datei:Franz Spängler, um 1908.jpg|thumb|Franz Spängler, um 1908]]
 
[[Datei:Franz Spängler, um 1908.jpg|thumb|Franz Spängler, um 1908]]
Dr. '''Franz II. Xaver Gregor Ezechiel Spängler''' (* [[10. April]] [[1839]] in der [[Stadt Salzburg]]<ref>Geburts- und Taufschein, ausgefertigt 1842 und Taufbuch der Pfarre Salzburg-St. Blasius 1839: "Franziscus Xaverius Maria Antonius Ezechiel" bzw. in der Abschrift 1840 "Franciscus Xav." [...]; bei der Trauung 1872: "Franz Maria Anton Ezechiel".</ref>; † [[24. Jänner]] [[1912]] in Krems an der Donau, [[NÖ]].)<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/st-poelten/krems-st-veit/03-20/?pg=7 Sterbebuch der Pfarre Krems-St. Veit, Band 20, S. 3.]</ref> war ein in Salzburg geborener promovierter Jurist, k. k. Oberlandesgerichtsrat und Richter in Krems.<ref>Nach ihm ist in Krems die "Spänglergasse" benannt. Vergleiche "Dr. Franz Spängler", in: Hans Frühwirth: Ihre Liebe galt Krems. 100 Kremser Persönlichkeiten von Gozzo bis Wilhelm. Krems, Kulturamt der Stadt Krems, 1997, S. 218 - 220. ISBN 3-90 16 64-01-9.</ref>
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Dr. '''Franz II. Xaver Gregor Ezechiel Spängler''' (* [[10. April]] [[1839]] in der [[Stadt Salzburg]]<ref>Geburts- und Taufschein, ausgefertigt 1842 und Taufbuch der Pfarre Salzburg-St. Blasius 1839: "Franziscus Xaverius Maria Antonius Ezechiel" bzw. in der Abschrift 1840 "Franciscus Xav." [...]; bei der Trauung 1872: "Franz Maria Anton Ezechiel".</ref>; † [[24. Jänner]] [[1912]] in Krems an der Donau, [[NÖ]])<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/st-poelten/krems-st-veit/03-20/?pg=7 Sterbebuch der Pfarre Krems-St. Veit, Band 20, S. 3.]</ref> war ein in Salzburg geborener promovierter Jurist, k. k. Oberlandesgerichtsrat und Richter in Krems.<ref>Nach ihm ist in Krems die "Spänglergasse" benannt. Vergleiche "Dr. Franz Spängler", in: Hans Frühwirth: Ihre Liebe galt Krems. 100 Kremser Persönlichkeiten von Gozzo bis Wilhelm. Krems, Kulturamt der Stadt Krems, 1997, S. 218 - 220. ISBN 3-90 16 64-01-9.</ref>
    
== Taufschein für Franz Spängler, 1839, Abschrift 1842 ==
 
== Taufschein für Franz Spängler, 1839, Abschrift 1842 ==
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== Tagebücher 1860 bis 1865 ==
 
== Tagebücher 1860 bis 1865 ==
Erhalten geblieben sind drei Tagebücher, die Franz Spängler (*1839; † 1912) in seiner Studienzeit in Graz begonnen hat (Januar 1860), dann auch in Wien und während der Ferien in Salzburg weiterführte – am Anfang fast täglich – und die er ziemlich intensiv über die Jahre bis 1862 fortsetzte, schließlich mit großen Abständen bis September 1865. Die Eintragungen sprechen viel von Tanzveranstaltungen in der [[Fasching]]szeit bis hin zu den einzelnen Tänzen und mit welcher Partnerin, von vielen Unternehmungen in Graz (z. B. beim "Sandwirth") zusammen mit "Julius" Spängler<ref>Julius [[Spängler]] (* 1837; † 1907)</ref>, seinem Cousin, von Beziehungen in Graz u.a. zu "Minna Lenk", zu den Familien Plachetka, Guttenberg und Plazer. Leider ist alles sehr klein und manchmal sehr flüchtig geschrieben. - […] markiert kleinere oder größere Auslassungen; // = Absatz; / = Seitenwechsel; XX und XXX = kleinere und größere unleserliche Stellen; [Ergänzung]. Die vorliegende Bearbeitung der Tagebücher ist nur eine sehr vorläufige; die Originale werden dem [[Stadtarchiv Salzburg]] überlassen.
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[[Datei:Tagebücher Franz II. Xaver Gregor Spängler 1.JPG|thumb|Blick in die Tagebücher.]]
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Erhalten geblieben sind drei kleine Tagebücher, ca. 14/15 x 9 cm, die Franz Spängler (*1839; † 1912) in seiner Studienzeit in Graz begonnen hat (Januar 1860), dann auch in Wien und während der Ferien in Salzburg weiterführte – am Anfang fast täglich – und die er ziemlich intensiv über die Jahre bis 1862 fortsetzte, schließlich mit großen Abständen bis September 1865. Die Eintragungen sprechen viel von Tanzveranstaltungen in der [[Fasching]]szeit bis hin zu den einzelnen Tänzen und mit welcher Partnerin, von vielen Unternehmungen in Graz (z. B. beim "Sandwirth") zusammen mit "Julius" Spängler<ref>Julius [[Spängler]] (* 1837; † 1907)</ref>, seinem Cousin, von Beziehungen in Graz u.a. zu "Minna Lenk", zu den Familien Plachetka, Guttenberg und Plazer. Leider ist alles sehr klein und manchmal sehr flüchtig geschrieben. - […] markiert kleinere oder größere Auslassungen; // = Absatz; / = Seitenwechsel; XX und XXX = kleinere und größere unleserliche Stellen; [Ergänzung]. Die vorliegende Bearbeitung der Tagebücher ist nur eine sehr vorläufige; die Originale werden dem [[Stadtarchiv Salzburg]] überlassen.
    
'''Erstes Buch''': schwarzer Pappband, in goldenen Buchstaben "Notes", Vorsatz bunt marmoriert:<br />
 
'''Erstes Buch''': schwarzer Pappband, in goldenen Buchstaben "Notes", Vorsatz bunt marmoriert:<br />
 
Vorblatt: ''1860 // Jänner – S. 1 // Februar – S. 15 // März – S. 26 // April – S. 42 // Mai – S. 69 // Juni – S. 88 // Juli – S. 114 / '' [unterstrichen:] ''1860 1. Begrüßt wurde dieß neue Jahr in angenehmer Gesellschaft bei der Pastete mit Punsch; bis zum Morgen dann mit Julius geschlafen. Unter Tags mehrere obligate (auch zum Theil langweilige) Visiten, Abends bei Zeirunger kurze Spiele, hierauf zum Abschiede von Lürzer Ernst'' [Familie, Anm.] ''am Bahnhof u. dann mit ihm etc. beim Punsch. So wäre der 1. Tag des neuen Jahres wenn auch nicht besonders'' [unterstrichen:] ''gut, doch lustig zugebracht. An andern Tagen dürfte ich wohl fleißiger sein! // 2. Vormittags Seelenmesse für Hr. v. Scheiger (R. i. p.) dann mit Solder Valli d[urc]h die Herrngasse'' [[Herrengasse]] '', promenni[e]rt (6 Grade.) So ist daß Leben – ein steter Wechsel, ein Gefühl drängt das andere, nur weniges ist beständig. Abends 1. Italienische Lection. // 3. Ein höchst gewöhnlicher, alltägl. Tag. Zaire wurde an demselben ausgelesen.<ref>"Zaïre" ist eine Tragödie in fünf Aufzügen von Voltaire.</ref> // 4. Mittwoch. Nicht viel anders. Vergeblich auf einen Brief gewartet. // 5. Donnerstag. Endlich ist der ersehnte Bogen von Lord Byron da!! Abends bei Hartmann, ziemlich gut unterhalten. // 6. Abermals ein Feiertag!! Und wieder mit Nichtsthun verbracht! Abends famose Unterhaltung bei Pla- / '' [Seite 2:] ''zer (Quadrille; Plazer Maria, Baroneß Pohlberg u. Emilie Berner). Uebrigens noch kein Brief!'' […]
 
Vorblatt: ''1860 // Jänner – S. 1 // Februar – S. 15 // März – S. 26 // April – S. 42 // Mai – S. 69 // Juni – S. 88 // Juli – S. 114 / '' [unterstrichen:] ''1860 1. Begrüßt wurde dieß neue Jahr in angenehmer Gesellschaft bei der Pastete mit Punsch; bis zum Morgen dann mit Julius geschlafen. Unter Tags mehrere obligate (auch zum Theil langweilige) Visiten, Abends bei Zeirunger kurze Spiele, hierauf zum Abschiede von Lürzer Ernst'' [Familie, Anm.] ''am Bahnhof u. dann mit ihm etc. beim Punsch. So wäre der 1. Tag des neuen Jahres wenn auch nicht besonders'' [unterstrichen:] ''gut, doch lustig zugebracht. An andern Tagen dürfte ich wohl fleißiger sein! // 2. Vormittags Seelenmesse für Hr. v. Scheiger (R. i. p.) dann mit Solder Valli d[urc]h die Herrngasse'' [[Herrengasse]] '', promenni[e]rt (6 Grade.) So ist daß Leben – ein steter Wechsel, ein Gefühl drängt das andere, nur weniges ist beständig. Abends 1. Italienische Lection. // 3. Ein höchst gewöhnlicher, alltägl. Tag. Zaire wurde an demselben ausgelesen.<ref>"Zaïre" ist eine Tragödie in fünf Aufzügen von Voltaire.</ref> // 4. Mittwoch. Nicht viel anders. Vergeblich auf einen Brief gewartet. // 5. Donnerstag. Endlich ist der ersehnte Bogen von Lord Byron da!! Abends bei Hartmann, ziemlich gut unterhalten. // 6. Abermals ein Feiertag!! Und wieder mit Nichtsthun verbracht! Abends famose Unterhaltung bei Pla- / '' [Seite 2:] ''zer (Quadrille; Plazer Maria, Baroneß Pohlberg u. Emilie Berner). Uebrigens noch kein Brief!'' […]
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''7. Endlich heute ein Brief doch nur von der Mutter.<ref>Briefe vom Jänner 1860 sind nicht erhalten geblieben.</ref> Otto''[ [[Otto Spängler]], sein Bruder; Anm.] ''hatte nicht Zeit!!? – '' [klein dazwischen:] ''Nach Tisch wurde der Brief beantwortet. Nachmittags hörte ich bei XXegger, d[a]ß die [[Landesregierung]] von Salzburg aufgehoben ist; nur mehr ein Landeshauptmann zugleich Bezirksvorsteher, u. Glied der Statthalterei in Linz steht an der Spi[t]ze. Dafür ist gesonderte Landesvertretung versprochen. Aber warum?, nach welchem Prinzip? Die Zeit wird es lehren. 8. Die Nachricht steht schon in der Zeit[un]g. Ebenso d[a]ß endlich die Fesseln des Festungsrayons<ref>Vgl. [[Befestigung der Stadt Salzburg]]</ref> gesprengt sind! Gottlob! ist doch endlich freie Bewegung u. Entwicklung in Salzburg möglich. – Morgens war ich zur hl. Beicht u. Communion. Gott gebe gute Früchte davon!.'' [Seite 3:] […] [Seite 12:] […] ''23. Montag. Endlich wieder einmal unsere Fortsetzung der Rechtsgeschichte. Vormittags die Briefe expedi[e]rt. 24. Dienstag. Nichts bemerkenswerthes. Wie gestern einige Lenau’sche Gedichte gelesen. '' […] [Seite 13:] ''Abends brachte Guttenb[er]g Just. die Einlad[un]g zum Hausball'' […] [Seite 18:] […] ''8. Febr. Am Schluße des 3ten Tages, seitdem ich die le[t]zten Zeilen geschrieben, gibt es dennoch nur wenig zu bemerken. Das 1. Heft des canonischen Rechtes ist glücklich vollendet (zum Theil Vormittags in der Bibliothek.) Mittags war ich heute bei Pichler, wo ich zum erstenmal französisch sprechen mußte; zur Noth ging es eben; dieß brachte mir die Einlad[un]g ein, an Dienstagen manchmal auch sans être envité [!] zu Tische zu kommen.'' […]  
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[[Datei:Tagebücher Franz II. Xaver Gregor Spängler 2.JPG|thumb|Blick in die Tagebücher.]]
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''7. Endlich heute ein Brief doch nur von der Mutter.<ref>Briefe vom Jänner 1860 sind nicht erhalten geblieben.</ref> Otto'', [ [[Otto Spängler]], sein Bruder; Anm.] ''hatte nicht Zeit!!? – '' [klein dazwischen:] ''Nach Tisch wurde der Brief beantwortet. Nachmittags hörte ich bei XXegger, d[a]ß die [[Landesregierung]] von Salzburg aufgehoben ist; nur mehr ein Landeshauptmann zugleich Bezirksvorsteher, u. Glied der Statthalterei in Linz steht an der Spi[t]ze. Dafür ist gesonderte Landesvertretung versprochen. Aber warum?, nach welchem Prinzip? Die Zeit wird es lehren. 8. Die Nachricht steht schon in der Zeit[un]g. Ebenso d[a]ß endlich die Fesseln des Festungsrayons<ref>Vgl. [[Befestigung der Stadt Salzburg]]</ref> gesprengt sind! Gottlob! ist doch endlich freie Bewegung u. Entwicklung in Salzburg möglich. – Morgens war ich zur hl. Beicht u. Communion. Gott gebe gute Früchte davon!.'' [Seite 3:] […] [Seite 12:] […] ''23. Montag. Endlich wieder einmal unsere Fortsetzung der Rechtsgeschichte. Vormittags die Briefe expedi[e]rt. 24. Dienstag. Nichts bemerkenswerthes. Wie gestern einige Lenau’sche Gedichte gelesen. '' […] [Seite 13:] ''Abends brachte Guttenb[er]g Just. die Einlad[un]g zum Hausball'' […] [Seite 18:] […] ''8. Febr. Am Schluße des 3ten Tages, seitdem ich die le[t]zten Zeilen geschrieben, gibt es dennoch nur wenig zu bemerken. Das 1. Heft des canonischen Rechtes ist glücklich vollendet (zum Theil Vormittags in der Bibliothek.) Mittags war ich heute bei Pichler, wo ich zum erstenmal französisch sprechen mußte; zur Noth ging es eben; dieß brachte mir die Einlad[un]g ein, an Dienstagen manchmal auch sans être envité [!] zu Tische zu kommen.'' […]  
    
Er geht mit Julius [Spängler, Anm.] in die Kirche, bekommt Briefe von der Mutter und vom Bruder Otto, ist mit Julius unterwegs usw. […] [Seite 49:] […] [unterstrichen:] ''Ostersonntag 8. April Vormittags mit Julius in der Johanneumscapelle, welche ich bei dieser Gelegenheit zum ersten Male sah. Hierauf ging ich fast den ganzen Vormittag mit Jul. u. theilw. Auch Rudolph spazieren; nur eine Zeitlang wurde mir zu Hause, um dem Wilhelm eine ordentliche Predigt zu halten bezüglich seiner Stubenho[c]kerei u. seines langweiligen Treibens hinsichtlich der Besuche bei Stiegler.'' [Stiegl? Anm.] […]. Zum Teil stenographische Schrift (Seite 102), auch z.B. ein Gedicht in winziger Schrift (Seite 127), nach 138 Seiten auf dem rückwärtigen Vorsatzblatt: ''Geendet Graz am 30 Juli 1860 um ½ 9 Uhr Vorm''.
 
Er geht mit Julius [Spängler, Anm.] in die Kirche, bekommt Briefe von der Mutter und vom Bruder Otto, ist mit Julius unterwegs usw. […] [Seite 49:] […] [unterstrichen:] ''Ostersonntag 8. April Vormittags mit Julius in der Johanneumscapelle, welche ich bei dieser Gelegenheit zum ersten Male sah. Hierauf ging ich fast den ganzen Vormittag mit Jul. u. theilw. Auch Rudolph spazieren; nur eine Zeitlang wurde mir zu Hause, um dem Wilhelm eine ordentliche Predigt zu halten bezüglich seiner Stubenho[c]kerei u. seines langweiligen Treibens hinsichtlich der Besuche bei Stiegler.'' [Stiegl? Anm.] […]. Zum Teil stenographische Schrift (Seite 102), auch z.B. ein Gedicht in winziger Schrift (Seite 127), nach 138 Seiten auf dem rückwärtigen Vorsatzblatt: ''Geendet Graz am 30 Juli 1860 um ½ 9 Uhr Vorm''.