Salzburger Dialekte: Unterschied zwischen den Versionen
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Die bairischen Dialekte werden in nordbairische, mittelbairische und südbairische eingeteilt. Nordbairisch kann für uns außer Betracht bleiben, da es im nordöstlichen Bayern (Oberpfalz) gesprochen wird. | Die bairischen Dialekte werden in nordbairische, mittelbairische und südbairische eingeteilt. Nordbairisch kann für uns außer Betracht bleiben, da es im nordöstlichen Bayern (Oberpfalz) gesprochen wird. | ||
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Ein auffallendes Merkmal des Mittelbairischen ist die Vokalisierung des L am Wortende und vor Konsonanten: ''Hoiz'' statt ''Holz'', ''Gejd'' oder ''Göd'' statt ''Geld'', ''wuid'' oder ''wüd'' statt ''wild''. | Ein auffallendes Merkmal des Mittelbairischen ist die Vokalisierung des L am Wortende und vor Konsonanten: ''Hoiz'' statt ''Holz'', ''Gejd'' oder ''Göd'' statt ''Geld'', ''wuid'' oder ''wüd'' statt ''wild''. | ||
| − | Eine südliche Zone des Mittelbairischen, die einen Übergang zum Südbairischen bildet, wird als '''Südmittelbairisch''' bezeichnet, und diese Übergangszone umfasst die Salzburger Gebirgsgaue sowie angrenzende Gebiete Nordtirols (Unterland) und der Steiermark. | + | Eine südliche Zone des Mittelbairischen, die einen Übergang zum Südbairischen bildet, wird als '''Südmittelbairisch''' bezeichnet, und diese Übergangszone umfasst die Salzburger Gebirgsgaue sowie angrenzende Gebiete Nordtirols (Unterland) und der Steiermark. |
Die mittelbairischen Dialekte werden außerdem in westliche und östliche eingeteilt. Wieder für den Nichtfachmann überraschend, verläuft die Grenze zwischen Westmittelbairisch und Ostmittelbairisch in Nieder- oder Oberösterreich. Sie wandert zufolge des Einflusses des Wienerischen westwärts. | Die mittelbairischen Dialekte werden außerdem in westliche und östliche eingeteilt. Wieder für den Nichtfachmann überraschend, verläuft die Grenze zwischen Westmittelbairisch und Ostmittelbairisch in Nieder- oder Oberösterreich. Sie wandert zufolge des Einflusses des Wienerischen westwärts. | ||
| − | Wenn zB in der Stadt Salzburg statt | + | Wenn zB in der Stadt Salzburg statt "zwoa" vielmehr "zwaa" gesagt wird, so ist dies ein ostmittelbairisches Merkmal. |
Generell kann gesagt werden, dass die unterscheidenden Merkmale der Dialekte zugunsten überregionaler Gemeinsamkeiten zurückgedrängt werden, so etwa in den Gebirgsgauen durch Einflüsse va. des Salzburger Stadtdialekts. | Generell kann gesagt werden, dass die unterscheidenden Merkmale der Dialekte zugunsten überregionaler Gemeinsamkeiten zurückgedrängt werden, so etwa in den Gebirgsgauen durch Einflüsse va. des Salzburger Stadtdialekts. | ||
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''Die Mischgebiete zwischen dem Mittel- und Südbairischen lassen sich durch die Zugehörigkeit zum Herzogtum Österreich (Tiroler Unterland zu Tirol und Steiermark zu Österreich) und durch Wanderbewegungen wie z. B. im damaligen [[Erzdiözese Salzburg|Bistum Salzburg]] zurückführen.'' | ''Die Mischgebiete zwischen dem Mittel- und Südbairischen lassen sich durch die Zugehörigkeit zum Herzogtum Österreich (Tiroler Unterland zu Tirol und Steiermark zu Österreich) und durch Wanderbewegungen wie z. B. im damaligen [[Erzdiözese Salzburg|Bistum Salzburg]] zurückführen.'' | ||
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''Mittelbairisch wird in Niederbayern, Oberbayern, im Süden der Oberpfalz, im [[Flachgau]], in Oberösterreich, Niederösterreich und Wien gesprochen. Das Tiroler Unterland, [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] (ohne den [[Flachgau]]), die Obersteiermark und das Burgenland bilden das südmittelbairische Übergangsgebiet.'' | ''Mittelbairisch wird in Niederbayern, Oberbayern, im Süden der Oberpfalz, im [[Flachgau]], in Oberösterreich, Niederösterreich und Wien gesprochen. Das Tiroler Unterland, [[Salzburg (Bundesland)|Salzburg]] (ohne den [[Flachgau]]), die Obersteiermark und das Burgenland bilden das südmittelbairische Übergangsgebiet.'' | ||
| − | ''Allgemeines Kennzeichen dieser Mundarten ist, dass fortis-Laute wie | + | ''Allgemeines Kennzeichen dieser Mundarten ist, dass fortis-Laute wie p, t, k abgeschwächt werden zu den lenis-Lauten b, d, g. Beispiele: ''Bèch, Dåg, Gnechd'' ("Pech, Tag, Knecht"). Lediglich ''k-'' bleibt im Anlaut vor Vokal als fortis erhalten (zum Beispiel in ''Khuá'' "Kuh"). Außerdem wird auslautendes ''-n'' nasaliert, wie in ''kôô'' ("kann") oder ''Môô'' ("Mann"), der betreffende Selbstlaut (Vokal) wird als Nasalvokal gesprochen (realisiert).'' |
| − | ''Das Mittelbairische lässt sich noch untergliedern in ''Westmittelbairisch'' (auch | + | ''Das Mittelbairische lässt sich noch untergliedern in ''Westmittelbairisch'' (auch "Altbairisch" genannt) und ''Ostmittelbairisch.'' Die Grenze zwischen diesen verläuft durch Oberösterreich und verschiebt sich durch den starken Druck, der vom Wiener Dialekt ausgeht, allmählich westwärts zur Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich hin.'' |
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| + | Es ''wirkt sich der Wiener Einfluss dahingehend aus, dass im ostmittelbairischen Dialektgebiet in den letzten paar Jahrzehnten eine Tendenz besteht, das alte ''oa'' durch das Wiener ''â'' zu ersetzen. Beispielsweise werden ''oans, zwoa, gloa, gleana, Stoa, hoaß, hoazn'' durch ''âns, zwâ, glâ, glâna, Stâ, hâß'' und ''hâzn'' ersetzt. '' | ||
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| − | + | Im [[Flachgau]] ist, wie im Großteil Ober- und in Teilen Niederösterreichs und ''im benachbarten [[Bayern]], die ''altbairische Stammesmundart'' beheimatet (westmittelbairisch); die ansässigen Dialekte bilden mit dem angrenzenden Niederbayerischen einen Sprachverband (Donaubairisch). Anders als das ''Ostmittelbairische'' entstand sie auf dem Boden des alten Stammesherzogtums'' (Baiern). | |
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| + | ''Außerdem typisch für das Westmittelbairische ist die alte Form für "sind": ''hand'' ("Mir hand eam inna worn" = "Wir sind dahintergekommen". "Uns" erscheint oft als "ins" und "zu" als "in" ("Da Schwåger is in’s Heig’n kema" = "der Schwager kam zum Heu machen". Das alte germanische Temporaladverb "åft" wird neben "na" im Sinne von "danach", "hinterher" verwendet. Die letztgenannten Formen sind heute auf den ländlichen Raum beschränkt.'' | ||
| − | == | + | Eine Aussprachebesonderheit des Flachgaus ist bei der L-Vokalisierung die Verschiebung von ''-el'' zu ''oi'' (gilt auch für die Gegend von [[Mühldorf am Inn]]): |
| + | ''schnell'' = ''schnoi'', ''gelb'' = ''goib'', ''Hälfte'' = ''Hoifdn''.<ref>[http://bar.wikipedia.org/wiki/Westmittlboarisch Artikel "Westmittlboarisch" auf der bairischen Wikipedia]</ref> | ||
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| − | + | Der Unterschied zwischen Flachgauer und Tennengauer Mundart ist marginal ([[Anna Buchegger]], Musikerin), die mundartliche Grenze zwischen Flachgau und [[Tennengau]] ist ganz schwach ([[Peter Mauser]], Germanist).<ref>[[ORF]] 1-Sendung [https://on.orf.at/video/14238253/kulturmontag-vom-12082024 "kulturMontag" vom 12. August 2024].</ref> | |
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Das gemeindeutsche ''halten'' wird, wie im Tirolerischen und Alemannischen, durch ''hebm'' ausgedrückt. | Das gemeindeutsche ''halten'' wird, wie im Tirolerischen und Alemannischen, durch ''hebm'' ausgedrückt. | ||
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| − | Südbairische Merkmale des Pongauerischen sind die Lautverschiebung von ''ck'' zu ''ckch'' und ein stark betonter ''ch''-Laut (wie im Tirolerischen). | + | Südbairische Merkmale des [[Pongauer Mundart|Pongauerischen]] sind die Lautverschiebung von ''ck'' zu ''ckch'' und ein stark betonter ''ch''-Laut (wie im Tirolerischen). |
Die mittelbairische L-Schwächung führt nie zu den Umlauten ''ö'' und ''ü''; ''el'' wird vielmehr zu ''ej'', ''il'' zu ''ij'': G''ej''d, v''ij'' (für ''viel''). | Die mittelbairische L-Schwächung führt nie zu den Umlauten ''ö'' und ''ü''; ''el'' wird vielmehr zu ''ej'', ''il'' zu ''ij'': G''ej''d, v''ij'' (für ''viel''). | ||
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Innerhalb des Pongauer Dialektes gibt es Unterschiede, die aber bereits für Sprecher eines anderen bairischen Dialekts kaum wahrnehmbar sind. | Innerhalb des Pongauer Dialektes gibt es Unterschiede, die aber bereits für Sprecher eines anderen bairischen Dialekts kaum wahrnehmbar sind. | ||
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::* '''Stadtsalzburgerisch:''' Haia im Winta is néd wirklich a Schnee do zum Schiiforn, vurigs Joar hod 's gnuag geem. | ::* '''Stadtsalzburgerisch:''' Haia im Winta is néd wirklich a Schnee do zum Schiiforn, vurigs Joar hod 's gnuag geem. | ||
:::* '''Hochdeutsch:''' In diesem Winter hat es kaum Schnee zum Schifahren gegeben, letztes Jahr war genug da. | :::* '''Hochdeutsch:''' In diesem Winter hat es kaum Schnee zum Schifahren gegeben, letztes Jahr war genug da. | ||
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| − | + | Die [[Lungauer Mundart]] hat, weil im Mittelalter lange zu [[Kärnten]] gehörig, Anteil am Phänomen der Kärntner Dehnung. | |
Phonologisch charakteristisch ist die Verschiebung von ''rt'', ''rd'' zu ''cht'' mit einem kehligen ''ch''; zB ''wird'' --> ''wecht''. | Phonologisch charakteristisch ist die Verschiebung von ''rt'', ''rd'' zu ''cht'' mit einem kehligen ''ch''; zB ''wird'' --> ''wecht''. | ||
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Siehe auch das [[Lungau-Lexikon]]. | Siehe auch das [[Lungau-Lexikon]]. | ||
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| + | * [https://www.sprachatlas.at/drentherent/index.html Drent und herent; Dialekte im salzburgisch-bayerischen Grenzgebiet, grenzüberschreitender Dialektlexikon mit Hörbeispielen] | ||
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| + | * {{Quelle dieses Artikels|[[Benutzer:Karl Irresberger|Benutzers Karl Irresberger]]}} | ||
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Aktuelle Version vom 29. November 2024, 19:48 Uhr
Die Salzburger Dialekte sind keine sprachwissenschaftliche (dialektkundliche) Kategorie, da sie sich nicht durch gemeinsame sprachliche Merkmale von anderen Dialekten unterscheiden. Es handelt sich vielmehr einfach um die Dialekte, die im Land Salzburg gesprochen werden.
Allgemeines und Überblick
Die Salzburger Dialekte gehören, wie alle österreichischen Dialekte außerhalb Vorarlbergs, sprachwissenschaftlich zu den bairischen Dialekten ("bairisch" darf dabei nicht vermengt werden mit dem Wort "bayrisch", das sich auf den Freistaat [und davor das Königreich] Bayern bezieht), öfters auch als "bayrisch-österreichische Dialekte" bezeichnet.
Die bairischen Dialekte werden in nordbairische, mittelbairische und südbairische eingeteilt. Nordbairisch kann für uns außer Betracht bleiben, da es im nordöstlichen Bayern (Oberpfalz) gesprochen wird.
Die Sprachformen des Großteils von Tirol, Kärntens sowie (meist auch) der südlichen Steiermark und des Südburgenlandes werden (für den Nichtfachmann überraschend) zu einer Gruppe, nämlich der südbairischen zusammengefasst; dies wegen gewisser konservativer Merkmale dieser sonst doch deutlich unterschiedlichen Dialekte.
Das meiste Bairisch, sowohl in Österreich als auch in Bayern, ist demnach Mittelbairisch.
Ein auffallendes Merkmal des Mittelbairischen ist die Vokalisierung des L am Wortende und vor Konsonanten: Hoiz statt Holz, Gejd oder Göd statt Geld, wuid oder wüd statt wild.
Eine südliche Zone des Mittelbairischen, die einen Übergang zum Südbairischen bildet, wird als Südmittelbairisch bezeichnet, und diese Übergangszone umfasst die Salzburger Gebirgsgaue sowie angrenzende Gebiete Nordtirols (Unterland) und der Steiermark.
Die mittelbairischen Dialekte werden außerdem in westliche und östliche eingeteilt. Wieder für den Nichtfachmann überraschend, verläuft die Grenze zwischen Westmittelbairisch und Ostmittelbairisch in Nieder- oder Oberösterreich. Sie wandert zufolge des Einflusses des Wienerischen westwärts.
Wenn zB in der Stadt Salzburg statt "zwoa" vielmehr "zwaa" gesagt wird, so ist dies ein ostmittelbairisches Merkmal.
Generell kann gesagt werden, dass die unterscheidenden Merkmale der Dialekte zugunsten überregionaler Gemeinsamkeiten zurückgedrängt werden, so etwa in den Gebirgsgauen durch Einflüsse va. des Salzburger Stadtdialekts.
Einzelheiten
Im Folgenden werden vom Wikipedia-Artikel "Bairische Dialekte" übernommene, zumeist aber gekürzte Teile kursiv wiedergegeben.
Die Mischgebiete zwischen dem Mittel- und Südbairischen lassen sich durch die Zugehörigkeit zum Herzogtum Österreich (Tiroler Unterland zu Tirol und Steiermark zu Österreich) und durch Wanderbewegungen wie z. B. im damaligen Bistum Salzburg zurückführen.
Mittelbairisch wird in Niederbayern, Oberbayern, im Süden der Oberpfalz, im Flachgau, in Oberösterreich, Niederösterreich und Wien gesprochen. Das Tiroler Unterland, Salzburg (ohne den Flachgau), die Obersteiermark und das Burgenland bilden das südmittelbairische Übergangsgebiet.
Allgemeines Kennzeichen dieser Mundarten ist, dass fortis-Laute wie p, t, k abgeschwächt werden zu den lenis-Lauten b, d, g. Beispiele: Bèch, Dåg, Gnechd ("Pech, Tag, Knecht"). Lediglich k- bleibt im Anlaut vor Vokal als fortis erhalten (zum Beispiel in Khuá "Kuh"). Außerdem wird auslautendes -n nasaliert, wie in kôô ("kann") oder Môô ("Mann"), der betreffende Selbstlaut (Vokal) wird als Nasalvokal gesprochen (realisiert).
Das Mittelbairische lässt sich noch untergliedern in Westmittelbairisch (auch "Altbairisch" genannt) und Ostmittelbairisch. Die Grenze zwischen diesen verläuft durch Oberösterreich und verschiebt sich durch den starken Druck, der vom Wiener Dialekt ausgeht, allmählich westwärts zur Staatsgrenze zwischen Deutschland und Österreich hin.
Außergebirg
Die Stadt Salzburg
Es wirkt sich der Wiener Einfluss dahingehend aus, dass im ostmittelbairischen Dialektgebiet in den letzten paar Jahrzehnten eine Tendenz besteht, das alte oa durch das Wiener â zu ersetzen. Beispielsweise werden oans, zwoa, gloa, gleana, Stoa, hoaß, hoazn durch âns, zwâ, glâ, glâna, Stâ, hâß und hâzn ersetzt.
Die Formen "i kumm", "mia kumman" für "ich komme", "wir kommen" gelten, im Gegensatz zu "i kimm", "mia kemman", ebenfalls als ostmittelbairisch.
Der Flachgau
Im Flachgau ist, wie im Großteil Ober- und in Teilen Niederösterreichs und im benachbarten Bayern, die altbairische Stammesmundart beheimatet (westmittelbairisch); die ansässigen Dialekte bilden mit dem angrenzenden Niederbayerischen einen Sprachverband (Donaubairisch). Anders als das Ostmittelbairische entstand sie auf dem Boden des alten Stammesherzogtums (Baiern).
Außerdem typisch für das Westmittelbairische ist die alte Form für "sind": hand ("Mir hand eam inna worn" = "Wir sind dahintergekommen". "Uns" erscheint oft als "ins" und "zu" als "in" ("Da Schwåger is in’s Heig’n kema" = "der Schwager kam zum Heu machen". Das alte germanische Temporaladverb "åft" wird neben "na" im Sinne von "danach", "hinterher" verwendet. Die letztgenannten Formen sind heute auf den ländlichen Raum beschränkt.
Eine Aussprachebesonderheit des Flachgaus ist bei der L-Vokalisierung die Verschiebung von -el zu oi (gilt auch für die Gegend von Mühldorf am Inn): schnell = schnoi, gelb = goib, Hälfte = Hoifdn.[1]
Der Tennengau
Der Unterschied zwischen Flachgauer und Tennengauer Mundart ist marginal (Anna Buchegger, Musikerin), die mundartliche Grenze zwischen Flachgau und Tennengau ist ganz schwach (Peter Mauser, Germanist).[2]
Die Gebirgsgaue
Die Mundarten der Salzburger Gebirgsgaue sind allesamt Brückendialekte. Die Pinzgauer Mundart verhält sich weitgehend wie die des Tiroler Unterlandes, die Pongauer zeigt donaubairische und die Lungauer Mundart Kärntner Einflüsse.
Der Pinzgau
- Hauptartikel Pinzgauer Mundart
Phonetik
Zu den Gemeinsamkeiten, die die Pinzgauer Mundart mit der des Tiroler Unterlandes verbindet, gehört die Ersetzung der Konsonantenverbindung rt durch scht: kuschz statt kurz, hoscht statt hart, aber auch weascht statt wird usw.[3]
Wortschatz
Das gemeindeutsche halten wird, wie im Tirolerischen und Alemannischen, durch hebm ausgedrückt.
Der Pongau
Phonologie, Morphologie
Südbairische Merkmale des Pongauerischen sind die Lautverschiebung von ck zu ckch und ein stark betonter ch-Laut (wie im Tirolerischen).
Die mittelbairische L-Schwächung führt nie zu den Umlauten ö und ü; el wird vielmehr zu ej, il zu ij: Gejd, vij (für viel).
Auffällig ist die Verniedlichungsform auf -ai: Katzai, bissai, Schwaindai (Schweinchen) usw.
Untergliederung
Innerhalb des Pongauer Dialektes gibt es Unterschiede, die aber bereits für Sprecher eines anderen bairischen Dialekts kaum wahrnehmbar sind.
Großarler sprechen das ck und das ch sehr hart aus, Nasalvokale wie zB im Wort Gmoâ sind stärker nasaliert als in St. Johann oder Bischofshofen.
Unterschiede bestehen auch zwischen urtümlicheren und moderateren, durch Fremdeinflüsse abgeschwächten Formen.
ZB werden in St. Veit im Pongau, Werfen und Pfarrwerfen urtümlichere Dialektformen verwendet als in St. Johann im Pongau und in Bischofshofen, im Ennspongau urtümlichere als im Salzachpongau.
Beispiele
Beispielwörter
| Pongauerisch | Stadtsalzburgerisch | Hochdeutsch |
|---|---|---|
| nid | néd/ned | nicht |
| zach | miahselig/zach | mühselig, zäh |
| Lassing | Früling | Frühling |
| Hêrest | Herbst | Herbst |
| Roâ | Obhång | Abhang |
| oichibloakkt | owegschmissn | hinuntergefallen |
| mogst a Fózzn/Deetschn | mogst a Watschn/âne ådraad | willst du Schläge |
| Naidai/Naidal | Bussal | Küsschen |
| tênk/dêngg | links | links |
| oft hosd a Pech | nocha host a Pech | danach hat man eben Pech |
| Ampa | Küwe | Eimer/Kübel |
| Mijchbutschn | Müichkånn | Milchkanne |
| Piché | Hügl/Hüge | Hügel |
| ebbas | etwos/wos | etwas |
| enk | aich/enk | euch |
| znagst amoi | boid amoi | bald einmal |
| Zwougsteizz | Woschschüssl | Waschschüssel |
| léb lob | zimle schlecht | ziemlich schlecht |
| Grankn Soissn | Braislbeermamelaad | Preiselbeermarmelade |
| seig wuscht woi 's Irgest saî | dés warad schô dés Ärgste | Das wäre wohl ganz schön schlimm |
| klékkhéscht | stâhort | steinhart |
| Droatsau | ein mit Getreide gefüttertes Schwein | |
| Lâ | Lawine | Lawine |
| drai/drói | drai | drei |
| schiaga | fost | fast/schier |
| trêntn | drüm | drüben |
| aizai | bissl | bisschen |
| schaikkig | liab/nett | nett |
| botschiarigs Trichai | liabs Dirndl/Maadl | hübsches Mädchen |
| gutt | klass/toll/supa/gwandt | klasse/toll |
| zwê(n)/zwoa/zwo (je nach Geschlecht: m/s/w) | zwaa/ (älter:) zwoa | zwei |
| Diwan | Couch/Diwan | Couch |
| fêscht/vorigs Jou | vorigs Joar | vergangenes Jahr |
| oûgézzt | obgrutscht | abgerutscht |
| Kliabhakke | klâne Hoggn | kleine Hacke |
| Janka | Janka/Jaggn | Jacke |
| Gstroû | Widda | Widder |
| Manggai/Manggal | Murmltiar/Manggal | Murmeltier |
| ôhabig | åhänglich | anhänglich/aufdringlich |
| Hådan | Hådan/Fetzn | Fetzen/Putztuch |
| iawand/iawends | ob und zua | ab und zu |
| gaach | gaach/schnöi | schnell |
| Graxn | Graxn | altes Auto/Korb |
| Zekka | Korb | Korb |
| Kleezn | Kleezn | gedörrte Birnen |
| Ziwém/Zibém | Zwetschgn | Zwetschke |
| Bêhaiga wtl.: "Beerenheiger" | Egoist | Egoist |
| hoia/haia | haia | heuer/dieses Jahr |
| schwoschz | schworz | schwarz |
| greâ | greâ/grün | grün |
| blohappat | blóssfiassig/borfiassig | barfüßig |
| arschlings | orschlings/rügglings | rücklinks |
| gódln | nochedösn | dösen/nachnickern |
| bleâgézzn | jamman | jammern |
| ninascht | nirngs | nirgends |
Beispielsätze
Typische Beispielsätze:
- Pongauerisch: Dóscht amoi im Hérest hod 's in Lódan vô da Gmoâ oichibloakkt iwas Roâ.
- Moderates Pongauerisch: Nailich im Herbst hod 's in Lódan vô da Gmoâ owebloakkt iwas Roâ.
- Stadtsalzburgerisch: Nailich im Herbst hod 's 'n Lóda vô da Gmoâ owegschmissn üwa 'n Hüge.
- Hochdeutsch: Neulich im Herbst stürzte der gut gebaute Gemeindearbeiter den Abhang hinab.
- Pongauerisch: Ah dés greâne Schaickai gfoischt ma guad, seig mechat i hom.
- Moderates Pongauerisch: Mai dés greâne Schaickal gfoid ma guad, dés mechat i hom.
- Stadtsalzburgerisch: Mai dé grüne/greâne Westn is vói liab/gwandt, dé mechad i hom.
- Hochdeutsch: Diese grüne Weste finde ich sehr schön, die hätte ich gerne.
- Pongauerisch: Hóia im Winta is oâfocht iwahaupt koâ Schnee zan Schiifoun do gwén, fêscht hod 's gnuag geem.
- Moderates Pongauerisch: Haia im Winta is oâfoch üwahaupt koâ Schnee zum Schiifoarn do gwén, vurigs Joar/Jou hod 's gnuag geem.
- Stadtsalzburgerisch: Haia im Winta is néd wirklich a Schnee do zum Schiiforn, vurigs Joar hod 's gnuag geem.
- Hochdeutsch: In diesem Winter hat es kaum Schnee zum Schifahren gegeben, letztes Jahr war genug da.
Siehe auch "Póngaurisch" auf der bairischen Wikipedia (Hauptquelle dieses Abschnitts)
Der Lungau
Die Lungauer Mundart hat, weil im Mittelalter lange zu Kärnten gehörig, Anteil am Phänomen der Kärntner Dehnung.
Phonologisch charakteristisch ist die Verschiebung von rt, rd zu cht mit einem kehligen ch; zB wird --> wecht.
Lungauerisch hat auch eine bestimmte Melodik, die es mit dem diphthongierenden Murtaler Dialekt verbindet.
Siehe auch das Lungau-Lexikon.
Weblink
Quelle
- Quelle(n) dieses Artikels sind persönliche Erinnerungen oder Kenntnisse von Benutzers Karl Irresberger, die nicht mit Einzelnachweisen belegt sind
Einzelnachweise