Stieglbrauerei zu Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Bild:Stiegl_Goldbraeu_Glas_Fass.jpg|thumb|Stiegl-Goldbräu]] | [[Bild:Stiegl_Goldbraeu_Glas_Fass.jpg|thumb|Stiegl-Goldbräu]] | ||
[[Datei:Gstättengasse Stieglbrauerei.jpg|thumb|Altes Gasthaus Stieglbräu (Bildmitte links, Eingang ist bei den beiden Torbögen) an der [[Gstättengasse]]]] | |||
[[Bild:03 Historisch Fassbinderei.jpg|thumb|historische Aufnahme]] | [[Bild:03 Historisch Fassbinderei.jpg|thumb|historische Aufnahme]] | ||
Die '''Stieglbrauerei zu Salzburg''' in [[Salzburg]] [[Maxglan]] wurde [[1492]] erstmals in der [[Altstadt]] erwähnt und gilt somit als die älteste in Betrieb befindliche [[ | Die '''Stieglbrauerei zu Salzburg''' in der [[Stadt Salzburg]]-[[Maxglan]] wurde [[1492]] erstmals in der [[Altstadt]] erwähnt und gilt somit als die älteste in Betrieb befindliche [[Salzburger Brauereien|Brauerei]] im Bundesland. Stiegl ist gleichzeitig auch die größte Privatbrauerei in Österreich. | ||
==Geschichte== | == Geschichte == | ||
=== | === Wie die Stieglbrauerei zu ihrem Namen kam === | ||
[[ | Die Traditionsbrauerei hieß im [[15. Jahrhundert]] noch "''Prewhaus bey dem Stieglein''". Daraus entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Name "Stieglbrauerei". | ||
Das Stieglein ("kleine Treppe"), das der Brauerei und seinem Produkt den Namen gab, führte damals als öffentliche Stiege von der Brauerei an der zum [[Almkanal]], aus dem man sich das notwendige Brauwasser holte. Die Stieglbrauerei übersiedelte zwar im 19. Jahrhundert aus Kapazitätsgründen an die Peripherie der Stadt, die kleine Treppe wurde irgendwann entfernt und der Almkanal verläuft heute unterirdisch, doch: Die legendäre "rote Stiege" hat sich als Firmen- und Bierbezeichnung bis zum heutigen Tag erhalten. | |||
=== Das Haus Bey der Stiegen === | |||
[[Bild:Stiegl_Sudhaus_Noriker.JPG|thumb|Europas modernstes Sudhaus in der Stieglbrauerei.]] | [[Bild:Stiegl_Sudhaus_Noriker.JPG|thumb|Europas modernstes Sudhaus in der Stieglbrauerei.]] | ||
[[Bild:Stiegl_Brauerei_Luftaufnahme_2005.JPG|thumb|Luftaufnahme der Stieglbrauerei in [[Maxglan]] aus dem Jahr 2005.]] | [[Bild:Stiegl_Brauerei_Luftaufnahme_2005.JPG|thumb|Luftaufnahme der Stieglbrauerei in [[Maxglan]] aus dem Jahr 2005]] | ||
Die Geschichte | [[Datei:Stiegl_Brauerei_Aussen.jpg|thumb|Stieglbrauerei]] | ||
Die Geschichte der Stieglbrauerei begann mit der Gründung im Jahr [[1492]], als Christoph Columbus gerade in ''die neue Welt'' segelte. Die kleine Gasthausbrauerei entwickelte sich in den über 500 Jahren zu Österreichs größter und führender Privatbrauerei. Das Gasthaus mit Brauereibetrieb bestand aus zwei Gebäuden an der [[Gstättengasse]], die bis an die Ecke zum heutigen [[Anton-Neumayr-Platz (Stadt Salzburg)|Anton-Neumayr-Platz]] reichten. Anstelle des Eckhauses zum Platz hatte sich in einem späteren Neubau noch bis 2008 das [[Gesundheitsamt der Stadt Salzburg|Gesundheitsamt]] befunden hatte. Ein Gebäude stand nach Süden hin an der heute ebenfalls nicht mehr bestehenden schmalen [[Stieglgasse]], die nach einer zum Städtischen Arm des [[Almkanal]]s hinunter führenden kleinen Stiege benannt war. Der dortige Almkanalarm verläuft heute verrohrt im Gehsteigbereich vor dem [[Haus der Natur]] zur [[Salzach]]. | |||
[[ | Anfangs hatte die Brauerei mit Problemen zu kämpfen. Erst unter der Führung von [[Michael Gapler]], der [[1638]] die verwitwete Braumeisterin Maria Risin heiratete, ging es mit der Brauerei bergauf. Das Ehepaar Rapler erreichte im Jahr [[1664]] einen Ausstoß von 1 792 Eimern Bier, was etwa eintausend Hektolitern entspricht. 1669 ließ Gapler das zweite große Gebäude an die Ecke zum Platz hin erbauen. Er war es auch, der dann nach der Fertigstellung des neuen Gebäudes [[1672]] den damals bereits gebräuchlichen Namen der Brauerei in einem Wandarm als Stiege darstellte. Mit der Demolierung des Gebäudes im Jahr [[1909]] ging der schmiedeeiserne Wandarm verloren. | ||
[[1705]] erwarb Gapler noch das schräg gegenüber der Brauerei befindliche Gebäude Gstättengasse 23. [[1740]] folgte dem Ehepaar Gapler [[Michael Knosp]], Besitzer des [[Höllbräu]]s, dem wieder Andrä Grafenhofer folgte und [[1765]] erwarb [[Johann Ambros Elixhauser]] die Stieglbrauerei. Einblicke in das rege Treiben im ''preuhaus auf der Gstetten'' geben die beiden Einschreibbücher des Johann Ambros Elixhauser, die die Jahre [[1756]] (also Ereignisse in früheren von Elixhauser geführten Betrieben) bis zu seinem Tod im Jahr [[1793]] umfassen und dann noch bis [[1809]] weitergeführt wurden. Elixhauser erfasste darin sehr genau alle Hochzeiten und Zunftage sowie andere Festivitäten. [[1787]] kaufte Elixhauser aus dem Konkurs von Knosp noch das Höllbräu dazu. | |||
Um 1800 gab es beim Stieglbräu, das nach wie vor nur Brauerei und Gasthaus war (kein Gasthof!), einen Gastgarten mit einer [[Kegelbahn]]. In den Gebäuden gab es eine Reihe von Räumen unterschiedlicher Größe. Hauptraum, [[Sitz]] genannte, war der erste Raum im Erdgeschoss, die Wirtsstube. | |||
[[1805]] erwarb der Brauer Josef Auer die gesamte Anlage um 12.550 [[Gulden]]. Mit jährlich rund 3 000 Eimern Bier war die Stieglbrauerei um diese Zeit die angesehenste Brauerei in der Stadt Salzburg.<ref>Quelle [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19330427&query=%22Stieglbrauerei%22&ref=anno-search&seite=5 ANNO], [[Salzburger Volksblatt]], Ausgabe vom 27. April 1933, Seite 5: 70 Jahre Stieglbrauerei</ref> | |||
=== | [[1819]] kaufte dann [[Johann Nepomuk Schreiner]], Bräumeister des [[Hofbräu Kaltenhausen|Hofbräus Kaltenhausen]] in Pension, die Stieglbrauerei an der Gstättengasse um 19.000 Gulden. [[1852]] übernahm diese sein Sohn [[Josef Schreiner]]. Seine Kinder verkauften diese [[1885]] an Firma Sylvester Paumgartner & Cie. Das Stieglbräu-Gasthaus am Beginn der Gstättengasse wurde dort noch weiter betrieben<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=edb&datum=1909&page=123&size=45&qid=R5FUHEH2MOKSA203CN4VI93ZM2GR91 Mittheilungen der kaiserl. königl. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Baudenkmale, Seite 234, Fig. 53 Salzburg, Stieglbräu-Gasthaus]</ref> und [[1909]] an die [[Stadtgemeinde Salzburg]] veräußert, die das sanierungsbedürftige Gebäude an das [[Ursulinenkloster Stadt Salzburg|Ursulinenkloster]] weiterverkaufte. Die [[Ursulinen]] ließen es abreißen und erbauten hier ein kirchliches Mädchen-Realgymnasium. Das Gebäude wurde nach Übersiedelung der [[Privatgymnasium St. Ursula|Ursulinenschule]] in den Jahren nach 1970 bis [[2008]] vom Gesundheitsamt Salzburg genutzt. Nach dem Umbau (2010) zog die Kinder- und Jugendanwaltschaft ein. | ||
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=== Der Stieglkeller === | |||
:''Hauptartikel [[Stieglkeller]] | |||
Knapp vor Übersiedlung des Betriebes in die Gemeinde [[Maxglan (Gemeinde)|Maxglan]] wurden [[1820]] in der [[Festungsgasse]] (am Fuße der [[Festung Hohensalzburg]]) mit dem Stieglkeller neue Lagerkapazitäten geschaffen. Der damalige Stieglbrauer Josef Schreiner gestaltete den Keller schließlich um und nutzte den anliegenden Garten zur Ausschank des Kellerbiers während der Sommermonate. Das war die Geburtsstunde des Stieglkellers als Ausflugslokal. | |||
=== Stiegl in Maxglan === | |||
[[1863]] übersiedelte Josef Schreiner die Stiegelbrauerei aus der Gstättengasse in die Gemeinde Maxglan in den von ihm neu errichteten Brauereikomplex, der schon zwölf Jahre später, am [[29. Dezember]] [[1875]], einem dreitägigen Brand zum Opfer fiel. Auszug aus dem Bericht der "[[Salzburger Zeitung]]" vom [[30. Dezember]] 1875:<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18751230&query=%22Kreuzbr%c3%bcckl%22&ref=anno-search&seite=2 ANNO], "[[Salzburger Zeitung]]", Ausgabe vom 30. Dezember 1875, Seite 2</ref> | |||
<blockquote>''[...] Doch nun zum Brande und dessen Entstehen. Den von uns an Ort und Stelle eingezogenen Erkundigungen nach ist der Brand in dem ältesten Trakte des Brauhauses, der gegen das Rochuswäldchen hin liegt, zum Ausbruche gekommen und zwar in der alten Dörre, welche gestern allein geheizt wurde indeß die neue Dörre, welche in dem Trakte gegen, das [[Kuranstalt Kreuzbrückl|Kreuzbrückl]] zu liegt, ungeheizt blieb. Ein Kamin der ersteren soll etwas schadhaft gewesen sein und da vermuthet man, daß sich durch einen Riß desselben Feuer dem Sparrenwerk des Daches mitgetheilt und so reichliche Nahrung gefunden habe. | |||
''Der sich zwischen drei und vier Uhr Nachmittags rasch entwickelnde Rauch machte auf die Gefahr aufmerksam und veranlaßte die Bräuburschen nach dem Sitze des Brandes zu forschen; allein der immer stärker werdende Rauch verhinderte dieß und so verstrich kostbare Zeit bei ganz erfolglosen Löschversuchen. Da um 4 Uhr drang die erste Flamme nächst der alten Dörre aus dem Dache und nun erst eilte man nach Hilfe. Herr Schreiner selbst fuhr in die Stadt herein und zeigte den Brand an, um ¼5 Uhr gab der Feuerwächter von der [[Festung Hohensalzburg|Festung]] herab das Signal, da er vermuthete, daß es in [[Sinnhub]] brenne; denn das Kreuzbrückl gehört nicht mehr zum Stadtrayon. Wenige Minuten später traf unsere brave [[Feuerwehr]], deren tüchtige und vortreffliche Organisation sich da wieder aufs Neue zeigte, am Brandorte ein. | |||
''Allein an ein Retten des brennenden Gebäudes war schon nicht mehr zu denken. Das ganze große Dach des Gebäudes glich einem wogenden Feuermeere. Das riesig angehäufte Malz– an 3000 Schaffel –, die ganzen großen Hopfenquantitäten gaben dem entfesselten Elemente nur zu reichliche Nahrung. Bald war der Brand in die unteren Stockwerke gedrungen, alles der Vernichtung weihend. | |||
''[...] Indessen hatte der Brand im Hauptgebäude immer größere Fortschritte gemacht und war unaufhaltsam bis ins Erdgeschoß gedrungen, nur das Sudhaus, sowie die neue Malzdörre, beide feuerfest eingewölbt, ragten noch in Mitte des Feuermeeres von den Flammen machtlos beleckt unversehrt empor. Dank den aufopfernden Anstrengungen der Feuerwehr blieben sie auch gerettet und so ist Hrn. Schreiner wenigstens die Möglichkeit geboten, in seiner Biererzeugung keine Unterbrechung eintreten lassen zu müssen; ein Vortheil wenigstens in so großem Unglücke, der für ihn unschätzbar ist. Erst um 1 Uhr Morgens war man | |||
[ | des Feuers gänzlich Herr geworden. | ||
''Auf dem Brandplatze hatte sich auch Se. Excellenz der Herr Statthalter Graf [[Sigmund Graf von Thun-Hohenstein|Sigmund Thun]] sowie der Herr [[Bezirkshauptmann]] Haubl und Hr. [[Vizebürgermeister|Vicebürgermeister]] [[Eligius Scheibl (Bürgermeister)|Scheibl]] eingefunden. Außerdem war zahlreiches Publikum hinausgeströmt, das bis tief in die Nacht dort verweilte. | |||
''Trotzdem an 200 Feuerwehrmänner am Brandorte in voller Thätigkeit waren, machte sich doch der Mangel an Spritzenmannschaft sehr fühlbar, so daß auch zum Löschdienste Militär, das zur Bildung des Feuerpiquets ohnedieß sofort nach avisirtem Brande dort erschienen war, zugezogen werden mußte. Um 5 Uhr Morgens verließ die letzte Feuerwehrabtheilung die Brandstätte. [...] Nicht vergessen dürfen wir der wackeren Nachbar-Feuerwehren von [[Hallein]], [[Reichenhall]] und [[Freilassing]], welche gleichfalls am Brandorte erschienen waren. | |||
''Der verursachte Schade übersteigt den Betrag von 100.000 [[Gulden|fl.]] bei Weitem, doch ist der größte Theil desselben, wie wir erfahren, durch Assekuranz gedeckt. Der [[Bergerbräu]]er, Herr Sigmund Hofmann erleidet gleichfalls einen Schaden von 3000 fl., weil er erst vorgestern eine Waggonladung Malz hatte in das nun abgebrannte Brauhaus schaffen lassen, damit es dort gedörrt werde.</blockquote> | |||
Nach Schreiners Tod kam [[Franz Huemer]] an die Spitze des damaligen Besitzerkonsortiums. Er und sein Neffe [[Heinrich Kiener I.|Heinrich Kiener]] (* 1870 † 1950) schufen die Voraussetzungen, dass die Brauerei schon 20 Jahre später ihren Ausstoß verfünffachen konnte. Das Talent von Heinrich Kiener I. in organisatorischen und geschäftlichen Dingen ließen aus der Brauerei einen Musterbetrieb entstehen, der auch schwierige Zeiten überstand. Kiener erlebte praktisch jeden Zustand des Unternehmens mit: von der "Wiedererweckung" durch seinen Onkel Franz Huemer und den Aufschwung zur Jahrhundertwende über die Notjahre während und nach dem [[Ersten Weltkrieg]], den Höhenflug der [[1920er]]-Jahre bis zur darauffolgenden Wirtschaftskrise, schließlich wieder Kriegsjahre verbunden mit Beschlagnahme und Ausverkauf. Nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] durfte Heinrich Kiener noch die ersten Erfolge des neuerlichen Aufbaus des Brauunternehmens miterleben. | |||
Heinrich Kiener I. war bis zu seinem Tod [[1950]] im Unternehmen tätig. Die Leitung ging dann auf seinen Stiefsohn Ing. [[Heinrich Kiener II.| Heinrich Kiener]] (* 1911 † 1990) über, unter dessen Führung die ''Stieglbrauerei zu Salzburg'' zur größten Privatbrauerei Österreichs wurde. | |||
In den 40 Jahren, die Heinrich Kiener II. der Stieglbrauerei vorstand, wurde der Betrieb laufend erneuert und modernisiert. Die Investitionen fanden ihren Niederschlag natürlich in der Bierproduktion, die sich in dieser Zeit fast vervierfachte: Waren es 1950 runde 130 000 Hektoliter Stiegl-Bier, die erzeugt wurden, steigerte sich der Ausstoß auf 511 000 Hektoliter im Jahr 1990. | |||
Einen wichtigen Schritt tat Stiegl-Direktor Kiener 1954 mit der Gründung der [[Salzburger Getränkeindustrie]] ([[Coca-Cola-Salzburg]]), der er ebenfalls als geschäftsführender Gesellschafter vorstand. Der Stiegl-Schwesterbetrieb (heute [[Stiegl Getränke & Service Gesellschaft]]) entwickelte sich zur bedeutendsten alkoholfreien Getränkefirma im Land Salzburg. | |||
Seit [[1991]] leitet Dr. [[Heinrich Dieter Kiener]] III. die Geschicke der Stieglbrauerei zu Salzburg. Als Großneffe und Adoptivsohn von Heinrich Kiener II. trat er 1985 in die Brauerei ein und wurde bereits in Jugendjahren auf seine zukünftige Aufgabe als Stiegl-Chef vorbereitet. Er studierte an der Universität Innsbruck Rechtswissenschaften sowie Betriebswirtschaft und sammelte Erfahrungen in Brauereien und Banken. Seine fachspezifische Ausbildung erhielt er an der [[Doemens-Schule]], einer Lehr- und Versuchsanstalt für Brauer in Gräfelfing bei München. Im April [[1985]] trat er in die Brauerei ein, wo er bald als rechte Hand des Chefs agierte. Als Marketing-Stratege war er schon damals offen für Neues. Nach dem Ableben von Heinrich Kiener II. [[1990]] übernahm er die Position des geschäftsführenden Gesellschafters. Im Mai 2010 heiratete er seine Lebensgefährtin Mag.<sup>a</sup><ref>{{Magistra}}</ref> Alessandra Kiener, die ebenfalls im Unternehmen tätig ist. | |||
Seit vielen Generationen wird die Brauerei als echtes Familienunternehmen geführt. Die Eigentümerfamilie [[Kiener]] lebt Tradition, bekennt sich zu nachhaltigem Wirtschaften und geht außerdem einen kompromisslosen Weg der besten Qualität. Mit einem Bierausstoß von rund einer Million Hektoliter und rund 700 MitarbeiterInnen in ganz Österreich ist Stiegl heute Österreichs größte Privatbrauerei. | |||
=== Österreichs größte und erfolgreichste Privatbrauerei === | |||
Am [[16. Dezember]] [[2009]] wurde in Maxglan der Millionste Hektoliter Stieglbier gebraut. Die Menge entspricht 200 Millionen Stiegl-Halben.<ref>[http://bit.ly/4LCT4s Stiegl Presseaussendung]</ref> | Am [[16. Dezember]] [[2009]] wurde in Maxglan der Millionste Hektoliter Stieglbier gebraut. Die Menge entspricht 200 Millionen Stiegl-Halben.<ref>[http://bit.ly/4LCT4s Stiegl Presseaussendung]</ref> | ||
==Stiegl heute== | === Stiegl heute === | ||
[[Bild:Stiegl_Noriker_Belieferung_Altstadt.jpg|thumb|Auch heute liefert die Stieglbrauerei in Salzburg noch mit ihrem traditionellen Tiger-Noriker-Gespann aus.]] | [[Bild:Stiegl_Noriker_Belieferung_Altstadt.jpg|thumb|Auch heute liefert die Stieglbrauerei in Salzburg noch mit ihrem traditionellen Tiger-Noriker-Gespann aus.]] | ||
Stiegl ist die einzige Brauerei in Österreich, die auch heute noch täglich ihre Biere (und andere Getränke aus dem Sortiment) in den Salzburger Stadtteilen [[Maxglan]], [[Riedenburg]] und [[Wals-Siezenheim]] mit der [[Stiegl-Pferde|Pferdekutsche]] ausliefert. Gebraut werden die Stiegl-Biere mit [[Untersberg]]er Quellwasser. Außerdem bezieht Stiegl die Gerste von heimischen Bauern in Niederösterreich und den Hopfen von Mühlviertler Bauern. Mit den Lieferanten wurden langfristige Abnahmeverträge geschlossen, die faire Preise garantieren sollen. | Stiegl ist die einzige Brauerei in Österreich, die auch heute noch täglich ihre Biere (und andere Getränke aus dem Sortiment) in den Salzburger Stadtteilen [[Maxglan]], [[Riedenburg]] und [[Wals-Siezenheim]] mit der [[Stiegl-Pferde|Pferdekutsche]] ausliefert. Gebraut werden die Stiegl-Biere mit [[Untersberg]]er Quellwasser. Außerdem bezieht Stiegl die Gerste von heimischen Bauern in [[Niederösterreich]] und den Hopfen von Mühlviertler Bauern. Mit den Lieferanten wurden langfristige Abnahmeverträge geschlossen, die faire Preise garantieren sollen. | ||
== Unternehmen == | |||
:''Hauptartikel [[Stiegl Betriebsholding GmbH]]'' | |||
:''Hauptartikel [[Stieglbrauerei zu Salzburg GmbH]] | |||
Seit [[1991]] leitet der promovierte Jurist und Betriebswirtschaftler Dr. [[Heinrich Dieter Kiener]] die Geschicke der Stieglbrauerei. | |||
1994 hatte die Brauerei ein Ausstoß von rund 600 000 Hektoliter [[Bier]]. Heute sind es mit rund 700 Mitarbeitern etwa eine Million Hektoliter. Seit 2013 veröffentlicht das Unternehmen keine Umsatzzahlen mehr, die Firmengruppe wird auf mehr als 170 Millionen Euro brutto geschätzt. | |||
Im Unternehmen sind 150 Lkw-Fahrer für insgesamt 120 Lkw beschäftigt. Vertriebsleute werden im Jargon "Bierversilberer" genannt. Das hauseigene Schankservice um rund 30 Mitarbeiter. | |||
=== Stiegl-Produktionsbereich === | |||
:''Hauptartikel: [[Stiegl-Produktionsbereich]]'' | |||
Die Produktion von Stiegl-Bieren findet auf 78 000 Quadratmetern statt. | |||
=== Stiegl-Nachhaltigkeitsbericht === | |||
Der [[Stiegl-Nachhaltigkeitsbericht]] wird von Stiegl seit [[1990]] alljährlich herausgegeben. | |||
=== Stiegl Brauwelt === | |||
===Stiegl Brauwelt=== | |||
[[Bild:Stiegl_Brauwelt_Eingang.jpg|thumb|Eingang zur [[Stiegl Brauwelt|Stiegl-Brauwelt]]]] | [[Bild:Stiegl_Brauwelt_Eingang.jpg|thumb|Eingang zur [[Stiegl Brauwelt|Stiegl-Brauwelt]]]] | ||
[[Bild:Stiegl_Brauwelt_Biergarten.jpg|thumb|Im Sommer erwartet die Besucher im Innenhof der [[Stiegl Brauwelt|Stiegl-Brauwelt]] ein gemütlicher Biergarten.]] | [[Bild:Stiegl_Brauwelt_Biergarten.jpg|thumb|Im Sommer erwartet die Besucher im Innenhof der [[Stiegl Brauwelt|Stiegl-Brauwelt]] ein gemütlicher Biergarten.]] | ||
:''Hauptartikel: [[Stiegl Brauwelt|Stiegl-Brauwelt]]'' | :''Hauptartikel: [[Stiegl Brauwelt|Stiegl-Brauwelt]]'' | ||
In der [[Stiegl Brauwelt|Stiegl-Brauwelt]], Europas größter Biererlebniswelt, erwartet die Besucher auf rund 5000 Quadratmetern mehr als 500 Jahre Salzburger Braukunst zum Anfassen. Das Herzstück des Museums ist die Erlebnisbrauerei,in der unter anderem die saisonalen Stiegl-Bierspezialitäten, wie die Stiegl-Hausbiere, in Handarbeit entstehen | In der [[Stiegl Brauwelt|Stiegl-Brauwelt]], Europas größter Biererlebniswelt, erwartet die Besucher auf rund 5000 Quadratmetern mehr als 500 Jahre Salzburger Braukunst zum Anfassen. Das Herzstück des Museums ist die Erlebnisbrauerei,in der unter anderem die saisonalen Stiegl-Bierspezialitäten, wie die Stiegl-Hausbiere, in Handarbeit entstehen. | ||
===Stiegl Braugewölbe=== | === Stiegl Braugewölbe === | ||
:''Hauptartikel: [[Stiegls Braugewölbe]]'' | :''Hauptartikel: [[Stiegls Braugewölbe]]'' | ||
Im 370 qm großen ehemaligen Braugewölbe finden und fanden zahlreichen Veranstaltungen statt, unter anderen auch der [[Jazzherbst|Salzburger Jazzherbst]]. | Im 370 qm großen ehemaligen Braugewölbe finden und fanden zahlreichen Veranstaltungen statt, unter anderen auch der [[Jazzherbst|Salzburger Jazzherbst]]. | ||
===Stiegl-Terminal=== | === Stiegl-Terminal === | ||
:''Hauptartikel: [[Stiegl-Terminal]]'' | :''Hauptartikel: [[Stiegl-Terminal]]'' | ||
Der Stiegl-Terminal ist ein im Dezember [[2010]] eröffnetes Lokal im Eingangsbereich des [[Salzburg Airport]]. | Der Stiegl-Terminal ist ein im Dezember [[2010]] eröffnetes Lokal im Eingangsbereich des [[Salzburg Airport]]. | ||
===Stiegl-Gelände als Veranstaltungsort für Brauchtumsveranstaltungen=== | === Stiegl-Gelände als Veranstaltungsort für Brauchtumsveranstaltungen === | ||
[[Datei:Stiegl_Maibaum_Aufstellen_2012.jpg|thumb|Maibaumaufstellen auf der Festwiese der Stieglbrauerei im Jahr 2012]] | [[Datei:Stiegl_Maibaum_Aufstellen_2012.jpg|thumb|Maibaumaufstellen auf der Festwiese der Stieglbrauerei im Jahr 2012]] | ||
Das alljährliche Aufstellen des Maibaums bei der Stieglbrauerei stellt eine schon zur Tradition gewordene und beliebte Veranstaltung dar. Beim Stiegl-Maibaumfest 2012 wurden | [[Datei:Stiegl_Maibaum_Aufstellen_Krone.jpg|thumb|Maibaumaufstellen in der Stieglbrauerei im Jahr 2012]] | ||
Das alljährliche Aufstellen des Maibaums bei der Stieglbrauerei stellt eine schon zur Tradition gewordene und beliebte Veranstaltung dar. Beim Stiegl-Maibaumfest 2012 wurden 4 000 Besucher gezählt. | |||
== | == Kartellstrafe == | ||
Die Brauerei wurde zusammen mit dem Marktführer Brau Union Österreich AG und der Brauerei Ottakringer im Zusammenhang eines seit 1999 geltenden Lieferboykotts für Fassbier für Cash- & Carry-Märkte von der Bundeswettbewerbshörde (BWB) geklagt und vom Kartellgericht im Februar 2012 rechtskräftig verurteilt. Demnach musste Stiegl 170 000 Euro Strafe zahlen, Brau Union 750 000 und Ottakringer 190 000 Euro. Der Brauereiverband hatte 1999 beschlossen, wegen Qualitäts- und Hygienebedenken Großverbrauchermärkte nicht mehr mit Fassbier zu beliefern. Das wurde vom Kartellgericht im Februar 2012 letztlich für nicht zulässig befunden. Das bemängelte Verhalten sei bereits 2011 abgestellt worden<ref>Quellen: {{Quelle SN|6. März 2012}}, [http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/737533/111-Mio-Euro-Strafe-fuer-Bierbrauer-wegen-Lieferboykott diepresse.com]</ref>. | |||
==Produktpalette== | == Produktpalette == | ||
*[[Stiegl-Goldbräu]] | *[[Stiegl-Goldbräu]] | ||
:Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 12° | :Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 12° | ||
*[[Stiegl-Pils]] | *[[Stiegl-Pils]] | ||
:Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 11, | :Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 11,4° | ||
*[[Stiegl-Leicht]] | *[[Stiegl-Leicht]] | ||
:Alkoholgehalt: 3,3 Vol.% Stammwürze: | :Alkoholgehalt: 3,3 Vol.% Stammwürze: 7° | ||
*[[Stiegl-Paracelsus-Zwickl]] | *[[Stiegl-Paracelsus-Zwickl]] | ||
:Alkoholgehalt: 5,0 Vol.% Stammwürze: 12° | :Alkoholgehalt: 5,0 Vol.% Stammwürze: 12° | ||
*[[Stiegl-Radler]] Zitrone | *[[Stiegl-Gold-Spezial|Stiegl-Spezial]] | ||
:Alkoholgehalt: 2,5 Vol.% | :Alkoholgehalt: 5,2 Vol.% Stammwürze 12,5° | ||
*[[Stiegl-Gaudi-Radler]] Zitrone | |||
:Alkoholgehalt: 2,5 Vol.% 50% Goldbräu 50 % Fruchtlimonade | |||
*[[Stiegl-Gaudi-Radler]] Grapefruit | |||
:Alkoholgehalt: 2,5 Vol.% 40% Goldbräu 60 % Fruchtlimonade | |||
*[[Stiegl-Weisse]] | *[[Stiegl-Weisse]] | ||
:Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12° | :Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12° | ||
*[[Stiegl-Weisse-Holunder-Radler]] | *[[Stiegl-Weisse-Holunder-Radler]] | ||
:Alkoholgehalt: 2,0 Vol.% | :Alkoholgehalt: 2,0 Vol.% 40% Stiegl-Weisse 60% Holunderblütenlimonade | ||
*[[Stiegl-Sport-Weisse]] | *[[Stiegl-Sport-Weisse]] | ||
:alkoholfrei | :alkoholfrei | ||
*[[Stiegl-Freibier]] | |||
:alkoholfrei | |||
*[[Flüx]] | *[[Flüx]] | ||
:Brau-Limonade mit Aronia-Beeren | :Brau-Limonade mit Aronia-Beeren | ||
===Sonderprodukte=== | === Sonderprodukte === | ||
*[[Stiegl- | *[[Stiegl-Monatsbiere|Stiegl-Hausbiere]] | ||
:handgemachte saisonale Bio-Bier-Spezialitäten | :handgemachte saisonale Bio-Bier-Spezialitäten | ||
*[[Stiegl-Jahrgangsbiere]] | |||
:jährliche limitierte Bier-Edition | |||
*[[Stiegl-Herbst-Gold]] | *[[Stiegl-Herbst-Gold]] | ||
:Alkoholgehalt: 5,2 Vol.% Stammwürze: 12, | :Alkoholgehalt: 5,2 Vol.% Stammwürze: 12,5° | ||
*[[Original Stiegl-Bock]] | *[[Original Stiegl-Bock]] | ||
:Alkoholgehalt: 7 Vol.% Stammwürze: 16,5° | :Alkoholgehalt: 7 Vol.% Stammwürze: 16,5° | ||
*[[Stiegl-Pale-Ale]] | |||
:Alkoholgehalt: 5,0 Vol.% Stammwürze: 12° | |||
*[[Stiegl-Schwarzbier]] | |||
:Alkoholgehalt: 4,9 Vol.% Stammwürze: 12° | |||
*[[Stiegl-Ruprecht]]. Glühbier Zur Weihnacht. | |||
:Alkoholgehalt: 4,0 Vol.% | |||
*[[Stiegl-Dunkelziffer]] | |||
:Alkoholgehalt: 6,2 Vol.% Stammwürze: 14,6° | |||
===Frühere Biere=== | === Frühere Biere === | ||
*[[Stiegl-Weizengold]] "Hefefein" (eingestellt 2011 zugunsten der Stiegl Weisse) | *[[Stiegl-Weizengold]] "Hefefein" (eingestellt 2011 zugunsten der Stiegl Weisse) | ||
:Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12° | :Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12° | ||
*[[Stiegl-Weizengold]] "Dunkel" (eingestellt 2011 zugunsten der Stiegl Weisse) | *[[Stiegl-Weizengold]] "Dunkel" (eingestellt 2011 zugunsten der Stiegl Weisse) | ||
:Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12° | :Alkoholgehalt: 5,1 Vol.% Stammwürze: 12° | ||
*[[Stiegl-Gaudi-Radler]] Himbeer | |||
:Alkoholgehalt: 2,5 Vol.% | |||
== | == Bilder == | ||
{{Bildkat}} | |||
==Literatur== | == Literatur == | ||
* [[Harald Waitzbauer]] (Text), | * [[Harald Waitzbauer]] (Text), Gerhard Trumler (Illustrationen): ''500 Jahre Salzburger Stiegl-Bier, 1492 - 1992'', Christian Brandstätter Verlag, Wien 1992, ISBN 3-85447-406-7 | ||
* [[Harald Waitzbauer]], ''525 Jahre Salzburger Stiegl-Bier''. Die Brauerei mit Zukunft und Tradition. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2017. ISBN 978-3-7106-0124-8 | |||
==Quellen== | == Weblinks == | ||
*[http://www.stiegl.at Offizieller Webauftritt "Stieglbrauerei zu Salzburg"] | |||
*[http://facebook.com/stieglbrauerei Facebookseite Stieglbrauerei] | |||
*[http://twitter.com/stieglbrauerei Twitteraccount @Stieglbrauerei] | |||
* [http://www.stadt-salzburg.at/jpg/stiegl_braeu_von_der_griesgasse_aus_um_1_000859631.jpg historische Aufnahme vom Gebäude an der Gstättengasse] | |||
== Quellen == | |||
* Stieglbrauerei zu Salzburg | * Stieglbrauerei zu Salzburg | ||
* Geschichte von [[Maxglan]] | * Geschichte von [[Maxglan]] | ||
* ' | * '{{Quelle 900 Jahre Festung Hohensalzburg}} | ||
* ''[[Salzburger Fotografien 1880–1918]] aus dem [Karl Friedrich Würthle|Atelier Würthle]]'', Schriftenreihe des Archivs der Stadt Salzburg 18, 2003, ISBN 3-901014-93-4 | |||
* {{Quelle SN|11. Mai 2018, [[Gerald Stoiber]]: "Neuer Stiegl-Chef stellt Weichen um"}} | |||
* [[Gerhard Ammerer]], Harald Waitzbauer]]: [[Wirtshäuser – eine Kulturgeschichte der Salzburger Gaststätten]], ''Wirtshausalltag und gastronomische Festkultur'', Seite 55f | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references /> | <references /> | ||
[[Kategorie:Wirtschaft]] | |||
[[Kategorie:Unternehmen]] | [[Kategorie:Unternehmen]] | ||
[[Kategorie:Unternehmen (Geschichte)]] | [[Kategorie:Unternehmen (Geschichte)]] | ||
[[Kategorie:Kultur und Bildung]] | |||
[[Kategorie:Kulinarisches]] | |||
[[Kategorie:Getränke]] | |||
[[Kategorie:Bier]] | [[Kategorie:Bier]] | ||
[[Kategorie:Brauerei]] | [[Kategorie:Brauerei]] | ||
[[Kategorie:Stadt Salzburg]] | [[Kategorie:Stadt Salzburg]] | ||
[[Kategorie:Maxglan]] | [[Kategorie:Maxglan]] | ||