Anna Bertha Gräfin Königsegg: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Anna Bertha Königsegg''' (* [[9. Mai]] [[1883]] in Königseggwald, [[Württemberg]] | '''Anna Bertha Königsegg''' (* [[9. Mai]] [[1883]] in Königseggwald, [[Württemberg]]; † [[12. Dezember]] [[1948]] in der [[Stadt Salzburg]]) war Visitatorin der [[Kongregation der Barmherzigen Schwestern|Barmherzigen Schwestern]] in Salzburg. | ||
==Leben== | == Leben == | ||
Anna Bertha Gräfin zu Königsegg-Aulendorf war das zweite Kind des Württembergischen Fürsten Franz Xaver Graf zu [[Königsegg]]-Aulendorf. Ihr jüngerer Bruder Joseph Erwein (* [[19. März]] [[1891]] in Königseggwald; † [[14. März]] [[1951]] ebenda) war verheiratet mit Lucia [[Wilczek]] (* [[9. Juni]] [[1895]] in Korneuburg, [[NÖ]]; † [[6. Dezember]] [[1977]] in Königseggwald), einer Tante der Ehefrau des Fürsten Franz Joseph II. von und zu [[Fürstentum Liechtenstein|Liechtenstein]] und Schwester des Besitzers von [[Schloss Moosham]], [[Johann Gregor Wilczek|Hans-Gregor Wilczek]] (* [[1884]]; † [[1968]]). | |||
Mit 18 Jahren hatte sie sich den [[Barmherzige Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul|Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul]] angeschlossen und war [[1925]] als Visitatorin der Salzburger Ordensprovinz berufen worden. | |||
==== | Ihr Orden, [[1844]] vom Salzburger (Fürst)[[Erzbischof]] Kardinal [[Friedrich VI. Fürst Schwarzenberg]] ins Land geholt, betätigte sich vor allem vorbildlich im Spitalswesen und hatte sich bei der Pflege von geistig Behinderten in [[Schloss Schernberg]] große Verdienste erworben. Die Visitatorin Anna Bertha Königsegg war eine glaubensstarke, resolute Frau und entschiedene Gegnerin des [[Nationalsozialismus]], die dem Konflikt mit dem Regime nicht auswich. Daher war es schon [[1939]] zu Angriffen in der NS-gesteuerten Salzburger und Tiroler Presse gekommen. Nach der Einführung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses am [[1. Jänner]] [[1940]] in der "Ostmark" wies die Visitatorin ihre Untergebenen an, bei Zwangssterilisierungen nicht mitzuwirken, und ermutigte zugleich den offenbar schwankenden (Fürst)Erzbischof Dr. [[Sigismund IV. von Waitz]] zu einer festen Haltung. | ||
==== Schwester Anna Berthas Proteste gegen die NS-Euthanasie==== | |||
Als ein am 17. August [[1940]] verfasstes Schreiben der [[Reichsgau Salzburg|Reichsstatthalterei Salzburg]], Abteilung III, Gaufürsorgeamt, gezeichnet von Dr. [[Oskar Hausner]], in der den Barmherzigen Schwestern unterstehenden Versorgungsanstalt Schernberg einlangte, in dem die Verlegung von Kranken auf Weisung des Reichsverteidigungskommissars des Wehrkreises XVIII angekündigt wurde, wusste die Visitatorin über die [[NS-Euthanasie]]maßnahmen bereits Bescheid und leistete von Anfang an Widerstand. In einem Schreiben, dessen Inhalt sie vorher mit dem Leiter des Caritasverbandes, Prof. Dr. [[Franz Fiala]] abgesprochen hatte, an den Reichsverteidigungskommissar, das war der Salzburger Reichsstatthalter und NSDAP-Gauleiter [[Friedrich Rainer]], nahm sie ausdrücklich gegen die Maßnahmen Stellung: "Es ist nunmehr ein offenes Geheimnis, welches Los diese abtransportierten Kranken erwartet, denn nur zu oft langt kurz nach ihrer Überführung die Todesnachricht vieler derselben ein." Eindringlich ersuchte Anna Bertha Königsegg Gauleiter Rainer, davon Abstand zu nehmen, indem sie auf die negativen Reaktionen des Auslandes verwies und an das religiöse Gewissen des NS-Politikers appellierte. Sie bot sogar an, auf staatliche Beiträge für die Anstalt bis zum Ende des Krieges zu verzichten. Für den Fall des Abtransportes der Kranken lehnte die Visitatorin jede Mithilfe dabei entschieden ab. Sie vertrat damit jene Position, die auch die im August 1940 tagende Fuldaer Bischofskonferenz einnahm. Bei dieser Tagung verurteilten die Bischöfe des Deutschen Reiches, unter ihnen Innitzer und Waitz, die NS-Euthanasie und verboten den katholischen Pflegeanstalten die Mitwirkung. | Als ein am 17. August [[1940]] verfasstes Schreiben der [[Reichsgau Salzburg|Reichsstatthalterei Salzburg]], Abteilung III, Gaufürsorgeamt, gezeichnet von Dr. [[Oskar Hausner]], in der den Barmherzigen Schwestern unterstehenden Versorgungsanstalt Schernberg einlangte, in dem die Verlegung von Kranken auf Weisung des Reichsverteidigungskommissars des Wehrkreises XVIII angekündigt wurde, wusste die Visitatorin über die [[NS-Euthanasie]]maßnahmen bereits Bescheid und leistete von Anfang an Widerstand. In einem Schreiben, dessen Inhalt sie vorher mit dem Leiter des Caritasverbandes, Prof. Dr. [[Franz Fiala]] abgesprochen hatte, an den Reichsverteidigungskommissar, das war der Salzburger Reichsstatthalter und NSDAP-Gauleiter [[Friedrich Rainer]], nahm sie ausdrücklich gegen die Maßnahmen Stellung: "Es ist nunmehr ein offenes Geheimnis, welches Los diese abtransportierten Kranken erwartet, denn nur zu oft langt kurz nach ihrer Überführung die Todesnachricht vieler derselben ein." Eindringlich ersuchte Anna Bertha Königsegg Gauleiter Rainer, davon Abstand zu nehmen, indem sie auf die negativen Reaktionen des Auslandes verwies und an das religiöse Gewissen des NS-Politikers appellierte. Sie bot sogar an, auf staatliche Beiträge für die Anstalt bis zum Ende des Krieges zu verzichten. Für den Fall des Abtransportes der Kranken lehnte die Visitatorin jede Mithilfe dabei entschieden ab. Sie vertrat damit jene Position, die auch die im August 1940 tagende Fuldaer Bischofskonferenz einnahm. Bei dieser Tagung verurteilten die Bischöfe des Deutschen Reiches, unter ihnen Innitzer und Waitz, die NS-Euthanasie und verboten den katholischen Pflegeanstalten die Mitwirkung. | ||
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Zu Recht bezeichnet [[Ernst Hanisch]] die Handlungsweise der Visitatorin der Barmherzigen Schwestern als die "couragierteste Protestaktion der Kirche in Salzburg". [[Walter Reschreiter]], dessen eindrucksvolle biographische Skizze im Jahrbuch 1991 des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) diesem Artikel zugrunde liegt, stellt Anna Bertha Königsegg "in eine Reihe mit Bischof Clemens August von Galen und anderen mutigen Christen". | Zu Recht bezeichnet [[Ernst Hanisch]] die Handlungsweise der Visitatorin der Barmherzigen Schwestern als die "couragierteste Protestaktion der Kirche in Salzburg". [[Walter Reschreiter]], dessen eindrucksvolle biographische Skizze im Jahrbuch 1991 des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW) diesem Artikel zugrunde liegt, stellt Anna Bertha Königsegg "in eine Reihe mit Bischof Clemens August von Galen und anderen mutigen Christen". | ||
== | In den meisten Geschichten der NS-Euthanasie freilich (Ernst Klee, Henry Friedlander, Hans-Walter Schmuhl) bleibt ihr Name unerwähnt. | ||
Der [[Salzburger Gemeinderat|Gemeinderat]] der Stadt Salzburg benennt 1988 [[Anna-Berta-Königsegg-Straße|eine kurze Straße]] nach ihr. Im Stadtteil [[Mülln]] erinnert im [[Salzachgässchen]] Nr. 3 eine Gedenktafel an Anna Bertha Königsegg. | |||
== Ehrungen == | |||
Der [[Salzburger Gemeinderat|Gemeinderat]] der Stadt Salzburg benennt 1988 [[Anna-Berta-Königsegg-Straße|eine kurze Straße]] im Stadtteil [[Gnigl]] nach ihr. Im Stadtteil [[Mülln]] erinnert im [[Salzachgässchen]] Nr. 3 eine Gedenktafel an Anna Bertha Königsegg. Dort wurde am [[25. September]] [[2018]] auch ein [[Stolperstein]] verlegt. | |||
Im Salzburger Stadtteil [[Taxham]] trägt die Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder ihren Namen ([[Anna-Bertha-Königsegg-Schule]]). | Im Salzburger Stadtteil [[Taxham]] trägt die Sonderschule für schwerstbehinderte Kinder ihren Namen ([[Anna-Bertha-Königsegg-Schule]]). | ||
==Literatur und Quellen== | == Literatur und Quellen == | ||
*Wolfgang Neugebauer: "Unser Gewissen verbietet uns, in dieser Aktion mitzuwirken", Vortrag anlässlich einer Gedenkveranstaltung für Sr. Anna Bertha Königsegg, Schloss Goldegg, 12. November 1998 | * Wolfgang Neugebauer (Historiker): "Unser Gewissen verbietet uns, in dieser Aktion mitzuwirken", Vortrag anlässlich einer Gedenkveranstaltung für Sr. Anna Bertha Königsegg, Schloss Goldegg, 12. November 1998 | ||
* [ | * [https://www.stolpersteine-salzburg.at/stolperstein/koenigsegg_anna-bertha/ www.stolpersteine-salzburg.at] | ||
* | * www.oegkv.at/uploads/media/fuerstler__malina_02.pdf, historische Pflegeforschung, Link war bei einer Überprüfung am 12. Dezember 2022 nicht mehr abrufbar | ||
* betreffend Gespräch mit Franz Fiala: | * www.beepworld.de/members91/hriesop/koenigseggannabertha.htm, Lebenslauf, Link war bei einer Überprüfung am 12. Dezember 2022 nicht mehr abrufbar | ||
* [https://www.geni.com/people/Joseph-Erwin-Graf-von-K%C3%B6nigsegg-Aulendorf/6000000024388798893 www.geni.com] | |||
* betreffend Gespräch mit Franz Fiala: "Couragierte Beschützerin, Anna Bertha Königsegg" in VN 82.pdf - Lazaristen, Abruf am 1. Juni 2013 | |||
{{SORTIERUNG: Königsegg, Anna Bertha Gräfin}} | {{SORTIERUNG:Königsegg, Anna Bertha Gräfin}} | ||
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[[Kategorie:Person (Geschichte)]] | [[Kategorie:Person (Geschichte)]] | ||
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[[Kategorie:Katholische Kirche]] | |||
[[Kategorie:Orden (Kirche)]] | [[Kategorie:Orden (Kirche)]] | ||
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[[Kategorie:Nationalsozialismus]] | |||
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[[Kategorie:Zuagroaste]] | [[Kategorie:Zuagroaste]] | ||
[[Kategorie:Deutschland]] | |||
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[[Kategorie:Gestorben 1948]] | |||