Kobler-Spängler-Briefe von 1882: Unterschied zwischen den Versionen
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==== Brief vom 15. März 1882 von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | ==== Brief vom 15. März 1882 von Franz Spängler an Fanni Spängler ==== | ||
ohne Datum [15. März 1882], Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler:<br /> | ohne Datum [15. März 1882], Franz Spängler, Salzburg, an Fanni Spängler:<br /> | ||
''Liebste Fanni. So ist schon das Befürchtete so bald eingetreten und unsere gute Mutter | ''Liebste Fanni. So ist schon das Befürchtete so bald eingetreten und unsere gute Mutter [ [[Antonia Spängler]], Anm.] ist nicht mehr. Ich habe, wie ich mir wohl gedacht hatte, gestern den Schnellzug nicht mehr erreicht, u. bin mit dem Postzuge um 9 Uhr hier nach einer fast schlaflos zugebrachten Nacht eingelangt. Louise mit der kleinen Bertha erwarteten mich mit einem Wagen am Bahnhofe, u. aus den Mittheilungen der Louise entnam ich sofort dß jede Hoffnung auf Wiedergenesung aufzugeben sei. Ich fand die Mutter mit fast unveränderten Gesichtszügen, aber in den Händen sehr abgeXXX u. kalt, theilnamslos u. etwas röchelnd dahin liegen; ich redete sie an, sagte ihr, dß ihr Franz da sei, dß du und die Kinder sie grüßen lassen, sie blikte etwas auf, lächelte etwas, um aber sogleich wieder in ihre Theilnamslosigkeit zurück zu sinken; sie scheint also meine Anwesenheit noch aufgefaßt zu haben. Sprechen konnte sie erst nicht mehr, oder doch nicht mehr verständlich; Anna behauptete wohl so habe noch meinen Namen genannt, aber ich habe es nicht sicher vernommen. Ich blieb mit Otto an ihrem Bette, flößte ihr noch einige Male Wasser u. Himbeersaft ein, was ihr sichtlich behagte. Circa um 11 Uhr wurde das Röcheln, welches jedoch nur von Schleim herrührte, schwächer; da kam Kalhofer, u. während wir mit diesem sprachen, wurde die gute Mutter noch stiller, u. während nun Kalhofer noch Sterbegebete sprach, machte die Mutter ein Paar stärkere Athemzüge, öffnete u. schloß noch einige Male nacheinander den Mund u. ruhig ohne den geringsten Todeskampfe, ja mit fast einem Lächeln um den Mund schlummerte die gute Mutter hinüber, um hoffentlich im Jenseits den Lohn ihrer Liebe u. Güte, ihrer Frömmigkeit u. ihres Wohlthuns zu finden. Ein Tod so ruhig, so schmerzlos, wie man sich denselben nur wünschen kann. Sie war berets Dienstags versehen worden, u. hatte ruhig und ergeben ihrem Ende entgegen gesehen.'' | ||
'' – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St. Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht'' | '' – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St. Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht'' | ||