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| | [[Datei:Dezember 2009 167.jpg|thumb|Schneekanone bei der [[Areit]]-Abfahrt]] | | [[Datei:Dezember 2009 167.jpg|thumb|Schneekanone bei der [[Areit]]-Abfahrt]] |
| | [[Datei:Stubnerkogel, Schneekanone vor Kötschachtal.jpg|thumb|Schneekanone auf dem [[Stubnerkogel]]. Im Hintergund das [[Kötschachtal (Tal)|Kötschachtal]]]] | | [[Datei:Stubnerkogel, Schneekanone vor Kötschachtal.jpg|thumb|Schneekanone auf dem [[Stubnerkogel]]. Im Hintergund das [[Kötschachtal (Tal)|Kötschachtal]]]] |
| | + | [[Datei:Hahnbaumlift-Neubau 19.jpg|thumb|Erster Probebetrieb des neuen [[Hahnbaum-Lifte|Schleppliftes]] und der Beschneiungsanlage am [[Hahnbaum Wintersportgebiet|Hahnbaum]] in [[St. Johann im Pongau]] im November 2020.]] |
| | + | [[Datei:ErsteBeschneiungMaiskogel2020.JPG|thumb|[[Kaprun]], [[Maiskogel]]. Situation nach erster Beschneiung im Jahr 2020]] |
| | '''Beschneiungsanlagen''' sind technische Hilfsmittel, um künstlich [[Schnee]] produzieren zu können. | | '''Beschneiungsanlagen''' sind technische Hilfsmittel, um künstlich [[Schnee]] produzieren zu können. |
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| | + | == Übersicht == |
| | + | Datenstand Februar 2015<ref>{{Quelle SN|14. Februar 2015}}</ref>: |
| | + | In Österreich gibt es 19 000 Schneekanonen in 360 Skigebieten mit 25 400 Hektar Pisten. |
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| | + | === Schneekanonen === |
| | + | * 2007: 3 100 Schneekanonen in ganz Europa; |
| | + | * 2015: 3 146 Schneekanonen allein in den drei Skigebieten Ischgl (1 100), Wilder Kaiser - Brixen (1 359) und [[Schladming]]-Planai (690); |
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| | + | === Kraftstoff === |
| | + | * 1 420 Liter pro Hektar werden für die Präparierung von Pisten pro Saison aufgewendet; |
| | + | * das ergibt rund 36 Millionen Liter in Österreich; |
| | + | |
| | + | === Strom === |
| | + | * 250 GWh beträgt der geschätzte Stromverbrauch für die Beschneiung der Pisten pro Saison; |
| | + | ** das Donaukraftwerk Freudenau braucht rund drei Monate, um diese Energie erzeugen zu können; |
| | + | * 14 MWh bedeutet das pro Hektar Piste pro Saison; |
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| | + | === Investitionen === |
| | + | * 2008 bis 2013: 800 Millionen Euro in Beschneiungsanlagen in Österreich; |
| | + | |
| | + | === Entwicklung === |
| | + | ==== 2015 ==== |
| | + | * 67 Prozent aller Pistenflächen müssen und können mittlerweile künstlich beschneit werden; Beschneiungsanlagen werden bis auf 3 000 [[m ü. A.]] genehmigt; |
| | + | * International: |
| | + | ** 50 Prozent im gesamten [[Ostalpen]]<nowiki>raum</nowiki> |
| | + | ** 21 Prozent in [[Frankreich]] |
| | + | ** 20 Prozent in [[Bayern]] |
| | + | ** 36 Prozent in der [[Schweiz]] |
| | + | ** 70 Prozent in [[Italien]] |
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| | + | ==== 2016/2017 ==== |
| | + | * 50 Prozent in der Schweiz (11 000 Hektar = 15 500 Fußballfelder), 90 [[Speicherteich]]e, 242 Mill. Euro jährliche Investitionen |
| | + | * 70 Prozent in der Schweiz (16 600 Hektar = 23 100 Fußballfelder), 420 Speicherteiche, 172 Mill. Euro jährliche Investitionen <ref>{{Quelle SN|21. Jänner 2017 [[Heinz Bayer]]}}</ref> |
| | + | |
| | + | === Kosten der Geräte === |
| | + | Eine Schneelanze kostet rund 4.000 bis 5.000 Euro. Eine Schneekanone kostet rund 27.000 Euro. |
| | + | |
| | + | === Snomax === |
| | + | ''Snomax''<ref>siehe [http://www.snomax.ch/deutsch_slogan.html offizielle Seiten des Produkts]</ref> ist ein Protein, ein Gefrierhelfer, das in Granulatform dem Beschneiungswasser zugesetzt wird und laut Hersteller zu 100 Prozent biologisch abbaubar sein sollte. ''Snowmax'' gibt dem Kunstschnee bis zu 45 Prozent mehr Volumen. |
| | + | |
| | + | === Aufwand === |
| | + | * Mit 400 Liter Wasser und zwei Kilowattstunden Strom werden ein Kubikmeter Kunstschnee erzeugt; dafür betragen die Kosten zwischen drei und fünf Euro pro Quadratmeter; |
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| | ==Leitfaden Beschneiungsanlagen== | | ==Leitfaden Beschneiungsanlagen== |
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| | ===Schneekanonen=== | | ===Schneekanonen=== |
| | ====Allgemeines==== | | ====Allgemeines==== |
| − | Rund 2.500 Schneekanonen stehen im Winter [[2009]]/[[2010|10]] für die etwa 7 000 Hektar Skipisten im [[Bundesland Salzburg]] zur Verfügung. Von dieser Fläche können bereits rund 70 Prozent künstlich beschneit werden. In jenen 53 kleineren und größeren Salzburger Skigebieten, in denen Schneekanonen zum Einsatz kommen, geht der Beschneiungsgrad sogar bis zu 80 Prozent, auf der [[Schmittenhöhe]] bei [[Zell am See]] ab dem Winter 2009/10 sogar 100 Prozent der Skipisten. | + | Rund 2 500 Schneekanonen stehen im Winter [[2009]]/[[2010|10]] für die etwa 7 000 Hektar Skipisten im [[Bundesland Salzburg]] zur Verfügung. Von dieser Fläche können bereits rund 70 Prozent künstlich beschneit werden. In jenen 53 kleineren und größeren Salzburger Skigebieten, in denen Schneekanonen zum Einsatz kommen, geht der Beschneiungsgrad sogar bis zu 80 Prozent, auf der [[Schmittenhöhe]] bei [[Zell am See]] ab dem Winter 2009/2010 sogar 100 Prozent der Skipisten. |
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| | ====Technik==== | | ====Technik==== |
| − | Für den Betrieb dieser rund 2.500 Schneekanonen im Bundesland ist ein Strom- und Wasserbedarf in der Größenordnung notwendig, mit der eine Kleinstadt versorgt werden könnte. Zur Wasserbeschaffung wurden und werden riesige [[Speicherteich]]e im Gipfelbereich des jeweiligen Skigebiets angelegt. Die Fassungsvermögen dieser Sammelbecken reichen von 10 000 bis zu 500 000 Kubikmeter. Insgesamt 108 derartiger Sammelbecken gibt es 2009 im Land Salzburg, deren größtes jenes in [[Zauchensee]] mit 450 000 Kubikmetern Nutzinhalt ist. | + | Für den Betrieb dieser rund 2 500 Schneekanonen im Bundesland ist ein Strom- und Wasserbedarf in der Größenordnung notwendig, mit der eine Kleinstadt versorgt werden könnte. Zur Wasserbeschaffung wurden und werden riesige [[Speicherteich]]e im Gipfelbereich des jeweiligen Skigebiets angelegt. Die Fassungsvermögen dieser Sammelbecken reichen von 10 000 bis zu 500 000 Kubikmeter. Insgesamt 108 derartiger Sammelbecken gabt es [[2009]] im Land Salzburg, deren größtes jenes in [[Zauchensee (Ort)|Zauchensee]] mit 450 000 Kubikmetern Nutzinhalt ist. |
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| | Das [[Wasser]] aus diesen Speicherteichen muss in Kühltürmen dann auf zwei bis drei Grad heruntergekühlt werden, bevor es durch Leitungen zu den einzelnen Geräten gepumpt werden kann. | | Das [[Wasser]] aus diesen Speicherteichen muss in Kühltürmen dann auf zwei bis drei Grad heruntergekühlt werden, bevor es durch Leitungen zu den einzelnen Geräten gepumpt werden kann. |
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| − | 30 Zentimeter Kunstschnee als Grundlage einer Piste entsprechen etwa 75 Zentimeter notwendigem Naturschnee. | + | 30 Zentimeter [[Kunstschnee]] als Grundlage einer Piste entsprechen etwa 75 Zentimeter notwendigem Naturschnee. |
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| | ===Lanzenschneigeräte=== | | ===Lanzenschneigeräte=== |
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| | ==Investitionen== | | ==Investitionen== |
| − | * [[Schmittenhöhebahn AG]]: für Winter 2009/10 eine Million Euro für 190 Hektar Skiflächen und insgesamt in eineinhalb Jahren 2009−2010 14 Millionen Euro für Beschneiungsanlagen und einen [[Speicherteich]] | + | * [[Schmittenhöhebahn AG]]: für Winter 2009/2010 eine Million Euro für 190 Hektar Skiflächen und insgesamt in eineinhalb Jahren 2009−2010 14 Millionen Euro für Beschneiungsanlagen und einen [[Speicherteich]] |
| | * [[Gasteinertal]]: 1,2 Mill. Euro haben die Bergbahnen im Sommer 2009 in den Ausbau von Beschneiungsanlagen gesteckt | | * [[Gasteinertal]]: 1,2 Mill. Euro haben die Bergbahnen im Sommer 2009 in den Ausbau von Beschneiungsanlagen gesteckt |
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| | * In [[Saalbach-Hinterglemm]] sind 455 Schneekanonen im Einsatz, die von acht Speicherteichen versorgt werden; damit können 90 Prozent der 200 Pistenkilometer künstlich beschneit werden | | * In [[Saalbach-Hinterglemm]] sind 455 Schneekanonen im Einsatz, die von acht Speicherteichen versorgt werden; damit können 90 Prozent der 200 Pistenkilometer künstlich beschneit werden |
| | * 42 Anlagen gibt es im [[Pinzgau]], 40 im [[Pongau]], neun im [[Tennengau]], acht im [[Lungau]] und zwei im [[Flachgau]] | | * 42 Anlagen gibt es im [[Pinzgau]], 40 im [[Pongau]], neun im [[Tennengau]], acht im [[Lungau]] und zwei im [[Flachgau]] |
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| | + | Im Winter 2012/13 wurden 4 700 Hektar künstlich beschneit<ref>{{Quelle SN|18. September 2012}}</ref>. |
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| | ==Vorteile== | | ==Vorteile== |
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| | == Beispiele mit technischen Informationen == | | == Beispiele mit technischen Informationen == |
| | * [[Bergbahnen Flachau#Beschneiung|Bergbahnen Flachau]] | | * [[Bergbahnen Flachau#Beschneiung|Bergbahnen Flachau]] |
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| | + | == Energiepolitische Probleme 2022 == |
| | + | Aufgrund des [[Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine und dessen Auswirkungen auf Salzburg|Angriffskriegs von Russland auf die Ukraine]] seit Februar [[2022]] kam es im Lauf des Jahres zu Lieferrückgängen von Gas aus [[Russland]] und einem Boykott für den Bezug von russischem Erdöl. Dies führt zur Erstellung eines Notfallplans der österreichischen Bundesregierung für den Fall, dass aber Herbst-Winter 2022-[[2023]] es zu Energieproblemen in Österreich kommen könnte. Ein Aspekt dabei war der enorme Wasser- und Stromverbrauch für Beschneiungsanlagen sowie der Energieverbrauch von Seilbahnen. Die Überlegungen der Regierung gingen dahingehend, dass für kritische Infrastrukturen die Energieversorgung gesichert sein sollte, andere wirtschaftliche Bereiche jedoch weniger versorgt werden sollte. Das brachte die Seilbahnwirtschaft auf die Barrikaden.<blockquote>Und wenn heute in Wien die Frage gestellt wird, ob Seilbahnen und Schneeanlagen sicherheitsrelevante Einrichtungen sind, die auch versorgt werden müssen im Herbst, dann sage ich denen: "Freunde, ich schaue nicht zu, wie das Wasser an mir vorbeirinnt und Strom für die Stadt produziert wird, und wir sitzen im Trockenen. Dann werden wir uns auch zu wehren wissen."</blockquote>Mit diesen Worten hatte der Obmann der österreichischen Seilbahnwirtschaft Franz Hörl, gesprochen bei einer Lifteröffnung in Vorarlberg Anfang Juli, für einen Eklat gesorgt. Vor dem Hintergrund drohender Energierationierungen in der Wintersaison wurde dem Tiroler ÖVP-Nationalratsabgeordneten vorgeworfen, touristische Interessen mit Notwendigkeiten im Gesundheitsbereich oder in der Lebensmittelproduktion gleichzustellen. Für [[Erich Egger]], Pendant zu Hörl als Seilbahnsprecher im Land Salzburg, stand ebenfalls außer Frage, dass die Lifte und dazugehörige Beschneiungsanlagen zur kritischen Infrastruktur gehören, wenn auch zu jener "zweiter Rangordnung", wie der Vorstand der [[Schmittenhöhebahn AG]] in [[Zell am See]] sagte. "Da muss man ganz klar sagen: Die Beschneiung ist ja nicht unser Hobby. Das ist unsere industrielle Grundproduktion." Wenn es keinen Schnee auf den Pisten gebe, finde kein Wintertourismus statt. Es gehe nicht um ein paar Seilbahnen. "Davon hängen Tausende Betriebe ab und noch viel mehr Existenzen."<ref>[https://www.sn.at/salzburg/politik/stromfresser-seilbahnen-kommt-die-energiebremse-fuer-den-tourismus-124622227 www.sn.at], 23. Juli 2022</ref> |
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| | ==Weblinks== | | ==Weblinks== |
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| | * [[Salzburger Nachrichten]], ''Frau Holles Helfer'', 11. Dezember 2010 | | * [[Salzburger Nachrichten]], ''Frau Holles Helfer'', 11. Dezember 2010 |
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| − | == Fußnoten == | + | == Einzelnachweise == |
| | <references/> | | <references/> |
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| | [[Kategorie:Tourismus]] | | [[Kategorie:Tourismus]] |
| | [[Kategorie:Wintersport]] | | [[Kategorie:Wintersport]] |
| | + | [[Kategorie:Winterfremdenverkehr]] |