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Brief von Anna Mayer, Neumarkt, an [[Franziska Spängler]] in Salzburg; ein Bogen mit Prägedruck "Anna Mayer // Neumarkt"; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz:<br />
 
Brief von Anna Mayer, Neumarkt, an [[Franziska Spängler]] in Salzburg; ein Bogen mit Prägedruck "Anna Mayer // Neumarkt"; ohne Umschlag; / = Seitenwechsel; // = Absatz:<br />
 
''Hochwohlgeborene Gnädige // Fräulein Mam! // Wir hatten die Ehre u: die Freude von gnädigen Herrn Payer durch die Verlobungskarte zu erfahren das[s] Gnädige Fräulein Mam entschloßen seien Sich zu vermählen. // Wir erlauben uns dazu von ganzen Herzen tausendmal Glück zu wünschen möge der mächtige Himmel seinen vollen Segen den guten edelsten Brautpaar schenken u: wolle dieser Segen fort u: fort verbleiben um recht glücklich u: zufrieden immer zu sein. / Bei meinen letzten Salzburg reisen getraute ich mir keinen Besuch zu machen da ich mir denke wie jetzt gnädige Fräulein Mam fortwährend in Anspruch genommen werden sein u: so auch die Frau Großmutter. // Unsere aufrichtigen besten Wünsche wiederholend empfehlen wir uns // Hochachtungsvollst // Christian Anna Mayer // Neumarkt 2/10 [18]71. / Wir bitten unser beiden höflichsten Empfehlungen // an gnädigen Herrn Payer u: Frau Mama wie unser beiden Handkuß an die // Verehrteste Frau Mam.''
 
''Hochwohlgeborene Gnädige // Fräulein Mam! // Wir hatten die Ehre u: die Freude von gnädigen Herrn Payer durch die Verlobungskarte zu erfahren das[s] Gnädige Fräulein Mam entschloßen seien Sich zu vermählen. // Wir erlauben uns dazu von ganzen Herzen tausendmal Glück zu wünschen möge der mächtige Himmel seinen vollen Segen den guten edelsten Brautpaar schenken u: wolle dieser Segen fort u: fort verbleiben um recht glücklich u: zufrieden immer zu sein. / Bei meinen letzten Salzburg reisen getraute ich mir keinen Besuch zu machen da ich mir denke wie jetzt gnädige Fräulein Mam fortwährend in Anspruch genommen werden sein u: so auch die Frau Großmutter. // Unsere aufrichtigen besten Wünsche wiederholend empfehlen wir uns // Hochachtungsvollst // Christian Anna Mayer // Neumarkt 2/10 [18]71. / Wir bitten unser beiden höflichsten Empfehlungen // an gnädigen Herrn Payer u: Frau Mama wie unser beiden Handkuß an die // Verehrteste Frau Mam.''
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==== Postkarte vom 6. Oktober 1871 von Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
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"Correspondenz-Karte" von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]], vorgedruckt 2 kr, gestempelt "Salzburg Stadt 6/10 11 Mitt 71"; "Herrn Doctor Franz Spängler // kk. Gerichtsadjunkt." // in // "Mödling // bei Wien.", oben ergänzt von Franz Spängler "XXVII erh[alten] beantw[ortet] 7/10"; rückseitig gestempelt "Mödling…":<br />
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''Sbg:'' am ''6. Okt.'' 187''1''. // ''Brief zu schreiben, fehlt die Zeit, wenn möglich kom[m]t morgen ein Brief. // Viele Grüße. // F.''
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==== Brief vom 6. und 7. Oktober 1871 von Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
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Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] mit Umschlag, oben aufgeschnitten; 5 kr. Marke mit Poststempel "Salzburg Stadt 7 1/0 [!] 11-12 Mitt 71"; rückseitig blauer Prägedruck "F S" und verwischter Stempel; "Herrn // Doctor [unterstrichen:] Franz Spängler // k. k. Gerichtsadjunkt // in // [unterstrichen:] Mödling // bei [unterstrichen:] Wien", oben ergänzt von Franz Spängler "XXVIII erh[alten] 8/10 1871 // beantw[ortet] 9/10 1871". Zwei Bögen mit Prägedrucken "F S" blau und gold; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = schwer lesbar; Leseabsätze eingefügt:<br />
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''Salzburg 6. Oktober 1871. // ½ 8 Uhr früh // Lieber Franz! // Ich beginne die gestern versprochene Fortsetzung meines Briefes weiß aber nicht, wie weit ich damit komme, da wir wahrscheinlich Vormittag nach Hallein fahren werden. // Zunächst muß ich berichten, daß ich mich wegen dem Juristenkränzchen, freilich mühsam, getröstet habe, und sogar beginne, mich in das Geschick, an dich meine Freiheit verloren zu haben, mit Würde zu ergeben, ja zuweilen, aber sag‘ es Niemand, zuweilen freue ich mich sogar darüber. Minna verspricht, deinen guten Rath zu befolgen, und läßt dich grüßen. Es ist recht lieb von dir, daß du immer wünschest, ich könnte all das Schöne was Wien bietet, mit dir genießen, noch müßen wir aber Geduld haben, denn meine stille Hoffnung, doch in diesem Herbst nach Wien zu kommen, ist recht gründlich vernichtet. / 6. Oktober 8 ¼ Uhr Abends. // Wir waren wirklich in Hallein, kamen aber schon um 6 Uhr Abends heim. Es war ein wunderschöner Tag heute, die Umrisse der Berge zeichneten sich so scharf von dem blauen Himmel ab, daß es eine wahre Pracht war. Zudem ist schon Alles beschneit, was ganz wunderschön aussieht. // Wir fuhren also um 9 ½ Uhr früh von hier weg in Gesellschaft der Familie Plachetka und der Herren Doctoren Lorinser und Öttinger, auch Anna [[Fendt]] war dabei. Von Hallein aus machten wir vor Tische einen Spaziergang auf den Dürrnberger Weg, wo man eine sehr schöne Aussicht über das Salzachthal genießt. Dr. Lorinser u. Minna zeichneten eine kleine Mühle, wir Andern gingen noch etwas weiter. Ich war, was übrigens wie du weißt bei mir ziemlich selten ist, recht herzlich verstimmt, und in Folge dessen ziemlich einsilbig. Schließlich war ich über mich selbst ärgerlich, wodurch aber meine Laune eben auch nicht besser ward. Gegen Mittag wurde ich erst wieder gesprächiger. /''
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''Das Mittagsma[h]l wurde beim Auböck eingenommen. Nach Tisch besichtigten wir die Cigarrenfabrik, was uns Alle sehr interessi[e]rte. In der nächsten Woche wird schon das neue Gebäude bezogen werden können. Dann sahen wir auch die Saline an, und fuhren, wie bereits erwähnt mit dem Zuge um 4 Uhr nach Salzburg. Wie oft gedachte ich heute der Stunde, die wir Beide zusammen heuer in Hallein zugebracht haben. // Hast du schon daran gedacht, daß ich heute bereits vier Wochen deine Braut bin. // Wie doch die Zeit so schnell vergeht. So wird auch bald das Weihnachtsfest herankommen, wo wir uns hoffentlich sehen werden. Wie ich mich freue! Großmutter hat ganz entschieden erklärt, daß sie in diesem Herbste keinenfalls nach Wien reisen wird trotz aller Bitten und dem Zureden sowo[h]l des Dr. Lorinser als auch meines Vaters, die sich wirklich bemühten eine Reise nach Wien als sehr notwendig erscheinen zu lassen. / Deine Idee, ich solle für einige Wochen zu Lorinser, ist auch nicht ausführbar, erstens weil es Großmutter durchaus nicht notwendig findet, daß ich heuer noch nach Wien komme [?], und zweitens weil ich bei Lorinser schwer Platz fände. So heißt es aber hübsch geduldig sein. Wir wollen denken [?], daß wir ja in nicht sehr langer Zeit für immer vereint werden, und wollen uns einstweilen darauf freuen. Wenn ich für einige Wochen nach Wien reiste, würde ja auch mit der Ausstattung nichts vorwärts gehen, und es giebt doch so viel zu thun! Manchmal male ich mir aus, wie unser künftiges Gefängniß [gestrichen:] ausgestattet eingerichtet sein wird. Da müßen wir erst mündlich darüber verhandeln. Für heute aber gute Nacht du Lieber, ich bin herzlich müde und schläfrig. Good night my dear friend! /''
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[zweiter Bogen:] ''7. Oktober 1871. 8 Uhr früh. // Heute Nachmittag werde ich die erste englische Stunde für mich allein haben. Ich hoffe es soll mir recht nützen, namentlich wird es für die Aussprache gut sein, wenn ich mit Mehs Urry [?] lese. // Es wäre recht hübsch, wenn du Gelegenheit fändest, auch diese Sprache zu lernen, wir könnten dann einmal gemeinschäftliche Studien in der engl. Literatur machen. Wie ich bemerkte, hast du ein sehr gutes Gedächtniß, da würde es dir ja auch leicht, diese Sprache zu erlernen, die ohnehin in so vielen Wörtern an die französische und deutsche Sprache sich lehnt. Minna spricht sehr schön englisch. Da werde ich auch als Frau Gelegenheit finden mich zu üben. // Ich mußte lachen, daß je[t]zt in Mödling die Luft so günstig für das Heiraten ist! Es wird ja ordentlich epidemisch, und jene die ihr Haupt nicht unter das süße Joch der Ehe bringen wollen, werden gut thun diesen gefährlichen Ort zu verlaßen. / ''
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''Weißt du daß Schumacher hier ist? Der Glückliche hat einen ganzen Monat Urlaub! Emma ist natürlich sehr vergnügt. Die könnten uns leicht 14 Tage abtreten, daß wir auch so zusammen sein könnten, nicht wahr? Wie sehr würde ich wünschen daß auch Lida<ref>Lida Plachetka, im November 1871 verheiratet Guttenberg</ref> und Minna'' [Lorinser] ''bald glücklich ihr Ziel erreichten! // Lida macht mir oft bange, ich fürchte, ihr so lang gehegter Wunsch wird sich nicht erfüllen. Und gerade ich wünschte ihr so sehr, daß sie glücklich würde. Minna ist ein eigenes Geschöpf. Je öfter ich mit ihr zusammen bin, desto mehr begreife ich, daß sie den, der ihre Liebe besi[t]zt, glücklich machen muß. Sonderbarer Weise ist sie in ihrer eigenen Familie die am wenigsten Bevorzugte. Mein Urtheil über ihre Mutter ist durchaus nicht günstiger geworden. Ich weiß nicht was diese Frau bestimmt, / ihren Töchtern ein solches Mißtrauen gegen alle Welt beizubringen. Und Minna hat so sehr die Fähigkeit, sich mit aller Liebe und allem Vertrauen anzuschließen und hat mehr als manche Andere das Bedürfniß Liebe zu empfangen und zu geben. Daß du dich mit recht viel Geduld rüstest, mir dermaleinst die Gründe für das Nichtgewähren eines Plausches auseinander zu setzen, ist recht gut, ich werde dieselbe gewiß manchmal in Anspruch ne[h]men müßen! Ich bin so böse auf mich selbst, wenn ich sehe, wie ich mich zuweilen gar nicht geherrschen kann. //''
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''Aber den Pantoffel hast du, glaube ich, nicht zu fürchten, da habe ich viel mehr Aussicht, darunter zu kommen. Also heute Abend beginne ich, zwei Geibelsche Gedichte zu lesen. Ich komme je[t]zt wenig zum Lesen und auch wenig zum Arbeiten. Es werden die le[t]zten schönen Tage zum Ausgehen benützt. / Wenn ich die noch bestellten Fotografien habe, muß ich anfangen die verschiedenen Briefe zu beantworten, die nach meiner Verlobungsanzeige eintrafen. Bis Minna fort sein wird, werde ich gar nicht anfangen zu schreiben, aber dann benütze ich die nun schon langen Abende. Dann werde ich auch deine lieben Briefe wieder in Ordnung beantworten können. // Für heute werde ich nun auch schließen und dafür meine Nähmaschine etwas in Bewegung setzen. Minna ist mit ihrem Papa heute auf dem Tannberge. // Meine gestrige Correspondenzkarte hast du hoffentlich bekommen. // Ich freue mich nun schon wieder, recht bald von dir zu hören. Hast du noch immer so viel Arbeit? Ist der neue Herr College nun endlich in Thätigkeit? // Lebe recht, recht wo[h]l es küßt dich // deine treue Fanni // Grüße v. Großmutter, den Eltern u. allen Bekannten.'' [sehr klein:] ''Keine Frau darf aus XX, dann [?] aushält ein lieb Gedanken.''
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==== Brief vom 9. Oktober 1871 von Fanni Schlegel an Franz Spängler ====
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Brief von [[Franziska Spängler]] an [[Franz II. Xaver Gregor Spängler]] mit Umschlag, oben aufgeschnitten; 5 kr. Marke mit Poststempel "Salzburg Stadt […]"; rückseitig blauer Prägedruck "F S" und zwei verwischte Stempel, "10 / 10"; "Herrn // Doctor [unterstrichen:] Franz Spängler // kk. Gerichtsadjunkt // in // [unterstrichen:] Mödling // bei [unterstrichen:] Wien", oben ergänzt von Franz Spängler "XXIX erh[alten] 10/10 1871 // beantw[ortet] mit XXX am" [leer] "/10 1871." Ein Bogen; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = schwer lesbar; Leseabsätze eingefügt:<br />
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''Salzburg 9. Oktober 1871. // Mein lieber Franz! // Meinen besten, innigsten Dank für deinen so lieben Brief, sowie für das liebe, kleine Buch. // Ich werde fleißig darin lesen, und eben so fleißig dein gedenken! Doch hiezu braucht es wahrlich keines äußern Anlaßes, es vergehen ja ohnehin nur wenige Minuten, wo nicht meine Gedanken zu dir schweifen und bei dir weilen. Wie ist es doch schön, daß ich frei und offen von dir sprechen, der Zeit gedenken darf, wo ich für immer bei dir sein werde! // Das wäre nicht so, wenn ich nicht schon deine erklärte Braut wäre. So kann ich, wann u. so oft ich mag, mit meiner Umgebung von dir reden und mir vorstellen, wie wir Alles einrichten werden. // Nicht wahr, wir wollen und daraus recht angehören, und der Außenwelt nicht zu viele Anrechte auf die uns gehörige Zeit zugestehen! / Aus meinem le[t]zten Briefe hast du ersehen, daß die Großmutter durchaus Nichts von der Wiener Reise wißen will, wir müßen schon auf die Freude verzichten, vor Weihnachten uns noch zu sehen. //''
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''Selbst die Wohnungsfrage thut keine Wirkung wie es scheint. // Aber nicht wahr, zu Weihnachten kommst du sicher? // Ich freue mich ja auch so sehr, dich wieder zu sehen und deine Frage ob ich dich lieb habe, beantworten zu können, nicht mit der Feder, sondern mit Mund und Hand! // Um einer Unordnung in unserm Briefwechsel vorzubeugen, schicke ich je[t]zt sogleich diesen Brief fort, und erwarte'' [unterstrichen:] ''keine auf denselben, ich freue mich auf deinen nächsten Brief, den ich zur gewohnten Zeit beantworten werde. // Heute schreibe ich, um dir sogleich / für "Waldmeisters Brautfahrt zu danken und dich zu fragen, ob es nicht vielleicht gut wäre, wenn du dich selbst an die Großmutter wenden und ihr die Wohnungsfrage als so wichtig vorstellen möchtest. Vielleicht wirkt dieses, allein ich habe wenig Hoffnung. // Wenn wir uns wirklich vor Weihnachten nicht sehen können, wollen wir uns aber mit dem Gedanken trösten, daß sich unsere Wünsche für das Leben ja so schön zu erfüllen versprechen, und wollen Gott bitten daß er Alles vollenden möge. Ich bete oft, Gott möge uns führen und leiten, und uns ein stilles bescheidenes Glück gewähren, und vor Allem in uns Beiden die wahre Liebe und festes Vertrauen zu einander erhalten und stärken, damit, wenn einst das Leben ernste Forderungen an uns stellt, wenn Prüfungen kommen, die uns ganz / gewiß nicht erspart bleiben werden, Eines am Andern einen festen Halt finde.''
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''Ferners bitte ich Gott, mir jene Eigenschaften zu geben, die ich benöthige um dir das zu sein, was ich dir eben sein möchte, eine treue, liebevolle Gefährtin und Freundin in allen Vorkommnissen, so wie ich in dir einen treuen, liebevollen Freund und Gefährten zu finden hoffe! // Gott gebe seinen Segen. // Gerne schaue ich in das Medaillon hinein, und gedenke beim Anblick des kleinen, grünen Blattes sowo[h]l jener Stunde, wo wir einander die kleinen Blätter gaben, als auch derjenigen wo du auf demselben Hügel zuerst mit mir über unsere dereinstige Verbindung sprachest. // Indem ich schließe, wiederhole ich meinen Dank und umarme dich in herzlicher Liebe als // deine treue Fanni. // Grüße v. Minna u. Großmutter.''
 
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