Bernhard von Rohr: Unterschied zwischen den Versionen
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== Jugend == | == Jugend == | ||
Das Geschlecht der Herren von Rohr besaßen nach dem Verlust der Herrschaft Rohr (bei Kremsmünster ([[Oberösterreich|OÖ]].) die Stammburg Leonstein an der Steyr. Bernhard von Rohr war zuerst Chorherr in St. Pölten und wurde dann [[Domherr]] und Stadtpfarrer von der [[Stadt Salzburg]]. Er liebte zeitlebens den Prunk und die Freuden der gepflegten Küche und wird von Zeitgenossen als | Das Geschlecht der Herren von Rohr besaßen nach dem Verlust der Herrschaft Rohr (bei Kremsmünster ([[Oberösterreich|OÖ]].) die Stammburg Leonstein an der Steyr. Bernhard von Rohr war zuerst Chorherr in St. Pölten und wurde dann [[Domherr]] und Stadtpfarrer von der [[Stadt Salzburg]]. Er liebte zeitlebens den Prunk und die Freuden der gepflegten Küche und wird von Zeitgenossen als "hofflich, sanfftmietig, arbaitsam" beschrieben, war dabei aber oft sehr launisch und lebte keineswegs zölibatär (er war des "wollusts begierig"). Er richtete sogar das [[1483]] aufgelassene [[Domkloster|Domfrauenkloster]], in das er vom Bischofssitz über einen verdeckten Gang gelangen konnte, als Wohnung für seine Konkubinen ein. | ||
== Bernhard von Rohr als Fürsterzbischof == | == Bernhard von Rohr als Fürsterzbischof == | ||
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Als Landesfürst, als Fürsterzbischof, erhöhte er angesichts hoher Schulden des Fürsterzbistums die Steuern, wogegen die Salzburger erfolglos protestierten. Aus Furcht vor äußeren Feinden aber auch vor Aufständen ließ er an der Südwestflanke der [[Festung Hohensalzburg]] die Bastei [[Katze (Bastei)|Katze]] errichten, die Ringmauer dieser Burg erhöhen und erbaute im Osten die [[Nonnberg-Bastei]]en, die anfangs mit einer Zinnenkrone versehen waren. Auch die [[Bürgerwehr]] auf dem [[Mönchsberg]] wurde damals errichtet und die Ringmauer um die [[Wallfahrtskirche St. Leonhard]] im [[Lungau]]. Anfangs war seine Politik innenpolitisch und außenpolitisch sehr erfolgreich. Überschattet wurde seine Regentschaft durch die verheerenden Türkenraubzüge, durch [[Pest]]epedemien, eine Heuschreckenplage und große Fehden. Dem besonderen Freund künstlerisch wertvoller Bücher verdankt die Salzburger [[Universitätsbibliothek]] eine bedeutenden Anzahl prächtiger Handschriften und Wiegendrucke. Er versah seine Bücher meist mit seiner Devise ''Unica spes mea'' und seinem Wappen. Die bevorzugten Themenkreise waren Theologie und Medizin. Bernhard von Rohr zählte auch zu den Auftraggebern des Salzburger Buchkünstlers [[Ulrich Schreier]]. | Als Landesfürst, als Fürsterzbischof, erhöhte er angesichts hoher Schulden des Fürsterzbistums die Steuern, wogegen die Salzburger erfolglos protestierten. Aus Furcht vor äußeren Feinden aber auch vor Aufständen ließ er an der Südwestflanke der [[Festung Hohensalzburg]] die Bastei [[Katze (Bastei)|Katze]] errichten, die Ringmauer dieser Burg erhöhen und erbaute im Osten die [[Nonnberg-Bastei]]en, die anfangs mit einer Zinnenkrone versehen waren. Auch die [[Bürgerwehr]] auf dem [[Mönchsberg]] wurde damals errichtet und die Ringmauer um die [[Wallfahrtskirche St. Leonhard]] im [[Lungau]]. Anfangs war seine Politik innenpolitisch und außenpolitisch sehr erfolgreich. Überschattet wurde seine Regentschaft durch die verheerenden Türkenraubzüge, durch [[Pest]]epedemien, eine Heuschreckenplage und große Fehden. Dem besonderen Freund künstlerisch wertvoller Bücher verdankt die Salzburger [[Universitätsbibliothek]] eine bedeutenden Anzahl prächtiger Handschriften und Wiegendrucke. Er versah seine Bücher meist mit seiner Devise ''Unica spes mea'' und seinem Wappen. Die bevorzugten Themenkreise waren Theologie und Medizin. Bernhard von Rohr zählte auch zu den Auftraggebern des Salzburger Buchkünstlers [[Ulrich Schreier]]. | ||
Neben Bauten gehörten auch schöne Bücher und Kunstwerke zum Glanz eines Fürsten. Bernhard von Rohr ließ sich fünf Bände einer prachtvoll ausgestalteten Missale beim [[Regensburg]]er Buchmacher Berthold Furtmeyer, der damals als "Fürst der Kleinmalerei" galt. Diese 1481 fertiggestellten Bücher befinden sich heute im Besitz der [[Salzburger Universitätsbibliothek]]. Die Silberschätze Rohrs musste später Fürsterzbischof [[Matthäus Lang]] während der [[ | Neben Bauten gehörten auch schöne Bücher und Kunstwerke zum Glanz eines Fürsten. Bernhard von Rohr ließ sich fünf Bände einer prachtvoll ausgestalteten Missale beim [[Regensburg]]er Buchmacher Berthold Furtmeyer, der damals als "Fürst der Kleinmalerei" galt. Diese 1481 fertiggestellten Bücher befinden sich heute im Besitz der [[Salzburger Universitätsbibliothek]]. Die Silberschätze Rohrs musste später Fürsterzbischof [[Matthäus Lang]] während der [[Salzburger Bauernaufstände]] [[1525]] und [[1526]] einschmelzen und zu Geld machen. | ||
Von ihm in Auftrag war auch jene Türe des alten [[Salzburger Dom]]es gegeben, die heute in der [[Klosterkirche zu den Heiligen Franziskus und Bonaventura]] auf dem [[Kapuzinerberg]] zu sehen ist. Auch die Aufträge zu den Orgeln in der Stadtpfarrkirche (das war damals noch die [[Franziskanerkirche]]) und in der [[Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt|Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt]] in [[Mülln]] wurden von Rohr gegeben. | Von ihm in Auftrag war auch jene Türe des alten [[Salzburger Dom]]es gegeben, die heute in der [[Klosterkirche zu den Heiligen Franziskus und Bonaventura]] auf dem [[Kapuzinerberg]] zu sehen ist. Auch die Aufträge zu den Orgeln in der Stadtpfarrkirche (das war damals noch die [[Franziskanerkirche]]) und in der [[Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt|Pfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt]] in [[Mülln]] wurden von Rohr gegeben. | ||
==== Bernhard von Rohr in der Abwehr der Türkengefahr ==== | ==== Bernhard von Rohr in der Abwehr der Türkengefahr ==== | ||
[[1471]] nahm er am [[Immerwährender Reichstag in Regensburg|Regensburger Reichstag]] teil, wo in der Zeit der steten Türkengefahr dringend Beschlüsse gefasst werden sollten. Am [[14. Mai]] [[1472]] sah sich Rohr genötigt, König Matthias von Ungarn um Schutz seiner Güter des [[Erzstift]]s in den österreichischen Erblanden zu bitten. Dort hatten Adelige eine Fehde gegen | [[1471]] nahm er am [[Immerwährender Reichstag in Regensburg|Regensburger Reichstag]] teil, wo in der Zeit der steten Türkengefahr dringend Beschlüsse gefasst werden sollten. Am [[14. Mai]] [[1472]] sah sich Rohr genötigt, König Matthias von Ungarn um Schutz seiner Güter des [[Erzstift]]s in den österreichischen Erblanden zu bitten. Dort hatten außerdem Adelige eine Fehde gegen den Erzbischof begonnen. Den Aufständischen gehörten Mitglieder von Familien mit großen Besitzungen im salzburgischen Gebiet an. Nach Niederschlagung des Aufstandes konfiszierte der Kaiser [[Friedrich III.]] diese Güter und vergrößerte so seinen Einfluss in Salzburger Gebieten. | ||
Die Türkengefahr nahm ständig zu, bis türkische wilde Scharen schließlich zwischen [[10. Oktober|10.]] und [[14. Oktober]] [[1476]] in [[Kärnten]] standen. Erst am [[16. Oktober]] konnte dann die Landwehr des [[Pinzgau]]s und des [[Pongau]]s mobilisiert werden und am [[17. Oktober]] begab sich der Fürsterzbischof in die [[Festung Hohenwerfen]]. Doch zu diesem Zeitpunkt waren die Türken mit reicher Beute aus Kärnten bereits wieder nach Südosten in ihre Grenzlager zurückgekehrt. Nun wurde eine Türkensteuer eingeführt, mit der die Abwehr organisiert werden sollte. Doch bevor diese Maßnahme einen Erfolg zeigte, waren die Türken wieder über das [[Friaul]] in Kärnten und dortigen Salzburger Gebieten eingefallen. Diesmal waren es aber nicht wilde Scharen, sondern ein Heer von 20 000 Soldaten. Ein Kärntner Bauernheer wurde am [[26. Juli]] [[1478]] bei Goggau vernichtend geschlagen und die Türken zogen weiter Drau aufwärts nach Spittal und Millstatt. Dort überschritten sie die [[Alpen]] und fielen plündernd im [[Lungau]] ein, wo sie sich am [[4. August]] wieder zurückzogen. | Die Türkengefahr nahm ständig zu, bis türkische wilde Scharen schließlich zwischen [[10. Oktober|10.]] und [[14. Oktober]] [[1476]] in [[Kärnten]] standen. Erst am [[16. Oktober]] konnte dann die Landwehr des [[Pinzgau]]s und des [[Pongau]]s mobilisiert werden und am [[17. Oktober]] begab sich der Fürsterzbischof in die [[Festung Hohenwerfen]]. Doch zu diesem Zeitpunkt waren die Türken mit reicher Beute aus Kärnten bereits wieder nach Südosten in ihre Grenzlager zurückgekehrt. Nun wurde eine Türkensteuer eingeführt, mit der die Abwehr organisiert werden sollte. Doch bevor diese Maßnahme einen Erfolg zeigte, waren die Türken wieder über das [[Friaul]] in Kärnten und dortigen Salzburger Gebieten eingefallen. Diesmal waren es aber nicht wilde Scharen, sondern ein Heer von 20 000 Soldaten. Ein Kärntner Bauernheer wurde am [[26. Juli]] [[1478]] bei Goggau vernichtend geschlagen und die Türken zogen weiter Drau aufwärts nach Spittal und Millstatt. Dort überschritten sie die [[Alpen]] und fielen plündernd im [[Lungau]] ein, wo sie sich am [[4. August]] wieder zurückzogen. | ||
Bereits am [[29. Juli]] war diesmal die Salzburger Landwehr aufgestellt gewesen und Bernhard von Rohr war mit seinem [[Domprobst]] ins Gebirge gezogen. Der Bayernherzog Ernst hatte hatte Hilfstruppen entsandt und so konnten die Türken an einem weiteren Vordringen im Land Salzburg gehindert werden. | Bereits am [[29. Juli]] war diesmal die Salzburger Landwehr aufgestellt gewesen und Bernhard von Rohr war mit seinem [[Domprobst]] ins Gebirge gezogen. Der Bayernherzog Ernst hatte hatte Hilfstruppen entsandt und so konnten die Türken an einem weiteren Vordringen im Land Salzburg gehindert werden. | ||
==== Resignation ==== | ==== Resignation ==== | ||
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Doch das Domkapitel und die Mehrheit der [[Hohe Salzburger Landschaft|Salzburger Landschaft]], angeführt von der Stadt [[Mühldorf am Inn]], waren für den Verbleib Rohrs als (Fürst)Erzbischof. Daraufhin teilte Rohr dem Kaiser am [[17. Jänner]] [[1479]] mit, dass es ihm nicht möglich sei, die Bedingungen für die Resignation zu erfüllen. Er hoffte auf die Unterstützung Ungarns und von Bayern. Bernhard von Rohr hatte am [[14. November]] [[1475]] die polnischen Königstochter Hedwig und den Baiernherzog Georg am Hochaltar der noch im Bau befindlichen Martinskirche in Landshut ([[Landshuter Hochzeit]]) getraut und war seither ein gern gesehener Gast am Herzogshof. Aber Herzog Ludwig der Reiche starb am [[27. Jänner]] [[1479]] und der neue Herzog, dessen Sohn, war nicht bereit, das Bündnis seines Vaters mit Rohr zu bestätigen. | Doch das Domkapitel und die Mehrheit der [[Hohe Salzburger Landschaft|Salzburger Landschaft]], angeführt von der Stadt [[Mühldorf am Inn]], waren für den Verbleib Rohrs als (Fürst)Erzbischof. Daraufhin teilte Rohr dem Kaiser am [[17. Jänner]] [[1479]] mit, dass es ihm nicht möglich sei, die Bedingungen für die Resignation zu erfüllen. Er hoffte auf die Unterstützung Ungarns und von Bayern. Bernhard von Rohr hatte am [[14. November]] [[1475]] die polnischen Königstochter Hedwig und den Baiernherzog Georg am Hochaltar der noch im Bau befindlichen Martinskirche in Landshut ([[Landshuter Hochzeit]]) getraut und war seither ein gern gesehener Gast am Herzogshof. Aber Herzog Ludwig der Reiche starb am [[27. Jänner]] [[1479]] und der neue Herzog, dessen Sohn, war nicht bereit, das Bündnis seines Vaters mit Rohr zu bestätigen. | ||
Die vorschnelle Resignation bereute Bernhard von Rohr bald und widerrief seine Zusage. Der Kaiser war darauf ungehalten und erhöhte den Druck auf den Fürsterzbischof. Er trieb diesen dazu, ein Bündnis mit dem kaiserfeindlichen ungarischen König Matthias Corvinus einzugehen und räumte dabei im Vertrag von [[1479]] dem Ungarnkönig seine Burgen in [[Kärnten]] und der [[Steiermark]] | Die vorschnelle Resignation bereute Bernhard von Rohr bald und widerrief seine Zusage. Der Kaiser war darauf ungehalten und erhöhte den Druck auf den Fürsterzbischof. Er trieb diesen dazu, ein Bündnis mit dem kaiserfeindlichen ungarischen König Matthias Corvinus einzugehen und räumte dabei im Vertrag von [[1479]] dem Ungarnkönig seine Burgen in [[Kärnten]] und der [[Steiermark]], was zu langen und blutigen bürgerkriegsähnlichen Unruhen führte. Erst am [[29. November]] [[1481]] dankte Bernhard von Rohr als regierender Fürst endgültig ab, behielt aber lebenslang den Titel eines Fürsterzbischofs von Salzburg. | ||
Sein Rücktritt und die Ernennung von [[Johann III. Beckenschlager|Johann Beckenschlager]] zum Koadjutor von Rohr und [[Administrator (Katholische Kirche)|Administrator]] führte zu neuen Spannungen: Bayrische Parteigänger wollten die Ernennung von Johann Beckenschlager nicht hinnehmen und förderten maßgeblich die (erfolglose) Wahl des Erzbischofs und Salzburger [[Domherr]]en, [[Christoph Ebran von Wildenberg]]. Die heimliche Wahl von Ebran von Wildenberg zum Erzbischof hinter dem Rücken des Administrators Beckenschlager in [[Mühldorf am Inn]] wurde aber weder vom Kaiser noch von Papst anerkannt. Ebran konnte sich nicht durchsetzen und wurde samt seinen Anhängern vom Papst exkommuniziert. | Sein Rücktritt und die Ernennung von [[Johann III. Beckenschlager|Johann Beckenschlager]] zum Koadjutor von Rohr und [[Administrator (Katholische Kirche)|Administrator]] führte zu neuen Spannungen: Bayrische Parteigänger wollten die Ernennung von Johann Beckenschlager nicht hinnehmen und förderten maßgeblich die (erfolglose) Wahl des Erzbischofs und Salzburger [[Domherr]]en, [[Christoph Ebran von Wildenberg]]. Die heimliche Wahl von Ebran von Wildenberg zum Erzbischof hinter dem Rücken des Administrators Beckenschlager in [[Mühldorf am Inn]] wurde aber weder vom Kaiser noch von Papst anerkannt. Ebran konnte sich nicht durchsetzen und wurde samt seinen Anhängern vom Papst exkommuniziert. | ||
Bernhard von Rohr übernahm zur teilweisen Abgeltung der vereinbaren Entschädigungssumme als Administrator das Bistum Wien, musste dieses aber nach wenigen Monaten aufgeben, nachdem Matthias Corvinus [[Wien]] erobert hatte und nun das Amt mit seinem Vertrauensmann besetzte. Bernhard von Rohr zog sich endgültig in die [[Burg Tittmoning]] zurück, wo er wenig beachtet an einem Schlaganfall ( | Bernhard von Rohr übernahm zur teilweisen Abgeltung der vereinbaren Entschädigungssumme als Administrator das Bistum Wien, musste dieses aber nach wenigen Monaten aufgeben, nachdem Matthias Corvinus [[Wien]] erobert hatte und nun das Amt mit seinem Vertrauensmann besetzte. Bernhard von Rohr zog sich endgültig in die [[Burg Tittmoning]] zurück, wo er wenig beachtet an einem Schlaganfall ("Schlagfluss") am 21. März 1487 verstarb. | ||
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