Rajsigl: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Bild:FirmaMirabell.jpg|thumb|Die Gebäude der Firma in [[Grödig]].]]
[[Datei:2025_09_15__Mozartkugeln_Rajsigl Salzburg Schokolade Salzburg_Hauptbahnhof.jpg|thumb|Viele Jahre war die Süßwarenfirma Rajsigl in [[Grödig]], später "Mirabell" und dann bis zur Schließung des Unternehmens Ende 2024 "Salzburg Schokolade GmbH", für ihre "echten Mozartkugeln" bekannt.]]
Die Süßwarenfirma '''Rajsigl''', später "Mirabell" und dann bis zur Schließung des Unternehmens "Salzburg Schokolade GmbH", war ein Süßwarenhersteller in der [[Flachgau]]er Marktgemeinde [[Grödig]]. Das Unternehmen wurde nach 127 Jahren am [[6. Dezember]] [[2024]] geschlossen.
Die Süßwarenfirma '''Rajsigl''', später "Mirabell" und dann bis zur Schließung des Unternehmens "Salzburg Schokolade GmbH", war ein Süßwarenhersteller in der [[Flachgau]]er Marktgemeinde [[Grödig]]. Das Unternehmen wurde nach 127 Jahren am [[6. Dezember]] [[2024]] geschlossen, die GmbH ging im darauffolgenden Jahr in Konkurs.


== Geschichte ==
== Geschichte ==
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=== 1948 wurde das Werk in Grödig eröffnet ===
=== 1948 wurde das Werk in Grödig eröffnet ===
[[Bild:FirmaMirabell.jpg|thumb|Die Gebäude der Firma in [[Grödig]].]]
Vor dem [[Ersten Weltkrieg]] waren 240 Arbeiter und Angestellte im Unternehmen tätig. Während des [[Zweiten Weltkrieg]]s war die Produktion eingestellt, die erst wieder am [[17. April]] [[1946]] in der [[Vierthalerstraße (Stadt Salzburg)|Vierthalerstraße]] aufgenommen wurde. Die Rajsigl-Fabrik in der Stadt wurde bald zu klein und so errichtete man [[1948]] in der [[Flachgau]]er Marktgemeinde [[Grödig]] ein neues Firmengebäude für einen Filialbetrieb.  Um diese Zeit wurde das Unternehmen von Kappel &amp; Kluge aus der [[Tschechoslowakei]] übernommen.<ref>[http://www.chocolatewrappers.info/Rakousko/Mirabell/mirabell.htm www.chocolatewrappers.info], abgefragt am 30. November 2021</ref><ref name="EKra">Lt. Zeitzeugin Edith Krackowizer, deren Mutter jahrzehntelang in diesem Unternehmen arbeitete.</ref>
Vor dem [[Ersten Weltkrieg]] waren 240 Arbeiter und Angestellte im Unternehmen tätig. Während des [[Zweiten Weltkrieg]]s war die Produktion eingestellt, die erst wieder am [[17. April]] [[1946]] in der [[Vierthalerstraße (Stadt Salzburg)|Vierthalerstraße]] aufgenommen wurde. Die Rajsigl-Fabrik in der Stadt wurde bald zu klein und so errichtete man [[1948]] in der [[Flachgau]]er Marktgemeinde [[Grödig]] ein neues Firmengebäude für einen Filialbetrieb.  Um diese Zeit wurde das Unternehmen von Kappel &amp; Kluge aus der [[Tschechoslowakei]] übernommen.<ref>[http://www.chocolatewrappers.info/Rakousko/Mirabell/mirabell.htm www.chocolatewrappers.info], abgefragt am 30. November 2021</ref><ref name="EKra">Lt. Zeitzeugin Edith Krackowizer, deren Mutter jahrzehntelang in diesem Unternehmen arbeitete.</ref>


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=== Verwertung der Gebäude ===
=== Verwertung der Gebäude ===
Ende März 2025 wird bekannt, dass die Salzburger Immobilientreuhänder [[Franz Stiller]] (Stiller &amp; Hohla) und Marco Sillaber haben die Liegenschaft um zehn Millionen Euro gekauft haben. Auf der Seite von Franz Stiller wird der Kauf über die SAPEG abgewickelt. Diese gehört zu 60 Prozent der Firma Stiller &amp; Hohla sowie zu jeweils 20 Prozent Franz Stiller und Leo Hohla. Sillaber hat mit Partnern unter anderem Projekte wie das [[Gusswerk]], die [[Panzerhalle]] oder das [[Handelszentrum Bergheim|Handelszentrum]] 16 in [[Bergheim]] umgesetzt.
Ende März 2025 wird bekannt, dass die Salzburger Immobilientreuhänder [[Franz Stiller]] (Stiller &amp; Hohla) und [[Marco Sillaber]] die Liegenschaft um zehn Millionen Euro gekauft haben. Auf der Seite von Franz Stiller wird der Kauf über die SAPEG abgewickelt. Diese gehört zu 60 Prozent der Firma Stiller &amp; Hohla sowie zu jeweils 20 Prozent Franz Stiller und Leo Hohla. Sillaber hat mit Partnern unter anderem Projekte wie das [[Gusswerk]], die [[Panzerhalle]] oder das [[Handelszentrum Bergheim|Handelszentrum]] 16 in [[Bergheim]] umgesetzt.


Das neue Unternehmen firmiert unter dem Namen "Schokofabrik GmbH": In den ehemaligen Industriehallen sollen rund 18&nbsp;700 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen entstehen - im ''Industrial Style''. Stiller: "Wir planen mit dem Bestand und nicht gegen den Bestand. Wir wollen noch heuer mit dem Bau beginnen. In drei bis vier Jahren soll das Quartier Schokofabrik in Betrieb sein - mit rund 400 Arbeitsplätzen." Die Rede ist davon, dass in den Hallen neue Atrien entstehen - die Licht in die Räume leiten sollen. Ein Fixpunkt: Zwei Unternehmen aus dem Bereich von Marco Sillaber (Möbel und Fitnessgeräte) übernehmen rund 1&nbsp;500 Quadratmeter Produktionsfläche. Die Schokofabrik GmbH bietet sowohl Kauf- als auch Mietvarianten an - für Selbstausbau- oder Weiterbaulösungen.
Das neue Unternehmen firmiert unter dem Namen "Schokofabrik GmbH": In den ehemaligen Industriehallen sollen rund 18&nbsp;700 Quadratmeter Büro- und Gewerbeflächen entstehen - im ''Industrial Style''. Stiller: "Wir planen mit dem Bestand und nicht gegen den Bestand. Wir wollen noch heuer mit dem Bau beginnen. In drei bis vier Jahren soll das Quartier Schokofabrik in Betrieb sein - mit rund 400 Arbeitsplätzen." Die Rede ist davon, dass in den Hallen neue Atrien entstehen - die Licht in die Räume leiten sollen. Ein Fixpunkt: Zwei Unternehmen aus dem Bereich von Marco Sillaber (Möbel und Fitnessgeräte) übernehmen rund 1&nbsp;500 Quadratmeter Produktionsfläche. Die Schokofabrik GmbH bietet sowohl Kauf- als auch Mietvarianten an - für Selbstausbau- oder Weiterbaulösungen.


Der Sanierungsplan sah vor, dass die Gläubigerforderungen zu 100 Prozent beglichen werden - 80 Prozent sind noch offen. Als Absicherung diente die Liegenschaft. Laut Hirtzberger dürfte die Quote mit Verkauf der Liegenschaft jetzt auf 70 bis 75 Prozent steigen.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/nach-mozartkugel-in-schokofabrik-groedig-arbeitsplaetze-175914988 www.sn.at], 28. März 2025</ref>
Der Sanierungsplan sah vor, dass die Gläubigerforderungen zu 100 Prozent beglichen werden - 80 Prozent sind noch offen. Als Absicherung diente die Liegenschaft. Laut Hirtzberger dürfte die Quote mit Verkauf der Liegenschaft jetzt auf 70 bis 75 Prozent steigen.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/nach-mozartkugel-in-schokofabrik-groedig-arbeitsplaetze-175914988 www.sn.at], 28. März 2025</ref>
=== Mai 2025: Neuerlicher Konkurs ===
Ende 2021 war das Traditionsunternehmen in die Insolvenz gerutscht, das Verfahren konnte dank eines Sanierungsplans mit einer 100-prozentigen Rückzahlung an die Gläubiger im Februar 2022 abgewendet werden. Die erste Teilquote von 20 Prozent wurde damals fristgerecht ausgezahlt. Die restlichen 80 Prozent sollten bis Februar 2025 beglichen werden – abgesichert durch Unternehmensliegenschaften, die an den damaligen Insolvenzverwalter als Treuhänder übertragen wurden, berichtet der Kreditschutzverband 1870 (KSV1870) in einer Aussendung am [[28. Mai]] 2025. Gutachten hätten nun für die Liegenschaften mit rund 9,9&nbsp;Millionen Euro einen deutlich niedrigeren Wert ausgewiesen, als ursprünglich angenommen. Damit sei die Voraussetzung für die Auszahlung der zweiten Sanierungsplanquote nicht mehr gegeben, der Verkauf der Immobilien stehe somit unmittelbar bevor.
Das Unternehmensvermögen besteht nach Angaben des KSV1870 aktuell nur noch aus Liegenschaften – letztlich ohne Sachanlagevermögen. Die Schulden werden mit etwa 7,7&nbsp;Millionen Euro beziffert, wobei der exakte Schuldenstand erst nach Abschluss der Immobilienverwertung feststehen wird. Betroffen waren nun im Mai 300 Gläubiger. Bis Ende Dezember 2024 waren noch 58 Angestellte beschäftigt, Ende April 2025 wurden die letzten Dienstverhältnisse aufgelöst.<ref>[[SALZBURG24]] vom [https://www.salzburg24.at/news/salzburg/flachgau/salzburg-schokolade-liegenschaft-in-groedig-steht-vor-verkauf-art-291557 28. Mai 2025]</ref>


== Ehemalige Produkte ==
== Ehemalige Produkte ==